Tag zwei von 10 im Quadrat: Lachen, Musik hören und die Welt retten

Auch am Sonntag war die Ausstellung im Farbenladen des Feierwerks gut besucht. Nach drei Comedy-Auftritten werden Ansätze vorgestellt, um nachhaltig zu leben und das Klima zu retten. In den Abend hinein begleiten uns die Klänge von Jakob Mühleisen.

Von Linus Freymark

Zum Ende hin kommt sogar die Sonne raus. Der Singer-Songwriter Jakob Mühleisen hat gerade die ersten sehnsuchtsvoll-melancholischen Takte auf seiner Gitarre angestimmt, da schiebt sie sich durch die grauen Wolken am Himmel und strahlt in den Farbenladen, in dem die letzten Gäste auf den Bänken am Fenster sitzen und Jakobs Musik lauschen.

Zwei Stunden zuvor, 17 Uhr. Der Sonntag, Tag zwei der Ausstellung „10 im Quadrat“, beginnt mit Comedy. Die Comedians Hani Who, Nikola Ljubic und Nick Schmid arbeiten sich herrlich unkorrekt an Geschlechter- und Nationalitätsklischees ab und thematisieren die Probleme junger Menschen. Etwa die Widrigkeiten, mit denen man während einer Fahrt im Flixbus zu kämpfen hat. Nick Schmid resümiert: „Auf der Toilette dort ist alles nass – außer das Waschbecken.“ Und Hani Who, der aus Afghanistan stammt und als Model an der Ausstellung mitgewirkt hat, sagt in Anspielung auf seinen dunkleren Teint: „Ich bin ein echter Südländer. Ich komme aus Garmisch-Partenkirchen.“

Nick Schmid (l.) und Hani Who (Mitte) schauen Nikola Ljubic zu.

Auch Model Azeret Koua ist am Sonntag wieder da, nachdem sie am Samstag bereits auf der Vernissage war. Normalerweise nimmt sie Podcasts auf oder ist als Regisseurin tätig, für „10 im Quadrat“ stand sie das erste Mal selbst vor der Kamera. Eine neue Erfahrung sei das gewesen, erzählt sie: „Es war definitiv eigenartig, denn eigentlich bin ich diejenige, die beobachtet.“ Während des Shootings aber waren es eher Fotografen wie Özgün Turgut oder Ewelina Bialoszewska, die ihre Models beobachteten. Zehn verschiedene Menschen hatten sie jeweils für die Ausstellung vor der Kamera, heraus kamen zehn völlig verschiedene Fotos. „Jeder ist einzigartig, das sieht man auch auf den Porträts“, sagt Özgün.

Kurz vor halb sieben. Es wird ernst. „Am Freitag retten wir die Welt“ heißt das Thema der Talkrunde, in der es um Umweltschutz und Nachhaltigkeit geht. Die Bandbreite unter den Teilnehmern, fünf Frauen, ein Mann, ist groß: Svenja Kluge, die die Folgen des Klimawandels besonders drastisch während eines Aufenthalts in der Dominikanischen Republik vor Augen geführt bekommen hat, als sie das viele Plastik im Meer gesehen hat, hat sich der Rettung der Wale verschrieben. Die Bloggerin Stefanie Höpler versucht, möglichst ohne Plastik zu leben, Matilde Gettins ist in der Organisation von Fridays for Future in München und streikt jede Woche fürs Klima und Valerie Hütt setzt, wie die weiteren Mitglieder von Extinction Rebellion München, für die sie heute spricht, auf Umweltschutz durch eine „gewaltfreie Rebellion“, sprich zivilen Ungehorsam. Tim Schwab und Alice Kessler vom Klimacamp Chiemsee organisieren Workshops zum Thema Nachhaltigkeit. Sie waren auch bei den Protesten im Hambacher Forst dabei und stellen die Systemfrage: Ist der Kapitalismus die richtige Gesellschaftsform, um den Klimawandel zu stoppen oder wenigstens aufzuhalten?

Jeder der Talkgäste hat für sich einen anderen Weg gefunden, möglichst klimaneutral zu leben und auf Nachhaltigkeit zu achten. In einem Punkt aber sind sich alle einig: So, wie die Politik bisher mit dem Klimawandel umgeht, könne es nicht weitergehen. Es brauche einschneidendere Maßnahmen, gerade was die Industrie betreffe, um die Erderwärmung aufzuhalten. Eine Meinung, die auch in den Umweltkolumnen der SZ Junge Leute-Redaktion durchklingt, die im Voraus vorgelesen werden. Die drei Autorinnen berichten von den Schwierigkeiten, mit denen man konfrontiert wird, wenn man etwa versucht, auf Plastik zu verzichten. Erst recht im Ausland sei das fast unmöglich.

Jakob Mühleisen spielt Gitarre und Kazoo – gleichzeitig.

Dann kommt Jakob Mühleisen in die Mitte des Raumes, hängt sich seine Gitarre um die Schulter und rückt das Mikrofon auf dem Ständer vor ihm zurecht. Es ist kurz nach sieben. „The Way you look at me is like the Sunshine in the Morning“, singt er. Und steht dabei tatsächlich in den ersten Sonnenstrahlen des Tages.

Fotos: Sophie Röhrmoser