Die SZ Junge Leute Playlist im März 2018

Unsere Autoren scheinen den Winter etwas
melancholisch ausklingen zu lassen, denn unsere Playlist ist dieses Mal dominiert
von ruhigen Singer-Songwritern. Aber das muss ja nicht unbedingt schlecht sein,
heißen diese Musiker doch Klimt, Xavier Darcy oder Jesper Munk. Oder K.I.Z,
denn K.I.Z gehen immer.

Adele – If it hadn’t been
for love

Gitarre und Gesang,
klingt simpel, ist aber bei diesem Song eine kraft- und schwungvolle Mischung.
Dieser Song groovt einfach – und passt perfekt zu den ersten wärmeren und vor
allem sonnigen Tagen in der Stadt.

Stephanie Albinger

Jesper Munk – Icebreaker

Leider sind die neuen
Lieder von Jesper Munk noch nicht auf Spotify. Andererseits wird mir die
Entscheidung abgenommen, mich für ein einziges Lied zu entscheiden, denn jedes
einzelne Lied seines neuen Albums hat es verdient, auf diese Playlist zu
kommen. Ich gehöre zu den Glücklichen, die in letzter Minute noch ein Ticket
für sein ausverkauftes Konzert in der Milla vor zwei Wochen ergattern konnte,
wo er seine neuen Lieder gespielt hat und kann es dementsprechend kaum
abwarten, bis sein Album endlich erscheint, wobei die Lieder nie an die
Live-Versionen herankommen können

Serafina Ferizaj

Klimt – Eat your brain

Vor Kurzem hat Klimt im
Lost Weekend ihre EP “Dear Sirens” vorgestellt. Eigentlich so gar
nicht das, was ich sonst so höre, aber ich muss zugeben. Je öfter ich Klimt
höre, desto mehr mag ich ihre Melodien und ihre Stimme. Der Song “Eat your
Brain” ist melancholisch und schön. Und wer es noch nicht getan hat,
sollte sich unbedingt auch das Musikvideo dazu ansehen. Das ist Kunst!

Ornella Cosenza

Xavier Darcy – Jonah

Bei Filmen oder Serien
sitze ich immer so da, dass ich direkt auf Pause drücken kann. Dann zücke ich
mein Handy, lasse den Film wieder laufen und lasse mit einer App den Song
erkennen. So mache ich das auch mit meinem Lieblingsradiosender, der oft
unbekanntere Lieder spielt. Dabei entdecke ich tolle Lieder! So wie „Jonah“ von
Xavier Darcy. Erst im Nachhinein habe ich gesehen, dass sich Xavier mit diesem
Lied beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest beworben hat. Der Song
ist fröhlich, macht gute Laune und hat eine schöne Botschaft: Es geht darum,
sich von jemandem zu trennen, der schlechtes Glück bringt, und danach einen
Neustart zu wagen.

Lena Schnelle

 

Drangsal – Turmbau zu Babel

Drangsal ist ein
musikalisches Phänomen, mit dem ersten Album hat er ultramodernen,
Zeitgeist-affinen Pop gemacht. Die erste Single vom neuen Album gibt jetzt eine
komplett neue Richtung vor: alles auf Deutsch (gut, das gab es schon bei ihm),
aber deutlich melodischer und vom Gesang her irgendwie, wie die Ärzte. Also
ziemlich wie die Ärzte. Aber ich glaube mir gefällt das. Zumindest bin ich sehr
gespannt, wie das Album die eingeschlagene Richtung weitergeht…

Philipp Kreiter

Veronica Fusaro – Pluto

Auf dieses Lied bin ich
nur durch Zufall gestoßen und habe mich
ganz spontan verliebt. Manchmal ist es eben doch ganz einfach im Leben:
Musik an, Welt aus.

Jacqueline Lang

Eyeclimber – The Open Road

Meistens ist die Musik
wütend, die ich höre, laut und wütend. Aber auch ich brauche manchmal diese
sanften Gitarrenklänge, die alles um einen herum so leicht machen, dass man
einfach nur die Augen schließen muss um weit weg zu fliegen. Die Melodien des
jungen Münchner Singer-Songwriters Eyeclimber wirken so leichtfertig
komponiert, dass die wie ein fragiles Objekt durch den Raum zu schweben
scheinen. Und sie tragen mich jedes Mal mit.

Marietta Jestl

The Main Squeeze – Where Do
We Go?

Mein Musikgeschmack ist
ein Fluch… nahezu alle Bands, die ich gute finde, spielen entweder nicht mehr
live, oder nur so weit weg, dass es studentenunwürdig viel Geld kosten würde,
sie live zu sehen. Eine der letzteren Art ist The Main Squeeze, fünf Jungs aus
Chicago, Illinois, mit ihrer undefinierbaren Mischung aus Funk und Rock und
einer Gitarre-Keyboard-Symbiose vom anderen Stern. In ihrem Song stellen sie
sich die Frage “Where Do We Go?” – meine Antwort: “hopefully to
Germany”.

Max Mumme

Pollyester – Voices

Polina Lapkovskaja ist
ein Multitalent. Seit Jahren bereichert sie die Münchner Sub- und Hochkultur,
als Sängerin, Performancekünstlerin, Komponistin und Musikerin. Persönlich habe
ich sie zum ersten Mal auf der Bühne des Cuvilliés-Theaters gesehen, in dem
Stück Lola Montez. Die Energie, mit der sie die Inszenierung musikalisch
vorangetrieben hat, ist mir im Gedächtnis geblieben. Mit Pollyester ist sie
genauso fetzig unterwegs.

Wolfgang Westermeier

K.I.Z – Selbstjustiz

Am 8. März, dem
Weltfrauentag, war ich endlich mal auf einem Konzert der „Nur für Frauen“-Tour
von KIZ: Das ganze Berliner Tempodrum voll nur mit Mädchen und Frauen, die bei
„Hurensohn“ oder „Spast“ mitgrölen; auf der Bühne Nico, Tarek und Maxim mit
Perücken und sexy Kleidchen beim Prosecco schlürfen. Ob neue Songs oder alte
wie “Selbstjustiz” – es war definitiv ein Erlebnis, geile Party, URLAUB
FÜRS GEHIRN.

Anna-Elena Knerich

250 Zeichen Demokratie: Heute mit Xavier Darcy

Am 24. September ist Bundestagswahl. Wir haben politisch engagierte
junge Erwachsene gefragt, warum es gerade für junge Menschen so wichtig
ist, wählen zu gehen. Heute mit
Xavier
Darcy.

“Die desaströsen Folgen der
Wahlverdrossenheit bei jungen Menschen haben wir in Großbritannien erlebt: bei
der Brexit-Wahl sind mehr als 60% der Wähler unter 24 Zuhause geblieben. Lasst
nicht andere über eure Zukunft entscheiden, geht am 24.09. wählen!”

– Xavier
Darcy, Musiker

Foto: Nils Schwarz

Der Hitze zum Trotz

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Am letzten Tag der Ausstellung der SZ-Junge-Leute-Seite im Farbenladen herrschten beinahe subtropische Temperaturen – dennoch sorgten eine Politikdiskussion und Musik von Matthew Mathilda und Xavier Darcy für ein volles Haus.

Am Ende war es dann noch einmal richtig voll im Farbenladen –
auch wenn die Sonne ihr bestes gab, um die Leute fern zu halten. Aber was ist
schon die Sonne gegen die Stimmen von Matthew Austin und Xavier Darcy? Gegen die
letzte Möglichkeit, die fantastische Ausstellung „München im Quadrat“ zu
bestaunen?

Einer, der richtig gefesselt von den Bildern war, war Kytes-Sänger Michi Spieler. Auf Grund
einer umfangreichen Tour schaffte er es erst am letzten Tag der Ausstellung,
endlich alle Bilder von allen Fotografen mit allen Models zu sehen: „Die Bilder
sind so cool, es gibt so viel zu entdecken. Ich musste wirklich mehrmals
durchgehen, um alle Facetten zu sehen.“

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Aber nicht nur Michi Spieler hatte sich gegen einen Besuch an der
Isar entschlossen, auch viele Besucher waren da und hörten gespannt Vertreterinnen
und Vertretern junger Organisationen zu, die darüber diskutierten, was man
gegen Politikverdrossenheit tun könnte. Alle drei Projekte vertreten dabei
einen ähnlichen, aber in der Ausführung unterschiedlichen Ansatz: Während Our
Impact und das Projekt „Denkende Gesellschaft“ auf den Dialog setzen und
Menschen zum Nachdenken über Politik und Wählen animieren wollen, möchte Pulse
of Europe zeigen, wie viel Begeisterung es für die europäische Idee und die
europäischen Werte in der Bevölkerung gibt. So waren sich dann auch alle Diskussionsteilnehmer
einig: Die junge Generation muss die Zukunft aktiv in die eigene Hand nehmen,
teilhaben und mitgestalten. Wie Clara Mokry, Mitinitiatorin von Pulse of Europe
auch sagte: „Es geht um unsere Zukunft!“.

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Wirklich beachtlich war, wie engagiert und interessiert das
Publikum an der Debatte teilnahm – schließlich konnte man die Luft im
Farbenladen euphemistisch bestenfalls als stickig bezeichnen. Dass das aber
allen egal war, lag nicht zuletzt an der Performance von Matthew Mathilda, die
in voller Bandbesetzung das Publikum mit ihrem atmosphärischen, immer leicht
melancholischen Bluesrock begeisterten.

Und dass Xavier Darcy – im Farbenladen ein alter Bekannter –
d die Öffnungszeiten etwas
überzog, nahm ihm auch niemand mehr übel. Im Gegenteil: Alle Besucher, alle
Teilnehmer, alle Fotografen, alle Models genossen diese letzten, musikalischen
Minuten der SZ- Farbenladenausstellung 2017. Bis sie mit dem letzten Akkord aus
Xaviers Gitarre ihre Pforten schließen musste – hoffentlich aber nur bis zum
nächsten Jahr.

Text: Philipp Kreiter

Fotos: Ornella Cosenza

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Laura

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Mit Musik fängt die neue Woche an, mit Musik hört sie auf, und zwischendrin: ganz viel Musik. In etwa so gestaltet sich die neue Woche von unserer Autorin Laura – mit zwei Release-Shows und der Farbenladen-Finissage.

Ich liebe es, Musik zu hören. Mich von Stimmgewalten
beeindrucken zu lassen. Den leisen sowie lauten Tönen zu lauschen. Mich den
unterschiedlichsten Stimmungen hinzugeben und meine Gedanken von der Musik
treiben zu lassen. Meinen Körper im Rhythmus der Musik zu bewegen. Zu tanzen. Mitzusummen.
Loszulassen.

Meine kommende Woche steht deshalb ganz im Zeichen der
Musik.  

Am Freitag findet die Album-Release-Party von Ni Sala im
Strom statt. Ni Sala ist eine hochbegabte und aufstrebende Blues-Rock-Band
bestehend aus 5 jungen Künstlern: dem charismatischen Sänger Robert Salagean,
dem Schlagzeuger Alex Petri, dem Bassisten Artur Reichert und den beiden
Gitarristen Simon Singer und Daniel Rapp. Supported wird die Band am Freitag von
den Jungs der Rock´n´Roll Band The
Universe. Ein Abend der laut, großartig und heiß wird!

Dieses Wochenende geht unsere diesjährige Ausstellungsreihe
„10 im Quadrat“ in die vierte und somit
auch leider letzte Runde. Die Junge-Leute-Seite präsentierte bereits den ganzen
Mai über 10 junge Münchner Fotografen, die wiederum 10 junge Münchner Künstler
porträtiert haben. Fotografen, die auf Schauspieler, Musiker und Literaten
trafen. Das Ergebnis dieser Begegnungen sind die knapp 100 unterschiedlichen Fotografien,
die es im Farbenladen des Feierwerks zu sehen gibt. Wie für alle anderen
Ausstellungstage haben wir euch auch für dieses Wochenende ein spannendes Rahmenprogramm
zusammengestellt. Am Samstag könnt ihr unter anderem den Prosa-Vorträgen von Desiree Opela, Julian C. Betz und Carolina Heberling
zuhören. Weiter geht es dann mit einem Doppelkonzert: Zum einen dürft ihr euch
auf KLIMT freuen – Musik von der bezaubernden Verena Lederer, die uns bereits
am Freundschaftsbänd-Abend mit ruhigen Klavierballaden in ihren Bann zog. Zum
anderen auf Spring-Music – Musik von der wunderbaren Marina Spring, die nicht
nur Mitglied der SZ-Junge-Leute-Redaktion ist, sondern auch mit ihrer einzigartigen
Stimme überzeugt. Am Sonntag heißt es ein letztes
Mal durch den Farbenladen schlendern
, über Kunst und die Welt plaudern und das
wunderbare Rahmenprogramm genießen. Dafür haben wir unter dem Motto „Wer die
Wahl hat“ eine spannende Gesprächsrunde zum Thema Politikverdrossenheit
organisiert. Auch am Sonntag dürfen wir euch mit gleich zwei jungen Münchner
Musikern den Abend zu etwas ganz Besonderem machen: es spielt Xavier Darcy
sowie die Band Matthew Matilda! Zusätzlich haben wir an beiden
Ausstellungstagen mit einem Teil der beteiligten Künstler einen Talk über die
Arbeit der Fotografen, aber auch die Erfahrungen der Models vorbereitet. Wir
freuen uns auf jeden Einzelnen von euch, der mit uns die diesjährige Ausstellung
„10 im Quadrat“ zu einem gelungen Ende
bringt! Der Eintritt ist an beiden Tagen frei. Am Samstag beginnt die
Ausstellung um 16 und endet um 22 Uhr. Die Finissage am Sonntag ist von 16 bis
20 Uhr geöffnet.

Auch am Montag werde ich mich ein weiteres Mal Richtung
Feierwerk begeben. Dort spielt nämlich der amerikanische Singer-Songwriter Bobby
Long im Orangehouse
. Bekannt wurde der gebürtige New Yorker durch „Let Me
Sign“, seinem Songbeitrag zum Twilight-Soundtrack. Heute überzeugt er mit einer
tiefen und ausdrucksstarken Ehrlichkeit in seiner
Musik und seinen Texten, sowie mit seiner unvergleichlich rauchigen Stimme.

Am Dienstag verschlägt es mich
ins Theater Heppel & Ettlich. Dorf freue ich mich auf einen Abend mit dem
Duo „Nick und June“. Die beiden vielseitig instrumentalisch begabten Künstler verzaubern
mit euphorischen Melodien, bittersüßer Melancholie und verträumtem Folk.

Mittwoch ab in die Milla! Dort geht
meine Woche mit der amerikanischen Singer-Songwriterin weiter: Julien Baker,
bekannt für leicht verwundbare und herzzerreißende Songs.

Den neuen Monat beginne ich am
Donnerstag
mit einem Doppelkonzert in der UnhaltBAR: Erneut darf ich der zarten
und zugleich beeindruckend kräftigen Stimme von Marina Spring – Spring-Music
lauschen. Außerdem freue ich mich auf den Pariser Künstler Henk, der nun mit
seiner vielseitig groovigen Musik versucht, in Deutschland Fuß zu fassen.

Musikalisch endet meine Woche am
Freitag
mit Chuck Winter. Seitdem ich ihn am vergangen Wochenende erstmals bei
unserer Ausstellung „10 im Quadrat“ live hören durfte, blicke ich mit Vorfreude
auf seine EP-Release-Party „Morning Call“ im Rumours!

Und weil meine Woche nie wirklich endet und nie wirklich neu
beginnt, sondern wie ein Lieblingssong in Dauerschleife läuft, werde ich wohl
weiter tanzen. Mitsummen. Und Loslassen. Mitten durch München. Ganz im Zeichen der
Musik.

Text: Laura Schurer

Foto: Privat

Band der Woche: Xavier Darcy

Xavier Darcy, der Frontmann der Retro-Hardrockband “The Charles” Startet nun mit seinem Soloprojekt durch. In seinem Debüt-Album geht es ums Erwachsenwerden, angelehnt an den Jugendlichen Spirit der Achziger. 

Den Torso vergrößerte man mit Schulterpolstern, den Kopf mit einer Dauerwelle und die Brust mit Push-up-BHs. Es ist interessant, dass es diese Insignien eines originalen Achtzigerjahre-Looks noch nicht wieder in die Mode zurück geschafft haben. Und dass, wo doch die Achtziger schon seit geraumer Zeit wieder schwer angesagt sind. Doch ein genauerer Blick auf diesen derzeitigen ästhetischen Rückgriff zeigt, dass es dieses Jahrzehnt eigentlich nur in homöopathischen Dosen in die Gegenwart geschafft hat. Da es in der damaligen Pop-Ästhetik aber sowieso übergroß zuging, sind selbst die kleinen Zitate, die so viele der heutigen Neuerscheinungen prägen, eindeutig. So reichen etwa musikalisch ein verträumter Synthesizer und ein Drumcomputer aus, vor allem, wenn die dazugehörigen Musiker Leggins und vielleicht noch aufgeknöpfte Hemden samt Brusthaaren tragen, um eine Band als adäquate Retro-Band wahrzunehmen. 

Doch die Großspurigkeit dieses Jahrzehnts kommt gegen die heute dominante Ironie, das Credo des guten Geschmacks und gegen das Understatement nicht an. Außer bei Xavier Darcy. Der britische Wahlmünchner ist in der Szene kein Unbekannter. Seit ein paar Jahren geisterte er als Darcy mit seiner Akustik-Gitarre herum und sang Lieder, die viel zu viel Energie hatten, um alleine von einer Akustik-Gitarre getragen zu werden. Neben einem Ausflug als Frontsänger der Retro-Hardrockband The Charles präsentiert er nun sein erstes Solo-Album in voller Länge. Und das energetische Pensum seines überbordenden Mitteilungsbedürfnisses findet hier sein Pendent in üppigen Arrangements. Eine solche Art der Ausinstrumentierung, der Vollendungen eines jeden musikalischen Gedankens und dem Übereinanderstülpen so vieler verschiedener Stimmen hört man sonst nur in Originalen. Während des Kompositionsprozesses hat Xavier jedoch viele Platten aus den Achtzigerjahren gehört, solche Dinge wie Michael Jackson, David Bowie oder die Talking Heads. „Damals haben sich die Künstler bei ihren Arrangements nicht zurückgehalten“, erklärt er, für sein Album habe er nun genau dasselbe gemacht, es sei ihm darum gegangen „keine Angst vor großem hymnischen Stadion-Pop“ zu haben.

Im Prinzip hat Xavier also seinem Songwriter-Ich die Schulterpolster übergeworfen und hüpft nun im Video zur ersten Single „Big City Dreams“ über die Bühne wie ein Star aus einem 30 Jahre alten Highschool-Film. Doch Xavier, der sich als Songwriter schlicht Darcy nannte, nun aber unter seinem vollen eleganten französischen Namen Xavier Darcy auftritt, weil es so viele Künstler mit dem Namen Darcy bereits gab, hat mit diesem Album, das am Freitag, 24. Februar, erschienen ist, vieles richtig gemacht: Es ist ein Album, dass dem Hörer eine schlüssige, überzeugende und spannende Welt eröffnet. Eine Welt, die zwar etwas seltsam wirkt, weil solch stilistische Mittel wie Fade-Outs, die Mischung von Funk-Gitarren und Hard-Rock-Soli, Reggae-Rhythmen und Synthesizern oder das permanente melodische Stoffgeben heutzutage in Kombination so übergroß aufdringlich wirkt wie eine Dauerwelle samt einer ganzen Dose Haarspray. 

Thematisch bleibt Xavier jedoch konsequent seinem 21-jährigen Selbst treu und erzählt davon, was die Jugend interessiert und umtreibt; in den Achtzigerjahren genauso wie heute: Das erste Aufbrechen in die Welt der Erwachsenen, der erste Schritt ins Leben nach dem Schulabschluss, den man für gewöhnlich ohne elterliche Obhut bestreitet. Oder um es mit Xaviers Songtexten zu sagen: „We grow up and then what?“, fragt er in dem Song, der so euphorisch klingt wie The Cure auf „The Head in the Door“ und mit dem Titel „Burn the Suburbs down“ als kämpferisches Generationsporträt gelesen werden kann. Die Antwort auf diese „Was folgt“-Frage setzt er dann übrigens genauso keck wie schmissig dazu: „You lost your mind and your virginity“, man verliert also das Hirn und die Unschuld. Live ist er am Dienstag, 28. Februar, beim Spiel des FC Bayern Basketball im Audi-Dome, und am Samstag, 25. März, zum Release-Konzert im Münchner Ampere zu hören. 

Stil: Pop
Besetzung: Xavier Darcy (Songrwriting, Gesang, Gitarre), Gastmusiker
Aus: München
Seit: 2011
Internet: facebook.com/xavierdarcy


Text: Rita Argauer

Foto: Lisa Lankes

Studentenbude statt Fernsehbühne

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Musik, Chili und Weißbier-Bowle: Xavier Darcy spielt auf Einladung der Junge-Leute-Seite ein WG-Konzert in Milbertshofen. Am Schluss steht er in einem Kreis aus tanzenden Leuten

Auf dem Boden steht ein kleines Pedal, es ist an einem einzelnen Kabel angeschlossen. Es ist ein Stimmgerät und alles, was Xavier Darcy an Equipment dabei hat an diesem Abend in einer WG in Milbertshofen im Münchner Norden. Mehr braucht er auch nicht, denn mit seiner rauchigen Stimme und den Gitarrenklängen spielt er sich schnell ins Herz aller Anwesenden. Schlussakkord, in einem hohen Bund gegriffen und aus dem Publikum kommt Anerkennung. „Der letzte war geil“, lobt einer der Zuhörer.

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Um 19 Uhr geht es los, alle Gäste haben sich vorbildlich pünktlich in der WG von Anna Achhammer, 20, und Katharina Edlbauer, 20, eingefunden. Schon im Hausflur hängt eine Karikatur, mit der die Nachbarn auf das WG-Konzert, das die Junge-Leute-Seite der SZ vermittelt hat, aufmerksam gemacht werden. Die WG selbst: voller Postkarten mit Sprüchen, im Durchschnitt schlauere, als man sie in anderen Wohnungen oft findet. An den Wänden Zeichnungen, im Zimmer eine Fotoserie von Erwin Wurm. Nudelskulpturen. Daneben eine Gitarre und ein Klavier. Im Flur hängt eine Dartscheibe und es wird fleißig gespielt, allerdings ist die Automatik kaputt und niemand zählt mit. Aber hier nimmt man so etwas nicht so genau, wie beim veganen Chili, das mit einem Klecks Joghurt verfeinert wird.

Auch Xavier Darcy nimmt es mit der Uhrzeit nicht so genau, um 19 Uhr ist von ihm noch nichts zu sehen. Letztendlich taucht er eine halbe Stunde zu spät auf. Macht ja nichts, Hauptsache er ist jetzt da. Gitarrenkoffer auf dem Rücken, kein Equipment – aber es gibt ja nicht mal eine Bühne. Das Konzert findet im Zimmer von Anna statt. Das Bett wurde extra ins Wohnzimmer gestellt und ein Stuhl in der Ecke ist für den Musiker vorgesehen. Ein Stuhl? Für Darcy? Man wird sehen. Darcy legt los mit seinem bekanntesten Song, „Cape Of No Hope“, am Anfang A cappella. Das Publikum sitzt größtenteils auf dem Boden, aber Darcy hat gar nicht daran gedacht, seinen Stuhl für mehr als seine Jacke zu benutzen. Schnell wird klar, warum: Wer die exzentrischen Moves des Sängers kennt, erwartet eine Performance im Stehen. Fast ein bisschen eng ist es für Darcy, der in jüngster Zeit an immer größere Bühnen gewöhnt ist und im Februar sein Debüt-Album veröffentlicht. Bei der TV-Show „Inas Nacht“ war er zu sehen, auch bei „Mein Song – deine Chance“ mit Rea Garvey. Und zu Anfang wissen wohl weder er, noch das Publikum, wie sie in dieser ungewohnten Atmosphäre miteinander umgehen sollen.

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Das Eis bricht irgendwo zwischen dem ersten Glas Wein und dem Moment, in dem alle tanzend durch den Raum hüpfen. Auch eine Nachbarin aus dem Haus ist da, sie hat die Ankündigung im Flur gesehen und einfach mal vorbei geschaut. Der syrische „Bruder“ von Anna, der bei ihren Eltern wohnt, der jüngste unter den Anwesenden, hat sich herausgeputzt mit Hemd. Mitten im Erzählen wechselt Darcy von Deutsch zu Englisch, seiner Muttersprache. „Nach dem ersten Glas Wein schrumpft mein deutscher Wortschatz“, gibt er zu. Und Carmen, die Spanierin, ruft: „Das kenne ich!“ Man versteht sich eben. Nach ein bisschen Alkohol noch viel besser, und Sprachen sind völlig nebensächlich.

Nachdem man ein bisschen warm geworden ist, stehen endlich alle auf zum Tanzen. Da spielt Darcy eigentlich schon den letzten geplanten Song. Aber das kann jetzt keiner akzeptieren, eine kurze Raucherpause wird genehmigt und danach geht es weiter, bitte schön! Das muss man Xavier nicht zweimal sagen, und am Schluss steht er in einem Kreis aus tanzenden Leuten, nur mit einer Gitarre und seiner Stimme. Irgendwann ist das Konzert vorbei, aber der Abend noch lange nicht. Mit Wein und Bier und etwas, das sich Weißbier-Bowle nennt, lässt es sich gut bis spät über die Münchner Musikszene diskutieren. Dart-Pfeile fliegen weiter, Carmen und Anna verabreden sich zum Spieleabend und zum Schluss geht es für viele weiter in die Glockenbachwerkstatt – Darcy ist da natürlich auch dabei.  

Text: Marina Sprenger

Fotos: Anna Achhammer

Band der Woche: Jordan Prince

Der Songwriter Jordan Prince hat für seine Liebe die USA verlassen und macht seit einem Jahr  in München

Musik. Seine im Juli veröffentlichte EP geht über normalen US-Gitarren-Folk hinaus und klingt  wie Science-Fiction. 

Die Welt, die einerseits immer mehr zusammenrückt (sich in die andere Richtung natürlich auch entfremdet), birgt noch mehr als politische Wirren und ökonomische Ungleichgewichte. Es entstehen auch ungewöhnliche Liebesgeschichten daraus – und letztendlich auch neue Musik. Schon vor einigen Jahren etwa spülte es den US-Amerikaner Gabriel Miller Phillips nach München – der Liebe wegen. Eine ernsthafte Beziehung über die Distanz München-New York zu führen, ist auf Dauer ein recht schwieriges Unterfangen. Es entstanden aber sehnsüchtige Songs dabei, die Gabriel mit zarter Stimme gleich mit nach München brachte. Nicht nur die Liebesgeschichte verbindet Gabriel Miller Phillips nun mit Jordan Prince, auch musikalisch entstehen da durchaus Parallelen – auch wenn man der Musik von Jordan anhört, dass sie ein bisschen später geschrieben wurde als die von Gabriel.

Jordan Prince ist auch Songwriter, er ist auch US-Amerikaner und er kam auch der Liebe wegen nach München. Ursprünglich stammt er aus der kleinen Stadt Corinth in Mississippi, seine deutsche Freundin lernte er dann an der Filmhochschule in New Orleans kennen, sie führten eine Fernbeziehung. Im vergangenen August entschied sich Jordan dann dazu, nach Deutschland zu ziehen: Er habe alles verkauft, was er in den Staaten hatte, brach die Zelte ab und lebt nun seit einem Jahr in München. Seine Musik klingt trotzdem noch sehr amerikanisch. Man hört den Songs an, dass sie in ganz klassischer Songwriter-Manier auf der Akustik-Gitarre komponiert wurden: Feine Gitarren-Pickings, sehnsüchtige Melodien und eine ebenso zarte Stimme wie Gabriel Miller Phillips, die Jordan auch gerne mal in die Falsett-Nähe schrabben lässt. Doch seine aktuelle EP, die er im Juli 2016 veröffentlicht hat , geht dennoch über das Prinzip US-Gitarren-Folk hinaus. Denn darauf ist, ganz titelgemäß, eine Band zu hören. Und die haucht der Musik andere Farben ein, da erklingen schräg-spacige Synthesizer oder dünne Flötentöne. Ein wenig Science-Fiction ist das, im ausgesprochen schönsinnigen, mehrstimmigen Folk-Gewand. 

Diese EP hat er noch in den USA aufgenommen, im Juli 2015, kurz bevor er nach Deutschland zog. In München hat er dann die örtliche Musik-Szene erst einmal aus der typischen Singer-Songwriter-Perspektive kennengelernt. Er trat bei den üblichen Open-Stage-Sessions auf, lernte aber auch die alternative Szene um das Import-Export oder die Hauskonzerte kennen. Und allmählich kannte er die Szene, er freundete sich mit Bands wie den Young Chinese Dogs an, die ihn gleich als Support mit auf ein Konzert nahmen, oder trat in Kontakt mit Xavier Darcy.

Ganz hingerissen ist er von der Münchner Szene, in der sich so viele Musiker so stark für ihre Kunst einsetzen würden. Das gefällt ihm, denn auch sein Hauptfokus liegt auf seiner Musik, zum Geldverdienen jobbt er nebenbei. Im Herbst wird er nun die Musikerszene in ganz Deutschland kennenlernen. Als Release-Tour zu seiner EP hat er sich eine ganz beachtliche Liste an Städten zusammen gebucht, wird etwa in Innsbruck, Berlin und Frankfurt auftreten. Und dazu gibt es noch eine Besonderheit: Denn zu dieser Tour begleitet ihn die Keyboarderin Violeta Del Rio, die dafür extra eingeflogen kommt, und die auf seiner EP maßgeblich für den Science-Fiction-Touch verantwortlich ist. Gleichzeitig arbeitet er an seinem ersten Album. Und weil die Sehnsucht und die Menschen in der Fremde eben einen starker Motor für die Kunst sind, wird das ein Konzeptalbum: Jeder der zwölf geplanten Songs wird sich um eine einzelne, wichtige Person drehen, deren Bekanntschaft Jordans Leben verändert hat. Seine Freundin wird mit Sicherheit auch vorkommen.  

Stil: Folk / Songwriter / Neo-Folk
Besetzung: Jordon Prince (Songwriting, Gitarre, Gesang), wechselnde Bandmitglieder
Aus: New Orleans / München
Seit: 2005
Internet: www.jordanprince.bandcamp.com

Von: Rita Argauer

Foto: Peter Ross