Neuland: Neue Freunde

Sänger Paul Kowol und Schauspielstudentin Anouk Elias schufen zu Pauls Song „Nie mehr nach Hause“ ein Musikvideo mit Anouk als Protagonistin. Kennengelernt haben sich die beiden bei der Ausstellung „10 im Quadrat Reloaded“ der SZ Jungen Leute Seite im März. Zusammen mit Pauls erster EP wird das Video am 21. September veröffentlicht.

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Training für die Lachmuskeln und  Funk im Farbenladen

Trotz des schlechten und vor allem kalten Wetters haben sich
viele Menschen auf den Weg gemacht und sind an dem dritten Sonntag der
Ausstellung

“10 im Quadrat – Reloaded”

in den Farbenladen gekommen.

So auch Michael Mauder. Der Comedian wurde wie neun andere
Künstler zehnmal fotografiert und erzählte in einem Gespräch mit der
Moderatorin Kathi Hartinger von seinen Erfahrungen. Es sei zunächst vor allem
sehr schwierig gewesen mit zehn Fotografen einen Fototermin zu finden. Als
diese Hürden jedoch überwunden waren, entstanden von allen Modellen sehr
unterschiedliche und wunderschöne Fotos. Auch über die Bekanntschaften mit den
anderen Künstlern freute sich Michi sehr. Ob er jetzt seine Comedy Karriere für
den Beruf eines Models an den Nagel hängt, wird man sehen, so der Comedian. Die
Fotos habe er selbst an der Vernissage zum ersten Mal gesehen, da er die
Auswahl doch lieber den Fotografen überlies. Fotograf Luca Imberi war „gleich
wieder weg“. „Er hat hundertmal in zwei Sekunden abgedrückt und weg war er“.
Das hat den Comedian sehr beeindruckt und ist von den Ergebnissen der
Fotografen begeistert.

Es ging mit Julian Beysel lustig weiter. In den fünfzehn
Minuten Auftritt wurden viele unterschiedliche Themen behandelt. Zunächst ging
es um Luther und vor allem über den Lutherfilm. Aber auch über seinen
ursprünglichen Nachnamen, den er dann mit 35 Jahren änderte, dann über
Klopapier. Zu guter Letzt holte sich Julian die Lacher des Publikums indem er
die Nasenpopeltaktik seiner sechsjährigen Schwester erklärte.

Nach dem ersten Comedian folgte direkt der Zweite. Nikola Ljubic.
So zumindest wurde er angekündigt. Eigentlich heißt der „Halbkroate
Halbslowenier Halbmünchner“ wie er sich bezeichnet, der Fehler sei ihm bewusst,
Nikola Ljubic. Warum schwarz eigentlich immer negativ sei und weiß immer positiv,
frage er sich häufig. Das sei doch total rassistisch. Egal ob es um den weißen
Sandstrand gehe oder das Kinderspiel „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“. Warum
heißt es nicht „wer hat Angst vorm weißen pädophilen Mann“. Außerdem
integrierte Nikola das Publikum und konnte so die Aufmerksamkeit und das
Gelächter genießen.

Ein Gespräch mit einer anwesenden Fotografinnen, ließ sich
unsere Moderatorin Kathi Hartinger nicht entgehen. Das zentrale Thema von
Fotografin Nadja Ellinger ist die Zerbrechlichkeit. „Man scheitert im Leben und
Sachen funktionieren nicht“, ist das Überthema der Werke der Künstlerin. So
begann sie sich bei den Fototerminen mit den Modellen über das Scheitern zu
unterhalten. Dies wird auf den Werken hervorragend widergespiegelt. Im Sommer geht
es dann für die Fotografin nach London, wo sie ihren Master in Kunstfotografie
machen wird. Doch aktuell ist sie gerade auf der Suche nach einem Verleger, da
sie in Zusammenarbeit mit einer Autorin im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ein
Märchenbuch gemacht hat.

Zum Abschluss gibt Cap On ein Konzert. Auch die etwas
poppigeren Lieder der Funk Band überzeugen das Publikum. Im Hofbräuhaus habe
die Band schon gespielt. Dass sie auch dort gut ankamen,
ist gar nicht verwunderlich. Die Zuhörer sind begeistert. Es wird geschnipst
und gewippt. Die zuvor schon guten Launen werden noch einmal zum Ende hin gesteigert.
Cap on wird mit riesigem Applaus und Zugabe-Rufen verabschiedet.  

Text: Annika Kolbe

Fotos: Wolfgang Westermeier

Fragen über Fragen – Nadja Ellinger

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„Durch diese Intimität, die sich durch die sehr persönlichen Vorgespräche eingestellt hat, war jede einzelne Begegnung von Bedeutung für mich. Auch wenn die inneren Dämonen immer individuell sind, ist der Kampf dagegen immer der gleiche

”, sagt Nadja Ellinger, die an unserer Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” mitgewirkt hat. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Worum geht es bei deinem Konzept? / Wie
bist du darauf gekommen?

“Über die Zerbrechlichkeit” ist ein
Projekt über das Scheitern, Ängste und Verletzlichkeit. Gerade als Künstler ist
die Außendarstellung immer präsent – und sie sollte möglichst eine
Erfolgsgeschichte sein. Das Scheitern, die Unsicherheit wird dabei gar nicht
thematisiert. Doch gerade dies ist das, was uns als Mensch ausmacht, uns öffnet
und Wachstum ermöglicht. Deshalb zeigt diese Serie die Zerbrechlichkeit der
Personen – nicht als etwas Negatives, das es zu vermeiden gilt, sondern als
etwas zutiefst Menschliches und Ehrliches.

Wie war es, so viele unterschiedliche
Leute für eine Bildserie zu fotografieren?

Für mich war es eine sehr intensive
Auseinandersetzung mit dem Thema, da ich es durch so viele unterschiedliche
Blickwinkel erleben konnte. Daneben war es spannend, mich mit anderen Künstlern
über Kunst im Allgemeinen auszutauschen, aber auch mehr über ihr jeweiliges
Fachgebiet zu lernen.

Welche Begegnung hat dich am meisten
beschäftigt?

Durch diese Intimität, die sich durch die
sehr persönlichen Vorgespräche eingestellt haben, war jede einzelne Begegnung
von Bedeutung für mich. Auch wenn die inneren Dämonen immer individuell sind,
ist der Kampf dagegen immer der gleiche. Zu wissen, dass man mit seinen
Unsicherheiten nicht alleine ist, war eine beruhigende Erkenntnis.

War es schwieriger, z.B. einen
Schauspieler/Musiker zu fotografieren (also selbst “Künstler”), als
professionelle Models und wenn ja, inwiefern?

Es war vielleicht sogar einfacher, mit
keinen professionellen Modellen zu arbeiten, da so die Gefahr nicht bestand, in
einstudierte Posen und Gesten zu fallen, da mein Anliegen ja eine authentische
Darstellung der Person war.

Bist du auch mal an deine Grenzen
gestoßen? / Musstest du deine Vorstellung/ dein Konzept über den Haufen werfen,
weil es schlichtweg nicht ausführbar war?

Auch wenn ich eigentlich fest damit
gerechnet habe, dass zumindest einer der Beteiligten sich auf ein so
persönliches Thema nicht einlassen würde, waren alle Künstler sehr offen für
die Idee, haben eigene Ideen mit eingebracht, sodass die Umsetzung des Konzepts
sehr gut durchführbar war.

Nimmst du die Szene dieser Stadt nach dem
Projekt anders war? Braucht es mehr Vernetzung?

Ich bin definitiv froh, diese jungen
Menschen alle kennen gelernt zu haben, mit denen ich ohne dieses Projekt
wahrscheinlich wenig Berührungspunkte gehabt hätte – selbst wenn einer davon
sogar mein Nachbar ist. Für mich war damit 10 im Quadrat eine wertvolle
Gelegenheit zur Vernetzung.

Foto:Selbstporträt / Nadja Ellinger

Gitarren-Sounds und starke Worte

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Am gestrigen Samstag spielten Heroine Twin und Willing Selves ein Akustikset mit entspannten Gitarren-Sounds. Poetry Slammerin Meike Harms und Comedian Sebastian Ulrich überzeugten das Publikum im Farbenladen mit starken Worten. So war der zweite Samstag im Farbenladen:

Es herrscht viel Trubel im
Farbenladen. Der hell erleuchtete Raum wirkt im Kontrast zum grauen Wetter
draußen sehr einladend und familiär. Während manche Besucher von einem Foto zum
anderen schlendern, stimmen die Gitarristen von Heroine Twin die ersten Takte
von „Nothing else Matters“ von Metallica an. Um Anton von der Band Willing
Selves steht eine Gruppe junger Leute, die viel lacht und herumalbert. Seine
Schwester Antonia schaut sich währenddessen die Fotos an, doch dafür bleibt
vorerst keine Zeit. Die beiden Geschwister, die seit zwei Jahren in München
auftreten, eröffnen das Rahmenprogramm des zweiten Ausstellungssamstags im
Farbenladen mit einem Akustikset. Während sie spielen, laufen draußen Leute am
Farbenladen vorbei, bleiben stehen und betreten ihn zurückhaltend, jubeln den
Musikern dann am Ende jedes Lieds zu. Für Willing Selves, die in der Regel eher
elektronische Musik machen, ist es das erste Mal, dass sie akustisch spielen
und sind begeistert: „Das war einer unserer besten Auftritte. Nur unsere
Stimmen und die Gitarre waren im Vordergrund. In Zukunft wollen wir auf jeden
Fall mehr in Richtung Akustik gehen.“

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Nach einer kurzen Pause tritt die
Poetry Slammerin Meike Harms auf. Ihre gesellschaftskritischen Texte, die sich
darum drehen, dass man das Glück daran erkennt, indem man es fotografiert und
es auf Instagram hochlädt, regt das Publikum zum Nachdenken an. Mit ihrem Text
über die sogenannte leistungsorientierte Freude und wie schwierig es sein kann,
richtig glücklich zu sein, möchte sie bewusst die Stimmung kippen, wie sie sagt
und verstellt ihre Stimme jeweils einige Oktaven höher oder tiefer und rollt
das R dabei stark. Auch bezieht sie sich auf die Fotografie, indem die Kunst
grenzenlose Wahrheit schafft und ein Bild mehr als tausend Worte sagt. Auf die
Frage, was das genau bedeute, meint sie, dass jedes Bild eine große Interpretationsfreiheit
besitze und die Wahrheit subjektiv wäre: „Die Fotografen möchten alle etwas
abbilden, doch jede Person sieht das Bild mit anderen Augen und interpretiert etwas
anderes hinein. Daher denke ich, dass ein Foto viele verschiedene Botschaften
rüberbringen kann.“

Danach ist der Comedian Sebastian
Ulrich mit seinem kurzen, aber selbstironischen Programm dran. Auch er stellt
sich die Frage, was die Leute dazu bringt, für ein gutes Instagram-Foto das
heimische Sofa zu verlassen und irgendwo hinzugehen, nur um ein gutes Foto für
Instagram zu bekommen. Er erzählt, wie er auf Open Mic-Stages „grandios
gescheitert“ ist. Spricht viel mit dem Publikum und albert mit den Gästen herum.
Dadurch macht er die gemütliche Atmosphäre noch familiärer: „Wir sind alle als
Freunde hier.“

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Zum Abschluss gibt Heroine Twin ein
akustisches Konzert. Auch für sie war es neu, in einer gemütlichen Runde ein
Akustikset zu spielen, nachdem normalerweise zwei E-Gitarren und Headbangen zum
festen Repertoire der Auftritte der Band gehören. Haben sie am Anfang noch
leiser gespielt, wird die Gitarre immer lauter und die Stimme der Sängerin
Marina immer kräftiger, die selbst dann kurz vorm Headbangen ist und das
Publikum damit ansteckt. Der Applaus ist nach dem Konzert groß und am Ende
stehen Gäste und Künstler gemeinsam in Gruppen und trinken ein letztes Bier
zusammen.

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Das Rahmenprogramm des zweiten
Ausstellungssamstags hat gezeigt, dass man außer einer Gitarre oder starken
Worten nicht viel braucht, um den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und eine
intime Atmosphäre zu schaffen, bei der sich sowohl Künstler als auch Gäste wie
Zuhause fühlen.

Fotos und Text: Serafina Ferizaj

Fragen über Fragen – Julie March

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Jeder liebt Essen. Essen ist unheimlich persönlich und individuell, sagt Julie March, die für unsere Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” zehn Künstler porträtiert hat. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Worum geht es bei
deinem Konzept? / Wie bist du darauf gekommen?

Jeder liebt Essen, Essen ist unheimlich persönlich und
individuell.

Wie war es, so viele
unterschiedliche Leute für eine Bild-Serie zu fotografieren?

Sehr interessant und vor allem witzig. Jeder hatte seine
eigene Art, das Thema zu interpretieren, und alle sind unterschiedlich damit
umgegangen.

Welche Begegnung hat
dich am meisten beschäftigt?

Die mit Anouk, da sie sich zuerst nicht fotografieren lassen
wollte, weil sie die Idee nicht gut fand, bis ich ihr erklärt habe, dass es
nicht darum geht, sich mit essen zu behängen, sondern dass es darum geht, es zu
essen bzw dass ich nur das ablichte, was der jeweilige Künstler damit macht. Das
war dann okay für sie.

War es schwieriger,
z.B. einen Schauspieler/Musiker zu fotografieren (also selbst “Künstler”), als
professionelle Models und wenn ja, inwiefern?

Nein war es definitiv nicht. Ich habe absichtlich ein Thema
gewählt, das leicht umzusetzen ist. Requisiten helfen immer und wenn es sich
bei der jeweiligen Requisite um das Lieblingsessen handelt, sind die meisten so
abgelenkt, dass sie keine Angst mehr vor der Kamera haben sondern einfach nur
noch Spaß haben.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen? / Musstest du deine Vorstellung/ dein Konzept über den
Haufen werfen, weil es schlichtweg nicht ausführbar war?

Nein

Nimmst du die Szene
dieser Stadt nach dem Projekt anders war? Braucht es mehr Vernetzung?

Nein, ich kann mich dazu nicht äußern, dazu bin ich zu wenig
in der Szene unterwegs und kenne mich zu wenig aus.

Foto: Julie March

Fragen über Fragen – Alina Oswald

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„Es ist zwar immer das gleiche Über-Konzept und immer die gleiche Technik, jedoch ist jeder Moment, jede Situation und jedes Bild auf seine Art und Weise einzigartig. Es war unglaublich spannend, all diese kreativen Menschen kennenzulernen und mit ihnen ein Bild zu erschaffen, welches ihre und meine Geschichte erzählt“, sagt Alina Oswald, die für unsere Ausstellung

10 im Quadrat – Reloaded

fotografiert hat.

Worum geht es bei
deinem Konzept? / Wie bist du darauf gekommen?

Für die Ausstellung „10 im Quadrat“ habe ich auf die
Gesichter und Körper von 10 Künstlern Muster und Formen, mit Hilfe eines
Beamers projiziert. Zum einen entsteht dadurch eine sehr interessante Optik aus
dem Zusammenspiel des Ausdruckes der Person und des farbigen Lichtes, welches
sich auf der Oberfläche der Haut zeigt. Zum anderen kann man die Projektion
auch in psychologischer Hinsicht betrachten und die Tatsache wahrnehmen, dass
ich Etwas auf Jemanden „projiziere“ und somit etwas aus dem Inneren
visualisieren kann.

Die Art der Muster habe ich meist mit den Künstlern zusammen
ausgearbeitet und nach eigenen, individuellen Themen der Personen passend
ausgewählt. Gibt es zum Beispiel einen Bereich im Inneren des Menschen, welcher
er nicht gerne zeigt, mit dem er viel zu kämpfen hat oder welchen er sogar
gerne zur Schau stellt, überträgt man dieses Thema auf ein abstraktes Muster.
So hat jedes Bild eine sehr persönliche Note. Zum Beispiel habe ich einer
Schauspielerin eine Schlangenhaut auf ihre Haut projiziert. Dies zeigt ihr
eigenes Thema in Rollen zu schlüpfen und „die Haut zu wechseln“ und zum anderen
das Hineinversetzen in böse oder komplizierte Charakter, welches eine besondere
Faszination auf sie ausübt.

Auf die Idee bin ich durch einen Freund und Fotografen
gekommen (Jonas Strohwasser), da wir eines Sonntag nachmittags aus Spaß den
Beamer nahmen und die Bilder meiner Orgasmus-Serie „Moments“ auf den gerade
auflegenden DJ Hr.Klotz projizierten. Die Wirkung faszinierte mich so sehr,
dass ich beschloss, dieses Über-Konzept für diese Ausstellung zu wählen.

Wie war es, so viele
unterschiedliche Leute für eine Bild-Serie zu fotografieren?

Jeder Menschen, den ich fotografiere, bringt ein völlig
eigenes Licht und eine besondere Energie mit sich. Es ist zwar immer das
gleiche Über-Konzept und immer die gleiche Technik, jedoch ist jeder Moment,
jede Situation und jedes Bild auf seine Art und Weise einzigartig. Es war
unglaublich spannend, all diese kreativen Menschen kennenzulernen und mit ihnen
zusammen ein Bild zu erschaffen, welches ihre und meine Geschichte erzählt.

Welche Begegnung hat dich am meisten beschäftigt?          

Jede einzelne Begegnung war für mich sehr spannend und
reizvoll. Diese noch fremden Menschen zu mir nach Hause einzuladen und sie
kennenlernen zu dürfen, war mir eine Ehre und hat sehr viel Spaß gemacht. Ich
möchte niemanden hervorheben, da alle 10 Künstler so besonders und faszinierend
sind und somit auch das Shooting mit ihnen.

War es schwieriger,
z.B. einen Schauspieler/Musiker zu fotografieren (also selbst “Künstler”), als
professionelle Models und wenn ja, inwiefern?

Für mich besteht der Reiz beim Fotografieren von Menschen
viel mehr in der Verbindung zwischen dem Fotografen und der Person und dem
Inhalt, welchen man zusammen erzählt und visualisiert, als eingeübte Posen und
erlernte Gesichtsausdrücke. Dies ist auch eine Kunst für sich, dennoch hat dies
keinen Raum in meiner Art und Weise zu fotografieren. Deswegen ist es für mich
nicht entscheidend, wie oft der Mensch schon vor der Kamera stand oder ob er
dies professionell macht oder nicht. Auf jede Person individuell einzugehen und
ein Vertrauen aufzubauen und etwas gemeinsam zu erschaffen, liegt in meinem
Interesse. Also nein, es war nicht schwieriger. Beides finde ich interessant,
da der Mensch das Interessante daran ist.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen? / Musstest du deine Vorstellung/ dein Konzept über den
Haufen werfen, weil es schlichtweg nicht ausführbar war?

Grenzen gibt es für mich wenige und Vorstellungen dienen
meist nur einem anfänglichen Plan, welcher gerne umgewandelt und verändert
werden darf. Jedoch habe ich für diese Ausstellung bewusst ein Konzept gewählt,
welches in der Umsetzung so viel Handlungs- und Interpretationsfreiraum bietet,
sodass sich jeder damit wohl fühlen kann. Ob man beim Shooting Kleidung trägt
und wenn ja, wieviel, und mit welcher Körpersprache man sich zeigt, liegt in
der Entscheidung des dargestellten Künstlers. Ich habe alles mir
Entgegengekommene eingefangen und festgehalten. Ich denke, so war alles
ausführbar und wundervoll.

Nimmst du die Szene
dieser Stadt nach dem Projekt anders war? Braucht es mehr Vernetzung?

Meine Wahrnehmung über die Szene dieser Stadt, erweitert
sich mit jeder neuen Person, welche ich kennenlernen darf und mit jedem
weiteren Projekt, an dem ich Teil habe oder welches ich selbst erschaffe. Ich
denke, die Ausstellung „10 im Quadrat“ bietet eine geniale Möglichkeit der
weiteren Vernetzung von Menschen aus dem kreativen Bereich und ist somit eine
Bereicherung für die Szene.

Dennoch darf noch mehr vernetzt werden in München. Noch mehr
Zusammenarbeit und Kollektive sind in meinen Augen sehr erwünscht. Es passiert
gerade einiges in München, dass den kreativen Bereich der Menschen hier fördert
und größer werden lässt und zwar genau von den kreativen Menschen, welche nicht
wegziehen und diese Stadt mit ihrer Kunst bereichern. Ich sage, bleiben wir
hier und machen München bunter.

Foto: Larissa Nitsche

Fragen über Fragen – Verena Lederer

Vor einem fast fremden Menschen halb nackt zu sitzen erfordert Mut, sagt Musikerin Verena Lederer, die als Model für unsere Ausstellung

“10 im Quadrat -Reloaded” porträtiert wurde. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Du stehst mit deiner
Kunst öfter mal vor Publikum. Wie war es für dich, so oft fotografiert zu
werden?

Vor der Kamera zu sein ist natürlich anders, als vor Publikum
im Mittelpunkt zu stehen. Es geht in dem Moment nur darum, wie du auf dem Foto
aussiehst. Deine Kunst kann dir da nicht helfen. Das kann manchmal einfacher
sein, manchmal schwieriger. Diese Unterschiede habe ich sehr stark gemerkt. An
manchen Tagen fühle ich mich schön, an manchen eben nicht. Wenn ein Shooting an
einem schlechten Tag vereinbart ist, ist die Selbstsicherheit dahin.

Hat das Mut
erfordert?

In manchen Situationen (oben ohne!) hat das zuerst Mut
erfordert. Vor einem fast fremden Menschen halb nackt zu sitzen erfordert
Überwindung. Auch hatten wir ja ein Partnershooting mit einer Person, die wir
bis dahin noch nicht kannten. Das war für mich sehr ungewohnt. Man wusste ja
nicht: Wo liegt die Komfortzone des anderen? Wie bewegt sich die andere Person
vor der Kamera? Findet sie mich überhaupt sympathisch oder eher nicht? Diese
Fragen verunsichern enorm.

Bist du auch mal in
andere Rollen geschlüpft? / Hast du andere Seiten an dir kennengelernt? Welche
Begegnung hat dich am stärksten geprägt?

Beim Oben-Ohne-Shooting (dämliches Wort!) bei Alina war ich
komischerweise gar nicht aufgeregt. Das hat mich total überrascht. Da dachte
ich nur: Das ist halt mein Körper. Ich wusste nicht, dass ich mich so wohl
fühlen kann in so einer verletzlichen Situation. Bei Alina wurde aus dem
Shooting zusammen mit Paul Kowol, der am selben Nachmittag fotografiert wurde,
ein ganzer Tag voller interessanter und persönlicher Gespräche, Wein, Chips und
sehr viel Lachen. Das ist eine wirklich schöne Erinnerung.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen?

Bei Julie habe ich mich komplett mit Heidelbeereis
eingesaut. Merke: Nicht mit bloßen Händen in eine Eispackung fassen und dann
das Zeug auf Körper und Gesicht verteilen. Das war dermaßen kalt! Erst eine
halbe Stunde später konnte ich meine Finger wieder spüren. Aber Spaß hat das
natürlich gemacht. Das hat mir gezeigt: Öfter das innere Kind rauslassen und
einfach rumblödeln – das sollte man öfter in den Alltag einbauen.

Brauchen wir mehr Vernetzung
in München?

Kontakt zwischen Künstlern aller Art kann nie schaden! Oft
hält man sich an die Personen, die man bereits kennt. Aber gerade die Personen außerhalb
des eigenen Freundeskreises sind die, die einem neue Impulse mit auf dem Weg
geben können. Ich finde, München ist sehr klein und sehr stark vernetzt.
Trotzdem helfen interdisziplinäre Veranstaltungen wie diese, Künstler
verschiedener Sparten mehr in Kontakt zu bringen. Davon kann es nicht genug
geben.

Foto: Julie March

Fragen über Fragen – Anouk Elias

“Vernetzung mit Menschen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen ist für uns wichtig und geht leider durch Smartphones immer mehr verloren”, sagt Schauspielerin Anouk Elias, die für unsere Ausstellung

“10 im Quadrat – Reloaded” porträtiert wurde. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Du stehst mit deiner
Kunst öfter mal vor Publikum. Wie war es für dich, so oft fotografiert zu
werden?

Für mich ist Fotografie etwas ganz anderes als auf der Bühne
zu stehen, eine schöne, spannende Erfahrung!

Bist du auch mal in andere Rollen geschlüpft? / Hast du andere Seiten an dir
kennengelernt?
Dadurch dass jeder Fotograf andere Themen hatte und es auf andere Dinge für
ihn/sie ankam, war es glaube ich natürlich, dass man immer bisschen anders war,
aber wir haben ja auch so viele Facetten in uns.

Hat das Mut
erfordert?

Ich glaube man braucht Mut für viele Entscheidungen im Leben, aber es hat mich
nur weitergebracht würde ich so sagen

Welche Begegnung hat
dich am stärksten geprägt?
Ich glaube die ersten Shootings hatten noch etwas Neu-aufregendes, aber
auch die letzten waren für mich “prägend” – im Sinne von Erfahrungen
sammeln: Das war es auf jeden Fall. Ich weiß nicht, ob man sagen kann prägend,
dass dieses Shooting mein Leben verändert hat, aber ich nehme auf jeden Fall
viele Erlebnisse mit und die Tatsache, dass Vernetzung mit Menschen und ins
Gespräch zu kommen mit ihnen für uns als Menschen sehr wichtig ist und
eigentlich zu einem natürlichen sozialen Umgang gehört, der leider immer mehr
verloren geht, dadurch dass das Handy uns immer mehr die Möglichkeit gibt,
unpersönlicher zu sein.

Bist du auch mal an
deine Grenzen gestoßen?

Nein Grenzen würde ich das so nicht nennen, aber
Herausforderungen oder Erweiterungen. Eine Herausforderung für mich war es, sich
bei Fotografen, mit denen man nicht sofort einen Draht hatte oder Sympathien
teilte, genauso offen und frei vor der Kamera zu fühlen, wie bei solchen, mit
denen man sich auf Anhieb gut verstand!

Brauchen wir mehr
Vernetzung in München?

Ja finde ich schon! München gibt sich leider nicht so offen,
aber solche Aktionen zeigen immer wieder, dass es das auch sein kann.

Foto: Nadja Ellinger

Vollstes Vertrauen

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Zehn junge Fotografen treffen auf zehn junge Menschen mit Bühnenerfahrung. Das Ergebnis: „10 im Quadrat Reloaded“ – eine Ausstellung im Farbenladen des Feierwerks.

Kein Mensch ist im Raum. Der kleine Konzertsaal im Gasteig ist komplett leer. Reglos liegt sie in der Mitte der Bühne, die langen blonden Haare über dem Gesicht verteilt, das Kabel des Mikrofons schlängelt sich um ihre Hüfte. Der dunkelrote Rock aus Samt leuchtet unter dem Licht der Scheinwerfer. Lotte Friederich posiert gerade für Diego Reindel. Er fotografiert die junge Frau, die an der Hochschule für Musik und Theater Jazz-Gesang studiert, für die zweite Auflage der Ausstellung „10 im Quadrat“.

Nach dem Erfolg des Ausstellungskonzepts im vergangenen Jahr, wird die Rechnung im März nun erneut aufgestellt: Zehn junge Fotografen treffen auf zehn junge Künstler. Wer sind eigentlich die jungen kreativen Köpfe dieser Stadt? Was bewegt diese Menschen, wenn sie nicht auf der Bühne stehen oder hinter der Kamera? Und was passiert, wenn diese Menschen für ein kreatives Projekt aufeinandertreffen? Das Ergebnis dieser Begegnungen zeigt die Junge-Leute-Seite der Süddeutschen Zeitung vom 3. März an im Farbenladen des Feierwerks. Mit einer spannenden Neuerung: Die Fotografen versuchen, zusätzlich ein Selbstporträt im Stil der eigenen Fotostrecke zu schießen, und dieses ebenfalls auszustellen.

Bei Diego Reindel wird dies vermutlich surreal aussehen. Á la Salvador Dalì in etwa. Er fotografiert alle Models an ihrem Lieblingsort, mit ihrem Lieblingsgegenstand, in ihrer Lieblingskleidung. Ob auf der Bühne wie bei Lotte oder in der Badewanne wie bei Singer-Songwriterin Amira Warning – je ausgefallener, desto besser. „Ich will skurrile, aber einzigartige und witzige Bilder von den Künstlern schaffen“, erklärt Diego. Er liebe es, wie unterschiedlich Menschen doch sein könnten.

Dass man es bei diesem Projekt mit unterschiedlichen Charakteren zu tun hat, das hat auch Lara Freiburger schnell gemerkt. „Alle haben ein ganz unterschiedliches Verhalten vor der Kamera. Manchmal muss man die Leute erst auflockern.“ Lara hat die Models einzeln in ein lichtdurchflutetes Fotostudio in Giesing eingeladen. Die Vorgabe: den eigenen Schlafanzug mitbringen – das Shooting findet in einem Bett statt. „Die Herausforderung besteht für mich darin, zehn Menschen zu fotografieren, die ich nicht kenne, und dabei Vertrauen aufzubauen, sodass ein persönliches Porträt entstehen kann“, sagt Lara. Es sei aber eine schöne Erfahrung, mit unprofessionellen Models zu shooten. „Ich will, dass du mehr chillst“, sagt sie mit einem Lächeln und der Kamera vor dem Gesicht zu Natanael Megersa, während dieser im Schlafanzug vor ihr sitzt. Er hat seine Schlafmaske mitgenommen. „Ich geh ja manchmal auch erst um 6 Uhr morgens schlafen“, sagt der DJ. Während Lara konzentriert Anweisungen gibt und aus verschiedenen Positionen fotografiert, plaudert sie ein bisschen mit Natanael über das Leben als DJ. Viele würden sich wegen Drogen einiges versauen in dem Job, sagt er. „Stop!“, ruft Lara. „Bleib genau so“, sagt sie ruhig. Und drückt ab.

Musik, Schauspiel oder Stand-up-Comedy – aus diesen künstlerischen Bereichen kommen in diesem Jahr die Models. Was die Künstler eint: Sie alle sind zwischen 20 und 27 Jahre alt. Sie stehen regelmäßig vor Publikum. Sie haben keine professionellen Modelerfahrungen. Dementsprechend wichtig ist es, dass eine gute Stimmung herrscht und dass sich ein gegenseitiges Vertrauen einstellt. Von Anfang an wohlgefühlt hat sich Leon Haller, Schauspielstudent der Theaterakademie August Everding, beim Shooting von Alina Cara Oswald. „Sie hat eine tolle Präsenz“, sagt der Schauspieler, der nicht nur auf der Bühne des Residenztheaters im Stück „Die Räuber“ zu sehen ist, sondern ab und zu auch an den Turntables der Roten Sonne oder des Harry Kleins steht.

Alina hat den Models drei Möglichkeiten für das Shooting gegeben: bekleidet, nackt oder bei einem Orgasmus. Am liebsten mag sie die letzte Option. Wie in ihrer Fotoserie „Moments“, bei der sie Menschen während des Höhepunktes fotografierte. Ihr sei aber klar, dass es „nicht einfach ist, so etwas zu machen, wenn man sich noch fremd ist“. Nur wer sich dabei wohlfühlt und sich traut, darf das machen. Die 25-Jährige projiziert für die Fotos unterschiedliche Muster auf die Körper der Künstler. Dabei lässt sie sich von der Persönlichkeit der Künstler inspirieren. Sie sollen zum Charakter der Porträtierten passen. „Was innen ist, soll nach außen getragen werden“, sagt sie. Vor dem Shooting sucht Alina gemeinsam mit den Models nach geeigneten Mustern.

Die Persönlichkeit und Gefühlswelten der Künstler stehen auch in den Fotografien von Nadja Ellinger im Vordergrund. Zentrales Thema ihrer Arbeiten für die Ausstellung ist Zerbrechlichkeit. „Wann hast du dich schwach gefühlt?“, ist eine von den Fragen, die Nadja den Models vor dem Fotografieren in einem intensiven Gespräch gestellt hat. „Ich habe teilweise extrem persönliche Dinge über die Models erfahren“, erzählt sie. Auch deshalb handelt es sich bei ihren Fotografien um Symbolbilder. Sie zeigen nur Ausschnitte des Körpers der fotografierten Person. „Es ging mir darum, das Gefühl der Künstler auszudrücken und Verletzlichkeit als etwas zu zeigen, das einen ausmacht. Nicht als etwas Negatives.“ In Sozialen Medien und im echten Leben verstecke man diese Seiten gerne, erklärt sie. Gleich wird Nadja die 21-jährige Schauspielstudentin Anouk Elias im Körperraum der Otto-Falckenberg-Schule fotografieren. „Morgens machen wir hier drin Aikido, Thai Chi und so was“, erklärt Anouk, während sie sich eine schwarze, weite Hose für das Shooting anzieht. Nadjas Konzept findet sie spannend. „Als Schauspielstudentin muss man sich sehr viel mit sich selbst auseinandersetzen.“

Auf eine ähnliche Art der Auseinandersetzung hat Lorraine Hellwig gesetzt und den Models als Menschen der Generation Y Fragen zu ihrer Einstellung zu Themen wie Liebe, Religion oder Politik gestellt. Die Statements der Künstler sind als Schriftzug Teil des Porträts. Alle hätten sehr unterschiedlich auf die Fragen geantwortet, das sei das Spannende an der ganzen Sache. „Ich denke, der Antrieb und die Neugier, neue Leute kennenzulernen, ist die Kraft, die man bei diesem Projekt schöpft“, sagt die 24-Jährige.

So ganz ohne Reibung geht es auch in diesem Jahr nicht. Für Anouk Elias war die Vorstellung, mit Essen zu spielen, nicht mit ihrer Sicht auf Nahrung vereinbar. Das Essen aber ist in den Porträts von Julie March ein essentieller Bestandteil – bunt und ein bisschen verrückt sollen die Fotos sein. Wie die Künstler das Essen dabei inszenieren und was sie damit machen, stellt sie den Models frei. Nachdem Julie Anouk dann erklärt hatte, dass sie das fotografiert, „was der jeweilige Künstler mit dem Essen macht“, und es nicht darum geht, sich mit dem Essen zu behängen, stimmte Anouk am Ende doch noch zu.
 Nur noch wenige Tage bis zur Eröffnung der Ausstellung. Die Rechnung geht auf, zu 100 Prozent.

Text: Ornella Cosenza

Foto: Catherina Hess