Band der Woche: The Tonecooks

Ein Fundament, das zunächst unstimmig scheint: Indie-Rock und Jazz – So vielfältig wie ihre Musik ist, so divers sind auch die thematisierten Inhalte. Es geht um Weltoffenheit und das Individuum in der Gesellschaft, aber auch um Tod und Verzweiflung.

Jazz war einst heiße Musik. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war im Jazz ein emotional warmer Ausdruck möglich, den es in der so stark formalisierten klassischen Musik nicht gab. Jazz war hot. Das hat sich gewandelt. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Art, wie Jazz musiziert wurde (nicht mehr als Tanzmusik, sondern mehr als Zuhör-Darbietung), aber auch die Haltung hinter dem Jazz heruntergekühlt. Cool, das Wort, das so geläufig als positive Bezeichnung im Pop-Biz geworden ist, entstammt dieser Haltung: Emotion nicht offen zeigen, heißt das ursprünglich, sich nicht preisgeben, eben cool bleiben. 

Pop und Jazz haben musiktheoretisch viele Berührungspunkte, ausdruckstechnisch gesehen jedoch sehr wenige. Mit I Am Kloot gab es aber im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts eine Band, die die coole Jazz-Haltung in die warme Singer-Songwriter-Musik holte. Auf „Natural History“, dem ersten Album der Briten, findet sich ein lässig-groovender Jazz-Bass neben vereinzelt dahingeworfenen Harmonien auf der Akustik-Gitarre und einem sanft-schwingenden Schlagzeug. Doch der Ausdruck der Band ist warm, voller Herz, emotionalem Leid und voller uncoolem Seelenstriptease. Und mit The Tonecooks gibt es seit vier Jahren in München eine Indie-Rock-Band, die diesen Transfer von jazziger Coolness in einen emotional aufgewärmten Musikstil ebenso hinbekommt.

Indie-Rock und Jazz, das erscheint eben erst einmal kreuzverschieden. Doch das Quartett, das sich am Münchner Dante-Gymnasium kennenlernte, trägt diese Melange als Voraussetzung. So prägen das musikalische Bild der Band der Sänger, Akustik-Gitarrist und Indie-Songwriter Julius Krebs sowie der zweite Sänger und Jazz-Gitarrist Til Waldhier. Und da die vier Musiker mehr demokratische Typen sind als kunstdiktatorische Haudegen, werden diese beiden Einflüsse eben, so gut es geht, zusammen gebracht: „Wir hören vollkommen unterschiedliche Musik, ticken alle anders, aber wir finden uns in der Musik“, erklären sie. Sie bräuchten nur aufeinander hören und schon entstehe ein „einzigartiges Miteinander“, man finde sich im „Klang- und somit im Gefühlsaustausch“. Und dieser macht sich auf den ersten Veröffentlichungen der Band schon ganz gut. Die Songs, die sie im vergangenen Jahr auf dem Album „Camel in the Ghost Train“ veröffentlichten, verdichten die Jazz-Einflüsse mit klassischen Brit-Rock- und Indie-Elementen.

Die Musik der Tonecooks funktioniert dazu passend auf zwei Ebenen: Einerseits jazzen Gitarre und Schlagzeug im Opener „All I Want“ mit einer nicht zu unterschätzenden Coolness. Andererseits folgt im Anschluss die Überraschung im Stück „Waves“, das zwar instrumental immer noch jazzig geprägt ist, in der Stimme aber schon ein Art romantisches Sehnen spürbar werden lässt. Der Track „Ordam“ bekommt dann über dem Jazz schon etwas Drängendes und beinahe Flehendes im Gesang, bevor das Album schließlich mit den Zwillingssongs „Lost I“ und „Lost II“ einmal den Jazz nihilistisch ins Funkige und einmal in rollenden Indie-Rock kippen lässt. Die Welt ist voller Gegensätze. Und diesen wollen die Tonecooks in ihrer Musik einen adäquaten Ausdruck verleihen: „Themen, wie der Bezug zwischen dem Individuum und der Gesellschaft, Weltoffenheit, sowie Verzweiflung und Tod, stehen in unseren Liedern im Mittelpunkt“, erklären sie. Ihre Musik, die eben eine solche Schichtung von Nähe und Wärme, sowie Coolness und Unnahbarkeit ist, spiegelt das. Im kommenden April wollen sie eine EP veröffentlichen, deren Stil einen Ausblick auf das, ebenfalls für 2017 angesetzte, zweite Album geben soll.

Stil: Indie/Rock/Jazz
Besetzung: Julius Krebs (Akustik-Gitarre, E-Gitarre, Gesang), Adam Smolen (Bass, Gesang), Til Waldhier (Jazz-Gitarre, Gesang), Nicolas Dehais (Schlagzeug, Percussion)
Seit: 2013
Aus: München
Internet: soundcloud.com/thetonecooks

Text: Rita Argauer

Foto:

Vincent Man

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Max

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Jazz, Tag der offenen Tür an der TU und Comics – abwechslungsreicher könnte man die Woche nicht gestalten. Abgerundet wird das Ganze am Freitag dann mit einem echten Highlight, auf das so manch Münchner schon seit Wochen hinfiebert.

Endlich Freitag – für mich schon
verlängertes Wochenende, da mein Uni-Stundenplan mich an diesem Wochentag
glücklicherweise freigestellt hat. Ausschlafen ist heute auch bitter nötig,
denn der Freitagabend wird anstrengend. Für mich als Jazzliebhaber ist das dreitägige Jazzfest München Pflicht,
das schon am Donnerstag begonnen hat. Heute gibt es dort erst zeitgenössischen
Jazz mit den Wanja Slavin Lotus Eaters und darauf orientalische Grooves mit
Majid Bekkas und Biboul Darouiche. Weil ich nach dieser Jazz-Infusion total
beschwingt und alles andere als müde bin, zieht es mich weiter in den Neuraum.
Als totales Kontrastprogramm legt dort das australische DJane-Duo Nervo energetische Dancebeats
auf.

Trotz durchgetanzter Nacht kämpfe ich mich am Samstagmorgen
aus dem Bett, denn heute ist der Tag der offenen Tür am
Forschungscampus der TU München in Garching. Für mich ein Muss, war es doch
ebendieser Tag vor ein paar Jahren, der mich zum Studium an der TUM bewegt hat.
Und autonom fahrende Autos, die Forschungs-Neutronenquelle oder das Innere des
Leibniz-Rechenzentrums mit dem Supercomputer SuperMUC sind damals wie heute ein
Faszinosum. Dann aber schleunigst ab in die Heimat. Würde ich dort nicht selbst
mit einer Bigband auftreten, wäre ich wohl einen weiteren Tag Gast auf dem
Jazzfest. Verpassen werde ich da unter anderem das U.M.P.A. Jazz Orchestra der
Hochschule für Musik und Theater.

So schnell wie ich am Samstag nach Hause
gefahren bin, muss ich am Sonntag auch schon wieder zurück. Denn schon
morgens beginnt der 117. Film- und Comicmarkt München.
Und vielleicht lässt sich da ja die ein oder andere einzigartige DVD abstauben.
Am Abend wartet dann noch ein echtes Highlight, denn die Schottenrocker von Biffy Clyro geben
sich im Zenith die Ehre. Für mich definitiv ein Höhepunkt des Konzertjahres,
haben diese sich doch schon auf Rock im Park so grandios warmgespielt.

Nach diesem ereignisreichen Wochenende bin ich
ganz froh, am Montag in den Uni- und Arbeitsalltag zurückzukehren.
Abends gönne ich mir dann etwas anpruchsvollere Kultur und gehe in die Münchner
Kammerspiele, wo Autor Christian Kracht aus
seinem mit dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichneten Werk “Die Toten” liest.

Am Dienstagabend muss ich wieder selbst
ran, Generalprobe mit der Band steht an. Deshalb bin ich auch etwas weniger
frustriert, dass die heutige Ausgabe des Isar Slams, Münchens größtem Poetry
Slam, bereits ausverkauft ist. Ansonsten hätte ich mich wohl vor das Ampere
gestellt und auf einen spontanen Ticketkauf gehofft.

Die kleine Pause tut mir aber auch ganz gut,
denn am Mittwoch gibt’s wieder volles Programm. Zunächst sprechen an der
LMU Journalistin Stefanie Lohaus und Soziologe Andreas Kemper über Frauen und Geschlechterbilder bei AfD und Pegida.
An der anschließenden Diskussion werde ich wohl nicht mehr bis zum Schluss
teilnehmen können, denn ich muss gleich weiter ins CINEMA zur Vorpremiere von “Doctor Strange”. Auf
den bereits vierzehnten Film aus dem Marvel-Universum freue ich mich besonders
wegen Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle und den beeindruckenden
Spezialeffekten.

Meine Woche lasse ich mit zwei
Konzertabenden ausklingen. Am Donnerstag will ich ein weiteres Mal meinen
Jazzhunger stillen und gehe ins Sophia’s zu “Sophia’s goes Jazz”. Dort
tritt der großartige Münchner Sänger Adriano Prestel mit seiner Band auf.

Am Freitag ist wie immer Jamsession in
der Glockenbachwerkstatt, bei der ich ein recht häufiger Gast bin. Doch auch
diesen Freitag hält mich ein anderes Event von der Session fern. Die KYTES machen auf ihrer Tour zum
neuen Album “Heads and Tales” Station in der Muffathalle. Das darf ich mir auf
keinen Fall entgehen lassen. Weil ich nach dem Konzert mit Sicherheit noch
nicht genug haben werde, plane ich auch bereits die KYTES Aftershowparty ein.
Und damit steht auch fest: am Samstag mache ich erst mal nichts – außer
Schlafen.

Von: Maximilian Mumme

Foto: Serafina
Ferizaj

Band der Woche: Jules

60 Konzerte spielt Jules im Jahr. Oft ganz intim in irgendeinem Wohnzimmer in Deutschland. Jetzt sollen mehr Menschen von ihrem außerordentlichen Talent erfahren. Sie arbeitet an ihrer Debüt-Platte – ein Best-of-Album.

Best-of-Alben sind nichts für junge Künstler. Und schon gar nicht eignen sich diese retrospektiven Reste-Rampen als Debüt-Album. Doch die Münchner Sängerin und Songwriterin Julia Nagele veröffentlicht nun ein erstes Album, das gleichzeitig auch so etwas ist wie der Katalog ihrer bisherigen gesammelten Werke. Die erprobt sie immerhin schon seit Teenager-Zeiten und präsentiert sie in mehr als 60 Konzerten pro Jahr. Auch dafür hat sie sich ein besonderes Format ausgedacht: die professionalisierte WG-Jamsession. Zum dritten Mal ist sie nun schon auf eine Wohnzimmer-Konzert-Tournee durch unzählige Privat-Behausungen der Republik gefahren. 

Julia Nagele, die sich als Musikerin Jules (Foto: Christopher Klaus) nennt, vermischt dabei auf funktionierende Weise Do-it-Yourself-Kultur mit dem Konzept eines professionellen Musikerlebens. Das beginnt bei ihrer Ausbildung. Denn anders als so viele schön singende Teenager entschließt sich Julia nach dem Abitur tatsächlich zum Gesangstudium. Erst an der Munich Jazz School, mittlerweile studiert sie Jazz-Gesang an der Musikhochschule Mannheim. Doch mit dem akademisierten Jazz-Betrieb hat die Musik, die sie selbst macht, nichts zu tun. Die klingt zunächst einmal handgemacht. Sparsam instrumentiert mit ein wenig Percussion, Klavier und Akustik-Gitarre schreibt sie seit Jahren kontinuierlich Songs, die gut und leicht hörbar sind und sich in jedem Kaffeehaus gut machen würden. Doch die Qualität dieser Musik zeigt sich dann in der detailreichen Harmonik, die Julia mit ihrer Jazz-geschulten Stimme und in intelligenten Arrangements unauffällig aber tiefenwirksam in ihre Musik zu packen vermag. Das ist etwas, das man nicht in den Open-Stage-Sessions der Stadt lernt, sondern nur durch eine stete Konfrontation mit den eigenen musikalischen Grenzen. Um das zu erkennen, dafür ist die Do-it-Yourself-Musikerin Julia jedoch akademisch genug, wenn sie etwa über ihr Musikhochschulstudium sagt: „Ich stoße dabei täglich an meine Grenzen, deshalb ist es manchmal auch erschöpfend. Meistens ist es aber einfach interessant, was es alles zu entdecken gibt, was Musik alles bedeuten kann und wie unterschiedlich der Umgang mit ihr ist.“ Besonders spannend sei für sie jedoch, wie sich die Charaktere der einzelnen Musiker in ihrem Spiel widerspiegeln. Und damit reißt Julia die Musik zurück in den subjektiven Ausdruck, der ihr ebenso vertraut ist.

Und nun soll es also – nach langem Musizieren in verschiedensten Formationen – endlich ein Album mit ihrer Musik geben: „Das Album ist ein Sammelwerk der vergangenen sechs Jahre und beinhaltet Lieder über das Leben, die Liebe, die Reise aus dem Nest sozusagen.“ Der etwas verschwimmende und allgemeine Posten, den sie mit dieser Aussage bezieht, ist bei Julia aber ebenso in ihre Ästhetik eingeschrieben wie ihre Art, diese glatte Oberfläche immer wieder ganz subtil zu verziehen. Das zeigt sich schon darin, mit wie vielen verschiedenen Musikern sie für dieses Album zusammen gearbeitet hat. Den Kern bilden Jan Dittmann am Kontrabass und Julian Losigkeit am Schlagzeug, hinzu kommen Bläser und sogar ein Streichquartett. Um die Produktion, die Veröffentlichung und die Konzerte kümmert sich Julia aber – ganz dem Underground entsprechend – wieder alleine. Um ihr Debüt-Best-of-Album zu finanzieren, hat sie dafür ein Crowdfunding-Projekt initiiert, das unter www.startnext.com/jules noch bis Sonntag, 22. Mai, läuft. Dass sie als Gegenleistung für die Finanzierung unter anderem Wohnzimmerkonzerte anbietet, verwundert dabei überhaupt nicht. 

Text: Rita Argauer

Band der Woche: Eva Klein

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Die bayerische Heimat als Sehnsuchtsort. Bei der Songwriterin Eva klein ist das keine kitschige “Musikantenstadl-Musik”, sondern eine zugängliche Mischung aus Jazz, Country und Chanson. Dabei erinnert sie auch immer wieder an die Tragik einer Edith Piaf und die jazzige Leichtigkeit von Norah Jones.

Das mit der Volksmusik ist so eine Sache. Im englischsprachigen Raum hat die zum Beispiel einen enorm guten Ruf: Folk konnte sich als sich immer wieder erneuerndes Genre etablieren, das dadurch jung blieb und die abgehalfterte Kitsch-Reproduktion der Volkstümlichkeit nur einen kleinen Teil des Stils ausmachte. Auch in Frankreich hat das Chanson einen besseren Ruf – auch bei der Jugend, die sich im Normalfall ja ganz gerne von der älteren Generation abgrenzt. In Deutschland war das, was man Volksmusik nannte, lange gleichbedeutend mit einer gewissen Fernsehsendung, die künstlich inszeniert und seltsam jovial von einem längst vergangenen süddeutsch-geprägten Idyll erzählt. Gerne wird belächelt, dass sich der „Musikantenstadl“ gerade umbenannt hat. Doch es ist auch symptomatisch für das, was mit der Volksmusik passiert: Wenn versucht wird, mit dem neuen Titel „Stadlshow“ einer Glamour-Pop-Kultur hinterher zu kommen, die eigentlich auch schon wieder überholt ist, während Bands wie Kofelgschroa dem Stadl in Sachen authentischer Volkstümlichkeit den Rang abgelaufen haben.

Die Songwriterin Eva Klein (Foto: David Friedmann) kommt auch vom bayerischen Land. Und sie hätte mit ihrer Stimme, ihren melodischen Einfällen und ihrem Gitarrenspiel wunderbar an Claudia Koreck und ihren Mundart-Songwriter-Pop anknüpfen können. Der war zwar nicht ganz so weit vorne wie besagte Oberammergauer Blaskapelle, aber für das Musikantenstadl doch zu rau. Doch Eva Klein interessierte sich mehr für die Folk-Musik anderer Kulturen. Und die hat sich schon viel besser in der hiesigen Popkultur durchgesetzt.

So verbindet die Songwriterin Jazz, Country und Chanson zu einer eben durchaus sehr zugänglichen Mischung. Denn die Zugänglichkeit – wenn Hörer der Musik einfach folgen und schnell darauf einsteigen können – ist vielleicht eines wenigen Kriterien der Folk-Musik, das immer noch uneingeschränkt gilt, weil es die Musik von der Kunstmusik abhebt. Bei Eva Klein kommt hinzu, dass sie sich, obwohl sie nach der Jugend auf dem oberbayerischen Land in Regensburg studiert hat und mittlerweile in München lebt, immer das Ideal des ländlichen Idylls bewahrt hat und dieses als Sehnsuchtsort behält. Die Musik dient ihr so auch dazu, dieses Idyll für sich selbst festzuhalten und zu beschreiben und damit an eine breite Öffentlichkeit zu gehen. Mit ihrem Debüt-Album „Nothing to add“, das 2014 erschien, bündelte sie diese sehr zeitgenössische Vorstellung von Folk. Das trägt eben die Tragik einer Edith Piaf genauso in sich wie die jazzige Leichtigkeit von Norah Jones. Und mit ein bisschen Balkan-Rhythmik und Wechselschlägen wie in ihrem Song „I was Wrong“ kann sich das tatsächlich eine ganz volksnahe Wirkungsweise bewahren.

Von der Songwriter-Musik der zahlreichen Open-Stages ist sie damit weit entfernt. Ihre Musik, die sie live im Trio mit dem Kontrabassisten Flo Streitwieser und dem Gitarristen Tim Turosov präsentiert, ist gesetzt, etwas brav, ja erwachsen. Diese Musik klingt eher in einer gediegenen Bar als in einem Indie-Club. Doch auch das passt zu dieser Neuauffassung von Volksmusik. Denn das ist eine ähnliche Funktion, die früher Blaskapellen in Wirtshäusern übernahmen. Dabei spricht sie eine Generation an, für deren musikalische Sozialisation der Neo-Bayern-Beat, den LaBrassBanda auf den Plan brachte, zu jung ist. Doch für diese Hörerschaft hat sie mit dem Aufgreifen und Abbilden einer gegenwärtigen Popkultur eine Musik geschaffen, die man getrost als Volksmusik ohne Folklore bezeichnen kann; und die 60 Jahre Popkultur und Globalisierung genauso vereint wie die leichte und unaufdringliche Zugänglichkeit, die Volksmusik braucht.  

Stil:Songwriter / Folk und Country

Besetzung: Eva Klein

Aus: München

Seit: 2014

Internet:www.evakleinmusic.com

Rita Argauer

Foto: David Friedmann

Bamesreiter Schwartz Orchestra

Das Bamesreiter Schwartz Orchestra wirkt ein bisschen wie aus einer anderen Zeit. Aber vielleicht genau deshalb begeistert das Orchester mit ihrer Musik, welches sich am Beginn der Unterhaltungsmusik, an Jazz und Swing, orientiert.

Dass Musiker in Anzügen auftreten, ist außerhalb der Klassik längst vorbei. Doch nicht nur deshalb wirkt das Bamesreiter Schwartz Orchestra ein wenig aus der Zeit gefallen. Auch der Name erinnert an ein Tanzorchester der Zwanzigerjahre, das zu Paartanz aufspielt statt zu einzelgängerischem Techno-Gewackel. Und ähnlich gesetzt geben sich auch die beiden Band-Leader und Komponisten Lukas Bamesreiter und Richard Schwartz (Foto: Philip Seybold). Dass die Band, besser: Dass das Orchester dann auch schlicht nach den beiden benannt ist, ist selbsterklärend.
Doch andererseits hat ein derartiges musikalisches Unterfangen im Jahr 2015 auch den Witz, den Inszenierungswillen und den Größenwahn, den erfolgreiche Musikprojekte derzeit brauchen. Und wenn man sich auf die Strenge einlässt, ist diese Musik die konsequenteste Ausführung des Retro-Wahns aktueller Pop-Kultur: Das Bamesreiter Schwartz Orchestra geht ganz zurück zu den Anfängen der Unterhaltungsmusik, als Jazz und Swing einen musikalischen Umbruch einleiteten. So sind die beiden Musiker, die gerade ihren Bachelor an der Münchner Musikhochschule gemacht haben, auch ganz gegenwärtig. Immerhin schreiben sie zeitgemäße Musik für 24 Musiker, die alle Anfang bis Mitte zwanzig sind. Doch die Form, die sich Lukas und Richard dafür ausgesucht haben, ist eine alte; und eine, die nicht ganz unkompliziert ist: „Finanziell ist man mit einem zeitgenössischen Orchester heutzutage eigentlich auf einem unmöglichen Posten“, erklärt Richard. Sein Kollege Lukas beschreibt den logistischen Aufwand, den es bedeutet, wenn man Orchester abseits von Strukturen der Hochschule oder des Klassik-Marktes gründen und erhalten möchte, über ein kompliziertes Gleichnis: Der direkte Weg, nach dem Studium als Musiker in einer Combo zu spielen, wäre etwa, ein Trio zu gründen. Ein großbesetztes Orchester aber ist für Lukas der größtmögliche Umweg, „aber wunderbarerweise lohnt es sich“, fügt er an.
Dass die beiden sich dort zu Hause fühlen, merkt man den Stücken jedoch an: Indie-Gitarren-Riffs treffen dabei auf eine jaulend-klagende Swing-Trompete, ein unsteter Epilog, der vom Ensemble-Einsatz nicht in Lautstärke und Drama getrieben wird, sondern in modern reduzierte, kühle Rhythmik mündet. Gerade arbeiten sie ganz pragmatisch an einem Finanzierungskonzept für ein Album und Konzerte – denn kaum ein Club kann mehr als die Anfahrtskosten für die Band, deren Mitglieder in ganz Deutschland verteilt wohnen, bezahlen. Und nebenbei schreiben die beiden gerade an der Musik für ein Ballett. Ganz als würden sie in einer anderen Zeit leben.  

Rita Argauer

Foto: Philip Seybold

Stil: Jazz / Orchester
Besetzung: Lukas Bamesreiter (Posaune, Dirigat, Komposition), Richard Schwartz (E-Gitarre, Komposition), plus Orchester
Aus: München
Seit: 2013
Internet: www.facebook.com/BamesreiterSchwartzOrchestra

Miriam Green (Jazz / Pop / Klassik)

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Jahr: 2014, Woche: 44

Sie studiert Oboe und präsentiert nun ihre ganz eigene Popmusik. Zusammen mit Katja Khodos am Klavier schafft Miriam Green Lieder, die teilweise nach einer zeitgenössischen Variante des Kunstlieds klingen.

Um ein klassisches Instrument auf Orchester-Niveau spielen zu können, verlangt es Musikalität und Interesse. Aber vor allem muss die Liebe zu dem Instrument so stark sein, dass der Großteil der Freizeit mit dem Üben verbracht werden kann. So auch bei Miriam Ströher, die sich als Musikerin Miriam Green (Foto: Dominik Engelmann) nennt. Ihr Weg von der Klassik zum Pop verwundert nicht. Sie habe angefangen, Popsongs zu schreiben, erzählt sie, als sie mitten in der Nacht in der Münchner Musikhochschule war und zu müde gewesen sei, um noch weiter Oboe zu üben. Dieses seltsam quakende Instrument, das auch heutzutage in kaum einem anderen Genre als in den klassischen Orchesterwerken vorkommt, studiert die Musikerin.

Eigentlich hat sie schon immer Songs geschrieben. Nur habe die Klassik immer im Vordergrund gestanden – erst während des Studiums traute sich die Musikerin mit ihrer eigenen Musik heraus. Doch richtige Popsongs sind das eigentlich auch nicht. Zusammen mit ihrer Kommilitonin Katja Khodos am Klavier schafft Miriam Lieder, die teilweise nach einer zeitgenössischen Variante des Kunstlieds klingen oder jazzig-groovend an die frühe Fiona Apple erinnern. Musiker-Profis, die ihr ab und an ein Schlagzeug oder einen Bass dazu einspielen, die finden sich an der Uni genug – live tritt sie derzeit zusammen mit Katja am Klavier auf. Am Anfang hat Miriam ihre Songs selbst produziert; hat mit dem E-Piano aufgenommen und Schlagzeug- und Bass-Samples dazu gebaut. „Dafür habe ich mich total geschämt“, sagt sie, da spricht die Klassikerin aus ihr, denn sie mag synthetische Instrumente überhaupt nicht. Mittlerweile hat sie mit ihren Hochschulkollegen eine EP aufgenommen, die im Dezember erscheinen soll.

Miriam hat eine weiche Stimme, textet mal auf Englisch, mal auf Deutsch. Und mal klingen die Songs mehr nach Songwriter-Pop, mal mehr nach Vocal-Jazz. Doch am Auffälligsten ist Miriams Umgang mit musikalischen Strukturen. Die sind nämlich weit entfernt von dem, was der Pop so bereit hält. Ihre Art, aus Text ein Musikstück zu schaffen, erinnert mehr an das klassische Kunstlied, etwa in dem Stück „Ganz vielleicht“. Der Text wird weich von Katjas Klavier umhüllt, scheint kein Ziel zu verfolgen und verliert sich dennoch nicht – später kommt darin auch noch die Oboe zum Einsatz. Noch eine Seltenheit, die sich Miriam in nächster Zeit aber öfter trauen will, um Ausdrucksformen für ihr im Pop völlig untypisches Hauptinstrument zu finden. Rita Argauer

Stil: Jazz / Pop / Klassik
Besetzung: Miriam Ströher (Gesang, Komposition, Oboe), Katja Khodos (Klavier), wechselnde Gastmusiker
Aus: München
Seit: 2014
Internet: www.miriamgreen.de

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Bitte noch einmal „Atemlos“

Über 40 Leute sind zur ersten Probe des Chors „Anchora“ aus Freising gekommen. Im Programm hat der Jazz- und Pop-Chor unter anderem Lieder von den Backstreet Boys und den Monday Tramps. Ein Interview mit dem Chorleiter Lukas Maier.

Freising – Lukas Maier, 23, hat gemeinsam mit Mimi Neumair, 24, vor einem Jahr in Freising das junge Chor-Projekt „Anchora“ ins Leben gerufen. Er arrangiert die Stücke und sitzt am Klavier, sie dirigiert. Das Konzept ist einfach, der Andrang jedoch so groß, dass die beiden Musik-Lehramtsstudenten sich inzwischen zu einem Aufnahmestopp gezwungen sehen.

SZ: Ihr leitet einen kostenlosen Chor für junge Menschen – eigentlich nichts Ungewöhnliches. Wie erklärt ihr euch den riesigen Ansturm?
Lukas Maier: Ganz ehrlich: Wir können uns das selbst nicht erklären. Die erste Probe haben wir nur über Facebook angekündigt, und es kamen schon 40 Leute. Und von Woche zu Woche wurden es mehr. Bei 100 Mitgliedern mussten wir irgendwann sagen: Okay, piano, mehr geht nicht.

Was bringt all diese Menschen zu euch?
Die meisten unserer Mitglieder haben das musische Gymnasium in Freising besucht, an dem wir beide unseren Abschluss gemacht haben. Das sind Menschen, die neun Jahre lang Musik als Hauptfach hatten.

… und dann nach dem Abschluss plötzlich nicht mehr musizieren?
Genau. Mimi und ich haben nach dem Abitur an der Schule als Assistenz für die Chorwochen gearbeitet und kennen deshalb Ehemalige aus ganz verschiedenen Jahrgängen. Bei einigen habe ich mir gedacht, dass sie später Musik zum Beruf machen würden. Aber viele studieren jetzt etwas ganz anderes, kommen nicht mehr zum Singen oder finden einfach nicht den Chor, der sie anspricht.

Und ihr wollt diese Lücke schließen.
Als Chor-Assistenz konnten wir beide viel Erfahrung sammeln. Das hat uns das Selbstbewusstsein gegeben zu sagen: Okay, jetzt probieren wir es.

Was ist bei euch so anders als an anderen Chören?
Viele Mitglieder sagen, es sei viel ansprechender, wenn Menschen im eigenen Alter den Chor leiten – professionell, aber auch locker – und sich jeder direkt mit einbringen kann. Ich kann die allgemeine Stimmung bei den Proben aufgreifen und Arrangements nach Geschmack des Chores umsetzen. So kam es auch dazu, dass ich mich irgendwann der Mehrheit gebeugt habe und „Atemlos“ von Helene Fischer arrangiert habe.

Wirklich? Die wollen allen Ernstes Helene Fischer singen?
Ja, das liebt der Chor. Ich werde nicht zulassen, dass wir das in unser nächstes Konzert einbauen, das ist für mich als Musiker zu demütigend. Aber das ist immer das Zuckerl am Ende der Proben: „Dürfen wir noch einmal Helene Fischer rocken?“ – „Ja, okay …“

Wie sieht euer Repertoire abseits von Helene Fischer aus?
Wir sind ein Jazz- und Popchor. Bei unserem ersten Konzert haben wir zum Beispiel Backstreet Boys, den Pokémon-Titelsong und das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ in komplett neuer Fassung gesungen – aber auch ein Arrangement der Münchner Band Monday Tramps.

Interview: Susanne Krause

Pour Elise (Songwriter-Jazz-Pop)

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Jahr: 2014, Woche: 43

Pop-Harmonik verbindet die Musik von Pour Elise mit Jazz- und Soul-Einflüssen. Henny Gröblehner stellt sich mit ihrer Band der Herausforderung, Wohlfühlmusik zu machen, ohne belanglos zu klingen.

Ein richtiges Schimpfwort ist das geworden: Wohlfühlmusik. Doch die Kunst, Musik zu machen, die schmeichelnd weich um die Ohren fließt, ohne in der Belanglosigkeit zu verschwinden, ist eine Herausforderung. Die Münchner Songwriterin Henny Gröblehner stellt sich dieser – und seit sie ihre Musik mit der Stimme ihrer Schwester Johanna und einer Band verstärkt, gelingt ihr das.

Pour Elise (Foto: Finn Fado) nennt sie sich und ihre Band. Eine Anspielung auf das wohl berühmteste Halbtonthema der Klavierliteratur. Doch bei Henny ist das kein Einschmeichel-Versuch beim Klassik-Publikum. Ihr zweiter Vorname ist Elise – und ihre Eltern (beide Berufsmusiker) haben sie tatsächlich nach Beethovens bekanntem Klavierstück benannt. Und das Klavier ist auch ihr Instrument, doch da hört es dann auch schon wieder auf mit dem Klassik-Bezug – obwohl Henny natürlich klassischen Unterricht gehabt hat.

In ihrer Musik verbindet sie eher bekannte Pop-Harmonik mit Jazz- und Soul-Einflüssen. Leicht und ohne Druck spielt die Band dazu – aufrütteln tut das nicht, doch die Spannung liegt in den Details des Arrangements, die die Band davor bewahren, zu eindimensional zu klingen. Etwas, das auch am zweistimmigen Gesang der beiden Schwestern Johanna und Henny liegen mag – eine stimmliche Zusammenkunft, der anzuhören ist, dass die Schwestern schon als Kinder zusammen gesungen haben, so nah sind sich die beiden Stimmen. Die loungige Lässigkeit ihrer Songs erinnert dabei ein wenig an die Jazz-Popperin Norah Jones, doch die Musik trägt den Indie-Geist des Schwestern-Duos First Aid Kit in sich. Eine Leichtfüßigkeit, die auch der Banderfahrung ihrer Mitmusiker geschuldet sein dürfte, die sowohl bei der Retro-Rock-Band Famous Naked Gipsy Circus als auch bei dem experimentellen Trio L’egojazz gespielt haben.

Nun steht die Veröffentlichung ihres Debüt-Albums an. Zehn Songs sind es geworden, die von Gitarre, Bass, Schlagzeug und ab und an auch einer Geige begleitet werden. Am Donnerstag, 23. Oktober, stellen sie das Album live im Münchner Milla-Club vor. Rita Argauer

Stil: Songwriter-Jazz-Pop
Besetzung: Henny Gröblehner (Gesang, Gitarre, Klavier), Johanna Gröblehner (Gesang, Geige), Sebastian Böhme (Gitarre), Johannes Oberquer (Bass), Guido Kudielka (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2012
Internet: www.pour-elise.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Peter Fischer (Jazz / Kabarett)

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Jahr: 2014, Woche: 40

Peter Fischer spielt gekonnt und virtuos Klavier, erzählt dabei singend schaurig-zynische und mitreißend-lustige Geschichten. Sein Headset gibt ihm die Freiheit in der Kopfdrehung vom Musiker zum Märchenonkel zu werden.

Ein ziemlich uncooles Accessoire hat Peter Fischer (Foto: Peter Keller) seit Kurzem. Ein Headset, also ein Mikrofon, das irgendwie um den Kopf geschnallt wird, mit dem Zweck, den Kopf des Sängers mobiler zu machen. Das letzte Mal waren die Dinger zur Erfolgszeit von Britney Spears in Mode – die zu ihrem Gesang ja live meist mit vollem Körpereinsatz tanzte. Doch bei dem Münchner Musiker und Kleinkünstler Peter Fischer macht dieses Teil trotz seines schlechten Images Sinn. 

Denn Peter Fischer spielt Klavier – und das ziemlich gekonnt und ziemlich virtuos. Aber noch viel wichtiger ist: Über sein Spiel erzählt er singend schaurig-zynische und mitreißend-lustige Geschichten. Und da es unhöflich ist, beim Geschichtenerzählen seine Gesprächspartner nicht anzusehen, aber Klaviere meist nicht so frontal auf einer Bühne stehen, dass der Spieler ohne Probleme direkt ins Publikum blicken könnte, spielt Peter eben nun mit Headset. Das gibt ihm die Freiheit in der Kopfdrehung vom Musiker zum Märchenonkel zu werden. Und dieser Moment ist bei Peter Fischers Musik auch ausschlaggebend.

Peter Fischer, der im vergangenen Jahr diverse Songslams, die gerade so en vogue sind, meist preisdekoriert verlassen hat, hat eine ganz frische Art des Musikkabaretts für sich erfunden. Er erzählt dabei etwas altklug vom Alltäglichem, auch dem alltäglichen Scheitern, schafft es aber immer, den nötigen Abstand zur eigenen Eitelkeit zu halten. Denn eigentlich schöpft Peter Fischer aus einem ziemlich großen Können: Sein Klavierspiel ist so professionell, dass er ohne Probleme perlende Läufe oder groovend rhythmische Figuren herunterbrettert und dazu völlig unabhängig und unbeeinflusst singt.

Man hört die klassische Ausbildung in seiner Musik heraus – doch studiert hat er Sprachen. Und nun vermischt der 27-Jährige dieses erlernte Können zu einer Musikform, die im Popkontext aber eigentlich nur relativ selten auftaucht. Fischer nimmt in seinen Beobachtungen nicht nur die Arbeits- oder Liebeswelt auf die Schippe, sondern auch immer wieder sein eigenes Metier: Etwa wenn er einen Song über das Bonmot „Once it’s a mistake, twice it’s Jazz“ schreibt, in dem er die musikalischen Disharmonien parallel zu den Fehlern in seinem Leben setzt.

Und diese Mischung funktioniert. So sehr, dass Peter Fischer seine Auftrittsmöglichkeiten gerade ausbaut. So spielt er nicht nur in Indie-Clubs, sondern auch auf Kleinkunstbühnen, als Barmusiker und auf privaten Feiern. Eine eigene Nische, ganz abseits der zeitgenössischen Popmusik. Rita Argauer

Stil: Jazz / Kabarett
Besetzung: Peter Fischer (Gesang, Klavier)
Aus: München
Seit: 2013
Internet: www.pianovocals.de

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Levantino (World / Jazz / Indie)

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Jahr: 2014, Woche: 15

Die Band Levantino aus der oberbayerischen Provinz vermischt in ihrem Debütalbum “Chapter One” verschiedene kulturelle Einflüsse. Die Texte sind auf Jiddisch, Spanisch und Französisch.

Diese Abgründe sind gefährlich. Wenn ein junger Erwachsener, aufgewachsen in der oberbayerischen Provinz, auf Jiddisch, Spanisch und Französisch singt, wirkt das schnell aufgesetzt. Die Gefahren der Weltmusik sind sowieso nicht ohne, gerade wenn man sich ein Image verpasst, das mit dem eigenen Kulturkreis herzlich wenig zu tun hat. Wenn dann die verschiedenen kulturellen Einflüsse auch noch so wild durchmischt werden wie auf „Chapter One“, dem Debütalbum des Trios Levantino (Foto: Karl Heinz Wilker), produziert das erst einmal mehr Fragezeichen als Antwort.

Auf dem Album finden sich instrumentale Jazz-Stücke, ein Cover des Chansonniers Jacques Brel und swingende Klezmer-Songs – doch Levantino schweben da leichtfüßig darüber und wischen sämtliche Schrecksekunden und Zweifel durch eine Selbstverständlichkeit hinweg. Vielleicht kommt die von der so grundverschiedenen Herangehensweise des Trios: Sie begannen nicht als Indie-Rock-Band, die sich irgendwann einen medienwirksameren Stil verpasst, sondern als Schulband, die auf Hochzeitsfeiern und in Hotelbars auftrat. Und in diesem Genre ist Musik, die unterhalten soll, noch nicht so negativ behaftet. Ihr Ruf hat sich schnell vom heimatlichen Bad Aibling nach München getragen. Maßgeblich durch den Volkstheater-Intendanten Christian Stückl, der sie als Band für seine Geburtstagsfeier ebenso engagierte wie als Musiker für das Stück „Ghetto“. Es folgte ein Plattenvertrag beim Weltmusik-Jazz-Label GLM und der Umzug der Jungs in die Landeshauptstadt.

Hier haben sie nun einen Probenkeller und treten eigentlich nicht mehr auf Hochzeiten auf, erzählt Sänger Michl Bloching. Und hier würden sie nun gerade auch mehr als Band zusammen wachsen. Als Band, die eigene Stücke schreibt und die mittlerweile einen ganz ungewöhnlichen Stil gefunden hat. Rita Argauer

Stil: World, Jazz, Indie
Besetzung: Michl Bloching: Gesang, Klarinette, Saxofon; Max Bloching: Kontrabass; Tom Wörndl: Gitarre
Aus: Bad Aibling / München
Seit: 2010
Internet: http://levantino.de/
www.facebook.com/levantino.official