Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Hubert

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Unser Autor erlebt diese Woche eine bunte Kultur-Mischung. Auf dem Plan steht ein Besuch im MMA, die Eröffnung von The Lovelace und anerkennendes Nicken im Container Collective.

Freitag – Ich
scrolle. „Wir verlosen 3×2 Freikarten“  –
Ich scrolle weiter. „Wir verlosen Gästeliste-Plätze – zum Mitmachen einfach diesen
Post teilen oder kommentieren“. Übliche Posts in Facebook-Events. Nichts könnte
mir gerade egaler sein. Nicht, weil ich noch nie etwas gewonnen habe, sondern
weil ich mir sofort reflexhaft die überteuerten Vorverkaufskarten gesichert
habe. Schon vor Monaten. Kode9 kommt nach München. Es wäre ungerecht den
Hyperdub-Gründer einem Genre zuzuordnen, versucht er doch sich stetig neu zu
erfinden. Bassmusik fasst sein Spektrum aber recht treffend zusammen. In
irgendeinem meiner 37 offenen Tabs läuft seine Musik via Youtube-Autoplay. Ich
stelle mir vor, wie er zehn Jahre später in einem Interview von seinem
legendären Auftritt in München erzählt, von Jungs in weißen Hemden und in der
tobenden Meute eingequetschten Damen in Highheels.

Der Griff nach dem weißen Hemd scheint am Samstag schon nachvollziehbarer. In inszenierter Hotel-Umgebung feiert
The Lovelace“ sein „Grand Opening“. Meinen Beinen ist nach gestern nicht mehr
nach Hüpfen. Paulaner Spezi im Anschlag, ich verschwinde in einer Ecke und
verfolge das Programm: In einem halben Dutzend Räumen finden Akustik-Konzerte,
DJ-Sets, „Celebrity Ping Pong“ und Standup-Comedy statt.

Es ist Sonntag
und ich habe endlich den Kickflip auf dem Skateboard raus. Meine Beine quälen
mich. Ich schalte die Playstation 2 aus und schleppe mich zum Container
Collective. Der Skateboarding München e.V. veranstaltet heute einen „Cash For
Tricks Jam“.
Insgesamt 1000€ Preisgeld gibt es für die besten Tricks zu gewinnen.
Hier und da nicke ich den Skatern nach ihren Tricks anerkennend zu, so wie ich
es auch immer mache, wenn ich Leuten hochkonzentriert beim Schachspielen
zusehe. Ich habe keine Ahnung von Schach.

Im Kino am Isartor findet schon seit dem 6. Und noch bis zum
17. September das „Fantasy Filmfest“ statt. „Fantasy steht hier nicht für
Drachen, Feen und verwunschene Wälder, sondern für Fantasie, Innovation und
Skurrilität“. Der verzweifelte Versuch der Veranstalter nicht wie eine
Freakshow zu wirken. Stattdessen verspricht das Programm am Montag atemlose
Thriller, obskure Sci-Fi Träumereien, harte Horrorschocker und gefühlvolle
Arthausperlen. Ich stehe in einer breiten Schlange vor Kinosaal 2. Meine
Strumpfhose zwickt etwas im Schritt. Vorsichtig sehe ich mich um. Es lohnt sich
Facebook-Events gründlich durchzulesen. Ich bin der Einzige im Elfenkostüm.

Ich scrolle und scrolle. Leider weiß ich weder Dienstag noch Mittwoch etwas mit
mir anzufangen. Facebook schafft es auch nicht mich zu inspirieren. In den
vergangenen Tagen habe ich sowieso viel mehr Geld ausgegeben, als ich sollte.

Um
keinen Preis darf ich mir am Donnerstag den
Freier-Eintritt-bei-Zusage-Deal für Rant & Rave im Harry Klein durch die
Lappen gehen lassen… Mein Häkchen ist gesetzt.

Freitag. Wie
schafft das MMA es, so kontrastreiche Veranstaltungen unter ein Dach zu
bekommen? Obscure Shape ist heute gebucht. In der Youtube-Kommentarsektion wird
der Newcomer gern als „The best thing in techno at the moment“ gehandelt. Meine
Freunde treffen sich zum Vorglühen.

Ich sitze derweil schon seit einer Stunde im MMA und lausche
der Oper Carmen
. Richtig: In den selben Räumlichkeiten, in denen es gleich aus
den Lautsprechern scheppert, führe ich mir Georges Bizets Werk zu Gemüte. Im
Carmen-Ensemble spielen und singen Asylsuchende Künstler Seite an Seite mit
professionellen Opernsängerinnen und -sängern. Auch ein Chor aus
Flüchtlingskindern singt. Fang jetzt nicht an zu heulen, deine Leute wollten
jeden Moment auftauchen…

Bei jedem Versuch meine Kumpanen statt dem Vorglühen zur Oper
zu motivieren hatte ich nur Spott geerntet. „Der Elias hat ne neue Anlage, wie
kannst du dir das entgehen lassen?“ Ich frage mich, ob ich die Zeit nicht doch
mit meinen Freunden hätte verbringen sollen.

In der Halle bricht Klatschen aus. Mein Handy vibriert: „Kommen
nicht rein, Einlass-Stop“.

Auf dem Weg nach draußen antworte ich: „Wie könnt ihr euch
das entgehen lassen?“. Zwar werde ich Obscure Shape heute auch nicht mehr
spielen hören, aber die genervten Gesichter meiner Freunde heitern mich nach
dem Drama um Carmen wieder auf.

Text: Hubert Spangler

Foto: Privat

Wer es in München schafft, der schafft es überall

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Silviu Slavu

alias Top Shotta spielt UK-Bass – damit durfte der 23-Jährige im legendären Boiler Room auflegen.

München – Es ist eng. Der ganze Körper ist nass. Es ist eine Mischung aus Eigen- und Fremdschweiß, plus dem Kondenswasser, das von der Decke auf die Tanzfläche tropft. Zudem ist im Club auch noch das Licht gedimmt, man lässt sich von der Masse um einen herum zu wilden Sprungeinlagen mitreißen – jedes Mal, wenn der Bass einschlägt. Hier ist jeder für sich selbst und lässt sich von den bebenden Tieftönen massieren. Mutige Gäste treten eine Armlänge an die eigens für das Event aufgestellte Wand aus Lautsprechern und Subwoofern heran. Dort gleicht die Massage eher einem Durchrütteln.

Von dem Geschehen auf der Tanzfläche bekommt Top Shotta gar nichts mit. Nicht nur, weil der DJ mit den Augen die CD-Player fixiert, sondern vielmehr, weil sein Pult absichtlich mit dem Rücken zum Publikum steht. Der 23-Jährige tritt heute im Boiler Room auf. Der Boiler Room ist kein Club – die ursprünglich überschaubare Eventreihe aus UK hat sich zu einer der einflussreichsten Tastemaking-Plattformen für elektronische Underground-Musik entwickelt. Das Konzept ist schlicht: Vielversprechende, aber noch unbekannte Künstler sowie etablierte Acts spielen ihre Musik vor laufender Kamera. Das Event wird live im Internet gestreamt. So erklärt sich auch die merkwürdige Anordnung von DJ-Pult und Publikum – alles soll im Bild sein.

Sonst findet der Boiler Room in Städten wie Los Angeles, Berlin oder London statt. Umso größer ist die Ehre für Top Shotta, die Münchner Bassmusik-Szene auf das internationale Radar zu bringen. 34 000 Zuschauer verfolgen das Event live im Web. Top Shotta, der mit bürgerlichem Namen Silviu Slavu heißt, steht kurz vor dem Durchbruch – und das mit Musik, bei der man meinen würde, sie würde in München nicht auf fruchtbaren Boden stoßen. UK-Bass heißt die Musikszene, mit der sich Silviu am meisten identifiziert. Dunkle, ruppige Klänge sind kennzeichnend.

Ortswechsel: Top Shotta sitzt in der Sonne und schenkt Sekt nach. Nicht in Gläser, sondern in Plastikbecher. Der Sekt ist vom Discounter. Er steht auf und geht zurück in den umfunktionierten Schiffscontainer des Webradios „Radio 80000“, in dem der Münchner seine eigene wöchentliche Sendung hat: die „Ruffhouse Radio Show“. „Ruffhouse“ startete 2013 als vierköpfige DJ-Crew. Der Name steht für House- und Technoproduktionen mit schroffer Klangästhetik. „Kein glatt poliertes und einfallsloses Zeug“, sagt er.

Der Leitfaden war es, allerlei elektronische Musik zu spielen, die nur auf Sidefloors oder gar nicht in Clubs zu hören war. Aus dem Konzept der Crew wurde eine Eventreihe, später eine Plattenfirma. Mittlerweile veröffentlichen Künstler von Helsinki bis Osaka ihre Musik auf Ruffhouse. noch in diesem Jahr kommt der erste Vinyl-Release.

Neben Radio 80000 vertritt Top Shotta Ruffhouse auch im Londoner Radar Radio. „Wenn die Show nachträglich hochgeladen wird, erreicht man Leute, die man sonst nicht erreichen würde“, sagt er. Ganz abgesehen davon ist Radio für ihn einfach ein wöchentliches Vergnügen. „Man kann dort aufdrehen und mit den Mandems auflegen.“ Mit Mandems meint er den Rest seiner Crew, UK-Jugendsprache. Er steckt tief in seiner Szene.

Silviu fiel in jungen Jahren schon auf, dass er mit der Musik, die andere hörten, nichts anfangen konnte. Was ihn viel mehr beschäftigte, war der Soundtrack seiner Computerspiele. Aus Neugier legte er einmal eins dieser Spiele in einen Discman ein. Er fand heraus, dass man so die Tonspur abspielen kann. „Wenn man kein Internet hat, wird man kreativ“, sagt er. Seine Kindheit verbrachte Silviu in Rumänien. Um im Netz zu surfen, musste man damals ins Internetcafé gehen. Später in Deutschland wird das Internet zum Katalysator für seinen breit gefächerten Musikgeschmack.

Es stellt sich heraus, dass einer seiner Klassenkameraden ähnlich musikaffin ist. Jener Schulfreund stellt den Kontakt zwischen Top Shotta und dem Münchner Basswerkstatt-Kollektiv her. Die Jungs überrumpeln Silviu, überreden ihn aufzulegen. Er sucht nach Wegen, sich aktiver in der Szene zu etablieren und wagt den Schritt zum Musikmachen. „Auflegen alleine reicht heutzutage nicht mehr, um in der Szene Fuß zu fassen“, sagt er. „Jeder kann sich heute für minimale Investitionen einen Controller und Software holen, dadurch hat das Handwerk an Wertschätzung verloren.“

Insgeheim erhofft sich Silviu, als Top Shotta und mit seinem Label langfristig finanziell unabhängig zu machen. Gleichzeitig weiß er, dass er es mit seiner Art von Musik sehr schwer hat, die Massen zu erreichen.

Aus dem Radio-Container ertönt ein Track, den Silviu kennt. In der Ruffhouse-Radio-Show sind gerade zwei Gast-DJs am Werk. Er eilt hinein und plärrt im Jamaika-UK-Slang eine Ansage ins Mikrofon. In und um den Container herum haben sich ein Dutzend Mandems versammelt. Auf diesen Track scheinen sie besonders anzusprechen, zumindest tanzen die meisten. Es gibt genug Menschen, die diese Musik und die Szene, die sie umgibt, verstehen. Eine Willkommenskultur kann man München gegenüber neuen Szenen aber leider nicht nachsagen. Deswegen finden Events nur in kleinen Clubs, am Stadtrand oder illegal statt. Top Shotta und die Ruffhouse-Gang schaffen es gerade, aus

den Grenzen der Stadt auszubrechen: Wer es in München schafft, der schafft es überall.

Text: Hubert Spangler

Foto: Lucas Bergmüller

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Barbara

Die Events im Container Collective scheinen kein Ende zu nehmen. Unsere Autorin besucht dort den Kneipenabend am Samstag. Noch dazu steht für kommende Woche Theater, Indie-Musik und das Isle of Summer Festival auf dem Programm.

Die Sonne scheint und das sollten wir uns am Freitagabend
gleich zu Nutze machen. Auf dem Rindermarkt beginnt heute ab 17 Uhr das Munich
Sessions Summer Fest
. Das dreitätige Open Air ist für jeden frei zugänglich
und wird unter anderem von ego FM,
Bundaberg
Ginger Brew
und Gutmann
Hefeweizen
gesponsert. Eine tolle Gelegenheit, Live Musik im Herzen von
München zu genießen.

Am Samstag mache ich mich fein für das Isle of Summer
Festival
. Electro-Größen wie Oliver Koletzki, Bebetta, AKA AKA und Florian
Kruse werden die Menschenmengen zum Beben bringen und für fantastische
Festival-Stimmung sorgen. Die Sonne darf sich auf alle Fälle blicken lassen! Wenn ich dann noch fit bin, statte ich abends dem Container Collective
einen Besuch ab. Die Redaktion JETZT
lädt zu einem feuchtfröhlichen Trink- und Leseabend und trägt ihre besten
Kolumnen und Texte vor. Musikalischen Support gibt es dieses Mal vom Münchner
Kneipenchor
. Zwei Wochen lang – vom 24. 7. bis 5. 8. 2017 – lässt sich die
SZ im Container Collective nieder und gibt Raum für spannende Diskussionen,
Anregungen und Wünsche. Kommen lohnt sich!

Für den Sonntag habe ich mir die egoFM
Schlauchboot Session
vorgemerkt. Um 14 Uhr mache ich mich bereit für das
fröhliche Paddeln im Olympiasee. Auch für musikalische Unterhaltung und das
leibliche Wohl wird gesorgt. Der Eintritt ist frei.

Am Montag geht es in den Biergarten. München hat
diesbezüglich so eine große Auswahl, dass es vermutlich Wochen dauern würde, um
alle einmal gesehen zu haben. Meine Wenigkeit kann das Seehaus im Englischen
Garten
empfehlen. Der idyllisch gelegene Biergarten besticht mit Seeblick und
leckeren Speisen und Getränken.

Der heutige Dienstagabend gehört allen Künstlern, Poeten und
Musikern, die ihr Können im Arts´n´Boards
unter Beweis stellen möchten. Die Veranstaltungsreiche „Open
Stage“
findet jeden zweiten Dienstag im Monat statt. Beginn ist um 19:30
Uhr, der Eintritt ist frei. Wer ambitioniert genug ist, um sich auf die Bühne
zu stellen, kann sich unter arts@arts-and-boards.de
für die kommenden Open Stages anmelden.

Am Mittwochabend schlüpfe ich in meine Flip Flops und
pilgere zur „Chamagne
supernova“-Party
am Kulturstrand
München
. Der Abend wird Indie-lastig, denn DJ Armin Linder hat
die besten Hits von Oasis, „The Smiths“, „The Cure“ und „The Velvet
Underground“ im Gepäck. Also, liebe Indie-Freunde, nichts wie hin! Ab 19 Uhr
geht’s los, der Eintritt ist frei.

Am Donnerstagabend gehe ich ins Deutsche Theater und trage
mein kleines Schwarzes. Aufgeführt wird nämlich das Balletstück „Mythos
Coco“
, in welchem die Biographie von der berühmten Modedesignerin Coco
Chanel erzählt wird. Ich bin auf die Inszenierung schon sehr gespannt! Beginn
ist um 20 Uhr.

Am Freitag stehen Boards mit coolen Designs im Mittelpunkt: Das
alljährliche Surf
& Skate Festival
beginnt dieses Wochenende und ist für alle Skater und
Surfer quasi ein Pflichttermin. Eingeläutet wird das Festival mit der „Surf
Movie Night“ im Kino, Mond
und Sterne
. Für mich ein schöner Start in das Wochenende! Als Alternativprogramm sei Kunstliebhabern die Vernissage „Books
& Birds“
von Simon
Marchner
ans Herz gelegt. Der Künstler setzt sich in seinen feinen
Illustrationen mit dem Thema Natur auseinander. Die Ausstellung beginnt um 20
Uhr im Altgiesing.

Text: Barbara Forster

Foto: Privat

Zorn und Entzücken

László Breiding kann sich so über München aufregen, dass die Zuschauer an den Kammerspielen jubeln. Und doch gefällt dem erfolgreichen Falckenberg-Schüler die Stadt an der Isar – gerade wegen ihrer zwei Seiten.

Es ist idyllisch hier, in dieser grünen Oase mitten in der Stadt. László Branko Breiding liegt am Schwabinger Bach. Der 22-Jährige genießt die Sonne und die Ruhe im Englischen Garten. Die Ruhe vor dem Sturm.

Er wird gleich brodeln und zwar vor Zorn. Ein Zorn, den diese Stadt in ihm geweckt hat. Während er so von diesem Tag erzählt, rötet sich sein Kopf leicht, seine grünen Augen weiten sich. Er gestikuliert wild, berichtet von unfreundlichen Menschen, nervigen Segway-Gruppen in der Münchner Innenstadt, die den Heimweg blockieren und dem protzigen Reichtum zwischen Bayerischer Hof und den Kammerspielen. „Und dann diese Junggesellenabschiede. Auf dem T-Shirt stand: Ralf heiratet. Ich bin nur zum Saufen hier!“ Am Ende seines Zornausbruchs applaudiert das Publikum in der Kammer 3 der Kammerspiele. An einigen Stellen wurde gelacht, die Zuschauer konnten sich in der Wut des Nachwuchsschauspielers wiedererkennen.

Aber ist hier denn wirklich alles so furchtbar? „Für die Geschichte war das natürlich alles sehr überspitzt dargestellt. Man regt sich ja manchmal über Dinge auf, die total lächerlich sind“, sagt der Schauspielstudent aus dem dritten Jahrgang der Otto-Falckenberg-Schule, der in Karlsruhe aufgewachsen ist. Für Zorn – ein Lieder- und Geschichtenabend – hatten die Studenten unter Leitung von Georgette Dee die Aufgabe, sich mit dem Thema Zorn in gesanglicher und erzählerischer Form auseinanderzusetzen. Die Texte der Monologe schrieben sie selbst.

„Ich lag tatsächlich im Englischen Garten und habe mich gefragt, was Zorn eigentlich für mich ist“, erzählt László. So sei dann die Idee zu seiner Geschichte entstanden: ein Tag in München mit Menschen, die nicht Danke sagen, und alltäglichen Momenten, die vielen Bewohnern dieser Stadt bekannt sind und den Erlebenden immer mehr zur Weißglut treiben. Das alles wirkt lustig und zugleich tragisch: „Es ist eine Komik, bei der einem das Lachen im Hals stecken bleibt“, sagt der Schauspieler. Trotz aller Wut in seiner Geschichte ist er aber zufrieden damit, in München zu studieren: „Die Stadt an sich finde ich total toll. Ich bin froh hier zu sein, es gibt ein breit gefächertes Freizeitangebot.“ Bei der Wohnungssuche hatte László ein Glück, das sich manch anderer verzweifelt erhofft: „Von vier WGs hatte ich am Ende drei Zusagen“, sagt er. Der Münchner Wohnwahnsinn blieb dem 22-Jährigen also erspart. Immerhin, ein bisschen weniger Zorn.

Aus Schauspielersicht schätzt er die Vielfalt der Theaterlandschaft in München. An den Kammerspielen und auch am Residenztheater stand er selbst schon auf der Bühne. Seine erste größere Rolle ist aktuell die des Roller in „Die Räuber“ am Residenztheater.

Den Wunsch, Schauspieler zu werden, hatte er schon in der Schule. Erst spielte er am Schultheater mit, ging dann in den Jugendclub des Badischen Staatstheaters Karlsruhe und wirkte bei verschiedenen Projekten an der Seite professioneller Schauspieler mit. Noch vor dem Abi sprach er an Schauspielschulen vor. Doch er erhielt nur Absagen. Er solle noch ein bisschen warten, er sei zu jung, hieß es. Also hospitierte er am Theater in Karlsruhe und lernte den Theaterbetrieb auch hinter der Bühne kennen.

Nach zwei Jahren klappte es dann: László bekam gleich zwei Zusagen – von der Theaterakademie August Everding und von der Otto-Falckenberg-Schule. Er entschied sich für Letztere. „Das war eine reine Gefühlsentscheidung, die hat sich irgendwie richtig angefühlt.“ Im Sommer 2014, noch vor Studienbeginn in München, stand er vor der Kamera. Für die französische Kinofilmproduktion „En mai, fais ce qu’il te plaît“ (Regie: Christian Carion) mit Filmmusik von Ennio Morricone. In dem Drama geht es um den Vormarsch der deutschen Truppen in Frankreich während des weiten Weltkriegs. Hier durfte der junge Mann mit den goldblonden Locken an der Seite von Thomas Schmauser drehen – und trifft diesen in München an den Kammerspielen wieder. Derzeit arbeiten die beiden wieder zusammen.

László könnte sich vorstellen, auch nach dem Studium weiterhin in München zu bleiben. Aber trotz netter Kollegen, toller Theaterlandschaft und Freizeitangeboten für junge Menschen gibt es eben auch ein paar uncoole Seiten an der Stadt, mal abgesehen von den verheerenden Mietpreisen. München hat wohl einfach zwei Gesichter: „Manchmal fehlt mir in München so ein bisschen das Runtergerockte, der Schmutz, das nicht so Perfekte“, sagt er. Es sei ihm eben ab und zu doch alles zu brav und ordentlich. „Es gibt aber andererseits ja doch auch diese für München vielleicht eher untypischen Ecken, wie zum Beispiel in der Gegend um den Leonrodplatz“, fügt er hinzu. Oder das Container Collective am Ostbahnhof. Dort wird László Breiding im Rahmen der Veranstaltung „München, was ich dir schon immer sagen wollte“ am Donnerstag, 27. Juli, seine zornige Geschichte noch einmal vor dem Publikum präsentieren.

Text: Ornella Cosenza

Foto:
Florian Peljak

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Anastasia

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Nach ihrem Umzug nach München will unsere Autorin die Stadt von all ihren Seiten erleben. Sie geht tanzen im Lucky Who, macht Street-Art-Safari und bemerkt schließlich doch, dass München auch nur ein Dorf ist, wo ab und an gelästert wird.

Seit knapp einer Woche darf ich mich Münchnerin nennen.
Verrückt. Trotz geduldigem Suchen nach bezahlbarer Quadratmeterzahl und dem
Schleppen von vielen Umzugskartons, habe ich noch genügend Energie, um in den
kommenden Tagen auf meinen gelungenen Umzug anzustoßen.

Am Freitag geht‘s los! Ich hab’ Bock zu tanzen und das unter freiem Himmel.
Das Lucky Who bietet dafür die perfekte Möglichkeit und schmeißt ein Sommerfest
in Open Air Edition
. Versprochen wird ein Abend, an dem alle Musikgenre
vertreten sind und es einzig und alleine ums Tanzen geht.

Samstagmorgen. Tatsächlich, mir schmerzen die Füße ein
wenig. Ob vom Umzug oder dem vielen Tanzen, das weiß ich nicht genau. Aber
gejammert wird nicht! Bereits mittags findet die Eröffnung der Jahresausstellung
der Akademie der Bildenden Künste
statt. Die Facharbeiten aller Künstler werden
gezeigt. Mit dabei sind Ausstellungsstücke von den Klassen der Malerei,
Fotografie, aber auch Schmuck und Geräte, sowie Medienkunst und Bühnenbild. Was
meine Abendplanung angeht, habe ich heute die Qual der Wahl. Entweder fahre ich
zum Gärtnerplatzfest, wo ich mich auf ein kaltes Bier und gutes Essen freuen
darf. Oder ich ziehe mich doch noch schnell um, hüpfe in buntere Kleidung und
statte dem Wannda Circus einen Besuch ab. Eigentlich habe ich vom Tanzen noch
nicht genug. Also reise ich ins Reich der riesen Libellen und menschengroßen
Pilze. Nicht nur die Location hier taugt gut! Auch die Line-Up klingt viel
versprechend. Also los! Abschalten und das Tanzbein schwingen!

Ende im Gelände, letzter Tag am Wochenende: Sonntag! Es darf
ausgespannt und gefaulenzt werden und das geht am besten bei sehr viel Kaffee
und gutem Essen. Mit einer Freundin treffe ich mich im Café Da ME in der Morassistrasse.
Hier gibt es viele italienische Köstlichkeiten und das schon zum Frühstück.
Wenn ich es noch rechtzeitig bis um 14 Uhr schaffe, dann bekomme ich noch
freien Eintritt bei dem Event „Sonntagsgefühl Danny Faber&Marvin Hey“.
Klasse Sache! Hier kann ich das Wochenende entspannt ausklingen lassen bevor…

… mich der Montagmorgen begrüßt. Ab in‘s Büro! Hier wartet
auf mich eine frisch gedruckte Ausgabe unserer Junge Leute Seite.  Nach der Montagslektüre folgen ein paar
Stunden Arbeit und dann heißt es: Feierabend! Diesen verbringe ich heute im
Kino, Mond & Sterne. Gespielt wird „Hell or high water“. Der Trailer sieht
nach viel Action und spannenden Sequenzen aus. Mal sehen, was mich dort
erwartet.

Okay, ich muss heute doch ein wenig jammern. Die vorherigen
Tage haben mich geschlaucht. Am Dienstag geht mir die Puste aus. Die Füße
schmerzen und der Schlafmangel grüßt. Dennoch will ich ein wenig Sonne
genießen. Mit Freunden wird an der Isar gefaulenzt oder im Englischen Garten
gepicknickt. Morgen darf es wieder etwas abenteuerlicher zu gehen.

Denn am Mittwoch erlebe ich München mal von einer ganz
anderen Seite. Weniger Schickeria und Maximilianstraße, wie es das Klischee
verspricht, nein. Heute gehe ich auf Safari, um genau zu sein auf Street-Art
Safari! Wusstet ihr, dass die deutsche Graffiti-Bewegung  Anfang der 1980er Jahre in München ihren
Ursprung hat? Ich auch nicht. Bis ich heute bei der Veranstaltung „Isarlust!
Street-Art-Safari – München ist bunt“
teilgenommen habe. Am Kulturstrand ging es um 18 Uhr los und zusammen
mit anderen  tourte ich vom Friedensengel
entlang der Isar bis zur Brudermühlbrücke und dann durchs Schlachthofviertel
zur Tumblingerstraße.

Am Donnertag wird geplaudert, besprochen, geschwärmt und
geschimpft und zwar wegen München. Was mir hier besonders auffällt? Worüber ich
mich wirklich aufregen muss und warum München mein Herz manchmal höher schlagen
lässt? All diese Fragen möchte ich bei der Veranstaltung „München, was ich dir
schon immer sagen wollte“
beantworten. Eine Möglichkeit unserer Stadt eine
Botschaft zu überbringen bekommt man bei der interaktiven Gerüchteküche. Auf
der Open Stage können Künstler und Poeten, Autoren und Sänger ihre Werke
präsentieren. Für Musik sorgt die Open-Aux-Session. Ab 19.30 Uhr öffnet das
Container Collective seine Türen und es darf gelästert werden!

Jawohl, schon wieder Freitag! Die Rote Sonne lädt zu ihrem
zwölften Geburtstag ein. Das muss gefeiert werden. Das Line-Up wirkt sehr
familiär, aber auch Auswertige sind willkommen. Zuvor statte ich aber noch dem
Haus der Kunst einen Besuch ab. Hier wird die 3. Biennale des
Ausstellungsortes
eröffnet. Das diesjährige Thema lautet: Faktor X – das
Chromosom der Kunst.

Ach, München! Nachdem ich hier am
Donnerstag ganz nach Dorfmanier gelästert habe, mir die Beine wund getanzt und
viel Sommer genossen habe, freue mich auf unsere bevorstehende Zeit.
Schließlich hast du viel zu bieten in deinen Wochen von Freitag bis Freitag und
einen Grund, um anzustoßen, den finden wir immer.

Text: Anastasia Trenkler

Foto: Privat

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Laura-Marie

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Mehr Sommer wird nicht! Deshalb entscheidet sich unsere Autorin für ganz viel Draußensein: ob beim Straßenfest in der Türkenstraße, einem Mädelsflohmarkt im Feierwerk oder dem dreitägigen Sommerfest im Container Collective.

Ich
träume vom Sommer meines Lebens. Von Tagen und Nächten, die nie zu Ende gehen
wollen. Von Sonnenuntergängen auf Münchens Dächern. Von Straßenfesten, die bis
zum nächsten Morgen dauern. Vom Gefühl, den schönsten Sommer des Lebens zu
feiern. Mit guter Musik und den besten Freunden. Und was bringt mich meinen
Tagträumen näher, als ein vielfältiges Wochenprogramm…

Als
erstes geht es für mich am Freitag zum Future Jam in die Milla. Die Münchner
Rapper Boshi San & Lux plus Waseem (Monaco Freshprinz) laden an
diesem Abend zu einem Benefiz-Jam ein. Dabei teilen sich die Künstler Diaspora, Einshoch6, Physical Graffiti (USA),
DSDNG, Maloon the Boom (CH) und YoungstaCPT (ZA) die Bühne mit
einer brandneuen Rap-Crew: einer Crew, die aus jungen Geflüchteten besteht, die
die Berufsintegrationsschule „Future Campus“ in Oberschleißheim besuchen und
als die Special Guest des Abends gelten! Nach der Liveshow folgt die Party mit
vielen geladenen DJs. Der gesamte Erlös dieses
Abends (Eintritt ab 8 Euro) fließt in einen Sozialfond, der die Schüler in
akuten Notlagen unterstützen soll. Ein cooler Abend für einen guten Zweck!
Später geht es dann auch für mich noch auf das legendäre Uni-Sommerfest. Statt
mit Büchern im Gepäck zur nächsten Vorlesung zu hetzen, werde ich dort durch den
Lichthof der LMU von Hörsaal zu Hörsaal tanzen!

Mein Samstagsprogramm starte ich beim
Mädelsflohmarkt im Feierwerk. Ganz gemäß dem Motto „Von Mädels für Mädels“
lässt es sich hier mit den besten Freundinnen von 17 Uhr an durch die verschiedensten,
ausgefallensten und einzigartigsten Stände stöbern. Danach zieht es uns aufs Türkenstraßenfest. Bereits von 14 Uhr an kann man sich
dort von der Menge treiben lassen und sich von vielen verschiedenen
Essensmöglichkeiten inspirieren lassen. Das Line-up des Abends: BUSON
(Munichopenminded), THE PRETTY BOY (Crux) und DJ
HOTSAUCE (Beastin), die für die offizielle Aftershowparty einstimmen! Auf der
knallt’s dann so richtig – und auch noch doppelt: von 22 Uhr an findet im Lucky Who und Bob Beaman die erste Block Party Supreme mit den
DJs Ales (100BlackDolphins) und Der$han (edmoses) statt.

Am Sonntag heißt es dann „Oper für alle!“: Richard
Wagners Tannhäuser wird live aus dem Nationaltheater auf den Max-Joseph-Platz
übertragen. Moderieren wird dieses einzigartige Fest Thomas Gottschalk. Wetten,
das wird großartig…?

Zu den besten Nächten des Jahres zählen für mich
die, die man unter freiem Himmel verbringt. Am Dienstag geht es für mich
deshalb zum Kino, Mond & Sterne an der Seebühne im Westpark. Gezeigt wird der Film
„Moonlight“, der bei der Oscarverleihung 2017 zum besten Film des Jahres
ausgezeichnet wurde und den man unbedingt gesehen haben sollte.

Am Mittwoch und Donnerstag findet ein großer
Büchermarkt, organisiert von Buchwissenschaftsstudiengängen der LMU, in der
Schellingstraße statt. Zwischen 10 und 18 Uhr kann man hier gemütlich
stöbern, die ein oder andere Strandlektüre für die anstehenden
Sommersemesterferien finden und sich bei Crêpes und anderen Leckereien über die
besten Ferienlektüren austauschen. Der Erlös geht an die Studenten, die sich
damit eine Fahrt zur Frankfurter Buchmesse finanzieren.

Mittwochabend wird dann weitergerappt:
Infidelix, der Street-Rapper aus Texas und wohl erste Rap-Backpacker Europas, gibt sein Debutalbum „Busk Life“ im
Cord Club
zum Besten.

Den Donnerstagabend habe ich mir für eine Premiere
in den Münchner Kammerspielen
reserviert: „Glückliche Tage“ von Samuel Becket.
Es geht um ein altes Paar, Winnie und Willie, die sich einander eingegraben
haben – in Routinen, Erinnerungen und Gegenständen. Thematisiert wird mit
dieser Inszenierung die Einsamkeit im Alter und damit einhergehend, wie sich
Denken und Sprechen voneinander unterscheiden. Dabei handelt es sich um ein Drittjahresprojekt des Regiestudiengangs der Otto-Falckenberg-Schule, unterstützt durch die Richard-Stury-Stiftung.

Am kommenden Freitag startet ein dreitägiges
Sommerfest im Container Collective am Ostbahnhof. Nähere Infos zum Programm
gibt es leider nicht, man darf sich aber auf jede Menge Kreativität und
Interaktivität freuen. Darunter Tombolas, Workshops und jede Menge gute Musik
und leckeres Essen! Ich freue mich, meine Woche zwischen knallbunten
Containern, die von Sonnenstrahlen in warmes Licht getaucht werden, inmitten vieler kreativer
Menschen mit spannenden Projekten bei guten Gesprächen ausklingen zu lassen und
festzustellen: Tagträumen geht immer und überall und am schönsten ist es doch,
wenn manche Träume sich mit der Realität vermischen und unvergessliche
Erinnerungen schaffen. Drum Sommer, bleib doch noch ein bisschen, wir haben noch
so viel vor!

Text: Laura-Marie Schurer

Foto: Privat