Neuland: Aufklären & Aufspielen
Martin Ryll / Foto: privat

Neuland: Aufklären & Aufspielen

Aufklären

Im Internet kursiert zurzeit einiges an Gerüchten und Falschmeldungen rund um das Coronavirus und die dadurch ausgelöste Krise. Doch es gibt natürlich auch viele Experten, die tatsächlich über die Krankheit aufklären und den Menschen Informationen und Tipps zum Umgang mit der gegenwärtigen Situation bieten wollen. Einer von ihnen ist Martin Ryll, 21, der schon seit ungefähr zwei Jahren unter dem Pseudonym Der Medizinstudent Videos auf YouTube hochlädt. Dort gibt er Interessierten einen Einblick in den Alltag des Medizinstudiums, behandelt aber auch allgemeinmedizinische Themen. Vor kurzem hat er jedoch noch einen Zweitkanal namens Einfach Medizin gegründet, auf dem er gerade regelmäßig über neue Entwicklungen im Verlauf der Corona-Krise berichtet und diese aus medizinischer Sicht einordnet. Darüber hinaus zeigt er in seinen Videos beispielsweise auch die Symptome einer Erkrankung an Covid-19 auf oder spricht darüber, ob Atemschutzmasken wirksam gegen eine Ansteckung schützen können. Wenn das Thema Corona-Virus irgendwann nicht mehr ganz so drängend ist, will Martin auf dem Kanal dann auch wieder über andere Krankheiten aufklären. Moritz Richter

Aufspielen

Die Corona-Krise macht erfinderisch, besonders in der Münchner Musikszene. So haben vor dem Hintergrund der aktuellen Situation Manuel Palacio (Fancy Footwork), Marco Tarara (Booker) und Marcel Chylla (Producer) den Wastl Stream ins Leben gerufen. Zu Beginn bestand die Idee darin, jeden Abend Livestreams mit Bands aus der Münchner Musikszene aus dem Studio auszustrahlen. Da sich die Lage aber weiterhin zugespitzt hatte, hat sich das Konzept von Wastl Stream etwas verändert: „Um die Community zu Hause trotzdem bei Laune zu halten und um den Musikern und Menschen, die im Hintergrund in der Musikszene tätig sind, weiterhin eine Plattform zu bieten, werden wir nun, bis es zu einer Auflockerung der Ausgangsbeschränkungen kommt, Interviews via Skype, Talkrunden und entspannte DJ-Sessions aus unseren jeweiligen Wohnzimmern streamen“, sagt Marcel. In den vergangenen Tagen sind bereits junge Musiker wie Liann aufgetreten, ein Interview mit Victoryaz gab es auch schon. Die Streams laufen auf YouTube, Twitch und Facebook. Die Künstler kann man darüber hinaus mit einer Spende über die Internetseite von Wastl Stream unterstützen. Ornella Cosenza

Täglich ein Bild

Eine Tasse Porridge oder ein Teller Pasta – 56 000 Leute sehen die Fotos, die Laura Hohmann, 25, täglich auf Instagram postet. Von ihrem Essen, aber auch von sich selbst. Lange blonde Haare, dunkle Augen, meistens einen leichten Schmollmund, oft mit Schwarz-Weiß-Filter bearbeitet. Laura befindet sich im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Schauspielerin an der Zerboni Schule in München. Wenige Stunden vor der letzten Vorstellung der aktuellen Produktion, erzählt sie, wie Instagram ihr Leben verändert hat.


SZ: Laura, 56 000 Menschen haben deinen Instagram-Account abonniert. Ist das viel?

Laura Hohmann: Das kommt ganz darauf an, in welchem Verhältnis man das sieht. Mit 56 000 gehöre ich nicht mehr zu den Mikro-Influencern. Da liegt die obere Grenze bei 15 000 Abonnenten. Aber dann gibt’s natürlich Accounts mit einer Million und mehr. Da fehlen bei mir noch einige.

Ist das ein Hobby?
Nicht mehr wirklich, aber es ist auch kein Beruf, weil ich noch kein Geld verdiene. Das wäre schon möglich mit der Anzahl an Abonnenten, aber ich scheue mich noch vor Kooperationen mit Firmen. Denn ich will keine Produkte bewerben, hinter denen ich nicht hundertprozentig stehe.

Das aber machen sogenannte Influencer.
Ich nehme schon hin und wieder Einladungen zu Events an. Modenschauen oder Konzerte. Ich war beispielsweise auf einem Klitschko-Boxkampf. Aber auch solche Dinge mache ich nur, wenn ich wirklich Lust drauf habe.

Woher kam der Wunsch zu posten?
Ich glaube, für mich war das Freiheit. Vielleicht auch so ein gewisses Mitteilungsbedürfnis, das ich auch mit der Schauspielerei auslebe. Deshalb hat es mir auch von Anfang an total viel Spaß gemacht.

Wie erklärst du dir, dass die Leute ausgerechnet deine Bilder so gut finden?
Es gibt so ein paar Tricks. Zum einen, regelmäßig etwas posten. Jeden Tag ein Bild oder so. Zum anderen, sollte der Feed einheitlich, also die Bilder konstant qualitativ sein. Aber das Wichtigste ist, glaube ich, authentisch zu bleiben.

Inwiefern?
Ich schreibe hin und wieder so halb-philosophische Texte unter meine Fotos, bei denen ich mir dann selbst doof vorkomme. Interessanterweise kommen aber vor allem Beiträge gut an, bei denen ich mich selbst nicht so ernst nehme, oder wenn ich Ereignisse beschreibe, die mich menschlich und nahbar erscheinen lassen.

Zum Beispiel?
Einmal wurde mir gesagt, ich würde niemals die Prinzessin oder andere Hauptrollen spielen können, weil ich nicht das Aussehen dazu hätte. Ich habe gepostet, dass mich das sehr getroffen und auch geärgert hat, weil ich es schrecklich finde, wenn Leute einem erzählen wollen, was man kann und was man nicht kann.

Wie waren die Reaktionen?
Ich habe lange nachgedacht, ob ich das posten wollte. Letztlich war es mir dann aber sehr wichtig, klarzustellen dass ich mich niemals von der Meinung anderer einschüchtern lassen will. Dass niemand das sollte. Die Reaktionen in den Kommentaren haben das bestätigt. Die Leute wollen Geschichten wie diese liken.

Hat Instagram dein Leben verändert?
Ja, absolut. Das Posten hat mir unglaublich viel Selbstbewusstsein gegeben. Ich würde sogar sagen, dass es mit ein Grund dafür war, dass ich tatsächlich auf der Schauspielschule aufgenommen wurde. Weil mich das so gepusht hat.

Ist das ein Abhängigkeitsverhältnis?
Vielleicht. Instagram bedeutet mir wahrscheinlich wirklich viel zu viel. (lacht) Es wäre schrecklichst, diesen Account zu löschen. Aber das muss ich ja auch nicht.

Hat Instagram dir schon einmal Probleme bereitet?
Nein, überhaupt nicht. Das einzig negative ist vielleicht,
dass man jeden Tag etwas posten muss. Das wird schwierig in Phasen, in denen ich eigentlich keine Zeit habe, sinnvollen Content zu produzieren. Etwa jetzt in der Proben- und Aufführungszeit.

Was ist das Ziel? Eine Million Follower?
(lacht) Das wäre natürlich schön, aber ich merke, wie es mit der immer größeren Anzahl an Influencern schwerer wird, Abonnenten dazuzugewinnen. Auch weil vor kurzem der Algorithmus geändert wurde, und jetzt vieles nicht mehr unbedingt angezeigt wird. Aber ich hoffe natürlich, dass die Zahl weiter wächst und ich vor allem keine Follower verliere.

Wofür braucht man diese Follower?
Ich glaube, eigentlich in jedem Beruf wird Social-Media-Präsenz und Reichweite immer wichtiger werden. In der Schauspielerei vielleicht sogar in besonderem Ausmaß. Es gibt auch jetzt schon auf Youtube ein Serienformat, in dem nicht nur professionelle Schauspieler, sondern Influencer auftreten.

Gesellschaftlich gesehen – geht es nur um Likes? Oder auch um relevante Inhalte?
Mir geht es nicht so sehr um eine politische oder gesellschaftliche Botschaft, und es soll jetzt auch echt nicht kitschig klingen, aber für mich ist es das Posten schon wert, wenn 20 Leute darüber lächeln können und vielleicht eine positivere Einstellung zum Tag haben.

Interview von Teresa Parstorfer

Foto: Privat