Neuland

München bekommt ein neues Comedy-Programm: die Comedy-Schorle. Hinter dem Projekt stehen der Münchner Comedian Michael Mauder und sein Kollege Johann Theisen aus Stuttgart. Beide sind Mitte Zwanzig, beide sind noch jung im Comedy-Business und beide träumen schon länger von einem Soloprogramm. Bei der Comedy-Schorle geht es darum, „die Erfahrung zu sammeln, wie es denn ist, einmal 45 Minuten am Stück alleine gestalten zu dürfen“, sagt Michael. Normalerweise treten die beiden Comedians nämlich für maximal 15 bis 20 Minuten als Teil einer größeren Show auf. „Die Comedy-Schorle ist also ein sogenanntes Halbsolo, das wir uns zu gleichen Teilen teilen. Wir sind damit die ersten der neuen Comedy-Generation, die in München einen eigenen Soloabend gestalten“, sagt Michael. Wenn das Projekt gut läuft, soll in Zukunft auch anderen Comedy-Künstlern die Möglichkeit gegeben werden, zum ersten Mal ein langes Set spielen zu dürfen. Die erste Comedy-Schorle findet am Dienstag, 16. Oktober, im Theater Heppel & Ettlich an der Münchner Freiheit statt. Ornella Cosenza

Foto: Comedy Schorle

Training für die Lachmuskeln und  Funk im Farbenladen

Trotz des schlechten und vor allem kalten Wetters haben sich
viele Menschen auf den Weg gemacht und sind an dem dritten Sonntag der
Ausstellung

“10 im Quadrat – Reloaded”

in den Farbenladen gekommen.

So auch Michael Mauder. Der Comedian wurde wie neun andere
Künstler zehnmal fotografiert und erzählte in einem Gespräch mit der
Moderatorin Kathi Hartinger von seinen Erfahrungen. Es sei zunächst vor allem
sehr schwierig gewesen mit zehn Fotografen einen Fototermin zu finden. Als
diese Hürden jedoch überwunden waren, entstanden von allen Modellen sehr
unterschiedliche und wunderschöne Fotos. Auch über die Bekanntschaften mit den
anderen Künstlern freute sich Michi sehr. Ob er jetzt seine Comedy Karriere für
den Beruf eines Models an den Nagel hängt, wird man sehen, so der Comedian. Die
Fotos habe er selbst an der Vernissage zum ersten Mal gesehen, da er die
Auswahl doch lieber den Fotografen überlies. Fotograf Luca Imberi war „gleich
wieder weg“. „Er hat hundertmal in zwei Sekunden abgedrückt und weg war er“.
Das hat den Comedian sehr beeindruckt und ist von den Ergebnissen der
Fotografen begeistert.

Es ging mit Julian Beysel lustig weiter. In den fünfzehn
Minuten Auftritt wurden viele unterschiedliche Themen behandelt. Zunächst ging
es um Luther und vor allem über den Lutherfilm. Aber auch über seinen
ursprünglichen Nachnamen, den er dann mit 35 Jahren änderte, dann über
Klopapier. Zu guter Letzt holte sich Julian die Lacher des Publikums indem er
die Nasenpopeltaktik seiner sechsjährigen Schwester erklärte.

Nach dem ersten Comedian folgte direkt der Zweite. Nikola Ljubic.
So zumindest wurde er angekündigt. Eigentlich heißt der „Halbkroate
Halbslowenier Halbmünchner“ wie er sich bezeichnet, der Fehler sei ihm bewusst,
Nikola Ljubic. Warum schwarz eigentlich immer negativ sei und weiß immer positiv,
frage er sich häufig. Das sei doch total rassistisch. Egal ob es um den weißen
Sandstrand gehe oder das Kinderspiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“. Warum
heißt es nicht „wer hat Angst vorm weißen pädophilen Mann“. Außerdem
integrierte Nikola das Publikum und konnte so die Aufmerksamkeit und das
Gelächter genießen.

Ein Gespräch mit einer anwesenden Fotografinnen, ließ sich
unsere Moderatorin Kathi Hartinger nicht entgehen. Das zentrale Thema von
Fotografin Nadja Ellinger ist die Zerbrechlichkeit. „Man scheitert im Leben und
Sachen funktionieren nicht“, ist das Überthema der Werke der Künstlerin. So
begann sie sich bei den Fototerminen mit den Modellen über das Scheitern zu
unterhalten. Dies wird auf den Werken hervorragend widergespiegelt. Im Sommer geht
es dann für die Fotografin nach London, wo sie ihren Master in Kunstfotografie
machen wird. Doch aktuell ist sie gerade auf der Suche nach einem Verleger, da
sie in Zusammenarbeit mit einer Autorin im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ein
Märchenbuch gemacht hat.

Zum Abschluss gibt Cap On ein Konzert. Auch die etwas
poppigeren Lieder der Funk Band überzeugen das Publikum. Im Hofbräuhaus habe
die Band schon gespielt. Dass sie auch dort gut ankamen,
ist gar nicht verwunderlich. Die Zuhörer sind begeistert. Es wird geschnipst
und gewippt. Die zuvor schon guten Launen werden noch einmal zum Ende hin gesteigert.
Cap on wird mit riesigem Applaus und Zugabe-Rufen verabschiedet.  

Text: Annika Kolbe

Fotos: Wolfgang Westermeier

Gitarren-Sounds und starke Worte

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Am gestrigen Samstag spielten Heroine Twin und Willing Selves ein Akustikset mit entspannten Gitarren-Sounds. Poetry Slammerin Meike Harms und Comedian Sebastian Ulrich überzeugten das Publikum im Farbenladen mit starken Worten. So war der zweite Samstag im Farbenladen:

Es herrscht viel Trubel im
Farbenladen. Der hell erleuchtete Raum wirkt im Kontrast zum grauen Wetter
draußen sehr einladend und familiär. Während manche Besucher von einem Foto zum
anderen schlendern, stimmen die Gitarristen von Heroine Twin die ersten Takte
von „Nothing else Matters“ von Metallica an. Um Anton von der Band Willing
Selves steht eine Gruppe junger Leute, die viel lacht und herumalbert. Seine
Schwester Antonia schaut sich währenddessen die Fotos an, doch dafür bleibt
vorerst keine Zeit. Die beiden Geschwister, die seit zwei Jahren in München
auftreten, eröffnen das Rahmenprogramm des zweiten Ausstellungssamstags im
Farbenladen mit einem Akustikset. Während sie spielen, laufen draußen Leute am
Farbenladen vorbei, bleiben stehen und betreten ihn zurückhaltend, jubeln den
Musikern dann am Ende jedes Lieds zu. Für Willing Selves, die in der Regel eher
elektronische Musik machen, ist es das erste Mal, dass sie akustisch spielen
und sind begeistert: „Das war einer unserer besten Auftritte. Nur unsere
Stimmen und die Gitarre waren im Vordergrund. In Zukunft wollen wir auf jeden
Fall mehr in Richtung Akustik gehen.“

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Nach einer kurzen Pause tritt die
Poetry Slammerin Meike Harms auf. Ihre gesellschaftskritischen Texte, die sich
darum drehen, dass man das Glück daran erkennt, indem man es fotografiert und
es auf Instagram hochlädt, regt das Publikum zum Nachdenken an. Mit ihrem Text
über die sogenannte leistungsorientierte Freude und wie schwierig es sein kann,
richtig glücklich zu sein, möchte sie bewusst die Stimmung kippen, wie sie sagt
und verstellt ihre Stimme jeweils einige Oktaven höher oder tiefer und rollt
das R dabei stark. Auch bezieht sie sich auf die Fotografie, indem die Kunst
grenzenlose Wahrheit schafft und ein Bild mehr als tausend Worte sagt. Auf die
Frage, was das genau bedeute, meint sie, dass jedes Bild eine große Interpretationsfreiheit
besitze und die Wahrheit subjektiv wäre: „Die Fotografen möchten alle etwas
abbilden, doch jede Person sieht das Bild mit anderen Augen und interpretiert etwas
anderes hinein. Daher denke ich, dass ein Foto viele verschiedene Botschaften
rüberbringen kann.“

Danach ist der Comedian Sebastian
Ulrich mit seinem kurzen, aber selbstironischen Programm dran. Auch er stellt
sich die Frage, was die Leute dazu bringt, für ein gutes Instagram-Foto das
heimische Sofa zu verlassen und irgendwo hinzugehen, nur um ein gutes Foto für
Instagram zu bekommen. Er erzählt, wie er auf Open Mic-Stages „grandios
gescheitert“ ist. Spricht viel mit dem Publikum und albert mit den Gästen herum.
Dadurch macht er die gemütliche Atmosphäre noch familiärer: „Wir sind alle als
Freunde hier.“

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Zum Abschluss gibt Heroine Twin ein
akustisches Konzert. Auch für sie war es neu, in einer gemütlichen Runde ein
Akustikset zu spielen, nachdem normalerweise zwei E-Gitarren und Headbangen zum
festen Repertoire der Auftritte der Band gehören. Haben sie am Anfang noch
leiser gespielt, wird die Gitarre immer lauter und die Stimme der Sängerin
Marina immer kräftiger, die selbst dann kurz vorm Headbangen ist und das
Publikum damit ansteckt. Der Applaus ist nach dem Konzert groß und am Ende
stehen Gäste und Künstler gemeinsam in Gruppen und trinken ein letztes Bier
zusammen.

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Das Rahmenprogramm des zweiten
Ausstellungssamstags hat gezeigt, dass man außer einer Gitarre oder starken
Worten nicht viel braucht, um den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und eine
intime Atmosphäre zu schaffen, bei der sich sowohl Künstler als auch Gäste wie
Zuhause fühlen.

Fotos und Text: Serafina Ferizaj