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Die SZ Junge Leute Spotify-Playlist des Jahres 2018

In München war 2018 musikalisch einiges los. Nachdem wir gestern schon einen Blick auf die Bands und Künstler dieser Stadt geworfen haben, wagen wir heute den Schritt über die Stadtgrenzen hinaus. Denn auch national und international gab es Hochqualitatives auf die Ohren. Welche Songs unsere Redaktionsmitglieder im vergangenen Jahr bewegt haben  und warum auch ein Klassiker von Kylie Minogue dabei ist  das zeigen wir euch in dieser Playlist.

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Neuland

„Auf Instagram ist die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne des Nutzers gerade mal sieben Sekunden lang. Da kommt es darauf an, diese sieben Sekunden bestmöglich zu nutzen“, sagt Max Osswald, 26. Max ist Dichter. Seine Texte veröffentlicht er auf Instagram optisch aufgemotzt: handschriftlich verfasste Gedichte, in Szene gesetzt durch einen passenden Filter oder schmückende Zeichnungen – doch das Internetpublikum reicht ihm nicht mehr. Nachdem er zuletzt das Buch Quarterlife Crisis veröffentlichte, zieht es ihn nun auf die Bühne. In diesem Buch geht es um die Irrungen und Wirrungen im Leben junger Großstadtmenschen auf der Suche nach sich selbst – und nach Lebensabschnittspartner inklusive ausgiebiger Schilderungen emotionsgeladener Liebesabenteuer. Klar, so etwas zieht nicht nur im Internet, dafür erntet man auch Applaus bei Poetry Slams. Seit Oktober tritt er bei mehreren Poetry Slams in München auf. Auch auf einer Comedy-Bühne war er jüngst zu sehen. Philipp Potthast

Zwischen Beats und Liebeskummer

Der letzte Samstag im Farbenladen bei unserer Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” war abwechslungsreich. Für die Besucher gab es an diesem Tag eine Beatbox-Session, Poetry Slam, eine Lesung und Musik von Paul Kowol.

Bevor es am letzten und Farbenladensamstag mit dem
Programm losgeht, bereiten die Schauspielschüler und Beatboxer Blaise Amada und
Conrad Ahrens ihr Set vor, machen Soundcheck und fangen an, einige Takte zu
beatboxen und zu rappen, während sich der Farbenladen nach und nach mit
neugierigen Besuchern füllt. Als es nach dem frühlingshaften Tag anfängt zu
dämmern, geht es mit dem Programm los. Maximilian Weigl, Gewinner der PULS-Lesereihe,
platziert sich auf den Bierkästen und lässt das Publikum entscheiden, welchen
Text er vorlesen soll. Zur Auswahl stehen der Gewinnertext der Lesereihe, der
Ausschnitt eines Romanentwurfs, sowie der Text, den er für die Lesereihe nicht
eingesendet hat. Für den Gewinnertext stimmt keiner, stattdessen möchte das
Publikum wissen, welchen nachdenklichen und düsteren Text Maximilian nicht
einreichen wollte. Er trinkt einen Schluck von seinem Bier und beginnt, mit
langsamer, monotoner, aber fester Stimme seine Geschichte vorzulesen, in der er
es um einen Attentäter geht. Als er fertig vorgelesen hat, möchte er die
Stimmung mit einem Gedicht über eine Taube auflockern, bei der er das Publikum
mit einbezieht, indem dieses am Ende Gurrgeräusche machen und die Arme in die
Luft heben soll. Nach zwei weiteren Gedichten über „Liebeskummer in Zeiten der
Globalisierung“, sowie darüber, wie man bereits mit Mitte 20 von Migräne oder
Rückenschmerzen geplagt wird, lässt er das Publikum wieder entscheiden, welchen
Text er vorlesen soll. Die Besucher entscheiden sich für einen Auszug aus einem
Romanentwurf, bei dem es um einen jungen melancholischen BWL-Studenten geht,
der sich bei seinem nächtlichen Streifzug über den Stiglmaierplatz in eine Frau
verliebt und sich mit ihr eine Zigarette teilt.

Nach dem großen Applaus beginnt Conrad Ahren mit dem
Beatboxen und fordert das Publikum dazu auf, aufzustehen und näher zu kommen.
Nach einer Einlage steigt Blaise mit dem Rap ein. Das Publikum hebt die Arme
hoch und von draußen schauen vorbeilaufende Passanten neugierig in den
Farbenladen rein und tummeln sich am Eingang. Am Ende ruft das Publikum nach
einer Zugabe und die beiden fangen an zu improvisieren. Conrad und Blaise sind Studierende
des ersten Jahrgangs der Otto-Falckenberg-Schauspielschule und haben sich dort
kennengelernt und bereits in einem Theaterstück performt. Für beide war es eine
neue Erfahrung, vor einem kleineren Publikum aufzutreten, sagt Blaise: „Es ist
schwieriger, ein kleines Publikum zu erreichen, doch es hat richtig Spaß
gemacht, die Stimmung war richtig gut.“

Nach einer kurzen Pause, bei der die Besucher
draußen noch die letzten Sonnenstrahlen genießen, geht es mit dem Programm
weiter: ein kurzes Interview mit der Schauspielstudentin Anouk Elias, die als
Model für die Ausstellung vor der Kamera stand. Sie erklärt, welchen
Unterschied es macht, auf der Bühne oder vor der Kamera zu stehen: „Auf der
Bühne herrscht eine ganz andere und energetische Spannung. Vor der Kamera ist
alles eher modelliert, erfordert aber eine unglaubliche Präzision. Auf der
Bühne sieht man ein Augenzwinkern beispielsweise nicht.“ Doch die Shootings
haben ihr alle großen Spaß gemacht: „Ich kann nicht sagen, welches das schönste
Shooting war. Alle waren superspannend.“

Der nächste Act ist Poetryslammer Philipp Potthast,
der drei nachdenkliche und teils gesellschaftskritische Texte mitgebracht hat,
mit denen er das Publikum zum Lachen bringt. Dazu gehört ein Text, den er in
seiner Zeit in Holland geschrieben hat, als ihn die Sehnsucht nach den bunten
U-Bahnhöfen oder den „besoffenen Australiern“ gepackt hat und so viele
Weißwürste zutzeln wolte, bis er weiß-blau anläuft. Denn das wäre Heimatliebe.
In einem weiteren Text geht es um seine Missgunst gegenüber Witzen, die schon
sehr alt sind wie der vom bekannten BWL-Studenten namens Justus Aurelius,
Merkels Mundwinkeln oder „i bims“. Seiner Meinung nach sollte Humor auch dazu
da sein, kritische Themen anzusprechen und auch „den Finger in die Wunde zu
legen“, ohne dabei frauenfeindlich oder rassistisch zu sein. Der Rat, den er
dem Publikum bezüglich Witzen gibt, die die Halbwertszeit überschritten haben,
lautet: „Bitte lacht darüber nicht“ und bringt damit das Publikum zum Lachen.

Bevor der letzte Farbenladensamstag endet, spielt
Paul Kowol mit seiner Gitarre und singt über die Liebe, bevor er schnellere
Lieder spielt: „nicht dass ihr denkt, ich mach nur Schmuselieder“. Das Publikum
klatscht und die Stimmung ist ausgelassen, als er das dazu auffordert, die
Hände hochzunehmen.

Text: Serafina Ferizaj

Fotos: Serafina Ferizaj

Neuland: Wer wird Band des Jahres?

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Wer wissen will, wer sich mit dem Titel “Band des Jahres” schmücken darf, muss sich den 15. Februar rot im Kalender anstreichen. Neben den nominierten Bands treten auch Comedians und Kabarettisten auf.

Hip-Hop trifft auf Bluesrock. Indie-Pop auf Art- und Alternative-Pop. Das Line-Up der Veranstaltung „Wer wird Band des Jahres?“ ist vielfältig: Chaem, Eliza, Matija, Ni Sala, Swango und Beta. Diese Bands und vier weitere standen zur Wahl für die Band des Jahres der Junge-Leute-Seite der SZ. In einer ersten Runde konnten Facebook-User für ihre Lieblingsband abstimmen. In einer zweiten Runde haben die Bands ein Ranking erstellt, wobei sie nicht für sich stimmen durften. Diese beiden Votings wurden zu einem Gesamtvoting verrechnet. Am Ende des Abends wird die Band des Jahres gekürt. Für ein buntes Rahmenprogramm sorgen die Comedians Julian Beysel, Sebastian Ulrich und Michael Mauder, die Kabarettisten und Musiker Julian Wittmann und Peter Fischer, Poetry-Slammer Philipp Potthast und Liedermacher Alex Döring. Bis spät in die Nacht kann zu House- und Funk-Klängen von DJ Alex Blum getanzt werden.

Wer wird Band des Jahres? Donnerstag, 15. Februar, Bahnwärter Thiel, Tumblinger Straße 29, Beginn 19.30 Uhr, Eintritt fünf Euro.

Text: Lena Schnelle

Foto: Fabian Christ

Natürlich Blond

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Es ist aus einem Kindermusical entstanden: Das Hip-Hop-Duo “Natürlich Blond”, bestehend aus Johannes Berger und Philipp Potthast. Benannt haben sie sich nach der Komödie “Natürlich blond”, in der Reese Witherspoon das Klischee des dummen Blondchens gibt.

Dass aus einem Kindermusical ein spannendes Band-Projekt entsteht, verwundert. Mit lieblich singenden Prä-Pubertären und Musik, deren Stil man aus Disney-Filmen kennt, mag man die Songs des Münchner Hip-Hop-Duos Natürlich Blond (Foto: Astrid Heinrich/ Kadir Kara) und auch die Beats so gar nicht verbinden. Doch MC Johannes Berger und Bryan Müller alias SCNTST haben sich mit elf Jahren beim Kindermusical kennengelernt. Bryan begann dann – nachdem er sich vom Musical gelöst hat – elektronische Musik zu produzieren, die er nun bei Boys Noize Records veröffentlicht und mit der er mittlerweile einigen Erfolg hat. Und Johannes gründete zusammen mit Philipp Potthast das Rap-Duo.

Vor drei Jahren begannen die beiden unter ihren Pseudonymen Philipp Quh und Jean Bordello im Kinderzimmer ihre ersten Tracks aufzunehmen, anschließend haben sie sich in Poetry Slams und Internet-Battles ausprobiert. Doch so richtig ernst meinen sie es mit der Musik erst seit vergangenem Jahr. Hier liegt eines der wunderbaren Paradoxa des Hip-Hops – denn je ernster es die beiden mit der Musik meinten, desto doppelbödiger und ironischer wurde ihr Auftreten. Der Bandname verweist auf einen Film mit Reese Witherspoon, der gar nicht so schlecht ist wie sein auf Blondinen-Witzen herumhackender Titel. Der Eröffnungs-Track des Debütalbums „Marvin“ beschimpft das eigene künstlerische Unterfangen als „bourgeoise Scheiße“, nachfolgend zitieren sie eine Phrase von Edgar Wasser und Fatonis Track „Deutscher Rap“ und ergänzen die Zeile um „Deutscher Rap ist mehr so Kinderkanal.“ Doch dem Kinderkanal ist diese Art der künstlerischen Reflexion längst entwachsen, genauso wie dem Kindermusical, dem sie es verdanken, dass SCNTS ihnen ein paar wirklich wundervolle Beats auf das Album gezimmert hat. 

Und nun wollen sie weitermachen und in diesem Jahr noch ein Folge-Album veröffentlichen, obwohl Johannes zum Studium von München nach Hannover gezogen ist: „Die gemeinsame Zeit zum Mucke machen ist da manchmal ein wenig knapp, dafür umso intensiver“, sagt Philipp, denn abhalten lassen wollen sie sich auf keinen Fall. Sie sind vielmehr gespannt, was passiert, wenn der momentane Hype um deutschen Hip-Hop abflaut – eine Zeit, die sie – wie gewohnt ernstfrei – als eine echte Chance für sich begreifen: „Wenn diese Blase mal geplatzt ist, freuen wir uns darauf, Aufbauarbeit zu betreiben. Und zwar kostümiert als emsig schuftende Trümmerfrauen.“  Rita Argauer

Stil: Hip-Hop
Besetzung: Johannes Berger, Philipp Potthast (beide Raps, Texte), verschiedene Produzenten
Aus: München
Seit: 2012
Internet: natuerlichblond.bandcamp.com