Von Freitag bis Freitag München: Unterwegs mit Wolfgang

Schon am Donnerstag hörte man es an jeder Ecke der Stadt: Den lieblichen Singsang unser italienischen amici, die uns dieses Wochenende mal wieder besuchen kommen, um uns beim „festa della birra” mal zu zeigen, wie man „Vooooooooolare“ richtig grölt. Das kann man lieben oder hassen, ein Spektakel ist es allemal. Für alle, die sich noch nicht ganz sicher sind, ob sie es lieben oder doch eher hassen, hier eine kleine Auswahl alternativer Tipps für die kommenden sieben Tage. Unterwegs in München von Freitag bis Freitag, Kotzhügel-Slalom und Kultur inklusive.

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Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Barbara

Wiesn ja oder nein? Die Frage ist individuell zu beantworten und in den meisten Fällen schnell entschieden. Wir haben für euch ein alternatives Wochenprogramm erstellt. Weit weg vom Masskrugheben.

Es ist schon eine Kunst für sich, während
der Wiesnzeit dem Oktoberfest zu entfliehen. Schwingende Dirndl und
Lederhosen so weit das Auge reicht. Aber meine Veranstaltungen haben diese
Woche (fast) nichts mit dem Wiesn-Wahnsinn zu tun.

Am Freitagabend bin ich auf einem Geburtstag eingeladen.
Aber für diejenigen, die auf Garagen Pop stehen: Ab mit euch in die Milla, wo die „Night
Shirts“
ihre neuen Songs zum Besten geben! Beginn ist um 20 Uhr. Hinterher
empfiehlt sich ein Abstecher in die „Schnelle Liebe“. Hier ist es urig aber
herzlich.

Am Samstag bin ich in der Minna Thiel zu finden,
wo zum ersten Mal der Krims
& Krams Flohmarkt
stattfindet. Laut Facebook kann man dort tolle Dinge
wie Requisiten, Klamotten und Kostüme erwerben. Vintage-Fans sollten sich
dieses Spektakel unter freiem Himmel also nicht entgehen lassen. Von 14 Uhr an
geht’s los, der Eintritt ist frei.

Abends wird dann im Strom die Tanzfläche
unsicher gemacht. Die „Visions
Party“
ist unter den alten Indie-Hasen längst bekannt. DJ Albert Rojal
versorgt uns bis 6 Uhr morgens mit tollen Musikklassikern aus den Bereichen
Indie und Alternative.

Am Sonntag ist die Bundestagswahl und jeder sollte wählen
gehen. Ausreden zählen nicht! Nachdem ich mein Wahlzettelchen in die Urne
geschmissen habe, lasse ich mich um 14 Uhr im Farbenladen von der Ausstellung
„Moments
– Art & Weise“
inspirieren. Sieben verschiedene Künstler haben eine sehenswerte
Gruppenausstellung auf die Beine gestellt und in ihren Werken Themen wie „Energie“,
„Welten“ und „Momente“ auf unterschiedliche Weise verarbeitet. Ich bin gespannt
auf die Ergebnisse.

Am Montag weiß ich nichts mit mir anzufangen. Vielleicht
kommt es doch noch zu einem gemütlichen Wiesnbesuch – mit schwingendem Dirndl
versteht sich! Wer aber nicht in Wiesnstimmung ist, sollte um 20:55 Uhr ins Arena Filmtheater gehen. Der
Film „Einmal bitte alles“ soll laut einer Freundin sehr empfehlenswert sein!

Am Dienstag verzichte ich wieder auf die Wiesn und gehe
stattdessen ins Ampere
zum Isar
Slam im September
. Viele tolle Slammer werden heute Abend vertreten sein,
unter anderem der Poetry Slam-Meister Philipp Scharrenberg. Ich freue mich
schon sehr auf den Abend! Um 20 Uhr geht’s los.

Der Mittwochabend wird vielversprechend. Es geht wieder
einmal in die Milla. Die
heutige Veranstaltung lautet „Jazz Jam“. Das Jazz
Institut der Hochschule für Musik und Theater München
beehrt die Milla an
diesem Abend mit einer Jamm-Session. Beginn ist um 19:30 Uhr, der Eintritt ist
frei. Und falls danach noch der große Hunger folgt: Die „Gute Nacht Wurst“ in der
Klenzestraße oder der „Bergwolf“
in der Frauenhoferstraße sind jeweils nur ein paar Gehminuten entfernt. Hier bekommt man Currywurst und Pommes bis spät in die Nacht!

Am Donnerstagabend verschwinde ich unter Deck: Untypisch München feiert
zusammen mit Sustain Munich
ihr zweijähriges Bestehen und veranstaltet aus diesem Anlass im Unter Deck eine Musiknacht
der besonderen Art. Aufgetischt werden Stilrichtungen wie Dub, Grime, UK Bass
und Jungle. Von 22 Uhr an geht’s los, der Eintritt ist frei. Alternativ findet
um 19:30 Uhr im Lost
Weekend
eine Lesung
von Kevin Kuhn
zu seinem zweiten Roman „Liv“ statt.

Am Freitag dann die Frage aller Fragen: Wiesn oder nicht
Wiesn? Vielleicht zwäng ich mich doch noch einmal in mein Dirndl. Nur um den
Touristen zu zeigen, wie eine ordentliche Dirndltracht auszusehen hat: Knie gehören
bedeckt und es werden keine Sneakers dazu getragen!


Text: Barbara Forster

Foto: Privat

250 Zeichen Wut: Christbaumkugeln auf Lack-Stelzen

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Ein für alle Mal:
ein Dirndl ist kein Mini-Rock. Wir tragen keine Nikes zur Tracht.

Und man hat bitte nicht auszusehen wie eine
Christbaumkugeln auf Lack-Stelzen.

Schon klar! Sich jedes Jahr erneut über die Wiesn aufzuregen, das ist out. Mir aber egal, also lasst mich doch grantig sein. Trinkt so viel ihr wollt, zahlt so viel ihr wollt, lallt so viel ihr wollt. Aber zieht euch doch bitte, bitte anständiger an! Diesen Modeschock erleben wir Jahr für Jahr und dennoch kann und will ich mich davon nicht erholen. Nein, ein Dirndl ist kein Mini-Rock. Nein, wir tragen keine Nikes zur Tracht. Und bitte – hört auf “I wui hoam nach Fürstenfeld” zu singen, während ihr ausseht, wie glitzernde Christbaumkugeln auf Lack-Stelzen. Des muass doch ned sei!

Text: Anastasia Trenkler

Von Freitag bis Freitag München – Unterwegs mit Maxime

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Maxime startet diese Woche das Anti-Wiesn-Programm. Für alle, die wie er nicht unbedingt oder zumindest nicht ausschließlich auf Bier und Konga-Mega-Schaukel stehen, hat München auch noch so manch anderes Spaßiges zu bieten: Zombi-Session im Sunny Red, 20. Münchner Hardcore Festival oder auch “Die kalte Libido” im Haus der Kunst lassen die letzten Septembertage ganz schnell in den Oktober übergehen.

Und wieder einmal bricht jene Zeit des Jahres an, in der München vom Oktoberfest in seinem bierbeseelten Atem gehalten wird und die Stadt um unzählige neue, torkelnde Sehenswürdigkeiten, die die Strapazierfähigkeit des menschlichen Körpers in Sachen Alkoholkonsum demonstrieren, bereichert wird.

In Sachen Veranstaltungen scheint es auf den ersten Blick keinen Weg an der Wiesn vorbei zu gehen — was sich als umso problematischer erweist für mich, da ich weder Alkohol trinke, noch mich allzu gerne freiwillig auf Fahrgeschäften von unbarmherzigen G-Kräften herum schleudern lassen will, es sei denn, es handelt sich dabei um Autoscooter. Von einem einzelnen Ausflug auf Letztere abgesehen, muss also für den Rest der Woche noch ein Alternativprogramm her — und das lässt sich, man mag es kaum glauben, selbst zur Wiesnzeit in München problemlos aufstellen.

Zunächst einmal steht am Freitag Abend die Zombie Session Vol. 15 im Sunny Red an. Im Rahmen dieses Konzertabends treten vor allem (New) Wave-, (Post) Punk- und Synthpopbands auf — endlich mal ein gegebener Anlass, um meinen Joy Division-Pullover überzustreifen und in diesem in einen Ozean aus düsteren elektronischen Klängen zu versinken.

Auch der Samstag steht ganz im Zeichen von Musik — im Gegensatz zum vorherigen Abend fällt diese aber (wie man anhand des großzügig verwendeten Caps Lock im Veranstaltungsnamen sehen kann) deutlich brachialer aus, denn beim 20. MUNICH HARDCORE FESTIVAL im Feierwerk dreht sich alles um den jüngeren, harscheren Bruder des Punk Rocks und seine lokalen Münchner Vertreter. Da für die Veranstaltung mittlerweile schon die zweite Dekade anbricht, gibt es zum Jubiläum auch eine kleine Ausstellung über das Festival.

Am Sonntag werde ich morgens zunächst einmal meine diversen Knochenbrüche vom Moshpit am vorherigen Tage auskurieren; am Nachmittag gehe ich dann weiter zur Ausstellung über Edi Ramas “Daily Drawings”, die momentan in der Galerie Kempl stattfindet. Edi Rama ist insofern besonders interessant, dass er nicht nur Künstler, sondern gleichzeitig auch aktueller Ministerpräsident Albaniens ist, der seine tagtäglichen Erfahrungen und Erlebnisse in abstrakten, farbenprächtigen Zeichnungen auf Kalenderblättern, die nun in der Galerie ausgestellt werden, festhält. Damit erhält sein Werk auch eine faszinierende politische Komponente, die reichlich Diskussions- und Reflexionsstoff bietet.

Montags wage ich mich dann doch noch auf die Wiesn. Dort erleide ich weitere Knochenbrüche durch exzessives Autoscootergerase, ehe ich nach Hause flüchte und dort als Ausgleich noch Marcel Prousts zweiten Band seines siebenteiligen Romanzyklus Auf der Suche nach der verlorenen Zeit beginne, das ich vor Semesterbeginn unbedingt noch lesen wollte. Bei solch schönen und verschnörkelten Schachtelsätzen, nach denen man lange Zeit nichts anderes mehr lesen will, verblassen dann auch rasch die traumatischen Erinnerungen an meine Erlebnisse auf der Wiesn.

Dienstags besuche ich im Haus der Kunst die Ausstellung „Die kalte Libido“ aus der Sammlung Goetz, in der vorallem Videokunst im Zentrum steht; unter anderem werden hierbei Werke von bekannten Videokünstlern wie Keren Cytter, Aïda Ruilova, Jeanne Faust, Annika Larsson und Shahryar Nashat ausgestellt, die sich tiefgreifenden Themen menschlicher Erfahrung widmen und für diesen Zweck die Grenzen des Mediums Film ausloten.

Der Mittwoch steht ganz im Zeichen der Vorbereitungen für meine an diesem Abend anstehende Geburtstagsfeier, die bei mir zuhause stattfindet und in deren Rahmen ich meine Gäste wieder mit Trashfilmen, absurden Musikvideos und Money Boy als musikalische Untermalung zu bespaßen versuche, ehe wir ins Münchner Nachtleben eintauchen und in meinen Geburtstag hinein feiern.
Früher am Abend besuche ich aber noch das Konzert von einer meiner Lieblingsbands, und zwar Between The Buried And Me. Besagte Band hat erst kürzlich ihr neuestes Opus „Coma Ecliptic“, eine abwechslungsreiche Progressive Metal-Oper, die gleichermaßen über von peitschenden Blastbeats getriebene Parts als auch sphärische, hymnenhafte Refrains aufweist, veröffentlicht, und macht im Rahmen der begleitenden Tour auch in München Halt.

Am Donnerstag werde ich dann schließlich wie bereits angekündigt ein Jahr älter, und gönne mir im Kino erstmal den an diesem Tag erscheinenden neuen Streifen meiner Lieblingsanimationsschmiede Pixar: Inside Out, in dem personifizierte Emotionen für Gleichgewicht im psychischen Innenleben eines jungen Mädchens namens Riley, das gerade nach San Francisco umgezogen ist, sorgen wollen. Auch wenn ich jetzt 22 bin und meine Teenagerjahre immer mehr in die Ferne rücken, so spüre auch ich noch manchmal die Nachbeben der Pubertät in Form von emotionalen Irrungen und Wirrungen — noch ein Grund mehr also, sich den Film anzuschauen.

Freitag lasse ich dann das vom Wiesnwahnsinn heimgesuchte München zurück und fahre wieder für ein paar Tage nach Luxemburg, um auch dort wieder den wichtigsten der arbiträr gewählten Zeitintervalle im Leben eines Menschen zu zelebrieren.

Maxime Weber

Foto: Meret Siemen

Auswandern

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Auf dem Oktoberfest verliebte sich Elisabeth Cook in einen Australier. Nach zwei Jahren Fernbeziehung und ihrem Bachelor-Abschluss, heiratete sie ihn und lebt nun in Australien.

Sydney – Verliebt. Verlobt. Verheiratet. Und ans andere Ende der Welt gezogen. Elisabeth Cook, 23, lernte ihren Ehemann Bryan vor drei Jahren auf der Wiesn kennen. Er ist Australier und war für das berühmteste Volksfest der Welt nach München gekommen. Ein halbes Jahr hatten sie E-Mail Kontakt. In den Semesterferien reiste Elisabeth nach Australien, um Bryan zu besuchen. Zwei Jahre Fernbeziehung folgten. Denn die junge Münchnerin studierte in Passau Staatswissenschaften und wollte erst ihren Bachelor abschließen, bevor sie auswanderte. Mit Ring am Finger und neuem Nachnamen im Pass.

In Sydney will sie jetzt als Fotografin Karriere machen. „Mein Plan A ist die Fotografie. Ich fange hier quasi bei Null an. Doch es läuft. Und einen Plan B habe ich auch nicht“, sagt Elisabeth. Bryan hat eine große Familie und unterstützt die 23-Jährige. Durch das soziale Netzwerk ihrer neuen Familie und Freunde bekommt Elisabeth Aufträge. „Für die Fotografie habe ich mich aus ganz vielen verschiedenen Gründen entschieden. Neben dem Bildermachen gefällt mir die Arbeit mit unterschiedlichen Menschen, aber auch die Herausforderungen, die das Marketing mit sich bringt. Insgesamt fand ich die Vielseitigkeit des Berufs und damit die Möglichkeiten, die sich einem gerade auch durch das Internet bieten, sehr verlockend“, sagt sie.

Elisabeth bezeichnet Sydney als ihre neue Heimat, doch ihre alte fehlt ihr oft. „Heimweh ist Dauerzustand“, sagt sie. Mit ihrer Mutter hat sie täglich auf allen Social-Media-Kanälen Kontakt. „Sie schickt mir immer Bilder von den Blumen im Garten und den Haustieren. Das macht das Heimweh natürlich noch schlimmer. Aber ich freue mich über jedes Foto“, sagt Elisabeth. Auch mit den Freunden in Deutschland bleibt sie im Kontakt. Doch der große Zeitunterschied macht lange Telefonate schwierig.  

Stefanie Witterauf

Foto: Privat