Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Sandra

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Bevor unsere Autorin ihrer Heimat für einige Zeit den Rücken zuwendet, will sie noch eine ordentliche Ladung Kultur, Nachtleben und Streetfood aus München tanken. Sie besucht das Lost Weekend, geht auf ein Giesinger Straßenfest und sammelt verschiedene Eindrücke.

Der September hat begonnen und damit offiziell das Sommerende eingeläutet. Guckt man aus dem Fenster bleibt nur ein hoffnungsloser Seufzer und der Gedanke, dem zu entfliehen. Dieser Gedanke wird für mich schon bald Realität, ich verabschiede mich vorerst von meiner Heimatstadt München und werde deshalb in den nächsten Tagen noch alles mitnehmen, was geht. 

Am Freitag statte ich dem Lost Weekend, an dem ich die letzten Semester fast jeden Morgen vorbei gelaufen bin, einen Besuch ab und höre als erstes einen Landsmann meiner neuen Wahlheimat, um dann zwei Münchner Bands, nämlich Trails, die sich zuvor schon als El Rancho einen Namen gemacht haben, und Freddy Gonzalez zu lauschen.

Die Tage, die man draußen verbringen kann, sind gezählt, deshalb heißt es heute am Samstag noch einmal eine Runde durch Giesing drehen, wo das Straßenfest im Rahmen von Ois Giasing stattfindet. Schon ab 11.30 Uhr kann man hier hauptsächlich lokale Rapper oder Ragger hören. Als Schmankerl gibt es sogar einige Essensstände, wie zum Beispiel vietnamesisches Streetfood.

Als vielleicht coolster Pub im Münchner Süden bezeichnet sich der/die/das (?) Pigalle. Das muss es nun aber mit der Open Stage Night am Sonntag beweisen.

Am Montag probiere ich einen Food-Trend aus Amerika: ungebackener Teig! Zwei Münchnerinnen eröffnen heute den Teiger Pop-Up-Store im Container Collective, wo man Keksteig zum Löffeln kaufen kann. Alle, die jetzt Mamas Stimme im Ohr haben (”Von rohem Teig bekommt man Bauchschmerzen!”), können sich beruhigt zurücklehnen – der Teig wird ohne Ei gemacht und kann dadurch auch keine Salmonellen enthalten.

Wer die letzte Fotoausstellung im Cafe Kosmos verpasst hat, kann dies nun im Salon Irkutsk nachholen: Ab Dienstag werden die Bilder des Münchners Ecco Meineke der Serie “Traveller” gezeigt, die auf den Reisen quer durch Deutschland entstanden sind und andere reisende Künstler an Bahnhöfen festhält. 

Mittwoch gibt es dann noch einmal Musik passend zu meinem nächsten Zielland: Der Nord-Ire Ryan McMullan zeigt seine Songwriter-Künste und verzaubert das Publikum mit seinen Geschichten der irischen Idylle. Mein Seufzer von letzten Freitag entwickelt sich nun von hoffnungslos zu verträumt…

Zu lange kann ich jedoch nicht in meinen Gedanken schwelgen, am Donnerstag will das Event “Kleine Läden in der Nacht” den lokalen Einzelhandel fördern und bietet bis 20 Uhr Spätshopping in verschiedenen Läden an. Wer abends nicht immer nur durch die großen Ketten laufen will, ist hier genau richtig!

Der Freitag rundet dann eine etwas kuriose, aber schöne Woche ab. Zum Schluss wird es noch richtig spannend: Das Techfest vereint Hacker, Designer und Coder auf einem festival-ähnlichem Event, das auch für Nicht-Nerds interessant ist. 

Von: Sandra Will 

Foto: privat

Schöne Stadt

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In München hat sich eine junge Fotografen-Szene etabliert – auch deswegen findet man hier jede Menge Models.

München – Ihre Haut ist unfassbar blass. Die langen roten Haare reichen ihr bis über die Brust. Unzählige Sommersprossen zieren das schmale Gesicht. Nackt steht die junge Frau mit ihren dünnen Beinen auf einem Felsen. Es weht Wind. Um sie herum unzählige Berge. Diese Fotografie hat etwas Fantastisches, Mythisches. Dem Fotografen, Korbinian Vogt ist es gelungen, die natürliche Schönheit des Models in Szene zu setzen und eine ganz besondere Art der Ästhetik zu schaffen.

Denn Cate Red, die rothaarige junge Frau im Mittelpunkt von Korbinians Werk, entspricht nicht gerade dem Model-Klischee aus Solariumbräune und strahlendem Kameralächeln. Sie steckt weder in hipper High-End-Fashion-Kleidung, noch posiert sie mit der Hand an der Hüfte für das Cover eines Modemagazins. Für Münchner Fotografen ist Cate schon lange keine Unbekannte mehr. In den vergangenen Jahren hat sie mit vielen verschiedenen Künstlern dieser Stadt zusammengearbeitet.

„Mein großes Glück war es, bereits am Anfang mit dem Modefotografen Stefan Glathe zusammenzuarbeiten. Dank dieser Kooperation hatte ich von Beginn an hochwertige Bilder in meinem Portfolio. Das hat mir viele Türen geöffnet, auch in München“, sagt die 27-Jährige. Heute ist ihr Gesicht in den Fotomappen vieler deutscher Fotografen zu sehen. Der Weg vom Hobbymodel bis hin zu großen, professionellen Fotostrecken und ersten Werbeaufträgen ist jedoch lang.

Auch Lara Vogel, 19, ist eine erstaunliche Entwicklung gelungen. „Bei mir kam die Modelsache eher durch Zufall. Einer meiner Freunde ist Fotograf. Wir haben Bilder gemacht und die habe ich dann auf Facebook gestellt. So wurden andere Künstler auf mich aufmerksam. Anfangs habe ich auch selbständig Fotografen angeschrieben und bin dadurch zu einer Zusammenarbeit gekommen. Im Allgemeinen hilft es, sein Portfolio ständig zu erweitern“, sagt die junge Münchnerin. Auf Instagram hat sie fast 7500 Follower. „Ich war für einige Zeit bei einer Agentur. Weil ich aber nur 1,63 Meter groß bin, hielt ich meine Chancen, Werbeaufträge zu bekommen, für eher gering. Jetzt arbeite ich ohne Agentur und das funktioniert auch gut“, sagt sie. Lara kann sich nicht vorstellen, jemals hauptberuflich als Model zu arbeiten. Im Oktober wird sie mit dem Studium der Kommunikationswissenschaften beginnen.

Cate Red, Lara Vogel, beide Namen werden häufig genannt, wenn man über die Münchner Modelszene spricht. Für den Fotografen Korbinian Vogt ist klar: „In München gibt es mit Sicherheit eine Modelszene. Die funktioniert wie ein Netzwerk, wie ein großer Freundeskreis.“

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Auch Fotografiestudentin Nadja Ellinger sucht für größere Projekte bevorzugt Menschen aus, mit denen sie bereits zusammen gearbeitet hat. „Das Verhältnis ist vertraulicher, man versteht einander. Das erleichtert die Arbeit. Manchmal ist mir aber auch nach neuen Gesichtern, dann suche ich einfach über die sozialen Netzwerke“, sagt Nadja. „Es gibt viele junge Frauen, die einfach aus Spaß modeln, oder ihr Portfolio erweitern möchten“, sagt sie. „Was in München allerdings auffällt, ist der Mangel an männlichen Models“, fügt Nadja hinzu. Wirklich erklären kann sie ihre Beobachtung allerdings nicht. Maximilian Bungarten, selbst Model, hat eine Vermutung: „München ist der falsche Ort, um Fotostrecken für Magazine zu produzieren. Diesen Bereich findet man dagegen in London. Was hier in München gut funktioniert, sind Werbejobs. Das ist allerdings nicht so ganz mein Ding“, sagt der 23-Jährige. Obwohl Maximilian mit Fotografen wie Milena Wojhan zusammengearbeitet hat und in vielen Magazinen zu sehen war, kann er sich nicht vorstellen, das Modeln zum Beruf zu machen. Er studiert derzeit an der Hochschule für Fernsehen und Film, „wo es momentan ganz gut läuft“.

Aber: München ist teuer. Der Großteil aller Studenten hat einen Nebenjob, um die Lebenshaltungskosten im überteuerten München zu finanzieren. Einige haben Werkstudentenjobs, viele kellnern, andere modeln, so wie Ada Binaj, 22: „Ich sehe mich in erster Linie als Musikerin und nicht als Model. Es ist eine gute Sache, um zu lernen, wie man sich präsentiert, und auch ein klasse Nebenjob“, sagt sie. Ada ist Bassistin bei zwei Münchner Bands, sie absolvierte an der Berufsfachschule für Musik eine Ausbildung für Jazz, Rock und Blues. „Ich hatte mich damals auf den Vorschlag meiner Mutter hin bei einigen Agenturen beworben. Ich kann mir nicht vorstellen, das jemals hauptberuflich zu machen. Als Nebenjob funktioniert das dagegen gut“, sagt sie. 

Text: Anastasia Trenkler

Fotos: Nadja Ellinger,
Korbinian Vogt

Malerisch

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Alina Grasmann muss sich nach dem Studium erst noch an den Künstleralltag gewöhnen. Die bildende Kunst ist aber nur eine ihrer Karrieren. Die andere: Sie arbeitet sehr erfolgreich als Model.

Durch die Fensterfassade flutet die Sommersonne den kleinen Raum. Behälter mit Pinseln, Farbtöpfe und zwei Flaschen Prosecco von der jüngsten Atelierausstellung stehen in der Ecke. Es riecht nach frischer Farbe im Atelier von Alina Grasmann, das sich hinter der siebten der neun bronzefarbenen Türen direkt unter den Brückenrampen der Ganghoferbrücke befindet. Aus mehreren Leinwänden sucht Alina ein Bild heraus, das sie gerade verkauft hat. Vorsichtig entfernt sie Luftpolsterfolie und Krepppapier und hebt das Bild heraus: „Das muss ich eh raussuchen. Der Sammler holt das am Sonntag ab.“

Sie lehnt das Ölbild an den Tisch mit den Pinseln und Farbeimern. Auf der großformatigen Leinwand offenbart sich der mondäne Charme eines Wiener Kaffeehauses: Man blickt an zwei alten Polsterbänken und einem Tisch vorbei durch das Fenster auf ein parkendes Postauto. An Alinas Schreibtisch ein weiteres Motiv, gedruckt auf ihrer Künstlervisitenkarte: Der Blick fällt auf glatt polierte Sitze in einem Luftschiff und schweift hinaus auf ein Meer aus träumerischen Wolken. Es sind fotorealistische Motive mit Öl auf Leinwand oder im kleinen „Fotopapierformat“ gemalt, die besondere Stimmungen erzeugen.

Malen ist nicht ihr einziger Leinwand-Job. Alina modelt auch. Ein befreundeter Fotograf erklärte ihr vor einigen Jahren, auf was man bei Porträtaufnahmen aufpassen muss, sie versuchte sich für diese Fotos gleich selbst als Model. Nach und nach kamen dann immer mehr Anfragen.

Nach dem Kunstdiplom im Februar 2017 an der Akademie der bildenden Künste in München malt sie vor allem. Dass sie das Modeln etwas zurückgefahren hat, liegt daran, dass sie wegen des Malens gar nicht mehr so viel Zeit dafür hat. An den Künstleralltag musste sie sich erst gewöhnen: „Ich glaube, ich hatte so ein romantisches Künstlerbild und war erst mal ein bisschen überfordert. Man hat nie ein festes Einkommen, aber für mich ist es der schönste Beruf der Welt.“ Im Atelier, in dem sie bis in die Nacht arbeitet, wird die Leidenschaft greifbar. Die Frau mit den hellbraunen Augen, die ein blaues Sommerkleid trägt, hat aber auch spannende Modeljobs erlebt.

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Bereits während des Studiums stand Alina für viele Münchner Fotografen Porträt. Sie selbst sieht sich nicht primär als Model: „Es macht mir Spaß. Ich mache das gerne für befreundete Fotografen oder wenn ich ein bisschen Geld brauche, aber ich habe da jetzt keine Ambitionen. Modeln ist mir gar nicht so wichtig.“ Heute steht sie nur noch für befreundete Münchner Fotografen wie Katarina Sopcic oder Camillo Büchelmeier vor der Kamera. Durch das Auslandssemester Fotografie in Wien kennt Alina auch die Perspektive des Fotografen.

Wichtig bei einem Modeljob ist ihr, dass sie das Konzept dahinter mag. Im Laufe der Zeit haben sich so einige Fotoshootings ergeben: Für Milan Soos’ Fahrradporträtreihe radelte sie in Bomberjacke und blau-weißem Ringelshirt die Ludwigstraße entlang. Sebastian Botzler fotografierte Alina ganz „Haute Couture“ im beigen Vintage-Kleid im Gewächshaus. Für die Fotoreihe „Menschen, die neben sich stehen“ liegt sie am Boden ihres Ateliers. Passend zum Thema verschwimmen die Umrisse ihres kühlen Gesichts. Besonderes im Gedächtnis geblieben ist ihr das einwöchige Shooting mit Fotograf Markus Burke in Italien. In einem malerischen Haus, auf einer Fähre und am Strand hat sie für ein Neon-Modeheft geshootet. Es war Arbeit, die Kulisse aber wie im Urlaub und „Urlaub mag ich ohnehin immer gern“, scherzt sie. Für Modeschulen ist Alina auch auf dem Laufsteg gelaufen, aber das ist nicht ihr Ding: „Man steht da den ganzen Tag frierend rum, wartet, dann ist es in zwei Sekunden vorbei und man ist so aufgeregt davor.“

Alina macht auch selbst Fotos – als Vorlage für ihre Ölbilder. Manche dieser Fotovorlagen entstehen auch in München. Wer das Ölbild mit dem grünen Dschungel hinter weißen Plastiksitzen sieht, kommt trotzdem nicht sofort auf die Idee, dass es sich an der Münchner U-Bahn-Station Odeonsplatz orientiert. Der Grund: Alina verwandelt die Fotovorlagen durch subtile Neukombinationen in etwas Einzigartiges: „Meistens baue ich mir meine Bilder so zusammen und das finde ich auch schön, wenn man das spürt. Oft sehen meine Motive in echt anders aus, weil ich die Sachen, die stören, weglasse oder anders male.“ Wer in den gemalten Bildern verweilt, der verliert sich dann in der Ästhetik des leeren Raums, denn Menschen gibt es in den Bildern nicht. Der Betrachter soll die Räume als eigene Projektionsfläche nutzen können: „Ich finde es total schön, wenn ich dem Bild etwas von mir gebe und die Leute dann etwas Eigenes erkennen“, sagt sie und guckt nach links zu einem weiteren Ölbild: Man sieht Motive von Pflanzen des zeitgenössischen Künstlers Jonas Wood, die in einen industriellen Ausstellungsraum gestellt sind.

Das Bild stammt aus der Serie „West of Eden“, bei der sie Motive berühmter Maler von Wood bis van Gogh als greifbare Gegenstände in Räume integriert hat. Die Vorlage basiert auf Ausstellungsräumen, die sie auf einer USA-Reise entdeckt hat.

Die Reisen, speziell in die USA, sind sehr inspirierend. Das Spannungsfeld zwischen der Heimat München und dem Unterwegs-Sein schildert sie so: „Ich habe hier mit dem Atelier sehr gute Voraussetzungen und von hier aus kann ich meine Reisen machen. So schlimm wie alle immer tun, ist München gar nicht. München ist eigentlich schon ganz cool“. Schon bald ist es zum vierten Mal so weit. Weg aus München, auf in die USA. Bis Januar 2018 bekommt Alina in Brooklyn im Zuge eines Programms der „NARS Foundation“, das aufstrebende Künstler fördert,
ihnen ein eigenes Atelier bereitstellt.

Doch ganz gleich, ob in den USA oder in München: Das Malen auf Leinwand hat Vorrang vor dem Modeln als leere Leinwand eines Fotografen: „In meine Bilder gebe ich alles rein, was ich habe. Beim Modeln geht es um Projekte von anderen Leuten. Das sind ja gar nicht meine Ideen, die ich einbringe. Da bin ich sozusagen ein Kleiderständer.“


Text: Maximilian Weigl

Fotos: Markus Burke, Katarina Sopcic

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Max

Von wegen Sommerloch! Unser Autor macht sich auf die Suche nach spannenden Freizeitangeboten in München. Und siehe da: Er wird fündig! Auf ihn wartet eine Ausstellung im Farbenladen, das Isarinselfest und eine Menge Musik von Hip-Hop bis Metal.

Mit dem kalendarischen Sommer einher neigt sich auch der Festivalsommer
langsam dem Ende zu. Ein letztes Aufbäumen gibt es dieses Wochenende – und das
muss ich natürlich voll ausnutzen.

Los geht es am Freitag mit dem Sonnendeck
Festival
in Augsburg. Ja, richtig gehört, in Augsburg. Denn für
so ein Line-Up aus hervorragenden Münchner Künstlern, unter Anderem Henny Herz,
Xavier Darcy und DJ Fancy Footwork, verlasse ich gerne mal die geliebte
Heimatstadt.

Das war‘s aber auch schon wieder mit der Reiselust. Denn am Samstag
kann die Landeshauptstadt und ihr Umland mit einer Flut an Festivals
auftrumpfen. Durch meine Recherche für
einen Artikel
auf den Geschmack gekommen ist meine erste Station am
Nachmittag das Traditional Heavy Metal-Festival “Trveheim”, das sogar
schon gestern begonnen hat. Nachmittags spielen dort aufstrebende junge Bands
der Szene, während am Abend echte Oldschool-Legenden zu hören sind. Letztere
werde ich aber leider auslassen müssen, denn abends wartet die Innenstadt mit
einer Vielzahl an Konkurrenzangeboten auf. Da wären das Isarrauschen auf der
Praterinsel, und die Sommerfeste von Minna Thiel, Lucky Who und Kiosk 1917. Wo ich
letztendlich hingehe? Das entscheide ich wohl spontan.

Egal wo, gefeiert hab‘ ich gestern auf jeden Fall. Deswegen verbringe ich
den Sonntag vorwiegend im Bett – und das trotz traumhaftem Spätsommerwetter.
Shame on me! Naja, ich sollte mich ja auskurieren. Am Abend muss ich wieder
singen können, denn in der Milla steigt das Mitmach-Chor-Event GO SING CHOIR. Gesungen wird
genau ein Song, mitmachen darf jeder, der Lust hat.

Das war doch ein wirkliches Festivalwochenende! Am Montag ist
deswegen wieder etwas runter kommen angesagt. Was eignet sich da besser als die
Ausstellung “Samin” des
Fotografen Filippo Steven Ferrara? Im Farbenladen des Feierwerks dokumentiert
er das harte Leben der aus Teheran nach Italien emigrierten Bildhauerin Samin.
In Aussicht der herannahenden Bundestagswahl besuche ich am Abend noch das
Theater Heppel & Ettlich. Dort liest der
ehemalige Oberbürgermeister Christian Ude
aus seinem Buch
“Die Alternative oder: Macht endlich Politik!”. Das Buch, dessen
Titel unlängst von einem
AfD-Politiker für eine dubiose Wahlwerbung vereinnahmt wurde
.

Am Dienstag geht es kulturell weiter, denn ich begebe mich zunächst
auf einen Streifzug durch die Sommergalerie am Praterstrand.
Die zeigt momentan Werke von Simon James. Danach aber gleich weiter ins
Fußballstadion des FC Teutonia München. Denn dort tritt die SpVgg Unterhaching
in einem Benefizspiel gegen eine
All-Star-Auswahl der Münchner Amateur-Vereine an. Die Einnahmen aus dem Event
werden zur Restaurierung des Vereinsheims des FC Teutonia verwendet, das
letztes Jahr einem Großbrand zum Opfer fiel.

Der Mittwoch wird wieder musikalisch: Die Minna Thiel veranstaltet
im Kampf gegen das Sommerloch weiterhin regelmäßig ihre Schienenbuskonzerte. Dieses Mal mit
Stephan Worbs und Ziggy McNeill. Nach zwei entspannten Singer-Songwriter-Konzerten
habe ich aber noch Lust, ein bisschen zu tanzen. Da bietet sich heute das
Hip Hop Hooray” in der
BEARD BAR an.

Am Donnerstag beginnen drei wunderschöne Wochen für Keyboarder wie
mich. Bis 17. September nämlich werden in der ganzen Innenstadt verteilt wieder
die “Play me, I’m
Yours
”-Pianos stehen. Endlich wieder Straßenmusik mit
Klavier! Abends geht der etwas alternative Musik-Tag weiter, denn im Lucky Who
sprechen die Deutschrap-Podcaster Schacht &
Wasabi
über die neuesten Gerüchte rund um Farid Bang, Fler,
Sido und Konsorten. Und weil ich danach immer noch nicht genug habe, gibt’s bis
spät in die Nacht wieder Musik zum Mitmachen auf der Westendjam.

Das war eine anstrengende Woche! Deshalb lasse ich sie am Freitag
ganz entspannt auf dem Isarinselfest ausklingen. Auch
wenn das Fest noch bis Sonntag gehen wird, nach dieser Woche brauche ich wohl
erstmal eine Pause. Und da sag noch einer, München habe
im Sommerloch nichts zu bieten

Text: Maximilian Mumme


Foto: Serafina Ferizaj

München ist ein Hippie, aber hat kein’ Bock sich so anzuzieh’n

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Was lieben und was hassen wir an München? Was wollten wir der Stadt schon immer sagen, oder gibt es da gar nicht so viel zu erzählen? Gestern Abend wurden Fragen wie diese im Container Collective geklärt.

München ist überteuert und die Öffnungszeiten sind lächerlich. Allerdings haben wir in München auch gute Musiker, ein tolles Studentenwohnheim und Veranstaltungsorte wie das Container Collective. Und genau da wurde am gestrigen Abend über unsere Stadt gesprochen. Manche sangen Liebeslieder, andere bebten vor Zorn. München wurde zur Witzfigur gemacht, aber auch kritisch hinterfragt. Nicht selten waren es die Münchner, über die gelästert wurde und nicht die Stadt selbst, welche im Mittelpunkt aller Aufregung stand. Wer sich nicht auf die Bühne getraut hatte und dennoch eine Botschaft hinterlassen wollte, konnte seine Gedanken auf einer großen Post-It-Wand mit allen teilen. Hier einige Impressionen des gestrigen Abends.

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Text: Anastasia Trenkler

Fotos: Hubert Spangler, Amelie Völker, Sofie Jokerst, Serafina Ferizaj, Anna-Elena Knerich

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Serafina

Semesterende. Unsere Autorin will die neu erworbene Freizeit ausnutzen. Auf dem Wochenplan steht der Münchner Sommernachtstraum, das
Free &
Easy Festival und besucht die Ausstellung
„20 Jahre Münchner Schnupfen“ im Lost Weekend.

Es ist Freitag und das Semester ist um. Die
Zeit der unendlich vielen Referate ist vorbei (Studium der
Geisteswissenschaften sei Dank!) und die Abgabefristen der Hausarbeiten sind
noch weit weg. Endlich wieder Zeit, um coole Veranstaltungen besuchen zu können.
Da kommt die Bumm
Clackakademie
wie gerufen, bei der Münchner DJs wie L One, Dj Buck, Leo Lex und K-Hans-K den ganzen
Nachmittag über im Garten der Akademie der Bildenden Künste auflegen. Dort gibt
es Snacks, kühle Getränke und der Eintritt ist auch noch frei. Später geht es
ins Maxe-Belle-Spitz zum Albumrelease von Mighty
Steel Leg Experience
, wo Henny Herz und John Garner auch
auftreten werden. Ein perfekter Freitagabend, um die vorlesungsfreie Zeit
einzuleiten.

Am Samstag ärgere ich mich, dass ich es
verplant habe, Karten für das Schall im
Schilf Open Air
zu holen. Egal, das Wetter soll eh nicht gut werden.
Daher entscheide ich mich, auf das Subkultur
Open Air
zu gehen und freue mich vor allem auf die Musik der Münchner
Künstler. Später fahr ich zum Olympiapark und genieße auf dem Olympiaberg das
Feuerwerk beim Münchner
Sommernachtstraum
.

Das
Wochenende lasse ich am Sonntag auf
dem Free &
Easy Festival
so musikalisch ausklingen, wie es begonnen hat. Das Programm
ist schon mal sehr vielversprechend: Jacobey, Wendekind, The Moonband und viele
weitere Künstler treten auf.

Die neue
Woche startet mit einem eher ernsten, aber sehr interessanten Thema. Am Montagabend sprechen im Container
Collective vier geflüchtete Journalisten aus Uganda, Syrien, Afghanistan und
Nigeria zum Thema „So lebt
ihr also“
über ihren Blick auf München und Bayern. Anschließend gibt
es eine Gesprächsrunde mit dem Publikum. Ich bin sehr gespannt auf die Beiträge
und Erfahrungsberichte.

Am Dienstag zeigt mir Facebook keine coole
Veranstaltung an. Ich glaube, ich nutze den Tag, um mein Zimmer mal wieder
aufzuräumen.

Am Mittwoch besuche ich mit einer Freundin
das Lost Weekend. Dort findet die Vernissage
„20 Jahre Münchner Schnupfen“
über die ersten zwanzig
Lebensjahre des Künstlers Marc Henry in München statt. Die Ausstellung versucht,
mit den typischen Klischees über München als „Wohlstandsstadt“ zu brechen und
möchte zeigen, dass es in München viel Kunst und Kultur
gibt.

Wo wir
schon beim Thema Klischee sind: Das Brass Wiesn
Festival
, das „gschmeidigste Festival weit und breit“ beginnt am Donnerstag und dauert vier Tage. Viele
bayerische Bands, unter anderem die Jungs von dicht & ergreifend, werden
auftreten. Das ist für mich als Zurgroaste gleichzeitig noch eine weitere
Lerneinheit für die bayerische Sprache.

Und am Freitag endet die erste Woche der
vorlesungsfreien Zeit, der Sommer ist wieder zurückgekehrt und das Ritual des
Prokrastinierens geht in eine neue Runde.

Text: Serafina Ferizaj

Foto: Privat

Kunst braucht wenige Worte

Das Leben als Buch: Akademie-Studentin Asuka Miyahara stellt gemeinsam mit acht jungen Migrantinnen aus.
Mit einem Kurs möchte die Künstlerin die Mädchen dabei unterstützen,
ihre Erlebnisse in Deutschland zu verarbeiten.

Ein Stück gelbes Geschenkpapier klebt auf der ersten Seite von Asuka Miyaharas Autobiografie. Das Buch hat die Kunststudentin nicht nur selbst gestaltet, sondern auch selbst gebunden. Es hat einen blass-grünen Umschlag aus Tonpapier. Unspektakulär. Doch wenn es aufgeschlagen wird, dann erzählt es die Lebensgeschichte einer jungen Frau, 1985 geboren, die aus Tokio nach München gekommen ist für die Kunst. Über dem Papier steht mit Bleistift geschrieben „Tag 0: Ein Blatt von Kei“. Es stammt von dem Abschiedsgeschenk von Asukas guter Freundin Kei und kennzeichnet den ersten Tag der Japanerin in ihrer neuen Heimat Deutschland. Viele Erinnerungen aus den vergangenen zwei Jahren, wie ein Brief von ihrem Vater oder auch einfach nur der Adressaufkleber von einem Paket aus Japan, sind auf den folgenden Seiten der Autobiografie zu sehen. Manche sind auch einfach nur mit verschiedenen Maltechniken gestaltet, wie Marmorierung oder farbenfrohen Mustern. Das Buch ist bunt und außergewöhnlich. Genauso wie Asuka selbst. Die Studentin trägt einen bunten Rock mit Blütenprint und einen modernen Kurzhaarschnitt. Unter ihren Lippen glitzert ein kleines Piercing.

Asukas Autobiografie sollte als Beispiel dienen für den Kurs, den die Künstlerin für junge Migrantinnen aus München organisiert hat. Die vergangenen fünf Monate haben die acht jungen Frauen sich ein- bis zweimal im Monat in den Räumen des Jugendtreffs ClubIn getroffen und an ihren eigenen Büchern gearbeitet.

Vor dem ersten Treffen mit den Teilnehmerinnen war Asuka sehr aufgeregt. „Mein Deutsch ist noch etwas holprig. Deshalb habe ich mir anfangs immer alles aufgeschrieben, was ich sagen will“, sagt sie und schmunzelt. „Aber letztendlich musste ich gar nicht so viel sagen. Die Kunst braucht wenige Worte. Ich konnte ganz einfach zeigen, was ich meine.“ Genau das ist es, was die Japanerin so gerne an ihrer großen Liebe Kunst mag. Sie sagt viel aus und steht für sich selbst.

Die Angst vor dem Unterrichten auf Deutsch hat Asuka auch sehr schnell abgelegt. Das lag zum großen Teil an den jungen Frauen, die jedes Mal begeistert in ihren Kurs kamen und sich auf die nächste Seite ihrer eigenen Geschichte freuten. Die meisten der Mädchen sind als Au-pairs nach München gekommen. Sie stammen aus der ganzen Welt, von Italien, Russland, Peru bis Nepal. Viele von ihnen wollen nach ihrem Au-pair-Jahr hierbleiben und studieren oder arbeiten.

„Ich hoffe, dass ihnen das Projekt dabei hilft, hier anzukommen“, sagt Asuka. Mit ihrem Kurs möchte die Künstlerin die Mädchen dabei unterstützen, ihre Erlebnisse in Deutschland zu verarbeiten und zu dokumentieren. Sie ist stolz auf ihre Schützlinge, die nach kurzer Zeit auch selbständig Ideen eingebracht haben, ihre Bücher zu gestalten und so ihre Lebensgeschichte auf ihre eigene Art und Weise erzählen.

Auch Asuka selbst hat die Kunst geholfen, hier anzukommen. Die anfänglichen Schwierigkeiten mit der Sprache und die fremden Gewohnheiten der Deutschen hätten ihr sicher ohne ihre Kunst mehr zugesetzt. Doch eine Sache wird die Japanerin an den Deutschen wohl nie verstehen: „Sie essen immer so viel Lachs. Keinen anderen Fisch, immer nur Lachs. In Japan ist der nicht so beliebt wie hier.“ Das richtige japanische Essen vermisst sie also hier trotz der Dutzenden Sushi-Restaurants in München.

Seit vergangenem Jahr studiert Asuka nun an der Münchner Kunstakademie. Zuvor hat sie schon in Tokio ihren Bachelor in Kunst gemacht und dort kurzzeitig als Lehrerin gearbeitet. Eigentlich war ihr Plan immer, nach Berlin zu gehen. Die Kunstszene dort faszinierte sie. Doch das Studium in der Hauptstadt war dann ganz anders als erwartet. Zu trocken und der Frontalunterricht schwierig für die Japanerin zu verstehen.

Außerdem war die Konkurrenz im Künstler-Mekka Berlin natürlich riesengroß: „Ich hatte das Gefühl, wenn ich einen Kieselstein werfe, dann treffe ich in Berlin garantiert einen Künstler damit“, sagt Asuka und lacht. Also entschied sie sich für München. Trotz der hohen Mieten und des schlechten Rufs der Münchner Kunstszene – dem die Studentin entschieden widerspricht – ist sie hier glücklich. Das Studium an der Akademie lässt Asuka viele Freiheiten, die meiste Zeit verbringt sie im Atelier. Gerade arbeitet sie dabei viel mit Ölfarben und mag besonders das Dreidimensionale der Gemälde mit vielen Schichten Farbe: „Das gefällt mir eben auch an den selbst gefertigten Büchern. Man kann sie anfassen, durchblättern und spüren.“

Zwei Wochen lang sind die fertigen Autobiografien fortan in den Räumen des Internationalen Jugendtreffs ClubIn zu bewundern. Asukas Geschichte ist jedoch noch lange nicht fertig erzählt. Nach dem Studium möchte die Japanerin gerne als freie Künstlerin arbeiten und immer dort sein, wo sie gerade möchte. Ob in Japan, Deutschland oder sonst irgendwo, die Sprache der Kunst versteht man auf der ganzen Welt, auch ohne viele Worte.

Text: Antonia Franz

Foto: Bianca Bär

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Sandra

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Zwischen Genie und Wahnsinn liegt ein schmaler Grat. Um weiterhin diese Balance halten zu können tut unsere Autorin in der kommenden Woche alles, um ihre künstlerischen Adern pochen zu lassen- mit mehr oder weniger Erfolg.

Ideenreich starte ich in das Wochenende. Am Freitag lasse
ich mir aber erst einmal erklären, wie die Ideen eines kreativen Menschen, nämlich
eines Illustrators, eigentlich entstehen. Im Literaturhaus spricht Christoph
Niemann
von Alltagsdingen, die ihn inspirieren und immer wieder zu neuen
Gedankesblitzen führen.

Am Samstag erwache ich früh und fühle mich wie ein Genie,
das seine Kunst noch nicht gefunden hat. Ich gehe auf Streife durch München und
verbinde das Ganze mit einem Spaziergang durch den Nymphenburger Sportpark.
Hier entdecke ich ein handballfeldgroßes Feld, an dessen beiden Enden jeweils
drei Ringe auf Kopfhöhe aufgestellt sind. Auf der Wiese laufen zwei Teams herum
und kämpfen um einen Ball, den sie in die Ringe werfen wollen. Doch was ist
das? In ihrer Nicht-Wurfhand halten sie noch etwas anderes in der Hand – einen
kleinen Besen. Ich fühle mich stark an Hogwarts erinnert und lese tatsächlich,
dass es sich hierbei um die deutschen Winterspiele im Quidditch handelt.
Inspiriert von J.K. Rowling erschufen ein paar Studenten das Spiel für die
Realität – auch das ist etwas, das in mir die Freude an der Kunst weckt. Doch
lassen wir den Sport hinter uns, ich schwinge mich auf meinen imaginären Besen
und mache mich auf die Suche nach Kunst für die Ohren. Etwas stolprig lande ich
im Kulturkeller der Schwanthalerhöhe, wo heute das Finale der Truth or Dare –
Benefizkonzertreihe
stattfindet. Butterbier kriege ich hier leider nicht, doch
Helles für 2.50 nehme ich gerne an – immerhin bin ich mit dem Besen unterwegs.

Um nicht in meine eigene Fantasiewelt abzudriften, flüchte
ich mich in die eines anderen: Cy Twombley. Im Museum Brandhorst kostet der
Eintritt am Sonntag nur einen Euro und bietet viel Abwechslung. Twombley ist
einer der einflussreichsten, spätmodernen Künstler, er spielt mit Farben und
sogar mit Lyrik in seinen Gemälden. Ich bin beeindruckt und mache mich auf den
Weg zu einem netten Cafe, um endlich alle Inspirationen des Wochenendes
zusammenzufassen.

 Am Montag habe ich die Quidditch-Spiele noch nicht ganz
vergessen können und frage mich, wieso es eigentlich so viele Märchen und
Mythen über Hexen gibt. Das Dunkel-Mysteriöse scheint dem Menschen schon immer
sehr kunstreich zu sein. Was allerdings passieren kann, wenn sich eine Stadt
gegen Zauberei und dessen vermeintliche Anwender ausspricht, sehe ich im
Residenztheater. Dort wird heute Abend das Stück „Hexenjagd“ aufgeführt.

Am Dienstag ist dann aber Schluss mit den unrealistischen
Inspirationsquellen. Ich brauche Fakten und Zahlen von Künstlern, die es
tatsächlich geschafft haben, Vorbildcharakter für zukünftige Genies anzunehmen.
Gefunden habe ich sie schnell in der größten Konzerthalle Münchens: Die
Fantastischen Vier
 kommen in die Olympiahalle. Seit über einem Viertel Jahrhundert stehen sie gemeinsam
auf der Bühne und sind wahrscheinlich heute noch Ansporn für viele
deutsch-schreibende und -singende Künstler.

Und siehe da, ich entdecke, dass ich nicht die einzige bin,
die ihre Inspiration in der Realität sucht. Christine Umpfenbach nahm sich den
Angehörigen der NSU-Morde an und machte daraus das Theaterstück „Urteile“, das
am Mittwoch im Marstall gezeigt wird. Der riesige Baum, der kopfüber von der
Decke hängt, wäre für mich schon Stoff genug, um einen 30 Seiten langen
Lyrikband zu schreiben, doch was ich auf der Bühne zu sehen bekomme, reicht
sicherlich für die nächsten Jahre. 

Wie ich jedoch meine Theatererfahrung mit
dem künstlerischen Genie in mir verbinde, versuche ich am Donnerstag in der Bar
Corleone
herauszufinden. Hier laden die Fachschaften der Kunstgeschichte und der
Theaterwissenschaft ein zu feiern. Ich bin gespannt auf das Publikum und werde
mir von jedem Studiengang jemand schnappen, um meine Frage zu diskutieren.

Ausgelaugt erwache ich am Freitag und halte die Ergebnisse
der letzten Woche fest. Mir fehlt es weder an Inspiration, noch an dem
Workflow, daher probiere ich mich in allem aus: schreiben, malen, singen, tanzen
und hüpfen. Ich spüre das Blut in meinen künstlerischen Adern fließen und
entdecke doch ein Gefühl der Bewusstlosigkeit. All diese Künste zeigen sich mir
und doch ist es nicht eine einzige, der ich mich verschreiben kann. Ich
verkneife mir den Ausspruch eines Genies und beginne doch langsam, ihn zu
verstehen:

„Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.“  

Um dem Leistungsdruck eines Genies nicht zu verfallen und
meine Inspiration aufrecht zu erhalten, suche ich mir eine neue Energiequelle.
Ich finde sie am Freitag im Milla, wo 24/7 Powernap das Motto meines
Wochenendes wird. Entschleunigen und Abschalten bei den richtigen Beats ist
jetzt genau das, was ich brauche.

Text: Sandra Will

Foto: Privat

Pinsel statt Spraydose

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Graffiti war für Marc Henry zu vergänglich. Daher widmete er sich der Kunst, die für die Ewigkeit bleibt. Seine Bilder verkauft er mittlerweile sogar auf der
„Art Cologne”.

Marc Henry ist Maler. Sein Gesicht ist zart und blass. Seine Frisur ein moderner Undercut. Wenn er spricht, klingt er so ruhig und überzeugt, als wäre er nicht 20, sondern eher Mitte 40. Er malt mit dunklen Ölfarben auf große Leinwände – zwei Meter lang und vier Meter breit. Seine Kunst ist abstrakt. Ein Relikt aus seiner Zeit als Graffiti-Sprayer. 

Vor vier Jahren hat er die Spraydosen gegen Pinsel, Betonwände gegen Leinwände eingetauscht. Graffiti sei vergänglich und werde immer wieder übermalt, sagt Marc. Das hat ihn irgendwann gestört. Marc will mehr. „Kunst bleibt. Kunst macht unsterblich“, sagt er und legt seine Stirn in Falten. Wenn Marc über sich und seine Arbeit redet, wird er ernst. Seine Worte wählt er mit Bedacht. Der Mensch hechele seinem Drang zur Transzendenz hinterher, sagt er.  Auch Marc beschreibt sich gerne als einen Getriebenen, wie in einer der Erzählungen von Arthur Schnitzler. „Ich bin zwar erst Zwanzig, das weiß ich, aber schon jetzt bin ich ungeduldig in allem, was ich tue,“ sagt Marc. 

Der junge Mann, mit ein wenig Weltschmerz in seinen braunen Augen, hat sich die Kunst nicht ausgesucht. Künstler sei man einfach. Für ihn ist Kunst eine andere Form zu denken. Er sieht es als sein Schicksal, was ihn beschäftigt, in Bilder zu verwandeln. Grobe Striche, abstrakte Formen und Menschen geben einen Einblick in die düstere Wahrnehmung des Künstlers. „Wenn alles schön und gut wäre, dann bräuchten wir ja auch keine Kunst“, sagt er. Marcs Bilder sind düster. Das sei keine Absicht. Das passiere einfach so, sagt er. Gegen den Begriff depressiv wehrt er sich. „Melancholisch, das trifft es eher“, sagt er. Dann hält er kurz inne. Woher seine Melancholie komme, könne er mit Worten nicht beschreiben. Vielleicht sei es ein grundlegendes Unbehagen über eine Welt, in der alles schnelllebig und vergänglich sei, sagt Marc. 

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Mit seiner Generation kann er wenig anfangen. Mit seinen ehemaligen Mitschülern hat Marc nie über Kunst geredet. Gibt es überhaupt jemanden in seinem Alter, mit dem Marc über Kunst spricht? Seine Freundin. Sie ist Musikerin. Sie sprechen die gleiche Sprache, sagt Marc und lächelt. Anders als die meisten seiner Altersgenossen, kann Marc auch nur wenig mit den Sozialen Medien anfangen. „Alles ist so beliebig und keiner hat mehr einen geschärften Blick für Details“, sagt er. Dennoch benutzt er sie natürlich trotzdem – zur Vermarktung seiner Bilder. Ein Mittel zum Zweck, sagt er. Es sei ein gutes Mittel, um Aufmerksamkeit für seine Kunst zu erhalten. Marc ist ambitioniert und anders als viele Künstler seiner Generation kalkuliert er knallhart. Sein Ziel ist kein geringeres, als durch seine Kunst unsterblich zu werden. In Köln, auf der „Art Cologne“, hat er bereits zwei seiner Bilder verkauft. Der Preis: im vierstelligen Bereich.

Wenn Marc Henry selbst mal ins Museum geht und sich mit der Kunst anderer Künstler beschäftigt, geht es ihm danach meistens erst einmal schlecht. Wieder erwähnt Marc das Motiv des Getriebenen. Dann zitiert er eines seiner größten Vorbilder, Gerhard Richter: „Jedes Bild ist der Todfeind des anderen“. Dass Gerhard Richter da selbst eigentlich nur Theodor W. Adorno zitiert hat, bleibt in diesem Moment vergessen.

Von: Jenny Lichnau

Foto/Bild: Marc Henry

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Maxime

Maxime zeigt diese Woche, was es Abseits vom Fußball gibt. Für alle diejenigen, die keine schreienden isländischen Kommentatoren hören möchten, hat München einige zu bieten:   Was macht München mit mir? im Bahnwärter Thiel, Kino mit Ben Wheatleys Film „High Rise“, Kunst im Lyrik Kabinett mit  Dada today, eine Reise in die Zukunft bei STAR WARS Identities und Party beim  Uni-Sommerfest an der LMU oder  bei der Ethnoparty in der Glockenbachwerkstatt. 

Selbst unter Annahme der quantenmechanischen Viele-Welten-Interpretation gibt es wahrscheinlich kein einziges Universum, in dem mein Interessengrad an Fußball nicht gen Null tendiert. Die Regeln von Abseits finde ich  noch unverständlicher als Hegels Phänomenologie des Geistes, und Spielpläne konsultiere ich eigentlich bloß, um möglichst effizient feierwütigen Mengen in der U-Bahn aus dem Weg zu gehen. Dementsprechend habe ich für kommende Woche dann auch ein umfassendes Alternativprogramm zum omnipräsenten EM-Wahn zusammengestellt.

Freitags führt mich meine Alternativroute zu Was macht München mit mir? im Bahnwärter Thiel direkt bei der HFF. Dort erwartet die Gäste neben Musik und Getränken vor allem auch die Auflösung der titelgebenden, geheimnisumwobenen Kampagne, für die im Laufe der letzten Wochen Aussagen von jungen Menschen über die bayrische Landeshauptstadt gesammelt worden sind.

Falls das Wetter sich als nicht allzu kapriziös erweist, werde ich mich am Samstag im Anschluss an meine Klausurvorbereitungen aus meiner Höhle heraus an die im Sonnenlicht badende Isar trauen und mich dort endlich mal in Heraklits Aphorismen hineinstürzen. Zu dessen rätselhaften Sprüchen, mit denen er schon seit tausenden von Jahren für besonders schmerzhafte Knoten im Kopf sorgt, zählt unter anderem auch der Satz „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn andere Wasser strömen nach“. Welcher Ort sollte also perfekt für solch eine Lektüre geeignet sein, wenn nicht die Isar?

Sonntags zieht es mich dann nach der allwöchentlichen Probe mit meiner Band ins Kino, wo ich mir Ben Wheatleys „High Rise“ mit Tom Hiddleston in der Hauptrolle zu Gemüte führe. In besagtem Streifen, der  auf einem Roman von J. G. Ballard basiert, geht es um einen luxuriösen, abgeschotteten Gebäudekomplex, in dem sich eine Parallelwelt herausgebildet hat. Die Handlung nimmt ihren Lauf, als letzterer langsam zu zerfallen beginnt, was wiederum zu Spannungen zwischen seinen Bewohnern und damit auch zahlreichen sozialen sowie ökonomischen Fragestellungen führt.

Im Anschluss an mein Seminar zum Thema „Die Philosophie des Existenzialismus und ihre künstlerische Darstellung“ am Montag habe ich einen Abstecher in den Englischen Garten eingeplant. Dort kann ich die Erkenntnisse aus Letzterem dann auch gleich selbst in die Praxis umsetzen. Antoine Roquentin aus Sartres La Nausée nacheifernd, versuche ich genau wie er beim Betrachten der ansässigen Bäume von der Erkenntnis der Sinnlosigkeit unserer Existenz ereilt zu werden. Alternativ reichen dazu aber auch wahrscheinlich die um diese Jahreszeit notwendigerweise im Park anzutreffenden Nudisten aus.

Ähnlich sinnlos geht es am Dienstag weiter, wo ich im Lyrik Kabinett die Veranstaltung Dada today besuche, welche ganz im Zeichen der titelgebenden Kunstrichtung steht. Unter den vielfältigen künstlerischen Strömungen des 20. Jahrhunderts zählt Dada definitiv zu meinen Lieblingen. Das liegt vor allem daran, dass die ihr zugerechneten Kunstwerke es auch nach hundert Jahren noch immer zustande bringen, Menschen zur Weißglut zu bringen. Das durfte ich erst vor Kurzem in einer Vorlesung in Kunstgeschichte feststellen, als unser Dozent ein Bild von Marcel Duchamps Fountain zeigte und dieses allerlei herrlich empörte Rufe hervor rief. Dieser Ablehnung möchte ich an dieser Stelle nur ein besonders ergreifendes und treffsicheres Zitat von Hugo Ball, einem der bekanntesten Dadaisten, entgegenstellen: „gadjama bimbalo glandridi glassala zingtata pimpalo ögrögöööö“.

Inspiriert von der gestrigen Veranstaltung bastele ich mittwochs mit dem Gitarristen und Sänger meiner Band an unserem gleichermaßen dadaistischen elektronischen Sideprojekt weiter. Abends steht dann das Cinema Iran in der Stadtbibliothek München an. Da das iranische Kino in den letzten Jahren zahlreiche hochwertige Filme, wie etwa Persepolis oder den experimentellen A Girl Walks Home Alone at Night, hervor gebracht hat, freue ich mich auch umso mehr auf den Abend.

Auch der Donnerstag ist der siebten Kunst gewidmet — dann steht nämlich die noch bis Mitte Oktober in München stattfindende Ausstellung STAR WARS Identities auf dem Plan. Zu diesem Anlass schleppe ich auch extra meine Plastiklaserschwerter mit. Die haben nämlich zusätzlich den Vorteil, dass ich mich mit ihnen auf dem Weg notfalls auch gegen all jene Fußballfans, die ich mit meiner dezidierten Ablehnung gegenüber ihrer Lieblingssportart sosehr vergraule, dass sie mich mit ihrer eigenen Variation von Darth Vaders Force choke in die Mangel nehmen wollen, zur Wehr setzen kann.

Freitags lasse ich meine EM-freie Woche dann schließlich noch mit dem Uni-Sommerfest an der LMU und der parallel dazu stattfindenden Ethnoparty in der Glockenbachwerkstatt ausklingen.