Neuland

Casting-Show verloren und doch gewonnen. Die Münchner Band Wait of the world hat das Finale bei der Casting-Show „X-Factor“ verloren und somit auch nicht den damit verbundenen Hauptpreis – einen Plattenvertrag – gewonnen. Nun ist die Band um Sänger Ben Hutchion-Bird, 22, doch bei Sony Music Germany gelandet. Gerüchte gab es schon seit ein paar Tagen, da die Plattenfirma die Band zum Videodreh begleitete und darüber bei Instagram berichtete. Nun hat Sony der SZ bestätigt, „dass wir die Zusammenarbeit mit der Band weiterführen werden, unabhängig von einem X-Factor Deal“.

Laura Bergler

 

Foto: Henri Schwalm

Ein Leben für Argumente

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Christian Rausch, 21, leitet den Münchner Debattier-Club.
Die Motivation dahinter?  „Ich
rede einfach gerne und bin schon immer politisch interessiert gewesen.“ 

Fünfzehn Minuten. Innerhalb von fünfzehn Minuten eine Rede schreiben. Ganz ohne Hilfsmittel – versteht sich. Also ohne Internet oder Smartphone und ganz aus dem Bauch heraus eine siebenminütige Rede zu einem zuvor unbekannten Thema vorbereiten, die wiederum auch noch überzeugend sowie hieb- und stichfest die eigene Position darlegt. Alles klar soweit?

Für Christian Rausch, 21, ist das jede Woche Alltag, aber genauso auch eine Passion, der er nachgeht. Seit dem dritten Semester, also nun gut zwei Jahre, besucht Christian regelmäßig den Debattier-Club Münchens; seit vergangenem Juli ist er sogar dessen Präsident. Der Club existiert seit 2001 und ist für alle offen, die Spaß am Reden haben und darin ihre Fähigkeiten verbessern möchten. Damit steht er in der Tradition von Universitäten aus dem angelsächsischen Raum, wo das „Debating“ oftmals bereits Teil der Schulausbildung ist.

Bis zu 60 junge Menschen, vor allem Studierende aus allen Fachbereichen, treffen sich auch in München regelmäßig zum gemeinsamen „Trainieren“, überwiegend auf Englisch; schließlich möchte sich der eine oder andere auch auf internationalem Parkett messen. Für Christian ist dieser internationale Austausch mit die schönste Erfahrung beim Debattieren – an bisher acht „World Universities Debating Championships“ hat der junge Mann schon teilgenommen. Nach striktem Regelwerk werden dort zum Teil auch sehr kuriose Themen diskutiert; zum Beispiel, ob die Welt eine bessere wäre, wenn alle Menschen über „Highly Superior Autobiographical Memory“ verfügen würden, also in der Lage wären, jeden Tag ihres Lebens genau zu rekonstruieren. Grundsätzlich gilt für die Themenauswahl der Turnier-Debatten aber, dass sie zumeist doch sehr der allgemeinen öffentlichen Debatte entsprechen.

Aktuell muss sich Christian auf einen rhetorischen Wettstreit zum Thema „Ist Popfeminismus ein konstruktiver Weg zur Gleichberechtigung?“ vorbereiten. Der Debate Club, organisiert unter anderem von CNN, hat ihn angefragt. Sechs Debattanten sollen an diesem Montagabend im Cord Club diskutieren, ob prominente Fürsprecher mit dem Statement „I’m a Feminist“ dem gesellschaftlichen Diskurs tatsächlich einen Gefallen tun.

„Ich habe mich zur Vorbereitung mit verschiedenen Persönlichkeiten beschäftigt, unter anderem mit Nicki Minaj“, sagt Christian Rausch, „und ich möchte niemandem das Recht absprechen, sich in diese Debatte einzubringen. Aber was nützt es, wenn eine prominente Künstlerin proklamiert, sie sei Feministin und dann keinen konkreten, konstruktiven Lösungsansatz bietet?“

Er selbst kam über die Schule zum professionellen Debattieren: Damals habe er bei „Jugend debattiert“ mitgemacht und sei bis ins Landesfinale gekommen. Die Motivation dahinter? Christian überlegt kurz, dann sagt er: „Ich rede einfach gerne und bin schon immer politisch interessiert gewesen.“ Dies scheint auch der Grund zu sein, weshalb sich der Medizin-Student entschieden hat, zusätzlich noch Politikwissenschaft und im Nebenfach Philosophie zu studieren. Für ihn bedeute debattieren, „sich eloquent und logisch stringent mit Themen auseinanderzusetzen“ – eine Aufgabe, die sich auch im geisteswissenschaftlichen Studium häufig stellt.

Als Präsident des Clubs trägt Christian Rausch die Hauptaufgabenlast bei der Organisation für das Training der Anfänger und den Themenvorschlägen für die Treffen. Außerdem müssen Interessenten ja auch erst einmal angeworben sowie Kontakte zu Partnern, darunter Fakultäten, Schulen und auch Firmen, gepflegt werden. Eine wichtige Rolle spielt natürlich auch das Organisieren der internationalen Turniere. Demnächst findet sogar eines in München statt: die „Munich Open“, vom 24. bis zum 26. November.

Wichtig ist Christian allerdings, dass auch die Arbeit seiner Kollegen im Vorstand gewürdigt wird. Gerade die Gleichstellungsbeauftragte nimmt eine besondere Position ein, denn der Präsident diagnostiziert einen klaren „Männerüberhang“: Der Frauenanteil im Club liege aktuell bei nur 30 bis 40 Prozent. Deshalb sei es wichtig, einen Ansprechpartner für alle zu haben, sagt Christian, um „eine Kultur zu schaffen, in der sich jeder willkommen fühlt.“ Dann setzt er grinsend nach: „Wir würden uns freuen, wenn mehr Frauen sich trauen, eine starke Meinung zu vertreten.“

Feminismus, erläutert der Student, werde „in sämtlichen Spielarten“ bei Turnieren häufig als Debattenthema ausgewählt. Auf das Format des Debate Clubs ist er schon sehr gespannt. Die Regeln seien hier zwar offener als im sogenannten British Parliamentary Style, doch auch das habe seine Tücken, befindet Christian. Er wird bei der anstehenden Debatte im Contra-Lager argumentieren. Und obwohl er natürlich bestätigt, dass es sich immer lohne, zu jedem Thema beide Perspektiven einzunehmen, entspricht die Zuteilung in dieser Debatte schon auch seiner persönlichen Meinung. Gerade mit Blick auf das Thema Popfeminismus fehlt ihm eine klare Botschaft. Ganz diplomatisch relativiert der Student aber zwischendurch diese Aussage. Schließlich sei alles, was er dazu zu sagen habe, auch mit Vorsicht zu genießen. Als weißer Mann in der westlichen Welt mache er selbst keine authentische Erfahrung mit Diskriminierung.

Und die aktuelle Debatte um den Hashtag „#metoo“? Steckt diese nicht auch längst in der Popfeminismus-Falle? Mitnichten, findet der Student. Auch die Kritik, dass mit Popfeminismus lediglich inhaltslose Aufmerksamkeit für eine gute Sache geschaffen werde, scheine da unberechtigt zu sein. Denn das Benennen eines Problems sei der erste Schritt zu dessen Lösung. Dies gelte auch für den Hashtag „#metoo“. Obwohl mittlerweile kontrovers diskutiert, mache er ja vor allem die Bedeutung des Problems sichtbar:
„Sexuelle Übergriffe sind kein Randphänomen, es besteht viel größerer Handlungsbedarf“, sagt Christian und fügt hinzu: „Am Ende ist so ein Hashtag auf jeden Fall viel mächtiger als jedes Nicki Minaj Video.“  Yvonne Gross

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Sophie Hemmer

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Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig ist, wählen zu gehen. Heute mit

Sophie Hemmer, Vorsitzende des Jungen
Forums der Gesellschaft für Außenpolitik

“In 40% der Länder unserer Erde herrscht
immer noch keine parlamentarische Demokratie. Gerade die Jugend dieser Staaten
sehnt sich nach freien Wahlen. Nutze dein Wahlprivileg in Deutschland und
bestimme mit, wer uns zukünftig in der Welt repräsentieren wird.” – Sophie Hemmer, Vorsitzende des Jungen
Forums der Gesellschaft für Außenpolitik

Foto: Matthias
Rüby

Die SZ Junge Leute Spotify Playlist im Mai

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Die aktuellen
politischen Entwicklungen führen zu viel politischer Musik, gerade im Hip-Hop! Dass
da gerade viel in Bewegung ist, ist auch in unserer Playlist zu sehen. Davon
abgesehen finden sich viele Münchner Bands hier vertreten, ob laut ob leise, ob langsam
oder schnell – München bedeutet momentan einfach Vielfalt!

Monday Tramps –
Lullabies

Vergangenen August beim Musiksommer im Olympiapark angehört und
für gut befunden.  Diesen Samstag, 3. Juni, geht es deshalb direkt wieder zum Theatron – diesmal fürs Pfingstfestival,
wo die vier Jungs uns mal wieder die Ehre erweisen!

Jana Haberkern

Steven Wilson –
Pariah

Der große Dynamikumfang seiner Songs war schon immer ein
Markenzeichen des Prog-Rockers und Ex-Porcupine-Tree-Frontmanns Steven Wilson.
Und so beginnt auch sein neuestes Meisterwerk “Pariah” als sphärische
Pop-Ballade, um dann in der letzten Minute einfach komplett zu eskalieren. Mit
dabei ist auch die unglaubliche Stimme von Ninet Tayeb, die schon auf dem
letzten Album ein paar Gastspiele geben durfte. Das macht Lust auf mehr!

Max Mumme

 

Mando Diao – Watch Me
Now

Eigentlich fand ich so ziemlich alles, was Mando Diao die
vergangenen Jahre gemacht haben, ziemlich doof. Ich fand das überdrehte letzte Album
schwach und nach dem Abgang von Sänger und Gitarrist Gustaf hatte ich mit der
Band eigentlich schon abgeschlossen. Umso mehr überrascht das neue, ruhige,
fast besinnliche Album, das neben einigen Fehlgriffen einige wirklich gute
Songs beinhaltet. Besonders das melancholische „Watch Me Now“ gefällt mir da.
Eine Neuerfindung, der man eine Chance geben sollte!

Philipp Kreiter

 

We destroy disco – Lake

Die Sonne scheint, der See ruft! Den perfekten Soundtrack
dazu bieten die Augsburger Jungs von We destroy disco. Da trifft gute Laune auf
rockige Gitarren und alternative Klänge. Bei wem jetzt schon Festival-Gefühle
aufkommen, sollte die Auftritte der Jungs miteinplanen!

Sandra Will

 

King Pigeon – My Girl

Was haben die frühen Kooks und die späten Chili Peppers
gemeinsam? Richtig, beide könnten problemlos musikalisches Modell gestanden
sein für den EP-Track “My Girl” von King Pigeon. Schön cleane
Gitarren, fröhliche Harmonien, Mitsingrefrain. Ihre EP Sonic Fields ist einer
von vielen diesjährigen Münchner Sommersoundtracks.

Tilman Waldhier

 

The National – The system only sleeps in total
darkness

Mit dem Album “Sleep Well Beast” bringt die
US-amerikanische Band The National ihr siebtes Studio-Album auf den Markt.  Die jetzt schon veröffentlichte Single daraus
“The System Only Sleeps In Total Darkness” lässt erahnen, dass auch
das im September erhältliche Album an den melancholisch, düsteren Sound der
Indie/Rockband wieder anknüpfen wird. Bisschen Melancholie geht meiner Meinung
auch schon hervorragend im Frühling.

Lisa Katharina Spanner

 

Matthew Matilda –
Fast

Matthew Matilda aus München werden gerade für ihren düsteren
Cello-Blues von Berlin bis Luxemburg gefeiert. “Fast” hat sich inzwischen zu
meinem neuen Lieblingssong erschlichen. An Intensität kaum zu übertreffen merkt
man, wie wundervoll Improvisieren sein kann. Wer hätte noch vor einem Jahr
gedacht, dass das Cello das wohl mit am meisten unterschätzte Blues-Instrument
überhaupt ist?

Louis Seibert

 

Halsey – Eyes closed

Irgendwie ein bisschen sehr typisch jugendlich das Lied. Das
übliche Thema: Herzschmerz, unerwiderte Liebe. Aber gut: Eigentlich bin ich ja
auch erst 17, ich denke, da darf einem so etwas schon noch gefallen. Und
irgendwie mag ich die Stimme und die gleichförmigen Beats, die das richtige
sind für einen gemütlichen Abend und vielleicht auch für Ältere, um sich wieder
wie 16 zu fühlen.

Mariam Cholett.

 

Ásgeir – Unbound (Alternative
Version)

Zum Runterkommen höre ich momentan immer „Unbound“ von dem
isländischen Wunderknaben Ásgeir. Im Mai ist jetzt eine Alternative-Version
davon erschienen, die, mit sanften Klaviertönen im Hintergrund, ein wenig
ruhiger daherkommt als das Original. Ein schöner Feierabend-Song für die
kommenden Sommertage.

Barbara Forster

 

Berry – Mademoiselle

Das franzsösische Chanson ist tot! Es lebe das französische
Chanson! Berry ist Carla Bruni mit tieferen Augenringen und mehr Bohème.
Verträumte Melodien, weiche Stimme, poetische Texte. So klingt es, wenn man mit
guter Literatur, großer Sonnenbrille in einem Pariser Café vor einem Espresso sitzt, oder durch lichtdurchflutete
pariser Boulevards bummelt. Berry ist für alle, die extravagante Leichtigkeit à
la francaise lieben.

Anne  Gerstenberg

 

Mola – GROSS

“GROSS” ist und bleibt die neue Single von MOLA
im wahrsten Sinne des Wortes. In
“GROSS” steckt ganz viel Liebe drin, eine Liebe, die alles überdauert
und die bei mir wohl noch länger in Dauerschleife laufen wird. Das tun jetzt
auch die anderen Songs der neuen EP “Babies” von MOLA, die im Mai
erschien: “Lass es regnen”, “Hallo”, “Lieber
ich”, … Um nur ein paar Songs aus einer absolut großartigen Auswahl zu
nennen. Dreht den Sound auf!

Laura Schurer

 

Mavi Phoenix –
Aventura

Kennt ihr Liebe auf’s erste Mal hören? Wenn man einen Track
zum aller ersten Mal wahr nimmt und sich von Beginn an nicht mehr still halten
kann. Wenn man sofort anfängt, ganz peinlich mit dem Kopf mit zu wippen und die
Mundwinkel sich von selbst nach oben ziehen. Seit Wochen bekomme ich Mavi
Phoenix “Aventura” einfach nicht mehr aus dem Kopf. Die österreichische
Künstlerin und ihr im März erschienenes Album “Young Prophet” habe
ich auf jeden Fall in mein rapverliebtes Herz geschlossen.

Anastasia Trenkler

 

Sookee – Queere Tiere

„Es gibt doch mehr als zwei Geschlechter, wirf einen Blick
in die Natur und du weißt, wer Recht hat. Männchen vögeln Männchen, Weibchen lieben
Weibchen – lasst uns die Menschen öfter mit Tieren vergleichen“, rappt Sookee
und dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen – außer vielleicht: Hass ist krass. Liebe ist krasser.

Jacqueline Lang

 

Wu Tang Clan – C.R.E.A.M.

Wer in München eine Wohnung sucht, braucht harte Nerven. Man
muss sich durchhustlen im gnadenlosen Mietwahnsinn. München  mutiert zum harten Pflaster, was Mietpreise
angeht. Hast du reiche Eltern, bekommst du Wohnraum, oder so. Deshalb passend dazu: C.R.E.A.M – Cash rules
everything around me. Leider.

Ornella Cosenza

Kendrick Lamar feat. U2 – XXX

DAMN. Das
neue Album von Kendrick Lamar, das er an Ostern veröffentlichte, ist verdammt
gut. Er rappt darin über black power, das rassistische Amerika und seinen
Schock: „Donald Trump’s in office, we lost Barack.“ Sowohl musikalisch als auch
hinsichtlich der Texte und Message ein ganz starkes Album – und dann hält es
auch noch eine Überraschung bereit: den Song XXX, ein Feature mit U2.
Zugegeben, ich war zunächst etwas skeptisch, was U2 auf einem solch großartigen
Rap-Album zu suchen hat. Doch bis Bono in XXX überhaupt singt, muss man erst
lange Zeit den aggressiven Public Enemy-Sirenen und Kendrick’s düsteren
Schilderungen des aktuellen Amerika zuhören, und als Bono dann den Refrain
anstimmt („It’s not a place / this country is to be a sound of drum and bass /
you close your eyes to look around“), hat das irgendwie etwas Hoffnungsvolles:
Trotz – oder gerade wegen – der aktuellen Entwicklung tun sich nun Kräfte
zusammen und stehen gemeinsam für etwas ein. Ob beim Women’s March, Black Life
Matters – oder eben ein irischer Rock-Musiker mit einem schwarzen West
Coast-Rapper.

Anna-Elena Knerich

Der Hitze zum Trotz

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Am letzten Tag der Ausstellung der SZ-Junge-Leute-Seite im Farbenladen herrschten beinahe subtropische Temperaturen – dennoch sorgten eine Politikdiskussion und Musik von Matthew Mathilda und Xavier Darcy für ein volles Haus.

Am Ende war es dann noch einmal richtig voll im Farbenladen –
auch wenn die Sonne ihr bestes gab, um die Leute fern zu halten. Aber was ist
schon die Sonne gegen die Stimmen von Matthew Austin und Xavier Darcy? Gegen die
letzte Möglichkeit, die fantastische Ausstellung „München im Quadrat“ zu
bestaunen?

Einer, der richtig gefesselt von den Bildern war, war Kytes-Sänger Michi Spieler. Auf Grund
einer umfangreichen Tour schaffte er es erst am letzten Tag der Ausstellung,
endlich alle Bilder von allen Fotografen mit allen Models zu sehen: „Die Bilder
sind so cool, es gibt so viel zu entdecken. Ich musste wirklich mehrmals
durchgehen, um alle Facetten zu sehen.“

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Aber nicht nur Michi Spieler hatte sich gegen einen Besuch an der
Isar entschlossen, auch viele Besucher waren da und hörten gespannt Vertreterinnen
und Vertretern junger Organisationen zu, die darüber diskutierten, was man
gegen Politikverdrossenheit tun könnte. Alle drei Projekte vertreten dabei
einen ähnlichen, aber in der Ausführung unterschiedlichen Ansatz: Während Our
Impact und das Projekt „Denkende Gesellschaft“ auf den Dialog setzen und
Menschen zum Nachdenken über Politik und Wählen animieren wollen, möchte Pulse
of Europe zeigen, wie viel Begeisterung es für die europäische Idee und die
europäischen Werte in der Bevölkerung gibt. So waren sich dann auch alle Diskussionsteilnehmer
einig: Die junge Generation muss die Zukunft aktiv in die eigene Hand nehmen,
teilhaben und mitgestalten. Wie Clara Mokry, Mitinitiatorin von Pulse of Europe
auch sagte: „Es geht um unsere Zukunft!“.

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Wirklich beachtlich war, wie engagiert und interessiert das
Publikum an der Debatte teilnahm – schließlich konnte man die Luft im
Farbenladen euphemistisch bestenfalls als stickig bezeichnen. Dass das aber
allen egal war, lag nicht zuletzt an der Performance von Matthew Mathilda, die
in voller Bandbesetzung das Publikum mit ihrem atmosphärischen, immer leicht
melancholischen Bluesrock begeisterten.

Und dass Xavier Darcy – im Farbenladen ein alter Bekannter –
d die Öffnungszeiten etwas
überzog, nahm ihm auch niemand mehr übel. Im Gegenteil: Alle Besucher, alle
Teilnehmer, alle Fotografen, alle Models genossen diese letzten, musikalischen
Minuten der SZ- Farbenladenausstellung 2017. Bis sie mit dem letzten Akkord aus
Xaviers Gitarre ihre Pforten schließen musste – hoffentlich aber nur bis zum
nächsten Jahr.

Text: Philipp Kreiter

Fotos: Ornella Cosenza

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Hubert

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Neben seinem eigenen Geburtstag feiert unser Autor auch noch zu 4 Jahren Milla und dem Closing-Event des Bahnwärter Thiels.
Neben Netflix schaut er auch noch Videoprojektionen von Easy!upstream und kann sich auf Geheimtipps der HFF

freuen.

Döner oder Subway? Als ich erleichtert die Uni verlasse, fängt mein Wochenende bereits mit dem ersten Dilemma an. Ich erinnere mich, noch keine konkreten Pläne für die nächsten sieben Abende geschmiedet zu haben, noch nicht einmal für meinen runden Geburtstag morgen. Es ist wieder eines dieser Wochenenden, an denen man sich am liebsten dreiteilen würde, um keines der spannenden Events zu verpassen.

Facebook meldet mir für den heutigen Freitag zu sieben Veranstaltungen zugesagt zu haben. Tatsächlich – heute fängt das zweitägige „4 Jahre Milla“ Geburtstagsevent an, bei dem ich mich am meisten auf die Band Akere freue. Das Münchner Trio performt abstrakten Hip-Hop. Konventionellere Kopfnicker-Beats bieten im Anschluss die Jungs von Bumm Clack.
Bis hier hin fühlt sich mein Plan genial an, hätte ich nur nicht im Hinterkopf, dass heute auch das Programm vom Digitalanalog Festival 2016 startet. Im Zuge dessen finden im Gasteig aufwändige audiovisuelle Darbietungen genau nach meinem Geschmack statt. Das Ganze kostet keinen Pfennig Eintritt.
Ich werde heute wohl Pendeln müssen.

Am Samstag sollte ich angesichts meines 20. Geburtstages eine Party schmeißen. Wie ich mich kenne, werde ich mich bis zum späten Nachmittag nicht zu Planungen motivieren können. Auf diese Art habe ich bereits die Feierlichkeiten zu meinen 16. und 18. Geburtstagen verbummelt. Realistisch nehme ich mir morgen vor, mich spontan zwischen noch einem Tag Digitalanalog oder der Langen Nacht der Münchner Museen zu entscheiden.

Sollte das Museum-Hopping nicht zu exzessiv gewesen sein, genieße ich am Sonntag ein letztes Mal die entspannte Eisenbahnkulisse des Bahnwärter Thiels vor der Hochschule für Film und Fernsehen. Mit dem Bahnwärter-Thiel-Closing-Event verabschiedet sich der Eisenbahnwagon von seiner aktuellen Haltestelle, um zu einem neuen, noch unbekannten Standort aufzubrechen. Ich kann den Tag endlich ohne Zwiespalt genießen.

Am Montag angekommen, nehme ich mir vor – verwöhnt von den Veranstaltungen der vorangegangenen Tage, den Tag kulturlos zu Hause zu verbringen und die Zeit in meine Bildung zu investieren. Wie gesagt – ich nehme es mir vor. Alternativ dazu, würde das junge Künstlerkollektiv Easy!upstream in der Tiefgarage vom Schwabinger Tor im Zuge des Events „Coral North“ großformatige Installationen und Videoprojektionen zur Schau stellen. Leider werde ich am Montag mit Lernen beschäftigt sein.

Dienstag. Endlich. In der Muffathalle findet das Konzert vom elektronischen Ein-Mann-Orchester Dub FX statt. Die Vorfreude darauf bringt mich fast zum Platzen. Der Beatboxer aus Melbourne erzeugt live zwischen wirrem Kabelsalat, Loop- und Effektgeräten Beats, von denen man nie ahnen würde, dass sie ursprünglich aus dem Munde eines Menschen kamen.

Voraussichtlich wird sich mein Mittwoch darauf belaufen, mich per Netflix und anderen, ausschließlich legalen Streamingdiensten auf das am Donnerstag folgende Seriencamp vorzubereiten. Die Hochschule für Film und Fernsehen zeigt mit umfassendem Rahmenprogramm „Deutschlandpremieren, Geheimtipps und Entdeckungen aus der ganzen Welt“, mit anschließenden Diskussionen. Das Festival ist über die gesamte Dauer von drei Tagen kostenlos.

Auch der kommende Freitag lässt es sich nicht nehmen, das Wochenende laut anzukündigen. Der „Großmeister des Grooves“, Moodyman spielt im MMA ein Detroit Techno Set. Das unschlagbare Line-up wird an jenem Abend vervollständigt von Bambounou und Bartellow. Je nach Stimmung könnte es mich allerdings auch ins Sunny Red, zu „Reduction #15“ ziehen, wo Underground-Größen des Dubs ihre bebenden Basslines zum Besten geben.
Nach einer so ereignisreichen und entscheidungs-intensiven Woche erübrigt sich wenigstens die Döner- oder Subway-Debatte. Mein Geldbeutel wird mir vor der Uni raten, ein Brot für später zu schmieren.

Von: Hubert Spangler

Foto: David Fragomeni

Hochzeit für Untermieter

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In der Studentenstadt leben 2000 junge Frauen und Männer. Was passiert eigentlich in den Semesterferien, wenn viele Studenten nach Hause fahren und neue für kurze Zeit einziehen? Ein Sommer-Besuch in der „Stusta“

Von: Philipp Kreiter und Serafina Ferizaj

Fotos: David-Pierce Brill

Studenten sitzen in der Sonne, grillen oder picknicken. Manche spielen Gitarre und einer singt „Wonderwall“. Andere joggen in Richtung Englischer Garten. Es ist Ende August, der Sommer ist mit großer Verspätung auch zwischen den vier Beton-Wohnblöcken in der Münchner Studentenstadt angekommen.

Die Studentenstadt, von den Bewohnern liebevoll „Stusta“ genannt, ist ein Zuhause für fast 2000 Studenten aus aller Welt. Hinter den nummerierten Türen leben nicht nur Deutsche, sondern dank internationaler Austauschprogramme auch Studenten von weit her. In jedem Haus sind einige Zimmer extra für Austauschstudenten aus den USA, Spanien oder China reserviert und in den „GAPs“, den Gemeinschaftsräumen, können sich die Bewohner treffen. Im Potschamperl, einer der nur für Bewohner zugänglichen Kneipen, gibt es neben bayerischen Spezialitäten auch indische, afrikanische oder arabische Gerichte. Wie alles in der Stusta, machen auch das die Studenten selbst.

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Jedes Jahr von Juli bis September werden die Wohnungsschlüssel neu vergeben: Viele Studenten verlassen die Stusta. Nur Bett, Tisch, Stuhl und Regal bleiben zurück. Sie machen Platz für Studenten, die bloß einige Monate in München bleiben. Diese machen im Sommer ein Austauschprogramm, einen Sprachkurs oder wollen sich etwas dazuverdienen. Das Zimmer bekommt vorübergehend einen neuen Anstrich. Viele hängen in den 16 Quadratmetern provisorisch Bilder auf, ansonsten haben sie nur das Nötigste dabei. Die einzige Möglichkeit, legal und kurzfristig an ein Zimmer zu kommen, ist die Appartementbörse. „Ich habe mich jeden Abend mehrere Stunden in die Schlange gestellt“, sagt der 26-jährige Mirko Novak aus Kroatien. Er hatte Glück und bekam ein Zimmer, auch wenn er zuvor eine Weile bei einem Kumpel übernachten musste.

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Solche Geschichten kennt Victoria Treßel, 20, die Leiterin der Börse, nur zu gut. „Man bekommt viel von der schwierigen Wohnsituation in München mit“, sagt sie. „Die Studenten können sich die Mietpreise nicht leisten und nehmen meist das, was sie bekommen.“ Es sei aber nicht immer einfach mit den Untermietern. Oft komme es zu Problemen, wenn sie ausziehen müssen. „Ein paar Mal ist es vorgekommen, dass der Hauptmieter zurückkehrt und vier fremde Personen im Zimmer findet, die eigentlich ausziehen mussten“, sagt Treßel. „Manche bringen den Schlüssel nicht rechtzeitig zurück oder hinterlassen das Zimmer verdreckt – das ist für uns und die Hauptmieter sehr ärgerlich.“

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Das Gemeinschaftsleben ist das, was die Studenten in der Warteschlange am meisten reizt. „Hier ist immer was los“, sagt Mirko. „Es ist unmöglich, keine Leute kennenzulernen.“ Auch dass man sich überall engagieren kann, gefällt ihm. In fast allen Gemeinschaftseinrichtungen ist die Arbeit ehrenamtlich. Dazu gehören die Kneipen, der Brotladen, ein Café und viele kleine Geschäfte. All diese Einrichtungen machen das Wohnheim zu einer eigenen Stadt, die durch die Heimselbstverwaltung organisiert wird. Jedes Haus hat seine Haussprecher und Tutoren, die von den Studenten gewählt werden. Die Tutoren organisieren Gemeinschaftsaktivitäten, um der Anonymität in dem großen Wohnheim entgegenzuwirken. Insbesondere ausländische Bewohner sollen ins Gemeinschaftsleben integriert werden. Auch in den Semesterferien gibt es deshalb keine Pause. „Am meisten gefällt mir, dass man die Chance bekommt, sich aktiv an der Weiterentwicklung der Studentenstadt zu beteiligen und das Wohnen für alle Studenten besser zu gestalten“, sagt Camille Mainz, 23, der seit fast einem Jahr Haussprecher ist. Stressig wird es vor allem während der Klausurenphase, wenn man nebenbei Events organisieren oder sich um Probleme kümmern muss. Dazu gehört auch, um drei Uhr in der Früh geweckt zu werden, um für Ruhe zu sorgen, wenn einige Bewohner laut feiern.

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Wenn man seine Ruhe haben will, dann ist die Stusta nicht der richtige Wohnort. Während des Semesters finden jeden Donnerstag Stockwerkpartys statt, im Sommer ist abends zwischen den Wohnblöcken mehr Betrieb als an der Isar. Das Vermitteln zwischen Studenten, die Ruhe fürs Lernen brauchen, und solchen, die ihre Freizeit genießen, ist nicht immer leicht. Letztes Semester verteilte ein Unbekannter Buttersäure in einem Stockwerk, weil er sich wohl von einer Party gestört fühlte – der Gestank ging erst Monate später wieder weg.

Pünktlich zu den Semesterferien werden von den Bewohnern neue Haussprecher und Tutoren oder auch Betreiber für die Gemeinschaftseinrichtungen gewählt. Camille sagt, dass man in den Ferien vor allem daran arbeiten muss, ein Team zu werden: „Momentan haben wir ziemliches Glück mit den Neugewählten und kommen alle super miteinander klar.“

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Johannes „JoKo“ Kohn, 27, im letzten Jahr Vorsitzender des Vereins Kulturleben, der für das jährliche „StuStaCulum“-Festival verantwortlich ist: „Die Leute machen im Durchschnitt zwei Jahre bei der Organisation mit. So sind sie sehr motiviert und es kommt immer frischer Wind rein.“ Mittlerweile ist das StuStaCulum das größte studentisch organisierte Festival Deutschlands. „Es ist faszinierend, wie Ideen, die Leute hatten, die schon längst ausgezogen sind, bis heute weitergeführt werden“, meint Johannes.

Im „Hanns Seidel Haus“, dem größten Hochhaus in der Studentenstadt, fährt der Lift bis in den 19. Stock. Dort befindet sich auf der Dachterrasse das von den Bewohnern ehrenamtlich geführte Manhattan, der „höchste Biergarten Münchens“. Mal treffen sich dort die Erasmus-Studenten, hin und wieder findet ein bayerischer Abend statt und pünktlich zur Wiesn gibt es ein Wiesn Warm-Up. Die Bar ist nicht nur bei den Bewohnern beliebt: „Gerade während der Sommerferien kommen viele Jugendliche hierher. Wir müssen genau darauf achten, dass nur die Bewohner der Studentenstadt bewirtet werden. Schlüsselkontrollen sind deswegen Pflicht“, meint Alisha Melber, 21, die Betreiberin des Manhattan. Bei dem Ausblick ist das auch kein Wunder: Mit einem frisch gezapften Bier in der Hand haben die Bewohner der Stusta einen einmaligen Blick auf die Münchner Skyline und ihr Zuhause auf Zeit.