Zwischen Beats und Liebeskummer

Der letzte Samstag im Farbenladen bei unserer Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” war abwechslungsreich. Für die Besucher gab es an diesem Tag eine Beatbox-Session, Poetry Slam, eine Lesung und Musik von Paul Kowol.

Bevor es am letzten und Farbenladensamstag mit dem
Programm losgeht, bereiten die Schauspielschüler und Beatboxer Blaise Amada und
Conrad Ahrens ihr Set vor, machen Soundcheck und fangen an, einige Takte zu
beatboxen und zu rappen, während sich der Farbenladen nach und nach mit
neugierigen Besuchern füllt. Als es nach dem frühlingshaften Tag anfängt zu
dämmern, geht es mit dem Programm los. Maximilian Weigl, Gewinner der PULS-Lesereihe,
platziert sich auf den Bierkästen und lässt das Publikum entscheiden, welchen
Text er vorlesen soll. Zur Auswahl stehen der Gewinnertext der Lesereihe, der
Ausschnitt eines Romanentwurfs, sowie der Text, den er für die Lesereihe nicht
eingesendet hat. Für den Gewinnertext stimmt keiner, stattdessen möchte das
Publikum wissen, welchen nachdenklichen und düsteren Text Maximilian nicht
einreichen wollte. Er trinkt einen Schluck von seinem Bier und beginnt, mit
langsamer, monotoner, aber fester Stimme seine Geschichte vorzulesen, in der er
es um einen Attentäter geht. Als er fertig vorgelesen hat, möchte er die
Stimmung mit einem Gedicht über eine Taube auflockern, bei der er das Publikum
mit einbezieht, indem dieses am Ende Gurrgeräusche machen und die Arme in die
Luft heben soll. Nach zwei weiteren Gedichten über „Liebeskummer in Zeiten der
Globalisierung“, sowie darüber, wie man bereits mit Mitte 20 von Migräne oder
Rückenschmerzen geplagt wird, lässt er das Publikum wieder entscheiden, welchen
Text er vorlesen soll. Die Besucher entscheiden sich für einen Auszug aus einem
Romanentwurf, bei dem es um einen jungen melancholischen BWL-Studenten geht,
der sich bei seinem nächtlichen Streifzug über den Stiglmaierplatz in eine Frau
verliebt und sich mit ihr eine Zigarette teilt.

Nach dem großen Applaus beginnt Conrad Ahren mit dem
Beatboxen und fordert das Publikum dazu auf, aufzustehen und näher zu kommen.
Nach einer Einlage steigt Blaise mit dem Rap ein. Das Publikum hebt die Arme
hoch und von draußen schauen vorbeilaufende Passanten neugierig in den
Farbenladen rein und tummeln sich am Eingang. Am Ende ruft das Publikum nach
einer Zugabe und die beiden fangen an zu improvisieren. Conrad und Blaise sind Studierende
des ersten Jahrgangs der Otto-Falckenberg-Schauspielschule und haben sich dort
kennengelernt und bereits in einem Theaterstück performt. Für beide war es eine
neue Erfahrung, vor einem kleineren Publikum aufzutreten, sagt Blaise: „Es ist
schwieriger, ein kleines Publikum zu erreichen, doch es hat richtig Spaß
gemacht, die Stimmung war richtig gut.“

Nach einer kurzen Pause, bei der die Besucher
draußen noch die letzten Sonnenstrahlen genießen, geht es mit dem Programm
weiter: ein kurzes Interview mit der Schauspielstudentin Anouk Elias, die als
Model für die Ausstellung vor der Kamera stand. Sie erklärt, welchen
Unterschied es macht, auf der Bühne oder vor der Kamera zu stehen: „Auf der
Bühne herrscht eine ganz andere und energetische Spannung. Vor der Kamera ist
alles eher modelliert, erfordert aber eine unglaubliche Präzision. Auf der
Bühne sieht man ein Augenzwinkern beispielsweise nicht.“ Doch die Shootings
haben ihr alle großen Spaß gemacht: „Ich kann nicht sagen, welches das schönste
Shooting war. Alle waren superspannend.“

Der nächste Act ist Poetryslammer Philipp Potthast,
der drei nachdenkliche und teils gesellschaftskritische Texte mitgebracht hat,
mit denen er das Publikum zum Lachen bringt. Dazu gehört ein Text, den er in
seiner Zeit in Holland geschrieben hat, als ihn die Sehnsucht nach den bunten
U-Bahnhöfen oder den „besoffenen Australiern“ gepackt hat und so viele
Weißwürste zutzeln wolte, bis er weiß-blau anläuft. Denn das wäre Heimatliebe.
In einem weiteren Text geht es um seine Missgunst gegenüber Witzen, die schon
sehr alt sind wie der vom bekannten BWL-Studenten namens Justus Aurelius,
Merkels Mundwinkeln oder „i bims“. Seiner Meinung nach sollte Humor auch dazu
da sein, kritische Themen anzusprechen und auch „den Finger in die Wunde zu
legen“, ohne dabei frauenfeindlich oder rassistisch zu sein. Der Rat, den er
dem Publikum bezüglich Witzen gibt, die die Halbwertszeit überschritten haben,
lautet: „Bitte lacht darüber nicht“ und bringt damit das Publikum zum Lachen.

Bevor der letzte Farbenladensamstag endet, spielt
Paul Kowol mit seiner Gitarre und singt über die Liebe, bevor er schnellere
Lieder spielt: „nicht dass ihr denkt, ich mach nur Schmuselieder“. Das Publikum
klatscht und die Stimmung ist ausgelassen, als er das dazu auffordert, die
Hände hochzunehmen.

Text: Serafina Ferizaj

Fotos: Serafina Ferizaj

Große Themenvielfalt im Farbenladen

Es ist wieder kalt geworden, der Frühling hat sich verabschiedet. Alles ist trüb und grau auf der Hansastraße. Doch der Farbenladen erstrahlt zum Glück als einziger Lichtfleck. Romina Ecker verzaubert das Publikum mit ihren Texten und King Pigeon sorgen für musikalische Untermalung

Zwischen einigen neugierigen Besuchern treffen schon bald
die Jungs von King Pigeon ein. Sie werden später ein Akustik Set spielen.
Vorher muss aber noch aufgebaut und der Sound ausgiebig gecheckt werden: Mikros
werden gerückt und Entfernungen optimal austariert, Dominik platziert eine
Banane neben seinem Cajon, die Nervennahrung darf schließlich nicht fehlen.

Zuvor nimmt aber noch ein zierliches Mädchen mit schwarzen
Zöpfen und roten Lippen an dem kleinen Metalltischchen in der Mitte des Raumes
platz um die Gäste für die nächste halbe Stunde in ihren Bann zu ziehen. Es ist
Romina Ecker, eine junge Drehbuch Studentin der HFF München. Sie wird einige
Texte vortragen, die in ihrer Variabilität sehr gut in den Rahmen der Ausstellung
passen: In so verschiedenen Situationen wie die Models auf den Fotos
präsentiert werden, so breit gefächert sind auch Rominas Themen und Schauplätze.

Ihr erster Text heißt „Tropical Banana“ – der Titel makaber
in seiner Heiterkeit, denn der Text behandelt nichts weniger als dem Kampf mit
dem Tod. Die Erzählung erfolgt in Ich-Form, was den Text umso ergreifender
macht, und ist gespickt von metaphorischen Bildern. Zwischen Knochenfrauen,
Giftbars und Glaskerkern wird die Brutalität deutlich, mit der eine Krankheit
ein Leben beenden kann, und die Unsicherheit, in der so ein Einschnitt die
Personen lässt, wird unterstrichen durch das immer wieder auftauchende Wörtchen
„vielleicht“.

Als Überleitung liest Romina zwischen den Texten je eine
Postkarte vor, und es wird einem schnell bewusst, dass gerade der kurze Text
auf einer Postkarte erneut ausdrückt, wie unterschiedlich  Persönlichkeiten sein können. Der knappe,
dramatische oder gestresste Stil der Karten sorgt bei den Zuhörern für einige
Lacher und trägt somit zur Auflockerung der Stimmung zwischen den schweren
Themen bei. Trotz der Ernsthaftigkeit der Texte ist Rominas Humor überraschend
unvorhersehbar und taucht völlig unvermittelt auf. Die Beschreibungen sind
detailreich und man identifiziert sofort die Drehbuchautorin dahinter, denn es
fällt dem Zuhörer leicht, sich direkt in die Szene hineinzuversetzen. Auch im
letzten  Text „Das 5. Pferd“ sind die
Worte so lautmalerisch gewählt, sodass man sich fühlt, als würde man mit auf
die Kutschfahrt nach Pavia gehen und das Schnauben der Pferde hören.

Nach der Lesung wird direkt angeregt diskutiert. Wie so oft
steht die Frage im Mittelpunkt, wie man als junge Literatin heute ausreichend
Aufmerksamkeit erlangt, besonders in einer Stadt wie München. „Schade, dass
sowas in München immer so am Rande stattzufinden scheint“, sagt auch Romina.
„Man muss die Leute immer erst überreden zu solchen Veranstaltungen zu kommen,
als hätten sie irgendwas zu verlieren. Dabei reden die Leute immer davon, was
alles in München fehlt, aber anstatt einfach mal hinzugehen, und sich
überraschen zu lassen, ziehen sie lieber in eine andere Stadt, in der
vermeintlich mehr los ist.“ Trotzdem ist sie optimistisch, dass ihre Arbeit
auch Aufmerksamkeit erlangt, denn es gibt treues Publikum. Sie empfiehlt die
Webserie „Fett und Fett“, an der sie derzeit mitwirkt. 2019 erscheint die 2.
Staffel, alles frei verfügbar auf Vimeo.

Über die Ausstellung wird natürlich auch noch gesprochen,
denn Alina Oswald, eine der Fotografinnen, ist vor Ort. Mit der Moderatorin
Kathi Hartinger spricht sie kurz über ihre Fotoserie, in der sie Muster auf die
nackte Haut der Models projiziert hat. „Die Arbeit mit den Models war sehr
natürlich und individuell und die Shootings gestalteten sich spontan und
persönlich. Ich habe die Models selbst entscheiden lassen, wie weit sie sich
öffnen wollten.“ Außerdem lobt Alina auch das gesamte Projekt der Ausstellung
„10 im Quadrat“. Die große Diversität an teilhabenden Persönlichkeiten sei eine
wunderbare Gelegenheit für die Entstehung von Vernetzungen in der
künstlerischen Szene Münchens. „Schade, dass sich die Fotografen während des
Projekts nicht so genau kennengelernt haben, aber ich habe mir dennoch viel
Inspiration holen können.“, sagt Alina.

Mittlerweile ist es dunkel vor den großen, einladend
leuchtenden Fenstern des Farbenladens und es hat sogar angefangen zu schneien.
Doch drinnen bleibt die Atmosphäre wohlig warm, denn nun betreten King Pigeon
die Bühne. Obwohl die Band normalerweise zu viert auftritt, scheint es dem
Akustik Set an nichts zu fehlen. Die Gitarrenriffs sind clean, die Stimmen klar
und die Melodien gehen sofort ins Ohr. Der treibende Beat des Cajons verleitet
unvermittelt dazu, mit im Takt zu klatschen und auch wir vom SZ Junge Leute
Team wippen hinter der Bar begeistert auf den Zehenspitzen auf und ab. Ja, die
Musik von King Pigeon macht Spaß und ist durchaus sehr tanzbar. Wer die Band in
voller Besetzung hören will, sollte am 04.04. im Orange House vorbeischauen, da
treten die Jungs als nächstes auf und freuen sich über neue Gesichter.

Doch auch das Akustik Set war für die Jungs sehr lehrreich.
„Es war gar nicht so leicht das zu planen“, sagt Chris. „Wir dachten, wir
treffen uns ein zwei Mal, aber haben im Endeffekt dann fünf mal für den
Auftritt geprobt“. Marius stimmt zu. „Man entdeckt seine eigenen Songs
plötzlich ganz anders. An vielen Stellen muss man variieren und Dinge ersetzen,
wobei man alles nochmal neu überdenkt. Dabei haben wir viel gelernt.“ King
Pigeon bedanken sich bei der SZ Junge Leute Seite für die Einladung und
besonders auch bei dem aufmerksamen Publikum. „Es ist anders, wenn alles hell
ist und man auf einmal ein sitzendes Publikum hat“, sagt Chris. „Da hat man
einfach nicht das direkte Feedback und mit der Situation muss man auch umgehen
können. Das hat für uns aber sehr gut geklappt.“

Auch nach dem Konzert bleiben die Besucher noch lange,
schlendern noch einmal durch die Ausstellung und plaudern mit den Künstlern.
Vernetzungen entstehen, Kontakte werden geknüpft, gemeinsam wird weitergezogen.
Der Samstagabend ist schließlich noch jung und in München ist immer etwas los.

Fotos: privat

Text: Marietta Jestl

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Louis

image

Neues Jahr, neue Pläne. Unser Autor startet raketenmäßig ins neue Jahr und nimmt sich viel vor: über die Fotografie-Ausstellung “But a mermaid has no tears” über eine Lesung bis hin zur Albumrelease-Party von The Whiskey Foundation ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Für das neue Jahr habe ich mir keinen einzigen Vorsatz
gemacht. Und das ist nicht nur gut, sondern auch richtig so. Meiner Meinung
nach legitimiert man so nur das eigene schlechte Gewissen. Brechen tun wir die
Vorsätze sowieso alle sehr schnell. Dieses Jahr mache ich mir nichts vor. Würde ich mich
mit derartig lästigen Dingen wie joggen gehen oder dem Verzicht aufs Feiern
gehen beschäftigen, dann wäre mein volles Programm im neuen Jahr ja wohl kaum zu
schaffen. Und das wäre nun einmal wirklich schade.

Ich beginne den Freitag
in einer kleinen Fotogalerie in der Maxvorstadt. Dort findet heute die Finissage der beiden
tollen Fotografen Laura Zalenga und Korbinian Vogt statt. Beide haben sich in
der Münchner Szene einen Namen gemacht und werden heute noch ein letztes Mal
ihre kleine Werkschau in der Galerie Ingo Seufert präsentieren. Später möchte
ich raus, tanzen, springen, die Welt vergessen. Der Crux Winter Jam im
heimeligen Muffatwerk verspricht wild zu werden. Oder gemütlich mit feinstem Soul ins Import Export.
Dort ist das Passauer DJ-Kollektiv Funk & Liebe zu Gast, mit denen sich der Weihnachtsspeck mit Sicherheit auf die beste und spaßigste Art und Weise
wegshaken lässt.

Am Samstag
schlafe ich erst einmal gemütlich aus. Nach ausgiebigem Kaffee-Frühstück und
einem gemütlichen Sofa-Tag schlendere ich in das Café Kosmos. Hier wird heute
Abend die Fotographie-Ausstellung „But a mermaid has no
tears“
eröffnet. Die analogen Portraits der jungen Münchnerin Nadja
Ellinger haben etwas von Alptraum und Märchengeschichte zugleich – die
Fotografin selbst schreibt: „Ich wollte nicht die äußere Handlung des Märchens
fotografieren, sondern mehr die innere.“ Nach der Vernissage und den ersten
Biergläsern schaue ich im STROM an der Poccistraße vorbei. Der Lieblings-DJ des
Glockenbachviertels – Fancy
Footworks
– steht dort heute an den Plattentellern und versorgt mich wie
gewohnt mit einem fetzigen Auftritt. Später treffe ich noch eine Freundin auf
ein letztes Bier im Sunny Red. Hier sorgen D-Light und MC Jah Screechy aus
Großbritannien für besten Dub zu später Stunde
genau das Richtige, um den letzten Samstag vor dem gefürchteten Unistart
abzurunden.

Dieser löst bei mir am Sonntag
starkes Fernweh aus. Gut, dass heute im Muffatwerk eine Vortragsreihe verschiedenster
Dokumentarfilmemacher stattfindet. Von Kuba, durch die Schnee- und Eiswüsten
dieser Erde, bis nach Asien und in die Anden ist mit Sicherheit so einiges
dabei, um bei mir neue Reiseträume wach werden zu lassen.

Montag. 10 Uhr,
Hörsaal. Finde ich gerade auch nicht so schlimm. Nach einem langen Tag wie
diesem schmerzt mir allerdings der Kopf und ich statte dem wunderbaren
Trachtenvogl einen abendlichen Besuch ab. Der ist heute gefüllt mit bestem Folk von den
beiden Münchnern Carmina Reyes und Sleepwalker’s Station. Gut gegen Uni-Blues,
schlecht für meine Ungeduld, bald wieder reisen zu gehen.

Dabei sind solche Träume vom Fliegen eigentlich der reinste
Luxus. Das wird mir am heutigen Dienstag
wieder bewusst, an dem ich die Sonderausstellung
„Nie wieder. Schon wieder. Immer noch.“ im NS-Dokumentationszentrum über den
erneuten Aufstieg rechtsextremen Gedankenguts in Europa besuche. Unangenehme Gedanken
über diesen unerträglichen Nationalismus plagen mich nun. Weshalb ich mich
spontan entschließe, dem Gemeinschaftsprojekt „Bellevue di Monaco“ noch schnell
einen Besuch abzustatten. Hier wird jeden Dienstag in einem offenen Tanzworkshop
eine Choreographie erarbeitet, die Tanzstile aus aller Welt miteinander
verbindet. Das verleiht mir wieder gute Laune. Tanz, Kultur ist eben nichts Statisches, was schon immer so da war und immer gleichen bleiben könnte.

Den Mittwoch
lasse ich ruhig angehen. Ich gehe spazieren an der Isar. Und abends noch ins
Lovelace, auf eine
Lesung
. Sara Hauser und Elisa Weinkötz lesen eigene Kurzgeschichten, die
sich in der Natur abspielen. Ich hoffe nur, es regnet nicht.

Am Donnerstag
gehe ich wieder meinem Drang nach, in die Welt zu reisen. Sulayman Jode, der
als Schneider erste Kollektionen im Second-Hand-Laden Vinty’s präsentierte,
veranstaltet mit Freunden inzwischen richtige interkulturelle Fashion-Events mit
Modeschauen, Hip-Hop-Konzerten und einer ganzen Reihe an DJs. Seine gewagten
Kleider, die Stoffe aus seiner gambischen Heimat mit westlichen Schnitten
verschmelzen lässt, fallen auf im eher trüben Münchner Kleidungshorizont. Der
Abend im Backstage verspricht lang zu werden – und reich geschmückt mit den
heißen Beats nigerianischer, gambischer oder tansanischer Musikstile.

Was für eine volle Woche. Dabei beginnt das Wochenende doch
erst. Und am Freitag das mit der –
ungelogen – wohl fetzigsten Party, die München im ganzen Jahr 2018 erleben wird.
The Whiskey Foundation spielen, leben, atmen Blues wie alte Großmeister. Heute
Abend veröffentlichen
sie ihr drittes Album
, Blues & Bliss. Allein die Vorbands können sich
sehen lassen: Matthew
Matilda
und Organ
Explosion
. Danach wird eine der einzigartigsten Live-Bands Deutschlands die
Muffathalle zum Beben bringen, bevor dann im Café weitergefeiert wird. Wenn die
Vögel zu zwitschern beginnen, bekomme ich die treibenden Gitarrenlicks noch
immer nicht aus dem Kopf. Ist zumindest mein Vorsatz.

Text: Louis Seibert

Foto: Lukas Marti

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Laura

image

Weihnachtsferien. Da bleibt unserer Autorin viel Zeit für Musik, Kunst und Feiern. Also ab zu
“They Know Our Story” im Lovelace –

Modenschau, Lesung, Konzert und Party in einem -, zum musikalischen Muffat Winterfest und zur
Finissage „ A World of My Own“.

#chinchin #hurray #goodbye2017 #happynewyear2018
#newyearnewme #fireworkgoals …

… oder wie man im echten Leben sagen würde „Frohes Neues!
Prosit Neujahr! Guad umegrutscht! Passt scho! Prost!“.

Es wird getrunken, getanzt, gefeiert. So schnell der Jahreswechsel
auch da ist, so schnell ist er auch wieder vorüber. Das Einzige, was bleibt, ist
oftmals die Erinnerung an ein schönes oder eher weniger schönes Fest mit
Freunden oder der Familie. Same procedure as every year! Doch auch wenn der
Ablauf von Silvester oft der Gleiche ist, so sind es die Momente, die dieses
Fest zu etwas ganz Besonderem machen. Momente schaffen, die man weniger schnell
vergisst und die einem durch das neue Jahr begleiten. Hier sind meine Ideen für
die Tage um Silvester herum: von Freitag bis Freitag unterwegs mit mir in
München!

„They Know Our Story“- so lautet das Motto des Freitagabends im Lovelace. Wie bei
einer Wundertüte finden dort heute viele besondere und sehr unterschiedliche
Veranstaltungsformen statt: Begonnen wird mit einer kurzen Lesung aus der
Mixmuc Edition. Danach geht es weiter mit dem Special des Abends: Der Modenschau der Designer Zillian Jode, Out
of Motherland und Rubs Stly. Sulayman Jode ist 21 Jahre jung und stellt seine
detailverliebten Modekreationen, die stark von seinem Heimatland Gambia
inspiriert sind, vor. In München möchte er ein Projekt auf die Beine stellen,
das den Weg für junge Modedesigner mit Migrationshintergrund ebnen soll. Nach
der Fashionshow geht es mit guter Musik weiter: Es spielen Zulu Zulu, Jarkboy,
One Corner und bis tief in die Nacht kann man zu Afrohouse, Reggae und HipHop
von den beiden DJ´s Paali und Gubimann tanzen.

Wer am Samstag
mehr Subkultur will, der ist bei „Break it Down pres. All Crews Are Beautiful“
im Feierwerk genau richtig. Dort legen jede Menge gute DJs auf. Zu den Gästen
zählt unter anderem der rastlose Franzose La Loakaii aus München, der durch
zahlreiche Münchner Veranstaltungsreihen wie „breakbeat-action“, „fungleJunk“,
„Wanted“ oder „droppin’“, sowie durch seine 2001 gegründete 2-wöchentliche
Radioshow „breakbeat-action“ beim Sender M94,5 bekannt wurde. Außerdem zu
hören: der russische DJ Tigra, der uns mit wummernden Bassboxen versorgen wird!

Am Sonntag
heißt es dann auch schon „Happy New Year´s Eve“ oder eben einfach nur
Silvester. Wer noch keine Pläne hat, der sollte sich beeilen, denn
bei den meisten Happy Endings diesen Jahres sind Tickets notwendig. Für alle
Spätentschiedenen ist der Vorverkauf aber meist noch bis 31.12. möglich. Auf
dem Tollwood beginnt der Silvester-Countdown bereits viele Stunden vor
Mitternacht mit einer großen Silvesterparty: Auf fünf verschiedenen Areas wird
getanzt, das alte Jahr verabschiedet und das neue ausgelassen gefeiert. Als
traditionelles Highlight findet um 0 Uhr der Mitternachtswalzer auf dem
prächtig geschmückten Außengelände zu Füßen der Bavaria und unter einem buntem
Lichtermeer statt. In den Optimolwerken könnt ihr auf der letzten
Silvesterparty in der Ära des Optimolgeländes raven. Aber auch alle anderen
Clubs wie das Ruby, Bahnwärter Thiel, Crux, Pacha, Filmcasino, P1 und viele
mehr haben geöffnet, um euch eine legendäre Silvesternacht zu bereiten. Egal ob
Schickimicki oder Subkultur – hier ist für jeden was dabei!

Und wer vom Feiern nicht genug bekommt, der ist in der legendären
Storchenburg und der Alten Raffinerie genau richtig. Dort findet eine mehr oder
weniger geheime Silvesterparty ab 7 Uhr morgens des Neuen Jahres statt. Das Line-Up des Tages: Chris Back, Crytical
Mind, Mind Destructor und Opium Ride! Guten Rave!

Mittwochs geht’s
ins Milla! Dort findet nämlich auch im Neuen Jahr grandioser Musicjam statt.
Von Pop über Jazz bis hin zu Hip-Hop und Electro – hier wird auf jeden Fall
gegroovt!

Am Donnerstag
geht das Muffat Winterfest in die vierte Runde! Man darf sich auf eine
explosive Mischung der aktuellen Indierock- und Popszene freuen. Headliner in
der Muffathalle sind dieses Mal Ni Sala aus München und ihr
verraucht-verruchter Sechziger-Siebziger-Jahre Bluesrock. Auf dem zweiten
Floor im Ampere präsentiert die hervorragende Augsburger Pop-Formation
Adulescens ihren lebensbejahenden und ekstatischen Sound. Viele weitere echte
Live-Erlebnisse warten auf euch. Nach den Konzerten wird natürlich wieder die
ganze Nacht weitergefeiert: mit Indierock, Diskopunk und ZickZackPop von Up The
Bracket, der aus dem Strom bekannten Indie-Party, sowie dem
TwoIsAParty.-DJ-Team, das mit ihrem gekonnten Genremix wieder einmal für beste
Tanzlaune sorgen wird.

Am Freitag findet
die Finissage „ A World of My Own“ von
Laura Zalenga und Korbinian Vogt statt. Bereits im September war ich bei den
beiden auf der Vernissage und kann die Ausstellung in der Galerie von Ingo
Seufert nur empfehlen. Ich freue mich erneut auf deren wunderbare Werke!

Abends geht dann der Crux Winter Jam im Muffatwerk über
die Bühne! 3 Floors mit dem Besten, was das Crux-Universum zu bieten hat! In
der Muffathalle findet ihr den Turn Up Floor, im Ampere den New School Floor
und im Muffatcafé den RnB Floor! Das
Line-Up des Abends: Drunken Masters, Crux Pistols, CUPSWITDAICE und
viele mehr! Wer eher Lust auf einen anständigen Funk-Abend im Herzen München
hat, der ist im Kreativquartier Import Export genau richtig! Mit „Funk und
Liebe“ könnt ihr euch die ganze Nacht den seelischen und körperlichen Ballast,
soweit vorhanden, der vergangenen Feiertage ganz einfach wegtanzen.

Und dann ist der Übergang vom alten ins neue Jahr auch
schon geglückt. Viel getrunken, getanzt und gefeiert.  

Auf Momente, die uns keiner nimmt! Erlebnisse, von denen
wir noch lange zehren können! Und einen wunderbaren Start ins neue Jahr, der garantiert
nicht unter das Motto „Same procedure as every year!“ fällt! Chin chin und
Prost! #seeyounextyear

Text: Laura-Marie Schurer

Foto: privat

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Jana

image

Unsere Autorin Jana ist am liebsten im Theater: Entweder sie steht selbst auf der Bühne oder schaut sich ein anderes Theaterstück an – wie “Die Stühle”. Zwischendurch trifft sie sich mit Freunden bei der Feuerzangenbowle, besucht das Filmfestival KINO ASYL oder rockt zur Musik von “LVNG” ab.

Endlich Freitag! Ein Ausruf, den man als Studentin mitten im Semester nicht zu laut von sich geben sollte. Zumindest komme ich mir etwas seltsam dabei vor, denn im Moment scheint die ganze Woche über Wochenende zu sein.
Den Freitagabend läute ich im Hoch X ein. Die Stühle wurde von Amrei Scheer mit Philipp Schulze und Fiona Grün inszeniert. Alle drei sind gerade mal 20 Jahre alt und ich frage mich, was wohl dabei herauskommt, wenn sich drei junge Menschen in die Lage eines alten, seit Jahrzehnten in einem Turm eingesperrten Paares versetzen und über das Leben und dessen Sinn nachdenken. Trotz des schweren Stoffs – oder gerade deswegen – ist mir nach der Vorstellung nach etwas Fröhlichkeit zumute und ich mache mich auf den Weg ins Import Export, wo sie heute das KINO ASYL begießen. Ein Filmfestival, das die vergangene Woche Filme von und mit Menschen mit Fluchterfahrung zeigte. Die Abschlussparty geht bis in die frühen Morgenstunden und ich schlafe bis weit in den Samstagmittag hinein.

Als ich am Samstag aufwache, erwarten mich ein Dutzend verpasster Anrufe meiner Freunde, die schon am Isartor auf mich warten. Ein Glück haben sie noch nicht den ganzen Kessel Feuerzangenbowle ausgetrunken, als ich endlich ankomme, und ich darf mich mit einer heißen Tasse Hochprozentigem auf unseren gemeinsamen Abend einstimmen. Der führt uns heute ins Munich
Center of Community Arts – das MUCCA und wir sehen uns dort das Theaterstück Reine Kopfsache an. Die beiden Schauspieler machen sich darin auf die Suche nach sich selbst, dem Anderen, dem Du, dem Ich, dem Wir und fragen sich, was in den Köpfen der Menschen wohl so passiert. So viel Tiefgründigkeit lässt uns in geradezu melancholische Stimmung verfallen und wir enden in einer philosophischen Diskussion über das Leben und das Sein.

Dieser Abend motiviert mich, am Sonntag einmal selbst auf der Bühne zu stehen – und meinem eigenen Glück auf die Spur zu kommen. Im Kösk gibt es ab heute jeden Sonntagnachmittag von 17-19 Uhr für alle Interessierten den Theaterworkshop GLÜCK. Die Teilnehmenden erforschen mit theatralen Mitteln das Glück und stellen Glücksvorstellungen auf den Kopf. Genau das Richtige, um einer anstehenden, sogenannten Winterdepression auszuweichen, denke ich mir.

Beflügelt von so viel Glücklichsein lässt sich der vorlesungslastige Montag doch gleich viel angenehmer einleiten und ich freue mich zur Abwechslung mal nur darauf, am Abend daheim Ingwertee zu kochen und ganz viel Serie zu schauen. Hach, ist der Winter schön.

Was, wenn der Student bereits am Dienstag in den Club gehen will? Tarne dich gut und nenne es „einen Konzertbesuch“. So mache ich es heute und verbringe meinen Abend in der Milla. Bevor sich Neufundland aus Köln die Ehre geben, spielen AberHallo, fünf Jungs aus Regensburg.

Mittwoch zählt ja auch für Normalos, sprich Verdienende, fast schon als Wochenende, oder? Oder vielleicht auch nicht, jedenfalls finde ich es höchste Zeit, die erste Bar in dieser Woche aufzusuchen und damit offiziell mein Wochenende zu beginnen. Wegen des Hauch schlechten Gewissens, das
mich seicht streift, möchte ich meinen exzessiven Bierkonsum an diesem Abend wenigstens mit etwas Kultur kombinieren und entscheide mich für die Kiste an der Münchner Freiheit, wo es an diesem Abend eine Lesung der Komparatistik Schreibwerkstatt gibt. Fleißige Studierende lesen ihre Texte vor und ich darf lauschen? Wunderbar. Das Bier schmeckt auch vorzüglich, ich bin glücklich. Vielleicht sollte ich das am kommenden Sonntag im Theaterworkshop mal erwähnen, es scheint ja doch recht einfach zu sein, die Sache mit dem Glücklichsein.

„Heute Abend LVNG?“ zischt mein Kommilitone mir am Donnerstagvormittag im Seminar zu. Kurz habe ich den Impuls, ihm auf den Rücken zu hauen, denn er muss sich verschluckt haben. Dann fällt es mir ein: LVNG, ausgesprochen aber Living, weise ich meinen Nebensitzer in die Namensgebung der altbekannten und nun irgendwie doch neu gewordenen Band LVNG aus
München ein. Anscheinend gibt es außer einem neuen Namen auch neue Musik, die diesmal ganz anders klingt. Wir machen uns nach der Uni also auf den Weg ins Muffatwerk, wo LVNG als Vorband von I’m Not A Band im Ampere ihre neuen Songs vorstellen. B mn hn Vkl mtsngn knn?

Und dann ist ja eh schon wieder Wochenende. Ich habe eigentlich gar keine Lust, am Freitag vor die Türe zu gehen, der Alkohol der letzten Woche reicht mindestens bis Silvester, und außerdem habe ich viel zu wenig geschlafen in den letzten Tagen. Deshalb muss es heute Abend unbedingt gemütlich werden. Und wo schafft man das besser als in der Glockenbachwerkstatt? Wenn Menschen aus überall Musik von überall spielen und GEMEINSAM in Großbuchstaben geschrieben wird. Gemeinsam macht eben doch alles viel mehr Spaß und deshalb wird der Freitagabend natürlich kein einsamer in den eigenen vier Wänden, sondern so funky wie der Titel der Veranstaltung: Beige Funky / die 2.

Text: Jana Haberkern

Foto: Privat

Von Freitag bis Freitag München – Unterwegs mit Barbara

image

Barbara und die Muse – das ist ein spannendes Team, vor allem, wenn der Müßiggang in München so einfach und inspirierend ist. Hausarbeiten lassen sich jedes Jahr wieder schreiben, der Bandwettbewerb Sprungbrett 2016 im Feierwerk jedoch findet dieses Jahr nur einmal statt, genauso wie das Stück HÄNDE HOCH, DAS IST EIN ÜBERVOLL des Theaterkollektivs Turbowerk MUC oder auch die Lesung von Liaison n°14 im Haus der kleinen Künste.

Mir ist schon des Öfteren aufgefallen, dass ausgerechnet in der Prüfungs- und Hausarbeitszeit immer die coolsten Veranstaltungen stattfinden. Und ehrlich gesagt, kann ich nicht verantworten, dass ich mir das alles entgehen lasse. Hausarbeiten hin oder her. Es ist schließlich nicht meine Schuld, dass München immer so viel zu bieten hat. Diese Woche nehme ich mir den Luxus, ein bisschen zu prokrastinieren. Zumindest werde ich es versuchen.

Um den Kopf frei zu kriegen und das schlechte Gewissen abzuschütteln, bietet sich am Freitagabend das STROM an. Bei „up the bracket“ sind Indie-Freunde ganz Zuhause. Wanda, Alt- J und The Libertines verstehen mich. Sie wissen, dass ich auf die Tanzfläche gehöre und nicht an den Schreibtisch. Ich wage fast zu behaupten, dass ich an diesem Abend nicht die einzige Studentin sein werde, die im STROM ein bisschen vor sich hin prokrastiniert. Beginn ist um 23 Uhr; der Eintritt beträgt fünf Euro.

Ein ungeschriebenes Gesetz besagt, dass man samstagabends nicht lernen darf. Das Gleiche gilt bestimmt auch für Seminararbeiten. Und Gesetze zu brechen, ist nicht mein Stil. Also begebe ich mich ins Univiertel zum neuen In-Café Lost Weekend. Das Motto des Abends lautet „Open Stage“. Mutige Künstler haben hier Gelegenheit, in kurzen Takes aufzutreten. Der Fokus an diesem Abend wird insbesondere auf Musik, Literatur, Poetry und Performance gelegt. Beginn ist um 20 Uhr.
Auch das Feierwerk bietet am Samstagabend musikalische Highlights. Das Sprungbrett 2016 ist ein Bandcontest für junge Musikgruppen aus München. 16 Bands stellen vor einer Fachjury ihr Können unter Beweis. Neben ausreichendem Feedback bekommen die vier Sieger-Bands auch eine Anschubfinanzierung zu einer Studioproduktion und einen Auftritt beim Theatron-Musiksommer im Olympiapark. An der Abendkasse kostet der Eintritt 4 Euro.

Sonntag ist der Tag der Ruhe. Und genau das brauche ich jetzt: Ein Schaumbad, ruhige Musik und eine Muse, die mich küsst. Ohne brillante Gedanken, kann ich auch keine Arbeit schreiben. So ist das. Während ich tagsüber Zeit habe, über den Sinn des Seins und Hausarbeiten zu sinnieren, muss ich mich abends anschnallen: Das Theaterkollektiv Turbowerk MUC verwandelt sich in Flugbegleiter, die das Publikum zu einem rasenden Flug auf der Suche nach dem Paradies einladen. Die Performance HÄNDE HOCH, DAS IST EIN ÜBERVOLL fühlt einem Phänomen unserer Zeit auf den Zahn: Übersättigung und Verwirrung statt Erfüllung und Sinnsuche. Ich bin gespannt auf den Abend.

Am Montag tue ich so, als würde ich schreiben. Am Schreibtisch zu sitzen, ist zumindest ein kleiner Anfang. Abends geht es dann ins Kino. „The Hateful Eight“  habe ich nämlich immer noch nicht gesehen. Sorry, liebe Hausarbeit. Gegen Quentin Tarantinos Westernfilme kommst du eben nicht an.

Am Dienstag kommt das schlechte Gewissen. Heute muss das Münchner Nachtleben auf mich verzichten. Die Muse und ich, wir müssen eine Seminararbeit schreiben.

Aber am Mittwoch habe ich genug davon. Ich brauche dringend etwas Abwechslung, und die finde ich in der Theaterakademie am Prinzregentenplatz. Dort wird das Theaterstück „Der Steppenwolf“ aufgeführt. Hermann Hesses Roman scheint auch in der heutigen Gesellschaft nicht an Brisanz zu verlieren. Der Zwiespalt von gesellschaftlicher Anpassung und dem Bedürfnis nach Individualität beschäftigt uns auch heute noch. Inszeniert wurde das Stück von Julia Prechsl; Beginn ist um 20 Uhr.

Am Donnerstagmorgen träume ich von meiner Seminararbeit. Buchstaben und Zitate schwirren in meinen Kopf herum. Ich möchte schreiben, aber es gelingt mir nicht. Das ist genug Anstrengung für den ganzen Tag. Ich gehe lieber zu der Werkschau „Aabbc“  in der Heitsch Galerie. Buchstaben und Formen werden an diesem Abend buchstäblich großgeschrieben. In bunten Farben und in wirren Konstellationen. So schwirren die Buchstaben bestimmt auch nachts in meinen Kopf weiter.

Am Freitag ist Wochenende. Ich widme mich den schönen Dingen des Lebens und lasse meine Arbeit links liegen. Wer an einer spannenden Lesung interessiert ist, sollte sich am Freitagabend ins Haus der kleinen Künste begeben. Dort wird eine Lesung mit Carola Gruber, Katharina Kohm und Samuel Langer abgehalten. Der Titel der Veranstaltung lautet Liaison n°14. Ich weiß zwar selbst nicht genau, was mich erwarten wird, aber ich finde, es klingt spannend. Nach der Lesung gehe ich vielleicht noch ein bisschen tanzen. Oder schreibe ich doch noch an der Seminararbeit? Wir werden sehen.

Barbara Forster

Foto: Simone Riedl

Ein letztes Mal Sex. Und Sonntagsbraten

image

Beste Freundin. Mitbewohner. Auf jeden Fall Komplize. So fühlten wir uns seit fünf Jahren. 256 Kolumnen haben Lisi Wasmer und Susanne Krause seit Juni 2010 auf der Junge-Leute-Seite geschrieben. Über junge Menschen bei der Paarungssuche. Und über das Zuhause, was immer das auch sein mag. Nun ist es vorbei. Mit Sex. Und mit Sonntagsbraten.  

Heimat.
Sex. Im Wechsel. Kürzer lassen sich die beiden Kolumnen der Jungen Leute Seite,
„Beziehungsweise“ und „Bei Krause zu Hause“, wohl nicht beschreiben. Nun erschien der letzte Text: Nach fünf Jahren voller komischer, absurder und
nachdenklicher Geschichten aus dem Leben und Liebesleben ihrer Freunde und
Bekannten, legen Lisi Wasmer und Susanne Krause den Stift nieder. Ein Abschied.

Kolumnen
binden Leser. Sie sind Aushängeschilder. Konstanten, auf die man sich verlassen
kann. Ein Grund, die Seite aufzuschlagen, auch wenn einen die restliche
Themenauswahl nicht sofort anspricht. Das Spannende: Selbst wenn das Erzählte
oft absurd klingt, im Kern sind die Kolumnen wahr. So oder so ähnlich hat es sich
tatsächlich zugetragen. Marcels Name zum Beispiel, den mag Susanne in ihrem
„Bei Krause zu Hause“ Text verändert haben, sein Balkon allerdings war
tatsächlich eines Tages die Hauswand hinabgestürzt.

Angefangen
hat die Kolumnen Reihe im Juni 2010 – mit einem „Beziehungsweise“-Text von Lisi
und einem Tampon, das auf der Wasseroberfläche eines Toilettenbeckens trieb.
Als ekelhaft kann man das bezeichnen. Oder als Stilmittel. Lisi bedient sich
gerne der Effekthascherei, wählt Ausdrücke und Worte meist so geschickt, dass
sie sich gerade noch in der Zeitung drucken lassen. Und es funktioniert: Was im
ersten Moment obszön oder abstoßend klingt, macht letztendlich doch neugierig –
Sex sells eben. Ganz nebenbei erzählt die Autorin von kleinen und großen
Wahrheiten über Männer, über Frauen, über das Lieben und Geliebt-werden. Spätestens
am Ende, wenn aus dem Tampon zum Beispiel ein Sinnbild für das Verlangen nach
einer festen und ehrlichen Beziehung geworden ist, ganz ohne Make-up und ohne
sich zu verstellen, nach der letzten Zeile also, weicht Abscheu dem Gefühl
von guter Unterhaltung. Lisis Texte sind zum herzhaft Lachen.

„Bei
Krause zu Hause“ im Gegensatz ist anders: Kein Sex, zumindest eher selten und
weniger explizit. Und anstelle eines prustenden Auflachens bleibt am Ende
dieses Lächeln, das sich einstellt, wenn man sich in einer Situation selbst
wiedererkennt. Susanne Krause schreibt Wohlfühl-Texte, die auf genüssliche und
humorvolle Art die Tücken und Überraschungen des Alltags beschreiben, wenn man
einmal das Hotel Mama hinter sich gelassen hat. Es geht um das Leben bei Krause zu Hause. In der Tat gewährt Susanne ihren Lesern Einblicke in ihre
persönlichen vier Wände: In die Burschenschaft, in der sie gelebt hat. In ihre
Küche, in der  sie nur die Stellen und Oberflächen putzt, die ins Auge
eines mittelgroßen Betrachters fallen. In ihr Wohnzimmer, von wo aus sie über
ihre Sehnsucht nach einem eigenen Balkon schreibt – ein Balkon in einem guten baulichen
Zustand, versteht sich, nicht wie Marcels Balkon. Susanne erzählt von Dingen,
mit denen sich jeder immer irgendwie identifizieren kann.

Ebenso
wie ihre Texte für die Leser auf die Seite gehören – nicht umsonst kommen jedes
Jahr viele Zuschauer zu ihren Sex und Sonntagsbraten Lesungen im Farbenladen -,
wird es auch schwer, sich die beiden aus der Redaktion der Junge-Leute-Seite wegzudenken.
Angesichts ihrer eigenen Themenwahl verwundert es nicht, dass sie auch im
echten Leben oft unterschiedlich sind: Man kann Susanne durchaus als verkannte
Rebellin bezeichnen, die mit ihren blonden Locken und manchmal zurückhaltenden
Art zwar unschuldig wirkt, sich aber mit quietschbunten Strumpfhosen
aufbegehrt, wenn die Geschäftswelt einen Stiftrock von ihr verlangt. Lisis Potenzial
zur Rebellion dagegen ist offensichtlicher. Nicht nur ist sie braunhaarig, was
sie vor der Engels-Assoziation bewahrt, auch ihr Blick hat immer etwas freches
und herausforderndes. Wenn ihr die Idee für eine Geschichte gefällt, setzt sie
sich ein, und schreckt auch nicht vor Diskussionen zurück. Sie ist
selbstbewusst, kämpferisch und doch immer mit einem guten Rat zur Seite.

Dass
die beiden eines Tagen nicht mehr als Kolumnistinnen für die Junge-Leute-Seite
schreiben würden, das war eigentlich auch 2010 schon klar. Über die Jahre sind
Autorinnen und Texte gleichermaßen erwachsener geworden. Statt um den
chaotischen Studentenalltag ging es bei „Bei Krause zu Hause“ immer mehr um
Identität und die Frage, wo man hingehört. Und seit einiger Zeit gibt es auch
immer wieder „Beziehungsweise“-Kolumnen, in denen Worte wie Sex, Rammler und
Artverwandtes keinen Platz mehr finden. Stattdessen waren Liebe, Partnerschaft
und selbst Kinderkriegen Thema. Lisi Wasmer und Susanne Krause sind älter
geworden, keine Studentinnen mehr. Es ist also durchaus gerechtfertigt, wenn
auch schade, dass sie aufhören. Im neuen, im echten Leben jetzt werden sie sich
wohl vielen neuen Dingen widmen, Sex und Sonntagsbraten allerdings werden
vermutlich auch weiter eine Rolle spielen.

Dorothée Merkl

Foto: Lorraine Hellwig

Neuland

Daphne Weber (Foto: Mario Steigerwald), 19, organisiert zum ersten Mal einen literarischen Abend, der am 25. April im Rationaltheater an der Münchner Freiheit stattfinden soll. Daphne hat selbst schon bei verschiedenen Lesungen mitgewirkt und lädt nun Autoren ein, Texte zum Thema „Rausch“ zu lesen. „Ich habe versucht, möglichst unterschiedliche Leute zusammenzutrommeln“, sagt Daphne. Dem Aufruf zu ihrer Veranstaltung „Ins Blaue. Ein Dionysium“ sind Lars-Keke Altemann, Gabriel Ascanio Hecker, Daniel Graziadei, Elisabeth Mascha, Ayna Steigerwald und Jan Struckmeier gefolgt. Gemeinsam versuchen sie, eine „Rauschgemeinschaft“ entstehen zu lassen. Stefanie Witterauf