Gemeinsam statt einsam

Josie-Claire Bürkle, 26, Sängerin der Band Claire, ist Botschafterin der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München. Für Samstag, 17. März, hat Josie ein Benefizkonzert mit ihrer Band Claire, den Kytes, Umme Block und Nihils im Bahnwärter Thiel auf die Beine gestellt. Der Konzertabend dient einem guten Zweck und ist gleichzeitig auch das einzige Konzert, das Claire in diesem Jahr spielen wird.

SZ: Wie ist es zur Zusammenarbeit mit der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München gekommen?

Josie-Claire Bürkle: Das Kinderhospiz ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich als Botschafterin dabei helfen möchte, das Thema bekannter zu machen und die Menschen auf die Arbeit der Stiftung aufmerksam zu machen. Nachdem ich mich mit den Mitarbeitern der Stiftung unterhalten habe, habe ich gemerkt, dass die Arbeit der Stiftung ein Thema ist, das ich für sehr wichtig halte.

Welches Thema?
Die Stiftung kümmert sich um lebensbedrohlich und schwersterkrankte Kinder und deren Familien. Sie ermöglichen den Kindern Ausflüge mit unbeschwerten Stunden – wie zum Beispiel einen Besuch im Sealife – und auch, dass sie so lange wie möglich einen normalen Alltag im familiären Umfeld erleben können. Sterben gehört zum Leben dazu. Dass eben auch Kinder und Jugendliche unheilbar krank sein können, das bekommt in der Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit. Die Betreuung von Familien mit kranken Kindern ist außerdem vor allem in einer so teuren Stadt wie München ein riesiger Kostenfaktor. Manchmal kann ein Elternteil nicht mehr zur Arbeit gehen. Ein Gehalt fehlt dann in der Familie. Hier kann die Stiftung eine Entlastung sein.

Wie wurden die Bands für den Benefizabend ausgewählt?
Mir war es wichtig, dass es Bands sind, mit denen wir Schnittmengen haben. Unser Gitarrist hat zum Beispiel mal mit den Kytes zusammen geschrieben und Nihils waren schon mit uns auf Tour. Die Mädels von Umme Block habe ich kennengelernt und es hat direkt gepasst. Als ich den anderen Bands von der Idee erzählt habe, waren sie sofort überzeugt und dabei. Es wird ein bisschen wie ein Abend unter Freunden. Außerdem spielen wir alle nur ein Microset. Das ist dann schon eine besonders intime Atmosphäre.

Und gemütlich. Ihr spielt ja im Bahnwärter Thiel.
Es sollte eine Location sein, die gemütlich sein kann, ja. Und da ich ja in München wohne, sollte es auf jeden Fall in dieser Stadt stattfinden. Der Bahnwärter Thiel ist einer von vielen Orten, zu denen wir eine besondere Verbindung haben. Die Planung des Events läuft schon seit Ende des vergangenen Jahres – es ist das erste Mal, dass ich eine Show organisiere. Ich freue mich riesig darauf, es macht total Spaß.

Was wird mit den Einnahmen des Benefizkonzertes gemacht? Gibt es konkrete Pläne?
Nein, es gibt kein bestimmtes Projekt, für das der Erlös des Abends gedacht ist. Da geht es vielmehr darum, mit den Einnahmen bei alltäglichen Aufgaben anzusetzen, die die Stiftung für die kranken Kinder und Jugendlichen und deren Familien leistet. Mir ist es wichtig, hier zu helfen, denn in München gibt es nicht sehr viele Hilfsplattformen, die auf so etwas spezialisiert sind.

Es wird das einzige Konzert sein, das Claire in diesem Jahr spielt.
Wir haben uns dazu entschlossen dieses Jahr eine Live- und Kreativpause einzulegen. Wir waren jetzt sechs Jahre lang nonstop unterwegs und man wird zu so einer krassen Familie. Das ist total schön, aber wir wollen uns diese Pause gönnen. Manchmal ist es gut, sich Zeit für sich zu nehmen – dann ist es umso toller, wenn man wieder zusammen ist. Die Jungs waren mit meiner Idee zum Benefizkonzert sofort einverstanden. Dennoch: Keiner von uns könnte einfach so Ciao zur Musik sagen.

Was steht stattdessen in diesem Jahr im Vordergrund?
Bei mir wird vor allem im Bereich Studium und Arbeit viel laufen. Darauf möchte ich mich konzentrieren. Es stehen auch ein paar Features mit anderen Künstlern an.

Was erhoffst du dir für den Benefizabend?
Ich wünsche mir, dass es voll und gemütlich wird. Die Leute sollen sich verlieren können. Der Abend soll nicht traurig oder negativ sein, sondern positiv. Das Motto ist ja auch ein Positives: gemeinsam statt einsam.

Foto: Christoph Schaller

Interview von Ornella Cosenza

Münchner auf Betriebsausflug

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Täglich porträtieren wir an dieser Stelle eine(n) der 20
mitwirkenden KünstlerInnen unserer “10 im Quadrat”-Ausstellung im
Farbenladen – mal Fotograf, mal Modell. Heute: Musiker Michael Spieler.

Teilweise
kennen sie sich seit der Krabbelgruppe: Michael Spieler, geboren 1992,
und seine Bandkollegen Timothy Lush, Kerim Öke und Thomas Sedlacek. Ihre
Band Kytes entstand im Mai 2015 aus der ehemaligen Formation Blind Freddy. Die Indie-Pop-Band vereint E-Gitarren-Klänge mit eingängigen Liedstrukturen und elektronischer Musik.

Die
Münchner Band mit internationaler Musik hat für das nächste Jahr viele
Konzerte in Deutschland und auch im Ausland geplant. Gerade waren die
Musiker als Vorband von den Sportfreunden Stiller zu sehen, im
vergangenen Jahr haben sie den New-Music-Award der ARD gewonnen.
Michael, der Leadsänger und E-Gitarrist der Band, hält jedoch fest:
„München ist und bleibt unsere Heimat, denn hier haben wir unser Studio
und hier gehören wir hin!“

Die Ausstellung “10 im Quadrat” ist an allen Wochenenden im Mai, samstags von 16 – 22 Uhr, sonntags von 16 – 20 Uhr, im Feierwerk Farbenladen geöffnet. Neben den Fotografien werden Konzerte, Lesungen und Diskussionen veranstaltet. Für weitere Infos klickt unsere Junge-Leute-Facebookseite.
Der Eintritt ist frei.


Text: Amelie Völker

Foto: Sophie Wanninger    

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Sandra

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Kulinarik, Lesung, Musik – schön vielseitig geht unsere Autorin die kommende Woche an. So besucht sie das Münchner Kebab Festival, sieht mit High-Tech-Brillen bis in die Schweiz und freut sich auf das zweite Wochenende der “10 im Quadrat”-Ausstellung im Farbenladen.

„Das Private ist das
Politische“ – das Motto der Lesereihe im Einstein Kultur trifft momentan fast
jeden. Worüber sich dagegen kaum jemand Gedanken macht, ist das Finale des
Eurovision Songcontests, das am Samstag in Kiew stattfindet. Eine
innereuropäische Angelegenheit ist das aber trotzdem, weshalb an diesem Freitag
die ukrainische Schriftstellerin Tania Maljarchuk aus ihrem Werk »Von Hasen und
anderen Europäern« liest und anschließend mit Mara-Daria Cojocaru aus München
über ihre Erzählungen diskutiert, die sich stets zwischen Zuneigung zu Europa
und Zwangsliebe zu Russland befinden.

Welcher Tag eignet sich besser zum Shoppen als der Samstag?
Doch wer sich durch die Massen zwischen Stachus und Marienplatz drängt, braucht
danach wohl ein Retreat – und das nicht nur für den Geldbeutel. Sehr viel
gemütlicher und interessanter ist da doch der Munich Brand Market im
Filmcasino. Mit gutem Essen und Musik kann man sich den Tag schon von 10 Uhr an versüßen,
besondere Schnäppchen sind von Adidas bis Yves Saint Laurent zu ergattern.

Am Abend geht es dann in den Farbenladen, wo man nicht nur
die Junge-Leute-Ausstellung Zehn im Quadrat besuchen kann, sondern auch das
Konzert mit den Singer-Songwritern Nikolaus Wolf und Paul Kowol. Und selbst
danach ist noch nicht Schluss! Lauschen darf man außerdem den Münchner
Nachwuchsdichtern Rahmatullah Hayat, Alisha Gamisch und Johannes Lenz.

Am Sonntag stehen wir dann vor der üblichen Frage: Was tun,
wenn der Kühlschrank leer ist? Wie gut, dass gerade heute das Kebab Festival im
089 stattfindet. Alternativen zum gewöhnlichen Kebab findet man hier genügend
zwischen türkischen, iranischen und arabischen Ständen.

Über Alternativen zur Münchner Hochkultur wird an diesem
Abend ebenfalls im Farbenladen diskutiert. Die SZ-Junge-Leute-Seite macht eine
Bestandsaufnahme mit  Bloggern von Blog
in Orange, Mit Vergnügen München, MunichMag, Untypisch München, T u n e a r t
und TunefulBlog.

Nach diesem verregneten Wochenende empfangen wir am Montag die neue
Woche dann mit offenen Armen, der erste coole Act steht auch schon bereit: die
Jamsession im Technikum. Die Hip-Hopper von EINSHOCH6 stehen gemeinsam mit den
Münchner Symphonikern auf der Bühne und präsentieren sowohl Lieder aus dem
Album „Die Stadt springt“ als auch neue Werke.

„Keine Woche ohne das Lost Weekend“, würde der Hipster jetzt
sagen, deshalb schaue auch ich am Dienstag dort vorbei. Zur siebten Folge der „Lagebesprechung“
sind die Professoren Dominik Finkelde SJ von der Hochschule für Philosophie und
Clemens Pornschlegel von der LMU eingeladen, die darüber diskutieren, ob
Kolonialismus ein Ende finden kann. Berichte werden zuvor von Hans Christoph
Buch aus seinem Werk „Kolonialismus und kein Ende" gelesen.

Mitte der Woche brauche ich dann ein wenig Bewegung. Mit
einem guten Zweck verbinden kann ich das beim Ride of Silence, der getöteten
Fahrradfahrern im Straßenverkehr gedenkt. Damit soll mehr Sicherheit für Radfahrer
gefordert werden. Start ist im Petuelpark, die Teilnehmer sollen möglichst in
weiß gekleidet und schweigend radeln.

Im Café Blá findet am Donnerstag eine Lesung mit der
Münchnerin Nina Sahm statt. In ihrem Roman „Das ganze Leben da draußen“ erzählt
sie von zwei jungen Frauen in Island, die als Außenseiterinnen der Realität
entfliehen und eine Reise beginnen.

Für eine Reise sollte man gut ausgerüstet sein. Was ist also
besser als am Freitag bei Globetrotter vorbeizuschauen, um VR-Brillen zu
testen, mit denen man die Schweiz mit allen Sinnen erleben kann? Passenderweise
geht es abends dann auch direkt zum Flughafen, wo ein Jubiläumskonzert unter
anderem mit Xavier Darcy und den Kytes stattfinden wird.

Text: Sandra Will

Foto: Privat

Fette Beats, kaputte Betten

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Welche Musiker fallen in München auf? Jeden Montag stellen wir auf der Junge-Leute-Seite die „Band der Woche” vor. Zehn Bands von ihnen haben wir nun für die Wahl zur „Band des Jahres” ausgewählt – hier der Überblick.

Von Rita Argauer und Michael Bremmer

Uns entgeht so gut wie nichts. Wir schauen regelmäßig bei den Konzertbühnen dieser Stadt vorbei. Wir besuchen Proberäume und durchkämmen das Internet. Von daher wissen wir, welche Bands in München auffallen und von welchen Bands man in Zukunft garantiert hören wird – nachzulesen jeden Montag in unserer Rubrik „Band der Woche“. Ende des Jahres gehen wir immer einen Schritt weiter. Wir haben zehn Bands, die in diesem Jahr „Band der Woche“ waren, ausgewählt für die Wahl zur „Band des Jahres“. Die Abstimmung läuft bis zum 12. Januar, 12 Uhr, auf unserer Facebook-Seite. Hier die zehn Bands im Überblick:

Blackout Problems
Alternative-Rock

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Bei Blackout Problems wird die Bühne zum Abenteuer-Spielplatz. Da wird von Verstärkern gesprungen oder ins Publikum gesegelt. „Wir wollen nicht die Einzigen sein, die nach der Show schwitzen“, sagen sie – dementsprechend intensiv sind ihre Shows. Mehr als 200 Konzerte haben sie bisher in Deutschland wie im europäischen Ausland gespielt, dazu kommt eine ausgesprochen hohe Resonanz im Internet, insbesondere in den sozialen Netzwerken. Doch eine Plattenfirma für das Debüt-Album fand sich nicht. Sie haben ihr Album „Holy“ in Eigenregie herausgebracht und sind damit in die Charts gekommen. Sie klingen jetzt härter und kompromissloser, was aber nicht heißt, dass sie ihren Hang zur Melodie und zum ausschweifenden Chorus verloren hätten. Foto: Ilkay Karakurt 

Kytes
Indie-Pop

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Große Auftritte bei Festivals, Release-Show in der ausverkauften Muffathalle, Gewinn des New-Music-Awards in Berlin – und zuvor ein geheimer Gig in Obergiesing. Und all das passiert in nur wenigen Monaten. Die Kytes sind auf der Erfolgsspur – trotzdem haben sie für die Junge-Leute-Seite ein WG-Konzert gespielt. Und was zeigte sich bei dem kleinen Auftritt: Die Band braucht keine große Technik, um zu begeistern. Sie hat ein Gespür für große Songs – und auch wenn man glaubt, im Pop jede Melodie schon mal gehört zu haben, schütteln die Kytes immer wieder tolle Hooks aus dem Ärmel. Ach ja – nette Jungs sind sie zudem, auch wenn beim WG-Konzert am Ende ein Bett kaputtgeht.
Foto: Christoph Schaller

Felix Krull
Kitsch-Rap

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Eigentlich braucht Hip-Hop das Leid der Gosse, um seine Authentizität zu beweisen. In Berlin versuchten Sido und Konsorten die Ghetto-Romantik mit Aggro-Berlin zu reproduzieren. In München reagierten ein paar Spaßvögel-Rapper darauf mit Aggro-Grünwald, der Schampus-saufenden Rich-Kid-Variante der Rüpelrapper. Felix Krull hat diesen Stil nun perfektioniert. Die Musik, die er dabei macht, ist erstaunlich sanft. Die Edginess, die er sich in der Inszenierung erlaubt, fehlt seinen Beats, die ein wenig nach dem üblichen Loop-Allgemeingut klingen. Für den Erfolg hat er sich stark gewandelt: Vor sechs Jahren trat er noch mit präpotentem Männlichkeitsgehabe auf den Plan und sprach von sich selbst nur als dem „Stemmer“. Foto: Philipp Klett

The Living
Pop / Rock

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Nett? Das ist nicht unbedingt ein Attribut, das sich junge Musiker wünschen, gilt es doch, im Musikgeschäft aufzufallen. Die Musiker von The Living schauen aus, als wären sie einer deutschen Vorabendserie entsprungen. Auch auf der Bühne sucht man Exzentrik vergebens – bis sie dann einen euphorischen Hit nach dem anderen rausknallen. Zuletzt konnte man das beim Cover-Abend „Freundschaftsbänd“ beobachten – sie spielten „Kindertage“ von
Liann. Sie entschuldigten sich artig vor dem ersten Ton, erwähnten kurz, dass sie eher ein Remix als eine Coverversion einstudiert hätten, um dann aus der Pop-Poesie eine dynamische, überwältigende Electro-Nummer zu machen. Zweite Erkenntnis: Deutsche Texte stehen The Living gut. Foto: Sebastian Resch

Nick Yume
Indie-Pop

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Natürlich lebt das Musikgeschäft von solchen Erfolgsgeschichten: Junger Musiker taucht wie aus dem Nichts auf, veröffentlicht seine erste Single gleich bei einem Major-Label und wird kurz darauf eingeladen, für Rihanna im Vorprogramm zu spielen. Diese Geschichte ist wahr und ist dem Münchner Musiker Nicholas A. Gnan alias Nick Yume passiert. Was dabei oft vernachlässigt wird: Dieser Traum ist hart erarbeitet. Nick spielt in Schulbands Schlagzeug, schreibt bereits mit 13, 14 die ersten Songs. Später wird er zu Songwriter-Sessions eingeladen – dort entsteht auch die erste Single für Sony, eine Coverversion von „Allein Allein“. Aber auch seine eigenen Stücke klingen nach großem Pop – und einer großen Karriere, weil authentisch und mit einem großen Wiedererkennungswert: eine geschmeidige Soul-Stimme, im Falsett leicht brüchig, sicher in der Führung, ohne Scheu vor Drama. Foto: Keno Peer
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Lisaholic
Beatboxing/Loops/Hip-Hop

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Etwas mehr als ein halbes Jahr liegt zwischen den beiden Auftritten: Im Frühjahr spielt Lisaholic ihr erstes Konzert in der Kulturjurte. Das Publikum kauert auf dem Boden, Lisa hadert mit der Loopstation, bricht den Song ab, um ihn dann mit beißenden Beats und boshaftem Wortwitz rauszuknallen. So frech, so frisch hat sich schon lange nicht mehr eine Münchner Künstlerin präsentiert. Lisaholic ist Beatboxerin. Mittels Loop-Station vervielfacht sich die Münchnerin beliebig zu einem Duo, zu einer Hip-Hop-Produzentin samt Rapperin, zu einem DJ, der Gitarrentöne sampelt oder zum A-Cappella-Projekt. Doch Lisa besitzt nicht nur Rhythmusgefühl, sie hat einen guten Flow – und sie hat zudem wenig Interesse an Zurückhaltung, Geschlechterbildern oder vermeintlichen Pop-Trends. Genau deswegen gelingt ihr Musik, die tatsächlich neu klingt. Und die sie mittlerweile so perfekt auf die Bühne bringt, dass sie sich – ein halbes Jahr nach ihrem ersten Auftritt – beim Sound Of Munich Now als neue „Königin von Bayern“ feiern ließ. Foto: Okan Sayan
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Nalan381
Neo-R’n’B

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Will man wissen, welche neuen Pop-Trends sich in München auftun, muss man in die Kunstakademie gehen. In die „Klasse Metzel“, um genau zu sein. Hier treffen sich immer wieder Menschen, die dann neue Musik in die Stadt bringen. Nalan Karacagil und Nikolaus Graf zum Beispiel, besser bekannt als Nalan381. Sängerin Nalan setzt ihre zugänglichen Melodien dabei unaufgeregt auf einen mechanisch-geräuschlastigen Beat. Für die nötige harmonische Unterfütterung sorgen wolkige Synthie-Akkorde – eine Mischung aus Verwaschenheit und aktuellen Pop-Trends, die durchaus auch auf den großen Pop-Bühnen funktionieren kann. R ’n’ B trifft auf Elektro trifft auf exotische Rhythmik – für die heutzutage nötige Uneindeutigkeit sorgt eine verhangene Soundästhetik, die viele Assoziationen zulässt. Alles sehr geheimnisvoll, alles durchaus erotisch, weswegen der Radiosender Puls fabuliert: „Sie sind gekommen, um München ein bisschen mehr Sex einzuhauchen.“ Foto: Rosanna Graf
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Claire Jul
Electro-Soul

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Drei Monate sind im Musikgeschäft nichts. Und doch kann sich ein Künstler in dieser Zeit komplett neu erfinden. Claire Jul zum Beispiel. Es gibt ein Video von ihr, aufgenommen bei „Sofar Munich“ am 17. April dieses Jahres: Holy, eine klassisches Singer-Songwriter-Stück. Tolle Stimme, „überwältigend“, so die Reaktionen bei Youtube, irgendwie aber auch erwartbar. Was die Zuhörer dieser Live-Session nicht ahnen: Claire Jul müsste da schon längst an ihrer neuen musikalischen Identität gearbeitet haben, Ende Juli erscheint ihr erstes Video mit neuem Sound: Amy Winehouse trifft auf Gorillaz trifft auf Beats. Elektronische Schichten schmiegen sich über soulige Beats: euphorisch-durchgeknallte Up-Temp-Nummern mit einer Stimme, so herausfordernd, so lustvoll. Mittlerweile gibt es bereits erste Remixe – als Tech-House. Foto: Alessandra Schellnegger
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Friends Of Gas
Neo-Postpunk

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Sechs Stunden dauert eine Bahnfahrt von München nach Berlin. Ein Jahr lang dauert es, bis eine Münchner Band in der Hauptstadt ankommt. Bereits im November 2015, beim Festival „Sound Of Munich Now“, reagierte das Publikum ekstatisch. Ein Jahr später schreibt die taz: „Was für eine Wucht. Was für ein Debütalbum. Es mag ja Berliner Arroganz sein, aber ich kann überhaupt nicht begreifen, wie eine Band wie Friends Of Gas aus München kommen kann.“ Schieben wir es auf die Berliner Selbstgefälligkeit, auch oder gerade München hat Anrecht auf Lärm. Diese neue, bisweilen recht destruktive Ernsthaftigkeit kommt an in Pop-Deutschland. Foto: Susanne Beck
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PourElise
Akustik-Pop

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Henny Gröblehner steht vor der Bühne und lächelt glücklich. Auf der Bühne beim Coverabend „Freundschaftsbänd“ zerlegt gerade Elektrik Kezy Mezy ihren Song „L’Éléfant“. Härtetest bestanden, denn auch als Noise-Nummer verliert der Song nichts an seiner Schönheit. Das liegt daran, dass Henny alias PourElise das Zerbrechliche an ihrer Musik mit einer gewissen Hipness angereichert hat. Früher machte sie die perfekte Musik „für lauschige Abende im durchgeheizten Wohnzimmer“, schrieb Puls. Kuscheln kann man immer noch, aber jetzt kann das auch in der dunklen Ecke eines angesagten Clubs sein. Foto: Pierre Jarawan

Foto (oben): Conny Mirbach

Band der Woche: Kytes

Im Sommer haben die Kytes mit ihrem eingängigen Indie-Pop die Bühnen der Republik gestürmt, derzeit ziehen sie sich auf eine Hütte zurück, um trotz des öffentlichen Drucks ihren eigenen Sound finden zu können

Es ist erstaunlich, wie sehr Werbung, Kreativität, Wirtschaft und Musik mittlerweile verknüpft sind. Vor gar nicht langer Zeit existierten da noch harte Trennlinien. Ein bisschen lassen sich diese Pole in der Indie-Musik anhand der Werbung eines großen Handyanbieters nachzeichnen. 2001 schon benutzte diese Handyfirma einen Song der Alternative-Indie-Band The Dandy Warhols in einer Werbung. Eigentlich war der Song „Bohemian like you“ bereits ein Jahr zuvor erschienen, der Erfolg durch diesen Clip war jedoch so groß für die Band, dass sie die Single im Anschluss daran noch einmal neu veröffentlichten, damit in die Charts einstiegen und den Anfang der Mainstream-Karriere des vormals alternativen Musikstils Indie-Rock einleiteten.

Seitdem sucht diese Handyfirma im Besonderen und die Werbung im Allgemeinen die Nähe zu dem alternativen Lifestyle, der eben über die vergangenen 15 Jahre zum standardisierten Way-of-Life der Millennials wurde. Auf die Musik hat das natürlich enorme Auswirkungen. Es ist keine Anti-Haltung zum Mainstream mehr, eine Indie-Band zu gründen; ganz im Gegenteil. Man sieht das auch im Handywerbungsvergleich: Während The Notwist noch aus einer alternativen Anti-Haltung heraus einst die Anfrage dieses Telefonkonzerns um ihren ja thematisch durchaus passenden Song „Pick up the phone“ ablehnten, ist die Werbeverwertung der Musik heute fast eine Auszeichnung. 

Etwa bei der erfolgreichen Münchner Indie-Band Kytes. In deren aktuellem Biografie-Text wird stolz darauf verwiesen, dass ihr Song „On the Run“ half, „schätzungsweise 100 Millionen Call-Ya-Tarife“ zu verkaufen. Den Erlös, den das Münchner Quartett dafür bekam, nutzte es jedoch, um ihr Debüt-Album „Heads and Tales“ aufzunehmen und zu produzieren. Und die Musiker kauften sich dafür einen Band-Bus. Und beides brauchte es auch, um an diesen doch vergleichsweise überragenden Punkt zu kommen, den die Band in knapp zwei Jahren nun erreicht hat: das professionelle Musiker-Dasein, das gerade in der Auszeichnung des New-Music-Awards in Berlin gipfelte. Einer Auszeichnung der bundesweiten jungen Radio-Programme der ARD, die 2013 etwa die Münchner Band Exclusive bekam. Bei denen stand Major-Deal und Professionalisierung zu der Zeit dann auch nichts mehr im Weg. Ähnlich ist das bei den Kytes: In den vergangenen eineinhalb Jahren haben sie bundesweit mehr als 100 Konzerte gespielt, auf Festivals, unter anderem dem „South by Southwest“ in Texas überzeugt und im September das Debüt-Album veröffentlicht, das ihren eingängigen Indie-Pop noch mehr Menschen zugänglich machte. „Erfolg ist für uns, wenn wir immer einen Schritt weiter gehen können“, erklären sie, „wenn wir durch unsere Musik mehr Menschen erreichen, größere Shows spielen und einfach Zeit zum Musik machen finden.“ 

Und da klingt das Quartett, das seine Karriere vor zwei Jahren nach ersten Erfahrungen in der Schülerband Blind Freddy noch einmal völlig neu aufsetzte, dann trotz der kommerziellen Ausrichtung wieder ein wenig idealistisch. Denn Erfolg sei für sie auch die Zeit, in der sie sich einsam auf abgelegene Hütten zurückziehen könnten, um dort an neuen Songs zu arbeiten, in der Hoffnung, dass da eventuell vielleicht sogar eine neue EP herausspringe. In einer Hütte in Mittenwald sind sie gerade, mit Musikern der Band Claire, um dort neue Wege auszuprobieren. „Viel Musik ohne Druck machen und einfach spielen, spielen, spielen,“ erklären sie. Es könnte sein, dass die Musik dabei etwas roher und dreckiger werde, festlegen wollen sie sich aber noch nicht. Und ein wenig haben sie etwas erreicht, was nicht viele junge Bands derzeit haben: Ohne finanziellen Druck Musik zu machen. Heutzutage geht das wohl nicht mehr ohne Zugeständnisse an die Industrie.  

Stil: Indie-Pop

Besetzung: Michael Spieler (Gitarre, Gesang), Timophy Lush (Schlagzeug, Texte), Kerim Öke (Gitarre, Keyboards), Thomas Sedlacek (Bass, Synthesizer)

Aus: München

Seit: 2013

Internet: www.kytesmusic.com

Text: Rita Argauer

Foto: Christoph Schaller

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Barbara

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Unsere Autorin hat diese Woche viel vor. Mit den Kytes und dicht & ergreifend startet sie ins Wochenende und lässt es mit gutem Essen und dem Opening vom Bahnwärter Thiel ausklingen. Aber auch die Tage darauf sind voll mit coolen Events.

Diese Woche genießen wir die letzten Oktobertage und
begrüßen zugleich den November. Mein Terminkalender ist vollgepackt mit
spannenden Veranstaltungen. Zückt schon mal eure Geldbeutel, liebe Freunde. Die
Woche wird wieder spannend, aber nicht unbedingt billig!

Gleich am Freitag erwarten uns zwei musikalische Schmankerl:
Die KYTES machen
die Muffathalle mit groovendem Indie-Pop unsicher. Wer auf Gute-Laune-Musik
steht, sollte das Konzert nicht verpassen! Eintrittskarten sind noch verfügbar.
Als Kirsche obendrauf empfehle ich danach die Aftershowparty im
Muffatcafé mit den Innocent
Boys
und dem KYTES DJ-Set. Beginn ist um 23 Uhr, der Eintritt ist frei!

Eine schöne Alternative bieten die Musiker von dicht & ergreifend
mit ihrem „letzten
Abendmahl
“. Mit von der Partie sind BBou und Monaco F. Der Abend verspricht
bayerische Mundart vom Feinsten. Um es in BBous Worten zu sagen: „Es gibt nix Bessas
wey wos Guads“. Beginn ist um 20 Uhr im Circus Krone, Eintrittskarten kosten 25
Euro!

Mit knurrendem
Magen eile ich am Samstagnachmittag ins Zenith. Deutschlands größtes
Food-Festival Eat &
Style
schlägt dort drei Tage lang seine Zelte auf und lädt zum Schlemmen
und Flanieren ein. Neben haufenweise Essen werden Workshops, Tastings und Manufakturen
angeboten. Für Spontane kostet die Eintrittskarte 15 Euro. Kommen lohnt sich!

Abends ruft die
Visions Party im
STROM. Mit allen Indie-Klassikern im Gepäck sorgt DJ Albert Royal bis in die
frühen Morgenstunden für beste Partystimmung.

Oder lieber
noch eine weitere Option? Der Bahnwärter Thiel hat erneut seine Pforten
geöffnet und begrüßt alle Feierwütigen zu einem dreitätigen Bahnwärter Thiel
Opening Weekend
. Wer es slow und bummelig mag, ist hier zur rechten Zeit am
rechten Ort: „Die Milde 14“ tischt Musikrichtungen wie Slow, Psychedelic,
Disco, Dub und Contemporary auf. Ihr habt also die Qual der Wahl, meine Lieben!

Am Sonntag
schleppe ich meine müden Knochen ins Café Fräulein und
gönne mir das leckere Frühstück „Annamierl“. Nach einer durchzechten Partynacht
gibt es für mich nichts Besseres als ein richtig fettes Frühstück mit allem
Drum und Dran. Abends mache ich mich fertig für ein Kino-Date mit Bridget
Jones. „Bridget Jones’ Baby“ läuft derzeit in fast allen Münchner Kinos.
Vorsorglich stecke ich mir ein paar Taschentücher ein, falls mir vor lauter
Lachen die Tränen kommen.

Am Montag ist Halloween.
Manche hassen es, andere wiederum lieben es. Für Halloween-Liebhaber empfehle
ich das Kennedys
am Sendlinger Tor. Der Eintritt ist frei und die Musik ist fetzig. Aber
Vorsicht: Hier gilt ab Mitternacht das Tanzverbot!

Alle Jahre
wieder freue ich mich auf Allerheiligen. Meine Familie und ich besuchen am
Dienstag die Gräber unserer verstorbenen Verwandten. Danach gibt es bei meiner
Tante Kaffee und Kuchen. Heute plane ich keine weiteren Veranstaltungen. Die
Familie hat Vorrang.

Am Mittwoch
starte ich wieder durch! Meine Freunde und ich hören uns immer mal wieder
weniger bekannte Musiker an. Um 20 Uhr spielt im Feierwerk die britische Band Minor Victories. Ihre
Musik ist irgendwo zwischen Indie und Noise anzusiedeln. Ich bin gespannt, ob ich
hinterher ein neuer Fan bin!

Ein bisschen
Kunst darf diese Woche auch nicht fehlen. Am Donnerstagabend findet im
Kunstpavillon eine Ausstellung mit dem Titel „Wohin?“ statt. Es
werden Malereien, Installationen und Konzeptkunst zu sehen sein. Wer an diesem
Abend keine Zeit hat: Die Vernissage geht noch bis zum 27. November.

Dick und fett
angestrichen ist bei mir das „Sound of Music Now
Electronica-Festival
“, welches vom Feierwerk und der Süddeutschen Zeitung veranstaltet
wird. München hat im Electro-Bereich so einiges zu bieten und kann sich auf
diesem Gebiet durchaus mit anderen Städten messen. Zu hören sind am
Freitagabend unter anderem jean blanc, Marcella und Pech & Schwefel.
Kommt, esst, trinkt und genießt super Musik! Der Eintritt ist frei.

Von: Barbara Forster

Foto: Privat

„Giesing – Oida“

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Standortfaktor Pop: Ist München jetzt wirklich so uncool, dass man als Band keine Chance hat? Läuft alles prima? Oder muss die Stadt weit mehr fördern als bisher? Wir haben bei Musikern nachgefragt.

Von Sandra Will

Die Kytes werden gerade nach dem Release ihres Debüt-Albums bei ihrer Tour in ganz Deutschland gefeiert. Dass die jungen Musiker eigentlich in Giesing proben, wissen wohl die wenigsten Menschen im Berliner oder Hamburger Publikum – und es interessiert auch keinen. Die Kytes sind nicht die einzigen Münchner Musiker, die derzeit in der ganzen Republik gelobt werden. Trotzdem verstummen die Stimmen nicht, die über das Imageproblem Münchens klagen. Klar ist: Die Landeshauptstadt sieht sich als Kulturstadt, dazu gehört das Oktoberfest genauso zum Repertoire wie die Staatsoper. Doch welchen Platz nehmen junge Musiker ein, die den Sound von München ausmachen? Und wie sehen die Bands selbst ihre Musikstadt? Was macht ihnen Sorgen?

„Wir mieten nun ein Studio eine Autostunde außerhalb von München. Wir
kennen auch viele andere Musiker, die mit dem gleichen Problem zu
kämpfen haben“ – Claire
(Hier zum Fragebogen)

Probleme gibt es vor allem abseits des Scheinwerferlichts. Die Band Claire berichtet über ihre lange Suche nach einem geeigneten Proberaum, es sei wahnsinnig schwierig, etwas Bezahlbares in München zu finden. „Wir mieten nun ein Studio eine Autostunde außerhalb von München. Wir kennen auch viele andere Musiker, die mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben“, sagen die Musiker der Band Claire. Auch Dionys Rieder von der Band Die Sauna ist der Meinung, es könne schon möglich sein, dass dieser Mangel der Grund für eine Nichtgründung sei. „Das macht es schwierig, den Ansprüchen einer Band gerecht zu werden und sie aufrechtzuerhalten“, sagt auch Singer-Songwriterin Clea Charlotte. (Hier zum Fragebogen)

„Schließlich will ein guter Musiker auch seinen Sound. Und dazu braucht
er im Normalfall auch sein Equipment, das man nur ungern in geteilten
Proberäumen rumstehen lässt. Dafür dann 400 Euro zu zahlen ist schon
fast unverschämt.“

– Black Submarines (Hier zum Fragebogen)

Richy Strobl von Black Submarines sieht das ähnlich, die Möglichkeit, sich einen Raum zu teilen und damit die Miete zu verringern, ist jedoch nicht immer ein Kompromiss: „Schließlich will ein guter Musiker auch seinen Sound. Und dazu braucht er im Normalfall auch sein Equipment, das man nur ungern in geteilten Proberäumen rumstehen lässt. Dafür dann 400 Euro zu zahlen ist schon fast unverschämt.“ Ralph Würschinger von Naked Feen (Hier zum Fragebogen) sagt dazu nur: „Die meisten Deals sind scheiße.“ Wenn auch nicht die Masse an Gleichgesinnten wie in Berlin zu finden ist – wer eine Band gründen will, der schafft das auch in München. Und findet dort leicht in die Szene – das Vernetzen mit anderen Bands klappt gut.

„Der Markt ist noch nicht so übersättigt wie etwa in Berlin, wo für kleinere Künstler kaum Gagen zu erzielen sind“

– Stray Colors (Hier zum Fragebogen)

Sharyhan Osman von der Synthie-Pop-Band Kleyo glaubt, man wisse sehr schnell, wer sich sonst noch in der Szene bewegt. Dadurch greifen sich die Musiker gegenseitig mehr unter die Arme. Das Bild, dass Münchens Szene sehr familiär sei, stimmt also. Doch auch das hat einen Pluspunkt: „Der Markt ist noch nicht so übersättigt wie etwa in Berlin, wo für kleinere Künstler kaum Gagen zu erzielen sind“, sagt Rüdiger Sinn von der Band Stray Colors. Und auch Clea Charlotte sieht darin eine noch größere Chance aufzufallen. Auf der anderen Seite: „Die Münchner Musikszene ist teilweise zu eigenbrötlerisch“, sagt Isabella Mola von der nach ihr benannten Band Mola. „Da macht jeder so sein Ding. Mehr Miteinander würde ich feiern.“
(Hier zum Fragebogen)

Sharyhan Osman erwidert jedoch: „Konkurrenz ist auch ein Antrieb, besser zu werden und sich weiterzuentwickeln.“

„Niemand findet München aus nationaler oder sogar internationaler Sicht cool“

– Fatoni (Hier zum Fragebogen)

Es gibt zwar nicht genügend Auftrittsmöglichkeiten, um Münchens Musiker wirklich zufriedenzustellen, doch bei einer Sache sind sie sich einig: Die Musikszene lebt! Und diese ist im Gegensatz zur Stadt München weniger vorurteilsbehaftet, so die Erfahrungen der einheimischen Bands.

„Konkurrenz ist auch ein Antrieb, besser zu werden und sich weiterzuentwickeln.“

– Kleyo (Hier zum Fragebogen)

Natürlich: „Niemand findet München aus nationaler oder sogar internationaler Sicht cool“, sagt Anton Schneider alias Fatoni. „Aber als Band, die im weitesten Sinne Popkultur macht, braucht man dieses coole Image nun mal.“ Auch Sebastian Schnitzenbaumer von Schamoni Musik hat darüber geklagt, dass er seine Künstler wegen des schlechten Images der Stadt nicht vermarkten kann – und hat damit eine Pop-Debatte in München entfacht. Aber liegt das an München? Oder an der Zielgruppe?

“Es sind engstirnige Menschen, die auf das Laptop- und Lederhosen-Klischee hereinfallen” – Dobré (Hier zum Fragebogen)

„Oft ist das Problem ja nicht München, sondern es sind engstirnige Menschen, die auf das Laptop- und Lederhosen-Klischee hereinfallen. Leider gibt es in der Musikbranche wohl zu viele davon“, sagt Johannes Dobroschke von Dobré. Auch die Musiker von Claire kennen die Vorurteile. „Die Vorurteile, die gegen München vorgebracht werden, sind vielleicht am wenigsten mit dem Musiker- und kreativem Dasein zu vereinbaren. Deshalb freuen wir uns umso mehr zu zeigen, dass es nicht die Stadt ist, welche die Künstler prägt, sondern dass es die Künstler sind, die eine Stadt prägen.“

“Wie sollen sich denn Clubs und Konzertlocations
etablieren, wenn die ganze Stadt stillgelegt wird?” – LUX
(Hier zum Fragebogen)

Abhängig vom Genre kann es da durchaus mal ungemütlich für Musiker werden, wie auch Fatoni schon erfuhr: „Der Klassiker: Hip-Hop aus München? Das gibt es da überhaupt?“ Vorurteile gegenüber der Herkunft sind für Fabian Hertrich alias Young Fast Running Man aber nicht nur münchenbedingt: „Es gibt auch hier Vorurteile gegenüber anderen Städten. Für mich zählt die Qualität der Musik – nicht die Herkunft.“
(Hier zum Fragebogen)

Das sagt auch Singer-Songwriterin Julia Kautz: „Wenn man es mit seiner Musik in die große weite Welt schaffen will, dann spielt es überhaupt keine Rolle, woher man kommt.“ Negative Erfahrungen hat sie noch nicht gemacht, trotzdem fühlt sie sich als Münchnerin bei Songwriter-Sessions in Berlin als Exotin. „Aber ich hatte nie das Gefühl, dass meine Herkunft einen negativen Einfluss darauf hat, wie ich als Künstlerin wahrgenommen werde.“
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„Das Radio wird überflutet von Klassik-Kanälen und Sendern, die rund um
die Uhr die gleichen Synthie-Pop- und Deutsch-Pop-Nummern spielen“

– Ni Sala (Hier zum Fragebogen)

Auf die Frage, wo man sich denn noch mehr Unterstützung erhofft, werden vor allem die Radiosender in die Verantwortung genommen. „Das Radio wird überflutet von Klassik-Kanälen und Sendern, die rund um die Uhr die gleichen Synthie-Pop- und Deutsch-Pop-Nummern spielen“, sagt Robert Salagean von Ni Sala. Die Stadt unterstütze klassische Musiker, alternative Musikrichtungen blieben da oftmals auf der Strecke. Am wichtigsten empfinden viele jedoch mehr bezahlbaren Proberaum und Beratung wie von der Fachstelle Pop.

Fatoni hingegen klagt: „Es gibt kaum Orte, an denen kreative Prozesse ermöglicht werden, vor allem nicht, wenn diese erst einmal keine kommerziellen Ziele haben.“ Xavier D’Arcy alias Darcy hat hierzu eine andere Meinung: „Die Stadt unterstützt Musiker und Bands durch die Fachstelle Pop mit Workshops, Förderungen und Auftrittsmöglichkeiten.“
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Durch die bayernweiten Förderprogramme gibt es für ihn genügend Unterstützung.

„Es ist definitiv nicht leicht, über den Münchenrand hinwegzukommen“

– Die Sauna (Hier zum Fragebogen)

„Es ist definitiv nicht leicht, über den Münchenrand hinwegzukommen“, sagt Dionys Rieder von der Band Die Sauna. Aufmerksamkeit zieht man vor allem mit nationalen Festivals auf sich, als bestes Beispiel dient dazu das Reeperbahn-Festival in Hamburg – vielleicht kann ja die „Manic Street Parade“ dieses Interesse dauerhaft nach München bringen. Gerade solche Veranstaltungsreihen würden die Lücke schließen zwischen den kleinen Open Stages und den großen Hallen wie im Muffatwerk. „Es fehlt etwas, um die Lücke zwischen Schülerbands und Top-Acts zu schließen. Etwas für Leute, die mehr als nur Hobby-Musiker sein wollen, aber nicht über die finanziellen Mittel und die sozialen Kontakte verfügen, um gleich weiter oben anzufangen“, sagt Richie Strobl von Black Submarines. Doch es gebe auch gute Institutionen wie die Glockenbachwerkstatt, wo man talentierte Bands finde, sagt Aron Foltin von der Band Lyndenstraße.

“Es gibt gute Institutionen in München wie die
Glockenbachwerkstatt” – Lyndenstraße
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Die meisten Musiker fühlen sich ihrer Heimatstadt sehr nahe und würden es nicht leugnen, aus dieser Stadt zu kommen. Trotzdem zeigt sich, dass es manchmal eben besser sei, den Standort erst einmal unerwähnt zu lassen, sagt Rüdiger Sinn von Stray Colors. Auch Ralph Würschinger von Naked Feen würde bei einem neuen musikalischen Projekt München nicht als Heimatstadt angeben. Doch es geht auch selbstbewusster: Genauso wie die Mitglieder der Kytes schwören auch die Musiker von Black Submarines auf ihre Homebase: „Giesing – Oida!“

Foto: Käthe deKoe

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Max

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Jazz, Tag der offenen Tür an der TU und Comics – abwechslungsreicher könnte man die Woche nicht gestalten. Abgerundet wird das Ganze am Freitag dann mit einem echten Highlight, auf das so manch Münchner schon seit Wochen hinfiebert.

Endlich Freitag – für mich schon
verlängertes Wochenende, da mein Uni-Stundenplan mich an diesem Wochentag
glücklicherweise freigestellt hat. Ausschlafen ist heute auch bitter nötig,
denn der Freitagabend wird anstrengend. Für mich als Jazzliebhaber ist das dreitägige Jazzfest München Pflicht,
das schon am Donnerstag begonnen hat. Heute gibt es dort erst zeitgenössischen
Jazz mit den Wanja Slavin Lotus Eaters und darauf orientalische Grooves mit
Majid Bekkas und Biboul Darouiche. Weil ich nach dieser Jazz-Infusion total
beschwingt und alles andere als müde bin, zieht es mich weiter in den Neuraum.
Als totales Kontrastprogramm legt dort das australische DJane-Duo Nervo energetische Dancebeats
auf.

Trotz durchgetanzter Nacht kämpfe ich mich am Samstagmorgen
aus dem Bett, denn heute ist der Tag der offenen Tür am
Forschungscampus der TU München in Garching. Für mich ein Muss, war es doch
ebendieser Tag vor ein paar Jahren, der mich zum Studium an der TUM bewegt hat.
Und autonom fahrende Autos, die Forschungs-Neutronenquelle oder das Innere des
Leibniz-Rechenzentrums mit dem Supercomputer SuperMUC sind damals wie heute ein
Faszinosum. Dann aber schleunigst ab in die Heimat. Würde ich dort nicht selbst
mit einer Bigband auftreten, wäre ich wohl einen weiteren Tag Gast auf dem
Jazzfest. Verpassen werde ich da unter anderem das U.M.P.A. Jazz Orchestra der
Hochschule für Musik und Theater.

So schnell wie ich am Samstag nach Hause
gefahren bin, muss ich am Sonntag auch schon wieder zurück. Denn schon
morgens beginnt der 117. Film- und Comicmarkt München.
Und vielleicht lässt sich da ja die ein oder andere einzigartige DVD abstauben.
Am Abend wartet dann noch ein echtes Highlight, denn die Schottenrocker von Biffy Clyro geben
sich im Zenith die Ehre. Für mich definitiv ein Höhepunkt des Konzertjahres,
haben diese sich doch schon auf Rock im Park so grandios warmgespielt.

Nach diesem ereignisreichen Wochenende bin ich
ganz froh, am Montag in den Uni- und Arbeitsalltag zurückzukehren.
Abends gönne ich mir dann etwas anpruchsvollere Kultur und gehe in die Münchner
Kammerspiele, wo Autor Christian Kracht aus
seinem mit dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichneten Werk “Die Toten” liest.

Am Dienstagabend muss ich wieder selbst
ran, Generalprobe mit der Band steht an. Deshalb bin ich auch etwas weniger
frustriert, dass die heutige Ausgabe des Isar Slams, Münchens größtem Poetry
Slam, bereits ausverkauft ist. Ansonsten hätte ich mich wohl vor das Ampere
gestellt und auf einen spontanen Ticketkauf gehofft.

Die kleine Pause tut mir aber auch ganz gut,
denn am Mittwoch gibt’s wieder volles Programm. Zunächst sprechen an der
LMU Journalistin Stefanie Lohaus und Soziologe Andreas Kemper über Frauen und Geschlechterbilder bei AfD und Pegida.
An der anschließenden Diskussion werde ich wohl nicht mehr bis zum Schluss
teilnehmen können, denn ich muss gleich weiter ins CINEMA zur Vorpremiere von “Doctor Strange”. Auf
den bereits vierzehnten Film aus dem Marvel-Universum freue ich mich besonders
wegen Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle und den beeindruckenden
Spezialeffekten.

Meine Woche lasse ich mit zwei
Konzertabenden ausklingen. Am Donnerstag will ich ein weiteres Mal meinen
Jazzhunger stillen und gehe ins Sophia’s zu “Sophia’s goes Jazz”. Dort
tritt der großartige Münchner Sänger Adriano Prestel mit seiner Band auf.

Am Freitag ist wie immer Jamsession in
der Glockenbachwerkstatt, bei der ich ein recht häufiger Gast bin. Doch auch
diesen Freitag hält mich ein anderes Event von der Session fern. Die KYTES machen auf ihrer Tour zum
neuen Album “Heads and Tales” Station in der Muffathalle. Das darf ich mir auf
keinen Fall entgehen lassen. Weil ich nach dem Konzert mit Sicherheit noch
nicht genug haben werde, plane ich auch bereits die KYTES Aftershowparty ein.
Und damit steht auch fest: am Samstag mache ich erst mal nichts – außer
Schlafen.

Von: Maximilian Mumme

Foto: Serafina
Ferizaj

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Barbara

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Der Herbst hat uns nass und eiskalt erreicht, doch unsere Autorin tanzt auf der Manic Street Parade, gönnt sich ein tolles Frühstück auf dem Breakfast Markt und besucht neben dem Provisorium auch das Lost Weekend.

Der Herbst ist wundervoll. Einer meiner liebsten
Jahreszeiten. Er bietet lichte Sonnenstrahlen, die sanft über die Haut streichen
und noch vage an den Sommer erinnern. Ich kann leider nicht mit Sonnenstrahlen
auftrumpfen, dafür aber mit spannenden Veranstaltungstipps.

Das Wochenende wird mit der Swango Releaseparty
im Eine
Welt Haus
eingeläutet. Wer ist Swango, werden sich einige fragen. Swango
setzt sich zusammen aus dem Akustikgitarristen Ahmet Tanar, dem Stepptänzer
Skill-Gott Heron und dem Münchner Rapper Manekin Peace. Ihre Songs reichen von
ruhig und nachdenklich bis hin zu aggressiv und energisch. Beginn ist um 20
Uhr, der Eintritt kostet sieben Euro.

Wer nicht so in Swango-Stimmung ist, sondern mehr in
Electro-Stimmung, sollte ins Harry Klein gehen. Die
Hertz & Seele
Veranstaltungsreihe
aus Nürnberg bietet allerfeinsten Electro-Sound: SONIC
FUTURE und MARC POPPCKE geben sich die Ehre und legen zum allerersten Mal in
München auf.

Am Samstagabend ruft die Manic Street Parade
2016
! An verschiedenen Münchner Locations werden tolle Künstler auftreten,
unter anderem Nina Fiva Sonnenberg, WELLNESS und ISLAND. Das sollte man sich
nicht entgehen lassen. Tickets sind noch verfügbar, also schnell zugreifen!

Am Sonntag gibt’s ein Frühstück der besonderen Art: Der 1. Münchner Breakfast
Markt
lädt ein zum gemeinsamen Schlemmen. Hier kommt jeder Frühstücks-Liebhaber
voll auf seine Kosten: Das Angebot reicht von Weißwurst mit Breze bis hin zu
Chia-Mandelmich-Overnight-Oats. Wer morgens nicht aus den Federn kommt, hat
Glück: Die Schlemmer-Meile geht bis 16 Uhr.

Am Montag habe ich Lust auf Kino. Ich bevorzuge das Filmtheater
am Sendlinger Tor mit seinem nostalgischen Charme. Ab 20:30 Uhr läuft hier „Schweinskopf
al dente“. Ich freue mich schon darauf, dem Eberhofer bei seinen kuriosen Ermittlungen
zuzusehen.

Am Dienstag nehme ich mir nichts Festes vor. Vielleicht
sammle ich Kastanien oder fotografiere Freunde unter fallenden Blättern. Abends
genieße ich ein Glas Federweißen und höre mir Songs von den KYTES an.

Am Mittwochabend zieht es mich ins Milla zum MILLA SONG SLAM.
Acht Acts werden pro Abend gezeigt. Ein Act darf aus höchstens zwei Musikern
bestehen. Weitere Regel: In den acht Minuten dürfen die Acts nicht mehr als
zwei Songs spielen. Beginn ist um 20 Uhr. Ab 23 Uhr haben die DJs von Fancy
Footwork das Sagen: Auf die Ohren gibt’s Indie, Tronic und Disco. Ein Muss für
Partywütige!

Diesen Donnerstag mag ich es künstlerisch: Im Provisorium werden ab 19
Uhr Grafiken, Illustrationen und Fotographien aus München ausgestellt. Philipp
Klak, Yves Krier und Simon Marchner sind einige der mitwirkenden Künstler des
heutigen Abends. Ich lasse mich einfach überraschen und von der Kunst
berieseln. Musikalisch untermalt wird das Ganze vom DJ Set Nino El Dino.

Endlich wieder Wochenende! Den Freitagabend verbringe ich im
Lost Weekend. Einmal
im Monat werden dort Live-Musik-Shows veranstaltet. Die heutige Veranstaltung Music Sessions / October
präsentiert drei Bands: The Roamies, Teresa Bergman und Joey Ryan & Band. An der Abendkasse kostet der Eintritt zehn Euro.
Ich bin gespannt, was mich erwarten wird.

Wer eher auf Folk oder Rock steht, sollte ins My Fable zum Singer- & Songwriter-Abend
gehen. Stephanie Forryan trumpft mit Gentle Folk auf und Axel Kowollik
überzeugt mit Akustik und Rock. Beginn ist um 20 Uhr!

Und schon ist die Woche wieder um. Ich hoffe, ihr habt sie
ebenso sehr genossen wie ich!

Von: Barbara Forster

Foto: Simone Riedl