Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Veronika
Foto: privat

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Veronika

München darf zwar raus, doch normal ist das Leben noch lange nicht. Da aber zum Glück kein Hausarrest herrscht, führen wir unsere Rubrik “Von Freitag bis Freitag” weiter. ❤ Trotz einer sich einschleichenden Verunsicherung versucht unsere Autorin Veronika,  die Vorzüge Münchens weiterhin zu genießen. Ihre Woche steht ganz unter dem Motto: Freunde, Musik und ganz viel Kunst und Kultur. 

Draußen riecht es nach Schnee. Bilde ich mir das ein? Wahrscheinlich. Trotzdem bin ich überzeugt davon, baldigen Schneefall riechen zu können. Die Luft riecht einfach anders. Totaler Quatsch natürlich. Obwohl ich weiß, dass Schnee nur aus geruchslosem Eis besteht und meine Vorhersage nur aus einem Wunschdenken entspringt, schaue ich auf die Wetter-App auf meinem Handy. Und siehe da: Schneefallwahrscheinlichkeit für die kommende Woche: 60 bis 70 Prozent. Passt wunderbar zum ersten Adventswochenende. Ähnlich hoch ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass die Veranstaltungen, die ich in der kommenden Woche besuchen will, verschoben oder abgesagt werden. Seit vergangener Woche gelten verschärfte Coronaregeln und neben dem Schneegeruch liegt auch das Gefühl von Unsicherheit in der Luft.

In der vorweihnachtlichen Zeit habe ich in der Uni viel um die Ohren.  Nachdem ich am Freitag zwei Referate auf Zoom halte und an einigen Seminaren teilnehme, hole ich mir von 17 Uhr an vom „Munich Urban Night Market“ im Utopia in Schwabing ein ausgefallenes Abendessen. Food Artists bieten Streetfood aus aller Welt an. Dazu gibt es Musik von Münchner DJs und  Lichtinstallationen, wie man es aus dem Utopia gewöhnt ist.

Nächstes Jahr, nachdem ich mein Studium beendet habe, möchte ich meine Verwandten in Argentinien besuchen. Um mich auf die Reise vorzubereiten, lerne ich seit zwei Semestern Spanisch. Von meiner Spanischlehrerin habe ich den Tipp bekommen, am Samstag den lateinamerikanischen „mercado navideño” zu besuchen. Der Markt findet das ganze Wochenende über in der Villa Flora statt.  15 Länder aus Lateinamerika sind dort vertreten und präsentieren ihre traditionelle Art des Weihnachtsfests. Kunstaussteller zeigen ihre Werke aus Keramik, Holz, Schmuck und Textilien. Natürlich gibt es auch typisch lateinamerikanisches Essen und Piñatas!

Für mich ist das Jahr 2021 so schnell vergangen wie noch keines zuvor. Ich bin überrascht, dass am Sonntag schon der Erste Advent ist. Nach einem kleinen Spaziergang durch den Englischen Garten mit meiner Familie findet man mich am Abend in der Goldenen Rakete in der Ursulastraße 3.  Auch in den vergangenen Wochen habe ich schon viele lustige Abende beim Comedy Open Mic verbracht. Ein bunter Mix aus Münchner Stand-up-Profis und Anfänger*innen unterhält das Publikum.

Am Montag hat mich der Uni-Alltag wieder. Als kleine Auszeit gehe ich in die Kaufingerstraße 10, in die zweite Etage der Lush Fililiale. Dort findet noch bis 4. Dezember die „All Out“ Fotoausstellung statt. Das ist eine globale Bewegung für LGBT+ Rechte. Diesjähriges Motto: „Together: Widerstand, Heilung, Unterstützung“. Dabei zeigen Fotografen, wie LGBT+ Personen mit Angriffen, Diskriminierungen und Problemen während der Pandemie umgehen und wie sich sich gegenseitig unterstützen und helfen.

Immer öfter sieht man, wie im öffentlichen Bereich versucht wird, durch Sprache so viele Menschen wie möglich anzusprechen. Das gelingt beispielsweise durch das Gendersternchen. Auch die Bundeswehr spricht in ihren Stellenanzeigen von sofort an das dritte Geschlecht an. Seit Monaten wird dieses Thema heftig diskurtiert. Wie sieht das eigentlich in anderen Ländern aus? Wie gehen die EU-Mitgliedstaaten mit dem Thema der gendergerechten Sprache um? Diese Fragen werden am Dienstag in der Veranstaltung vom Café Luitpold von Journalist*innen beantwortet. Die Veranstaltung heißt: „männlich, weiblich, divers: in Vielfalt geeint?“und findet ausschließlich digital statt.

Auf den Mitttwoch freue ich mich ganz besonders. Mein Plan ist es, endlich wieder ins Theater zu gehen. Und zwar zur Studiobühne TWM. Dort präsentieren die Studierenden der Theaterwissenschaften der LMU ihre Werke. Vom 1. bis zum 4. Dezember wird dort eines meiner Lieblingsstücke aufgeführt: Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt. In der Hoffnung, dass die 70 Prozentige Schneefallwahrscheinlichkeit mich nicht enttäuscht, hole ich mir mit einer Freundin einen Glühwein to-go vom Minna Thiel und mache einen kleinen Winterspaziergang durch das Kunstareal.

Passend zu meinem Ausflug zum Mercado Navideño am vergangenen Samstag, schaue ich mir zum Abschluss der Woche am Freitagabend im Werkstattkino den mexikanischen Film „Midnight Familiy“ an. Es geht um die Gesundheitsversorgung in Lateinamerika und wie eine Familie versucht, mit eigener Kraft ein privates Rettungsunternehmen auf die Beine zu stellen, um Kranken zu helfen. Die fehlenden Versicherungen und die Schmiergelder bringen die Lebensretter oft in illegale Angelegenheiten.

 

Autorin: Veronika Tieschky