Band der Woche: Inside Golden

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Inside Golden spielen eine Musik, für die sie eigentlich viel zu jung sind: Blues. Und das ist auch gut so, denn die Musiker eint eine Liebe zu echten, analogen Sounds.

Das Ziel ist erst mal unklar. Wenn junge Menschen beginnen, Musik zu machen, liegen da oft ganz unterschiedliche Intentionen darunter: Ausgleich zum Alltag etwa. Oder Rebellion. Gesellschaftspolitisches Sendungsbewusstsein oder vielleicht auch ein wenig der Traum, mit der eigenen Musik berühmt zu werden. Das Berühmtwerden erfolgt in den seltensten Fällen jedoch auf einen Schlag, vielmehr ist das ein schleichender Prozess. Zuerst kennt die Band keiner. Dann kommen erste Auftritte, der Name spricht sich rum. Erst im Stadtviertel, später dort, was man als Szene bezeichnet. Also meist bei anderen Musikern, die in der selben Stadt in denselben Clubs auftreten.

Und da hört der Weg zur Berühmtheit dann bei den meisten auch schon wieder auf. Eine der wenigen Ausnahmen ist der junge Münchner Bluesmusiker Jesper Munk. Bei dem hörte das stetige Steigen der Bekanntheit überhaupt nicht auf, der wurde einfach weiter in kleinen Schritten immer berühmter. Vor dem Berühmtwerden hatte Jesper Munk jedoch in einer Münchner Szene-Band gespielt. Und die Mitglieder dieser Band, die unter dem Namen Lila’s Riot auftrat, haben sich nun ohne den berühmt gewordenen Jesper Munk, neu formiert. Inside Golden nennt sich das Quartett, der mittlerweile Anfang 20-jährigen Musiker. Und die lässige Haltung, mit der die vier Musiker eine irgendwo Teenager-verklärte Variante des Altherren-Trübsal-Genres Blues heraushauen, ist bemerkenswert.

Der Blues übt sowieso eine Faszination auf diese spezielle Mikro-Szene Münchens aus. Da gibt es durchaus noch ein paar mehr, außer dem Blues-Poster-Boy Jesper Munk, die mit verhangener Rückwärtsgewandtheit einen Stil spielen, für den sie eigentlich viel zu jung sind. Die doch mittlerweile ebenfalls ansehnlich bekannt gewordene Whiskey Foundation etwa, die Blues-Hippies Ni Sala und die Hard-Rock-Blueser The Black Submarines. Das ist die Gesellschaft, in der sich auch Inside Golden wohl fühlen, die den Songwriter Matthew Austin oder Henny Gröblehner alias Pour Elise zu ihrem erweiterten Szene-Freundeskreis zählen. Vereint sind sie alle durch eine in Zeiten von heimischen Laptops-Studios und elektronischer Musikproduktion fast aus der Zeit gefallene Treue zu akustischen oder im Falle von Verstärkern zur elektroakustischen Tonerzeugung: „Uns eint die Liebe zum analogen Sound, verzerrten Röhrenverstärkern, echten Drums“, erklären Inside Golden, die sich vor der Aufgabe sehen, „mit den uns gegebenen Mitteln Musik zu machen“. Dass dabei Musik entstehen soll, die trotzdem in der heutigen Zeit als relevant und modern angesehen werden kann, ist dabei Voraussetzung für die Band, die in diesem Jahr eine erste EP veröffentlichen möchte und möglichst viele Konzerte plant. 

Die Musik, die sie im vergangenen Jahr schon in ein paar Konzerten live präsentierten, hat dabei einen recht besonderen Charme. Denn Inside Golden verwirklichen wohl am konsequentesten einen Blues-Sound, der der Unentschlossenheit der digital verwöhnten Millennial-Generation entspricht. Sie vermitteln das Gefühl eines innerlichen Brennens, während der äußerliche Rahmen der Musik sich in Lo-Fi-Ästhetik durch schwere Blues-Harmonien schleppt und den Klang der glühenden Röhrenamps zum Hauptträger der Musik macht. Sie sind damit noch ein wenig lethargischer als ihre alten Vorbilder Jimi Hendrix oder Bob Dylan. Und gleichzeitig vermittelt diese Musik ein schwach, aber konstant glühendes Aufbegehren. Nichts löst sich da ein. Und genau das macht es verheißungsvoll. Die musikalisch erzählte Erinnerung an Rock ’n’ Roll-Exzesse, die die joggende Gesundheitsjugend heutzutage so nicht mehr praktiziert.  

Text: Rita Argauer

Foto: 

Käthe deKoe

Band der Woche: Vertigo

Rock`n`Roll steht längst nicht mehr für Skandale und Drogen, die Band Vertigo weiß das und verwandelt den “Highway to hell” kurzerhand zur “Highroad to Happiness”. Gute Rockmusik machen sie trotzdem.

Was ist nur mit dem Rock ’n’ Roll passiert? Was ist aus diesem einst aus der Widerspenstigkeit heraus geborenen Genre der Rock-Musik geworden? Ein Genre, in dem provoziert wurde. Ein Genre, vor dem Eltern und Großeltern einstimmig warnten und die Musiker wie die Fans sich abseits der Gesellschaft positionierten, fröhlich grölend, mitten auf dem „Highway to hell“. Und jetzt sind die Rock ’n’ Roller die schönsten Schwiegersöhne von allen, auf die sich alle einigen können – bei Bandwettbewerben genauso wie bei buddhistischen Selbstfindungskursen.

Exemplarisch dafür steht die Münchner Band Vertigo (Foto: Laura Fiona Holder), die in diesem Jahr den Sprungbrett-Wettbewerb des Feierwerks gewann, ihr kommendes Album erfolgreich per Crowdfunding finanzierte und einen Song im Gepäck hat, mit dem programmatischen Titel „Highroad to Happiness“. Ja, Vertigo, eine Band, die den Anspruch für sich verficht, authentische Rock-Musik zu machen, sich also damit abgrenzen möchte von all dem Mainstream-Indie und dem Konsens-Elektro, ist gleichzeitig auch Kind ihrer Konsens-Zeit – eine Zeit, in der man eher durch gute Leistung als durch Herumsandeln überzeugt.

Dass die vier Jungs von Vertigo das können, was sie tun, steht außer Frage. Sie können das sogar wirklich gut – sehr tight spielen sie da zum Teil gar nicht unkomplizierte Rhythmen, intonationssicher jault Lead-Sänger und Gitarrist Mario Hain darüber, lässt die Stimme absichtlich ein wenig brüchig klingen. Man macht das einfach so, wenn man heutzutage Rock-Musik spielt. Und damit führen Vertigo das weiter, was die Guns ’n’ Roses in den Neunzigerjahren begannen – sie überführen Rockmusik in den Pop. Doch ohne die Skandale eines Axl Rose, denn Skandale und Drogen sind spätestens seit Amy Winehouse aus der Codestruktur konsensfähiger Rockmusik herausgefallen. Drogen sind uncool, Skandale auch. Heutzutage macht man die Dinge richtig, im dem Sinne, wie es die Erwachsenen definieren. Oder noch richtiger als es die heute im Großelternalter angekommenen Sechziger- und Siebzigerjahre-Rebellen es jemals zu träumen wagten.

Man darf das nicht falsch verstehen, Vertigo machen ihre Sache richtig gut. Sie haben sich vor ungefähr vier Jahren während des Studiums in München kennengelernt. Sie beschäftigen sich in ihrer Kunst mit Themen, „die für uns selbst gerade interessant und wichtig sind und damit wohl auch die Gefühle und Sehnsüchte unserer Generation widerspiegeln“, erklären sie. Das seien Liebesthemen, Zukunftsunsicherheiten und Fernweh – ja, diese Generation sieht ganz andere dunkle Wolken über ihrer Zukunft hängen als es noch vor 40 Jahren der Fall war, als die Jugend lustvoll und voller Agit-Prop-Spaß gegen den Staat aufbegehrte. Mit dem Staat hat man heute weniger Probleme, man weiß nur auch, dass dieser einen im Zweifelsfall nicht retten wird.

Rückzug ins Private lautet in solchen Fällen der Slogan seit dem Biedermeier. Und auch das ist nicht negativ, in der Romantik ist großartige Hausmusik entstanden. Und die Musik von Vertigo ist eben ebenso gut gemacht, detailreich ausgefüllt und ein wenig wie die rock ’n’ rollige Variante von zwei Bands, die vor ein paar Jahren in München diese biedermeierliche Ästhetik dem Indie-Rock aufstülpten: This is the Arrival und Hello Gravity. Die scheiterten letztlich nicht an mangelnder Zuneigung der Fans, aber an der Big-Business-Musik-Industrie, die sie verhökern wollte, was bei der Zartheit beider Bands zum Scheitern verurteilt war.

Deshalb kann man Vertigo nur wünschen, dass sie noch möglichst lange bei sich bleiben, denn diese spezielle Gefühl ihrer Generation treffen nur sie so gut, das kapiert kein Musikmanager mehr richtig, der bereits jenseits der 30 ist.  Rita Argauer

Vertigo

Stil: Neo-Rock
Besetzung: Mario Hain (Gesang, Gitarre), Andre Akansu (Gitarre, Gesang), Sebastian Stöckl (Bass), Wolfgang Winkler (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2012
Internet: www.vertigo-band.com

Neuland: Blue Haze

Die David Lynch-Liebhaber Rosa Kammermeier und Julian Riegl treten seit Neuestem gemeinsam als Blue Haze auf. Kennen dürften sie die meisten schon als Mitglieder der Bands Lilit and the Men in Grey und Kafkas Orient Bazaar. Mit Blue Haze gehen sie nun in Richtung düsterer Elektro-Pop und experimentellem Rock.

Bei David Lynch denkt man vermutlich an erster Stelle an „Mullholland Drive“ oder „Lost Highway“. Dass der US-amerikanische Kult-Regisseur jedoch auch selbst Musik schreibt und singt und spielt, ist nur besonderen Liebhabern bekannt. Rosa Kammermeier und Julian Riegl, beide Mitte 20, stellten fest, dass sie beide solche Liebhaber sind, und ließen sich von David Lynchs düsterem Elektro-Pop mit experimentellen Rock-Einflüssen inspirieren.

Die Musiker, die normalerweise in den Bands Lilit and the Men in Grey und Kafkas Orient Bazaar zu hören sind, haben sich vor ungefähr einem Jahr zusammengetan, um in Julians Zimmer einige Songs aufzunehmen. Nach nur vier Monaten gibt es mit „Moon“ nun schon die erste EP zu hören. Rosa und Julian nennen sich Blue Haze und arbeiten derzeit an ihrem ersten Live-Set. Am 25. April werden sie als Support von Radiation City im Ampere zu hören sein. Ein Termin für eine Release-Party ihrer EP steht allerdings noch nicht fest. Das geplante Musikvideo „sollte schon etwas Ausgefallenes sein“, sagt Julian – auch hier ganz in David-Lynch-Manier.  

Foto: Sophie Wanninger

Von: Theresa Parstorfer

Album Kritik „Still on the Run“ – Line Walking Elephant

Richtig gute Musik, unter einem ausgefallenen Namen – Line Walking Elephant meldet sich nach zwei Jahren im Studio mit “Still on the Run” zurück. Ehrlicher Rock beschäftigt sich mit Nachhaltigkeit und Konsum. Kluge Texte in energetischer Verpackung. Das warten hat sich gelohnt!

Manchmal hat man das Gefühl, Musiker gründen nur deshalb eine Band, weil sie eine coole Namensidee haben. So etwas könnte auch bei Line Walking Elephant passiert sein – oder aber, hier haben sich eine Reihe talentierter Musiker zusammengeschlossen, um unter einem ausgefallenen Namen richtig gute Musik zu machen.  Nach ihrem Debütalbum „Overload“ kehren sie nun nach zwei Jahren im Studio mit „Still on the Run“ zurück.
Im Mittelpunkt des mit acht Titeln relativ kurzen Albums steht das Thema Nachhaltigkeit und Konsum. Besonders augenfällig wird das bei dem Titel „Work an Consume“, doch das Thema findet sich auch in allen Liedern auf dem Album wieder. Musikalisch haben die Musiker ihren energetischen, ehrlichen Rock beibehalten, vielleicht hier und da noch garniert mit Indie-Elementen. Bereits der Opener „On the Ground“ zieht durch seinen treibenden Grundrhythmus in das Album, hin zu dem titelgebenden zweiten Lied – und einem großen Highlight der CD – „Still on the Run“. Bei diesem fast hymnischen Song kommt besonders die Stimme von Sänger Ferdinand Dankesreiter zur Geltung, die häufig an Samu Haber erinnert – ähnlich kraftvoll und energiegeladen, aber mit deutlich klügeren Texten. Überhaupt wäre ein Vergleich mit einer Mainstream-Poprock Band ungerecht, dazu sind die Texte schlicht zu vielschichtig, etwa die nachdenklichen Titel „Human“ und „Pretty Soul“. Seine stärksten Momente hat das Album, wenn es zum Ende hin geht. Die beiden Titel „Drown“ und „Dark“ bilden ein schönes Gegenstück zu dem kraftvollen Einstieg in das Album – und könnten wohl genauso gut auch von den Smashing Pumpkins stammen.

Philipp Kreiter
Foto: Lennart Heidtmann

Black Submarines

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Das Quietschgelb der Yellow Submarine hat sie kurzerhand etwas verdunkelt: die Münchner Band Black Submarines. Diesen Freitag stellen sie ihr Album im Münchner Club Strom vor.

Die psychedelische Zeichentrick-Komik der Beatles ist eigentlich weit entfernt von staubigem Bluesrock. Doch sobald Unterseeboote und Popkultur zusammentreffen, stellt sich zwangsläufig die Assoziation mit der Yellow Submarine ein. Deren quietschiges Gelb hat die Münchner Band Black Submarines (Foto: Sabrina Liebl) einfach ein wenig verdunkelt. Und so hört sich auch deren Musik an: Die feine Ironie und Überzeichnung der Beatles wird bei dem Quartett durch eine rauere und rockige Ernsthaftigkeit ersetzt.

In München gibt es seit ein paar Jahren eine konstant wachsende Blues-Rockszene: The Whiskey Foundation, Bequerels oder die Gipsy Beards spielen alle recht rotzigen, groovenden und vor allem ein wenig aus der Zeit gefallenen Blues-Rock.

Die Black Submarines, deren Releasekonzert zum ersten Album nun bevor steht, reihen sich dort ein: Der melodiöse und mehrstimmige Gesang von den beiden Gitarristen Benny May und Richy Strobl sowie dem Bassisten Carl Muschol wird über stampfende Mid-Tempo-Songs gesetzt, die alle die typische Lethargie von zu schwülem Wetter oder zu viel Alkohol in sich tragen. Eher im Country angelegte und von Akustik-Gitarren dominierte Nummern wechseln sich auf dem Album „Waiting for the Time“ mit treibenden Stücken ab.

Der Aufnahmequalität des Albums hört man allerdings die Gegenwart an: Sauber und druckvoll sind die Beats, die den etwas verwaschenen Sound anschieben. Die Klarheit, die der an Elektro- und Club-Musik geschulte Münchner Musiker Beni Brachtel, der sich für die Aufnahme verantwortlich zeigte, in die Musik einbrachte, macht Sinn.

Und eine Nische haben die Musiker, die ihr Album am Freitag, 20. Februar, im Münchner Club Strom vorstellen, auch schon gefunden: Seit ihrer Gründung 2011 haben sie immer wieder Musik für Theaterstücke oder Filme gemacht. Etwa für das Stück „Fear No Fear“ am Theater-Werk München oder für einen Film über Free-skiing. Denn Musik, die so mit einer nostalgischen Ausstrahlung spielt wie die der Black Submarines, macht sich in erzählenden Medien immer besonders gut.

Rita Argauer

Stil: Blues / Country / Rock 

Besetzung: Benny May (Gesang, Leadgitarre), Richy Strobl (Gesang, Gitarre, Harmonika), Carl Muschol (Bass, Gesang), Sascha Dick (Schlagzeug, Percussion) 

Aus: München 

Seit: 2011 

Internet: www.theblacksubmarines.com

The Charles

Am Anfang standen stundenlange Gespräche über Led Zeppelin und Deep Purple. Jetzt hat die Rockband The Charles einen Neuzugang bekommen – einen Musiker mit Chorsänger-Erfahrung. 

Tonnen von Haarspray sind da gar nicht mehr nötig. Genauso wenig wie Stufenschnitte und voluminöse Ponys. Den Münchner Songwriter Darcy kann man sich auch schwer mit so einer Aufmachung vorstellen. Aber auch seine neuen Bandkollegen schauen eher aus wie die typischen Indie-Kids.

Doch musikalisch lässt die Münchner Band The Charles (Foto: Linus Enzmann) den breitbeinigen Hard-Rock wieder auferstehen, dessen jüngste Ausläufe bisher irgendwo in den späten Achtzigerjahren lagen. Nun haben sie mit Darcy einen überraschenden Neuzugang gefunden. Xavier D’Arcy, den man unter dem Künstlernamen Darcy eigentlich als mitreißend hingebungsvollen Indie-Songwriter kennt, übernimmt seit dem ersten gemeinsamen Konzert Anfang Januar den Job als Sänger bei den Hardrockern.

„Als wir uns zum ersten Mal getroffen haben, haben wir uns stundenlang über Led Zeppelin und Deep Purple unterhalten“, erklärt Xavier. Da sei die musikalische Ausrichtung ziemlich schnell klar gewesen: „Wir machen Rock“, sagt er, das sei auch der grundlegende Unterschied zu seinem Soloprojekt. Und bei dieser Band heißt es für Xavier nun, sich mit „Ehrgeiz, Herzblut und der üblichen Naivität einer Rock-Band“ in das Projekt hineinzuwerfen. Von nun an als Musiker in Doppelbesetzung unterwegs zu sein, ist dabei für ihn kein Problem, die zwei Projekte seien auch klar voneinander abgesetzt: „Alle Songs von The Charles entstehen im Proberaum bei Jam-Sessions und alle Darcy-Songs schreibe ich zu 100 Prozent alleine.“

Man kann sich den Musiker mit Chorsänger-Erfahrung aber auch ganz gut vorstellen in einem derart breit und energetisch angelegten Sound: Bei seinen Solo-Konzerten malträtiert er seine Akustik-Gitarre oft mit einem Anschlag, der die Saiten beinahe zum Reißen bringt. Und seine Stimme lässt er immer wieder ins Schreien kippen, die Energie scheint dabei förmlich aus ihm herauszuquellen.

Bei den „Charles“ spielt er nun E-Gitarre und bekommt für seine sich eben ab und an überschlagende Stimme den nötigen energetischen Halt in der Band. Und auch für die übrige Band ist Xavier ein Glücksgriff. Von ihrem früheren Sänger trennten sie sich im vergangenen Jahr, weil der nicht mehr genug Zeit für die Musik aufbringen konnte. Xavier hingegen hat sich gerade dafür entschieden, sein Leben derzeit nur noch mit Musik zu bestreiten. Acht Songs haben sie nun schon geschrieben, es soll eine ganze EP werden bis zu den nächsten Konzerten im März.

Rita Argauer

Stil: Rock
Besetzung: Emi Obermeier (Schlagzeug), Maxim Frischmann (Bass), Konna Solms (Gitarre), Xavier D’Arcy (Gesang, Gitarre)
Aus: München
Seit: Mit Darcy seit 2015
Internet: soundcloud.com/thecharlesmuc

Neuland

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Über zwei Jahre mussten die Fans warten, jetzt haben El Rancho ihre neue EP für das Frühjahr 2015 angekündigt. Zu hören ist darauf auch der neue Schlagzeuger der Band, Stefan Winklhofer, 24.

Mehr als zwei Jahre haben Luca Wollenberg, 24, und Patrick Roche, 25, von El Rancho ihre Fans warten lassen: Studium, Arbeit, das Leben – nach dem zweiten Album 2012 blieb nur wenig Zeit für die Musik. Jetzt gibt es aber für die Anhänger der beiden einen Grund zur (Vor-)freude, denn kurz nach Abschluss der Aufnahmen kündigen die Jungs aus dem Würmtal ihre neue EP für das Frühjahr 2015 an.

Es ist die erste Platte, auf der auch Stefan Winklhofer zu hören sein wird, der 24-Jährige spielt seit einigen Monaten Schlagzeug im Namen der Akustik-Rock-Band. „Wir haben noch keinen genauen Release-Termin, aber man kann uns auch schon vorab anhören“, sagt Patrick Roche. Einen Vorgeschmack gibt es zum Beispiel am 8. November im Münchner Backstage. Lisi Wasmer

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Kandinsky (Rock)

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Jahr: 2014, Woche: 22

Die Rock-Band Kandinsky entert vom Dachauer Hinterland Vierkirchen jetzt Münchens Bühnen. Die Bandmitglieder fordern eine Revolution – musikalisch und gesellschaftlich.

Sich nach einer Legende zu benennen ist mutig, doch für die Band Kandinsky (Foto: Stephan Schaberl) ist das nur konsequent. Ihre Attitüde ist groß, die Musik klingt nach Stadion: melodiöser Alternative-Rock, dessen musikalische Geste weit entfernt ist vom obligatorischen Understatement der Indie-Rock-Szene. Zur Zeit der Bandgründung ist Wassily Kandinsky der Lieblingsmaler von Sänger Ben Meyer gewesen – also hat sich das Quartett schlicht nach dem frühen Modernisten benannt, dessen Kunst so bunt sei, wie die Musik, die die Band Kandinsky spielen wolle, sagt Ben. Musik, mit der die Jungs, die alle noch unter 20 Jahre alt sind, den ersten Platz im bayernweiten Finale des Emergenza-Wettbewerbs 2013 erreichten und derzeit aus ihrem Wohnort Vierkirchen im Dachauer Hinterland immer mehr in Richtung Münchens Szene drängen.

Nichts Geringeres als eine Revolution forderten sie konsequent im Titel ihrer ersten EP, musikalisch wie gesellschaftlich. Der Weg zu dieser Kraft begann 2011, als Akustik-Projekt von Sänger Ben und Bassist Michael Gässl. Mit Schlagzeuger Marcel Vieregg kam dann Rhythmus und Lautstärke hinzu – der Schritt in Richtung Rock war getan. Aber eben keiner mit verhuschten Seitenscheiteln und schrammeligen Gitarren, sondern Stadion-Rock, ein mittlerweile verpönter Begriff: Die Rock-Attitüde als Dagegen-Haltung mag nicht ganz zu der Massengefälligkeit gefüllter Sportstadien passen. Doch mittlerweile ist dieser Musikstil in der Underground-Bandszene so selten geworden, dass die Energie und die unbedingte Lust der Musiker sich in treibende Gitarrenläufe genauso hinein zu werfen wie in hymnische Gesangsmelodien irgendwo aufweckt. Die Haltung ist direkt – und eben eine Gegenbewegung zu all dem verhaltenen Indie-Gestus, der die Musik des vergangenen Jahrzehnts beherrscht hat.

Wenn sie in einem Kommentar unter ihrem Youtube-Video zum Song „F*ck you!“ mit der Stadion-Punk-Band „The Offspring“ verglichen werden, macht das Sinn. Besonders feinsinnig ist das Songwriting nicht, aber es bringt ihr Publikum zum Mithüpfen; ein Tanzstil, der auch lange in Vergessenheit geraten war. Beflügelt von dem Zuspruch wollen Kandinsky nun gerne die Musik professionalisieren und arbeiten derzeit intensiv an ihrem ersten Album. „Lost Conversations“ soll es heißen, kleine Einblicke aus dem Studioleben geben sie in Internet-Videos, die Veröffentlichung ist mit einem großen Konzert im Münchner Ampere für kommenden Juli angekündigt. Rita Argauer

Stil: Rock
Besetzung: Ben Meyer (Gesang, Gitarre, Klavier), Christian Langer (Gitarre, Background-Gesang), Patrick Kerling (Schlagzeug), Michael Gässl (Bass)
Seit: 2012
Aus: Vierkirchen, Dachau, München.
Internet: www.kandinsky-music.de

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Blackout Problems (Pop / Folk / Rock)

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Jahr: 2014, Woche: 06

Die Band Blackout Problems protestiert mit ihren Songs. Im vergangenen Jahr reduzierten sie ihren vorherigen Alternativrock auf einen Pop zwischen Folk und Rock – und knüpfen gleichzeitig inhaltlich an das Weltverbesserertum von Woodstock an.

Kriegsmetaphern gegen den Krieg. Paradox ist das: „A protest against loaded guns“ heißt es in der Strophe von „Hope“, die in einen hymnischen Refrain führt, in dem die Münchner Band Blackout Problems (Foto: Birgit Burchart) schließlich fröhlich „And we’ll keep fighting and fighting“ singt. Doch irgendwo ist so viel Neo-Revoluzzertum auch etwas Schönes.

Wann gab es denn bitte die letzten ernst gemeinten Protestsongs? Jedenfalls nicht, als die Musikzeitschrift Spex im vergangenen Jahr zu ihrem eher albernen Protestsong-Contest aufrief. Doch die Blackout Problems halten sich da textlich eher an die großen Vorbilder aus den Sechzigern, sie haben ein Thema, gegen das sie ansingen. Und das kommt an, schließlich spielten sie 2013 größere Festivals wie das „Open Flair“ oder das „Frequency Festival“ und bahnen ihren Weg konsequent aus München hinaus. „Wir spielen Konzerte in Deutschland und Österreich“, sagt Gitarrist und Sänger Mario Radetzky; auch in der Schweiz, Italien, Tschechien und England waren sie schon, und auf einer zweiwöchigen Tour durch Russland und die Ukraine. Mit diesem Portfolio wartet das Trio auf, das man in Münchens sich um sich selbst drehender Szene bisher noch gar nicht bemerkt hatte. Sie begleiteten schon 2012 die Emil Bulls auf deren Tour und veröffentlichten das Album „Life“, das im Folgenden die Onlineleser-Charts der Musikzeitschrift Visions anführte.

Der damals noch druckvoll besetzte Alternativrock wurde auf der im vergangenen Jahr im Eigenverlag erschienenen EP „Twentyfourseven“ auf eine Akustikbesetzung heruntergebrochen. Der hymnische Impetus aber blieb. Pop zwischen Folk und Rock – und Musik, die eine zeitgemäße Übersetzung des Weltverbesserertums und der Zugänglichkeit der Woodstock-Musik ist. Nun erscheint eine Neuauflage dieser Single „Hope“, für deren Produktion sich Christoph von Freydorf, Sänger der Emil Bulls, verantwortlich zeigte. Rita Argauer

Stil: Pop-Folk
Besetzung: Marcus Schwarzbach: Bass, Gesang; Mario Radetzky: Gitarre, Gesang; Michael Dreilich: Schlagzeug.
Aus: München
Seit: 2008
Internet: www.facebook.com/blackoutproblems, www.blackout-problems.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

L A (Rock)

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Jahr: 2014, Woche: 03

Lisiena hat sich eine Mitstreiterin gesucht: die Schlagzeugerin Aline Mauch. Zusammen sind sie L A. Mit AC/DC-Stromblitz im Namen und viel Kontext-Getöse wollen sie die Welt nun überzeugen, dass sie nur auf die beiden Mädels gewartet hat.

Fred Feuerstein hat seinen Barney, und Tim hat Struppi. Auch Münchens Vampirella hat sich nun einen Kompagnon gesucht, denn jede gute Geschichte braucht eine zweite Figur, um die Handlung ordentlich voran zu treiben. Ihre Karriere hat Lisiena Arifi, die sich momentan einen comicartigen Vampir-Look zugelegt hat, in den vergangenen zwei Jahren im Alleingang und unerbittlich voran getrieben. Zwei, in Eigenregie veröffentlichte Alben, alle zwei Monate ein neuer Look – immer angelehnt an aktuelle Poptrends, immer mit einem Hang zur Übertreibung – und eine ganze Menge Konzerte. Doch nun wurde das Konzept Lisiena erweitert: Zusammen mit der Schlagzeugerin Aline Mauch sind sie jetzt L A (Foto: Fabian Ketisch).

Zwischen die beiden Buchstaben, die sich ganz simpel aus den Vornamen der Musikerinnen ergeben und gleichzeitig an Los Angeles, Metropole der Inszenierung per se erinnern, setzen sie in ihrem Logo den AC/DC-Stromblitz. Und auch sonst ist man nicht sicher vor Zitaten und Referenzen. Im trockenen E-Gitarrenrock der beiden wimmelt es nur so von Anspielungen: Die rotzige Lederjacken-Attitüde einer Joan Jett trifft auf den reduzierten Bluesrock der White Stripes. Eine gehörige Portion Wut und Getöse im Sinne der Riot-Grrrls ist ebenso spürbar wie die subtile Sexyness von PJ Harvey zu „Rid of me“-Zeiten. Aufgemotzt wird das mit einem –fast kitschigen – Gothic-Rock-Look und der Hybris, die jeder ordentliche Popmusiker braucht: Die Attitüde, das zu sein, worauf die Welt gewartet hat.

Das Potpourri aus Popzitaten geht auf: In München gibt es nur wenige Künstler, die ein derart geschicktes Händchen für Kontexte haben wie Lisiena. Und die erkannt haben, dass Kontexte fast ebenso wichtig sind wie die Musik. L A ist für Lisiena eine musikalische Weiterentwicklung: Sie will das nun hinzugewonnene Schlagzeug nicht nur als Begleitung ihrer Songs sehen, sondern als eigenes strukturgebendes Element. Gerade waren sie für ein erstes Album im Studio. Rita Argauer
Erste Eindrücke gibt es unter: soundcloud.com/hiwearela

Stil: Rock
Besetzung: Lisiena Arifi: Gitarre, Gesang; Aline Mauch: Schlagzeug
Aus: München
Seit: 2013
Internet: hiwearela.tumblr.com, www.facebook.com/hiwearela

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.