Neuland

Junge Menschen wollen sich schnell informieren, vernetzen und austauschen können – auch, wenn es um soziales Engagement geht. Die App letsact ermöglicht, dass man sich ohne großen Zeitaufwand ehrenamtlich engagieren kann. „Hilfesuchende Organisationen stellen Projekte auf unsere Plattform, Freiwillige können sich dann mit nur einem Klick anmelden, um bei einer Organisation mitzuhelfen“, sagt Ludwig Petersen, 19, der die App mit Paul Bäumler, 20, gestartet hat. Die Idee dazu kam ihnen, weil viele ihrer Freunde nach dem Abi darüber klagten, dass sie nicht wüssten, wie und wo sie eine Organisation am besten und schnellsten finden und kontaktieren könnten. „Im Internet gibt es zwar einige Datenbanken mit Organisationen, viele von diesen existieren manchmal aber nicht mehr“, sagt Ludwig. Dabei soll die App helfen.

Ornella Cosenza

Foto: letsact

Neuland: StudySmarter

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Damit das Lernen einfacher wird, haben vier Studenten der LMU und TU die App StudySmarter entwickelt.

Studieren soll Spaß machen. Vor allem das Lernen soll für jeden Studierenden einfach und motivierend sein, findet Maurice Khudhir, der mit Christian Felgenauer, Simon Hohentanner und Till Söhlemann – alle vier studieren an der LMU oder der TU – die App StudySmarter entwickelt hat. Studierende können dort ihre eigenen Vorlesungsfolien hochladen und bearbeiten: Indem man Sätze markiert, werden diese in einer Zusammenfassung aufgelistet. Folien können als wichtig eingestuft oder gelöscht werden – mit den selbst beschrifteten Karteikarten wiederholt man die gelernten Inhalte.

Das Konzept hat Erfolg: In den ersten zwei Tagen haben sich bereits mehr als 1000 Studierende auf der Plattform angemeldet. „Wir haben sehr viel positives Feedback bekommen, was uns insbesondere nach der langen Entwicklungsphase freut und Bestätigung gibt“, sagt Maurice, der auf ein Jahr Vorbereitungszeit zurückblickt, bis die App nun für alle Lernenden zugänglich gemacht werden konnte. Gefördert wird das Start-up unter anderem von der LMU und der TU.

 

Text: Jana Haberkern

Foto:

Maurice Khudhir

 

Hauptsache authentisch


Mit dem eigenen Handy live von einem Event streamen: Die Münchner
TU-Studenten Jakob Bodenmüller, Glenn Glashagen, Leon Szeli und Lucas
Jacobson haben die App Higgs entwickelt.

Damit kann der Zuschauer mit dem Handy von einem Event selbst livestreamen, sofern der Veranstalter einen Vertrag mit der App hat. Für den Nutzer ist die App kostenlos. Noch wird Higgs größtenteils von Unternehmen verwendet. Das Ziel ist jedoch, dass junge Menschen Videos von einem Konzert oder einer Party hochladen können.

SZ: Verwackelte Partyvideos als Geschäftsidee – wie kommt man denn auf so etwas?

Jakob Bodenmüller: Wir sind oft selbst auf Konzerten unterwegs und wollten eine Möglichkeit schaffen, authentisch von einem Event zu berichten.

Was heißt authentisch?

Bei einem Event, bei dem Livestreaming betrieben wird, muss man oft teure Gebühren zahlen. Und der Zuschauer sieht nur das, was ihm die Sender zeigen, nicht jedoch, was tatsächlich auf einem Event passiert. Das wollen wir ändern. Wir ermöglichen somit kostengünstiges Livestreaming.  

Und was heißt das konkret?

Liveübertragungen sind ja zur Zeit der Trend im Bereich Social Media auf Plattformen wie YouTube, Facebook oder Twitter. Das ist natürlich sehr interessant, gerade für Veranstalter. Liveübertragung via Facebook ist allerdings nicht so optimal, weil man beispielsweise kein Logo einfügen kann. Ein Kamerateam ist allerdings zu teuer und für Social Media nicht gemacht, da sich die Leute die Videos auf ihrem Smartphone anschauen.

So weit ist alles bekannt. Was ist das Besondere an Eurer App? 

Wir versuchen eine Lösung zu finden, indem man mit dem Smartphone ganz einfaches Livestreaming erstellen kann.

Es ist auch von verschiedenen Perspektiven die Rede. Wie funktioniert das?

Mit einer einzigen Perspektive kannst du kein Event abdecken. Mit unserer App kann man mehrere Kameraperspektiven in einem Livestream verbinden. Somit kann man von mehreren Stages auf Festivals oder unterschiedliche Perspektiven eines Konzerts live übertragen.

Aber inwiefern ist denn „Higgs“ in Zeiten von Instagram und Snapchat noch revolutionär?

Snapchat macht ja gar nichts live, sondern zeigt, was in den vergangenen Stunden passiert ist. Facebook kann auch Live-Videos machen, diese richten sich jedoch an Privatnutzer, wenn man beispielsweise daheim hockt und sich ein Video anschauen möchte. Für die Eventmanager ist das allerdings keine Lösung. Sie möchten mit den Videos auch ihre Veranstaltungen bewerben.

Wie lange bleiben denn die Videos sichtbar?

Nach der Liveübertragungen bleiben die Videos archiviert und weiterhin sichtbar. Der Veranstalter kann dann selbst entscheiden, ob die Videos rausgenommen werden oder nicht.

Wieso sollten sich die Zuschauer verwackelte Handyvideos anschauen? Beziehungsweise wieso sollte der Veranstaltungsmanager dafür zahlen wollen, wenn es nur verwackelte Handyvideos gibt?

Wie man bei den Live-Videos von Instagram oder Facebook sehen kann, hat sich die Qualität der Smartphones in den vergangenen Jahren erheblich verbessert, sodass die Videos meist sehr gut sind. Auch kann man Stative aufstellen, sodass die Videos dann nicht verwackelt sind. Außerdem wollen wir authentisches Livestreaming. Da gehören diese unperfekten Dinge eben dazu. Man merkt ja auch, dass Instagram oder Facebook sehr erfolgreich damit sind und die Leute es immer wieder gerne nutzen und sich das vor allem auch anschauen.

Denkt ihr nicht, dass es eine schlechte PR für den Veranstalter ist, wenn Videos von betrunkenen Leuten oder Nacktflitzern auftauchen?

Klar besteht stets die Gefahr, dass unvorhergesehene Dinge passieren können, das kommt durchaus vor. Du kannst schließlich nichts nachbearbeiten, sondern in dem Moment muss alles funktionieren. Aber das macht den Reiz der Live-Videos aus: das Unvorhergesehene. Und genau das macht den Bericht eines Events erst authentisch, weil man es nicht mehr verändern oder faken kann.

Interview

: Serafina
Ferizaj

Foto: Higgs

Optimale Verwertung

Tonnen für die Tonne? Vier Studentinnen haben eine App zur Müllvermeidung erfunden. Das Patent ist angemeldet.

Wir kaufen. Wir essen. Wir vergessen. Pro Jahr landen dem World Wide Fund For Nature zufolge weltweit 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Müll. Tonnen für die Tonne. In Deutschland sind das jährlich 82 Kilogramm Nahrungsmittel pro Person. Oft wird dabei nicht darauf geachtet, ob diese auch wirklich schlecht geworden sind. Und genau diese Unaufmerksamkeit wollen jetzt Jana Imling, 21, Franziska Reitinger, 21, Teresa Rumpler, 22, und Christiane Schweda, 20, ändern. Mit einer App.

Sie sind Studentinnen des Studiengangs Design und Innovationsmanagement der AMD in München und sagen: „Unsere Lösung ist eine App, die dem Nutzer hilft, seine Lebensmitteleinkäufe optimal zu organisieren und zu verwerten. Damit wollen wir jedem Menschen die Möglichkeit geben, selbst ein Stück zur Weltverbesserung beizutragen.“

Jana, Franziska, Teresa und Christiane tragen Jeans, einfache Blusen, T-Shirts und Sneakers, wenig bis kein Make-up. Kaum gestylt, ganz natürlich. Die vier jungen Frauen wirken bodenständig. Die Haare sind vom Fahrradfahrtwind verweht, die Blusen knittrig aufgrund der langen Pendelstrecken auch über München hinaus. Sie wirken ein wenig gestresst von den vielen Nebenjobs, die man im teuren München für die teure Akademie dankend annimmt, um sich neben der finanziellen Unterstützung der Eltern auch etwas leisten zu können. Eltern, denen man – wie jeder andere Student auch – gerne mal den Kühlschrank plündert. Und während man meist nach den Lebensmitteln auf Augenhöhe greift, stoßen die vier Studentinnen auch immer wieder auf Lebensmittel, die (weit) über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus abgelaufen sind. 

„Man stellt die Dinge einfach rein, oft aus Faulheit und vergisst dann die älteren Nahrungsmittel nach vorne zu räumen. Irgendwann beginnt dann das große Wegschmeißen“, sagt Teresa. Dass sich die vier einmal während ihres Studiums mit dem Problem der Lebensmittelverschwendung genauer beschäftigen würden, hätten sie anfangs nicht gedacht. Und dass sie daraus auch noch eine Herzensangelegenheit entwickeln würden, die nun weit über ihr Studium hinausgeht, war ihnen ebenso wenig bewusst.

Alles begann in der Lehrveranstaltung „Normatives und ethisches Management“. Die Studierenden sollten innovative Konzeptideen mit Marktreife entwickeln. Es galt eine Idee auszuarbeiten, die ein soziales Problem löst, und der Welt und dem Menschen hilft. Eine Idee, die das Zeug zu einem profitablen Geschäftsmodell hat. Also machten sich die vier jungen Frauen Gedanken.
Von einer App für geflüchtete Menschen bis hin zur Wassereinsparung in öffentlichen Einrichtungen war vieles dabei. Denken macht hungrig – und irgendwann sind sie auf den Kühlschrank gekommen, oder vielmehr auf die Lebensmittelverschwendung.

„Man braucht nur einmal einen Blick in die eigenen vier Kühlschrankwände zu werfen“, sagt Christiane. „Zu viel wird frühzeitig grundlos weggeschmissen, obwohl man die Dinge noch verwerten könnte. Wir wollen das Konsumverhalten der Menschen verändern und ein Umdenken in der Gesellschaft erzielen.“ Die Zielsetzung der vier Studentinnen: Sie wollten eine Lösung finden, die dauerhaft etwas bewirken und die Situation verbessern kann. So kamen sie auf die Idee, eine eigene App zu entwickeln, die sie „Save the Food“ nannten.

Beim Öffnen von „Save the Food“ soll zuerst ein Kühlschrank zu sehen sein. Darunter ist eine Leiste mit verschiedenen Funktionen abgebildet. In der Mitte befindet sich ein Scanner für den Barcode, mit dem die verschiedenen Lebensmittel eingelesen werden müssen. Dafür soll man das jeweilige Produkt vor die Kamera des Smartphone halten, um den Bar- oder QR-Code zu erfassen. Wenn der Code nicht erkannt werden kann oder es sich um Lebensmittel handelt, die nicht mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum versehen sind wie zum Beispiel Gemüse und Obst, dann soll die manuelle Eingabe des Datums möglich sein. Auch die Anzahl eines Produktes lässt sich dadurch eingeben. Hat man ein Produkt erfolgreich erfasst, wird automatisch ein Wecker gestellt, mithilfe dessen dann eine Pop-up-Nachricht daran erinnern soll, wann die Lebensmittel ablaufen.

„Das Tolle an der App soll sein, dass wir nicht nur das Bewusstsein der Menschen im Umgang und Konsum mit Lebensmitteln verbessern wollen. Wir wollen auch einen emotionalen Nutzen für den User schaffen: Die App soll nicht nur den Hinweis liefern, dass etwas abläuft, sondern gleichzeitig auch Rezeptideen. So kann man vorhandene Lebensmittel vor dem endgültigen Verfall retten, aber auch zu leckeren Gerichten kombinieren“, sagt Jana. Durch die Verwendung eines Rezepts, wird dann das jeweilige Produkt aus diesem „Weckersystem“ herausgelöscht.

„All unsere Freunde sind begeistert von der Idee. Wir stoßen immer wieder auf
positiven Zuspruch“, sagen die vier Studentinnen stolz. Stolz sind die Erfinderinnen auch auf ihre bereits erfolgte Patentanmeldung. Im nächsten Schritt stehen sie nun vor der Herausforderung, die Apptatsächlich umzusetzen und zu programmieren. Von einer kleinen Idee ist schon lange nicht mehr die Rede. Es gilt nun, das große Projekt endgültig in die Tat umzusetzen.

Und wie sieht es mittlerweile in ihren Kühlschränken aus? Was muss dort immer vorrätig sein? Sie überlegen nicht lange. „Teresa ist eine absolute Ketchup-Liebhaberin, Jana isst gerne viel mit scharfem Senf, Christiane schmiert Mayonnaise auf alles und ich liebe Erdnussbutter“, sagt Franziska. Alles Dinge, die sich lange halten und die man bei täglichem Gebrauch wohl weniger schnell vergisst.


Text: Laura-Marie Schurer

Foto: Privat

Neuland: Spreadmix

Immer auf dem neuesten Stand bleiben und live Feeedback geben, das ermöglicht die neue App
„Spreadmix”. Eine Möglichkeit für DJs und Zuhörer.

Mit „Spreadmix“ hat Daniel Heltemes, 24, eine App entwickelt, über die man sich DJs anhören kann, die gerade in Clubs oder auf Festivals auflegen. Darüber hinaus können DJs ihre neueste Musik abseits der Bühnen hochladen, sogenannte „Snaptapes“, die nach einer Woche von der App verschwinden. Das Besondere an Spreadmix ist, dass der Zuhörer während des Auftritts live Feedback geben kann. Außerdem kämen „in vielen Musikapps Musikrichtungen wie Deep House oder Electro seltener vor als andere Genres, vor allem da DJs dieser Genres das Klischee anhängt, keine richtige Musik zu machen“, sagt Daniel. „Mit Spreadmix versuchen wir, jungen, aufstrebenden DJs eine Plattform zu geben, da wir als DJs selbst die Probleme von DJs kennen.“


Text: Serafina Ferizaj

Foto:
Spreadmix.com

Alles crazy

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Vormittags entspannt er an der Isar, nachmittags geht es los mit seinen America-Calls – bis Mitternacht: Christopher Obereder, 25, hat beruflich schon viel erreicht. Jetzt zog er vom Silicon Valley zurück nach München.

Zwei Jahre im Silicon Valley gearbeitet, auf der Forbes-Liste der besten Technologen unter 30 gelandet, Facebook-Seiten mit neun Millionen Fans kreiert – Christopher Obereder, 25, hat schon viel im Leben erreicht. Jetzt ist er mit zahlreichen Impressionen im Gepäck aus Palo Alto zurück in seine Heimatstadt München gezogen. Seiner Generation rät er, fest an die eigenen Träume zu glauben – anders hätte er seine ehrgeizigen Ziele selbst nie erreicht.

Rückblick: Im April hat Christopher Obereder mit Freunden Urlaub am Strand von Mexiko gemacht. Und plötzlich lag da in Badehose auf dem Handtuch: der Gründer des Online-Taxi-Unternehmens Uber, Travis Kalanick. Seine Freunde sprachen Christopher Mut zu, den mehrfachen Milliardär anzusprechen. „Er ist doch im Urlaub!“, entgegnete er ihnen. Angesprochen hat ihn Christopher dann trotz Hemmungen und einiger furchterregender Bodyguards. Der US-Amerikaner sei dann auch sehr locker und nett gewesen, habe ihn sogar gebeten, sich zu setzen und von seinem Leben im Silicon Valley zu erzählen.

Anekdoten wie diese erzählt Christopher Obereder sehr gerne aus seiner Zeit in Palo Alto, der Stadt in Kalifornien, um die sich das Silicon Valley schmiegt. Zwei Jahre hat er bei verschiedenen Technologie-Firmen die Social-Media-Abteilung vorangetrieben, hat sich hochgearbeitet, sich einen Ruf aufgebaut. Christopher, kräftige Statur, zurückgegelte Haare, Dauergrinsen, redet gern und viel, jedoch immer bestimmt und ruhig. Man merkt ihm die Begeisterung an, die er in den vergangenen zwei Jahren für die Atmosphäre im Valley aufgebaut hat.

Jetzt ist er nach München wiedergekehrt. Zurückgezogen ins Haus seiner Eltern. In die Heimat, in der er vor zehn Jahren gemeinsam mit einem Kumpel Gefallen daran fand, Facebook-Gruppen zu gründen und mit allen möglichen Mitteln daran zu tüfteln, möglichst viele Fans zu gewinnen. Mit der Zeit hatten sie 1000 dieser Gruppen gegründet und auch noch richtig Erfolg damit: neun Millionen Gefällt-mir-Angaben bekam eine der Seiten. „Du postest einfach irgendetwas wie ,Hey, I’m feelin’ sick today‘, und dann liken es plötzlich 1000 Leute. Wenn du 14 Jahre alt bist, findest du das lustig“, gibt Christopher zu. Ihn faszinierte das Gefühl, Menschen lenken, beeinflussen zu können, sie gewissermaßen zu Marionetten zu machen. Es ist eine der Eigenschaften, warum er es im Silicon Valley so weit gebracht hat.

Nach dem Abitur strebte er erst einmal eine Golfkarriere an, brach sein Golfstudium in England jedoch bald ab. Es folgte ein BWL-Studium an einer italienischen Universität. Dann entwickelte er mit einem Freund das Handyspiel „Okay?“, das an die Spitze der Downloadcharts von Apple stürmte. Es folgte ein Praktikum in London bei der Deutschen Bank. Bei Christopher war von Anfang an die Laufrichtung klar: immer voran.

Den Willen, eines Tages mitreden zu können, eine Rolle in der Gesellschaft zu spielen, hat er von seinen Eltern mit auf den Weg bekommen. „Ich schreibe mir jedes Jahr meine Ziele für nächstes Jahr auf. Das haben sie mir so eingetrichtert“, sagt er. Fleiß, Engagement und Begeisterungswille seien auf dem Weg nach ganz oben sein Erfolgsrezept gewesen: „Wer etwas aufbauen will, fängt oft klein an, fällt hin, steht wieder auf, fällt wieder hin“, erzählte er einmal der Huffington Post.

Er entschied sich, endgültig in die Technologiebranche zu gehen. Also schickte er zahlreiche Bewerbungen an Firmen, die in Palo Alto ansässig sind. Was für andere Hollywood ist, war für Christopher schon immer das Silicon Valley. Er wurde von einer Tech-Firma engagiert, flog nach Kalifornien. Die Firma ging nach wenigen Wochen pleite. Das sei unangenehm gewesen, weil er sein Gehalt nicht bekam, sagt er, öffnete ihm aber viele andere Türen: „Innerhalb des Silicon Valley kommt man extrem schnell mit anderen Leuten ins Gespräch. Wenn du bei einer Firma rausfliegst, hast du in zwei Wochen wieder was Neues.“ Man versuche, sich gegenseitig zu unterstützen, sich Kontakte zu vermitteln. Diesen Helfergeist vermisse er oft in Deutschland, der Konkurrenzgedanke sei in europäischen Firmen viel größer. Allerdings: Es sei dort „schwierig, echte Freunde zu finden. Oft fragt man sich: Machen wir jetzt gerade Business oder sind wir Freunde? Das weißt du manchmal einfach nicht.“ Doch das hat Christopher zwei Jahre lang für seinen großen Traum in Kauf genommen.

Seine Aufgabe bei verschiedenen amerikanischen Firmen war es, möglichst viele tägliche Downloads für bestimmte Apps zu generieren: mindestens 20 000 pro Tag. „Social Media ist in den USA ein eigener Berufszweig“, erklärt er. Gerne erzählt er von der „Bubble“, in der sich die Mitarbeiter des Silicon Valley befänden. Obwohl er selbst viele Begriffe wie „Outdoority“, „Crosspromotion“ und „sowas generiert richtig Traffic“ um sich wirft, sieht er sich nicht als Teil dieser Blase. Er berichtet von diesen zwei Jahren eher als objektiver Beobachter des ganzen Theaters: vom Google-Chef, der mit Badehose und Taucherbrille in der Wüste von Nevada herumturnt, von Zehner-WGs ohne jegliche Privatsphäre, von Rollerblade-Massenveranstaltungen in San Francisco. „Diese Verrücktheit gehört da zur Kultur“, schwärmt er, „die sind da auch alle ganz crazy gekleidet. In zwei Jahren habe ich nur ein einziges Mal Anzug tragen müssen.“ Das Wort ist sein absoluter Lieblingsbegriff: die Amis, die Hitze, die Kleidung, alles crazy.

Und dann gab es da noch etwas, das für ihn ziemlich crazy war: dass er auf die „Forbes 30 under 30“-Liste gewählt wurde. „Ich fühl mich gut, wenn ich Ziele erreiche“, sagt Christopher, „das macht so süchtig. Die Forbes-Liste war so eines davon.“ Als er es dann geschafft hatte, sei er zwei Wochen wie im Rausch gewesen. „Wenn du was erreichst, musst du es auch erst mal genießen. Sonst verlierst du die Lust.“ Ein großer Traum hat sich bei dem erfolgsverwöhnten Münchner aber noch nicht erfüllt: einmal mit Mark Zuckerberg quatschen. „Den würde ich viel lieber treffen als einen bekannten Fußballstar oder Justin Bieber“, erzählt er. Er hat andere Helden als die meisten seiner Freunde.

Und jetzt also zurück in München. Hier hat er seinen Freundeskreis, erklärt er, hier fühlt er sich wohl: „In München ist das Leben um einiges angenehmer, ich will nicht unbedingt zurück.“ Die Hitze, die vielen fremden Eindrücke, der Druck, sich immer wieder beweisen zu müssen. Seinen Job kann er von Deutschland aus genauso machen. Vormittags geht er an die Isar, nachmittags geht’s los mit seinen America-Calls, dann Downloads generieren. Mitternacht ist er dann fertig mit der Arbeit – seinen Arbeitsrhythmus muss er an Kalifornien anpassen. Aber das macht nichts.

Eines liegt ihm noch auf dem Herzen: dass er jungen Leuten mit Visionen Mut machen will, diese zu verfolgen. „Ich hätte meine Ziele nie erreicht, wenn ich nicht immer an mich geglaubt hätte“, sagt er. „Aber ich habe sie erreicht!“



Text: Tilman Waldhier

Foto: David Visnjic

Neuland: halloDeutsch-App

Mit der App halloDeutsch haben drei Studenten der TU München zusammen mit ihrem Professor ein kinderleichtes Programm zum Deutschlernen erfunden.

„Wie ein Kind Deutsch lernen“ – mit der App halloDeutsch haben Johannes Ismair, 22, Robin Jespersen, 26, und Yaroslav Dushko, 25 für ihre Bachelorarbeiten eine App entwickelt, mit der die Nutzer – nach eigener Angabe – in nur acht Minuten pro Tag spielerisch Deutsch lernen können. „Wir möchten jedem die Möglichkeit geben, sich in Deutschland bestmöglich zu integrieren“, geben sie als Motivation für das Projekt an. Sie haben die App so programmiert, dass sie sich für den Benutzer je nach Lieblingsthemenfeld alltägliche Sätze ausdenkt, die dieser dann gezielt lernen kann. Es werden außerdem zahlreiche Spiele angeboten, um die gelernten Inhalte festigen zu können. Stupides Auswendiglernen soll mit halloDeutsch komplett vermieden werden können, sagen sie. Die App hat Erfolg und bekommt sehr gute Bewertungen. 

Text: Serafina Ferizaj

Foto: halloDeutsch