Band der Woche: Rey Lenon

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Die Sängerin Lena Britzelmair wurde in München durch ihre Band Tonwertkorrektur bekannt. Seit einem Jahr ist sie auch als Solokünstlerin unterwegs: Rey Lenon hat nun ihre ersten drei Songs veröffentlicht. 

Bei Opern fragt man sich ja manchmal, wo denn nun eigentlich das Drama in der Musik liegt. Wird die Oper wirklich erst zur geschichtenerzählenden Aufführung, wenn die Sänger – kostümiert und in einem Bühnenbild – ihre in der Musik beschriebenen Handlungen szenisch vollführen? Oder sind Opern so komponiert, dass die Musik an sich schon voll dramatischer Erzählkraft ist und das Szenische ein illustrativer Zusatz ist. Wenn man die Musik der Münchner Musikerin Lena Britzelmair hört, glaubt man gerne daran, dass Musik durchaus dramatisch erzählen kann – auch ohne Kostüme, ohne Bühne, schlicht wenn man sie nur über Kopfhörer hört. Denn Lena Britzelmair – man kennt sie in der Münchner Szene als die Sängerin und Pianistin des Art-Rock-Trios Tonwertkorrektur – hat eine Stimme, der man das klassisch geschulte Drama anhört. Und sie hat auch keine Scheu, diese Fähigkeit für ihre Popmusik-Projekte zu nutzen.

Seit etwa einem Jahr arbeitet sie nun an einem Solo-Projekt. Unter dem Namen Rey Lenon hat sie die ersten drei Songs daraus veröffentlicht. Und in denen liegt eine musikdramatische Qualität, die in der Münchner Popszene selten bestechend ist. „Fight me like a real man“, singt sie etwa im Song „War“. Großer Satz, noch größerer Songtitel. Ja, hier wird eine Geschichte erzählt, die so groß erscheint, dass sie vielleicht schon die Überhöhung inne hat, die man aus der Kunstform Oper kennt – nicht aber aus dem Indie, wo gerne in vermeintlicher Authentizität tiefgestapelt wird. Lena aber baut in ihrer Musik ganze Welten auf, die in sich geschlossen sind, und in der Dinge passieren dürfen, die der Privatperson Lena normalerweise nicht passieren. Und das ist ausgesprochen schön. Denn Lena entkoppelt ihre Musik so von der biedermeierlichen Geste des Privaten, die Indie-Musik derzeit so gerne zeigt.

Lena gelingt mit diesen Solo-Stücken noch etwas: Ihre Band Tonwertkorrektur war live eine Wucht, da blies ein Sturm aus Klavier, Bass und Schlagzeug von der Bühne. Lena – inklusive ihrer klassisch geschulten Klavier-Skills und ihrer ebenso gut ausgebildeten Stimme – raste tollkühn über die Klaviatur und durch Stimmlagen, ihre Mitmusiker setzten ein ebenso fülliges Bett aus Bass und Schlagzeug darunter. Doch während einen Tonwertkorrektur ab und an ein wenig im musikalischen Aussagewillen überrannte – schlicht weil die drei Instrumente oft alle auf sehr hohem Niveau sehr viel spielten und bisweilen in Konkurrenz zu Lenas Stimme um Aufmerksamkeit standen – hat Lena nun in ihrem Solo-Projekt dieses Problem gelöst. Obwohl die Musik auch von befreundeten Musikern eingespielt wurde, hat sich das Klangbild verändert. Anstatt der rasenden Klavierschläge spielt Lena nun auch Synthesizer, insgesamt erklingt die Musik mehr als eine Einheit, man hört weniger die einzelnen Instrumente heraus, eine elektronisch-synthetische Wolke hat sich über das Klangbild gelegt. Das gibt Raum für Lenas Stimme. Und lässt der Musik eine innere Kraft, die nun auch in aufgenommener Form bestehen bleibt – und nicht so auf die Live-Energie angewiesen ist, wie das bei Tonwertkorrektur der Fall war.

Und so erscheint Lena als Rey Lenon plötzlich wie die aufgewühlte Version der schwedischen Musikerin Fever Ray. Das dürfte sich noch verstärken, wenn sie in Zukunft eine Kooperation mit den DJs und Produzenten von Baal eingehen wird. Denn die erschaffen eine recht erfolgreiche Mischung aus klassisch-pompösem Gestus und kühler Elektronik. Lenas Stimme dürfte sich da gut einfügen. Bis dahin probiert sie aber ihre neue Stücke erst einmal live aus. Etwa am Samstag, 30. Juli, auf dem Subkultur Open-Air im Alten Schlachthof in Fürstenfeldbruck.  

Stil: Kammer-Pop / Elektro
Besetzung: Lena Britzelmair (Gesang, Keyboards, Songwriting), als Gäste: Johannes Wendler (Gitarre, Synthie), Ludwig Hanisch (Bass), Florian Häring (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2015
Internet: www.soundcloud.com/user-778908050

Text: Rita Argauer

Foto:

Veronika Christine Dräxler

Neuland: BAAL

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Für Matthias Dräxler und Matthias Schüll von BAAL heißt es bald Abschied nehmen: Das Deep-House Duo zieht nach Berlin. München bleibt aber natürlich trotzdem Heimat.

Matthias Dräxler, 26, und Matthias Schüll, 31, von BAAL ziehen nach Berlin. Die elektronische Musikszene in München ist zwar seit einiger Zeit aufstrebend, mit Berlin aber immer noch nicht vergleichbar, sagen die Musiker des Deep-House-Duos aus Fürstenfeldbruck. Deshalb spielen zwar viele Berliner DJs in München, ihren Lebensmittelpunkt haben aber die meisten in der Hauptstadt. Es geht BAAL aber nicht in erster Linie darum, schneller erfolgreich zu werden, sondern sie wollen neue Eindrücke sammeln. Wären sie neu im Geschäft, wäre es blauäugig, direkt nach Berlin zu gehen, sagt Dräxler, aber da sie schon seit längerer Zeit öfter in Berlin spielten als in München, sei ihr Schritt gut durchdacht. Zudem wissen sie, dass es vor allem im Club Ritter Butzke viele Leute gibt, die sich auf die Zusammenarbeit freuen. Der Abschied von München fällt BAAL aber natürlich trotzdem nicht leicht. „Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Schüll. Deshalb findet am Dienstag, 26. April, ein Abschiedskonzert im Buck Rogers in Fürstenfeldbruck statt – vor allem von ihren Freunden dort wollen sich die beiden gebührend verabschieden.   

https://soundcloud.com/baalsound

Von: Jacqueline Lang

Foto: Daniel Krölls

Sophie und Chris

Sie produzieren Elektro-Songs, die eigentlich Singer-Songwriter-Stücke sind: Das Duo Sophie und Chris kommt  aus musikalisch unterschiedlichen Richtungen,die die beiden miteinander kombinieren.

José Gonzáles’ herzzerreißende Akustik-Gitarren-Version von „Heartbeats“ hat mittlerweile den gleichen Kultcharakter wie das Original. Der Elektro-Pop-Hit des schwedischen Duos The Knive, der auf dem schmalen Grat der Club-orientierten Ballade tanzt, offenbart seine Songqualität zur Gänze in dieser akustischen Coverversion: Sein Skelett ist ein klassisch schöner Pop-Song, der mittels elektronischem Gewand modernisiert wurde. Eine ganz ähnliche Bewegung macht das Münchner Duo Sophie und Chris (Foto: Luisa von Witten/ LVW). Unter ihren schlichten Vornamen produzieren die beiden Elektro-Songs, die eigentlich Singer-Songwriter-Stücke sind.
 Ihre musikalische Beziehung begann ganz pragmatisch: Der DJ Chris Siebler entdeckte Sophie Kronfellners Musik im Internet – und fragte die Sängerin, ob sie ihm ihre Stimme für einen Remix, an dem er gerade arbeitete, leihen würde. Doch zum Glück blieben sie nicht in dieser tradierten Rollenverteilung, vielmehr begannen sie, ihre verschiedenen musikalischen Qualitäten in Jam-Sessions zusammen zu werfen. Beide haben schon länger Musik gemacht: Sophie spielt Klavier und Gitarre und bewegte sich damit im Singer-Songwriter-Milieu, Chris spielt diverse Blasinstrumente, produzierte seine Musik aber elektronisch. Doch innerhalb des vergangenen Jahres schrieben die beiden eine EP zusammen: Sophies klare Stimme wird dabei um harte und zum Teil ganz schön wilde Beats ergänzt. Es rumpelt, bleibt im Rhythmus stecken, kreischt mit wilden Synthies, bevor sich ein fließender Sound durchsetzt und Sophies Stimme den Raum bekommt, sich entfalten zu können. Doch das sind Gegensätze, die durchaus gewünscht seien, wie Sophie erklärt. Denn: Dadurch würden sich die sonst etwas beschränkten Möglichkeiten der Songwriter-Musik erweitert. Eine Ergänzung, die nicht nur in eine Richtung funktioniert: elektronischer Musik fehlt oft die Dramaturgie von Pop-Songs – etwas, das Sophie in Chris’ Musik recht unkompliziert einfließen lässt.
 Neuentdeckungen, Unvoreingenommenheit und den Umgang mit den verschiedenen Einflüssen verarbeiten die beiden gerade zu einer „Serie“ von Songs. Als Teil der Soundcloud-Generation orientieren sie sich nicht mehr so stark an traditionellen Formen wie einem Album, sondern an der Set-orientierten Zusammenstellung, die man auch von DJs kennt. Doch als sie im vergangenen Jahr auf dem Utopia Island Festival das erste Mal live auftraten, war das eine traditionelle Band-Erfahrung, die sie unbedingt bald wiederholen möchten.  Rita Argauer

Stil: Elektro-Pop/Singer-Songwriter
Besetzung: Sophie Kronfellner (Gesang, Songwriting), Chris Siebler (Produktion)
Aus: München
Seit: 2014
Internet: soundcloud.com/sophie-chris

NalaN (Hipster-Pop / Alternative-Elektro)

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Jahr: 2014, Woche: 47

Schulband mal anders: Die beiden Musiker von NalaN haben sich an der Kunsthochschule kennengelernt. Sie machen Hipster-Pop ohne dem Trend blind zu folgen.

Romy Schneider formte einst den Prototyp der Swimmingpool-Begeisterten. Und sowohl der Retro-Look des Films von 1969 als auch die Mischung aus Krimi, südfranzösischer Hitze und Sexyness trifft den Kunstakademie-Schick von heute ganz gut. Das Duo NalaN (Foto: Rosanna Graf) passt da gut hinein. Immerhin haben sich die beiden Musiker Nalan Karacagil und Nikolaus Graf an der Münchner Kunsthochschule, „in der Klasse Metzel“, wie sie konkretisieren, kennengelernt. Wenn auch nicht beim Studieren, sondern beim Konzert eines Freundes dort, was aber auch nur zeigt, wie sehr neue Pop-Trends häufiger in Kunstklassen als an Musikhochschulen entstehen.

Denn hippen Pop, das können die beiden: Im Video zur ersten Single „Vision“ paddeln sie mit der gelangweilten Attitüde der permanenten Verfügbarkeit durch einen Swimmingpool, der klassischer nicht aussehen könnte. Und so stark diese Bilder sind, in ihrer Musik schaffen die beiden genau die Mischung aus Verwaschenheit und aktuellen Pop-Trends, die sowohl in kleinen Underground-Läden funktionieren kann als auch – Lana del Rey machte es vor – auf den großen Pop-Bühnen. Sängerin Nalan Karacagil setzt ihre zugänglichen Melodien dabei unaufgeregt auf einen mechanisch-geräuschlastigen Beat. Für die nötige harmonische Unterfütterung sorgen wolkige Synthie-Akkorde. Für die heutzutage nötige Uneindeutigkeit sorgt hingegen eine verhangene Soundästhetik, die viele Assoziationen zulässt, aber nichts zu fies in den Vordergrund drängt: etwa R ’n’ B-Linien, Fiona Apples letzte Field-Recording-Platte, Achtzigerjahre-Pop und die verhallten Stimmen von Warpaint oder Zola Jesus.

Nalan und Nikolaus wissen genau, was sie da tun. So auch, wenn sie für kommendes Jahr ein Album mit dem Titel „Collaboration rules the Nation“ ankündigen. Klar, sie schließen sich aktuellen Pop-Trends an, haben aber genug Attitüde, die Mode immer wieder ins Absurde und Verfremdende zu rücken. Und dieser Mechanismus ist es, der meist die zukünftigen Trends erst schafft. Rita Argauer

Stil: Hipster-Pop / Alternative-Elektro
Besetzung: Nalan Karacagil (Gesang), Nikolaus Graf (Produktion)
Aus: München
Seit: 2014
Internet: www.nalankara.bandcamp.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Baal (House / Elektro)

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Jahr: 2014, Woche: 38

Die beiden Musiker Matthias Dräxler und Matthias Schüll geistern schon länger in der Münchner Club-Szene herum. „Bei all der Partymusik bleibt der Inhalt oft auf der Strecke“, sagt Matthias Schüll, sie hätten da irgendwann eine Leere in sich gespürt. Und dieses Loch stopfen sie nun mit allem, was der Mystizismus und die Spiritualität der Menschheitsgeschichte so zu bieten hat.

Große Worte spucken die beiden Musiker einfach so aus. Als hätten sie sich völlig befreit von all der coolen Zurückhaltung und der Uneindeutigkeit ihrer Generation. Das Münchner Duo Baal nimmt den Mund voll (Foto: Ann-Sophie Wanninger): Sie benennen sich nach einer mystischen Gottheit, bringen eine Single heraus, die von DJ Hell gefeiert wird und betiteln einen Track mit nichts Geringerem als dem religiösen Anfang allen Lebens: der biblischen Genesis. Doch mit Phil Collins leichter Zugänglichkeit hat das alles wenig zu tun. Baal ist finster, übellaunig und Metaphern-schwanger.

Die beiden Musiker Matthias Dräxler und Matthias Schüll geistern schon länger in der Münchner Club-Szene herum. So veranstalten die beiden Fürstenfeldbrucker unter dem Namen Konta regelmäßig Tanzpartys und machten auch immer wieder selbst Musik. Doch als Baal soll das nun alles anders werden, obwohl die Musik immer noch elektronisch ist. „Bei all der Partymusik bleibt der Inhalt oft auf der Strecke“, sagt Matthias Schüll, sie hätten da irgendwann eine Leere in sich gespürt. Und dieses Loch stopfen sie nun mit allem, was der Mystizismus und die Spiritualität der Menschheitsgeschichte so zu bieten hat: Jericho, Genesis, Gottheiten, Neubeginn und Rache. „Wir mögen die Ambivalenz von Baal“, erklärt Matthias Schüll, diese spirituelle Figur eines Gottes oder einer Götze, die ihr Gesicht verändert, je nachdem, aus welcher religiösen Tradition heraus man sie betrachtet: „Gut und Böse, echt und falsch, Licht und Dunkel“, nennt das sein Kollege Matthias Dräxler.

Ob sich all diese Geschichten nun tatsächlich erzählen, wenn man der Musik von Baal lauscht, ist letztlich aber völlig irrelevant. Die Grundlage ist immer noch House: schiebende Bassdrums und pumpende Bässe. Doch darüber erklingen etwa im Track „Jericho“ synkopierte Staccato-Streicher, die irgendwann von wohl gesetzten Funk-Bläsern abgelöst werden. Die Kraft, die so viele verschiedene Klangfarben der synthetischen Musik geben, ist spannend. Nach bejubelten DJ-Sets arbeiten sie gerade an der Live-Umsetzung ihrer Musik, die am Donnerstag, 25. September, zum ersten Mal im Münchner Harry Klein stattfinden soll.

Ein bisschen wünscht man sich, dass sie irgendwann nicht mehr nur die Synthesizer live bedienen werden, sondern sich zu ihren Computer auch tatsächlich ein paar Trompeter auf das DJ-Pult setzen, die den mystischen Marsch live durch den Club blasen.  Rita Argauer

Stil: House / Elektro
Besetzung: Matthias Dräxler, Matthias Schüll (beide Produktion)
Aus: Fürstenfeldbruck
Seit: 2014
Internet: www.baalmusic.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Kurimelo (Indie-Elektronik)

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Jahr: 2014, Woche: 13

Julian Klaas alias Kurimelo kreiert in seinem Zimmer Musik, die an Radiohead erinnert. Als Einfluss gibt er jedoch klassische Musik an. In seinen Stücken hat das klassische Streichinstrument Geige aber noch keinen Platz gefunden.

Ganz kleinteilig arbeitet der Münchner Musiker Julian Klaas. Als Kurimelo (Foto: Laura Kansy) bastelt er in seinem Zimmer mit Computer und Stimme seine Musik. Elektronische Klangschnipsel verbindet er dabei zu Tracks, die in ihrer Kompliziertheit an die Solo-Alben von Radioheads Thom Yorke erinnern und zwischen Hintergrund-Ambient-Sounds und emotionaler Unmittelbarkeit schwanken. Eigentlich kommt Julian aus einer ganz anderen Ecke der Musik. Mit vier Jahren begann er Geige zu spielen, Bach und Brahms gibt er als seine Einflüsse an. Musik also, die entstand, bevor Computer, Synthesizer und verstärkte Gitarren Einzug hielten in die Komposition. Und mit der Klassik hat er seine Jugend verbracht: Als Jungstudent an der Münchner Musikhochschule. Später studierte er dann Geige in Spanien und lernte nebenbei Klavier.

Umso erstaunlicher ist es, dass in seiner Musik, die er als Kurimelo nun am Computer macht, das Streichinstrument bisher noch keinen Platz gefunden hat. Einzig ein Klavier taucht manchmal sample-artig in den zerstückelten Songs auf. Über dieses unruhige Soundbild, die zitternden Beats und die sich zerstreuenden Klangflächen setzt er jedoch einen Gesangsstil, der das alles zusammenhält: Er singt fast ausschließlich in leicht-hauchender Kopfstimme, legt aber mehrere Gesangsspuren übereinander. Das jedoch nicht, um Mehrstimmigkeit zu erzeugen, sondern um durch minimale Verschiebungen in Klangfarbe und Timbre die Stimme plastisch und ebenfalls fast elektronisch erscheinen zu lassen.

Im vergangen Jahr spielte er sein erstes Konzert auf der Schaustelle der Pinakothek der Moderne und veröffentlichte seine erste EP im Internet. Und nun soll 2014 ein Album folgen. Rita Argauer

Stil: Indie-Elektronik
Besetzung: Julian Klaas
Aus: München
Seit: 2013
Internet: www.facebook.com/Kurimelo; kurimelo.bandcamp.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

i.n.phonium (Jazz / Elektro / Swing)

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Jahr: 2013, Woche: 50

Erst als Swing mit Elektrobeats und Basssynthesizern unterlegt wird, kann dieser Stil die Partyszene in München erobern. i.n.phonium mischen sie ihre eigenen organisch-jazzigen Songs mit Schnipseln aus der Vergangenheit und den elektronischen Synthie-Sounds der Gegenwart.

Ausgelassenes Tanzen und ein wenig Verruchtheit – dafür steht seit den Zwanzigerjahren der Swing. Doch weil die heutige Generation es gewohnt ist, fette Bässe und fiese Beats zu hören, musste eine kleine Modifikation her. Die mitreißenden Bläserlinien und groovenden Piano-Figuren des Swing in allen Ehren: Erst als angefangen wurde, diese mit Elektrobeats und Basssynthesizern zu unterlegen, konnte dieser Stil die Partyszene erobern.

In München gibt es da als Reihe etwa SwingThing – und die kann seit ihrer ersten Geburtstagsparty vor etwa einem Jahr wiederum mit einem ganz besonderen Act aufwarten: Die Band i.n.phonium (Foto: Tanja Seifert) gründete sich eigens für die Veranstaltung, weil sie dieser gerade so beliebten Tanzmusik wieder mehr Live-Charakter geben wollte. Für Gitarrist Christian Preunkert und Schlagzeuger Sascha Ibel war das der nötige Anstoß, ihrem losen Jam-Projekt eine einheitliche Richtung zu geben. Mit der ausgebildeten Musical-Sängerin Daniela Ascherl und dem Jazz-Saxophonisten Michael Schreiber rüsteten sie sich zum Quartett auf und spielen tatsächlich einen neuen wie mitreißenden Stil: Sie nutzen sowohl das bekannte Prinzip des Elektroswings, das Samplen alter LPs, als auch den donnernden Effekt eines Live-Schlagzeugs. So mischen sie ihre eigenen organisch-jazzigen Songs mit Schnipseln aus der Vergangenheit und den elektronischen Synthie-Sounds der Gegenwart.
Ihr Ruf, nicht nur als tanzbare Live-Band, sondern auch als visuell interessante Schau, spricht sich nun herum. Mit authentischen Klamotten, Verkleidungen und Tanzeinlagen, die sie auf jedem Konzert zeigen, schaffen sie die zu ihrer Musik passende Atmosphäre. Und obwohl sie sich eines so alten Stils der Unterhaltungsmusik bedienen, sind sie in Münchens Musiklandschaft eine erfrischende Ausnahme, klingen neu und anders. Am vergangenen Freitag haben sie ihre neue Single „Moonwalk“ unter inphonium.bandcamp.com veröffentlicht.
Rita Argauer

Stil: Jazz, Elektro, Swing
Besetzung: Christian Preunkert: Electronics, Gitarre, Bass; Sascha Ibel: Schlagzeug, Gesang; Daniela Ascherl: Gesang; Michael Schreiber: Saxophon
Aus: München
Seit: 2012
Internet: www.inphonium.de, www.facebook.com/inphonium

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.