Training für die Lachmuskeln und  Funk im Farbenladen

Trotz des schlechten und vor allem kalten Wetters haben sich
viele Menschen auf den Weg gemacht und sind an dem dritten Sonntag der
Ausstellung

“10 im Quadrat – Reloaded”

in den Farbenladen gekommen.

So auch Michael Mauder. Der Comedian wurde wie neun andere
Künstler zehnmal fotografiert und erzählte in einem Gespräch mit der
Moderatorin Kathi Hartinger von seinen Erfahrungen. Es sei zunächst vor allem
sehr schwierig gewesen mit zehn Fotografen einen Fototermin zu finden. Als
diese Hürden jedoch überwunden waren, entstanden von allen Modellen sehr
unterschiedliche und wunderschöne Fotos. Auch über die Bekanntschaften mit den
anderen Künstlern freute sich Michi sehr. Ob er jetzt seine Comedy Karriere für
den Beruf eines Models an den Nagel hängt, wird man sehen, so der Comedian. Die
Fotos habe er selbst an der Vernissage zum ersten Mal gesehen, da er die
Auswahl doch lieber den Fotografen überlies. Fotograf Luca Imberi war „gleich
wieder weg“. „Er hat hundertmal in zwei Sekunden abgedrückt und weg war er“.
Das hat den Comedian sehr beeindruckt und ist von den Ergebnissen der
Fotografen begeistert.

Es ging mit Julian Beysel lustig weiter. In den fünfzehn
Minuten Auftritt wurden viele unterschiedliche Themen behandelt. Zunächst ging
es um Luther und vor allem über den Lutherfilm. Aber auch über seinen
ursprünglichen Nachnamen, den er dann mit 35 Jahren änderte, dann über
Klopapier. Zu guter Letzt holte sich Julian die Lacher des Publikums indem er
die Nasenpopeltaktik seiner sechsjährigen Schwester erklärte.

Nach dem ersten Comedian folgte direkt der Zweite. Nikola Ljubic.
So zumindest wurde er angekündigt. Eigentlich heißt der „Halbkroate
Halbslowenier Halbmünchner“ wie er sich bezeichnet, der Fehler sei ihm bewusst,
Nikola Ljubic. Warum schwarz eigentlich immer negativ sei und weiß immer positiv,
frage er sich häufig. Das sei doch total rassistisch. Egal ob es um den weißen
Sandstrand gehe oder das Kinderspiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“. Warum
heißt es nicht „wer hat Angst vorm weißen pädophilen Mann“. Außerdem
integrierte Nikola das Publikum und konnte so die Aufmerksamkeit und das
Gelächter genießen.

Ein Gespräch mit einer anwesenden Fotografinnen, ließ sich
unsere Moderatorin Kathi Hartinger nicht entgehen. Das zentrale Thema von
Fotografin Nadja Ellinger ist die Zerbrechlichkeit. „Man scheitert im Leben und
Sachen funktionieren nicht“, ist das Überthema der Werke der Künstlerin. So
begann sie sich bei den Fototerminen mit den Modellen über das Scheitern zu
unterhalten. Dies wird auf den Werken hervorragend widergespiegelt. Im Sommer geht
es dann für die Fotografin nach London, wo sie ihren Master in Kunstfotografie
machen wird. Doch aktuell ist sie gerade auf der Suche nach einem Verleger, da
sie in Zusammenarbeit mit einer Autorin im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ein
Märchenbuch gemacht hat.

Zum Abschluss gibt Cap On ein Konzert. Auch die etwas
poppigeren Lieder der Funk Band überzeugen das Publikum. Im Hofbräuhaus habe
die Band schon gespielt. Dass sie auch dort gut ankamen,
ist gar nicht verwunderlich. Die Zuhörer sind begeistert. Es wird geschnipst
und gewippt. Die zuvor schon guten Launen werden noch einmal zum Ende hin gesteigert.
Cap on wird mit riesigem Applaus und Zugabe-Rufen verabschiedet.  

Text: Annika Kolbe

Fotos: Wolfgang Westermeier

Erst Theater, dann Techno

“Ohne das Publikum ist man nichts”, sagt Leon Haller, 21. Er ist Schauspielstudent an der Theaterakademie August Everding. Wenn er nicht gerade auf der Bühne steht, legt er nachts als DJ auf – und organisiert queere Partys. Manchmal muss er direkt nach dem Club zu den Proben für das nächste Stück

Schwarze Stiefel. Schwarze Hosen. Nackte Oberkörper. Die Räuberbande marschiert im Gleichschritt auf den riesigen Laufbändern des Residenztheaters. “Die Hölle: versunken. Wie Sodom und Gomorrha!”, rufen sie. Drei Stunden dauert die Inszenierung von Ulrich Rasche. Die Räuber sind ständig in Bewegung. Einer von ihnen ist Leon Haller, 21, Schauspielstudent der Theaterakademie August Everding. Für ihn ist der Abend nach dieser Vorstellung noch lange nicht zu Ende. Als DJ wird er im Anschluss bis in die frühen Morgenstunden im Harry Klein auflegen. Keine Zeit zum Durchschnaufen. Keine Zeit für lange Pausen.

Aufgewachsen ist Leon Haller in Bielefeld. Für das Schauspielstudium hat es ihn nach München verschlagen. “Ich bin ein unfassbar fauler Mensch. Wenn mich etwas nicht interessiert, dann mache ich auch nichts dafür”, sagt er. Deshalb wäre ein klassisches Studium mit viel Lernen nicht für ihn in Frage gekommen. Bereits zu Schulzeiten hat er im Jugendclub des Stadttheaters Bielefeld Erfahrungen gesammelt. Die Schauspielerei sei das einzige gewesen, “was mir auch Spaß gemacht hat und worin ich gut war”, sagt er; deshalb war es für ihn die einzige Möglichkeit, sich für ein Schauspielstudium zu bewerben – er wurde auf Anhieb aufgenommen. Nicht nur in “Die Räuber” ist Leon aktuell zu sehen, sondern auch in einer Inszenierung von Alia Luque am Burgtheater in Wien.

Da gibt es aber noch eine andere Leidenschaft in Leons Leben: die Musik. Seit ungefähr vier Jahren legt er auf. Angefangen hat alles bei einem Rave. “Mit 17war ich auf meinem ersten Rave und ich habe diese Musik einfach abgöttisch geliebt”, sagt er. Von seinem Konfirmationsgeld hat er sich die ersten Billig-Plattenspieler gekauft und damit herumexperimentiert. Später ist er über das Theater und Freunde von Freunden an seinen ersten Gig in Bielefeld gekommen: eine Partycrew, die Techno-Partys organisiert. Leon lernt die Veranstalter kennen. Es ergeben sich weitere Möglichkeiten. Er legt bei Vernissagen auf und in verschiedenen Bars. Springt sogar einmal für einen anderen DJ in einem Club ein – alles in Bielefeld.

Dann aber zieht er für das Studium nach München. Da sei man natürlich “erst mal aufgeschmissen”, wie Leon sagt, “weil niemand dich kennt.” Leon ist aber auch in München im Nachtleben unterwegs, zum Beispiel bei den Partys von Tuesday Slump im MMA oder der Roten Sonne. Er kontaktiert die Veranstalterin Petra Weigart, schickt ihr ein Mixtape und legt bald in dem Club am Maximiliansplatz auf.

Im vergangen November war es dann soweit: Leon Haller legt zum ersten Mal bei Garry Klein auf, der schwulen Partyreihe, die immer mittwochs im Harry Klein stattfindet. “Über einen Tipp von Marlene Neumann, die unter dem Namen Proximal als Visual Jockey aktiv ist, bin ich auf Leon aufmerksam geworden”, sagt Peter Fleming, 50, Inhaber und Musik-Booker des Harry Klein. Bei der Auswahl der DJs achtet Fleming darauf, dass die Sound-Ästhetik stimmt. “Es muss schon so sein, dass ich meine Gäste nicht verschrecke”, sagt er.

Wenn Leon von seinem ersten Abend erzählt, bei dem er gleich sechs Stunden durchgehend aufgelegt hat, dann lacht er. “Das erste Mal im Harry war schwierig. Ich habe es geschafft, mitten in der Nacht den kompletten Floor leerzuspielen”, sagt er. Das sei dann schon ein komisches Gefühl gewesen. “Beim nächsten Track sind die Leute aber wieder gekommen”, sagt er. “Da habe ich Leon ein bisschen ins kalte Wasser geworfen”, sagt Peter Fleming rückblickend. Sechs Stunden sind eben lang. “Dass das Publikum weniger wurde, ist nicht Leons Schuld. Das ist so eine Eigenart der Leute. Da kommt und geht immer wieder ein Schwung”, sagt er. Mittlerweile ist Leon angekommen in der Szene in München. Als Mitveranstalter und DJ organisiert er außerdem die queere Clubnacht Helga.

Abends Theater und nachts Techno -ist das nicht anstrengend? Ist man da überhaupt fit genug für Theaterproben am nächsten Tag? Für Leon liegt genau darin der Reiz. “Manchmal ist es toll, um acht Uhr morgens aus dem Club zu kommen. Du bist verschwitzt, gehst duschen, trinkst einen Liter Kaffee, gehst dann zur Probe. Am Ende des Tages fühlst du dich wach und tot gleichzeitig.” Natürlich ist da ab und auch zu die Sorge, nicht fit genug zu sein. Bisher ist das aber nicht oft vorgekommen. Zwei- oder dreimal vielleicht. Manchmal wirke sich diese Müdigkeit sogar positiv aus, findet Leon. So auch im Januar, als er direkt nach der Räubervorstellung ein zweites Mal bei Garry Klein auflegte. “Ich war so müde, dass ich nicht viel nachdenken konnte, sondern einfach gemacht habe. Und es war gut dadurch”, sagt er. Wenn er müde sei, könne er sich nur noch auf das Wesentliche konzentrieren. Auf der Bühne, wie auch im Club.

Obwohl Leon die Müdigkeit als etwas Positives empfindet, ist es dann doch einmal zu viel geworden. Im Laufe eines Schauspielstudiums setzt man sich nicht nur mit verschiedenen Rollen auseinander. Auch mit sich selbst. Man überlegt, wohin man möchte, welche Möglichkeiten es gibt. Arbeitet viel an sich. Macht sich selbst Druck. “Ich habe mir während des Studiums zwei Monate lang eine Pause von allem genommen”, sagt Leon. Die Ausbildung hat damals einen Punkt bei ihm erreicht, an dem er zu viel an sich selbst gezweifelt hat. “Das hat sich destruktiv auf das Spielen ausgewirkt”, sagt er. Die Zeit hat er zu Hause bei seiner Familie und seinem Hund in Bielefeld verbracht, um Abstand zu nehmen und dann mit freiem Kopf wieder durchzustarten.

Trotzdem: Leon weiß, was er will – Schauspieler sein und auflegen. Auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Dinge. In beiden Fällen geht es aber darum, Leute mitzunehmen. “Ohne das Publikum ist man nichts”, sagt er. Weder hinter den Plattenspielern, noch auf der Bühne. Für Leon gibt es zwischen diesen Künsten Gemeinsamkeiten. “Ich benutze Musikstücke oder Texte, die andere verfasst haben, und interpretiere diese neu”, sagt Leon. “Es ist wie eine Art Symbiose: ein dynamischer Raum, der sich auftut im Austausch mit dem Publikum. Im Club kann man zum Beispiel mit der ganzen Dramaturgie, die man aufbaut, eine bestimmte Stimmung kreieren”, sagt er. Die Musik, die maschinell, aber verträumt und dumpf sein kann und nichts mit dem Alltag zu tun hat, fasziniert ihn schon immer. “Ich war nie der Typ, der gern Bands gehört hat oder auf Konzerte gegangen ist.”

Ende dieses Jahres steht für Leon als letzte Station im Schauspielstudium das Absolventenvorsprechen an. Es ist die Chance für angehende Schauspieler, sich zu zeigen und ein Engagement zu ergattern. Trotzdem wirkt Leon in den Monaten davor beim Projekt “10 im Quadrat Reloaded” der Junge-Leute-Seite mit. Zehn Shootings mit zehn Fotografen mussten in kürzester Zeit organisiert werden. “So etwas wie den Farbenladen müsste es eigentlich viel öfter in München geben”, sagt Leon. Denn es gibt zwar viele Möglichkeiten, Kunst zu sehen und zu studieren, dennoch sei München, so der Schauspielstudent, eher spießig. “Kunst ist in München nur ein Accessoire.”

Fotos: Diego Reindel / Stephan Rumpf / Lara Freiburger

Text: Ornella Cosenza

Große Themenvielfalt im Farbenladen

Es ist wieder kalt geworden, der Frühling hat sich verabschiedet. Alles ist trüb und grau auf der Hansastraße. Doch der Farbenladen erstrahlt zum Glück als einziger Lichtfleck. Romina Ecker verzaubert das Publikum mit ihren Texten und King Pigeon sorgen für musikalische Untermalung

Zwischen einigen neugierigen Besuchern treffen schon bald
die Jungs von King Pigeon ein. Sie werden später ein Akustik Set spielen.
Vorher muss aber noch aufgebaut und der Sound ausgiebig gecheckt werden: Mikros
werden gerückt und Entfernungen optimal austariert, Dominik platziert eine
Banane neben seinem Cajon, die Nervennahrung darf schließlich nicht fehlen.

Zuvor nimmt aber noch ein zierliches Mädchen mit schwarzen
Zöpfen und roten Lippen an dem kleinen Metalltischchen in der Mitte des Raumes
platz um die Gäste für die nächste halbe Stunde in ihren Bann zu ziehen. Es ist
Romina Ecker, eine junge Drehbuch Studentin der HFF München. Sie wird einige
Texte vortragen, die in ihrer Variabilität sehr gut in den Rahmen der Ausstellung
passen: In so verschiedenen Situationen wie die Models auf den Fotos
präsentiert werden, so breit gefächert sind auch Rominas Themen und Schauplätze.

Ihr erster Text heißt „Tropical Banana“ – der Titel makaber
in seiner Heiterkeit, denn der Text behandelt nichts weniger als dem Kampf mit
dem Tod. Die Erzählung erfolgt in Ich-Form, was den Text umso ergreifender
macht, und ist gespickt von metaphorischen Bildern. Zwischen Knochenfrauen,
Giftbars und Glaskerkern wird die Brutalität deutlich, mit der eine Krankheit
ein Leben beenden kann, und die Unsicherheit, in der so ein Einschnitt die
Personen lässt, wird unterstrichen durch das immer wieder auftauchende Wörtchen
„vielleicht“.

Als Überleitung liest Romina zwischen den Texten je eine
Postkarte vor, und es wird einem schnell bewusst, dass gerade der kurze Text
auf einer Postkarte erneut ausdrückt, wie unterschiedlich  Persönlichkeiten sein können. Der knappe,
dramatische oder gestresste Stil der Karten sorgt bei den Zuhörern für einige
Lacher und trägt somit zur Auflockerung der Stimmung zwischen den schweren
Themen bei. Trotz der Ernsthaftigkeit der Texte ist Rominas Humor überraschend
unvorhersehbar und taucht völlig unvermittelt auf. Die Beschreibungen sind
detailreich und man identifiziert sofort die Drehbuchautorin dahinter, denn es
fällt dem Zuhörer leicht, sich direkt in die Szene hineinzuversetzen. Auch im
letzten  Text „Das 5. Pferd“ sind die
Worte so lautmalerisch gewählt, sodass man sich fühlt, als würde man mit auf
die Kutschfahrt nach Pavia gehen und das Schnauben der Pferde hören.

Nach der Lesung wird direkt angeregt diskutiert. Wie so oft
steht die Frage im Mittelpunkt, wie man als junge Literatin heute ausreichend
Aufmerksamkeit erlangt, besonders in einer Stadt wie München. „Schade, dass
sowas in München immer so am Rande stattzufinden scheint“, sagt auch Romina.
„Man muss die Leute immer erst überreden zu solchen Veranstaltungen zu kommen,
als hätten sie irgendwas zu verlieren. Dabei reden die Leute immer davon, was
alles in München fehlt, aber anstatt einfach mal hinzugehen, und sich
überraschen zu lassen, ziehen sie lieber in eine andere Stadt, in der
vermeintlich mehr los ist.“ Trotzdem ist sie optimistisch, dass ihre Arbeit
auch Aufmerksamkeit erlangt, denn es gibt treues Publikum. Sie empfiehlt die
Webserie „Fett und Fett“, an der sie derzeit mitwirkt. 2019 erscheint die 2.
Staffel, alles frei verfügbar auf Vimeo.

Über die Ausstellung wird natürlich auch noch gesprochen,
denn Alina Oswald, eine der Fotografinnen, ist vor Ort. Mit der Moderatorin
Kathi Hartinger spricht sie kurz über ihre Fotoserie, in der sie Muster auf die
nackte Haut der Models projiziert hat. „Die Arbeit mit den Models war sehr
natürlich und individuell und die Shootings gestalteten sich spontan und
persönlich. Ich habe die Models selbst entscheiden lassen, wie weit sie sich
öffnen wollten.“ Außerdem lobt Alina auch das gesamte Projekt der Ausstellung
„10 im Quadrat“. Die große Diversität an teilhabenden Persönlichkeiten sei eine
wunderbare Gelegenheit für die Entstehung von Vernetzungen in der
künstlerischen Szene Münchens. „Schade, dass sich die Fotografen während des
Projekts nicht so genau kennengelernt haben, aber ich habe mir dennoch viel
Inspiration holen können.“, sagt Alina.

Mittlerweile ist es dunkel vor den großen, einladend
leuchtenden Fenstern des Farbenladens und es hat sogar angefangen zu schneien.
Doch drinnen bleibt die Atmosphäre wohlig warm, denn nun betreten King Pigeon
die Bühne. Obwohl die Band normalerweise zu viert auftritt, scheint es dem
Akustik Set an nichts zu fehlen. Die Gitarrenriffs sind clean, die Stimmen klar
und die Melodien gehen sofort ins Ohr. Der treibende Beat des Cajons verleitet
unvermittelt dazu, mit im Takt zu klatschen und auch wir vom SZ Junge Leute
Team wippen hinter der Bar begeistert auf den Zehenspitzen auf und ab. Ja, die
Musik von King Pigeon macht Spaß und ist durchaus sehr tanzbar. Wer die Band in
voller Besetzung hören will, sollte am 04.04. im Orange House vorbeischauen, da
treten die Jungs als nächstes auf und freuen sich über neue Gesichter.

Doch auch das Akustik Set war für die Jungs sehr lehrreich.
„Es war gar nicht so leicht das zu planen“, sagt Chris. „Wir dachten, wir
treffen uns ein zwei Mal, aber haben im Endeffekt dann fünf mal für den
Auftritt geprobt“. Marius stimmt zu. „Man entdeckt seine eigenen Songs
plötzlich ganz anders. An vielen Stellen muss man variieren und Dinge ersetzen,
wobei man alles nochmal neu überdenkt. Dabei haben wir viel gelernt.“ King
Pigeon bedanken sich bei der SZ Junge Leute Seite für die Einladung und
besonders auch bei dem aufmerksamen Publikum. „Es ist anders, wenn alles hell
ist und man auf einmal ein sitzendes Publikum hat“, sagt Chris. „Da hat man
einfach nicht das direkte Feedback und mit der Situation muss man auch umgehen
können. Das hat für uns aber sehr gut geklappt.“

Auch nach dem Konzert bleiben die Besucher noch lange,
schlendern noch einmal durch die Ausstellung und plaudern mit den Künstlern.
Vernetzungen entstehen, Kontakte werden geknüpft, gemeinsam wird weitergezogen.
Der Samstagabend ist schließlich noch jung und in München ist immer etwas los.

Fotos: privat

Text: Marietta Jestl

Fragen über Fragen – Luca Imberi

„Ich denke für jeden Künstler ist es wichtig immer wieder neue Menschen und Dinge aus den verschiedensten Bereichen kennen zu lernen, daher kann mehr Vernetzung nie schaden“, sagt Luca Imberi, der für unsere Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” als Fotograf mitgewirkt hat. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

 Worum geht es bei deinem
Konzept? / Wie bist du darauf gekommen?
Alle Models wurden in
komplett abgedunkelten Räumen mit einer roten und einer blauen LED-Röhre in
weißen T-Shirts und im gleichen Bildausschnitt fotografiert. Also alle mit
gleichen bildgestalterischen Voraussetzungen. Trotzdem sollte jedes Foto
irgendwie einzigartig werden. 

Auf die Idee kam ich durch den neusten Star Wars Film und ein Rapvideo an dem
ich mitgearbeitet habe.

Wie war es, so viele unterschiedliche
Leute für eine Bild-Serie zu fotografieren?
Am Anfang etwas verwirrend, da ich keines der Model kannte und man bei der
Terminfindung für’s Shooting echt den Überblick behalten muss. Es war für mich
ungewohnt, fremde Menschen nacheinander für ein Foto in ihrer privaten Wohnung
zu besuchen.
Aber es hat bei jedem sofort entspannt und super funktioniert.

Welche Begegnung hat dich am meisten
beschäftigt?
Alle gleich viel.

War es schwieriger, z.B. einen
Schauspieler/Musiker zu fotografieren (also selbst “Künstler”), als
professionelle Models und wenn ja, inwiefern?
Nein fand ich gar nicht. Alle waren ganz locker und sie selbst und haben
nicht versucht irgendwie zu posen oder so, das fand ich gut und so macht mir
das sogar am meisten Spaß.

Bist du auch mal an deine Grenzen
gestoßen? / Musstest du deine Vorstellung/ dein Konzept über den Haufen werfen,
weil es schlichtweg nicht ausführbar war?
Eigentlich nicht. Mir kamen nur manchmal ein paar andere Konzeptideen, die
ich vielleicht doch lieber in diesem Projekt umgesetzt hätte. Doch im Endeffekt
bin ich wirklich happy mit den Resultaten.

Nimmst du die Szene dieser Stadt nach
dem Projekt anders war? Braucht es mehr Vernetzung?
Ich fand es extrem interessant, auf diesem Weg diese neuen Kontakte zu
knüpfen. Ich denke für jeden Künstler ist es wichtig immer wieder neue Menschen
und Dinge aus den verschiedensten Bereichen kennen zu lernen, daher kann mehr
Vernetzung nie schaden

Foto: Selbstportät/Luca Imberi

Gitarren-Sounds und starke Worte

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Am gestrigen Samstag spielten Heroine Twin und Willing Selves ein Akustikset mit entspannten Gitarren-Sounds. Poetry Slammerin Meike Harms und Comedian Sebastian Ulrich überzeugten das Publikum im Farbenladen mit starken Worten. So war der zweite Samstag im Farbenladen:

Es herrscht viel Trubel im
Farbenladen. Der hell erleuchtete Raum wirkt im Kontrast zum grauen Wetter
draußen sehr einladend und familiär. Während manche Besucher von einem Foto zum
anderen schlendern, stimmen die Gitarristen von Heroine Twin die ersten Takte
von „Nothing else Matters“ von Metallica an. Um Anton von der Band Willing
Selves steht eine Gruppe junger Leute, die viel lacht und herumalbert. Seine
Schwester Antonia schaut sich währenddessen die Fotos an, doch dafür bleibt
vorerst keine Zeit. Die beiden Geschwister, die seit zwei Jahren in München
auftreten, eröffnen das Rahmenprogramm des zweiten Ausstellungssamstags im
Farbenladen mit einem Akustikset. Während sie spielen, laufen draußen Leute am
Farbenladen vorbei, bleiben stehen und betreten ihn zurückhaltend, jubeln den
Musikern dann am Ende jedes Lieds zu. Für Willing Selves, die in der Regel eher
elektronische Musik machen, ist es das erste Mal, dass sie akustisch spielen
und sind begeistert: „Das war einer unserer besten Auftritte. Nur unsere
Stimmen und die Gitarre waren im Vordergrund. In Zukunft wollen wir auf jeden
Fall mehr in Richtung Akustik gehen.“

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Nach einer kurzen Pause tritt die
Poetry Slammerin Meike Harms auf. Ihre gesellschaftskritischen Texte, die sich
darum drehen, dass man das Glück daran erkennt, indem man es fotografiert und
es auf Instagram hochlädt, regt das Publikum zum Nachdenken an. Mit ihrem Text
über die sogenannte leistungsorientierte Freude und wie schwierig es sein kann,
richtig glücklich zu sein, möchte sie bewusst die Stimmung kippen, wie sie sagt
und verstellt ihre Stimme jeweils einige Oktaven höher oder tiefer und rollt
das R dabei stark. Auch bezieht sie sich auf die Fotografie, indem die Kunst
grenzenlose Wahrheit schafft und ein Bild mehr als tausend Worte sagt. Auf die
Frage, was das genau bedeute, meint sie, dass jedes Bild eine große Interpretationsfreiheit
besitze und die Wahrheit subjektiv wäre: „Die Fotografen möchten alle etwas
abbilden, doch jede Person sieht das Bild mit anderen Augen und interpretiert etwas
anderes hinein. Daher denke ich, dass ein Foto viele verschiedene Botschaften
rüberbringen kann.“

Danach ist der Comedian Sebastian
Ulrich mit seinem kurzen, aber selbstironischen Programm dran. Auch er stellt
sich die Frage, was die Leute dazu bringt, für ein gutes Instagram-Foto das
heimische Sofa zu verlassen und irgendwo hinzugehen, nur um ein gutes Foto für
Instagram zu bekommen. Er erzählt, wie er auf Open Mic-Stages „grandios
gescheitert“ ist. Spricht viel mit dem Publikum und albert mit den Gästen herum.
Dadurch macht er die gemütliche Atmosphäre noch familiärer: „Wir sind alle als
Freunde hier.“

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Zum Abschluss gibt Heroine Twin ein
akustisches Konzert. Auch für sie war es neu, in einer gemütlichen Runde ein
Akustikset zu spielen, nachdem normalerweise zwei E-Gitarren und Headbangen zum
festen Repertoire der Auftritte der Band gehören. Haben sie am Anfang noch
leiser gespielt, wird die Gitarre immer lauter und die Stimme der Sängerin
Marina immer kräftiger, die selbst dann kurz vorm Headbangen ist und das
Publikum damit ansteckt. Der Applaus ist nach dem Konzert groß und am Ende
stehen Gäste und Künstler gemeinsam in Gruppen und trinken ein letztes Bier
zusammen.

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Das Rahmenprogramm des zweiten
Ausstellungssamstags hat gezeigt, dass man außer einer Gitarre oder starken
Worten nicht viel braucht, um den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und eine
intime Atmosphäre zu schaffen, bei der sich sowohl Künstler als auch Gäste wie
Zuhause fühlen.

Fotos und Text: Serafina Ferizaj

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Marietta

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Unsere Autorin ist zwar sehr im Praktikum eingespannt, doch trotzdem leidet ihre Abendplanung nicht darunter. Neben einem Kurzfilmfestival in der Muffathalle, besucht sie natürlich die Ausstellung

10 im Quadrat – Reloaded

im Farbenladen und verbringt die restlichen Abende musikalisch.

Zur Zeit sind meine Tage zwar geprägt durch qualvoll frühes
Aufstehen, aber jeden Morgen, wenn ich die Snooze-Funktion des Weckers mal
wieder ausreize, motiviert mich dann doch die Vorfreude auf eine wunderbare
Abendplanung zum Aufstehen, die so einen anstrengenden Praktikumstag schnell
vergehen lässt. Denn in einer Stadt wie München, in der es eine derart große
Auswahl an Veranstaltungen gibt, verdirbt mir auch kein langer Arbeitstag die
Lust auf abwechslungsreiche Abende.

Doch jetzt ist erstmal Wochenende! Freitagnachmittag
stolpere ich euphorisiert aus dem Praktikum, denn ich will gleich weiter – in
der Muffathalle findet heute der letzte Abend des flimmern & rauschen statt,
ein Kurzfilmfestival, auf dem einmal pro Jahr die besten Filme der jungen
Münchner Filmszene präsentiert werden. Ich mag das Genre des Kurzfilms: durch
die eindrucksvolle Knappheit, mit der ein Thema behandelt wird, gewinnt es
meiner Ansicht nach enorm an Aussagekraft. Die Message bleibt im Kopf. Auch die
Variation ist gewaltig – die Filmproduzentinnen und -produzenten aus allen
Altersklassen, vom Schulkind bis zum Filmhochschulabsolventen, präsentieren Momentaufnahmen
aus allen vorstellbaren Lebenslagen, die junge Menschen interessieren und
bewegen. Es werden Preise von einer Jury verliehen, aber auch das Publikum darf
mit abstimmen. Auf der Heimfahrt ist die Nacht dunkel, doch der Kopf bleibt
voller bunter Bilder.

Am Samstag schaue ich auf einen Sprung im Farbenladen
des Feierwerks vorbei. Dort ist in diesem Monat die Ausstellung der SZ Junge
Leute
Seite „10 im Quadrat Reloaded“ zu sehen. Zehn junge Fotografen
porträtieren zehn junge Künstler und Models in einem persönlichen Moment,
jenseits ihres öffentlichen Auftretens. Beeindruckt lasse ich die Bilder auf
mich wirken und es lohnt sich auch noch länger zu bleiben, denn im Farbenladen
werden alle Sinne gefordert: bei einem erfrischenden Radler kann man der
entspannenden Musik von Willing Selves lauschen und Heroine Twin
zaubern aus ihren sonst eher wilderen Klängen ein einzigartiges Akustik Set.
Schließlich sorgt Sebastian Ulrich mit unterhaltsamen Texten für eine
entspannte und fröhliche Atmosphäre, Meike Harms rundet den Abend mit ihrer
verträumten aber dennoch gewitzten Poesie ab.

Ich wohne dieses Wochenende quasi im Farbenladen, denn auch
den Sonntag verbringe ich hier: als Teil des SZ Junge Leute Teams
arbeite ich heute hinter der Bar und schaue mir das Geschehen mal von der
anderen Seite aus an. Heute wird ein neuer Trend getestet: ab 16.15 Uhr gibt es
eine Runde Bier-Yoga mit Gina von Pop Up Yoga München. Ich trinke mein
Bier lieber in entspannter und bequemer Körperhaltung, doch während ich die Verrenkungen
der Besucher beobachte erscheint mir der Gedanke plötzlich sehr
nachvollziehbar, dass diese Art des Bier-Konsums offensichtlich viel Freude zu
bereiten scheint. Wann bekommt man auch schon mal eine Yoga Stunde gratis? Auch
heute werden die Kunstwerke untermalt von Musik, erst von der sanften Stimme
des Singer-Songwriters Liann, dann schließt die Band SAMT den
Abend mit einer sphärischen Stimmung zum weit weg träumen.

 Nach dem ereignisreichen Wochenende kann ich am Montag
im Praktikum kaum geradeaus schauen. Trotzdem bekomme ich als bekennender
Musikjunkie nie genug von Konzerten: schon seit Wochen wartet mein Ticket für
das Konzert von Franz Ferdinand auf seinen Einsatz. Die TonHalle liegt
mittlerweile etwas versteckt hinter der Baustelle, der das Kultfabrikgelände
weichen musste, doch noch hält die alte Konzerthalle der fortschreitenden
Verdrängung von Kulturstätten stand.

Ich bin gespannt die Indie Band endlich mal wieder Live zu
erleben, denn das letzte Mal ist viel zu lange her. Nach ihren Experimenten
unter dem Namen „Franz Ferdinand & Sparks“ war ich erfreut, dass nach 5
Jahren wieder ein Album im back-to-the-roots-Stil veröffentlicht wurde. Und
natürlich hoffe auch ein paar alte Klassiker in der Setlist zu finden – „this
fire is out of control!“

Am Dienstag verschlägt es mich wieder auf ein
Konzert, und zwar spielen Django Django im Strøm – eine meiner liebsten
Konzertlocations in München. Auch hier bin ich neugierig wie die Band ihr neues
Album „Marble Skies“ live präsentieren wird. Der für das Ensemble so typische,
zweistimmige Gesang hat einen hohen Wiedererkennungswert und macht die Band
meiner Meinung nach sehr einzigartig.

Am Mittwoch feiert der Salon Irkutsk sein
7-jähriges Jubliäum. Da ich in der Nachbarschaft wohne und hier schon einige
längere Abende zwischen den so unverkennbar blauen Wänden verbracht habe,
schaue ich auf ein Feierabendradler in der Isabellastraße 4 vorbei. Die urige,
türkisblaue Bar mit dem unlesbaren Schild über der Tür ist schon längst kein
Geheimtipp mehr und wird aus allen Nähten platzen.

Am Donnerstag muss ich mich von all den Eindrücken
der Woche erholen und die Erlebnisse verarbeiten. Ich treffe mich mit einer
Freundin in der Bar 404 page not found, die jedes Mal, wenn ich seit der
Eröffnung hierher komme, irgendetwas Neues an Einrichtungsgegenständen oder
Dekoration hinzuzugewinnen scheint. Wir erzählen uns von unseren Erlebnissen
der Woche und das kommende Wochenende muss natürlich auch geplant werden. Ich
will noch jemanden finden, der am Freitag mit mir auf die neue
Partyreihe „Plug in Beats“ ins Feierwerk gehen möchte. Das Konzept der Party:
Alle Gäste können ihr Handy an die Anlage anschließen und einen von ihnen
selbst ausgewählten Track zur Playlist beisteuern.  Der Grundgedanke ist, geflüchteten Menschen
eine Möglichkeit zu geben, mit jungen Münchnern gemeinsam zu feiern und durch
die Mitgestaltung der Playlist, die Party zu einer besonders interkulturellen
Erfahrung zu machen. Es erscheint mir super zum Musik entdecken und Kontakte
knüpfen. „Hey, du hast ‘nen coolen Song ausgewählt, woher kommt der? Erzähl mir
die Geschichte dahinter!“ Eintritt ist frei – also, worauf warten wir noch?

Foto: privat

Fragen über Fragen – Julie March

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Jeder liebt Essen. Essen ist unheimlich persönlich und individuell, sagt Julie March, die für unsere Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” zehn Künstler porträtiert hat. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Worum geht es bei
deinem Konzept? / Wie bist du darauf gekommen?

Jeder liebt Essen, Essen ist unheimlich persönlich und
individuell.

Wie war es, so viele
unterschiedliche Leute für eine Bild-Serie zu fotografieren?

Sehr interessant und vor allem witzig. Jeder hatte seine
eigene Art, das Thema zu interpretieren, und alle sind unterschiedlich damit
umgegangen.

Welche Begegnung hat
dich am meisten beschäftigt?

Die mit Anouk, da sie sich zuerst nicht fotografieren lassen
wollte, weil sie die Idee nicht gut fand, bis ich ihr erklärt habe, dass es
nicht darum geht, sich mit essen zu behängen, sondern dass es darum geht, es zu
essen bzw dass ich nur das ablichte, was der jeweilige Künstler damit macht. Das
war dann okay für sie.

War es schwieriger,
z.B. einen Schauspieler/Musiker zu fotografieren (also selbst “Künstler”), als
professionelle Models und wenn ja, inwiefern?

Nein war es definitiv nicht. Ich habe absichtlich ein Thema
gewählt, das leicht umzusetzen ist. Requisiten helfen immer und wenn es sich
bei der jeweiligen Requisite um das Lieblingsessen handelt, sind die meisten so
abgelenkt, dass sie keine Angst mehr vor der Kamera haben sondern einfach nur
noch Spaß haben.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen? / Musstest du deine Vorstellung/ dein Konzept über den
Haufen werfen, weil es schlichtweg nicht ausführbar war?

Nein

Nimmst du die Szene
dieser Stadt nach dem Projekt anders war? Braucht es mehr Vernetzung?

Nein, ich kann mich dazu nicht äußern, dazu bin ich zu wenig
in der Szene unterwegs und kenne mich zu wenig aus.

Foto: Julie March

Fragen über Fragen – Eva-Marlene Etzel

“Ich liebe analoge Fotografie und Polaroids, aber im Job fotografiere ich vorwiegend digital. Das führt auch dazu, dass meist verhältnismäßig viele Bilder gemacht werden und dies ermüdet mich ziemlich,“ sagt Fotografin Eva-Marlene Etzel, die bei unserer Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” mitgewirkt hat. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Worum geht es bei
deinem Konzept? / Wie bist du darauf gekommen?



Ich liebe analoge Fotografie und Polaroids, aber im Job fotografiere ich
vorwiegend digital. Das führt auch dazu, dass meist verhältnismäßig viele
Bilder gemacht werden und dies ermüdet mich ziemlich. Deshalb war für mich
klar, ich will für dieses freie Projekt analog fotografieren. Spannend fand ich
beim Polaroid, dass tatsächlich nur zwei Bilder pro Model gemacht werden
konnten, da die Anschaffung der Filme sonst zu teuer würde. So haben wir uns
die Konzepte sorgfältig überlegt und hatten dann genau zwei Versuche diese
umzusetzen. Dies hat erstaunlich gut funktioniert und hat durch die Spannung
viel Spaß gemacht.

Wie war es, so viele unterschiedliche
Leute für eine Bild-Serie zu fotografieren?

Toll, aber auch ein organisatorischer Aufwand. Ich habe je fünf Models an zwei
Tagen zu mir nach Hause eingeladen, wo wir dann erst einmal ein bisschen
quatschen konnten. Ich habe, wenn Zeit und Interesse war, meine Meisterarbeit
gezeigt, so dass sich die Models etwas unter meiner Fotografie vorstellen
konnten. Schön war es bei den Musikern, während des Shooting deren eigene Musik
zu hören, so bekam ich einen direkten Eindruck von der anwesenden
Persönlichkeit.

Welche Begegnung hat dich am meisten
beschäftigt?

Am meisten Spaß hatte ich wohl mit Anouk, sie wollte mit Kakteen posieren und
hat dann direkt mit einem riesigen Kaktus, den wir in meinen Hausflur
aufspürten, innig gekuschelt. Im Gespräch kam heraus, dass sie hobbymäßig
selbst gerne fotografiert und so fragte ich sie kurzer Hand, ob sie das
Selbstportrait im Stil der Serie von mir machen will. Weiterhin hatte ich eine
sehr schöne Zeit und gute Gespräche mit Verena und Natanael, ich würde mich
wirklich freuen, wenn diese neuen Kontakte bestehen bleiben.

War es schwieriger, z.B. einen
Schauspieler/Musiker zu fotografieren (also selbst “Künstler”), als
professionelle Models und wenn ja, inwiefern?

Ehrlich gesagt fand ich es schöner. Wir haben ja alle Konzepte vor und während
des Shootings gemeinsam erarbeitet und es war toll, Künstler vor der Linse zu
haben, die ein gutes Selbstverständnis und kreative Energie mitbringen. Ich
würde in Zukunft gerne mehr mit Musikern und Schauspielern arbeiten.

Bist du auch mal an deine Grenzen
gestoßen? / Musstest du deine Vorstellung/ dein Konzept über den Haufen werfen,
weil es schlichtweg nicht ausführbar war?

Gott sei Dank hat alles geklappt, die Serie war aber auch auf Zufall und
Unvorhersehbarkeiten ausgelegt. Mit Natanael habe ich tatsächlich als einzigem
ein drittes Bild gemacht, da er relativ am Ende fotografiert wurde. Es war
abzusehen, dass die zwei Extra-Bilder, die ich als Sicherheit aufgehoben hatte,
nicht mehr benötigt werden und nun habe ich sogar noch ein Bild übrig.

Nimmst du die Szene dieser Stadt nach
dem Projekt anders war? Braucht es mehr Vernetzung?

Auf jeden Fall! Ich bin zwar gebürtige Münchnerin, habe aber während meines
Studiums von 2009 bis 2016 nicht hier gewohnt. Das heißt, ich bin erst relativ
kurze Zeit zurück in der Stadt und bin total begeistert, was es für eine
interessante junge Musik- und Theaterszene gibt. Vor allem, wenn man einige
Namen mit tollen Persönlichkeiten verknüpfen kann, ich freue mich schon darauf,
zu Konzerten und Vorstellungen unserer talentierten Modelle zu gehen!

Foto: Anouk Elias

Fragen über Fragen – Alina Oswald

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„Es ist zwar immer das gleiche Über-Konzept und immer die gleiche Technik, jedoch ist jeder Moment, jede Situation und jedes Bild auf seine Art und Weise einzigartig. Es war unglaublich spannend, all diese kreativen Menschen kennenzulernen und mit ihnen ein Bild zu erschaffen, welches ihre und meine Geschichte erzählt“, sagt Alina Oswald, die für unsere Ausstellung

10 im Quadrat – Reloaded

fotografiert hat.

Worum geht es bei
deinem Konzept? / Wie bist du darauf gekommen?

Für die Ausstellung „10 im Quadrat“ habe ich auf die
Gesichter und Körper von 10 Künstlern Muster und Formen, mit Hilfe eines
Beamers projiziert. Zum einen entsteht dadurch eine sehr interessante Optik aus
dem Zusammenspiel des Ausdruckes der Person und des farbigen Lichtes, welches
sich auf der Oberfläche der Haut zeigt. Zum anderen kann man die Projektion
auch in psychologischer Hinsicht betrachten und die Tatsache wahrnehmen, dass
ich Etwas auf Jemanden „projiziere“ und somit etwas aus dem Inneren
visualisieren kann.

Die Art der Muster habe ich meist mit den Künstlern zusammen
ausgearbeitet und nach eigenen, individuellen Themen der Personen passend
ausgewählt. Gibt es zum Beispiel einen Bereich im Inneren des Menschen, welcher
er nicht gerne zeigt, mit dem er viel zu kämpfen hat oder welchen er sogar
gerne zur Schau stellt, überträgt man dieses Thema auf ein abstraktes Muster.
So hat jedes Bild eine sehr persönliche Note. Zum Beispiel habe ich einer
Schauspielerin eine Schlangenhaut auf ihre Haut projiziert. Dies zeigt ihr
eigenes Thema in Rollen zu schlüpfen und „die Haut zu wechseln“ und zum anderen
das Hineinversetzen in böse oder komplizierte Charakter, welches eine besondere
Faszination auf sie ausübt.

Auf die Idee bin ich durch einen Freund und Fotografen
gekommen (Jonas Strohwasser), da wir eines Sonntag nachmittags aus Spaß den
Beamer nahmen und die Bilder meiner Orgasmus-Serie „Moments“ auf den gerade
auflegenden DJ Hr.Klotz projizierten. Die Wirkung faszinierte mich so sehr,
dass ich beschloss, dieses Über-Konzept für diese Ausstellung zu wählen.

Wie war es, so viele
unterschiedliche Leute für eine Bild-Serie zu fotografieren?

Jeder Menschen, den ich fotografiere, bringt ein völlig
eigenes Licht und eine besondere Energie mit sich. Es ist zwar immer das
gleiche Über-Konzept und immer die gleiche Technik, jedoch ist jeder Moment,
jede Situation und jedes Bild auf seine Art und Weise einzigartig. Es war
unglaublich spannend, all diese kreativen Menschen kennenzulernen und mit ihnen
zusammen ein Bild zu erschaffen, welches ihre und meine Geschichte erzählt.

Welche Begegnung hat dich am meisten beschäftigt?          

Jede einzelne Begegnung war für mich sehr spannend und
reizvoll. Diese noch fremden Menschen zu mir nach Hause einzuladen und sie
kennenlernen zu dürfen, war mir eine Ehre und hat sehr viel Spaß gemacht. Ich
möchte niemanden hervorheben, da alle 10 Künstler so besonders und faszinierend
sind und somit auch das Shooting mit ihnen.

War es schwieriger,
z.B. einen Schauspieler/Musiker zu fotografieren (also selbst “Künstler”), als
professionelle Models und wenn ja, inwiefern?

Für mich besteht der Reiz beim Fotografieren von Menschen
viel mehr in der Verbindung zwischen dem Fotografen und der Person und dem
Inhalt, welchen man zusammen erzählt und visualisiert, als eingeübte Posen und
erlernte Gesichtsausdrücke. Dies ist auch eine Kunst für sich, dennoch hat dies
keinen Raum in meiner Art und Weise zu fotografieren. Deswegen ist es für mich
nicht entscheidend, wie oft der Mensch schon vor der Kamera stand oder ob er
dies professionell macht oder nicht. Auf jede Person individuell einzugehen und
ein Vertrauen aufzubauen und etwas gemeinsam zu erschaffen, liegt in meinem
Interesse. Also nein, es war nicht schwieriger. Beides finde ich interessant,
da der Mensch das Interessante daran ist.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen? / Musstest du deine Vorstellung/ dein Konzept über den
Haufen werfen, weil es schlichtweg nicht ausführbar war?

Grenzen gibt es für mich wenige und Vorstellungen dienen
meist nur einem anfänglichen Plan, welcher gerne umgewandelt und verändert
werden darf. Jedoch habe ich für diese Ausstellung bewusst ein Konzept gewählt,
welches in der Umsetzung so viel Handlungs- und Interpretationsfreiraum bietet,
sodass sich jeder damit wohl fühlen kann. Ob man beim Shooting Kleidung trägt
und wenn ja, wieviel, und mit welcher Körpersprache man sich zeigt, liegt in
der Entscheidung des dargestellten Künstlers. Ich habe alles mir
Entgegengekommene eingefangen und festgehalten. Ich denke, so war alles
ausführbar und wundervoll.

Nimmst du die Szene
dieser Stadt nach dem Projekt anders war? Braucht es mehr Vernetzung?

Meine Wahrnehmung über die Szene dieser Stadt, erweitert
sich mit jeder neuen Person, welche ich kennenlernen darf und mit jedem
weiteren Projekt, an dem ich Teil habe oder welches ich selbst erschaffe. Ich
denke, die Ausstellung „10 im Quadrat“ bietet eine geniale Möglichkeit der
weiteren Vernetzung von Menschen aus dem kreativen Bereich und ist somit eine
Bereicherung für die Szene.

Dennoch darf noch mehr vernetzt werden in München. Noch mehr
Zusammenarbeit und Kollektive sind in meinen Augen sehr erwünscht. Es passiert
gerade einiges in München, dass den kreativen Bereich der Menschen hier fördert
und größer werden lässt und zwar genau von den kreativen Menschen, welche nicht
wegziehen und diese Stadt mit ihrer Kunst bereichern. Ich sage, bleiben wir
hier und machen München bunter.

Foto: Larissa Nitsche

Fragen über Fragen – Michael Mauder

Da ich auf der Bühne immer den größtmöglichen Spaßvogel raus lasse, durfte ich bei diesem Projekt auch mal eine ernstere Seite von mir zeigen, sagt Comedian Michael Mauder, der für unsere Ausstellung

“10 im Quadrat – Reloaded” porträtiert wurde. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Du stehst mit deiner
Kunst öfter mal vor Publikum. Wie war es für dich, so oft fotografiert zu
werden?

Es war eine sehr spannende Erfahrung. Jedes Shooting war
komplett anders und es hat großen Spaß gemacht.

Hat das Mut
erfordert?

Auch wenn ich mich teilweise in wirklich absurde Posen und
Situationen stürzen musste, hat die angenehme Atmosphäre, die bei allen
Shooting geherrscht hat, das sehr leicht gemacht.

Bist du auch mal in
andere Rollen geschlüpft? / Hast du andere Seiten an dir kennengelernt?

Da ich auf der Bühne immer den größtmöglichen Spaßvogel raus
lasse, durfte ich bei diesem Projekt auch mal eine ernstere Seite von mir
zeigen.

Welche Begegnung hat
dich am stärksten geprägt?

Alle Fotografen sind sehr interessante Typen, und ich konnte
eigentlich von jeder Begegnung etwas mitnehmen.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen?

Ich hab mich von Anfang an drauf eingestellt, dass das eine
sehr persönliche Angelegenheit werden würde. Daher war die größte Herausforderung
nur, mir nicht ansehen zu lassen, dass ich bei den Shootings draußen friere.

Brauchen wir mehr
Vernetzung in München?

Es kann nie genug Vernetzung geben. Deswegen ist es toll,
dass mit so einem Projekt junge Leute aus allen kreativen Bereichen zusammen
geführt werden.

Foto: Alina Cara Oswald