Neuland: StudySmarter

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Damit das Lernen einfacher wird, haben vier Studenten der LMU und TU die App StudySmarter entwickelt.

Studieren soll Spaß machen. Vor allem das Lernen soll für jeden Studierenden einfach und motivierend sein, findet Maurice Khudhir, der mit Christian Felgenauer, Simon Hohentanner und Till Söhlemann – alle vier studieren an der LMU oder der TU – die App StudySmarter entwickelt hat. Studierende können dort ihre eigenen Vorlesungsfolien hochladen und bearbeiten: Indem man Sätze markiert, werden diese in einer Zusammenfassung aufgelistet. Folien können als wichtig eingestuft oder gelöscht werden – mit den selbst beschrifteten Karteikarten wiederholt man die gelernten Inhalte.

Das Konzept hat Erfolg: In den ersten zwei Tagen haben sich bereits mehr als 1000 Studierende auf der Plattform angemeldet. „Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen, was uns insbesondere nach der langen Entwicklungsphase freut und Bestätigung gibt“, sagt Maurice, der auf ein Jahr Vorbereitungszeit zurückblickt, bis die App nun für alle Lernenden zugänglich gemacht werden konnte. Gefördert wird das Start-up unter anderem von der LMU und der TU.

 

Text: Jana Haberkern

Foto:

Maurice Khudhir

 

#meTU

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Doofe Pfiffe, pubertäre Jungs: Was Frauen an der TU erleben.

34 Prozent. Studiert man als Frau an der Technischen Universität München ist man Teil von 34 Prozent. Zum Vergleich: An der LMU sind im selben Studienjahr 60 Prozent weibliche Studierende eingeschrieben. Obwohl diese natürlich von Fakultät zu Fakultät variieren, sind junge Frauen an der TU München immer noch stark unterrepräsentiert. Da stellt sich die Frage: Wie fühlt sich das an? Was bedeutet es, in der Physikvorlesung neben lauter männlichen Kommilitonen zu sitzen?

“Egal, wohin man schaut: Es sind immer deutlich mehr Jungs als Mädchen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass dadurch jemand ausgeschlossen würde. Ich jedenfalls habe mich nie unwohl gefühlt”, sagt Franziska Ochsenfarth, 23.

Sie trägt einen dunkelblauen TUM-Hoody. Seit ihrem ersten Semester engagiert sich die Maschinenbau-Studentin in ihrer Fachschaft, mittlerweile sitzt sie für den Asta – kurz für Allgemeiner Studentischer Ausschuss der TU München – als Vertreterin in Senat und Hochschulrat. Das Thema “Studentinnen an der TU” findet Franziska reizvoll, zumal für sie nach dem Abitur klar war, in welche Fachrichtung es gehen sollte, Geschlechterklischees hin oder her. “Mathe und Physik fand ich schon immer faszinierend. Wenn ich vor dem Studium darüber nachgedacht habe, ob es eine Rolle spielt, dass ich als Frau Maschinenwesen studiere, dann mehr so in Richtung: Ja, und? Darum kann ich’s ja trotzdem machen.”

Und doch erlebt sie es immer wieder, dass Leute staunend die Augenbrauen hochziehen, wenn sie von ihrem Studium erzählt. Für sie liegen die Ursachen hierfür klar in Gesellschaft und Erziehung. Bereits im Kindergarten würden die Mädchen doch in separaten Gruppen spielen; wollten sie an die Bauklötze, und die Jungs hätten etwas dagegen, dann sei das einfach so. Sie ist überzeugt: “Wer sich aber bis zur Oberstufe sein Interesse behält, nimmt den Schritt ins entsprechende Studium viel leichter. Die meisten Mädchen gehen aber deutlich früher verloren, da kann die Uni gar nicht viel machen.”

Ähnlich sieht das auch Ramona Wüst, 24. Sie hat gerade ihren Master in Umweltingenieurwesen begonnen und war im vergangenen Jahr Diversity-Beauftragte im Asta. “Solange Mädchen Barbies geschenkt bekommen, und die Jungs mit Baggern spielen, wird sich an den Geschlechterklischees nicht viel ändern”, sagt sie.

Beide wirken dabei wie viele taffe junge Frauen, deren Motto “Ärmel hoch und ran an die Aufgabe” lautet – bis sie an die gläserne Decke stoßen. “Ganz viele Frauen fühlen sich im Laufe ihres Studiums nicht benachteiligt. Bis sie dann an einen konkreten Punkt kommen, an dem es nicht mehr weitergeht, sie zum Beispiel einen Job nicht bekommen”, sagt Iris Stolz. Sie ist Referentin für Alumni- und Karrierefragen und auch Ansprechpartnerin bei Fragen zum Alumni-Netzwerk “Women of TUM”. Dieses wurde von TU-Absolventinnen zum internationalen Austausch ins Leben gerufen und verantwortet mittlerweile auch ein Mentoring-Programm für weibliche Studierende. Die Frauen sieht sie durchaus mit einer besonderen Aufgabe konfrontiert, schließlich seien diese stets in der Minderheit; das Selbstwertgefühl zu behalten oder gar weiterzuentwickeln, gestalte sich schwierig. Ziel von “Women of TUM” sei es darum auch, “Frauen an der TU sichtbarer zu machen”.

Doch im Gespräch mit den Studentinnen beschleicht einen das Gefühl, Frauen seien zuweilen an der Uni ein kleines bisschen zu sichtbar. Hohe Schuhe, die auf dem Fußboden klackern, fallen sofort auf. Kurze Röcke auch – und werden kommentiert. Ein bekanntes Problem ist etwa das “Auspfeifen im Hörsaal”, das vor allem an der Fakultät für Maschinenwesen, Frauenanteil aktuell bei 15 Prozent, zu Diskussionen führt. Kommen Studentinnen zu spät oder einfach nur durch die vordere Tür in den Vorlesungssaal, werden sie gelegentlich ausgepfiffen. Aber nicht so wie auf dem Fußballplatz, sondern mehr so “wie wenn Frauen an einer Baustelle vorbeilaufen”, sagt Helena Hashemi Farzaneh, stellvertretende Frauenbeauftragte an der Fakultät für Maschinenwesen. Obwohl dieses Verhalten die Studentinnen störe, bliebe eine entsprechend mahnende Reaktion zumeist aus. Zu einfach würden die “Pfeifer” in den Hunderten von Studenten untergehen, zu “verunsichert und vielleicht auch hilflos” zeigten sich Professoren und Dozenten. Deshalb wurde dieses Wintersemester erstmals die Kampagne “Pfiffe gibt es nur auf dem Spielfeld” lanciert.

Asta-Vertreterin Franziska rät zu Pragmatismus und schlägt den Eintritt über die hintere Türe des Vorlesungssaals vor – vielleicht seien weibliche Studierende im Alltag ihrer Kommilitonen einfach zu “ungewohnt”. Aber kann das wirklich die Lösung sein? Man bekommt den Eindruck, als sei solches Verhalten ein notwendiges Übel “Spätpubertierender”, das sich im besten Fall mit zunehmender Reife von selbst erledigt. Als wären junge Frauen exotische Raritäten aus einer fremden Galaxie, kürzlich erst entdeckt und nicht zuvor Spielkameradinnen oder Mitschülerinnen gewesen.

“Ich habe oft das Gefühl, dass viele Jungs hier immer noch nicht verstehen, dass solche Kommentare Frauen Angst machen. Gerade wenn zum Beispiel auf Uni-Partys Alkohol im Spiel ist, kommt dann ganz schnell mal ein Kommentar wie ,Stell dich nicht so an’, und die übrigen Jungs solidarisieren sich da gleich”, sagt Ramona. Dagegen helfe nur, dass offen über solche Themen gesprochen werde und die Organisatoren der TU-Partys etwa diese im Hinterkopf behalten.

So wie auf der diesjährigen Mai-TUM. Hier griffen die Veranstalter, allesamt Studierende, hart durch: Nach Beschwerden von Mädchen wurden die entsprechenden jungen Männer wegen unangemessenen Verhaltens durch die Security von der Veranstaltung entfernt. Das Amt für Diversityfragen im Asta ist aktuell jedoch unbesetzt, Ramona macht es nicht mehr und stellt fest: “Im Asta, da waren alle auch irgendwie so überarbeitet. Da hat dann irgendwie die Kraft gefehlt, weiter in meine Themen zu investieren.”

Text: Yvonne Gross

Foto: Privat

Hauptsache authentisch


Mit dem eigenen Handy live von einem Event streamen: Die Münchner
TU-Studenten Jakob Bodenmüller, Glenn Glashagen, Leon Szeli und Lucas
Jacobson haben die App Higgs entwickelt.

Damit kann der Zuschauer mit dem Handy von einem Event selbst livestreamen, sofern der Veranstalter einen Vertrag mit der App hat. Für den Nutzer ist die App kostenlos. Noch wird Higgs größtenteils von Unternehmen verwendet. Das Ziel ist jedoch, dass junge Menschen Videos von einem Konzert oder einer Party hochladen können.

SZ: Verwackelte Partyvideos als Geschäftsidee – wie kommt man denn auf so etwas?

Jakob Bodenmüller: Wir sind oft selbst auf Konzerten unterwegs und wollten eine Möglichkeit schaffen, authentisch von einem Event zu berichten.

Was heißt authentisch?

Bei einem Event, bei dem Livestreaming betrieben wird, muss man oft teure Gebühren zahlen. Und der Zuschauer sieht nur das, was ihm die Sender zeigen, nicht jedoch, was tatsächlich auf einem Event passiert. Das wollen wir ändern. Wir ermöglichen somit kostengünstiges Livestreaming.  

Und was heißt das konkret?

Liveübertragungen sind ja zur Zeit der Trend im Bereich Social Media auf Plattformen wie YouTube, Facebook oder Twitter. Das ist natürlich sehr interessant, gerade für Veranstalter. Liveübertragung via Facebook ist allerdings nicht so optimal, weil man beispielsweise kein Logo einfügen kann. Ein Kamerateam ist allerdings zu teuer und für Social Media nicht gemacht, da sich die Leute die Videos auf ihrem Smartphone anschauen.

So weit ist alles bekannt. Was ist das Besondere an Eurer App? 

Wir versuchen eine Lösung zu finden, indem man mit dem Smartphone ganz einfaches Livestreaming erstellen kann.

Es ist auch von verschiedenen Perspektiven die Rede. Wie funktioniert das?

Mit einer einzigen Perspektive kannst du kein Event abdecken. Mit unserer App kann man mehrere Kameraperspektiven in einem Livestream verbinden. Somit kann man von mehreren Stages auf Festivals oder unterschiedliche Perspektiven eines Konzerts live übertragen.

Aber inwiefern ist denn „Higgs“ in Zeiten von Instagram und Snapchat noch revolutionär?

Snapchat macht ja gar nichts live, sondern zeigt, was in den vergangenen Stunden passiert ist. Facebook kann auch Live-Videos machen, diese richten sich jedoch an Privatnutzer, wenn man beispielsweise daheim hockt und sich ein Video anschauen möchte. Für die Eventmanager ist das allerdings keine Lösung. Sie möchten mit den Videos auch ihre Veranstaltungen bewerben.

Wie lange bleiben denn die Videos sichtbar?

Nach der Liveübertragungen bleiben die Videos archiviert und weiterhin sichtbar. Der Veranstalter kann dann selbst entscheiden, ob die Videos rausgenommen werden oder nicht.

Wieso sollten sich die Zuschauer verwackelte Handyvideos anschauen? Beziehungsweise wieso sollte der Veranstaltungsmanager dafür zahlen wollen, wenn es nur verwackelte Handyvideos gibt?

Wie man bei den Live-Videos von Instagram oder Facebook sehen kann, hat sich die Qualität der Smartphones in den vergangenen Jahren erheblich verbessert, sodass die Videos meist sehr gut sind. Auch kann man Stative aufstellen, sodass die Videos dann nicht verwackelt sind. Außerdem wollen wir authentisches Livestreaming. Da gehören diese unperfekten Dinge eben dazu. Man merkt ja auch, dass Instagram oder Facebook sehr erfolgreich damit sind und die Leute es immer wieder gerne nutzen und sich das vor allem auch anschauen.

Denkt ihr nicht, dass es eine schlechte PR für den Veranstalter ist, wenn Videos von betrunkenen Leuten oder Nacktflitzern auftauchen?

Klar besteht stets die Gefahr, dass unvorhergesehene Dinge passieren können, das kommt durchaus vor. Du kannst schließlich nichts nachbearbeiten, sondern in dem Moment muss alles funktionieren. Aber das macht den Reiz der Live-Videos aus: das Unvorhergesehene. Und genau das macht den Bericht eines Events erst authentisch, weil man es nicht mehr verändern oder faken kann.

Interview

: Serafina
Ferizaj

Foto: Higgs

250 Zeichen Wut:

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Es ist soweit. Diese Woche ist Semesterstart und die ganze Stadt riecht nach Erstis. Und genauso zuverlässig kehrt damit jedes Jahr das Augenrollen unserer Autorin wieder.

An alle Erstsemester mit frischem
Immatrikulationshintergrund da draußen: auch eure euphorische Motivation wird bald vorüber sein. Wir sind nicht mehr in der Schule. Lasst bitte diesen Holzoptik Lamy-Füller zuhause. Und nein, ihr müsst nicht JEDES Tutorium besuchen. Manche Dinge findet man auch 2017 nur in Büchern und nicht bei YouTube oder Google. Nur eingebildete Papi-Söhnchen-Juristen parken direkt vor der Stabi. Und ja: es gibt auch noch andere Bibliotheken als die Stabi. Da lernt es sich meistens sogar besser und unbeobachteter. Und jetzt: alles Gute für’s Studium. Und auch, wenn ihr armen Küken es vom G8 nicht anders kennt: es geht nicht darum ganz, ganz schnell fertig zu werden, sondern darum möglichst viel mitzunehmen. Im Vorlesungssaal und auf Parties.

Text: Ornella Cosenza

Gebrauchtes Wissen

Die drei Münchner Studenten Daniel Berthold, 25, Katharina Drummer, 23,
und Ben Martins, 24, betreiben ein Portal für Lehrbücher: KnickKnacks. Das ist günstig. Das ist praktisch. Und das ärgert traditionelle Buchhandlungen. 

Ende Oktober, das Wintersemester nimmt für Tausende Studenten Fahrt auf. Das bedeutet auch, dass man so langsam alle Bücher besorgen muss – und das ist nicht immer leicht. Es kann leicht sein, dann ist es aber auch teuer. Und teuer sollte es eigentlich für Studenten nicht sein. Das dachte sich zumindest Daniel Berthold, 25, als er vor zwei Jahren vor dem gleichen Problem stand. Also gründete er kurzerhand zusammen mit Katharina Drummer, 23, und Ben Martins, 24, KnickKnacks, ein Onlineportal für gebrauchte Lehrbücher (Dana Göldner Fotografie). Mittlerweile befindet sich KnickKnacks im vierten Semester. Mit aktuell 3500 registrierten Nutzern und mehr als 4000 inserierten Werken ist die Seite zu Deutschlands größtem studentischen Portal für gebrauchte Lehrbücher geworden. 

Der Medizinstudent Daniel hatte im Sommer 2013 sein erstes Staatsexamen bestanden und wollte seine alten Schmöker wieder verkaufen. Das Problem: Er fand keine Buchhandlung, kein Portal, keinen Flohmarkt exklusiv für studentische Lehrbücher. Das Prinzip von KnickKnacks ist einfach: Die Seite vermittelt zwischen Verkäufern und Käufern. Auf der Internetseite kann jeder seine Lehrbücher – nach Beschreibung des Zustands und Foto des Buches – zum Verkauf anbieten. Der Käufer meldet über KnickKnacks sein Interesse an, und Daniel, Katharina und Ben leiten die Kontaktdaten des Verkäufers weiter. „Im Grunde haben wir weder die Bücher in der Hand, noch direkten Kontakt mit den Nutzern unserer Plattform“, sagt Daniel. 

Alte Lehrbücher in bares Geld umzuwandeln kann natürlich auch anders funktionieren. Viele Fachschaften der Münchner Universitäten organisieren zum Beispiel Flohmärkte zum Semesterstart. „Aus unserer eigenen Erfahrung wussten wir aber, dass der Semesterbeginn für viele zu spät ist, und das Geld aus dem Bücherverkauf oft gebraucht wird, um durch die Semesterferien zu kommen“, macht Daniel deutlich. Der 25-Jährige weiß auch, dass Bequemlichkeit ein Faktor ist: „KnickKnacks erlaubt es einem, Bücher zu verkaufen, ohne die Wohnung verlassen zu müssen – wenn man denn mag.“

Trotzdem gebe es auch viele, die KnickKnacks eben deshalb nutzen, weil sie mit älteren Studenten ihres Studienfachs in Kontakt kommen können. „Meistens verkaufen ältere Studenten ihre Lehrbücher an Erstsemester. Treffen sich Käufer und Verkäufer persönlich zur Buchübergabe, nutzen viele der jüngeren Studenten die Gelegenheit, um sich über das Studium zu informieren“, erzählt Daniel. Beim Verkauf über KnickKnacks kann der Verkäufer seinen Wunschübergabeort angeben. „Da Lehrbücher meist an fachgleiche Studenten verkauft werden, die im gleichen Unigebäude studieren, trifft es sich in der Regel für beide gut“, erklärt der Medizinstudent. 

KnickKnacks konzentriert sich dabei auf Lehrbücher, und der Fokus soll auch in Zukunft dabei bleiben. Ein Grund für den Erfolg der Firma sind die relativ guten Preise, die ein Verkäufer erzielen kann. „In der Regel versuchen die Verkäufer 60 bis 80 Prozent des Neupreises zu erhalten. Da wir jedes Inserat kontrollieren, merken wir, dass bei guter Qualität des Buches diese Preise auch gezahlt werden“, sagt Daniel.

Der Verkauf von gebrauchten Schul- und Lehrbüchern ist ein Trend, den auch Heiner Kroke, Chef der Verkaufsplattform von momox.de, festgestellt hat: „In den Wochen vor und nach einem Schuljahreswechsel ist die Nachfrage besonders hoch“, sagt Kroke. Man habe bei momox.de über den Sommer mehr als 30 000 Schul- und Lehrbücher vorrätig gehabt. Damit haben die traditionellen Buchhandlungen zu kämpfen. „Buchhandlungen, die sich speziell auf Lehrbücher konzentrieren, machen der Reihe nach dicht“, verdeutlicht eine Mitarbeiterin einer Lehrbuchhandlung in Uni-Nähe, die namentlich nicht genannt werden will. Das Problem sei zum Teil dem Kauf von Gebrauchtbüchern, aber auch der Popularität von e-Books geschuldet. „Als Lehrbuchhandlung überlebt man nur noch, wenn man sich auf bestimmte Bereiche wie Jura konzentriert, wo jährlich neue Auflagen erscheinen.“ 

KnickKnacks umgeht das Problem andere Portale, weil sie nur vermitteln, nicht ankaufen. Daniel, Katharina und Ben wissen, dass Lehrbücher nicht unbedingt attraktiv, aber für Studenten ein wichtiger Teil des Studiums sind. „Wir waren alle irgendwann in der Situation, dass wir Bücher zu fairen Preisen kaufen oder verkaufen wollten. Deswegen sind wir überzeugt, dass es anderen Studenten genauso geht. Mit KnickKnacks wollen wir dazu beitragen, dass Käufer und Verkäufer mit dem Geschäft zufrieden sein können“, sagt Daniel. Davon profitieren nicht nur die Münchner Studenten. Stolz erzählt der Medizinstudent, dass KnickKnacks mittlerweile auch in Berlin, Hamburg und Köln viele Bücher vermittelt hat.  Matthias Kirsch

Ein Münchner im Himmel

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Akram Abdellatif, Doktorand der TU München, hat gute Chancen, der
erste ägyptische Astronaut zu werden. Dafür arbeitet er manchmal 16
Stunden am Tag – und hat für ein Projekt schon Virusproteine auf die ISS
geschickt.

Von Elsbeth Föger

Astronaut werden! Das ist der Sandkastentraum tausender Kinder. Die Chancen für eine solche Karriere sind gering. Doch bei Akram Abdellatif gingen sie gegen Null – weil er Ägypter ist. Wer bei der NASA arbeiten will, der braucht einen amerikanischen Pass. Schließlich wird die Behörde staatlich finanziert. Dasselbe gilt für die europäische Weltraumorganisation ESA. Und trotzdem ist Akram, 27, auf dem besten Weg, Ägyptens erster Raumfahrer zu werden.

Geschafft hat es von Akrams Landsleuten bisher noch niemand. Dahinter steckt auch ein kulturelles Problem, findet er. „In Ägypten fehlt uns dieses Traumdenken. Dieses Gefühl, dass man alles erreichen kann.“ Bei ihm ist das anders, sagt Akram und lächelt verschmitzt. Er wirkt ziemlich geerdet für einen, der sich selbst als Traumtänzer sieht. Das Gesicht ist offen, herzlich, die Augen sehr wach. Ein kräftiger junger Mann mit lockigen Haaren und schwarzem Hoodie. Einer, der erzählt wie ein Wasserfall und so freundlich über Mikroschwerkraft redet, als wäre sie eine alte Studienkollegin. Für die Raumfahrt hat er sich schon als Kind interessiert, sagt er. Häufig lief daheim „Toy Story“ oder „Star Wars“. Sein Vater, ein Militäroffizier, hat mit ihm oft über Flugzeuge gefachsimpelt. 

Doch seine Freunde lachten nur über den Berufswunsch. Und in der Schule redete man Akram die Astronautenkarriere aus. Nachdem er im Abitur landesweit den 16. Platz belegt hatte, studierte er etwas Praktisches. In seiner Geburtsstadt Kairo wurde er Kommunikationsingenieur, an der neu eingerichteten Deutschen Universität. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. „Ich dachte mir, ich probiere was Neues“, sagt Akram. Deutschland, das waren für ihn schnelle Autos und Produktivität, für den FC Bayern schwärmt er heute noch. Den besten Studenten bot sich die Chance, den Master in Deutschland zu machen. 

Für Akram ging es an die Kooperations-Uni in Stuttgart. Dort stieß er irgendwann auf eine Ausschreibung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Da kam plötzlich der Traum wieder hoch. Leider stand zwischen Akram und dem Traum ein unbezahltes Praktikum. Also fing er morgens um vier Uhr an mit der Arbeit im DLR und ging gegen Mittag zur zweiten Stelle bei Sony, mit der er die Miete bezahlte. Sechs Monate ging das so. Akram ist keiner, der gern prahlt. Nein, ein freies Wochenende hatte er die vergangenen vier, fünf Jahre eigentlich nicht. Er lächelt und zuckt mit den Schultern. Was man halt so tut für seinen Traum. 

Traum, das Wort fällt oft im Gespräch, fast wie ein Mantra. Immer, wenn sich der junge Ingenieur dabei erwischt, hält er kurz inne. „Nein, kein Traum“, sagt er und korrigiert sich: „Ein Ziel.“ Schließlich soll die Karriere kein galaktisches Hirngespinst bleiben. Fast seine gesamte Freizeit hat Akram darauf verwendet, um das fehlende Studium in Luft- und Raumfahrttechnik wettzumachen: den Pilotenschein gemacht, das Tauchen gelernt – unter Wasser kommt man der Schwerelosigkeit auf der Erde am nächsten. Sogar einen Russischkurs hat der Ägypter belegt, weil Sprachkenntnisse in der Kommunikation mit anderen Astronauten oft nützlich sind. Das Fachwissen hat er mittlerweile in München erworben: Nach seinem zweiten Master in „Earth Oriented Space Science and Technology“ promoviert er am Lehrstuhl für Flugsystemdynamik der Technischen Universität. Parallel arbeitet er als Entwicklungsingenieur beim DLR in Oberpfaffenhofen. Viel Zeit bleibt nicht für seine ägyptische Frau und den 18 Monate alten Sohn, die auch in München wohnen.

Ob Akram Abdellatif der Mission
angehört, entscheidet sich
Ende nächsten Jahres

Doch mittlerweile hat sich eine Möglichkeit aufgetan, wie es der Ägypter tatsächlich ins All schaffen kann. „Astronauts4Hire“ heißt sie. Akram erinnert sich: „Meine erste Frage an die Organisation war: Ich bin Ägypter. Ist das ein Problem?“ War es nicht. Die Nonprofit-Organisation wurde auch deshalb gegründet, um den Astronauten eine Chance zu geben, die nicht in den USA oder Europa geboren sind. Sie veranstaltet Fortbildungen, macht auf Wettbewerbe aufmerksam und stellt Kontakte her. Denn nicht alle Raumfahrt-Unternehmen sind staatlich finanziert, es gibt auch kommerzielle wie SpaceX oder Virgin Galactic. Da die NASA Aufträge an solche Firmen vergibt, besteht doch indirekt die Möglichkeit, für sie zu arbeiten – und über Umwege in den Weltraum zu fliegen. 

Im All ist Akram selbst noch nie gewesen. Aber zwei säuberlich verpackte Proteine hat er schon mal vorausgeschickt. Gemeinsam mit einer Kollegin hat er das erste ägyptische Experiment für die ISS entwickelt. Die beiden forschten zusammen über das Hepatitis-C-Virus. Ägypten gehört zu den Ländern, in denen es weltweit am meisten Infektionen gibt. Die Folge sind Leberschäden, Krebs, Organversagen. Trotzdem ist der molekulare Aufbau des Virus nicht vollständig entschlüsselt. Die beiden Wissenschaftler schlugen vor, Virusproteine ins All zu schicken und dort kristallisieren zu lassen – das funktioniert in der Schwerelosigkeit besser als auf der Erde. Im Röntgengerät kann man dann den Aufbau studieren und womöglich Angriffspunkte für Medikamente finden. Mit diesem Vorhaben setzten sich die beiden ägyptischen Forscher in einem Wettbewerb gegen Hunderte von anderen Bewerber durch. Zum Start der Rakete lud die NASA Akram nach Florida ein. „Ich habe gefragt: Kann ich mit meinen Proteinen da hochfliegen?“, sagt er und lacht. Natürlich nicht, viel zu teuer.

Seit März sind die Proteine wieder auf der Erde. Aber Akram will es ihnen bald gleich tun. Mittlerweile nimmt er am Forschungsprojekt PoSSUM teil – das wird von der NASA gefördert und erforscht die Ursachen des Klimawandels. In 130 Kilometern Höhe, bei einem Flug in der Mesosphäre. 

Vor kurzem ging es zum Training nach Florida. Ob das Spaß macht? Na ja, meint Akram und druckst herum. Los geht es mit Übungen zum Sauerstoffmangel. Das muss jeder Astronaut durchmachen, damit er die Symptome kennt: taube Hände, ein rasendes Herz, Schwäche. Dann heißt es blitzschnell reagieren und die Sauerstoffmaske überstreifen. Ein paar Kollegen seien in Ohnmacht gefallen. Er nicht. 

Für die nächste Station musste Akram in ein Propeller-Flugzeug, das schnelle Loopings fliegt – damit die Astronauten den Druck auf den Körper bei Start und Landung verkraften. Für eine Simulation der Mission durfte der Ägypter dann endlich in den Astronauten-Anzug steigen. Das orange-beige Monstrum anzulegen, dauert etwa eine Stunde. Wie viele der zwölf PoSSUM-Kandidaten auf die Mission 2017 mitfliegen dürfen, ist noch unklar. Ob Akram dabei ist, entscheidet sich Ende nächsten Jahres. 

Seine ägyptischen Freunde lachen mittlerweile nicht mehr, sondern drücken ihm die Daumen. „Für mich bedeutet es auch Druck. Stress. So viele Menschen erwarten, dass ich es schaffe!“ Doch die Chancen stehen gut. Und Akrams Nationalität könnte sich diesmal sogar als Vorteil erweisen. „Wenn die Leute sehen, dass ich der erste ägyptische Astronaut bin, ist das vielleicht ein Pluspunkt!“