Wie es euch gefällt

Was ist, wenn sich die beste Freundin nach dem Sado-Maso-Coming-out abwendet? Melanie Maier, 25, leitet den Frauentreff der Münchner BDSM-Szene. 

Melanie ist ein Switcher. Je nach Lust ist sie deshalb Sub oder Dom, wie man devote und dominante Partner in der BDSM-Szene nennt („BDSM“ bezeichnet verschiedene sexuelle Vorlieben, es sind die Anfangsbuchstaben der englischen Bezeichnungen „Bondage“, „Discipline“, „Dominance“, „Submission“, „Sadism“ und „Masochism“). Weil Melanie bisexuell und polygam lebt, kann sie ihre Vorlieben nicht nur mit dem eigenen Partner ausleben, sondern auch mit verschiedenen Partnern – beider Geschlechter.

Melanie Maier, 25, die eigentlich anders heißt, ist Mitglied der jungen BDSM-Szene in München. „JungeSMünchen“, wie die private Organisation sich nennt, hat sich aus dem bundesweit tätigen Verein SMJG gegründet, dem Jugendableger der BDSM-Szene, und ist Anlaufstelle für junge Menschen zwischen 18 und 35. 

Melanie, die als Sachbearbeiterin arbeitet, geht selbst regelmäßig zu den Stammtisch-Treffen. Zudem leitet sie den Frauen-Treff. Wie die Menschen auf die Organisation aufmerksam werden? „Gerade finden sehr viele über die Jodel-App zu uns“, sagt Melanie. Durch soziale Medien sinkt die Hemmschwelle und die Jugendlichen denken nicht jahrelang über diesen Schritt nach, sondern probieren einfach mal aus, ob die BDSM-Szene das Richtige für sie ist. Melanie findet diese Entwicklung sehr angenehm. Wer jahrelang mit seinen Gedanken alleine gelassen werde, habe später häufig eine solch hohe Erwartungshaltung, dass er nur enttäuscht werden könne, sagt sie.

Natürlich kann man Menschen ihre sexuelle Orientierung nicht an der Nasenspitze ablesen. Doch Melanie sagt sogar selbst halb im Scherz: „Meine Eltern halten mich wahrscheinlich für den langweiligsten Menschen der Welt.“ Und auch ihr Bruder, der ebenfalls in der BDSM-Szene unterwegs ist, war überrascht, als er von den Vorlieben seiner kleinen Schwester erfuhr. Er habe gedacht, sie sei prüde, sagt sie und muss schmunzeln. Wenn man sich als Vanilla – so nennen die Menschen aus der Szene jene, die nicht auf BDSM stehen – jemanden vorzustellen versucht, dem BDSM gefällt, würde man aber wohl tatsächlich vielleicht nicht zuerst an eine junge Frau mit langen, dunkelbraunen Haaren, mit einer Brille auf der Nase und einem Blümchenkleid, das bis zu den Knie reicht, denken. 

Aber so einfach ist es eben nicht. Leder oder Latex sucht man bei den Treffen vergeblich. Viele, die zum ersten Mal kämen, seien trotzdem überrascht, auf ganz normale Menschen zu treffen, sagt Melanie. Erleichtert stellen sie dann fest, dass sie gar nicht pervers sind.

„Auf dem Stammtisch treffen die Menschen auf Gleichgesinnte, die nicht nur verständnisvoll nicken, sondern auch etwas dazu beitragen“, sagt Melanie. Natürlich gibt es aber auch Freunde, die kein Verständnis aufbringen, sondern sich von einem abwenden. Melanie selbst hat zwar in ihrem Freundeskreis durchweg positive Erfahrungen gemacht, aber sie weiß auch von Fällen, in denen die beste Freundin seit dem Coming-out nicht mehr die beste Freundin ist. Dies sei auch einer der Gründe, warum viele nur innerhalb der Szene zu ihren Verlangen stehen, sagt Melanie. 

Selbst Melanie kann sich trotz aller Offenheit nicht vorstellen, mit ihren Eltern oder ihren Kollegen über ihr Sexleben zu sprechen. „Ich persönlich möchte nicht, dass meine Eltern bestimmte Bilder von mir in ihren Kopf bekommen.“ Die wenigsten – egal ob BDSMler oder Vanilla – würden doch schließlich mit ihren Eltern oder ihrem Chef über ihre Sexualität sprechen, sagt Melanie.

Obwohl in den Regeln der Organisation steht, dass flirten nicht erwünscht ist, sind die Treffen für viele die einzige Möglichkeit, gleichgesinnte Partner zu finden. Einen BDSM-Partner auf einer ganz normalen Party kennenzulernen, sei die absolute Ausnahme, sagt Melanie. Und das, obwohl man annehme, dass jeder Zehnte solche Neigungen habe, sagt sie.

Sie selbst hatte Glück und lernte ihren Partner über Freunde kennen, die nichts mit der BDSM-Szene zu tun haben. Dass er ein Erkennungszeichen der Szene trug, den Ring der O, fiel ihr erst beim ersten Date auf. Seinen Ursprung hat der Ring in dem BDSM-Roman „Geschichte der O“ von Pauline Réage. Optisch erinnert er an eine Ringschelle zum Anketten von Tieren. Doms tragen den Ring meist an der linken Hand, um den Sub beim Schlagen mit der rechten Hand nicht zu verletzen.

Gehe man zum ersten Mal auf eines der Treffen, lerne man ganz viel neue Vokabeln, um seine Bedürfnisse zu artikulieren, sagt Melanie. Ohne Übung geht es bei BDSM also weder bei der Kommunikation mit dem Partner noch beim Erlernen verschiedener Praktiken. Am Anfang erfordert das ein bisschen Mut, aber mit der Zeit lernt man, über seine intimsten Geheimnisse zu sprechen. „Heute gibt es nichts mehr, was mir die Schamesröte ins Gesicht treiben kann“, sagt Melanie und lächelt. Als Leiterin des Frauen-Treffs gibt es kaum eine Vorliebe oder einen Fetisch, den sie noch nicht kennt. Grundsätzlich gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt.

Die Community hilft einem aber auch zu erkennen, wann aus einer gesunden BDSM-Beziehung eine gestörte Beziehung wird. Mit häuslicher Gewalt und Unterdrückung habe BDSM rein gar nichts zu tun, auch wenn die Grenzen für Außenstehende schwer zu erkennen sein mögen, betont Melanie. „Safe, sane, consensual“ lautet das Konzept, also „sicher, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich“, das deshalb jedem aus der Szene geläufig ist.

Herausgefunden hat Melanie mit Anfang 20, dass sie auf BDSM steht. Davor hat sie nur das beherzigt, was ihre Biolehrerin ihr sagte: „Alles, was ihr euch vorstellt, wenn ihr mit euch alleine seid, ist in Ordnung.“ Und so ließ Melanie ihrer Fantasie freien Lauf. Als sie mit 18 ihr erstes Mal hatte, hat sie deshalb gar nicht darüber nachgedacht, dass manche es seltsam finden könnten, wenn man sie bittet, gewürgt zu werden. Heute weiß sie, dass man sich langsam vortasten muss, um seinen Gegenüber nicht zu verschrecken. 

Melanie spricht vom Luxus, sich Zeit für seine eigenen und die Vorlieben und Wünsche des Partners nehmen zu können. Es sei mehr als nur eine Befriedigung von Basisbedürfnissen. Luxus-Sex eben. Obwohl man natürlich viel Geld für Spielzeug ausgeben kann, muss Luxus in diesem Fall aber noch lang nicht teuer bedeuten. „Gerade unter Schülern und Studenten wird viel selber gebastelt und genäht“, sagt Melanie. Ein Besuch im Baumarkt oder in der Seilerei ist deshalb für die meisten BDSM-Pärchen an einem Samstagnachmittag ganz normal.

Text:

Jacqueline Lang

Fotos: Alessandra Schellnegger

Der Sonntag im Farbenladen: Ein richtiges Fest

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Am gestrigen Sonntag ist es voll geworden im Farbenladen. Nach einer entspannten Bier-Yoga Session sorgten Liann und SAMT mit ihrer Musik für gute Stimmung beim Publikum. 

„Was habe ich nur falsch gemacht?“ Das fragen sich heute die
Pumper im Fitness-Studio an der Hansastraße. Während ihnen die Schweißperlen
auf den immer noch nicht optimierten Body tropfen, sehen sie auf der anderen
Straßenseite, gut beleuchtet hinter den großen Fenstern des FARBENLADENS ihre
Artgenossen entspannt beim Yoga. Inmitten einer Galerie mit wunderschönen
Fotos. Und die trinken dabei auch noch Bier. Wie ungerecht!

Gina Weber, Gründerin von Pop Up Yoga München, steht in der Mitte
des Yogi-Kreises, zu ihren Füßen liegt ein flauschiger Elo-Rüde namens Henry,
offensichtlich schon sehr weit fortgeschritten in seiner Meditation. Gina
spricht mit meditativer Stimme: „Einatmen…und aufrichten…zur Mitte…ausatmen…und
trinken.“ Eigentlich nicht anders, als man es vom Yoga kennt. Bis auf die Sache
mit dem Trinken. Die Idee vom Bier-Yoga kommt ursprünglich aus Berlin. Aber wie
sähe das denn aus, wenn die da oben Bier-Yoga hätten und wir in München nicht. Die Bier-Hauptstadt! Unvorstellbar. Wenn die Entspannung von Alkohol und Yoga zusammenkommt, das wäre
doch was. Außerdem kann man dann vielleicht sogar ein paar mehr Männer zum Yoga
bewegen. So zumindest der Gedanke dahinter. Die Getränke werden dabei gezielt
in die Übungen eingebaut. Tatsächlich feiert das Münchner Publikum das Bier-Yoga gar nicht
so sehr wie erwartet. Ihre Besucher seien wohl wirklich integre Yogis,
schmunzelt Gina. Heute sind es sechs davon. Da geht es bei den regulären Events
des Pop Up Yoga Münchens schon anders zu, besonders im Sommer. „Wir sind dann zum Beispiel im Englischen Garten, im Olympiapark
oder vor der Pinakothek, dann sind es oft zwischen 50 und 80 Leute.“ Ein großes Yoga-Fest, egal wo. Denn beim PopUp-Yoga geht es
darum, sich überall entspannen zu können. In sich selbst zu ruhen, ganz gleich
wie hektisch und laut die unmittelbare Außenwelt sein mag. Und obwohl heute,
aufgrund der musikalischen Hochkaräter einiges los ist im Farbenladen, blicken
die Teilnehmer beseelt und glücklich drein, als sie von ihrer
Abschluss-Meditation erwachen. Sie bleiben noch lange zusammen sitzen,
unterhalten sich und schmusen mit Henry, dem das auch ganz gut gefällt.

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In der Zwischenzeit sind SAMT beim Soundcheck. Die Münchner
Pop-Band tritt erst seit Januar unter diesem neuen Namen auf. Früher hießen sie
Swallow Tailed und waren zu viert. „Das war eine schöne Zeit. Wir wollten das
so stehen lassen, deshalb der neue Name.“, erzählt Jaki, Jakob Arnu, der in dem
Trio singt und Gitarre & Keys spielt. Auch Philip Maier beherrscht diese
drei Dinge. Die beiden wechseln sich an den Instrumenten ab – ihre Stimmen
ergänzen sich sehr gut. Pia Kreissl spielt den Bass ihren point und grinst
dabei glücklich.

Der Sound ist gecheckt, die drei schlendern durch den Raum, sehen
sich die Fotografien an und begrüßen Freunde, denn jetzt spielt erstmal Kilian
Unger besser bekannt als Liann.

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„Ich würde gerne unplugged spielen, klingt jetzt komisch, aber
dazu müsstet ihr bitte herkommen und mir zuhören.“ Und siehe da, bald tummeln sich
über 50 Leute vor der kleinen Bühne im Farbenladen und Liann legt los. Und wie!
Der Junge braucht keine Kabel. Er spielt eine gute halbe Stunde, singt mit
starker Stimme und schneller Zunge. Lieder über das Leben und wie es ist und
wie es wohl werden wird. Dabei begleitet er sich souverän und rhythmisch auf
der Gitarre. Poppige Hooks und dazwischen lyrisch wertvolle
Songwriter-Passagen, das gefällt den Leuten. Die Stimmung ist ausgelassen, als
Liann zu seinem letzten Song kommt.

„Ich war ein bisschen nervös, aber ihr wart wirklich sehr nett zu
mir. Danke. Der letzte Song heißt „Eva“.“
Es läuft gut, für den jungen Münchner, der letztes Jahr seine EP
„Goldjunge“ veröffentlicht hat. Im Februar war er beim Brecht-Festival in
Augsburg zu sehen und im März spielt er dreimal Support für Elif in Heidelberg,
München und Erlangen. 2019 will er sein Debut-Album rausbringen. Obwohl er
durch seine Auftritte und Unterrichtsstunden von der Musik leben kann, schlägt
so eine Album-Produktion nochmal anders ins Gewicht. Studios sind teuer, die
Gespräche mit den Labels oft zäh, trotzdem bleibt Liann optimistisch. Das darf
er auch sein, denn in seiner Musik steckt viel Potential.

Und jetzt zu SAMT. Es wird noch ein bisschen voller im Laden und
dann fangen die drei an zu spielen. Die beiden Jungs mit Falsette-Stimmen, das
Mädchen am Bass, ein eher ungewöhnliches Setup, das ziemlich gut kommt. Der
Sound ist fresh und macht gute Laune, elektrisch ja, aber außer einem Drum
Computer instrumental gespielt und gut arrangiert. Die Musik lässt angenehme
Szenen im Kopf entstehen. Einen ganzen Film. Es ist also vielleicht kein
Zufall, dass der erste Track „Sugar“ auch in der neuen funk Webserie HIT’N’RUN
zu hören ist. Am Ende muss Jaki noch einen unfertigen Song spielen, weil das Publikum
auf eine Zugabe besteht. Bisher ist er nur auf der Gitarre geschrieben, aber
auch so schon schön. „Das war unser erstes Konzert seit langer Zeit und es war
wirklich schön für euch zu spielen.“ Am 23. März sind SAMT nochmal im Milla zu sehen und für danach
gibt es geheime Pläne. Wir werden sie wohl bald erfahren, denn SAMT wird man auf jeden
Fall noch mehr hören.

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Fotos und Text: Lukas von Stein

Es gibt gute Institutionen in München

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Standortfaktor Pop: Ist München jetzt wirklich so uncool, dass man als Band keine Chance hat? Läuft alles prima? Oder muss die Stadt weit mehr fördern als bisher? Wir haben bei Lyndenstraße nachgefragt.

Ist es leicht, eine Band in München zu gründen bzw. aufrecht
zu erhalten?

Wir denken ja, so leicht oder schwer wie überall. Es ist
vielleicht nicht so leicht einen geeigneten Raum zu finden, aber das hält einen nicht ab
wenn man für eine Sache brennt. Als Künstler muss man in München für Ateliers oder
Proberäume etwas tiefer in die Tasche greifen, dafür sind Jobs in München aber oft auch besser
bezahlt. 

Was haltet ihr von der Münchner Musikszene? Gibt es
Schwierigkeiten oder auch Vorteile?

München ist voll von hervorragenden Bands, genauso gibt es
unzählige „klingen wie“-Bands, die den Musikern dennoch großen Spaß bringen.
Manchmal wundern wir uns dass nicht alle den Drang haben etwas eigenständiges zu machen. Schwierigkeiten in der Szene sind vielleicht dass es zu
wenige zentrale Orte gibt an den Bands spielen können. Insgesamt ist der Münchner Kulturbereich oft sehr
eingeschworen und man unterstützt sich gegenseitig. Manchmal ist das positiv, für neue aber
auch manchmal negativ. Das kenne ich vor allem aus der Kunstszene. Manchmal wird nicht
gerne geteilt.

Würdet ihr euch von der Stadt mehr Unterstützung für die
Szene wünschen? Welche Art von Unterstützung? Was tut sie bislang zu wenig?

Ganz klares Ja. Es gibt eindeutig zu wenige Proberäume in der Stadt. Hier
wurde schon viel versprochen, wenig ist passiert. München hat einfach keine leeren
Brachen die irgendwie genutzt werden könnten. Alles wird sofort verwertet. Flächen für
die Kreativwirtschaft helfen Künstlern und Musikern nur wenig. Da muss eindeutig mehr
passieren. Für Künstler und Designer gibt es Atelierförderprogramme
und Stipendien, für Musiker kenne ich da noch nichts. Das mag daran liegen dass man bei
Musikern nicht direkt von einer Gewinnerzielungsabsicht ausgeht, Mieten und Equipment
etc. gehen allerdings gut ins Geld.

Haben es Bands aus München schwieriger national Fuß zu
fassen?

Schwer zu beurteilen, ich denke es ist im Grunde ziemlich
egal wo die Band herkommt.Jemand der etwas sagt wie Zitat: „das höre ich mir garnicht
erst an wenn es aus München kommt“, hat eine eigenartige Vorstellung davon wie Kultur
entsteht. Natürlich waren früher Städte, in denen man sich von einem künstlerischem
Virus anstecken lassen konnte, wichtig. Siehe Berlin, London, Liverpool, Detroit, Seattle
und tausend weitere. Seit dem Internet ist es aber jedem möglich den Horizont in jede
Richtung zu erweitern. Viel erstaunlicher finde ich dass es die meisten auf
Englisch versuchen. Jaja ich weiß, derjenige denkt und fühlt auch bestimmt englisch. Ich denke
man kann auf deutsch ganz gut die Hosen runterlassen, gefällt dann vielleicht nicht
jedem, aber auch der Inhalt darf manchmal Teil der Kunst sein.

Habt ihr persönlich schon Erfahrung mit Vorurteilen gegenüber
Münchner Künstlern gemacht?

Nein, aber so etwas wird einem ja auch nicht zwingend
direkt mitgeteilt. Die Menschen haben so manches Vorurteil. Anfang der 00er Jahre sind mir in Berlin allerdings viele
Ex-Münchner aufgefallen die sehr stolz darauf waren in Berlin zu wohnen und nicht gerne auf
ihre Heimat angesprochen wurden.

Was zeigt, dass auch München eine tolle, alternative
Musikszene zu bieten hat?

Es gibt gute Institutionen in München wie die
Glockenbachwerkstatt, Theatron, Sound of Munich now, Puls, Digital Analog, und vieles mehr. Wenn man ein bisschen die Ohren offen hält findet man
unzählige talentierte Bands in München.

Habt ihr schon mal geleugnet, aus München zu sein? Wenn ja,
warum – wenn nein, würdet ihr es tun?

Nein, wir haben grundsätzlich kein Interesse am Dialog mit
Personen die andere auf ihre Herkunft reduzieren. Das ist im besten Fall einfach dumm,
im schlimmsten Fall sehr bedenklich.

Nein, das würden wir nicht tun. Ausser wenn der Tourmanager
von Madonna darauf besteht dass
der Supportact nicht aus München kommen darf 😀

15 Minuten Vollgas

15 Minuten Vollgas

Beim Festival „Sound of Munich Now“ haben die 21 Bands nur kurz Zeit, das Publikum zu überzeugen. Ein Crashkurs durch die Szene der Stadt, der den Besuchern gefällt – und den Musikern einiges abverlangt. Auch die Shows “Sound of Munich Now Electronica”, “Sound of Munich Now International” und “Sound of Passau Now” kommen sehr gut an

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Die SZ Junge Leute Spotify-Playlist im August 2019

Die SZ Junge Leute Spotify-Playlist im August 2019

Eine Band lässt ihre Fans 13 Jahre lang auf ein neues Album warten und veröffentlicht es dann ausgerechnet im August. Wenn alle im Urlaub sind. TOOL haben schon einen seltsamen Humor. Unsere heimischen Künstler sind da meist etwas nachsichtiger mit ihren Fans. Aber auch einige von ihnen haben während der Ferienzeit neue Musik veröffentlicht. Liebe Urlauber: freut euch, wenn ihr wieder zurück seid, denn in der Heimat war während eurer Abwesenheit einiges los. Um wieder auf den aktuellen Stand zu kommen, checkt diese Liste.

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Nachhaltiger Sonnengruß

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Anna Souvignier, 25, und Sophie Zepnik, 24, bringen Hejhej-Mats, Yogamatten aus Müll, auf den Markt.

Den Planeten verändern, das fängt klein an: Stoffbeutel für den Wocheneinkauf verwenden, den eigenen Fleischkonsum einschränken, öfter mal das Rad nehmen. Auch Anna Souvignier, 25, und Sophie Zepnik, 24, ist Nachhaltigkeit wichtig. Sie dachten lange Zeit, dass sie alles richtig machten. Wenn da nur nicht das Yoga wäre. Weil es sie stört, dass ihre Yoga-Matten aus Plastik sind, wollen sie eine Lösung für das Problem finden. Sie haben ein Start-up gegründet und bringen im Herbst Hejhej-Mats, Yogamatten aus Müll, auf den Markt.

SZ: Ihr wollt mit Yogamatten aus Müll die Welt retten?
Sophie: Die Welt retten können wir wohl leider nicht, wir möchten sie aber ein Stück weit besser und nachhaltiger machen.

Und wie?

Sophie: Pro Yogamatte können etwa 1,5 Kilogramm Müll eingespart werden. Der Müll wird für die Produktion einer Matte verwendet und bekommt somit ein zweites Leben. Wir wollen nicht, dass der Abfall dort landet, wo er nicht hingehört. Im Ozean zum Beispiel.

Ihr schafft aus Müll also einen neuen Gebrauchsgegenstand.
Anna: Die Matte kann am Ende wieder recycelt werden. Wir wollen ein Rückgabesystem integrieren, sodass ein geschlossener Kreislauf entsteht und wir aus den abgegebenen Produkten neue Matten machen können.

Der Gedanke ist dennoch abstoßend.
Sophie: Warum?

Beim Yoga liegt man manchmal mit dem Gesicht auf der Matte. Das riecht doch dann streng, oder? Die Matte ist schließlich aus Müll.
Anna: Darüber braucht man sich keine Sorgen zu machen. Die Yogamatten werden aus Schaumstoffresten hergestellt, also Abfallprodukten, die beispielsweise bei der Autoindustrie übrig bleiben. Dabei handelt es sich um Schnittreste, die noch nicht benutzt wurden. Die Yoga-Matten können also bedenkenlos genutzt werden. Der Schaumstoff wird zusätzlich mit einer dünnen Schicht überzogen, damit die Oberfläche rutschfest ist. Das Produkt besteht überwiegend aus recyceltem Material, ist aber noch nicht vollkommen nachhaltig. Da wir uns momentan noch in der Prototyp-Phase befinden, arbeiten wir an diesem Punkt.

Nachhaltigkeit liegt voll im Trend.

Sophie: Ja, wir machen den Trend mit, das kommt aber nicht von irgendwo her. Wir beide haben Leadership for Sustainability in Malmö studiert. Da beschäftigt man sich mit solchen Thematiken. Und auch uns selbst liegt Nachhaltigkeit sehr am Herzen.

War das schon immer so?
Anna: Bei mir definitiv nicht. Ich habe zuerst Marketing-Management studiert. Da wird dir beigebracht, wie man Sachen möglichst billig herstellt, sie an den Mann bringt und damit viel Geld macht. Irgendwann dachte ich mir aber: Stopp mal! Kann ich nicht mehr bewirken als bloßen Profit?
Sophie: Bei mir kam das schon etwas früher, so richtig auseinandergesetzt habe ich mich mit all dem allerdings erst im Studium. Mittlerweile ist uns beiden das Thema wirklich wichtig.

Wie kamt ihr auf die Idee? Bei einer Meditation nach dem Yogakurs?
Sophie: Tatsächlich waren wir während unserer Studienzeit in einer Ausstellung mit einem nachhaltigen Thema. Es wurde auch der Aspekt der Trend-Yogis beleuchtet, die immer denken, sie wären ach so nachhaltig und sich dennoch auf Plastik dehnen und verrenken. Anna und ich hatten uns ertappt gefühlt. Als wir dann nach einer Yogamatte suchten, die bereits recycelt war, konnten wir kein solches Produkt finden. Klar, es gibt Yoga-Matten aus Kork oder Kautschuk. Das war uns aber noch nicht genug.

Hejhej-Mats startet jetzt mit Crowdfunding. Und dann?
Sophie: Das Crowdfunding wird Anfang Oktober starten. Den Onlineverkauf möchten wir im Anschluss von unserer neuen Base in München aus koordinieren.

Wieso gerade München? Leben die Menschen hier denn so ökologisch?
Anna: Wir beide haben Freunde in München. Uns gefällt die Stadt, außerdem scheint die Gründerszene hier für uns interessant zu sein. Es leben viele interessante Jungunternehmer in München.

Text: Anastasia Trenkler

Foto: Elina Nomade

Die SZ Junge Leute Spotify Playlist im August

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Mit etwas Verspätung,
aber pünktlich zum Wochenende, erscheint unsere Top-Playlist aus dem August.
Neben arrivierten Stars der Musikszene sind wie immer auch eine Reihe von
Münchner Künstlern vertreten, etwa Cosby oder Liann. So bleibt der Sommer vielleicht
doch noch etwas länger nördlich der Alpen!

 

Sookee – Q1

Als Sookee als Ersatzact für Antilopen Gang auf dem Chiemsee
Summer Festival auftrat (bevor es abgesagt wurde) war ich zuerst erstaunt, dass
die Berliner Rapperin live um einiges besser klang, als auf allen
Studioaufnahmen, die ich zuvor gehört hatte. Was mir dagegen schon immer
gefiel, waren die Lyrics ihrer Songs. Passend zur Bundestagswahl performte Sookee
ihren Track “Q1”. Im Gegensatz zu der Rapperin will ich das Vertrauen
in Deutschland noch nicht verlieren. Wählen ist wichtig und noch sehe ich mich
auf keiner einsamen Insel gestrandet.

Anastasia Trenkler

Cosby – Get Up

Neue Frisur, neuer Song, neues Video: Mit dem Song “Get
Up” hat die Münchner Band COSBY wieder einmal den Nerv der Zeit getroffen.
Ganz großer Elektro-Pop mit individuellem Charme!

Laura-Marie Schurer

Kings and Queens –
Heartbeat Synchronized

Die Band beobachte ich schon seit ihrer Gründung mit großem
Interesse, umso mehr freue ich mich, dass mit „Heartbeat Synchronized“ ein
weiterer Vorbote auf ein (hoffentlich) baldiges Album erscheint. Und wenn ein
solches Album hält, was die Single verspricht, dann steht uns eins von Münchens
interessantesten Releases bevor – mit dem Potential für einige Hits! Ich bin
gespannt!

Philipp Kreiter

Bear’s Den – Red Earth & Pouring Rain

Neue Bandsd kennenzulernen, die man davor nicht kannte,
gehört zu den coolsten Dingen auf einem Festival. Bear’s Den hab ich dieses
Jahr beim Frequency zum ersten Mal gehört, für gut befunden und seitdem immer
mal wieder angehört.

Serafina Ferizaj

Lola Marsh-Bluebird

Ängste zu überwinden
und an sich selbst zu glauben, wenn man eigentlich das Gefühl hat, dass nichts
so richtig klappen will, ist so eine Sache die jeder mal erlebt hat. Wie lange
darf man Träume haben? Und wie lange darf man sich von seinen Ängsten aufhalten
lassen? Für alle, die in diesen Tagen mit den großen und kleinen Monstern im
Leben zu kämpfen haben: dieser Song von Lola-Marsh aus Tel Aviv ist für euch. In diesem Sinne: To be free from my
fears is the only wish I have.

Ornella Cosenza

Liann – Peter Pan

Liann holt mich raus aus der schmalzigen Glückseligkeit
endloser Sommertage. Weckt in mir Vorfreude auf Teetasse und Kamin, auf
Nachdenken und Vermissen. Und auf Konzerte natürlich!

Louis Seibert

 

petra und der wolf –
Breakfast Dinner Lunch

Eingehüllt in so ein
Gefühl, eine Erinnerung, in der man sich treiben lassen möchte, wenn Sommer der
Zustand bleibt, in mir drin, egal welche Jahreszeit gerade ist. Diese
Erinnerung – wenn ich petra und der wolf höre – ist eine an Gewitter,
pitschnasse Kleidung, vor allem aber an eine ganz große Befreitheit, das Öffnen
von Welten und der Feststellung, dass alles gerade sehr glücklich ist.

Jana Haberkern

Faber – Bleib dir
nicht treu

Ich bin umgezogen. Neue Wohnung, neue Gegend, neue Möbel vom
Schweden, die es aufzubauen gilt. Mein Soundtrack beim Kistenschleppen: Das
Album „Sei ein Faber im Wind“ von Faber. Wir hängen Bilder auf und im
Hintergrund singt ein junger Mann: „Wenn du dann am Boden bist, weißt du, wo du
hingehörst.“ Irgendwie mag ich das. Traurige Stimme, dazu absolut destruktive
Texte. Stellvertretend für das ganze Album sei deshalb hier der
Anti-Motivations-Song „Bleib dir nicht treu“ empfohlen.

Carolina Heberling

Portugal. The Man – Live In The Moment

Klausurenphase. Ich am Lernen. Im Hintergrund: Irgendeine
Spotify-Playlist, die schon längst aus ist, und jetzt vom Algorithmus
generierte Lieder auf Shuffle laufen. Doch dreimal muss ich aufschauen, das
Lernen unterbrechen: Der Song gefällt mir, was ist das? Dreimal ist es ein Song
vom neuen Album von Portugal. The Man. Muss gut sein, die Scheibe, denke ich
mir. Ist gut, stelle ich fest. Besonders Live In The Moment.

Max Mumme

Käptn Peng und die
Tentakel von Delphi – Gelernt

Zugegeben, Käptn Peng kann man nicht immer hören. Manchmal
will man sich von Musik einfach nur berieseln lassen und nicht nachdenken
müssen. Das ist mit der Musik von Käptn Peng praktisch unmöglich. So geht es
mir zumindest. Dieser Mann ist ein Sprachgenie und legt seine Worte direkt in
die offene Wunde: „Wir sind ein Wunder, doch behandeln uns wie ein Produkt und
sind enttäuscht, weil jeder nur auf unsre Packung guckt.“

Jacqueline Lang

Vladimir 518 – Fakta
a fikce

Karel Svoboda und Antonín Dvořák – das war alles, was mir beim
Stichwort „tschechische Musik“ spontan einfiel. Traurig eigentlich, gerade für
eine Halbtschechin. Höchste Zeit also, mich mal mit der Musikszene in
Tschechien zu beschäftigen. Dabei bin ich auf das neue Album „Ultra! Ultra!“
des Rappers Vladimir518 gestoßen, das ich seitdem rauf und runter höre. Mein
Lieblingstrack: „Fakten und Fiktion“.

Anna-Elena Knerich


Parov Stelar ft. Anduze – Beauty Mark


Parov Stelar geht immer. Oft ganz wunderbar tanzbar, hier eher ungewohnt seicht und nachdenklich. Vielleicht liegt dieser Wandel im Stil an dem amerikanischen Soul-Sänger Anduze, mit dem sich der DJ aus Österreich für dieses Lied zusammengetan hat. Parov Stelar kann also auch schön soulig!

Amelie Völker


Foto:
Victoria Schmidt

Fremdgänger: Der Prinz und mein Pyjama

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In Oxford kann es schon mal vorkommen, dass Prinz Charles dem neuen College-Café einen Besuch abstattet. Unsere Autorin zeigt sich jedoch, im Gegensatz zu ihren aufgescheuchten Kommilitonen, unbeeindruckt vom großen Hype.

Ich bin ein Stubenhocker. Und ein Stalker. Mein College-Zimmer befindet sich im Erdgeschoss, weitab von Türen-schlagenden Mitbewohnern und nächtlichen Küchenpartys. Und die einzige Ruhestörung, der ich regelmäßig ausgesetzt bin, ist das Rattern der Waschmaschine im Zimmer über meinem Bett. Ich mag die Stille und die Tatsache, dass ich in meinem Zimmer im Pyjama am Schreibtisch sitzen und meinen Masterarbeit-Rhythmus abseits fremder Augen gestalten kann. In Bibliotheken gehe ich schon lange nicht mehr. Die sind in Oxford zwar atemberaubend schön, jedoch unruhig und überfüllt.

Neuerdings lässt mein Fenster zudem uneingeschränkte Blicke in das kürzlich eröffnete College-Café – den Hub – zu, weshalb ich mich in Momenten abschweifender Gedanken in der Position des heimlichen Beobachters wiederfinde. Natürlich, es könnte als voyeuristisch ausgelegt werden, zu wissen, wer wann Kaffee trinken geht und wer mit wem am Tisch sitzt. Allerdings manifestiert sich in diesem Raum zwischen meinem Zimmer und dem Hub auch die märchenhafte Absurdität des Lebens in Oxford.

Meine Pyjamahose ist grau mit kleinen schwarzen Herzen. Eigentlich denke ich über Postkolonialismus und Solidarität nach, als ich bemerke, dass Jasmine, eine meiner besten Freundinnen, am Fenster des Hubs sitzt. Den ganzen Vormittag über ist mir schon überdurchschnittliche Geschäftigkeit aufgefallen – von Besuchern bis hin zu Küchenpersonal, das fieberhaft Tassen von einem Ende zum anderen getragen hat. Ich schicke Jasmine eine Whatsapp-Nachricht. Die Antwort erfolgt den Bruchteil einer Sekunde später. In Großbuchstaben. „PRINCE CHARLES IS COMING! GET OVER HERE. NOW.“

Ich starre kurz auf die Herzen auf meiner Hose. Prince Charles. So etwas passiert in München nicht. Die berühmteste Person, die ich dort einmal zufällig gesehen habe, war Jürgen Vogel, oder vielleicht auch nur jemand, der so aussah wie Jürgen Vogel. Ich greife nach dem erstbesten gesellschaftsfähigen Outfit und haste zum Hub. Jasmine umklammert ihr Handy wie einen Rettungsanker und schickt ihrer Mutter in Kanada minütliche Updates. Als dann der britische Thronfolger den Raum betritt, beginnt ein regelrechtes Snapchat-Gewitter.

His Royal Highness bekommt eine Tasse Earl Grey eingeschenkt, dann werden ihm die wichtigsten Personen vorgestellt. Der Anlass des Besuchs ist das Gebäude, in dem wir uns befinden, da es sich um das erste Passivhaus in Oxford handelt, mein College ein Vorreiter im Gebiet des energiefreundlichen Wirtschaftens ist und Prince Charles sich gerne als Umweltfreund präsentiert. Er spricht mit einigen Studierenden, erkundigt sich, wie Oxford gefällt. Nachdem Jasmine ihm die Hand geschüttelt hat, sieht sie mich an und formt mit dem Mund die Worte „OH MY GOD“.

Ich frage mich, warum ich mein Handy nicht wie einen Rettungsanker umklammere, sondern lediglich mit leicht amüsiertem Interesse sowohl die Aufregung meines Umfeldes als auch die erstaunlich großen Hände des potenziellen Königs betrachte. Vielleicht stumpft Oxford mich ab. Vielleicht habe ich mich schon zu sehr daran gewöhnt, dass es hier möglich ist, Berühmtheiten wie einem waschechten Prinzen oder auch Bernie Sanders die Hand zu schütteln – unter Umständen sogar im Pyjama. Vielleicht ist es aber auch das Bewusstsein, dass die Tatsache, dass ich sie treffen durfte, zwar mit Sicherheit eine gute Geschichte abgeben wird, aber nichts daran ändert, dass ich eine halbe Stunde später wieder im Pyjama an meiner Masterarbeit schreiben werde.

Text: Theresa Parstorfer

Foto: Privat

Zeichen der Freundschaft: Tag, Nacht und Abenddämmerung

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Unsere Autorin hat das Gefühl, immer weniger mit ihren zwei besten, langjährigen Freundinnen gemeinsam zu haben – fühlt sich jedoch so wohl wie eh und je in ihrer Gesellschaft. Das Eine schließt eben das Andere nicht aus.

„Und, wie findet ihr das?“, fragt Michelle und schaut uns mit vor Begeisterung leuchtenden Augen und vor Freunde aufgerissenem Mund an. Wir sind in irgendeinem H&M-, Zara- oder Pimkie-Laden am Berliner Kudamm. „Das sieht aus wie eine Tischdecke“, sagt Caro, die bei Kleidung hohe Ansprüche hat, man könnte sie fast schon als Mode-Nazi bezeichnen, während ich versuche, zu überspielen, dass mir das alles eigentlich total egal ist und ich hoffe, dass unser Shopping-Tag endlich bald vorbei ist. Ich bestärke Michelle darin, das zu tragen, was sie will und nicht auf andere zu hören, schon gar nicht auf Caro, die inzwischen schon genervt mit den Augen rollt.

Während beide noch die Pro und Kontras des vielleicht bald neuen Kleids von Michelle diskutieren, denke ich darüber nach, wie wir hier gelandet sind. Die beiden sind schon seit der Schulzeit meine besten Freundinnen und ich konnte viele erste Male meines Lebens mit ihnen teilen: meinen ersten Liebeskummer, meine erste schlaflose Nacht aufgrund eines schrecklichen Horrorfilms, mein erstes Mal in einem Club, bei dem wir offiziell eigentlich nur bei einer Pyjama-Party bei Michelle Zuhause waren.

Ein paar Stunden später wollen wir, nachdem wir auf einem Konzert einer meiner Lieblings-Alternative-Rock-Bands aus New York waren, ein bisschen Berlin erleben und gehen natürlich in einen Techno-Club. Keiner gefällt das so richtig außer mir, und so finde ich mich nur ein paar Stunden später nach vielen Bier und langen Diskussionen um 4 Uhr morgens mit Caro am Rand im Matrix-Club wieder, bekannt aus der Serie “Berlin Tag & Nacht", und wir schauen Michelle kopfschüttelnd beim Tanzen und Grölen zu.

So viel uns damals miteinander verbunden hatte, heute sind wir umso unterschiedlicher. Während Michelle und ich inzwischen kaum noch etwas gemeinsam haben, fast schon wie Tag und Nacht sind, findet sich Caro irgendwo in der Mitte, ich würde sie als Abenddämmerung bezeichnen.

Was uns heute noch verbindet, ist nicht mehr die Liebe zur gleichen Musik, zu den gleichen Filmen oder die gleichen Hobbys. Heute ist es eine Vertrautheit, die uns zusammenhält, sich miteinander wohl zu fühlen, alle Sorgen hemmungslos teilen zu können und sich ohne Probleme auf liebevolle Art und Weise übereinander lustig zu machen. Wir kennen unsere Fehler, wir sagen uns alles ehrlich ins Gesicht.

Manchmal, wenn wir so zusammen sitzen, dann können Caro und ich uns nur lachend anschauen, während Michelle uns gefühlt wieder von jeder einzelnen Sekunde der letzten Party mit ihren neuen Freunden aus der Uni erzählt. Wir unterbrechen sie nur, um irgendeinen blöden Kommentar einzuwerfen. An solchen Abenden finde ich es schön, zusammen rumzublödeln ohne sich Gedanken zu machen, wie peinlich und kindisch wir von außen wirken könnten. Ich fühle mich irgendwie einfach wohl, irgendwie sorgenlos, irgendwie vertraut, irgendwie so, als wäre ich wieder 16.


Text: Gabriella Silvestri

Foto: Yunus Hutterer

Die SZ Junge Leute Spotify Playlist im Februar 2017

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Diesen Monat haben
unsere Autoren wieder eine bunte und internationale Song-Mischung für Euch
zusammengestellt. Sei es der funky Oscar-Hit, melancholische Indie-Musik eines
brillianten Junkies oder Munich Locals, Abwechslung wird dieses Mal groß
geschrieben!

 John Legend – Start A
Fire

Es gab schon lang keinen Film mehr, der mich so fasziniert
hat wie La La Land. Und damit bin ich wohl nicht allein – sechs Oscars und der
“Beste Film” der Herzen sprechen für sich. Und auch im Soundtrack des
Films reiht sich ein Ohrwurm an den anderen. Doch obwohl vor der Academy ein
anderer Song besser wegkam, für mich als Funk- und Soul-Liebhaber gibt es nur
einen: “Start A Fire” des US-amerikanischen Soul-Sängers John Legend,
der im Film sogar eine Nebenrolle besetzt. Der Song wartet mit allem auf, was
das Funk-Arsenal zu bieten hat: fette Bläsersätze, mehrstimmiger Background-Gesang
und ein Synthesizer-Solo, das Keyboarder-Herzen höher schlagen lässt. Nur eins
gibt‘s auszusetzen: die Nummer ist viel zu schnell wieder vorbei.

Maximilian Mumme

 

Lewis Del Mar – H.D.L.

Der Song passt zu fast jeder Stimmung, macht gute Laune und
läuft bei mir rauf und runter. Lewis Del Mar sind ein Duo aus New York, das
seit 2015 zusammen Musik macht. Der Song stammt von ihrem Debütalbum, das insgesamt
auch wirklich hörenswert ist.

Antonia Franz

 

Little Simz, Chuck20, Josh Arce’ – 3000x

Schon Mac Millers “Watching Movies” fand ich
super, vor allem das Video dazu. Doch in “3000x” rappt die
talentierte Little Simz über Mac Millers Beat und zeigt einmal mehr, dass auch
Frauen rappen können – Hammer!

Lena Knerich

 

Loyle Carner –
Damselfly

Ich bin verliebt. In Loyle Carner und seine Musik. Der junge
Brite hat Anfang Januar sein Debütalbum Yesterday’s Gone herausgebracht, hat es
in die UK-Charts geschafft und auch in Deutschland wird er als neue Hoffnung im
Hip Hop gefeiert. Sein Stil erinnert manchmal ein bisschen an die 90er,
manchmal sind Elemente aus Jazz und Soul dabei. Das Album läuft bei mir rauf
und runter. Es gibt einfach keinen Track, der mir nicht gefällt. Damselfly ist
eher ruhig, macht gute Laune, lässt mich träumen und passt zu den ersten
Sonnenstrahlen im Frühling. Im März kommt Loyle Carner für ein Konzert nach
München und bis dahin hilft mir sein Album dabei die Schmerzen meiner
Weisheitszahn-OP zu verdrängen.

Ornella Cosenza

 

Fatoni – Authitenzität

Besonders seit dem ich Fatoni im vergangenen Monat endlich
auch einmal live gesehen habe, bin ich ein großer Fan von seinem Track
“Authitenzität”. Der Song trägt eine starke Botschaft und auch
musikalisch macht er gut was her.

Anastasia Trenkler

 

Tocotronic – Harmonie
ist eine Strategie

Es gibt Ohrwürmer, die wird man niemals los. „Where is my
mind?“ von den Pixies zum Beispiel. Oder „Katzen brauchen furchtbar viel Musik“
aus Aristocats. Und wenn so ein Lied dann einmal im Kopf ist, verfolgt es
einen. Über Stunden. Über Tage. Über Wochen. Ganz oben auf meiner
Dauerohrwurmliste: „Harmonie ist eine Strategie“ von Tocotronic. Gott sei Dank
ein richtig guter Song! Nur singe ich ihn dann auch dauernd. Zum Leidwesen
aller. Die einzige Therapie dagegen: Immer wieder anhören.

Carolina Heberling

 

Air – Les
professionnels

Ein Song, der mir sehr am Herzen liegt. Höre ich immer, wenn
ich zu meiner Freundin nach Paris fliege.

Lukas Haas

Sam Gellaitry – Long Distance

“She talk to me, And I talk to she, But the day is
coming now we must meet personally” –
Das Bild eines Jamaikanischen Rastafaris, das der Reggae-Slang des
Sängers erzeugt, passt so gar nicht zu der Vorstellung einer modernen
Internetbekanntschaft.

Hubert Spangler

 

Whitney  – Dave’s Song

Diese vor Selbstzweifel taumelnde Ballade lässt mich einfach
nicht mehr los. Klackernde Gitarren und der aufrichtige Text lösen jenen
dezenten Gefühlstornado aus, der mich auch immer wieder auf dem Heimweg einer
berauschten Nacht heimsucht. Von trauriger Melancholie berauscht lässt einen
der Refrain zurück- ein Gefühl nach dem man süchtig werden könnte.

Louis Seibert

 

Rag’n’Bone Man –
Human

Der Song “Human” von Rag’n’Bone Man trifft mit
einer Mischung aus Beats, Soul und Blues nicht nur den modernen Zeitgeist,
sondern auch mitten in die Seele. Ein wehmütiger und nachdenklich stimmender
Song gegen den Weltschmerz und das Mensch-Sein.

Laura Schurer

 

Pete Doherty – I Don’t Love Anyone (but You’re
Not Just Anyone)

Als langer und treuer Pete-Fan hab ich mich riesig gefreut,
dass er endlich nach München kam. Daher hab ich mir vor und nach dem
Konzert  sein Album “Hamburg
Demonstrations” (das live viel besser ist als die Studioversion) rauf und
runter gehört. Mit “I Don’t Love Anyone” hat er das Konzert
eröffnet-ziemlich breit, wohlgemerkt. Trotzdem (oder vielleicht auch deswegen?)
hat er eine richtig coole Version gespielt. Seitdem begleitet mich von dem Lied
ein Ohrwurm…

Serafina Ferizaj

 

The xx – Replica

Viereinhalb Jahre mussten Fans von The XX auf ein neues
Album der Band warten. Dafür wurde „I See You“ das wohl beste der drei Alben
bisher. Manchmal ein bisschen lauter und elektronischer als zuvor, aber die
gewohnten Gänsehaut-Duomomente bleibe trotzdem erhalten – zum Beispiel in „Replica“.
Musik wie ein frischgemachtes Daunenbett, bereit zum Hineinfallen lassen.

Elisabeth Kagermeier

 

Vancouver Sleep
Clinic – Vapour

Was passiert, wenn junge Menschen mit Sigur Ros und Bon Iver
groß werden. Sie wollen Musiker werden und Musik machen, mit der Menschen am
liebsten einschlafen. Echt wahr. Sagt der Sänger von Vancouver Sleep Clinic und
singt dann Sachen wie: Where my heart is there’s never a home. Schön. Im April
kommt ihre erste Platte. Und ich höre es mir an, wenn ich aufwache.

Michael Bremmer

 

Ria Mae – Ooh Love

Eigentlich ist es ganz einfach: Gute Bands haben meistens
auch gute Vorbands. Diese These wurde letztens erst wieder auf dem Tegan &
Sara Konzert in der Muffathalle bewiesen. Meine Neuentdeckung im Monat Februar
heißt deshalb auch Ria Mae, eben jene Vorband an diesem wunderbaren Abend. Und
Ooh Love läuft seitdem bei mir in Dauerschleife!

Jacqueline Lang

 

The Growlers – Night Ride

Ganz wie der Name der Band es vermuten lässt, sind The
Growlers manchmal ganz schön grantig. Die heisere Stimme vom Frontman verstärkt
diesen Eindruck nur. “Night Ride” ist eher untypisch, sehr melodisch,
aber vertraut tiefgründig – “alone with your thoughts, while your friends
are still in night clubs. over and over, and over, again. and in the end,
nothing will ever change.” Großartig.

Matthias Kirsch

 

The Living – The Person I Have Once Been

Wer The Living schon länger kennt, kann gar nicht anders,
als eine signifikante Entwicklung zu bemerken: Sie werden einfach immer besser.
Es macht verdammt viel Spaß, auf jedem Konzert wieder neu begeistert zu sein
und zu sehen, wie die junge Münchner Band immer sicherer ihren eigenen Stil
findet. Erst letzte Woche live gehört, ist „The Person I Have Once Been“ immer
noch ein Ohrwurm.

Marina Sprenger

 

Xavier Darcy – Last Days of Rome

Xavier war für mich die erste Entdeckung unserer
Farbenladenausstellung vor zwei Jahren, als er noch alleine mit Akkustik-Gitarre
und einer einzelnen EP in einer Papphülle unterwegs war. Schon damals war ich
von der kraftvollen Stimme begeistert und habe seine Entwicklung immer sehr
genau verfolgt. Jetzt ist sein Album erschienen, von dem mir besonders der
Closer gefällt, denn das hymnische „The Last Days of Rome“ erzeugt auf
Konzerten immer eine tolle Stimmung und demonstriert nochmal die ganze Power von
Xaviers Stimme. Schön!

Philipp Kreiter