Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Louis

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Neues Jahr, neue Pläne. Unser Autor startet raketenmäßig ins neue Jahr und nimmt sich viel vor: über die Fotografie-Ausstellung “But a mermaid has no tears” über eine Lesung bis hin zur Albumrelease-Party von The Whiskey Foundation ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Für das neue Jahr habe ich mir keinen einzigen Vorsatz
gemacht. Und das ist nicht nur gut, sondern auch richtig so. Meiner Meinung
nach legitimiert man so nur das eigene schlechte Gewissen. Brechen tun wir die
Vorsätze sowieso alle sehr schnell. Dieses Jahr mache ich mir nichts vor. Würde ich mich
mit derartig lästigen Dingen wie joggen gehen oder dem Verzicht aufs Feiern
gehen beschäftigen, dann wäre mein volles Programm im neuen Jahr ja wohl kaum zu
schaffen. Und das wäre nun einmal wirklich schade.

Ich beginne den Freitag
in einer kleinen Fotogalerie in der Maxvorstadt. Dort findet heute die Finissage der beiden
tollen Fotografen Laura Zalenga und Korbinian Vogt statt. Beide haben sich in
der Münchner Szene einen Namen gemacht und werden heute noch ein letztes Mal
ihre kleine Werkschau in der Galerie Ingo Seufert präsentieren. Später möchte
ich raus, tanzen, springen, die Welt vergessen. Der Crux Winter Jam im
heimeligen Muffatwerk verspricht wild zu werden. Oder gemütlich mit feinstem Soul ins Import Export.
Dort ist das Passauer DJ-Kollektiv Funk & Liebe zu Gast, mit denen sich der Weihnachtsspeck mit Sicherheit auf die beste und spaßigste Art und Weise
wegshaken lässt.

Am Samstag
schlafe ich erst einmal gemütlich aus. Nach ausgiebigem Kaffee-Frühstück und
einem gemütlichen Sofa-Tag schlendere ich in das Café Kosmos. Hier wird heute
Abend die Fotographie-Ausstellung „But a mermaid has no
tears“
eröffnet. Die analogen Portraits der jungen Münchnerin Nadja
Ellinger haben etwas von Alptraum und Märchengeschichte zugleich – die
Fotografin selbst schreibt: „Ich wollte nicht die äußere Handlung des Märchens
fotografieren, sondern mehr die innere.“ Nach der Vernissage und den ersten
Biergläsern schaue ich im STROM an der Poccistraße vorbei. Der Lieblings-DJ des
Glockenbachviertels – Fancy
Footworks
– steht dort heute an den Plattentellern und versorgt mich wie
gewohnt mit einem fetzigen Auftritt. Später treffe ich noch eine Freundin auf
ein letztes Bier im Sunny Red. Hier sorgen D-Light und MC Jah Screechy aus
Großbritannien für besten Dub zu später Stunde
genau das Richtige, um den letzten Samstag vor dem gefürchteten Unistart
abzurunden.

Dieser löst bei mir am Sonntag
starkes Fernweh aus. Gut, dass heute im Muffatwerk eine Vortragsreihe verschiedenster
Dokumentarfilmemacher stattfindet. Von Kuba, durch die Schnee- und Eiswüsten
dieser Erde, bis nach Asien und in die Anden ist mit Sicherheit so einiges
dabei, um bei mir neue Reiseträume wach werden zu lassen.

Montag. 10 Uhr,
Hörsaal. Finde ich gerade auch nicht so schlimm. Nach einem langen Tag wie
diesem schmerzt mir allerdings der Kopf und ich statte dem wunderbaren
Trachtenvogl einen abendlichen Besuch ab. Der ist heute gefüllt mit bestem Folk von den
beiden Münchnern Carmina Reyes und Sleepwalker’s Station. Gut gegen Uni-Blues,
schlecht für meine Ungeduld, bald wieder reisen zu gehen.

Dabei sind solche Träume vom Fliegen eigentlich der reinste
Luxus. Das wird mir am heutigen Dienstag
wieder bewusst, an dem ich die Sonderausstellung
„Nie wieder. Schon wieder. Immer noch.“ im NS-Dokumentationszentrum über den
erneuten Aufstieg rechtsextremen Gedankenguts in Europa besuche. Unangenehme Gedanken
über diesen unerträglichen Nationalismus plagen mich nun. Weshalb ich mich
spontan entschließe, dem Gemeinschaftsprojekt „Bellevue di Monaco“ noch schnell
einen Besuch abzustatten. Hier wird jeden Dienstag in einem offenen Tanzworkshop
eine Choreographie erarbeitet, die Tanzstile aus aller Welt miteinander
verbindet. Das verleiht mir wieder gute Laune. Tanz, Kultur ist eben nichts Statisches, was schon immer so da war und immer gleichen bleiben könnte.

Den Mittwoch
lasse ich ruhig angehen. Ich gehe spazieren an der Isar. Und abends noch ins
Lovelace, auf eine
Lesung
. Sara Hauser und Elisa Weinkötz lesen eigene Kurzgeschichten, die
sich in der Natur abspielen. Ich hoffe nur, es regnet nicht.

Am Donnerstag
gehe ich wieder meinem Drang nach, in die Welt zu reisen. Sulayman Jode, der
als Schneider erste Kollektionen im Second-Hand-Laden Vinty’s präsentierte,
veranstaltet mit Freunden inzwischen richtige interkulturelle Fashion-Events mit
Modeschauen, Hip-Hop-Konzerten und einer ganzen Reihe an DJs. Seine gewagten
Kleider, die Stoffe aus seiner gambischen Heimat mit westlichen Schnitten
verschmelzen lässt, fallen auf im eher trüben Münchner Kleidungshorizont. Der
Abend im Backstage verspricht lang zu werden – und reich geschmückt mit den
heißen Beats nigerianischer, gambischer oder tansanischer Musikstile.

Was für eine volle Woche. Dabei beginnt das Wochenende doch
erst. Und am Freitag das mit der –
ungelogen – wohl fetzigsten Party, die München im ganzen Jahr 2018 erleben wird.
The Whiskey Foundation spielen, leben, atmen Blues wie alte Großmeister. Heute
Abend veröffentlichen
sie ihr drittes Album
, Blues & Bliss. Allein die Vorbands können sich
sehen lassen: Matthew
Matilda
und Organ
Explosion
. Danach wird eine der einzigartigsten Live-Bands Deutschlands die
Muffathalle zum Beben bringen, bevor dann im Café weitergefeiert wird. Wenn die
Vögel zu zwitschern beginnen, bekomme ich die treibenden Gitarrenlicks noch
immer nicht aus dem Kopf. Ist zumindest mein Vorsatz.

Text: Louis Seibert

Foto: Lukas Marti

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Louis

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Herbst ist immer dann, wenn man sich endlich wieder bewusst
wird, dass es in München mehr gibt als die Isar, Lagerfeuerabende und riesige Open-Air-Pop-Up-Yoga-Sessions
im Englischen Garten, findet Louis. Und nimmt uns mit zum Kleidertausch und zum Nino aus Wien.

Dann nämlich ist die Zeit gekommen um gemütlich in der
Schlange vor überquellenden Konzertkellern zu stehen und die Trauer über den
verlorenen Sommer gegen ganz viel Tequila einzutauschen. Jedenfalls gilt es für
mich in dieser Woche wieder, all die Orte aufzusuchen, die man vor lauter
Sonnenliegen schon fast vergessen hatte.

Deshalb starte ich auch früh ins Wochenende. Am Freitag wird um 18:30 Uhr im Münchner
Filmmuseum die Produktion „Geschwister“
gezeigt. Der Film erzählt von einer schwierigen und tragischen Odyssee zweier
Moldawischer Flüchtlinge auf dem Weg nach Deutschland und wurde von Münchner
Studenten mitentwickelt. Keine leichte Kost. Ein Glück, dass für stärkstes
Kontrastprogramm bereits gesorgt
ist:  In der 089 Bar findet der
inzwischen schon traditionsreiche Comedy
City Battle
statt. Hier duellieren sich Münchner Comedians mit Mitstreitern
aus ganz Deutschland – diesmal ist Hamburg dran. Die Comedyszene in München ist
quicklebendig und so wird der Abend gewiss heiter und fröhlich enden.

Am Samstag möchte
ich mich mal wieder mit ein paar frischen Klamotten einkleiden. Allerdings
nicht in der Kaufingerstraße, sondern in der wunderbaren Glockenbachwerkstatt. Hier
findet heute ab 11 Uhr ein Kleidertausch
statt, bei dem ich mit Sicherheit den einen oder anderen gemütlich-warmen
Winterpulli ergattern werde. Im direkt daran angegliederten
Gemeinschaftsprojekt Bellevue Di Monaco beginne ich dann meinen Abend. Dort spielt
die Band „Terakaft“
aus Mali. Dessen Sänger Sanou Ahmed engagiert sich mit Musik für die Rechte der
Touaregs in seinem Heimatland. Das klingt wahnsinnig interessant, schließlich
gilt Mali als eines der Ursprungsländer von einem Großteil von Musikgenres wie Blues
oder Jazz. Im Anschluss sind die Beine aber noch lange nicht müde und so tanze ich,
wo es mich auch hinführt. Ins Unter
Deck
wahrscheinlich.

Den Sonntag gehe
ich erst einmal gemütlich an. Nach ausgiebigem Omelette-Frühstück besuche ich
die Pinakothek der Moderne. Hier ist die Ausstellung „Tokyo“
des japanischen Fotokünstlers Nobuyoshi Araki zu bewundern, in der er die
fieberhaften Kontraste seiner Heimatstadt provokant darlegen soll. Das reicht
auf alle Fälle aus um den übrigen Nachmittag in Gedanken verstreut Zuhause zu
verbringen, bevor es mich abends in einen meiner Lieblingsclubs, der Milla,
zieht. Der Nino aus
Wien gibt hier heute die Ehre
und bringt ein wenig Wiener Traurigkeit ins
frohlockende München.

Kein Tag ohne Musik denke ich mir gerne. Ein Glück also,
dass ich mich am Montag auf einem
ausgedehnten Herbstspaziergang plötzlich am Ostbahnhof wiederfinde und von
rauen Gitarrenklängen in das Rumours gelockt werde. Die innovative
Stoner-Rock-Band Humulus
aus Italien wird hier heute Abend die Wände zum Zittern bringen.

München zieht längst wieder Musiker aus aller Welt an. Das
lässt mich aus dem Rausch der Live-Konzerte gar nicht mehr herauskommen. Am
heutigen Dienstag zieht es mich in
das Sunny Red. In diesem lässigen Kellerschuppen findet immer dienstags das DIE.BASS.KAFÈ
statt. Veganes Essen und bester Reggae aus München von der „Nicetime
International“-Gruppe füllen heute bestens meinen aus Studentengründen immer
recht langen Abend.

Am heutigen Mittwoch
bleibe ich deshalb auch erstmal lange liegen. Der Herbst ist schließlich auch
die Jahreszeit der Entschleunigung. Ich will heute die Isar flußaufwärts entlanglaufen.
Kaum zu glauben wie schön und wild es gleich südlich von der Münchner
Stadtgrenze zugeht! Und wenn mir die Beine kalt werden, steige ich einfach in
die S-Bahn und freue mich auf  warmen Tee
daheim.

Am Donnerstag
zieht es mich wieder in ein Kino. Die Eröffnungsfeier der diesjährigen Lateinamerikanischen
Filmtage
im Werkstattkino zieht mich weit weg von kaltem Novemberregen. Der
Eröffnungsfilm „Adiós Entusiasmo“ verspricht sich als wirklichkeitsnahes
Kammerstück. Das ganze Filmfest, das sich in diesem Jahr auf Filme aus
Argentinien spezialisiert hat, ist bis zum 29. November angesetzt.

Freitag. Eine
weitere Woche voller Trubel, Kunst und Ruhe ist wieder einmal rum. Gibt es denn
einen schöneren Ort um das neue Wochenende einzuleiten als das magische Tollwood-Festival? Zwischen
Glühweindunst und Falafelbuden hindurchschlendern und den Winter zum ersten Mal
ein wenig schön finden, das habe ich mir heute vorgenommen. Wobei ich nun eines
berichtigen muss: auch der Herbst ist hier draußen, am Fuße der Bavaria, eindeutig
am schönsten.

Wo kann man… richtig gut Golf spielen?

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Golfspielen ist die vielleicht Münchnerischste aller
Sportarten: von außen betrachtet ziemlich schnöselig und überteuert. Aber
irgendwie eben auch sehr geil. Für viele Menschen ist der Sport mehr als nur
Passion, es ist ein Lebensentwurf:

7 Möglichkeiten zum Ausprobieren.

Nun ist schon klar, dass nicht jeder
Münchner „blaues Blut“ in seinen Adern fließen hat und die ersten Par-Spiele
noch warten. Hier also ein paar Tipps für dich um auch einmal stilvoll den
Schläger über das sanfte Grün zu schwingen. Viele Clubs bieten günstige
Einsteiger-Sessions an.

1) Golfcenter Ismaning

Junges Frischblut, willkommen in der Welt des Golfens! Auf
diesem schönen Übungsplatz im Norden von München wirst du deine ersten mutigen
Schläge spielen dürfen. Der naturbelassene 6-Loch-Platz wird vor Allem wegen
der hervorragenden Atmosphäre geschätzt. Und das Beste: mit 10 € Tagesgebühr
ist das Spielen hier für jeden erschwinglich – nicht nur für Profis wie James
Bond.

Freisinger Straße 102, 85737 Ismaning-Fischerhäuser
Tel.: +49 173 6666877
kontakt@golfcenter-ismaning.de

www.golfcenter-ismaning.de

2) Golfclub München-Riem

Stadtnah gelegen und mit hervorragenden Übungsmöglichkeiten,
Flutlicht inklusive: Der um die Galopprennbahn Riem gelegene Golfplatz wird aus
dir einen wahrhaftigen Golf-Crack machen. Und der 9-Loch-Meisterschaftsplatz
lädt auf ein erstes Kräftemessen ein.

Graf-Lehndorff-Straße 36, 81929 München
Tel.: +49 89 94500800, Fax: +49 89 94500770
info@gcriem.de

www.gcriem.de

3) Golfrange München-Brunnthal

Hier lassen sich die weißen Kunststoffbälle das ganze Jahr
über durch die Lüfte schlagen. Der Platz wurde großen Golflegenden
nachempfunden und auch Anfänger ohne Platzreife können hier ihr Potenzial
ausloten. Seinen Qualitätsanspruch beschreibt der Club so: „Irisches Grün,
amerikanischer Service und schottische Preise.“

Am Golfplatz 1, 85649 Kirchstockach
Tel.: +49 8102 74740, Fax: +49 8102 747479
muenchen-brunnthal@golfrange.de

www.golfrange.de

4) Bavarian Golfclub München-Eicherloh e.V.

Auch in Eicherloh lässt es sich als blutiger Anfänger ohne
Platzreife zumindest unter der Woche wunderbar üben. Der sehr naturnahe
Golfplatz im Nordosteen der Landeshauptstadt bietet von einer 9-Loch-Anlage bis
zu einem Clubrestaurant alles was das Golferherz begehrt.

Vordere Moosstraße 19, 85464 Eicherloh
Tel.: +49 8123 1064, Fax: +49 8123 889467
info@bavariangc.de

www.bavariangc.de

5) Münchener Golf Club e.V. – Thalkirchen

Beim MGC kann man seine verfeinerten Abschläge auf dem wohl
schönsten Platz Münchens unter Beweis stellen. Direkt an den Thalkirchener
Isarauen gelegen und mit großen Bäumen die dankbar Schatten spenden ist es
einer der renommiertesten Plätze der Stadt. Das hat zwar seinen Preis- dafür
kann man sich im angeschlossenen Clubhaus nicht nur über die Golftauglichsten
Cocktailrezepte informieren.

Zentralländstraße 40, 81379 München-Thalkirchen
Tel.: +49 89 7231304, Fax: +49 89 72300650
thalkirchen@mgc-golf.de

www.mgc-golf.de

6) Münchener Golf Club e.V. – Straßlach

Mit 27 Löchern bietet sich in Straßlach ein Golfplatz für
alle, die niemals genug bekommen werden von diesem Sport. Der Platz wurde vor
einigen Jahren durch den bekannten amerikanischen Golfplatz-Architekten Perry
O. Dye neu gestaltet. Mit herrlichem Blick in die Berge verfügt das Clubhaus
über eine großzügige Terrasse, auf denen sich der eine oder andere Drink
genießen lässt. Sean Connery lässt grüßen.

Tölzer Straße 95, 82064 Straßlach
Tel.: +49 8170 929180, Fax: +49 8170 9291820
strasslach@mgc-golf.de

www.mgc-golf.de

7) Golfclub Olching e.V.

Einer der besten und anspruchsvollsten Plätze Deutschlands
befindet sich in Olching, keine 20 Kilometer von München entfernt. Alle 18
Grüns sind vor kurzem neu gestaltet worden. Dabei wurde vor allem auf
spieltaktisch herausfordernde Elemente wie Wasserstellen gesetzt. Nur etwas für
echte Profis des Golfsports.

Feursstraße 89, 82140 Olching
Tel.: +49 8142 48290, Fax: +49 8142 482914
sportbuero@golfclubolching.de

www.golfclubolching.de

Text: Louis Seibert

Zeichen der Freundschaft: Sandburgen

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Man wird älter, ist als junger Erwachsener oft nicht mehr der Mensch, der man als Jugendlicher war. Schön, wenn bei allen Veränderungen Freundschaften bestehen bleiben und man sich auch nach Jahren immer noch vertraut in den Arm nehmen kann.

Als Franzi und ich uns kennenlernten, da sahen
wir noch ganz anders aus. Ihre lockigen engelsblonden Haare wuchsen zwar schon
damals unverkennbar über ihrem verschmitzt lachenden Gesicht, doch das war es
auch fast schon. Unterhalten konnten wir uns bei unserem Kennenlernen noch
nicht. Oder laufen. Oder vielleicht noch nicht einmal wirklich denken konnten
wir.

Irgendwann zwischen den ersten
eigenen Sandburgen und der Vorschule sind Franzi und ich uns das erste Mal über
den Weg gelaufen – Pardon: gekrabbelt. Wir waren sofort unzertrennlich, wie
meine Eltern mir das heute erzählen. Sei es, weil wir uns gegen unsere
Geschwister verbündeten oder weil ein Berg Halloween-Süßigkeiten gemeinsam
immer noch viel besser schmeckte. Später feierten wir unsere ersten Partys
während des Frankreichaustauschs. Trösteten uns über Liebeskummer hinweg. Wir
verschwörten uns gemeinsam gegen verhasste Geschichtslehrer, jeder auf seine
eigene Art und Weise. Franzi, die allzeit überlegene Intelligenz und ich, der
Störenfried aus der letzten Reihe.

Ich weiß nicht wie es wäre,
würden Franzi und ich uns heute neu kennenlernen. Aber das brauchen wir ja zum
Glück nicht mehr zu tun. Als sie nach gefühlt jahrzehntelanger Abstinenz aus
Seattle zurück in unsere Schule kam, fiel ich ihr in die Arme. Mir fiel auf,
dass mich wohl kein Mensch je so kennen wird, wie Franzi es tut. Sie war mit
ihrer unglaublich offenen und vertrauenswürdigen Art immer dabei, als aus einem
verträumten Kind ein selbstkritischer Teenager und später wieder ein
verträumtes Kind wurde. Franzi ist einer der einfühlsamsten und
gewissenhaftesten Menschen die ich kenne. Und sie besitzt die wunderbare
Fähigkeit, von Menschen und Orten zu erzählen, als wären sie direkt hier im
Raum. Ich könnte ihr nächtelang zuhören.

Dass wir einmal recht
unterschiedliche Wege gehen würden, war uns beiden noch nicht klar, als wir
gemeinsam Sandburgen bauten oder im Skikurs darum stritten, wer denn jetzt als
erstes hinter dem Skilehrer herfahren durfte. Dass wir noch so lange Zeit ehrlich
und aufrichtig befreundet bleiben würden wohl auch nicht. Wie anders die Welt
damals noch wirkte!

Inzwischen studiert Franzi Medizin,
sie hat in Chile monatelang in einem Krankenhaus gearbeitet. Sie weiß wohl genau
was sie will, war schon immer die deutlich zielstrebigere von uns beiden. Und
schafft diese ganzen Aufgaben mit einer Leichtigkeit, die mir in der Uni schon
bei der Immatrikulation abhandenkommt. Das ein oder andere Mal musste sie mir
durchaus schon in den Arsch treten, sonst hätte ich mein Abi und alles weitere
vielleicht nicht so gut in den Griff bekommen können. Es gab dann Momente in
denen ich das Gefühl hatte, dass unsere Freundschaft auseinanderfallen könnte.
Wie vom Meer überspülte Sandburgen.

Die Kinder von damals sind wir
schon lange nicht mehr. Unsere Sandburgen haben wir zerfallen lassen, unsere
Freundschaft ist mit uns gewachsen. Auch wenn oder eben weil zwei sehr unterschiedliche Menschen aus uns geworden sind. Franzi kann meine
Entscheidungen nachvollziehen, weil Sie genau weiß was seit jenen ersten
Sandburgen in meinem Leben passiert ist. Allein dadurch geben wir uns unheimlich
viel Halt.

Letztens lagen wir uns dann
wieder vor lauter Freudentaumel in den Armen. Als Emmanuel Macron zum
Präsidenten Frankreichs gewählt wurde und klar war, dass unser beider
Heimatland nicht von einer rechtsextremen Verschwörungstheoretikerin regiert
werden würde. Es wurde ein Abend, an dem auf alles angestoßen wurde: auf
Politik, auf die Zukunft, auf Europa, auf lang vergessene Wegbegleiter und auf eine
weiterhin so schöne Freundschaft. Zusammen können wir auch heute noch ein
bisschen die Kinder sein, als die wir uns kennengelernt haben.

Franzi, vielleicht sollten wir öfter zusammen ein paar Sandburgen bauen.


Text: Louis Seibert


Foto:
Yunus Hutterer

250 Zeichen Wut: Wiesn-Lärm

Wieso zum Teufel bekommt die Wiesn eine Extra-Wurst in Sachen
Lärmschutz?

Elfeinhalb Monate lang genießt der Lärmschutz in München
höchste Priorität. Nur zur Wiesn weicht die dörfliche Stille konstantem Kreisch
und Rausch. Dirndl und Maßkrüge scheinen wohl weiterhin relevanter zu sein als Debattenkultur
oder gar Kunst. Horsti gefällt’s, mir nicht.

Text: Louis Seibert

Neuland: Dokumentarfilm aus München

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Der junge Filmemacher Alexander Bambach gastiert mit seinem Dokumentarfilm “Zwischenstation” auf dem Zimbabwe International Film & Festival Trust.

Von der Isar um die ganze Welt: Der junge Münchner Filmemacher, Kameramann und Schlagzeugspieler Alexander Bambach, 26, gastierte mit seinem aktuellen Dokumentarfilm über zwei Münchner Obdachlose gerade in Afrika. Vergangenen Donnerstag lief sein Film „Zwischenstation“ auf dem Zimbabwe International Film & Festival Trust, einem internationalen Filmfestival in Harare, der Hauptstadt Zimbabwes.

Schon beim Münchner DOK.Fest, auf dem der feinfühlige Porträtfilm Premiere feierte, erntete der junge Filmemacher viel Applaus. „Zwischenstation“ wurde dort von den Münchnern zum Publikumsliebling gewählt. Im Mittelpunkt des Films stehen die mittellosen Lebenskünstler Bernd und Zoltan. Das Leben und Wirken der beiden Obdachlosen, die unter der Wittelsbacher Brücke leben, wird von Alexander wirkungsvoll eingefangen.

„Während der Dreharbeiten habe ich wahnsinnig viel von den beiden lernen können“ erzählt der 26-Jährige Regisseur. „Zwischenstation“ gastierte bereits auf weiteren Filmfestivals, unter anderem auf dem Arthouse-Festival Filmkunstwochen München. 

Text: Louis Seibert

Foto:
Alexander Bambach

Wo kann man… richtig gutes Eis essen?

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Schlechtes Samstagswetter hin oder her, wir geben den Sommer nicht auf! Deshalb verrät euch unser Autor seine sieben Tipps für gutes Eis in München.

Es mag nun mal böse Zungen geben, die behaupten, wer seinem
Körper mit einer Kugel Eis eine Erfrischung gönnen will, der bewirke
tatsächlich das genaue Gegenteil. Völliger Quatsch sagen wir- und selbst wenn
nicht: unsere Liste der vermeintlich besten Eisdielen Münchens dürfte die
drückende Sommerhitze um einiges erträglicher machen.

1) Ballabeni

Leider ist der Laden schon lange kein Geheimtipp mehr – doch
dem Ballabeni im Univiertel droht dank einzigartiger Geschmackssorten wie
Zitrone Basilikum der Kultstatus so schnell nicht verloren zu gehen. Probieren
erwünscht!

2) Der Verrückte Eismacher

Kultig und weit über die Stadtgrenzen bekannt sind ebenfalls
die Kreationen des Verrückten Eismachers in der Amalienstraße. Wer sich schon
immer gefragt hat, wie man Leberwurst, Bier oder Spätzle in Eis verewigt sollte
auf jeden Fall einmal vorbeischauen.

3) Eiscafé Kustermann

Eine der ältesten Eisdielen Münchens musste wegen einer
Mietpreiserhöhung aus dem Haupthaus in Solln weichen- das wunderbare
hausgemachte Eis bleibt allerdings bestehen, im Café an der Lindwurmstraße. Mit
einem bunten Eisbecher lässt sich das hektische Treiben dort auch deutlich
besser genießen.

4) Bartu

Schon als Kind habe Thomas Bartu, der Besitzer des Eisladens
in der Wilhelmstraße, gewusst dass er seine Liebe zu den gefrorenen Früchten
zum Beruf machen würde. Und weil ihm einfach gutes Eis nicht gut genug war,
fertigt er seine Kreationen aus 100 Prozent Bio-Zutaten. Und für den großen
Hunger davor gibt`s auch beste Bio-Pizza.

5) Eis Wilhelm

Eigentlich gibt es wenige solcher Eisdielen in München, die sich
Perfektion ausstrahlen und doch authentisch bleiben. Bei denen jedes Detail
stimmt. Das Eis Wilhelm ist so ein Ort, auch ausgefallenere Sorten wie Jogurt
mit Kürbiskernöl werden in der Eisdiele am Lenbachplatz angeboten.

6) Eismeer

Eis und mehr bieten Marcus und Robert im Eismeer in der
Pestlozzistraße an. Mit dem Laden im Glockenbachviertel haben die beiden
Münchner ein wahres Meer der Idylle geschaffen- in einem Stadtteil, das immer
mehr von Großstadthektik geplagt wird.

7)Sarcletti

Beim Sarcletti am Rotkreuzplatz gehen tatsächlich Jung und
Alt ein und aus: die Traditionseisdiele verkauft ihr Eis
bereits seit über vier Generationen. Und das zurecht. Nicht selten wird es dank
exquisiter Kombi-Sorten wie Kokosmilch-Limette als die beste Eisdiele Münchens
gehandhabt.

Text: Louis Seibert

Foto: Robert Haas

Zeichen der Freundschaft: Küchenliebe

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Essen verbindet. Gemeinsames Träumen auch. In ihrer Kolumne erzählen unsere beiden Autoren von einer ganz besonderen Küche, vollgestopft mit Gewürzen aus aller Welt und ganz viel positiver Stimmung.

Wir sind schon
ein wenig träge. Während sich die restliche Münchener Jugend in den neuesten,
abgefahrensten, teuersten und angesagtesten Clubs dieser Stadt tummelt,
entscheiden wir uns am Otto-Normal-Samstagabend – für Adams Küche. Kein Megaevent
im Blitz, keine Mondfinsternis und kein kostenloses Musikfestival können uns
umstimmen, wenn wir mal wieder richtig Bock auf Adams Küche haben. Und auf Ihn
natürlich.

Adam, der
immer schon die Wohnungstür öffnet, unmittelbar bevor man sie erreicht hat. Der
grinsende Lockenkopf empfängt uns mit einer dicken Umarmung und seinem
typischen „Naa?!“ in seiner kleinen, nach Ebenholz und sanften Gewürzen
duftenden Wohnung. Das Wohnzimmer lassen wir links liegen. Wir folgen ihm in
die kleine, meist mit Musik, Essen und Menschen prall gefüllte Küche.

Kitschige
Backformen in den verschiedensten Formen aus den verschiedensten Jahrzehnten
schmücken die Hinterwand. Die Fensterbank ist vollgestellt mit Kräutertöpfen,
auf dem Tisch steht eine Wasserkaraffe mit dem Schriftzug „Liebe“. Einmal quer
durchs Zimmer führt eine Leine, auf der seit vielen Jahren die verschiedensten
Kräuter, Chilis und undefinierbaren Naturprodukte trocknen. Wüsste man es nicht
besser, könnte man meinen, die Küche gehöre einem sesshaft gewordenen
Waldschamanen.

Soweit das
das äußere Erscheinungsbild. Das eigentlich Anziehende, der Grund warum wir beide
uns in Adams Küche noch wohler fühlen als in der Wasserbettenabteilung von Segmüller,
ist aber natürlich vor allem Adams Gesellschaft. Er ist nicht nur ein
unglaublich einfühlsamer und respektvoller Mensch mit unvergleichlichem
Gerechtigkeitssinn, dem man die merkwürdigsten Geschichten anvertrauen kann.
Adam ist für uns genialischer Gitarrenspieler, Schulbanknachbar der ersten
Stunde, unverzichtbarer Freund und Horizonterweiterer. Er liebt es, viele
Menschen um sich herum zu haben, sie zu bekochen und zu verwöhnen. Je mehr
Leute sich in seiner kleinen Wohnung versammeln, umso
fröhlicher ist er – egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Ausgedehnte
stundenlange Katerfrühstücke sind genau wie hitzige Schafkopfrunden oder
gemütliche Spieleabende nirgends so schön wie bei Adam in der Küche. Sie steht
dem Raum der Wünsche in Hogwarts in nichts nach. Sie stillt unseren Drang, die
Außenwelt auszusperren und ihre Absurdität einfach mal belächeln zu können.

Zu guten
Gesprächen gesellt sich noch besseres Essen – mal aus Polen, dem Heimatland
seiner Eltern, mal international. Immer viel. Immer lecker. Außer wenn jemand
wieder die getrockneten Chilis unterschätzt und eine Pizzaparty zum
tränenreichen Schärfekontest mutiert. Und da Essen nicht alles ist, laufen im
Hintergrund CDs. Blues aus Mali. Irgendwas wie Post-Rock aus den 80ern. Oder
eine Playlist, mitgebracht von einem Roadtrip nach Polen.

Es ist aber
nicht nur ein Ort der Völlerei, der Wollust und der Exzesse. Sie ist gleichzeitig
eine Wohlfühloase, ein Ort der Einkehr und der vollkommenen Zufriedenheit. Sie
bedeutet für uns Konstanz in einer sich viel zu schnell drehenden Welt. Und ist
vielleicht sogar der Grund, warum unser Freundeskreis in zehn Jahren noch nicht
auseinandergebrochen ist.

Man kann das
durchaus als Kleister einer Freundschaft ansehen, die uns ganz bestimmt zu den
Menschen geformt hat, die wir heute sind.
Anfangs lernten wir dort Lateinvokabeln. Irgendwann wurde Liebeskummer
dort geheilt, Reisepläne geschmiedet und neue Musiker-Idole entdeckt. Als wir
noch zusammen zur Schule gingen, heckten wir Pläne für die Zeit nach dem Abitur
aus. Wir wollten alle Dasselbe – Musikkarriere machen oder zumindest
Musikjournalist werden, mit dem Bus nach Marokko fahren, die Welt erkunden und
verbessern. Die Klassiker eben. Die Realität macht einem dann doch immer einen
Strich durch die Rechnung – diese Küche übt einen seltsamen Sog auf uns aus. Dass
sich all das in einem gerade so zehn Quadratmeter großen Zimmer abspielt, macht
nichts. Denn selbst Trägheit kann wunderbar sein, ist man nur von den richtigen
Menschen umgeben.

Text: Tilman
Waldhier und Louis Seibert

Foto:

Yunus Hutterer

Wo kann man… eine schöne Bootsfahrt unternehmen?

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Welch großes Glück wir haben, dass auf der Isar keine Tanker und Touristenboote umhertuckern – Schlauchbootfahrer sind in München die wahren Könige des Wassers. Wie man sich hier sonst noch so zu Wasser bewegen kann, erfahrt ihr hier.

Was gibt es im Sommer Schöneres, als völlig frei von Terminen faul in der Sonne
herumzuliegen und die Füße im Wasser baumeln zu lassen? Und das
alles auch noch auf einem Boot! Auf dem Wasser fühlt man sich leichter,
schöner, schneller und auf jeden Fall eleganter als an Land. Das trifft zwar in
den seltensten Fällen zu, doch aufregender ist es auf einem Boot allemal. Und auch
wenn es mit der Weltumsegelung von München aus schwierig werden könnte, gibt es
einige schöne Dinge, die man um die Isarmetropole zu Wasser unternehmen kann.

1. Mit dem Schlauchboot die Isar runter schippern
Der Klassiker unter den Bootstouren. Gehört zu München schon
fast genauso sehr wie das Surfen am Eisbach. Am besten mit der S7 raus in
Richtung Wolfratshausen fahren, fast jeder Bahnhof liegt in Isarnähe. Für die Strecke
von Wolfratshausen braucht man 6 bis 8 Stunden in die Stadt. Sonnenbrille auf,
bisschen paddeln und mit laminierten Karten schafkopfen. Hartgesottene fahren
mit der BOB bis nach Bad Tölz raus. Mit einem 10-Euro-Boot von Aldi kommt man
auf der wilden Isar allerdings nicht sehr weit.

2. Segeln auf dem Starnberger See
Leichtes Kontrastprogramm für alle, die wirklich elegant
aussehen wollen auf dem Wasser. Der Starnberger See eignet sich nahezu ideal
als Freifläche für segelnde Skipper und all jene, die es werden wollen. Der Föhn
von den Alpen, die an sonnigen Tagen über dem Horizont thronen, macht das
großartige Klima hier aus und füllt die Segel mit einer teils schroffen Brise.
In Starnberg oder Tutzing gibt es zahlreiche Segelschulen, in denen man diesen
schönen und teuren Sport erlernen kann.

3. Tretbootfahren auf
dem Kleinhesseloher See

Nicht nur was für hoffnungslose Romantiker oder ewig
Kindgebliebene. Sich zu zweit über den Kleinhesseloher im englischen Garten zu
treten macht herrlich viel Spaß und ermöglicht einem, diese wunderschöne Stadt aus völlig ungewohnter Perspektive zu beobachten. Am Nordostufer beim Bootshaus
gibt’s die Tretboote zum Ausleihen. Jeder, der schon immer München als nördlichste
Stadt Italiens angesehen hat, wird mit den Ruderbooten Vorlieb nehmen. In der
legeren Atmosphäre des Englischen Gartens fühlt man sich schnell wie ein echter
Gondoliere.

4. Floßhopping
Wem 8 Stunden in einem Plastikboot zu lange sind, dem wird
das zunehmend beliebte Floßhopping gefallen. Wenn im Sommer Tag für Tag
unzählige professionelle Flößer von Wolfratshausen aus den Isarkanal
herunterrutschen, sind sie nicht nur mit unsäglichen Schlagerklassikern,
sondern auch mit reichlich Essen und natürlich Bierfässern beladen. Wer übers
Wasser auf die Flößer zuschwimmt und nett frägt, kann eine Runde mitfahren und
dabei ein kleines Mittagessen oder sogar das eine oder andere Bier abstauben.

5. Kajakfahren an der Floßlände
Eher was für Vollblutsportler, die starke Stömung an der
Floßlände verlangt ordentlich Armarbeit. Dafür ist die Gegend mit einer Surf-
und Kajakwelle sowie zahlreichen Toren zum Üben bestens ausgestattet. Und die
Beine hochlegen kann man mit frisch gezapftem Bio-Bier am besten im Thalkirchner
Bootshaus des Vereins der Naturfreunde München.

6. Modellboote kreisen lassen am Hinterbrühler See
Den isarnahen See in Thalkirchen bevölkern im Winter
tausende kufentragende Münchner zum Schlittschuhlaufen und
Eishockeyspielen. Im Sommer geht es hier deutlich ruhiger zu. Ideal für die
Fans der Modellschifffahrt! Der See ist groß genug, damit die Boote richtig
Fahrt aufnehmen können und der kräftige Wind sorgt dafür, dass dies auch
geschieht. Auch für elektronisch ferngesteuerte Böötchen eignet sich der See.

7. Sich einfach mal treiben lassen
Wem das mit den Bootfahrten zu wild wird und sich einfach
mal treiben lassen will, dem sei Folgendes ans Herz gelegt: Mehrmals im Jahr
veranstalten verschiedenste Vereine ein sogenanntes Isarschwimmen. Ob gemütliches
Treiben unter der Reichenbachbrücke oder sportliche fünfeinhalb Kilometer von
Pullach bis an die Floßlände (letzteres wird organisiert vom DLRG Ortsverband
München-Mitte e.V.), das sei jedem selbst überlassen. Es spricht sich herum: Neoprenanzüge sind zu empfehlen.

Text: Louis Seibert

Foto: Lukas Barth

Klicks und Beats

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In der Musik, die Kevin Zaremba und Matthias Kurpiers produzieren, geht es meist um Großes. Um Liebe, ewige Nächte, stille Augenblicke. Das hat Erfolg. Großen Erfolg.

Matthias Kurpiers? Kennt kaum einer. Sein Gesicht? Vermutlich noch nie gesehen. Und doch ist der 26-Jährige derzeit wohl einer der erfolgreichsten Musiker in München. Wenn seine Songs live auf der Bühne gespielt werden, steht er jedoch irgendwo im Publikum und hört zu. Während etwa About Barbara Matthias’ Song „Bis der Himmel sich dreht“ zum Besten gibt. „Ich glaube, wir sind nicht unbedingt die Typen, die sich ständig in den Mittelpunkt stellen müssen“, sagt Matthias über sich und seinen Kollegen Kevin Zaremba. Zusammen sind sie Achtabahn. Ein Produzenten-Duo aus München.

Die beiden jungen Männer sind gerade dabei, bislang unentdeckte Münchner Talente in die Welt des Pop-Business zu katapultieren. Und das fast schon wie am Fließband. Inzwischen arbeiten sie vorrangig als Produzenten mit einem guten Dutzend Künstler zusammen. Und sie alle eint ein „berauschender Erfolg“, wie es Matthias nennt. Erfolg zumindest auf den Musikplattformen im Internet. Die meisten der von ihnen produzierten Songs können sechs- bis siebenstellige Klickzahlen bei Youtube nachweisen. Kritiker wenden ein: Gute Musik macht aber mehr aus. Sie ist mehr als nur eine Zahl.

Matthias, kräftige Statur und ein umso weicherer Blick, und Kevin, der Ruhepol des Duos. Die beiden jungen Musiker haben als Produzenten und Songwriter ihre Nische gefunden. Sie sorgen seitdem für den medialen Erfolg anderer Künstler. „Es ist ja nicht so, dass wir nicht gerne selbst auftreten“, sagt Matthias. Die Arbeit als Produzenten, als Drahtzieher im Hintergrund, habe irgendwann einfach Überhand gewonnen.

Die Erfolgsgeschichte von Achtbahn ist geprägt von Willensstärke. Von einem Gespür für die deutsche Popwelt. Dafür, mit welchen Songs man bis ganz nach oben kommt. Kevin bastelt gerade im Nebenzimmer eines gemütlich eingerichteten Tonstudios im Münchner Westen an neuen Aufnahmen. Matthias trägt Hoody, Shorts und Markenschuhe, sitzt breitbeinig unter einem Plakat, die Hände ineinander gefaltet. Er zupft sich seine schwarze Cap, die mit einem schwarzen Achtabahn-A bestickt ist, immer wieder zurecht. Mit tiefer, angenehmer Stimme beginnt er zu erzählen: Früher habe er viel gerappt, sagt er. In der Musikszene seiner Heimatstadt Wolfratshausen traf er auf Kevin, der damals noch im Dance-Bereich agierte. Die beiden beschlossen, gemeinsam Musik zu machen.

Matthias erzählt von „Budapest“, ihrem ersten Remix, mit dem sie erst eine Abmahnung von Sony bekamen, weil sie es mit dem Urheberrecht nicht ganz genau genommen haben. Der Track wurde dennoch tausendfach abgespielt. Schnell standen sie so auf dem Merkzettel mehrerer Major-Plattenfirmen. „Da haben sich dann die Türen geöffnet“, sagt Matthias. Die beiden machten einfach weiter. Konzentrierten sich aufs Musik produzieren, so viel es eben ging. Matthias schmiss die Schule. Zog nach München. Tagsüber ließ er die Ausbildung als Industriemechaniker über sich ergehen, nachts bastelten sie an den ersten eigenen Songs. „Das war nicht einfach damals“, sagt Matthias. Heute arbeiten sie hauptberuflich an ihrer Musik.

Anfangs traten Kevin und Matthias noch häufig als DJs auf Festivals auf. Und sie begannen, sich in der Münchner Szene umzusehen. Nach Musikern, mit denen sie arbeiten könnten. Inzwischen haben sie Achtabahn Records gegründet. Eine Plattenfirma, mit der sie einige ihrer Künstler unter Vertrag nehmen. Sie schleudern, so der Plan, unentdeckte Musiktalente gewissermaßen ins ganz große Rampenlicht.

Beachtlich ist das vor allem, wenn man bedenkt, dass keiner von ihnen studierter Musiker ist. „Eigentlich spielt auch keiner von uns wirklich ein Instrument“, gibt Matthias zu. „Aber ich glaube nicht, dass das heutzutage überhaupt noch notwendig ist“. Elektronische Musikprogramme werden immer ausgefeilter und beginnen, das Konzept einer Band mit Instrumentenbesetzung zu überrollen. Mancherorts haben sie das vielleicht schon. „Das Musikbusiness hat sich zu einer richtigen Maschinerie entwickelt“, sagt Matthias. Romantik werde meist nur nach außen verkauft.

Falsche Romantik? Matthias scheint das zu stören. Sein lockerer Erzählton versinkt in Nachdenklichkeit. Trotzdem: Den beiden kam das immer gut gelegen. In der Musik, die sie mit Künstlern wie Körner, Julia Kautz, Fabian Wegerer oder eben auch About Barbara produzieren, wird meist dick aufgetragen. Es geht um Großes, um Liebe, ewige Nächte, stille Augenblicke. „Wenn es böse oder schlecht/ Wenn es gut ist, oder echt/ Gänsehaut lügt nie“, heißt es etwa in Körners Debüt-Single „Gänsehaut“. Jeder Künstler verleiht einem Song eine eigene Handschrift.

Dennoch ähnelt sich bei Achtabahns Musikern vieles erstaunlich stark: Sanft angeschlagene, wippende Akkorde leiten einen einprägsamen Mitsing-Refrain ein. Immer wieder werden die Strophen von langen Instrumental-Loops durchbrochen. „Unseren Style versuchen wir immer unterzubringen“, sagt Matthias. Ihr Style? Deep-House, kommerzialisierter Singer/Songwriter sozusagen. Nach Ecken, Kanten, Überraschungen sucht man lange. Besonders innovativ ist das nicht – ein gewisses Händchen für einen guten Song kann man den beiden Männern im Hintergrund allerdings keineswegs absprechen.

Gearbeitet wird dann oft in einer Art „Dreiecksstruktur“, wie Matthias es beschreibt. Er schreibt die Texte, Kevin baut die Beats. Der Künstler trägt die Songs – die er durchaus mitentwickelt – dann nach außen. Kevin und Matthias bleiben meist abseits des Rampenlichts.

Dafür arbeiten sie umso effektiver. „Irgendwann hat man es raus, wie das Ganze funktioniert“, sagt Matthias. Er und Kevin sind auch ein Beleg für eine Generation, die mit dem sich durch Youtube und Spotify rasant ändernden Musikmarkt aufgewachsen ist. „Heute kann es jeder schaffen, ohne überhaupt Geld für Werbung ausgeben zu müssen“, sagt Matthias. Seine Stimme wird fest vor Überzeugung. Der Erfolg ist für Achtabahn fest an die sozialen Plattformen geknüpft. „Wir glauben an uns. Wir glauben an unsere Künstler.“ Eine Verbindung, die bisher verlässlich Ergebnisse liefert. Und junge Musiker fördert.

Barbara Buchberger, 23, kann davon ein Lied singen. Seitdem Matthias sie im Oktober 2014 angesprochen hat, musiziert sie als About Barbara mit und für Achtabahn. „Ich habe davor auf jeden Fall eine andere Musik gemacht“, sagt die Studentin. In ihrem Nebenprojekt SEA:K widmet sie sich meditativ angehauchtem englisch-sprachigen Dream-Pop. Die Zusammenarbeit mit den beiden Münchnern, das Singen deutscher Songs sei für sie vor allem eine Möglichkeit, sich weiter auszuprobieren. „Wir finden immer einen gemeinsamen Nenner“, sagt Barbara, die am 1. Juli auf dem Stadt-Land-Rock-Festival der SZ-Junge-Leute-Seite auftritt. Die 500 000 Klicks, die ihre Debütsingle „Bis der Himmel sich dreht“ innerhalb kürzester Zeit auf Youtube einbrachte, nennt Matthias noch heute „Wahnsinn“.

Zahlen, Deals, Radioplays, Chartplatzierungen. Immer wieder nennt Matthias diese Begriffe, wenn er von Erfolgen spricht. Damit wird nicht jeder übereinstimmen. Besonders jene Künstler abseits des Massengeschmacks, die sich schon immer schwertaten mit dem Ausverkauf ihrer Kunst. „Erfolg ist wie eine Sucht“, erzählt Matthias. Dafür wollen die beiden unter dem Namen „Achtabahn“ wieder verstärkt eigene Songs und Remixes veröffentlichen. Und im Sommer dann auch wieder als DJs auftreten. Matthias will wieder auf einer Bühne stehen. Nicht bloß davor.

Text:
Louis Seibert

Foto: Achtabahn