Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Marietta

Der Spätsommer in München neigt sich dem Ende zu. Zeit, noch einmal ordentlich Sonne zu tanken und draußen zu sitzen. Was bietet sich da besser an, als ein Sommerfest mit Lagerfeuer oder ein Abstecher in die Alte Utting? Und dann gibt’s da ja auch noch den Wiesneinzug der Festwirte. Aber auch für kühlere Temperaturen in München bin ich gewappnet. Ich sage nur: Ausstellungen und Livemusik stehen auf dem Programm.  Weiterlesen „Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Marietta“

Neuland: Neue Freunde

Sänger Paul Kowol und Schauspielstudentin Anouk Elias schufen zu Pauls Song „Nie mehr nach Hause“ ein Musikvideo mit Anouk als Protagonistin. Kennengelernt haben sich die beiden bei der Ausstellung „10 im Quadrat Reloaded“ der SZ Jungen Leute Seite im März. Zusammen mit Pauls erster EP wird das Video am 21. September veröffentlicht.

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Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Anastasia

Ich bin verdammt müde. Während meine Ethnologie-Kommilitonen gerade auf Kuba, Sri Lanka oder in Portugal chillen, bin ich in der vergangenen Woche von Bibliothek zu Bibliothek gereist und habe mich meiner Hausarbeit gewidmet. Was? Mitten in den Semesterferien? Ja, ich geb‘s zu. Vielleicht habe ich mal wieder zu spät angefangen. Vielleicht habe ich mich während der lauen Sommerwochen in München nicht aufraffen können. Vielleicht macht sich das schlechte Gewissen wieder mal erst am Ende bemerkbar. Naja. Ich bin müde, aber unternehmungslustig, ignoriere die tollen Reise-Insta-Stories und freue mich auf eine bunt gemischte Veranstaltungswoche in München.

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Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Annika

Hausarbeiten und damit verbundene, lange Aufenthalte in Münchens Bibliotheken. Das ist nicht jedermanns Sache. Doch unsere Autorin schafft Abhilfe und macht sich selbst ihre Zeit durch ein abwechslungsreiches Wochenprogramm erträglicher. Vom Filmabend im Open-Air-Kino „Kino, Mond & Sterne“ bis zur Ausstellung „Lust der Täuschung“ in der Kunsthalle: Es gibt immer etwas, auf das man hinfiebern kann. Weiterlesen „Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Annika“

Zwischen Beats und Liebeskummer

Der letzte Samstag im Farbenladen bei unserer Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” war abwechslungsreich. Für die Besucher gab es an diesem Tag eine Beatbox-Session, Poetry Slam, eine Lesung und Musik von Paul Kowol.

Bevor es am letzten und Farbenladensamstag mit dem
Programm losgeht, bereiten die Schauspielschüler und Beatboxer Blaise Amada und
Conrad Ahrens ihr Set vor, machen Soundcheck und fangen an, einige Takte zu
beatboxen und zu rappen, während sich der Farbenladen nach und nach mit
neugierigen Besuchern füllt. Als es nach dem frühlingshaften Tag anfängt zu
dämmern, geht es mit dem Programm los. Maximilian Weigl, Gewinner der PULS-Lesereihe,
platziert sich auf den Bierkästen und lässt das Publikum entscheiden, welchen
Text er vorlesen soll. Zur Auswahl stehen der Gewinnertext der Lesereihe, der
Ausschnitt eines Romanentwurfs, sowie der Text, den er für die Lesereihe nicht
eingesendet hat. Für den Gewinnertext stimmt keiner, stattdessen möchte das
Publikum wissen, welchen nachdenklichen und düsteren Text Maximilian nicht
einreichen wollte. Er trinkt einen Schluck von seinem Bier und beginnt, mit
langsamer, monotoner, aber fester Stimme seine Geschichte vorzulesen, in der er
es um einen Attentäter geht. Als er fertig vorgelesen hat, möchte er die
Stimmung mit einem Gedicht über eine Taube auflockern, bei der er das Publikum
mit einbezieht, indem dieses am Ende Gurrgeräusche machen und die Arme in die
Luft heben soll. Nach zwei weiteren Gedichten über „Liebeskummer in Zeiten der
Globalisierung“, sowie darüber, wie man bereits mit Mitte 20 von Migräne oder
Rückenschmerzen geplagt wird, lässt er das Publikum wieder entscheiden, welchen
Text er vorlesen soll. Die Besucher entscheiden sich für einen Auszug aus einem
Romanentwurf, bei dem es um einen jungen melancholischen BWL-Studenten geht,
der sich bei seinem nächtlichen Streifzug über den Stiglmaierplatz in eine Frau
verliebt und sich mit ihr eine Zigarette teilt.

Nach dem großen Applaus beginnt Conrad Ahren mit dem
Beatboxen und fordert das Publikum dazu auf, aufzustehen und näher zu kommen.
Nach einer Einlage steigt Blaise mit dem Rap ein. Das Publikum hebt die Arme
hoch und von draußen schauen vorbeilaufende Passanten neugierig in den
Farbenladen rein und tummeln sich am Eingang. Am Ende ruft das Publikum nach
einer Zugabe und die beiden fangen an zu improvisieren. Conrad und Blaise sind Studierende
des ersten Jahrgangs der Otto-Falckenberg-Schauspielschule und haben sich dort
kennengelernt und bereits in einem Theaterstück performt. Für beide war es eine
neue Erfahrung, vor einem kleineren Publikum aufzutreten, sagt Blaise: „Es ist
schwieriger, ein kleines Publikum zu erreichen, doch es hat richtig Spaß
gemacht, die Stimmung war richtig gut.“

Nach einer kurzen Pause, bei der die Besucher
draußen noch die letzten Sonnenstrahlen genießen, geht es mit dem Programm
weiter: ein kurzes Interview mit der Schauspielstudentin Anouk Elias, die als
Model für die Ausstellung vor der Kamera stand. Sie erklärt, welchen
Unterschied es macht, auf der Bühne oder vor der Kamera zu stehen: „Auf der
Bühne herrscht eine ganz andere und energetische Spannung. Vor der Kamera ist
alles eher modelliert, erfordert aber eine unglaubliche Präzision. Auf der
Bühne sieht man ein Augenzwinkern beispielsweise nicht.“ Doch die Shootings
haben ihr alle großen Spaß gemacht: „Ich kann nicht sagen, welches das schönste
Shooting war. Alle waren superspannend.“

Der nächste Act ist Poetryslammer Philipp Potthast,
der drei nachdenkliche und teils gesellschaftskritische Texte mitgebracht hat,
mit denen er das Publikum zum Lachen bringt. Dazu gehört ein Text, den er in
seiner Zeit in Holland geschrieben hat, als ihn die Sehnsucht nach den bunten
U-Bahnhöfen oder den „besoffenen Australiern“ gepackt hat und so viele
Weißwürste zutzeln wolte, bis er weiß-blau anläuft. Denn das wäre Heimatliebe.
In einem weiteren Text geht es um seine Missgunst gegenüber Witzen, die schon
sehr alt sind wie der vom bekannten BWL-Studenten namens Justus Aurelius,
Merkels Mundwinkeln oder „i bims“. Seiner Meinung nach sollte Humor auch dazu
da sein, kritische Themen anzusprechen und auch „den Finger in die Wunde zu
legen“, ohne dabei frauenfeindlich oder rassistisch zu sein. Der Rat, den er
dem Publikum bezüglich Witzen gibt, die die Halbwertszeit überschritten haben,
lautet: „Bitte lacht darüber nicht“ und bringt damit das Publikum zum Lachen.

Bevor der letzte Farbenladensamstag endet, spielt
Paul Kowol mit seiner Gitarre und singt über die Liebe, bevor er schnellere
Lieder spielt: „nicht dass ihr denkt, ich mach nur Schmuselieder“. Das Publikum
klatscht und die Stimmung ist ausgelassen, als er das dazu auffordert, die
Hände hochzunehmen.

Text: Serafina Ferizaj

Fotos: Serafina Ferizaj

Training für die Lachmuskeln und  Funk im Farbenladen

Trotz des schlechten und vor allem kalten Wetters haben sich
viele Menschen auf den Weg gemacht und sind an dem dritten Sonntag der
Ausstellung

“10 im Quadrat – Reloaded”

in den Farbenladen gekommen.

So auch Michael Mauder. Der Comedian wurde wie neun andere
Künstler zehnmal fotografiert und erzählte in einem Gespräch mit der
Moderatorin Kathi Hartinger von seinen Erfahrungen. Es sei zunächst vor allem
sehr schwierig gewesen mit zehn Fotografen einen Fototermin zu finden. Als
diese Hürden jedoch überwunden waren, entstanden von allen Modellen sehr
unterschiedliche und wunderschöne Fotos. Auch über die Bekanntschaften mit den
anderen Künstlern freute sich Michi sehr. Ob er jetzt seine Comedy Karriere für
den Beruf eines Models an den Nagel hängt, wird man sehen, so der Comedian. Die
Fotos habe er selbst an der Vernissage zum ersten Mal gesehen, da er die
Auswahl doch lieber den Fotografen überlies. Fotograf Luca Imberi war „gleich
wieder weg“. „Er hat hundertmal in zwei Sekunden abgedrückt und weg war er“.
Das hat den Comedian sehr beeindruckt und ist von den Ergebnissen der
Fotografen begeistert.

Es ging mit Julian Beysel lustig weiter. In den fünfzehn
Minuten Auftritt wurden viele unterschiedliche Themen behandelt. Zunächst ging
es um Luther und vor allem über den Lutherfilm. Aber auch über seinen
ursprünglichen Nachnamen, den er dann mit 35 Jahren änderte, dann über
Klopapier. Zu guter Letzt holte sich Julian die Lacher des Publikums indem er
die Nasenpopeltaktik seiner sechsjährigen Schwester erklärte.

Nach dem ersten Comedian folgte direkt der Zweite. Nikola Ljubic.
So zumindest wurde er angekündigt. Eigentlich heißt der „Halbkroate
Halbslowenier Halbmünchner“ wie er sich bezeichnet, der Fehler sei ihm bewusst,
Nikola Ljubic. Warum schwarz eigentlich immer negativ sei und weiß immer positiv,
frage er sich häufig. Das sei doch total rassistisch. Egal ob es um den weißen
Sandstrand gehe oder das Kinderspiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“. Warum
heißt es nicht „wer hat Angst vorm weißen pädophilen Mann“. Außerdem
integrierte Nikola das Publikum und konnte so die Aufmerksamkeit und das
Gelächter genießen.

Ein Gespräch mit einer anwesenden Fotografinnen, ließ sich
unsere Moderatorin Kathi Hartinger nicht entgehen. Das zentrale Thema von
Fotografin Nadja Ellinger ist die Zerbrechlichkeit. „Man scheitert im Leben und
Sachen funktionieren nicht“, ist das Überthema der Werke der Künstlerin. So
begann sie sich bei den Fototerminen mit den Modellen über das Scheitern zu
unterhalten. Dies wird auf den Werken hervorragend widergespiegelt. Im Sommer geht
es dann für die Fotografin nach London, wo sie ihren Master in Kunstfotografie
machen wird. Doch aktuell ist sie gerade auf der Suche nach einem Verleger, da
sie in Zusammenarbeit mit einer Autorin im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ein
Märchenbuch gemacht hat.

Zum Abschluss gibt Cap On ein Konzert. Auch die etwas
poppigeren Lieder der Funk Band überzeugen das Publikum. Im Hofbräuhaus habe
die Band schon gespielt. Dass sie auch dort gut ankamen,
ist gar nicht verwunderlich. Die Zuhörer sind begeistert. Es wird geschnipst
und gewippt. Die zuvor schon guten Launen werden noch einmal zum Ende hin gesteigert.
Cap on wird mit riesigem Applaus und Zugabe-Rufen verabschiedet.  

Text: Annika Kolbe

Fotos: Wolfgang Westermeier

Erst Theater, dann Techno

“Ohne das Publikum ist man nichts”, sagt Leon Haller, 21. Er ist Schauspielstudent an der Theaterakademie August Everding. Wenn er nicht gerade auf der Bühne steht, legt er nachts als DJ auf – und organisiert queere Partys. Manchmal muss er direkt nach dem Club zu den Proben für das nächste Stück

Schwarze Stiefel. Schwarze Hosen. Nackte Oberkörper. Die Räuberbande marschiert im Gleichschritt auf den riesigen Laufbändern des Residenztheaters. “Die Hölle: versunken. Wie Sodom und Gomorrha!”, rufen sie. Drei Stunden dauert die Inszenierung von Ulrich Rasche. Die Räuber sind ständig in Bewegung. Einer von ihnen ist Leon Haller, 21, Schauspielstudent der Theaterakademie August Everding. Für ihn ist der Abend nach dieser Vorstellung noch lange nicht zu Ende. Als DJ wird er im Anschluss bis in die frühen Morgenstunden im Harry Klein auflegen. Keine Zeit zum Durchschnaufen. Keine Zeit für lange Pausen.

Aufgewachsen ist Leon Haller in Bielefeld. Für das Schauspielstudium hat es ihn nach München verschlagen. “Ich bin ein unfassbar fauler Mensch. Wenn mich etwas nicht interessiert, dann mache ich auch nichts dafür”, sagt er. Deshalb wäre ein klassisches Studium mit viel Lernen nicht für ihn in Frage gekommen. Bereits zu Schulzeiten hat er im Jugendclub des Stadttheaters Bielefeld Erfahrungen gesammelt. Die Schauspielerei sei das einzige gewesen, “was mir auch Spaß gemacht hat und worin ich gut war”, sagt er; deshalb war es für ihn die einzige Möglichkeit, sich für ein Schauspielstudium zu bewerben – er wurde auf Anhieb aufgenommen. Nicht nur in “Die Räuber” ist Leon aktuell zu sehen, sondern auch in einer Inszenierung von Alia Luque am Burgtheater in Wien.

Da gibt es aber noch eine andere Leidenschaft in Leons Leben: die Musik. Seit ungefähr vier Jahren legt er auf. Angefangen hat alles bei einem Rave. “Mit 17war ich auf meinem ersten Rave und ich habe diese Musik einfach abgöttisch geliebt”, sagt er. Von seinem Konfirmationsgeld hat er sich die ersten Billig-Plattenspieler gekauft und damit herumexperimentiert. Später ist er über das Theater und Freunde von Freunden an seinen ersten Gig in Bielefeld gekommen: eine Partycrew, die Techno-Partys organisiert. Leon lernt die Veranstalter kennen. Es ergeben sich weitere Möglichkeiten. Er legt bei Vernissagen auf und in verschiedenen Bars. Springt sogar einmal für einen anderen DJ in einem Club ein – alles in Bielefeld.

Dann aber zieht er für das Studium nach München. Da sei man natürlich “erst mal aufgeschmissen”, wie Leon sagt, “weil niemand dich kennt.” Leon ist aber auch in München im Nachtleben unterwegs, zum Beispiel bei den Partys von Tuesday Slump im MMA oder der Roten Sonne. Er kontaktiert die Veranstalterin Petra Weigart, schickt ihr ein Mixtape und legt bald in dem Club am Maximiliansplatz auf.

Im vergangen November war es dann soweit: Leon Haller legt zum ersten Mal bei Garry Klein auf, der schwulen Partyreihe, die immer mittwochs im Harry Klein stattfindet. “Über einen Tipp von Marlene Neumann, die unter dem Namen Proximal als Visual Jockey aktiv ist, bin ich auf Leon aufmerksam geworden”, sagt Peter Fleming, 50, Inhaber und Musik-Booker des Harry Klein. Bei der Auswahl der DJs achtet Fleming darauf, dass die Sound-Ästhetik stimmt. “Es muss schon so sein, dass ich meine Gäste nicht verschrecke”, sagt er.

Wenn Leon von seinem ersten Abend erzählt, bei dem er gleich sechs Stunden durchgehend aufgelegt hat, dann lacht er. “Das erste Mal im Harry war schwierig. Ich habe es geschafft, mitten in der Nacht den kompletten Floor leerzuspielen”, sagt er. Das sei dann schon ein komisches Gefühl gewesen. “Beim nächsten Track sind die Leute aber wieder gekommen”, sagt er. “Da habe ich Leon ein bisschen ins kalte Wasser geworfen”, sagt Peter Fleming rückblickend. Sechs Stunden sind eben lang. “Dass das Publikum weniger wurde, ist nicht Leons Schuld. Das ist so eine Eigenart der Leute. Da kommt und geht immer wieder ein Schwung”, sagt er. Mittlerweile ist Leon angekommen in der Szene in München. Als Mitveranstalter und DJ organisiert er außerdem die queere Clubnacht Helga.

Abends Theater und nachts Techno -ist das nicht anstrengend? Ist man da überhaupt fit genug für Theaterproben am nächsten Tag? Für Leon liegt genau darin der Reiz. “Manchmal ist es toll, um acht Uhr morgens aus dem Club zu kommen. Du bist verschwitzt, gehst duschen, trinkst einen Liter Kaffee, gehst dann zur Probe. Am Ende des Tages fühlst du dich wach und tot gleichzeitig.” Natürlich ist da ab und auch zu die Sorge, nicht fit genug zu sein. Bisher ist das aber nicht oft vorgekommen. Zwei- oder dreimal vielleicht. Manchmal wirke sich diese Müdigkeit sogar positiv aus, findet Leon. So auch im Januar, als er direkt nach der Räubervorstellung ein zweites Mal bei Garry Klein auflegte. “Ich war so müde, dass ich nicht viel nachdenken konnte, sondern einfach gemacht habe. Und es war gut dadurch”, sagt er. Wenn er müde sei, könne er sich nur noch auf das Wesentliche konzentrieren. Auf der Bühne, wie auch im Club.

Obwohl Leon die Müdigkeit als etwas Positives empfindet, ist es dann doch einmal zu viel geworden. Im Laufe eines Schauspielstudiums setzt man sich nicht nur mit verschiedenen Rollen auseinander. Auch mit sich selbst. Man überlegt, wohin man möchte, welche Möglichkeiten es gibt. Arbeitet viel an sich. Macht sich selbst Druck. “Ich habe mir während des Studiums zwei Monate lang eine Pause von allem genommen”, sagt Leon. Die Ausbildung hat damals einen Punkt bei ihm erreicht, an dem er zu viel an sich selbst gezweifelt hat. “Das hat sich destruktiv auf das Spielen ausgewirkt”, sagt er. Die Zeit hat er zu Hause bei seiner Familie und seinem Hund in Bielefeld verbracht, um Abstand zu nehmen und dann mit freiem Kopf wieder durchzustarten.

Trotzdem: Leon weiß, was er will – Schauspieler sein und auflegen. Auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Dinge. In beiden Fällen geht es aber darum, Leute mitzunehmen. “Ohne das Publikum ist man nichts”, sagt er. Weder hinter den Plattenspielern, noch auf der Bühne. Für Leon gibt es zwischen diesen Künsten Gemeinsamkeiten. “Ich benutze Musikstücke oder Texte, die andere verfasst haben, und interpretiere diese neu”, sagt Leon. “Es ist wie eine Art Symbiose: ein dynamischer Raum, der sich auftut im Austausch mit dem Publikum. Im Club kann man zum Beispiel mit der ganzen Dramaturgie, die man aufbaut, eine bestimmte Stimmung kreieren”, sagt er. Die Musik, die maschinell, aber verträumt und dumpf sein kann und nichts mit dem Alltag zu tun hat, fasziniert ihn schon immer. “Ich war nie der Typ, der gern Bands gehört hat oder auf Konzerte gegangen ist.”

Ende dieses Jahres steht für Leon als letzte Station im Schauspielstudium das Absolventenvorsprechen an. Es ist die Chance für angehende Schauspieler, sich zu zeigen und ein Engagement zu ergattern. Trotzdem wirkt Leon in den Monaten davor beim Projekt “10 im Quadrat Reloaded” der Junge-Leute-Seite mit. Zehn Shootings mit zehn Fotografen mussten in kürzester Zeit organisiert werden. “So etwas wie den Farbenladen müsste es eigentlich viel öfter in München geben”, sagt Leon. Denn es gibt zwar viele Möglichkeiten, Kunst zu sehen und zu studieren, dennoch sei München, so der Schauspielstudent, eher spießig. “Kunst ist in München nur ein Accessoire.”

Fotos: Diego Reindel / Stephan Rumpf / Lara Freiburger

Text: Ornella Cosenza