Fragen über Fragen – Leon Haller

Durch mehr Zusammenarbeit können wir in dieser sauteuren und verstaubten Stadt echt was reißen und der Farbenladen, also diese Veranstaltung, ist ein sehr guter Anfang, sagt Schauspieler und DJ Leon Haller, der für unsere Ausstellung

“10 im Quadrat – Reloaded

als Model vor der Kamera stand. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Du stehst mit deiner
Kunst öfter mal vor Publikum. Wie war es für dich, so oft fotografiert zu
werden?

Völlig in Ordnung und manchmal auch bereichernd, wenn die
Chemie mit dem Fotografen funktioniert. Allerdings finde ich es anstrengend,
wenn versucht wird eine künstlerische Verbindung über platten Smalltalk zu
erzwingen. Wenn’s nicht passt, dann passts nicht.

Hat das Mut erfordert?

Ehrlich gesagt nein. Ich vertraue jemandem, wenn ich mich
vor die Linse stelle.

Bist du auch mal in andere Rollen
geschlüpft? / Hast du andere Seiten an dir kennengelernt?

Nein bin ich eigentlich nicht.

Welche Begegnung hat
dich am stärksten geprägt?

Jeder Fotograf hat ein eigenes Feld, das er erforscht, und
ich habe einfach versucht dabei mitzuwirken. Das Shooting mit Alina war für
mich die schönste Erfahrung. Wir haben uns einfach sehr gut verstanden, sie hat
eine tolle Präsenz und man fühlt sich schnell wohl bei ihr, ohne bequem zu
werden.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen?

Eigentlich nicht.

Brauchen wir mehr Vernetzung in München?

Wir sind eine recht überschaubare Gemeinschaft von
Künstlern, Musikern, Schauspielern, Fotografen, Filmleuten, etc. Durch mehr Zusammenarbeit
können wir in dieser sauteuren und verstaubten Stadt echt was reißen und der
Farbenladen, also diese Veranstaltung, ist ein sehr guter Anfang.

Foto: Lara Freiburger

Fragen über Fragen – Henny Gröbelehner

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Nadja Ellingers Bilder sind unangenehm und gleichzeitig sehr schön. Ich bin irgendwie stolz auf diese Bilder, sagt Henny Gröbelehner, eines der Models für unsere Ausstellung

“10 im Quadrat – Reloaded”. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Du stehst mit deiner
Kunst öfter mal vor Publikum. Wie war es für dich, so oft fotografiert zu
werden?

Tatsächlich kann ich nicht behaupten, dass es sich ähnlich anfühlen würde, wie
vor Publikum zu spielen, und es mir deshalb leicht fiel. Fotografiert zu werden
ist eine viel bewusstere Beobachtung. Zum einen, weil ich nicht „abgelenkt“ bin
durch das Performen/Musik machen wie auf der Bühne. Zum anderen gibt es da gar
keine Distanz zwischen dem beobachtenden Objekt (der Kamera) und mir. Bei einem
Konzert ist da die Bühne, helles Licht, dunkler Raum und vor allem ein
Publikum, das (obwohl natürlich auch fotografiert und gefilmt wird)
transitorisch wahrnimmt, also wir alle genießen im besten Fall den live
stattfindenden Moment. Beim Fotografieren geht es auch um den „richtigen“
Moment, aber natürlich wird das Danach stärker fokussiert, weil die Rezeption
des Fotos danach stattfindet. Und nun ja, so oft man will, also sollte es gut
sein. Und genau das macht irgendwie nervös. Also musste ich versuchen, das
alles zu vergessen, um möglichst ich selbst und natürlich zu sein. Das war
nicht immer leicht.

Hat das Mut erfordert?

In gewisser Weise ja. Beziehungsweise es hat Überwindung gekostet. Je
persönlicher der Ansatz eines Shootings war, desto mehr Überwindung. Weil man
einfach mehr von sich preisgibt. Aber dann hat es letztlich auch mehr Spaß
gemacht.

Bist du auch mal in andere Rollen
geschlüpft? / Hast du andere Seiten an dir kennengelernt?

In Rollen bin ich eigentlich nicht geschlüpft (das ist natürlich auch eine
Definitionsfrage). Aber ich habe definitiv unterschiedliche Seiten von mir
zeigen können, auch Seiten, denen ich sonst nicht so viel Aufmerksamkeit
schenke und somit daran erinnert wurde, dass es diese auch gibt.

Welche Begegnung hat dich am stärksten
geprägt?

Genau deshalb hat mich das Shooting mit Nadja am meisten bewegt. Ich hab schon
bei unserem Vorab-Treffen sehr schnell gemerkt, dass ich ihren Ansatz mag und
ihn gut nachvollziehen und mich darin stark wiederfinden kann. Deshalb konnte
ich mich sehr gut auf das Thema „Zerbrechlichkeit“ einlassen und wir konnten
zusammen einen individuellen Blick darauf richten, was es für mich persönlich
bedeutet. Das Kreative kam dann praktisch wie von selbst und es war sehr
angenehm und organisch mit Nadja zu shooten. Das habe ich auch danach in den
Bildern gesehen. Sie sind unangenehm und gleichzeitig schön. Ich bin irgendwie
stolz auf die Bilder.

Bist du auch mal an deine Grenzen
gestoßen?

Zumindest bei dem Shooting mit Anna wäre ich das wohl bald, hätte sie uns nicht
vorher erlöst. Da war es nämlich sehr, sehr kalt draußen und Jacken waren nicht
erlaubt. Zudem war es ein Paar-Shooting und die einzige Wärme kam von einer
völlig fremden Person, die ich umarmen musste und die ich erst Minuten vorher
kennengelernt habe. Das war schon befremdlich. Aber dafür ein spannender Ansatz
für ein Foto.

Brauchen wir mehr Vernetzung in München?

Unbedingt. Immer. Je mehr, desto besser. München ist ja nicht groß und wir alle
kennen das Gefühl, dass man jemanden irgendwoher eh schon kennt. Aber immer
noch wird zu wenig kollaboriert und gemeinsame Sache gemacht. Zumindest kann
ich mal für die Musikszene sprechen. Solche Kunstprojekte wie „10 im Quadrat“
zeigen jedenfalls, dass da noch mehr geht. Denn ich glaube, sowohl die vielen
jungen Fotografen freuen sich, sich untereinander mal zu begegnen und all diese
unterschiedlichen kreativen Ansätze zu sehen, als auch wir Künstler
untereinander. Und natürlich haben wir jetzt wertvolle Kontakte für potenzielle,
zukünftige Projekte geknüpft.

Foto: Christin Büttner

Literatur, Musik und Sonne

Mit Sonnenschein startete der erste Sonntag mit Rahmenprogramm im Farbenladen. Nach einer feierlichen Vernissage am Samstag, gab es nun neben den Fotografien an diesem Öffnungstag Musik von Henny Herz und Loriia im Farbenladen, sowie eine Lesung von Josephine Frey.

Ein erdbeerverschmierter Mund mit einem
verschmitzten Lachen begrüßt die Betrachter und macht die ohnehin schon gute
Laune noch gleich viel besser.

Henny Gröblehner heißt die Dame mit dem Erdbeermund. Fotografiert
wurde sie von Julie March neben neun weiteren Künstler. Einige dieser Künstler so
auch Henny sind an diesem ersten Sonntag der Ausstellung persönlich
anwesend. Dass die Atmosphäre zwischen den Künstlern und den Fotografen gut
ist, wird schnell klar. Es wird sich viel umarmt, gelacht und gequatscht.

Auch Eva-Marlene Etzel, eine der
Fotografinnen, ist an diesem Nachmittag vor Ort und stellt sich den Fragen
unserer Moderatorin Kathi Hartinger. „Da die Fotografen ja alle die gleichen
zehn Personen zu fotografieren hatten, musste ich mir etwas ganz Besonders
ausdenken.“ Die Fotografien sollten analog sein. Da die Filme aber so teuer
sind, wurden jeweils nur zwei Polaroidbilder pro Künstler gemacht. Ein Polaroid wurde ausgestellt und das andere durften die Künstler behalten.

Und so beginnt auch schon Henny Gröblehner, auf der Bühne
Henny Herz, mit der ersten künstlerischen Darbietung. Sie habe auf den Fotos
eine Seite von sich gezeigt, die sie zuvor noch nie preisgegeben habe, sagt
Henny. Es sei eine gute und schöne Zusammenarbeit gewesen mit tollen
Ergebnissen.

Nach diesem Gespräch folgt die Musik. Manche Zuhörer sitzen im Schneidersitz vor ihr und lauschen gebannt der  Stimme von
Henny. Mit tosendem Applaus verabschiedet sich die Künstlerin vom Publikum.

Zwischen den Umbauten von der ersten zur nächsten Künstlerin, haben die Besucher Zeit die Kunstwerke zu betrachten. Die Nachmittagssonne lässt jedes einzelne Kunstwerk leuchten.

Es folgt nun eine Schriftstellerin, die unter Pseudonym Josephine Frey schreibt. Ihr Buch „im Enddeffekt“ wurde am 3. März im Unsichtbar-Verlag veröffentlicht.  Josephine beginnt aus einem Teil ihres Buches über Einsamkeit zu lesen. Sowohl die Sprache als auch die Geschichten wirken auf den
Zuhörer nah und ergreifend. Das Buch setzt sich aus drei Teilen
zusammen: der erste Teil erzählt die Kindheit, der zweite die Liebe und der
dritte die Einsamkeit. Eine weitere Geschichte über die Liebe oder  die eigentlich verschwundene Liebe klingt traurig und gleichzeitig – wie auch der Teil zuvor – so nah. Dass sie auf der Leipziger Buchmesse lesen darf, sei ganz aufregend,
da sie noch nie auf einer Buchmesse war.

Nach einer weiter kleinen Pause betritt Lotte Friederich die
Bühne. Sie tritt unter dem Namen Loriia auf.  Loriia ist eine der
fotografierten Künstlerinnen. Für sie seien diese Shootings sehr neu gewesen
und die Bilder von Eva- Marlene Etzel waren eine Herausforderung mit nur die zwei
Versuchen, aber mit einem wunderbaren Resultat. Da sich aber Künstler und
Fotografen so gut verstanden haben, waren die Unsicherheiten sehr schnell
überwunden.  „Es war eine sehr schöne
Erfahrung“ resümiert Loriia.

Nun zeigt sie aber ihre eigentliche Leidenschaft – die
Musik. In der familiären Atmosphäre zeigt sich sehr schnell auch die
Begeisterung im Publikum.

Text: Annika Kolbe
Fotos:  Wolfgang Westermeier

Zehn Fotografen, zehn Künstler

Die Ausstellung der Junge-Leute-Seite „10 im Quadrat reloaded“ hat im Farbenladen des Feierwerks eröffnet

Die Fensterscheiben des Farbenladens sind beschlagen, man sieht kaum mehr nach draußen. Es ist kurz nach 22 Uhr, nur langsam leert sich der Ausstellungsraum. Die letzten Beats der Kabel-Aux-Session verhallen. Eine gut besuchte Vernissage neigt sich dem Ende zu – der Auftakt der Ausstellung „10 im Quadrat reloaded“ der Junge Leute-Seite. Jeden Samstag und Sonntag im März haben Besucher von nun an die Möglichkeit, die Fotografien im Farbenladen des Feierwerks zu sehen.

Zehn junge Fotografen trafen auf zehn junge Künstler aus München: ein Experiment, das kreative Menschen miteinander verbindet, die sich vorher kaum oder gar nicht kannten. „Die erste Frage war immer: Und wie viele Shootings hattest du schon?“, erinnert sich Comedian Michael Mauder, der porträtiert wurde, an seine Fototermine, während er jetzt im Farbenladen an der Bar steht. Danach sei man ganz locker ins Gespräch gekommen. „Das war eine tolle Erfahrung“, sagt er und schaut in den Raum, in dem an jeder Wand die Ergebnisse der unterschiedlichen Begegnungen zu sehen sind.

Ein Menschenkreis bildet sich in der Mitte des Farbenladens, Kathi Hartinger und Maximilian Mumme aus dem Junge-Leute-Team eröffnen mit einer kurzen Dankesrede die Vernissage. Die Künstler und Fotografen applaudieren sich gegenseitig, sobald die Moderatoren ihre Namen nennen. Auffällig ist, dass sich die Fotografen in diesem Jahr häufig mit den Persönlichkeiten der porträtierten Künstler auseinandergesetzt haben. Das spiegelt sich in den Fotografien wider. Die Ideen der Umsetzung sind zwar unterschiedlich, harmonieren aber dennoch als Ganzes. Diego Reindel beispielsweise hat mehrere Stunden mit den Künstlern verbracht, um möglichst nah an sie heranzukommen. „Ich konnte durch das Projekt Erfahrungen in der Porträtfotografie sammeln. Die Shootings waren alle cool und irgendwie hat man ja mit allen etwas gemeinsam, weil alle Künstler sind“, sagt er und fährt sich mit der Hand durch die Locken.

Auch Musiker Paul Kowol stand für das Projekt vor der Kamera und hatte beim Shooting mit Fotograf Diego Reindel viel Spaß. „Wir sind mit dem Auto an einen Ort gefahren, an dem ich oft Musik mache. Wir haben uns super gut verstanden und sogar zusammen Musik gemacht und geschrieben. Wir werden aus auf jeden Fall wieder treffen“, sagt er. Dann begrüßt er Schauspielerin Anouk Elias mit einer Umarmung. Die Freude über das Wiedersehen ist groß. Für die Fotos von Anna Heimkreiter standen Anouk und Paul nämlich gemeinsam vor Kamera.

Nicht nur neue Gesichter konnte man an diesem Samstag im Farbenladen antreffen, sondern auch bekannte. Die Fotografen Korbinian Vogt, Julia Schneider, Milena Wojhan und Sophie Wanninger kamen ebenfalls zur Vernissage. Sie hatten im vergangenen Jahr für die Ausstellung fotografiert. „Eine sehr gelungene Ausstellung, finde ich“, sagt Fotografin Julia Schneider. „Und vielleicht sogar fast ein bisschen cooler als im letzten Jahr.“

Text: Ornella Cosenza
Fotos: Stephan Rumpf

Echt sein

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Wir porträtieren an dieser Stelle bis zur Vernissage alle 20
mitwirkenden KünstlerInnen unserer Ausstellung
“10 im Quadrat Reloaded”
 im Farbenladen – mal Fotograf, mal
Modell. Heute: Musikerin Lotte Friederich.

Sie sitzt am Klavier, das Mikrofon vor sich, ihre Stimme ist
lieblich, die Augen hat sie mal geschlossen, mal offen. Begleitet nur von einer
Backgroundsängerin. Dabei hat Lotte Friederich, geboren 1993, erst spät mit
Gesang angefangen. Mit sechs Jahren lernte sie erst Blockflöte, später auch
Querflöte. Auch wenn sie bereits mit 14 ihre ersten eigenen Songs schrieb, nahm
sie erst drei Jahre später Gesangsunterricht.

Mittlerweile hat sie es gewagt, Musik zu ihrem Lebensinhalt
zu machen. Seit November veröffentlicht sie unter dem Namen Loriia Synthie-Pop
mit Jazzeinfluss. Aktuell studiert sie im dritten Jahr Jazz-Gesang an der
Hochschule für Musik und Theater in München. Neben dem Studium arbeitet sie
zusammen mit ihrem Manager am Konzept und einem Produzent an der Musik. Sie
hofft, dieses Jahr noch eine EP oder Singles veröffentlichen zu können.

Bis dahin spielt sie Supportshows, um Bühnenerfahrung zu
sammeln. Die Inspiration für ihre Songs nimmt sie aus ihrem eigenen Leben oder
Umfeld. „Ich will Gefühle in Musik packen, andere ansprechen und berühren, die
vielleicht dasselbe fühlen, wie ich gerade“, sagt Lotte. „Ich möchte echt sein in einer Welt, in der man nicht weiß, was
echt ist und was nicht.“ Ihr größtes Vorbild ist Alicia Keys, weil sie
natürlich ist, eine soulige Stimme hat und hochwertige Popmusik macht.

Auch von den Shootings für die Ausstellung konnte Lotte
Einiges mitnehmen: „Auf der Bühne sehe ich nicht, wie ich wirke, ich kann nur
fühlen. Bei der Fotografie ist das Bild, das ich nach außen trage, festgehalten
und auch für mich sichtbar. Deswegen ist es eine gute Möglichkeit, sich besser
kennenzulernen.“

Text: Lena Schnelle

Foto: Anna Heimkreiter

Heilsame Musik

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Wir porträtieren an dieser Stelle bis zur Vernissage alle 20
mitwirkenden KünstlerInnen unserer Ausstellung
“10 im Quadrat Reloaded”
 im Farbenladen – mal Fotograf, mal
Modell. Heute: Musikerin Henny Gröblehner.

Das musikalische Talent ist Henny Gröblehner, geboren 1992,
wohl in die Wiege gelegt worden: Ihre Eltern sind Berufsmusiker. Daher war
schon früh klar: Henny will auf der Bühne stehen und Musik machen. Das tut sie
nun auch, und das obwohl sie nicht Musik studiert hat. Klassischen oder
Jazz-Gesang zu studieren, war für sie keine Option. Henny ging erst einmal nach
Hamburg, um an einem Pop-Kurs teilzunehmen. Was sie dabei lernte: gemeinsames
Musizieren.

Zurück in München entschied sie sich für
Theaterwissenschaften. Danach ging es mit dem Ersparten in die Welt hinaus. Bis
zu diesem Zeitpunkt war sie mit ihrer Band „pourElise“ aufgetreten, in der auch
ihre Schwester mitspielte. Für die Zeit der Weltreise musste dann jedoch ein
Soloprojekt her. Herausgekommen ist Henny Herz. Benannt nach der
Schriftstellerin Henriette Herz, die als erste Frau Literaten in einem Berliner
Salon zusammenbrachte. Mit neuen Songs im Gepäck reiste Henny durch Australien,
Neuseeland und die USA. Nur ihre klare Stimme und Gitarre. Die Liedtexte mal
auf Deutsch, mal auf Englisch und ab und zu auch mal auf Französisch.

„Ich bin kreativ, wenn mich nichts stört“, sagt Henny. So
ist ihr Album auf einem alten Bauernhof im Salzburger Land entstanden. Sie war
sechs Tage lang alleine in dem Haus und hat ihre Songs geschrieben. „Ich habe
keine technische Herangehensweise, sondern ich schreibe über das, was ich auf
dem Herzen habe und was mir begegnet.“ Dabei nimmt sie kein Blatt vor dem Mund.
Für Henny bedeutet Musik alles: Sie verbindet, dabei entsteht Liebe, weil man
sie teilt, und für sie selbst ist sie wohltuend und heilsam.

Auf der Bühne ist Henny sicherer als vor der Kamera, deshalb
war das Shooting für Zehn im Quadrat durchaus eine Herausforderung: „Je
persönlicher der Ansatz eines Fotografen war, desto mehr Überwindung hat es
gekostet, Dinge preiszugeben. Aber dann hat es letztlich auch mehr Spaß gemacht.“
Bei den Shootings hat sie auch Seiten an sich kennengelernt, die sie sonst
nicht wahrnimmt. Beispielsweise das Shooting mit Nadja habe sie deshalb besonders bewegt. „Ich hab sehr schnell gemerkt, dass ich ihren Ansatz mag, ihn
gut nachvollziehen und mich darin stark wiederfinden kann. Das Kreative kam
dann praktisch wie von selbst und es war sehr angenehm und organisch, mit Nadja
zu shooten.“

Text: Lena Schnelle

Foto: Christin Büttner

Momente und Emotionen

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Wir porträtieren an dieser Stelle bis zur Vernissage alle 20
mitwirkenden KünstlerInnen unserer Ausstellung
“10 im Quadrat Reloaded”
 im Farbenladen – mal Fotograf, mal
Modell. Heute: Fotografin Christin Büttner.

Für Christin Büttner, geboren 1988, hat Kreativität auch
immer etwas mit Verletzlichkeit zu tun. Seitdem sie im Juli 2016 ihren Fotodesign-Bachelor
an der Hochschule München abgeschlossen hat, ist sie als freiberufliche
Porträt- und Dokumentar-Fotografin tätig. Schon ihre beiden Großväter haben
viel fotografiert und so lag es nahe, dass sie mit zwölf Jahren angefangen hat
zu fotografieren. „Nach dem Abitur habe ich ein Praktikum bei einer
Stilllife–Fotografin gemacht und dabei gemerkt, dass mich Menschen doch mehr
reizen als  Bierflaschen“, sagt Christin.
Ihre Fotos sind nah, authentisch und emotional. „Mich reizt es, Momente und
Emotionen einzufangen und, auf den ersten Blick, unscheinbaren Dingen oder
Situationen Aufmerksamkeit und eine Ästhetik zu geben“, erklärt Christin. „Mir
ist es sehr wichtig, dass sich die Portraitierten in den Situationen und mit
den Fotos am Ende wohl fühlen.“

Christins fotografischer Stil spiegelt sich auch in den
Fotos für die Ausstellung wider, da sie die Künstler an dem Orten abgelichtet hat,
an denen sie selbst kreativ sind. „Die Lichtverhältnisse waren manchmal
schwierig, da ich ausschließlich mit vorhandenem Licht gearbeitet habe. Zum
Beispiel abends im Bandraum. Aber ich wollte die Lichtstimmung genau so
einfangen, wie sie an dem Ort ist. Zwei hatten sich lustigerweise genau denselben
Ort ausgesucht, da musste ich ein bisschen variieren“, sagt Christin. „Vor
allem das Arbeiten mit Schauspielern hat sehr viel Spaß macht, da sie ein sehr
ausgeprägtes Gefühl für ihren Körper und ihre Mimik haben.“

Text: Lena Schnelle

Foto: Christin Büttner

Momentaufnahmen

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Wir porträtieren an dieser Stelle bis zur Vernissage alle 20
mitwirkenden KünstlerInnen unserer Ausstellung
“10 im Quadrat Reloaded”
 im Farbenladen – mal Fotograf, mal
Modell. Heute: Fotografin Julie March.

Die einen essen lieber Nudeln, die anderen Braten und andere
wiederum Schokolade. Julie March, geboren 1996, wollte die Models so
fotografieren, dass man etwas zum Lachen hat, wenn man die Fotos sieht. Also
lichtete sie die Künstler beim Essen ab. „Man erlebt die Künstler mal anders
und diese Fotos sind ehrlicher als zum Beispiel eine Modestrecke“, erklärt Julie, die unter dem Pseudonym Julie March arbeitet.
Dabei fotografiert sie ihre Modelle in Bademode, denn Klamotten lenken auf
Fotos bloß ab und es besteht keine Gefahr, sich vollzukleckern. Die Idee mit
den Essensfotos entstand, als sie für ihr Fotodesign-Studium an der Hochschule
sich selbst beim Essen fotografierte. Unter dem Titel „Zeig mir, wie du isst,
und ich sage dir, wer du bist“ lichtete sie dann aber auch andere Menschen ab.
„Selbst wenn ich zu Leuten sage ‚Iss, wie ein Schwein‘, sieht es immer anders
aus“, erklärt Julie, die bei diesem Thema selbst viel Spaß beim Fotografieren
hat.

Zur Fotografie kam sie durch das Modeln. Sie hat sich die
Fotos der Shootings angeschaut und sich Dinge gedacht wie „Von weiter rechts sieht das besser aus“.
Also begann sie, ihre eigenen Konzepte umzusetzen. Julie ist hauptsächlich in
der Beauty- und Modefotografie unterwegs. Nicht nur, weil sie sich für Mode und
Beauty interessiert, sondern auch, weil sie mit Modestrecken Geschichten
erzählen will.

Wenn sie gerade nicht fotografiert, kribbelt es Julie in den
Fingern und sie wünschte, sie hätte eine Kamera in der Hand. Im Kopf plant sie
dann bereits die nächsten Konzepte. Mit ihren Fotos versucht sie, echt zu
bleiben und Persönlichkeit einzubringen. „Viele Fotografen retuschieren ihre
Fotos, aber ein Foto entsteht im Moment und nicht erst danach“, sagt Julia.
Ihre Fotos sind lebendig und oft schwarzweiß – weil Farben ablenken: Für Julie
schafft schwarzweiß Distanz und stellt Objektivität her. Für die Ausstellung macht
Julie aber eine Ausnahme: Die Fotos werden bunt und witzig.

Text: Lena Schnelle

Foto: Julie March

Hinter den Kulissen

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Wir porträtieren an dieser Stelle bis zur Vernissage alle 20
mitwirkenden KünstlerInnen unserer Ausstellung
“10 im Quadrat Reloaded”
 im Farbenladen – mal Fotograf, mal
Modell. Heute: Fotografin Lara Freiburger.

Bei zwei Models hatte Lara Freiburger, geboren 1992, Angst,
dass sie während des Shootings einschlafen. Bei anderen hatte sie das Gefühl,
dass sie die nächsten Stunden nicht mehr aufstehen werden. Lara fotografierte die
Models für „10 im Quadrat Reloaded“ nämlich im Bett eines Studios. Die
25-Jährige hatte einen Rahmen gesucht, in dem sie spannende Fotos machen
konnte. Um sich wohlzufühlen, sollten die Models ihre Pyjamas einpacken. Der
Pyjama steht für den Charakter der jeweiligen Person. „Das ist eine
Herausforderung, weil wir ja alle erst mal Fremde sind und uns kennenlernen
müssen“, sagt Lara. „Ein Pyjama ist ja auch etwas Intimes. Da muss man erst mal
Vertrauen aufbauen.“ Da es in Laras Augen schöne Fotos werden sollen, müssen
sich die Models wohlfühlen. Einige Models waren gar nicht kamerascheu und haben
gleich viel angeboten, mit anderen hat sich Lara unterhalten und dabei sind die
Fotos entstanden.

Das passt zum fotografischen Stil von Lara: Sie macht am
liebsten Porträts und fotografiert beobachtend aus der Situation heraus. Gerne
beobachtet sie erst einmal, was passiert. „Menschen zu fotografieren, ist das
Lebendigste und Unberechenbarste“, erklärt Lara. „Man weiß nie, ob der Plan
klappt und oft bin ich überrascht davon, was am Ende rauskommt.“ 2015 hat sie
ihren Bachelor in Fotodesign an der Hochschule gemacht. Erst während des
Studiums ist ihr klar geworden, dass sie als Fotografin arbeiten möchte. Seit
einem Jahr arbeitet sie als freie Fotografin, vor allem das „Hinter die
Kulissen gucken“ macht ihr dabei Spaß.

Auch bei den Shootings blickt Lara hinter die Kulissen der
Künstler, erlebte sie in einem intimen Umfeld: „Man merkt natürlich, wer die
Kamera gewohnt ist und wer nicht. Aber das beeinflusst nicht wirklich die
Qualität des Endbildes. Manchmal ist ein natürlicher Moment von einem ‚Nicht-Model‘
sogar authentischer.“


Text: Lena Schnelle

Foto: Maximilian Fischer

Erste fotografische Herausforderung

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Wir porträtieren an dieser Stelle bis zur Vernissage alle 20
mitwirkenden KünstlerInnen unserer Ausstellung
“10 im Quadrat Reloaded”
 im Farbenladen – mal Fotograf, mal
Modell. Heute: Fotograf Luca Imberi.

Seine Kamera nimmt Luca Imberi, Jahrgang 1996, vor allem in
die Hand, um Filme zu drehen. Für die Ausstellung jedoch fotografiert er die
Models in weißen T-Shirts in einem abgedunkelten Raum. Nur rote und blaue
LED-Röhren strahlen die Models an – das sind seine Lieblingsfarben und sie
lassen die Fotos „Stars-Wars-mäßig“ aussehen. Zusätzlich setzt Luca teilweise ein
Prisma ein, um Spiegelungen zu erzeugen. „Man schafft es mit dem Prisma nie,
dass alle zehn Fotos gleich aussehen“, sagt er. „Jedes Bild wird anders –
einzigartig.“

Luca hat im vergangenen Jahr seine Ausbildung zum
Mediengestalter für Bild und Ton beendet und ist nun freiberuflich meist als
Kameramann und Videoeditor unterwegs. Inzwischen hat er aber auch schon auf
einigen Hochzeiten fotografiert. Seinen Fotos merkt man deutlich an, dass er
mehr im Filmbereich arbeitet: Sie sehen aus wie Szenen aus einem Film. Die
Personen sind in Bewegung, stets mit erkennbarem Ziel.

Text: Lena Schnelle

Foto: Luca Imberi