Album Kritik „Still on the Run“ – Line Walking Elephant

Richtig gute Musik, unter einem ausgefallenen Namen – Line Walking Elephant meldet sich nach zwei Jahren im Studio mit “Still on the Run” zurück. Ehrlicher Rock beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit und Konsum. Kluge Texte in energetischer Verpackung. Das warten hat sich gelohnt!

Manchmal hat man das Gefühl, Musiker gründen nur deshalb eine Band, weil sie eine coole Namensidee haben. So etwas könnte auch bei Line Walking Elephant passiert sein – oder aber, hier haben sich eine Reihe talentierter Musiker zusammengeschlossen, um unter einem ausgefallenen Namen richtig gute Musik zu machen.  Nach ihrem Debütalbum „Overload“ kehren sie nun nach zwei Jahren im Studio mit „Still on the Run“ zurück.
Im Mittelpunkt des mit acht Titeln relativ kurzen Albums steht das Thema Nachhaltigkeit und Konsum. Besonders augenfällig wird das bei dem Titel „Work an Consume“, doch das Thema findet sich auch in allen Liedern auf dem Album wieder. Musikalisch haben die Musiker ihren energetischen, ehrlichen Rock beibehalten, vielleicht hier und da noch garniert mit Indie-Elementen. Bereits der Opener „On the Ground“ zieht durch seinen treibenden Grundrhythmus in das Album, hin zu dem titelgebenden zweiten Lied – und einem großen Highlight der CD – „Still on the Run“. Bei diesem fast hymnischen Song kommt besonders die Stimme von Sänger Ferdinand Dankesreiter zur Geltung, die häufig an Samu Haber erinnert – ähnlich kraftvoll und energiegeladen, aber mit deutlich klügeren Texten. Überhaupt wäre ein Vergleich mit einer Mainstream-Poprock Band ungerecht, dazu sind die Texte schlicht zu vielschichtig, etwa die nachdenklichen Titel „Human“ und „Pretty Soul“. Seine stärksten Momente hat das Album, wenn es zum Ende hin geht. Die beiden Titel „Drown“ und „Dark“ bilden ein schönes Gegenstück zu dem kraftvollen Einstieg in das Album – und könnten wohl genauso gut auch von den Smashing Pumpkins stammen.

Philipp Kreiter
Foto: Lennart Heidtmann

Black Submarines

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Das Quietschgelb der Yellow Submarine hat sie kurzerhand etwas verdunkelt: die Münchner Band Black Submarines. Diesen Freitag stellen sie ihr Album im Münchner Club Strom vor.

Die psychedelische Zeichentrick-Komik der Beatles ist eigentlich weit entfernt von staubigem Bluesrock. Doch sobald Unterseeboote und Popkultur zusammentreffen, stellt sich zwangsläufig die Assoziation mit der Yellow Submarine ein. Deren quietschiges Gelb hat die Münchner Band Black Submarines (Foto: Sabrina Liebl) einfach ein wenig verdunkelt. Und so hört sich auch deren Musik an: Die feine Ironie und Überzeichnung der Beatles wird bei dem Quartett durch eine rauere und rockige Ernsthaftigkeit ersetzt.

In München gibt es seit ein paar Jahren eine konstant wachsende Blues-Rockszene: The Whiskey Foundation, Bequerels oder die Gipsy Beards spielen alle recht rotzigen, groovenden und vor allem ein wenig aus der Zeit gefallenen Blues-Rock.

Die Black Submarines, deren Releasekonzert zum ersten Album nun bevor steht, reihen sich dort ein: Der melodiöse und mehrstimmige Gesang von den beiden Gitarristen Benny May und Richy Strobl sowie dem Bassisten Carl Muschol wird über stampfende Mid-Tempo-Songs gesetzt, die alle die typische Lethargie von zu schwülem Wetter oder zu viel Alkohol in sich tragen. Eher im Country angelegte und von Akustik-Gitarren dominierte Nummern wechseln sich auf dem Album „Waiting for the Time“ mit treibenden Stücken ab.

Der Aufnahmequalität des Albums hört man allerdings die Gegenwart an: Sauber und druckvoll sind die Beats, die den etwas verwaschenen Sound anschieben. Die Klarheit, die der an Elektro- und Club-Musik geschulte Münchner Musiker Beni Brachtel, der sich für die Aufnahme verantwortlich zeigte, in die Musik einbrachte, macht Sinn.

Und eine Nische haben die Musiker, die ihr Album am Freitag, 20. Februar, im Münchner Club Strom vorstellen, auch schon gefunden: Seit ihrer Gründung 2011 haben sie immer wieder Musik für Theaterstücke oder Filme gemacht. Etwa für das Stück „Fear No Fear“ am Theater-Werk München oder für einen Film über Free-skiing. Denn Musik, die so mit einer nostalgischen Ausstrahlung spielt wie die der Black Submarines, macht sich in erzählenden Medien immer besonders gut.

Rita Argauer

Stil: Blues / Country / Rock 

Besetzung: Benny May (Gesang, Leadgitarre), Richy Strobl (Gesang, Gitarre, Harmonika), Carl Muschol (Bass, Gesang), Sascha Dick (Schlagzeug, Percussion) 

Aus: München 

Seit: 2011 

Internet: www.theblacksubmarines.com

The Charles

Am Anfang standen stundenlange Gespräche über Led Zeppelin und Deep Purple. Jetzt hat die Rockband The Charles einen Neuzugang bekommen – einen Musiker mit Chorsänger-Erfahrung. 

Tonnen von Haarspray sind da gar nicht mehr nötig. Genauso wenig wie Stufenschnitte und voluminöse Ponys. Den Münchner Songwriter Darcy kann man sich auch schwer mit so einer Aufmachung vorstellen. Aber auch seine neuen Bandkollegen schauen eher aus wie die typischen Indie-Kids.

Doch musikalisch lässt die Münchner Band The Charles (Foto: Linus Enzmann) den breitbeinigen Hard-Rock wieder auferstehen, dessen jüngste Ausläufe bisher irgendwo in den späten Achtzigerjahren lagen. Nun haben sie mit Darcy einen überraschenden Neuzugang gefunden. Xavier D’Arcy, den man unter dem Künstlernamen Darcy eigentlich als mitreißend hingebungsvollen Indie-Songwriter kennt, übernimmt seit dem ersten gemeinsamen Konzert Anfang Januar den Job als Sänger bei den Hardrockern.

„Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, haben wir uns stundenlang über Led Zeppelin und Deep Purple unterhalten“, erklärt Xavier. Da sei die musikalische Ausrichtung ziemlich schnell klar gewesen: „Wir machen Rock“, sagt er, das sei auch der grundlegende Unterschied zu seinem Soloprojekt. Und bei dieser Band heißt es für Xavier nun, sich mit „Ehrgeiz, Herzblut und der üblichen Naivität einer Rock-Band“ in das Projekt hineinzuwerfen. Von nun an als Musiker in Doppelbesetzung unterwegs zu sein, ist dabei für ihn kein Problem, die zwei Projekte seien auch klar voneinander abgesetzt: „Alle Songs von The Charles entstehen im Proberaum bei Jam-Sessions und alle Darcy-Songs schreibe ich zu 100 Prozent alleine.“

Man kann sich den Musiker mit Chorsänger-Erfahrung aber auch ganz gut vorstellen in einem derart breit und energetisch angelegten Sound: Bei seinen Solo-Konzerten malträtiert er seine Akustik-Gitarre oft mit einem Anschlag, der die Saiten beinahe zum Reißen bringt. Und seine Stimme lässt er immer wieder ins Schreien kippen, die Energie scheint dabei förmlich aus ihm herauszuquellen.

Bei den „Charles“ spielt er nun E-Gitarre und bekommt für seine sich eben ab und an überschlagende Stimme den nötigen energetischen Halt in der Band. Und auch für die übrige Band ist Xavier ein Glücksgriff. Von ihrem früheren Sänger trennten sie sich im vergangenen Jahr, weil der nicht mehr genug Zeit für die Musik aufbringen konnte. Xavier hingegen hat sich gerade dafür entschieden, sein Leben derzeit nur noch mit Musik zu bestreiten. Acht Songs haben sie nun schon geschrieben, es soll eine ganze EP werden bis zu den nächsten Konzerten im März.

Rita Argauer

Stil: Rock
Besetzung: Emi Obermeier (Schlagzeug), Maxim Frischmann (Bass), Konna Solms (Gitarre), Xavier D’Arcy (Gesang, Gitarre)
Aus: München
Seit: Mit Darcy seit 2015
Internet: soundcloud.com/thecharlesmuc

Neuland

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Über zwei Jahre mussten die Fans warten, jetzt haben El Rancho ihre neue EP für das Frühjahr 2015 angekündigt. Zu hören ist darauf auch der neue Schlagzeuger der Band, Stefan Winklhofer, 24.

Mehr als zwei Jahre haben Luca Wollenberg, 24, und Patrick Roche, 25, von El Rancho ihre Fans warten lassen: Studium, Arbeit, das Leben – nach dem zweiten Album 2012 blieb nur wenig Zeit für die Musik. Jetzt gibt es aber für die Anhänger der beiden einen Grund zur (Vor-)freude, denn kurz nach Abschluss der Aufnahmen kündigen die Jungs aus dem Würmtal ihre neue EP für das Frühjahr 2015 an.

Es ist die erste Platte, auf der auch Stefan Winklhofer zu hören sein wird, der 24-Jährige spielt seit einigen Monaten Schlagzeug im Namen der Akustik-Rock-Band. „Wir haben noch keinen genauen Release-Termin, aber man kann uns auch schon vorab anhören“, sagt Patrick Roche. Einen Vorgeschmack gibt es zum Beispiel am 8. November im Münchner Backstage. Lisi Wasmer

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Kandinsky (Rock)

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Jahr: 2014, Woche: 22

Die Rock-Band Kandinsky entert vom Dachauer Hinterland Vierkirchen jetzt Münchens Bühnen. Die Bandmitglieder fordern eine Revolution – musikalisch und gesellschaftlich.

Sich nach einer Legende zu benennen ist mutig, doch für die Band Kandinsky (Foto: Stephan Schaberl) ist das nur konsequent. Ihre Attitüde ist groß, die Musik klingt nach Stadion: melodiöser Alternative-Rock, dessen musikalische Geste weit entfernt ist vom obligatorischen Understatement der Indie-Rock-Szene. Zur Zeit der Bandgründung ist Wassily Kandinsky der Lieblingsmaler von Sänger Ben Meyer gewesen – also hat sich das Quartett schlicht nach dem frühen Modernisten benannt, dessen Kunst so bunt sei, wie die Musik, die die Band Kandinsky spielen wolle, sagt Ben. Musik, mit der die Jungs, die alle noch unter 20 Jahre alt sind, den ersten Platz im bayernweiten Finale des Emergenza-Wettbewerbs 2013 erreichten und derzeit aus ihrem Wohnort Vierkirchen im Dachauer Hinterland immer mehr in Richtung Münchens Szene drängen.

Nichts Geringeres als eine Revolution forderten sie konsequent im Titel ihrer ersten EP, musikalisch wie gesellschaftlich. Der Weg zu dieser Kraft begann 2011, als Akustik-Projekt von Sänger Ben und Bassist Michael Gässl. Mit Schlagzeuger Marcel Vieregg kam dann Rhythmus und Lautstärke hinzu – der Schritt in Richtung Rock war getan. Aber eben keiner mit verhuschten Seitenscheiteln und schrammeligen Gitarren, sondern Stadion-Rock, ein mittlerweile verpönter Begriff: Die Rock-Attitüde als Dagegen-Haltung mag nicht ganz zu der Massengefälligkeit gefüllter Sportstadien passen. Doch mittlerweile ist dieser Musikstil in der Underground-Bandszene so selten geworden, dass die Energie und die unbedingte Lust der Musiker sich in treibende Gitarrenläufe genauso hinein zu werfen wie in hymnische Gesangsmelodien irgendwo aufweckt. Die Haltung ist direkt – und eben eine Gegenbewegung zu all dem verhaltenen Indie-Gestus, der die Musik des vergangenen Jahrzehnts beherrscht hat.

Wenn sie in einem Kommentar unter ihrem Youtube-Video zum Song „F*ck you!“ mit der Stadion-Punk-Band „The Offspring“ verglichen werden, macht das Sinn. Besonders feinsinnig ist das Songwriting nicht, aber es bringt ihr Publikum zum Mithüpfen; ein Tanzstil, der auch lange in Vergessenheit geraten war. Beflügelt von dem Zuspruch wollen Kandinsky nun gerne die Musik professionalisieren und arbeiten derzeit intensiv an ihrem ersten Album. „Lost Conversations“ soll es heißen, kleine Einblicke aus dem Studioleben geben sie in Internet-Videos, die Veröffentlichung ist mit einem großen Konzert im Münchner Ampere für kommenden Juli angekündigt. Rita Argauer

Stil: Rock
Besetzung: Ben Meyer (Gesang, Gitarre, Klavier), Christian Langer (Gitarre, Background-Gesang), Patrick Kerling (Schlagzeug), Michael Gässl (Bass)
Seit: 2012
Aus: Vierkirchen, Dachau, München.
Internet: www.kandinsky-music.de

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Blackout Problems (Pop / Folk / Rock)

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Jahr: 2014, Woche: 06

Die Band Blackout Problems protestiert mit ihren Songs. Im vergangenen Jahr reduzierten sie ihren vorherigen Alternativrock auf einen Pop zwischen Folk und Rock – und knüpfen gleichzeitig inhaltlich an das Weltverbesserertum von Woodstock an.

Kriegsmetaphern gegen den Krieg. Paradox ist das: „A protest against loaded guns“ heißt es in der Strophe von „Hope“, die in einen hymnischen Refrain führt, in dem die Münchner Band Blackout Problems (Foto: Birgit Burchart) schließlich fröhlich „And we’ll keep fighting and fighting“ singt. Doch irgendwo ist so viel Neo-Revoluzzertum auch etwas Schönes.

Wann gab es denn bitte die letzten ernst gemeinten Protestsongs? Jedenfalls nicht, als die Musikzeitschrift Spex im vergangenen Jahr zu ihrem eher albernen Protestsong-Contest aufrief. Doch die Blackout Problems halten sich da textlich eher an die großen Vorbilder aus den Sechzigern, sie haben ein Thema, gegen das sie ansingen. Und das kommt an, schließlich spielten sie 2013 größere Festivals wie das „Open Flair“ oder das „Frequency Festival“ und bahnen ihren Weg konsequent aus München hinaus. „Wir spielen Konzerte in Deutschland und Österreich“, sagt Gitarrist und Sänger Mario Radetzky; auch in der Schweiz, Italien, Tschechien und England waren sie schon, und auf einer zweiwöchigen Tour durch Russland und die Ukraine. Mit diesem Portfolio wartet das Trio auf, das man in Münchens sich um sich selbst drehender Szene bisher noch gar nicht bemerkt hatte. Sie begleiteten schon 2012 die Emil Bulls auf deren Tour und veröffentlichten das Album „Life“, das im Folgenden die Onlineleser-Charts der Musikzeitschrift Visions anführte.

Der damals noch druckvoll besetzte Alternativrock wurde auf der im vergangenen Jahr im Eigenverlag erschienenen EP „Twentyfourseven“ auf eine Akustikbesetzung heruntergebrochen. Der hymnische Impetus aber blieb. Pop zwischen Folk und Rock – und Musik, die eine zeitgemäße Übersetzung des Weltverbesserertums und der Zugänglichkeit der Woodstock-Musik ist. Nun erscheint eine Neuauflage dieser Single „Hope“, für deren Produktion sich Christoph von Freydorf, Sänger der Emil Bulls, verantwortlich zeigte. Rita Argauer

Stil: Pop-Folk
Besetzung: Marcus Schwarzbach: Bass, Gesang; Mario Radetzky: Gitarre, Gesang; Michael Dreilich: Schlagzeug.
Aus: München
Seit: 2008
Internet: www.facebook.com/blackoutproblems, www.blackout-problems.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

L A (Rock)

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Jahr: 2014, Woche: 03

Lisiena hat sich eine Mitstreiterin gesucht: die Schlagzeugerin Aline Mauch. Zusammen sind sie L A. Mit AC/DC-Stromblitz im Namen und viel Kontext-Getöse wollen sie die Welt nun überzeugen, dass sie nur auf die beiden Mädels gewartet hat.

Fred Feuerstein hat seinen Barney, und Tim hat Struppi. Auch Münchens Vampirella hat sich nun einen Kompagnon gesucht, denn jede gute Geschichte braucht eine zweite Figur, um die Handlung ordentlich voran zu treiben. Ihre Karriere hat Lisiena Arifi, die sich momentan einen comicartigen Vampir-Look zugelegt hat, in den vergangenen zwei Jahren im Alleingang und unerbittlich voran getrieben. Zwei, in Eigenregie veröffentlichte Alben, alle zwei Monate ein neuer Look – immer angelehnt an aktuelle Poptrends, immer mit einem Hang zur Übertreibung – und eine ganze Menge Konzerte. Doch nun wurde das Konzept Lisiena erweitert: Zusammen mit der Schlagzeugerin Aline Mauch sind sie jetzt L A (Foto: Fabian Ketisch).

Zwischen die beiden Buchstaben, die sich ganz simpel aus den Vornamen der Musikerinnen ergeben und gleichzeitig an Los Angeles, Metropole der Inszenierung per se erinnern, setzen sie in ihrem Logo den AC/DC-Stromblitz. Und auch sonst ist man nicht sicher vor Zitaten und Referenzen. Im trockenen E-Gitarrenrock der beiden wimmelt es nur so von Anspielungen: Die rotzige Lederjacken-Attitüde einer Joan Jett trifft auf den reduzierten Bluesrock der White Stripes. Eine gehörige Portion Wut und Getöse im Sinne der Riot-Grrrls ist ebenso spürbar wie die subtile Sexyness von PJ Harvey zu „Rid of me“-Zeiten. Aufgemotzt wird das mit einem –fast kitschigen – Gothic-Rock-Look und der Hybris, die jeder ordentliche Popmusiker braucht: Die Attitüde, das zu sein, worauf die Welt gewartet hat.

Das Potpourri aus Popzitaten geht auf: In München gibt es nur wenige Künstler, die ein derart geschicktes Händchen für Kontexte haben wie Lisiena. Und die erkannt haben, dass Kontexte fast ebenso wichtig sind wie die Musik. L A ist für Lisiena eine musikalische Weiterentwicklung: Sie will das nun hinzugewonnene Schlagzeug nicht nur als Begleitung ihrer Songs sehen, sondern als eigenes strukturgebendes Element. Gerade waren sie für ein erstes Album im Studio. Rita Argauer
Erste Eindrücke gibt es unter: soundcloud.com/hiwearela

Stil: Rock
Besetzung: Lisiena Arifi: Gitarre, Gesang; Aline Mauch: Schlagzeug
Aus: München
Seit: 2013
Internet: hiwearela.tumblr.com, www.facebook.com/hiwearela

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Mary Goes Wild (Punk / Rock / Garage)

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Mary Goes Wild zeigt Mut zu ausgefransten Klängen und unsauberem Spiel.

Dreck, Staub und Rock’n’Roll. Mary Goes Wild (Foto: Tobias Tschepe) lassen sich tatsächlich noch hinreißen zu geradlinigem Mitgröl-Punk und stampfendem Garagen-Rock. Gerade hat das Münchner Duo seine zweite EP veröffentlicht und ergeht sich in einer fast streberhaften Produktivität. Fünf schnelle kurze Songs sind das auf „A la Mierda“ – die EP ist benannt nach einer Hymne der spanischen Band Ska-P. Und obwohl die Musik von Ska-P durch die Bläser um einiges voller klingt, passt die Verbindung: Auch Mary Goes Wild arbeiten mit eingängigen Melodien, treiben diese sowohl im Tempo als auch energetisch auf ein hohes Niveau und kloppen sich durch ihre Songs.

Ein bisschen gleicht das dem Prinzip, sich die Jeans in mühsamer Feinarbeit selbst aufzuribbeln, damit sie nach wilden Konzertnächten und langen Touren aussieht. Mary Goes Wild frischen ihre einfachen Akkorde durch ein unsauberes Spiel auf und lassen ihre Musik ausfransen: „Garage bedeutet für uns die Freiheit, auch mal außerhalb von Takt und Musiklehre Songs zu schreiben“, erklärt Gitarrist und Sänger Danny Wild. So stellen sie in jedem ihrer Songs klar, dass es ihnen mehr um Attitüde und Energie geht, als um ein technisch perfektes Konzert; eine Hingabe, die durchaus mitreißt. Man kann sich das gut vorstellen, wie die Songs in einem kurzen Moment, in einer Probe entstehen. Eine verzerrte Gitarre und ein dreschendes Schlagzeug, mehr braucht es für Mary Goes Wild kaum. Doch wenn sich das letzte Stück der EP – vom jaulenden Klang einer Orgel dominiert – im Titel selbst zum Tarantino-Soundtrack erklärt, relativiert das Augenzwinkern all den breitbeinigen Rock. Erst seit 2012 gibt es die Band, doch haben sie schon zwei EPs veröffentlicht. Trotzdem wollen sie sobald wie möglich wieder ins Studio; und vielleicht entsteht demnächst auch ein ganzes Album.

Internet: www.marygoeswild.com

Von Rita Argauer

Manhattan Project (Pop-Rock)

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Jahr: 2013, Woche: 29

Der Sänger und Bassist der Band Manhattan Project (Foto: Lara Freiburger) bewarb sich alleine beim KJR-Bandwettbewerb „Running for the Best“. Erst nach der Bewerbung wurde die Band gegründet.

Am Anfang waren sie ein Phantom. Eine Band ohne Band. Musik ohne Zuordnung. Patrick Denhofer, Sänger und Bassist bei Manhattan Project nahm alleine einen Song auf und sendete ihn beim KJR-Bandwettbewerb „Running for the Best“ ein. Nicht einmal ein Jahr später werden sie nun am Samstag, 20. Juli, das Oben-Ohne-Festival auf dem Münchner Königsplatz eröffnen und sich die Bühne mit Prinz Pi und Edgar Wasser teilen.

Erst als Patrick nach seiner Bewerbung die Einladung zu dem Wettbewerb bekam, fing er an, Musiker zu rekrutieren: Gitarrist Klaus Stelzer und Schlagzeuger Michael Mögele. „Der Hardrock, den ich früher gemacht habe, hat nicht so gut zu uns gepasst“, erklärt Patrick, deshalb schreiben sie jetzt ganz versöhnliche Pop-Rock-Songs. Die Stimme Patricks ist glatt, die Gitarren sind leicht verzerrt, das Schlagzeug ist treibend, aber nicht zu laut. So ist das Grenzwertigste der Truppe wohl der Bandname: Unter dem Titel Manhattan Project liefen die US-amerikanischen Forschungen an der Atombombe.

Doch ihre Musik kommt an – den Wettbewerb haben sie gewonnen und die Zusage für den Gig beim Oben-Ohne-Festival hatten sie noch vor dem Sieg bekommen. Dass die Musik gehört wird, sei im Moment noch das Wichtigste für sie, sagt Patrick. Deshalb bieten sie ihre EP, die – ganz auf die Schnelle – im Winter entstanden ist, im Internet unter www.manhattanprojectband.de zum freien Download an. Rita Argauer

Stil: Pop-Rock.
Besetzung: Patrick Dendorfer: Gesang, Bass; Klaus Stelzer: Gesang, Gitarre; Michael Mögele: Schlagzeug.
Aus: München.
Seit: 2012.
Internet: www.manhattanprojectband.de

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Darcy (Songwriter-Rock)

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Jahr: 2013, Woche: 27

Eine im klassischen Chor geschulte Stimme trifft auf rockige Gitarrenklänge. Der 18-jährige Singer-/Songwriter thematisiert in seinen Liedern die durch viele Umzüge hervorgerufene Heimatslosigkeit.

Das ist alles nur geklaut. Was die Sängerknaben von den Prinzen einst als Überhit proklamierten, ist auch für den Songwriter Darcy (Foto: Jemima Chantal D’Arcy) eine künstlerisch sinnvolle Vorgehensweise. Die Uniform trage er als Hommage an Pete Doherty und die Libertines, die Frisur hat er sich von Morrissey abgeschaut. Die Lederstiefel trägt auch Alex Turner und die Telecaster-Gitarre ist die eines Bruce Springsteen. „Ich habe eigentlich ziemlich vieles von anderen Künstlern geklaut“, erzählt er locker.

Die Musik des Songwriters ist dann aber doch erstaunlich eigen geraten. Eine Stimme, die er im klassischen Chorgesang geschult hat, trifft auf Gitarrenklänge, die so gar nicht brav und singer-songwritermäßig klingen wollen. Vielmehr spielt er mehrere Spuren übereinander ein, auch gerne mal verzerrt oder als typisches Bluesrock-Riff wie im Song „Floodlights“. Hinzu kommen sparsam gestreute Pianotöne und sein Gesang, den er gerade in den Höhen immer wieder rau und brüchig klingen lässt. Themen schöpft er aus seinem bisherigen Leben – das für den 18-jährigen Xavier Benedict D’Arcy recht international verlief; so lebte er in Frankreich, England, Kanada und Belgien. Und seit 2005 nun in München. Wenn er sich auf seiner Website als „Französisch-britischer Troubadour“ stilisiert, der in seiner verzweifelten Lyrik seine Heimatlosigkeit ausdrückt und gleichzeitig zugibt, den typischen Sorgen eines heranwachsenden Teenagers zu erliegen, blitzt da ein trockener und wohltuender Humor durch, der auch in seinen Songs zu spüren ist. Am Samstag, 6. Juli, tritt er beim Stadt-Land-Rock Festival der SZ-Jugendseite auf. Rita Argauer

Stil: Songwriter-Rock.
Besetzung: Darcy: Gitarre, Gesang.
Aus: München.
Seit: 2011.
Internet: https://www.facebook.com/xdarcymusic

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.