Nichts ist unmöglich

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Der 26 Jahre alte Aaron Kokal schafft mit seinem Künstlerkollektiv „Schallvagabunden“ Räume für freie Kunst – in einer Stadt, die immer weniger Flächen für junge Kreative bietet.

München ist eine volle Stadt. Voller Menschen, voller Autos, voller sündhaft teuren Wohnungen. Aber keinesfalls leer von Kunst. Auch solcher Kunst, die sich fern der großen Bühnen an genau jenen Orten versteckt, die ihr einen Freiraum bieten, um sich entfalten zu können. Orte, wie sie allerdings immer schwerer zu finden sind in einer nachverdichteten Großstadt.

Der 26-jährige Aaron Kokal ist recht geübt darin, solche Orte ausfindig zu machen. Das von ihm gegründete Künstlerkollektiv „Schallvagabunden“ besetzte schon verschiedene leer stehende Gebäude oder Flächen, sogenannte Zwischennutzungen. Zuletzt verwandelten sie einen leer stehenden Raum in der Dachauer Straße in einen kreativen Kunst-, Konzert- und Feier-Freiraum. Aaron, hohe Statur, verschmitztes Lächeln, ruhige Stimme, wirkt ein bisschen wie ein Fremdkörper in dieser gehetzten Stadt. „Wir wollen etwas auf die Beine stellen, das sich für die verträumten Hippies aus der Großstadt wie ein sicherer Hafen anfühlt“, erzählt er. Mit Stoppelbart, seinen kurz geschorenen Haaren und dem weißen T-Shirt sieht Aaron zwar nicht gerade aus wie ein idealtypisch verträumter Hippie. Aber seine ausgeglichen wirkende Ausstrahlung und sein ruhender Blick machen das wieder wett.

Wenn Aaron zu schwärmen beginnt, von Musik als lebensschöpfender Kraft, von der Unumgänglichkeit der Natur, von großen Ideen wie der „weiterdenkenden Nachhaltigkeit“, gewinnt man den Eindruck, dass in dem 26-Jährigen wohl doch etwas von Beidem stecken könnte: verträumter Hippie und einfacher Junge vom Land.

Letzteres ist noch nicht einmal weit hergeholt. Aufgewachsen ist Aaron im winzigen Weiler Hub: ein paar Bauernhäuser, Felder und Wald, eine Autostunde östlich von München. „Das prägt schon sehr stark da draußen“, meint er. „Du fällst aus der Tür in den Wald rein. Das ist ganz einzigartig.“ Der Umzug nach München mit 14 fiel ihm nicht leicht. „Überall Mauern, Wände“. Wenn Aaron sich heute für Kunst in der Stadt einsetzt, dann immer auch, um jene Wände zu durchbrechen. Er möchte Menschen zusammenkommen lassen, die sich sonst nie begegneten.

Dafür bot ihm die Stadt ein Netzwerk. Aaron lernte Musiker, DJs, Künstler kennen. Tauschte Ideen aus. Er schmiss Kellerpartys in seiner WG. Und er merkte, dass ihm das Organisieren solcher Events am meisten Freude bereitet. Aaron erkennt darin sein großes Talent. „Die Kunst sollen Andere machen“, meint er und lacht. Selbstverwirklichung ist für ihn etwas ganz und gar Kollektives. „Man wächst aneinander und miteinander. Kunst und insbesondere Musik als Erlebnis hat das Potenzial, diese Prozesse zu intensivieren und zu beschleunigen.“

Nebenbei studiert Aaron Soziologie und Philosophie, sechs Semester in fünf Jahren. Kann das gut gehen? „Es gab einfach so viel anderes, was ich tun wollte. Wahrscheinlich bräuchte ich drei Visitenkarten, wenn nicht noch mehr“, sagt der Münchner. Er sucht und nutzt nicht nur vorübergehend leer stehende Häuser oder Hallen, er hat auch Ausstellungen wie die ArtMuc mit kuratiert, als Monteur auf Messen gearbeitet und ein großes Festival in seinem Heimatort aus dem Boden gestampft.

Freistehende Flächen in einer Stadt wie München für Kunst zu gewinnen, ist alles andere als leicht, die Erfahrung musste auch Aaron schon oft machen. Ein Grund, dieser Stadt den Rücken zu kehren, sei das aber noch lange nicht, im Gegenteil: „Gerade deshalb ist diese Stadt der beste Ort, um sich an alternativen Projekten zu versuchen“, sagt Aaron voller Überzeugung. „Das Durchhaltevermögen macht sich umso mehr bezahlt.“ Und wenn Aaron aufzählt, wie viele DJs und Hip-Hop-Produzenten er in den Münchner Clubs entdeckte, lächelt er mit bübischer Freude.

Beim Herzensprojekt der Schallvagabunden aber stellte sich der Erfolg fast von selbst ein. Das „Midsommar“-Festival ist einem alten skandinavischen Brauch nachempfunden, Aaron zündet dann auf einer Wiese in seiner Heimatgemeinde immer ein großes Sonnwendfeuer an. Irgendwann gab es eine ganze Reihe Konzerte und elektronische Musik zum Tanzen dazu. „Das ist ganz von allein gewachsen“, meint Aaron. Besonders schön sei es für ihn zu sehen, dass sich das Gemeinschaftsgefühl über die Jahre erhalten habe. „Weil die Leute von der ersten Stunde alle noch dabei sind und alle sich immer so respektvoll verhalten haben.“ Vor zwei Jahren kamen knapp tausend Menschen, die Münchner Band „Matija“ spielte als Headliner. Aaron dachte noch immer nicht daran, die Feier als Veranstaltung anzumelden. Zurück blieben einige Tage später höchstens ein paar Zigarettenstummel. Die Besucher hätten richtige Putztrupps gebildet. „Die Menschen spüren, dass wir das alle ohne Interesse am Geldverdienen machen. Da kommt immer etwas zurück“, sagt Aaron.

In diesem Jahr wird er seinen „Midsommar“ zum ersten Mal anmelden.  „Es gab nie Probleme mit Anwohnern“, sagt Liselotte Oberauer, die für die Gemeinde Unterreit die Gespräche mit Aaron führte. Das „verantwortungsbewusste Gesamtkonzept“ Aarons habe sie und andere Vertreter der Gemeinde schnell überzeugt. „Er hat das alles sehr seriös durchdacht. Und so eine Veranstaltung bringt viel Dynamik in unsere Gemeinde“, so Oberauer.

Aarons Wirken wird in Unterreit wertgeschätzt. Es geht ihm vor allem um Arbeit für die Gemeinschaft und Wertschätzung ehrenamtlichen Engagements. Und in der Landeshauptstadt? Wenn alles klappt, wird auch hier noch viel vom Langzeitstudenten Aaron zu hören sein. „Wir planen gerade Einiges daheim in München“, kündigt er an.

Die Schallvagabunden stehen kurz davor, ein leer stehendes Fabrikgebäude im Osten Münchens gestalten zu dürfen. Für Partys, Workshops, Proberäume, Co-Working. Freie Flächen für freie Kunst. In München. Einer Stadt, in der selbst das Recht zum Wohnen zum Privileg zu verkommen droht. Aaron macht sich da aber keine Sorgen. „Man findet immer einen Weg.“

Wenn Aaron solche Sätze spricht, dann versteht man, wieso er sich so gerne als rational denkender Motor einer alternativen Bewegung sieht. Er ist kein Mensch, der blind mit dem Kopf durch Wände zu preschen versucht. Der aber immer daran gearbeitet hat, seine Ziele und Ideale zu verwirklichen. Und damit Erfolg hat.

An Plänen fehlt es dem 26-Jährigen nicht: die Schallvagabunden möchte er in der Münchner Szene weiter aufbauen, als Künstlerkollektiv, Konzertveranstalter, Equipment-Verleih und Musiklabel. Für die kommende ArtMuc auf der Praterinsel werden die Schallvagabunden ein musikalisches Rahmenprogramm beisteuern. Ob es da nicht langsam Zeit für die ersten Visitenkarten sei? Aaron schmunzelt. „Wir werden schon sehen“. Ein Satz, der bei ihm nur Gutes verheißen lässt.

Text: Louis Seibert

Foto: Robert Haas

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Louis

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Neues Jahr, neue Pläne. Unser Autor startet raketenmäßig ins neue Jahr und nimmt sich viel vor: über die Fotografie-Ausstellung “But a mermaid has no tears” über eine Lesung bis hin zur Albumrelease-Party von The Whiskey Foundation ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Für das neue Jahr habe ich mir keinen einzigen Vorsatz
gemacht. Und das ist nicht nur gut, sondern auch richtig so. Meiner Meinung
nach legitimiert man so nur das eigene schlechte Gewissen. Brechen tun wir die
Vorsätze sowieso alle sehr schnell. Dieses Jahr mache ich mir nichts vor. Würde ich mich
mit derartig lästigen Dingen wie joggen gehen oder dem Verzicht aufs Feiern
gehen beschäftigen, dann wäre mein volles Programm im neuen Jahr ja wohl kaum zu
schaffen. Und das wäre nun einmal wirklich schade.

Ich beginne den Freitag
in einer kleinen Fotogalerie in der Maxvorstadt. Dort findet heute die Finissage der beiden
tollen Fotografen Laura Zalenga und Korbinian Vogt statt. Beide haben sich in
der Münchner Szene einen Namen gemacht und werden heute noch ein letztes Mal
ihre kleine Werkschau in der Galerie Ingo Seufert präsentieren. Später möchte
ich raus, tanzen, springen, die Welt vergessen. Der Crux Winter Jam im
heimeligen Muffatwerk verspricht wild zu werden. Oder gemütlich mit feinstem Soul ins Import Export.
Dort ist das Passauer DJ-Kollektiv Funk & Liebe zu Gast, mit denen sich der Weihnachtsspeck mit Sicherheit auf die beste und spaßigste Art und Weise
wegshaken lässt.

Am Samstag
schlafe ich erst einmal gemütlich aus. Nach ausgiebigem Kaffee-Frühstück und
einem gemütlichen Sofa-Tag schlendere ich in das Café Kosmos. Hier wird heute
Abend die Fotographie-Ausstellung „But a mermaid has no
tears“
eröffnet. Die analogen Portraits der jungen Münchnerin Nadja
Ellinger haben etwas von Alptraum und Märchengeschichte zugleich – die
Fotografin selbst schreibt: „Ich wollte nicht die äußere Handlung des Märchens
fotografieren, sondern mehr die innere.“ Nach der Vernissage und den ersten
Biergläsern schaue ich im STROM an der Poccistraße vorbei. Der Lieblings-DJ des
Glockenbachviertels – Fancy
Footworks
– steht dort heute an den Plattentellern und versorgt mich wie
gewohnt mit einem fetzigen Auftritt. Später treffe ich noch eine Freundin auf
ein letztes Bier im Sunny Red. Hier sorgen D-Light und MC Jah Screechy aus
Großbritannien für besten Dub zu später Stunde
genau das Richtige, um den letzten Samstag vor dem gefürchteten Unistart
abzurunden.

Dieser löst bei mir am Sonntag
starkes Fernweh aus. Gut, dass heute im Muffatwerk eine Vortragsreihe verschiedenster
Dokumentarfilmemacher stattfindet. Von Kuba, durch die Schnee- und Eiswüsten
dieser Erde, bis nach Asien und in die Anden ist mit Sicherheit so einiges
dabei, um bei mir neue Reiseträume wach werden zu lassen.

Montag. 10 Uhr,
Hörsaal. Finde ich gerade auch nicht so schlimm. Nach einem langen Tag wie
diesem schmerzt mir allerdings der Kopf und ich statte dem wunderbaren
Trachtenvogl einen abendlichen Besuch ab. Der ist heute gefüllt mit bestem Folk von den
beiden Münchnern Carmina Reyes und Sleepwalker’s Station. Gut gegen Uni-Blues,
schlecht für meine Ungeduld, bald wieder reisen zu gehen.

Dabei sind solche Träume vom Fliegen eigentlich der reinste
Luxus. Das wird mir am heutigen Dienstag
wieder bewusst, an dem ich die Sonderausstellung
„Nie wieder. Schon wieder. Immer noch.“ im NS-Dokumentationszentrum über den
erneuten Aufstieg rechtsextremen Gedankenguts in Europa besuche. Unangenehme Gedanken
über diesen unerträglichen Nationalismus plagen mich nun. Weshalb ich mich
spontan entschließe, dem Gemeinschaftsprojekt „Bellevue di Monaco“ noch schnell
einen Besuch abzustatten. Hier wird jeden Dienstag in einem offenen Tanzworkshop
eine Choreographie erarbeitet, die Tanzstile aus aller Welt miteinander
verbindet. Das verleiht mir wieder gute Laune. Tanz, Kultur ist eben nichts Statisches, was schon immer so da war und immer gleichen bleiben könnte.

Den Mittwoch
lasse ich ruhig angehen. Ich gehe spazieren an der Isar. Und abends noch ins
Lovelace, auf eine
Lesung
. Sara Hauser und Elisa Weinkötz lesen eigene Kurzgeschichten, die
sich in der Natur abspielen. Ich hoffe nur, es regnet nicht.

Am Donnerstag
gehe ich wieder meinem Drang nach, in die Welt zu reisen. Sulayman Jode, der
als Schneider erste Kollektionen im Second-Hand-Laden Vinty’s präsentierte,
veranstaltet mit Freunden inzwischen richtige interkulturelle Fashion-Events mit
Modeschauen, Hip-Hop-Konzerten und einer ganzen Reihe an DJs. Seine gewagten
Kleider, die Stoffe aus seiner gambischen Heimat mit westlichen Schnitten
verschmelzen lässt, fallen auf im eher trüben Münchner Kleidungshorizont. Der
Abend im Backstage verspricht lang zu werden – und reich geschmückt mit den
heißen Beats nigerianischer, gambischer oder tansanischer Musikstile.

Was für eine volle Woche. Dabei beginnt das Wochenende doch
erst. Und am Freitag das mit der –
ungelogen – wohl fetzigsten Party, die München im ganzen Jahr 2018 erleben wird.
The Whiskey Foundation spielen, leben, atmen Blues wie alte Großmeister. Heute
Abend veröffentlichen
sie ihr drittes Album
, Blues & Bliss. Allein die Vorbands können sich
sehen lassen: Matthew
Matilda
und Organ
Explosion
. Danach wird eine der einzigartigsten Live-Bands Deutschlands die
Muffathalle zum Beben bringen, bevor dann im Café weitergefeiert wird. Wenn die
Vögel zu zwitschern beginnen, bekomme ich die treibenden Gitarrenlicks noch
immer nicht aus dem Kopf. Ist zumindest mein Vorsatz.

Text: Louis Seibert

Foto: Lukas Marti

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Louis

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Herbst ist immer dann, wenn man sich endlich wieder bewusst
wird, dass es in München mehr gibt als die Isar, Lagerfeuerabende und riesige Open-Air-Pop-Up-Yoga-Sessions
im Englischen Garten, findet Louis. Und nimmt uns mit zum Kleidertausch und zum Nino aus Wien.

Dann nämlich ist die Zeit gekommen um gemütlich in der
Schlange vor überquellenden Konzertkellern zu stehen und die Trauer über den
verlorenen Sommer gegen ganz viel Tequila einzutauschen. Jedenfalls gilt es für
mich in dieser Woche wieder, all die Orte aufzusuchen, die man vor lauter
Sonnenliegen schon fast vergessen hatte.

Deshalb starte ich auch früh ins Wochenende. Am Freitag wird um 18:30 Uhr im Münchner
Filmmuseum die Produktion „Geschwister“
gezeigt. Der Film erzählt von einer schwierigen und tragischen Odyssee zweier
Moldawischer Flüchtlinge auf dem Weg nach Deutschland und wurde von Münchner
Studenten mitentwickelt. Keine leichte Kost. Ein Glück, dass für stärkstes
Kontrastprogramm bereits gesorgt
ist:  In der 089 Bar findet der
inzwischen schon traditionsreiche Comedy
City Battle
statt. Hier duellieren sich Münchner Comedians mit Mitstreitern
aus ganz Deutschland – diesmal ist Hamburg dran. Die Comedyszene in München ist
quicklebendig und so wird der Abend gewiss heiter und fröhlich enden.

Am Samstag möchte
ich mich mal wieder mit ein paar frischen Klamotten einkleiden. Allerdings
nicht in der Kaufingerstraße, sondern in der wunderbaren Glockenbachwerkstatt. Hier
findet heute ab 11 Uhr ein Kleidertausch
statt, bei dem ich mit Sicherheit den einen oder anderen gemütlich-warmen
Winterpulli ergattern werde. Im direkt daran angegliederten
Gemeinschaftsprojekt Bellevue Di Monaco beginne ich dann meinen Abend. Dort spielt
die Band „Terakaft“
aus Mali. Dessen Sänger Sanou Ahmed engagiert sich mit Musik für die Rechte der
Touaregs in seinem Heimatland. Das klingt wahnsinnig interessant, schließlich
gilt Mali als eines der Ursprungsländer von einem Großteil von Musikgenres wie Blues
oder Jazz. Im Anschluss sind die Beine aber noch lange nicht müde und so tanze ich,
wo es mich auch hinführt. Ins Unter
Deck
wahrscheinlich.

Den Sonntag gehe
ich erst einmal gemütlich an. Nach ausgiebigem Omelette-Frühstück besuche ich
die Pinakothek der Moderne. Hier ist die Ausstellung „Tokyo“
des japanischen Fotokünstlers Nobuyoshi Araki zu bewundern, in der er die
fieberhaften Kontraste seiner Heimatstadt provokant darlegen soll. Das reicht
auf alle Fälle aus um den übrigen Nachmittag in Gedanken verstreut Zuhause zu
verbringen, bevor es mich abends in einen meiner Lieblingsclubs, der Milla,
zieht. Der Nino aus
Wien gibt hier heute die Ehre
und bringt ein wenig Wiener Traurigkeit ins
frohlockende München.

Kein Tag ohne Musik denke ich mir gerne. Ein Glück also,
dass ich mich am Montag auf einem
ausgedehnten Herbstspaziergang plötzlich am Ostbahnhof wiederfinde und von
rauen Gitarrenklängen in das Rumours gelockt werde. Die innovative
Stoner-Rock-Band Humulus
aus Italien wird hier heute Abend die Wände zum Zittern bringen.

München zieht längst wieder Musiker aus aller Welt an. Das
lässt mich aus dem Rausch der Live-Konzerte gar nicht mehr herauskommen. Am
heutigen Dienstag zieht es mich in
das Sunny Red. In diesem lässigen Kellerschuppen findet immer dienstags das DIE.BASS.KAFÈ
statt. Veganes Essen und bester Reggae aus München von der „Nicetime
International“-Gruppe füllen heute bestens meinen aus Studentengründen immer
recht langen Abend.

Am heutigen Mittwoch
bleibe ich deshalb auch erstmal lange liegen. Der Herbst ist schließlich auch
die Jahreszeit der Entschleunigung. Ich will heute die Isar flußaufwärts entlanglaufen.
Kaum zu glauben wie schön und wild es gleich südlich von der Münchner
Stadtgrenze zugeht! Und wenn mir die Beine kalt werden, steige ich einfach in
die S-Bahn und freue mich auf  warmen Tee
daheim.

Am Donnerstag
zieht es mich wieder in ein Kino. Die Eröffnungsfeier der diesjährigen Lateinamerikanischen
Filmtage
im Werkstattkino zieht mich weit weg von kaltem Novemberregen. Der
Eröffnungsfilm „Adiós Entusiasmo“ verspricht sich als wirklichkeitsnahes
Kammerstück. Das ganze Filmfest, das sich in diesem Jahr auf Filme aus
Argentinien spezialisiert hat, ist bis zum 29. November angesetzt.

Freitag. Eine
weitere Woche voller Trubel, Kunst und Ruhe ist wieder einmal rum. Gibt es denn
einen schöneren Ort um das neue Wochenende einzuleiten als das magische Tollwood-Festival? Zwischen
Glühweindunst und Falafelbuden hindurchschlendern und den Winter zum ersten Mal
ein wenig schön finden, das habe ich mir heute vorgenommen. Wobei ich nun eines
berichtigen muss: auch der Herbst ist hier draußen, am Fuße der Bavaria, eindeutig
am schönsten.

Wo kann man… richtig gut Golf spielen?

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Golfspielen ist die vielleicht Münchnerischste aller
Sportarten: von außen betrachtet ziemlich schnöselig und überteuert. Aber
irgendwie eben auch sehr geil. Für viele Menschen ist der Sport mehr als nur
Passion, es ist ein Lebensentwurf:

7 Möglichkeiten zum Ausprobieren.

Nun ist schon klar, dass nicht jeder
Münchner „blaues Blut“ in seinen Adern fließen hat und die ersten Par-Spiele
noch warten. Hier also ein paar Tipps für dich um auch einmal stilvoll den
Schläger über das sanfte Grün zu schwingen. Viele Clubs bieten günstige
Einsteiger-Sessions an.

1) Golfcenter Ismaning

Junges Frischblut, willkommen in der Welt des Golfens! Auf
diesem schönen Übungsplatz im Norden von München wirst du deine ersten mutigen
Schläge spielen dürfen. Der naturbelassene 6-Loch-Platz wird vor Allem wegen
der hervorragenden Atmosphäre geschätzt. Und das Beste: mit 10 € Tagesgebühr
ist das Spielen hier für jeden erschwinglich – nicht nur für Profis wie James
Bond.

Freisinger Straße 102, 85737 Ismaning-Fischerhäuser
Tel.: +49 173 6666877
kontakt@golfcenter-ismaning.de

www.golfcenter-ismaning.de

2) Golfclub München-Riem

Stadtnah gelegen und mit hervorragenden Übungsmöglichkeiten,
Flutlicht inklusive: Der um die Galopprennbahn Riem gelegene Golfplatz wird aus
dir einen wahrhaftigen Golf-Crack machen. Und der 9-Loch-Meisterschaftsplatz
lädt auf ein erstes Kräftemessen ein.

Graf-Lehndorff-Straße 36, 81929 München
Tel.: +49 89 94500800, Fax: +49 89 94500770
info@gcriem.de

www.gcriem.de

3) Golfrange München-Brunnthal

Hier lassen sich die weißen Kunststoffbälle das ganze Jahr
über durch die Lüfte schlagen. Der Platz wurde großen Golflegenden
nachempfunden und auch Anfänger ohne Platzreife können hier ihr Potenzial
ausloten. Seinen Qualitätsanspruch beschreibt der Club so: „Irisches Grün,
amerikanischer Service und schottische Preise.“

Am Golfplatz 1, 85649 Kirchstockach
Tel.: +49 8102 74740, Fax: +49 8102 747479
muenchen-brunnthal@golfrange.de

www.golfrange.de

4) Bavarian Golfclub München-Eicherloh e.V.

Auch in Eicherloh lässt es sich als blutiger Anfänger ohne
Platzreife zumindest unter der Woche wunderbar üben. Der sehr naturnahe
Golfplatz im Nordosteen der Landeshauptstadt bietet von einer 9-Loch-Anlage bis
zu einem Clubrestaurant alles was das Golferherz begehrt.

Vordere Moosstraße 19, 85464 Eicherloh
Tel.: +49 8123 1064, Fax: +49 8123 889467
info@bavariangc.de

www.bavariangc.de

5) Münchener Golf Club e.V. – Thalkirchen

Beim MGC kann man seine verfeinerten Abschläge auf dem wohl
schönsten Platz Münchens unter Beweis stellen. Direkt an den Thalkirchener
Isarauen gelegen und mit großen Bäumen die dankbar Schatten spenden ist es
einer der renommiertesten Plätze der Stadt. Das hat zwar seinen Preis- dafür
kann man sich im angeschlossenen Clubhaus nicht nur über die Golftauglichsten
Cocktailrezepte informieren.

Zentralländstraße 40, 81379 München-Thalkirchen
Tel.: +49 89 7231304, Fax: +49 89 72300650
thalkirchen@mgc-golf.de

www.mgc-golf.de

6) Münchener Golf Club e.V. – Straßlach

Mit 27 Löchern bietet sich in Straßlach ein Golfplatz für
alle, die niemals genug bekommen werden von diesem Sport. Der Platz wurde vor
einigen Jahren durch den bekannten amerikanischen Golfplatz-Architekten Perry
O. Dye neu gestaltet. Mit herrlichem Blick in die Berge verfügt das Clubhaus
über eine großzügige Terrasse, auf denen sich der eine oder andere Drink
genießen lässt. Sean Connery lässt grüßen.

Tölzer Straße 95, 82064 Straßlach
Tel.: +49 8170 929180, Fax: +49 8170 9291820
strasslach@mgc-golf.de

www.mgc-golf.de

7) Golfclub Olching e.V.

Einer der besten und anspruchsvollsten Plätze Deutschlands
befindet sich in Olching, keine 20 Kilometer von München entfernt. Alle 18
Grüns sind vor kurzem neu gestaltet worden. Dabei wurde vor allem auf
spieltaktisch herausfordernde Elemente wie Wasserstellen gesetzt. Nur etwas für
echte Profis des Golfsports.

Feursstraße 89, 82140 Olching
Tel.: +49 8142 48290, Fax: +49 8142 482914
sportbuero@golfclubolching.de

www.golfclubolching.de

Text: Louis Seibert

Zeichen der Freundschaft: Sandburgen

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Man wird älter, ist als junger Erwachsener oft nicht mehr der Mensch, der man als Jugendlicher war. Schön, wenn bei allen Veränderungen Freundschaften bestehen bleiben und man sich auch nach Jahren immer noch vertraut in den Arm nehmen kann.

Als Franzi und ich uns kennenlernten, da sahen
wir noch ganz anders aus. Ihre lockigen engelsblonden Haare wuchsen zwar schon
damals unverkennbar über ihrem verschmitzt lachenden Gesicht, doch das war es
auch fast schon. Unterhalten konnten wir uns bei unserem Kennenlernen noch
nicht. Oder laufen. Oder vielleicht noch nicht einmal wirklich denken konnten
wir.

Irgendwann zwischen den ersten
eigenen Sandburgen und der Vorschule sind Franzi und ich uns das erste Mal über
den Weg gelaufen – Pardon: gekrabbelt. Wir waren sofort unzertrennlich, wie
meine Eltern mir das heute erzählen. Sei es, weil wir uns gegen unsere
Geschwister verbündeten oder weil ein Berg Halloween-Süßigkeiten gemeinsam
immer noch viel besser schmeckte. Später feierten wir unsere ersten Partys
während des Frankreichaustauschs. Trösteten uns über Liebeskummer hinweg. Wir
verschwörten uns gemeinsam gegen verhasste Geschichtslehrer, jeder auf seine
eigene Art und Weise. Franzi, die allzeit überlegene Intelligenz und ich, der
Störenfried aus der letzten Reihe.

Ich weiß nicht wie es wäre,
würden Franzi und ich uns heute neu kennenlernen. Aber das brauchen wir ja zum
Glück nicht mehr zu tun. Als sie nach gefühlt jahrzehntelanger Abstinenz aus
Seattle zurück in unsere Schule kam, fiel ich ihr in die Arme. Mir fiel auf,
dass mich wohl kein Mensch je so kennen wird, wie Franzi es tut. Sie war mit
ihrer unglaublich offenen und vertrauenswürdigen Art immer dabei, als aus einem
verträumten Kind ein selbstkritischer Teenager und später wieder ein
verträumtes Kind wurde. Franzi ist einer der einfühlsamsten und
gewissenhaftesten Menschen die ich kenne. Und sie besitzt die wunderbare
Fähigkeit, von Menschen und Orten zu erzählen, als wären sie direkt hier im
Raum. Ich könnte ihr nächtelang zuhören.

Dass wir einmal recht
unterschiedliche Wege gehen würden, war uns beiden noch nicht klar, als wir
gemeinsam Sandburgen bauten oder im Skikurs darum stritten, wer denn jetzt als
erstes hinter dem Skilehrer herfahren durfte. Dass wir noch so lange Zeit ehrlich
und aufrichtig befreundet bleiben würden wohl auch nicht. Wie anders die Welt
damals noch wirkte!

Inzwischen studiert Franzi Medizin,
sie hat in Chile monatelang in einem Krankenhaus gearbeitet. Sie weiß wohl genau
was sie will, war schon immer die deutlich zielstrebigere von uns beiden. Und
schafft diese ganzen Aufgaben mit einer Leichtigkeit, die mir in der Uni schon
bei der Immatrikulation abhandenkommt. Das ein oder andere Mal musste sie mir
durchaus schon in den Arsch treten, sonst hätte ich mein Abi und alles weitere
vielleicht nicht so gut in den Griff bekommen können. Es gab dann Momente in
denen ich das Gefühl hatte, dass unsere Freundschaft auseinanderfallen könnte.
Wie vom Meer überspülte Sandburgen.

Die Kinder von damals sind wir
schon lange nicht mehr. Unsere Sandburgen haben wir zerfallen lassen, unsere
Freundschaft ist mit uns gewachsen. Auch wenn oder eben weil zwei sehr unterschiedliche Menschen aus uns geworden sind. Franzi kann meine
Entscheidungen nachvollziehen, weil Sie genau weiß was seit jenen ersten
Sandburgen in meinem Leben passiert ist. Allein dadurch geben wir uns unheimlich
viel Halt.

Letztens lagen wir uns dann
wieder vor lauter Freudentaumel in den Armen. Als Emmanuel Macron zum
Präsidenten Frankreichs gewählt wurde und klar war, dass unser beider
Heimatland nicht von einer rechtsextremen Verschwörungstheoretikerin regiert
werden würde. Es wurde ein Abend, an dem auf alles angestoßen wurde: auf
Politik, auf die Zukunft, auf Europa, auf lang vergessene Wegbegleiter und auf eine
weiterhin so schöne Freundschaft. Zusammen können wir auch heute noch ein
bisschen die Kinder sein, als die wir uns kennengelernt haben.

Franzi, vielleicht sollten wir öfter zusammen ein paar Sandburgen bauen.


Text: Louis Seibert


Foto:
Yunus Hutterer

250 Zeichen Wut: Wiesn-Lärm

Wieso zum Teufel bekommt die Wiesn eine Extra-Wurst in Sachen
Lärmschutz?

Elfeinhalb Monate lang genießt der Lärmschutz in München
höchste Priorität. Nur zur Wiesn weicht die dörfliche Stille konstantem Kreisch
und Rausch. Dirndl und Maßkrüge scheinen wohl weiterhin relevanter zu sein als Debattenkultur
oder gar Kunst. Horsti gefällt’s, mir nicht.

Text: Louis Seibert

Neuland: Dokumentarfilm aus München

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Der junge Filmemacher Alexander Bambach gastiert mit seinem Dokumentarfilm “Zwischenstation” auf dem Zimbabwe International Film & Festival Trust.

Von der Isar um die ganze Welt: Der junge Münchner Filmemacher, Kameramann und Schlagzeugspieler Alexander Bambach, 26, gastierte mit seinem aktuellen Dokumentarfilm über zwei Münchner Obdachlose gerade in Afrika. Vergangenen Donnerstag lief sein Film „Zwischenstation“ auf dem Zimbabwe International Film & Festival Trust, einem internationalen Filmfestival in Harare, der Hauptstadt Zimbabwes.

Schon beim Münchner DOK.Fest, auf dem der feinfühlige Porträtfilm Premiere feierte, erntete der junge Filmemacher viel Applaus. „Zwischenstation“ wurde dort von den Münchnern zum Publikumsliebling gewählt. Im Mittelpunkt des Films stehen die mittellosen Lebenskünstler Bernd und Zoltan. Das Leben und Wirken der beiden Obdachlosen, die unter der Wittelsbacher Brücke leben, wird von Alexander wirkungsvoll eingefangen.

„Während der Dreharbeiten habe ich wahnsinnig viel von den beiden lernen können“ erzählt der 26-Jährige Regisseur. „Zwischenstation“ gastierte bereits auf weiteren Filmfestivals, unter anderem auf dem Arthouse-Festival Filmkunstwochen München. 

Text: Louis Seibert

Foto:
Alexander Bambach