Für eine „grüne“ Wüste

Alida Johannsen bekämpft mit Kaffeesäcken die Versandung.

Von Annika Kolbe

Der Klimawandel ist ein Problem, das alle betrifft. So weit, so bekannt. Die Folgen waren in diesem Sommer auch in Deutschland zu spüren. In südlichen Ländern erleben die Menschen dagegen schon seit Jahren Dürre, Verwüstungen und Ernteausfälle. „Wir können zwar nicht die Welt retten, aber ich möchte dem Klimawandel etwas entgegensetzen und gleichzeitig den betroffenen Menschen helfen“, erzählt die 21-jährige Alida Johannsen aus München. Deshalb hat sie sich mit sieben anderen Studenten über die Initiative Enactus gefunden und so das Projekt Greendesert unter der Leitung der Münchnerin Caroline Busse ins Leben gerufen.

„Ziel dieses Projektes ist es nicht, dass wir daran Geld verdienen, wir arbeiten alle non-profit, sondern dass unser Projekt unabhängig wird und langfristig bestehen kann“, sagt Alida.

1700 Studierende aus
Deutschland engagieren sich
bereits in solchen Projekten

Enactus ist eine weltweite Initiative, die jungen Menschen eine Plattform bietet, damit sie mit unternehmerischen Ansätzen nachhaltige Projekte fördern und Menschen helfen können. Entrepreneurship und soziale Verantwortung sollen sich darin verbinden. Einzelne Teams, Hochschulen und Unternehmen arbeiten dabei zusammen. 1700 Studenten aus Deutschland engagieren sich bereits in solchen Projekten, neben ihrem Studium und ehrenamtlich.

Das Greendesert-Projekt will vor allem die Versandung als ein drängendes Problem bekämpfen, unter dem Menschen besonders auf der Südhalbkugel leiden. Die Böden trocknen aus, die Bauern wissen sich meist nicht zu helfen, ihre Ernten fallen aus und durch das Graben nach Wasser beanspruchen sie den Boden immer noch mehr – es ist ein Teufelskreis. Desertifikation, Wüstenausbreitung, wird das Phänomen in der Fachsprache genannt.

Laut UNCCD (Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Desertifikation) leiden mittlerweile 110 Länder unter der Wüstenausbreitung. In Afrika sind 46 Prozent der gesamten Landfläche und somit 485 Millionen Menschen betroffen. Insgesamt handelt es sich hier um 36 Millionen Quadratkilometer, eine Fläche dreieinhalb Mal so groß wie Europa.

Mit dem Engagement bei Enactus werden auch Kontakte zwischen Hochschulen und einzelnen Wissenschaftlern geknüpft, die dadurch ein stärkeres Bewusstsein für internationale Zusammenarbeit entwickeln. Die acht Münchner Studenten arbeiten mit Biologieprofessoren der Uni Bremen und der Universität in Ngaoundéré zusammen, einer Stadt im Norden Kameruns. Die Forscher haben gemeinsam eine Technik entwickelt, die mit einfachen Mitteln gegen die Verwüstung der Böden wirkt. Denn der Boden unter der vertrockneten Schicht sei an vielen Stellen immer noch fruchtbar, stellten sie fest. Um ihn regenerieren und die Wüste wieder „grün“ werden lassen zu können, werden Kaffeesäcke aus Jute, befüllt mit Samen, Kompost und anderen lokalen Materialen, auf die betroffenen Felder gelegt. Die Jute speichert während der Regenzeit das Wasser, so können aus diesen Säcken Pflanzen wachsen. Die daraus wachsenden Gräser lockern wiederum den Boden auf, so dass das in Pfützen angestaute Wasser wieder in den Grund sickern kann. Außerdem schützen diese Kaffeesäcke vor Erosionen. Wenn es funktioniert, ist dieser Teufelskreis durchbrochen.

Da die Finanzierung für das Forschungsprojekt aber ausgelaufen war und nicht weitergeführt wurde, haben die Münchner Studenten das Projekt übernommen und ein Business-Modell erarbeitet. Ihr Ziel: Sie wollen ein Unternehmen aufbauen, welches langfristig und selbständig in Kamerun bestehen kann.

„Die Erschließung neuer Flächen möchten wir durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten finanzieren“, erklärt Alida. Denn das CO2 wird in den Pflanzen und dem wieder begrünten Boden gespeichert. Und durch den Erwerb der Zertifikate können vor allem kleine Unternehmen, die zwar CO2 ausstoßen, aber in so geringer Menge, dass sie nicht verpflichtet sind zu zahlen, dennoch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten und ihr grünes Gewissen entlasten.

Man könne zwar nicht
die Welt retten,
aber im Kleinen beginnen

Um aber den Verkauf der CO2- Zertifikate zu ermöglichen, müssen Prüfer das Projekt vor Ort besuchen. Und diese Prüfer müssen wiederum bezahlt werden. Deshalb haben die Studenten Sponsoren für ihr Projekt geworben. Außerdem werden sie im September alle acht nach Kamerun reisen, dort ihre Reise mit Fotos und Filmaufnahmen dokumentieren, die Partnerschaft weiter ausbauen und nach ihrer Rückkehr in Deutschland Spenden sammeln.

Anhand dieses Projekts zeigt sich, dass Ideen zur Bekämpfung des Klimawandels, aber auch andere Ideen, die den Problemen der Welt entgegenwirken sollen, immer weitergesponnen und irgendwann erfolgreich werden können. Alida jedenfalls ist überzeugt, dass ihr Projekt eine Zukunft hat. Wie hat sie gesagt? Man könne zwar nicht die Welt retten, aber wenigstens im Kleinen beginnen. Greendesert ist so ein Anfang im Kleinen.

Foto: Alessandra Schellnegger