250 Zeichen Wut – Semesterferien

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Unsere Autorin hat die Schnauze voll. Von Leuten, die immer gezwungenermaßen eine Nummer cooler sein müssen als der Rest der Welt, und bei denen Urlaub plötzlich nur noch

„Reisen“ genannt wird.

Vorlesungsfreie Zeit ist Urlaubszeit. Da machen sich dann alle auf den Weg. Und egal wohin es geht und ob man stinkreich oder super hip und möchtegern alternativ ist, egal in welchen Kreisen man verkehrt: es gibt immer diese eine Sorte Mensch, die einfach immer cooler ist als du. Und dieser Mensch drückt’s dir dann so richtig rein! „Ich bin nicht im Urlaub, ich bin auf Reisen!“ oder „Wirklich? Nur der Kurztrip nach Spanien? Ich bin zwei Monate in Argentinien. Ohne Handy, ohne alles. Ich muss weg von all dem Mainstream.“ Und noch was von der Sorte: „Mensch, die Klausuren waren so anstrengend, ich fahr mit meinem Freund über’s Wochenende ins Spa. Mein Rücken ist meeeegaa verspannt.“ Schön für euch alle! Toll! Ist ja auch meeeeega entspannt, wenn ihr jedem erst mal beweisen müsst, dass euer Urlaub, pardon, eure Reise so viel toller ist. Wir haben’s verstanden.

Schrecklich schön

Nadja Ellinger, 25, hat das Buch „About A Girl Gone Into The Woods“ illustriert – ein Märchen für Erwachsene,eingebettet in eine düster-schöne Fotostrecke. Die junge Künstlerin wandelt Emotionen in ausdrucksvolle Bilder um.

Ganz sanft, fast schon streichelnd fährt Nadja Ellinger, 25, über den Einband des kleinen Buches in ihrer Hand. Das Material ist schwarz und ähnelt dunklem Holz. Ein Schmetterling ist darin eingeprägt. „Man kann allein schon mit dem Buch an sich so vieles machen. Die Prägung, das Material, die Farbe – in allem steckt eine Bedeutung“, sagt Nadja fasziniert, ohne ihren Blick davon zu lösen. Nicht nur auf dem Einband finden sich Symbole. Alle 132 Seiten von „A Girl Gone Into The Woods“ sind gespickt mit Anspielungen. Autorin Sinem Scheuerer schrieb die Erzählung, die Nadja Ellinger mit ihren Fotografien illustrierte. Entstanden ist eine ungewöhnliche Mischung: ein Märchen für Erwachsene, eingebettet in eine düster-schöne Fotostrecke.

Rückblick: Die beiden Frauen lernten sich während der Arbeit an einem Videoprojekt kennen. „Sinem erzählte mir, dass sie eine Illustratorin für ihre Märchenerzählung suchte. Der Text passte super zu meinem Foto-Konzept“, sagt die junge Fotografin. „Ich hatte mich bereits zuvor viel mit Märchen beschäftigt und mich in die Theorie eingelesen. Das Medium gefiel mir von Anfang an“, sagt Nadja. Ihrer Meinung nach seien Märchen sehr offen, und dennoch gebe es oft einen ähnlichen Ausgangspunkt in den Erzählungen. Der Held oder die Heldin bricht zu Beginn von zu Hause aus und flieht in eine unbekannte Welt, in der Aufgaben und Herausforderungen warten.

Eine solche Dramaturgie verfolgt auch der Erzählstil von „About A Girl Gone Into The Woods“. Ein junges Mädchen verlässt ihr Heimatdorf und betritt den angrenzenden Wald. Wie für ein Märchen typisch, begegnen ihr dort unterschiedliche Gestalten. „Zuerst wird die Protagonistin von Wölfen verfolgt. Sie hat Angst, erkennt dann aber, dass es gar keine Wölfe, sondern Hunde sind, vor denen sie weg läuft. Das Fremde erweist sich als weniger furchteinflößend, wie zu Beginn vermutet“, erklärt Nadja. „Visuell habe ich das so umgesetzt, dass auf den Bildern nachts die drei jagenden Hunde dargestellt werden. Sobald das Mädchen jedoch seine Furcht überwindet, stellt es fest, dass es nur ein harmloser Hund ist, der ihr Begleiter wird“, sagt die Fotografin. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass ein Auge des Hundes zugenäht ist. „Das ist so, weil Sinem selbst in ihrer Kindheit einen Hund hatte, dem ein Auge fehlte. Die Geschichte enthält viele autobiografische Details aus dem Leben der Autorin“, erklärt Nadja.

Sinem Scheuerer schreibt überwiegend Schulbücher für Deutsch als Fremdsprache. Sie möchte in Zukunft auch Romane und Kinderbücher veröffentlichen. „Als ich mit Nadja über das Konzept sprach, wurde schnell klar, dass sie – auch ohne Sachen groß erklären zu müssen – verstand, worum es mir bei diesem Text geht. Die Arbeit an dem Projekt war etwas sehr Persönliches“, sagt Sinem Scheuerer. Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit und enthält viele Parallelen zum Leben der Autorin. „Klar versteht nicht jeder die autobiografischen Symbole in den Bildern. Das ist aber nicht weiter schlimm. Die Geschichte spielt auf so vielen unterschiedlichen Ebenen. Jeder kann sie auf seine Art lesen“, sagt die 35-jährige Autorin.

Wenn Nadja durch die Seiten des Buches blättert und jedes einzelne Symbol erklärt, dann scheint es so zu sein, als ob jeder Millimeter der Fotografien bis auf das kleinste Detail durchdacht wurde. „Es sind einige Anspielungen auf Mythen enthalten. Auch der Schmetterling spielt eine zentrale Rolle. Das Symbol wiederholt sich mehrfach im Buch. Er steht für das Gefangensein und die Entfaltung zugleich“, erklärt Nadja. Das Buch soll jedem gewidmet sein, der Mut beweisen muss. Autorin Sinem Scheuerer weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, Angst vor Herausforderungen zu haben. „Manche Dinge scheinen anfangs schlimmer zu sein, als sie in Wirklichkeit sind. Man muss nur begreifen, dass man selbst den Schlüssel zur eigenen Befreiung hat“, sagt sie. Thematisiert wird die Angst vor dem Fremden.

Sinem Scheuerers Geschichte spricht Menschen unterschiedlich an. Der Zugang zum Text der Geschichte, besonders aber zu den Bildern ist sehr individuell. „Bei der Umsetzung des Projekts brachten sich alle Beteiligten auf unterschiedliche Art und Weise ein“, sagt Nadja und zeigt auf eine Buchseite mit einer verschwommenen Fotografie. „Das sind Blätter von Bäumen. Ich war nachts alleine im Wald und habe einige Aufnahmen gemacht. Ich wollte das Gefühl und die Atmosphäre auf mich wirken lassen und so meine eigene Emotion in das Buch packen. Ein Foto-Shooting ist immer eine Art Seelen-Striptease, auch für den Fotografen selbst.“

Obwohl sich die Umsetzung des Projekts anfangs auf Nadjas Bachelor-Arbeit begrenzte, wollen die beiden Frauen das Märchen nun für eine breitere Masse zugänglich machen. Momentan sind sie auf der Suche nach Verlagen und überlegen, eine Crowdfunding-Aktion ins Leben zu rufen. „Das Buch ist sehr speziell, was es aber besonders macht. Ich würde mir wünschen, dass viele etwas damit anfangen können, gerade weil der Zugang zur Geschichte und den Bildern etwas sehr eigenes und persönliches ist“, sagt Nadja.

Charakterstudien und Gefühlswelten ziehen sich wie ein roter Faden durch Nadjas Projekte. Im Rahmen der Ausstellung „10 im Quadrat Reloaded“ der Junge-Leute-Seite im Farbenladen des Feierwerks haben zehn junge Münchner Fotografen jeweils zehn junge Menschen aus der Münchner Kreativen-Szene fotografiert. Jeder der Fotografen entwickelte dazu ein individuelles Konzept.
 Nadjas Arbeit beschäftigte sich mit dem Thema „Zerbrechlichkeit“. Sie traf sich mit jedem der Models zwei Mal. Zuerst zu einem Gespräch, dann erst zum Shooting selbst. „Ich wollte mit jedem individuell über das Thema sprechen und herausfinden, was für ihn oder sie Zerbrechlichkeit bedeutet“, sagt die Fotografin. Beim Shooting selbst spielte sie wieder mit Symbolen. Ihre Bilder zeigen die zehn jungen Menschen mit Obst oder Gegenständen wie Lupe, Messer oder Verband. Die Fotografin setzte ihren Fokus auf den jeweiligen Gegenstand und dessen Zusammenspiel mit dem Körper des Models. So sind ihre Bilder zwar keine Porträts, zeigen aber die unterschiedlichen Persönlichkeiten der jungen Menschen auf eine sehr ausdrucksstarke Art und Weise.

Nadjas Bilder und auch die der anderen neun Fotografen sind noch bis Ende März im Farbenladen zu sehen.

Fotos: Nadja Ellinger

Text: Anastasia Trenkler

München-Models: Alexandra Benesch

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In München leben viele schöne Menschen. Unter ihnen gibt es
auch einige Models. Ob hauptberuflich, als Nebenjob oder Hobby: Wir
porträtieren jede Woche ein Münchner Model und erzählen von dem Menschen
hinter dem hübschen Gesicht.

„Das Modeln macht mir keinen Stress, ich mache mir dabei aber auch keinen“, sagt Alexandra Benesch gelassen. Eine Aussage, die man selten von Models hört. Viel mehr wird sich über den ständigen Schönheitsdruck beklagt. Die 21-Jährige sieht das jedoch locker: „Für mich ist das Modeln ein Hobby und ein guter Ausgleich zur Arbeit. Man kann sich über positives Feedback freuen.“

Scrollt man durch den Instagram-Account der jungen Frau aus Glonn, der mehr als 1400 Abonnenten zählt, erhält man dennoch einen ganz anderen Eindruck von Alexandra. Auf Fotos ist ihr Blick konzentriert, ernst und ausdrucksstark. Im Gespräch wirkt sie dagegen bodenständig, sympathisch, aber überlegt. „Als ich 14 Jahre alt war, wurde ich von einer Agentur angesprochen. Dann habe ich das mit dem Modeln ausprobiert. Mit der Zeit habe ich angefangen, Fotografen anzuschreiben, und wurde angeschrieben“, erklärt Alexandra. Zu ihren bisherigen Aufträgen gehört eine Zusammenarbeit mit der Akademie für Mode und Design München. Eine Vielzahl verschiedener Fotografennamen taucht unter ihren Bildern auf. „Ein sehr interessantes Erlebnis war für mich das Shooting mit Sarah Brandner. Es war spannend zu sehen, wie ein professionelles Model vor der Kamera arbeitet“, erzählt sie.

Obwohl Alexandra bereits überlegt hat, das Modeln zum Hauptberuf zu
machen, möchte die junge Frau nicht ständig auf Achse sein. Ihr Job als Einkaufsassistentin gefalle ihr gut, das Modeln kann und soll dennoch nebenbei laufen. 

Text: Anastasia Trenkler


Foto:Stephan Rumpf

250 Zeichen Wut: Fest der Liebe

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Wenn am Weihnachtsbaum die Lichter brennen, unter dem Baum Dutzende Geschenke liegen, dann ist Heiligabend. Fest der Liebe. Schließlich schenken wir uns alle gegenseitig Liebe. Doch der Schein trügt.

Der Countdown läuft. Am Wochenende ist es soweit: Es weihnachtet wieder! Massenweise Fleischgerichte, unendlicher Konsum in den letzten Stunden, bevor die Läden schließen und dann Friede, Freude, Heiterkeit am heiligen Abend. Die Woche drauf wird dann mit den tollen Geschenken von Mami und Papi geprahlt. Super Sache, dieses Weihnachten. So viel Nächstenliebe! Sorry, aber: A) Im Dezembermonat Gutes tun und ansonsten keinen Blick nach links und rechts tätigen, das ist halt scheiß-scheinheilig. B) Die Feiertage im Höchstmaß der Massentierhaltung und des Konsums zu feiern, ohne auch nur ein Stückchen weiter zu denken, auch nicht geil.

Text: Anastasia Trenkler

Zeichen der Freundschaft: Ängste zweier Romantiker

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Viele Freundschaften zerbrechen, sobald man nicht mehr gemeinsam zur Schule geht. Doch das ist nicht so bei unserer Autorin und ihrer Freundin Tanja. Die Gesprächsthemen bleiben trotz Distanz die selben: Ängste, Romantik, Träumerei.

„Das macht mir `ne verdammte Angst.“ Schweigen. Langgezogenes,
ehrliches Schweigen. Wir halten für einige Sekunden Blickkontakt, dann fällt
Paul betrunken durch die Tür in den Gang. Wir lachen. Paul ist sich trotz
seiner Trunkenheit bewusst, dass er gerade fehl am Platz ist. Mit einem
gelallten „Sorry Mädlz, ich geh schong“, verlässt er uns.

Es kommt mir so vor, als wäre kein Tag vergangen, seit dem wir
alle grinsend unsere Abiturzeugnisse in den Händen hielten. Genau wie zu
Oberstufen-Zeiten treffen wir uns an diesem Freitagabend zu Hause bei Jean und
plündern seinen heiß geliebten, aber nicht geizig behüteten Weinvorrat. Die
gleichen Freunde tanzen auf der Couch, dieselben übertreiben es ein wenig, noch
immer werden zu meinem Bedauern Vegetarier und Veganer belächelt und auch kommt
es erneut zu weinlastigen Gesprächen im Hausflur. Man tauscht Gedanken und
Ängste, Wünsche und andere Dinge aus, die man sonst lieber für sich behält.
Vielleicht sind die Gespräche heute ein wenig erwachsener, jetzt, da wir alle
über ganz Deutschland verstreut leben. Ich blicke der frisch gebackenen
Passauerin, die mir gegenüber steht, in ihre kleinen braunen Augen. Ein Gefühl
von Heimat macht sich bemerkbar.

Kennengelernt haben Tanja und ich uns zu Schulzeiten. Man hielt
lange Zeit Distanz, bis sich die Wege im Bio-Kurs kreuzten, man pubertäre
Vorurteile überwinden konnte und zwischen Klausurenphasen und Weinabenden zueinander
fand. Es folgten geschwänzte Bio-Stunden, anstatt Bio-Lern-Stress, dann
biologischer Hormon-Gefühls-Stress. Bei Kaffee und Bagels erzählten wir uns
Woche für Woche von momentanen Jugendsorgen. Tanja lehrte mich wie niemand
sonst, dass es gar nicht so schlimm ist, hin und wieder voll und ganz Mädchen
zu sein. Sie zeigte mir, dass Liebesgedichte eigentlich ganz nett sind und dass
Romantik nicht zwingend Kitsch bedeutet. Doch in allererster Linie machte mir
Tanja bewusst, was Schwäche zeigen bedeutet. Und wie es ist Ängste zuzulassen.
Nämlich stark zu sein. Ehrlich.

Wir stehen zu zweit im uns so vertrauten Hausflur und nippen
wortlos an unseren Weingläsern. Noch einmal: „Das macht mir wirklich `ne verdammte Angst.“ Sie
nickt. Verständnis. Wir beide wollten aus der Enge unserer Kleinstadt raus.
Wollten fliehen, wollten weit weg laufen, die Augen öffnen, atmen. Die frische
Luft tut verdammt gut, doch wir hüten uns vor zu schnellem Laufen. Wenn man zu
schnell fort sprintet, nichts mehr als raus will, vergessen will, dann bekommt
man manchmal Reizhusten auf halber Strecke. Dann muss man pausieren.

Also pausieren wir an diesem Freitagabend. Wir sprechen über neue
Städte, neue Menschen und neue Herausforderungen. Träumen von Spanien und
Indien, von einem Café am Rande der Welt und von Grapefruits zum Frühstück.
Sprechen von Karrierefrauen und Großfamilien in zwanzig Jahren, WG-Partys und
Isar-Bier. Über viele Veränderungen. Erneut platzt jemand zur Tür herein. Wir
beide müssen grinsen. Ganz gleich, was noch auf uns zu kommen wird, manche
Dinge werden sich wohl nie ändern: Dieselben Freunde tanzen auf der Couch,
immer noch Gespräche über Ängste und Romantik im Hausflur, die immer gleichen
lallenden durch die Tür herein Fallenden. Darauf ist Verlass.

Text: Anastasia Trenkler

Foto: Yunus Hutterer

München-Models: Jana Arni

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In München leben viele schöne Menschen. Unter ihnen gibt es
auch einige Models. Ob hauptberuflich, als Nebenjob oder Hobby: Wir
porträtieren jede Woche ein Münchner Model und erzählen von dem Menschen
hinter dem hübschen Gesicht.

In sozialen Netzwerken zeigt sich Jana Arni, 24, oft ungeschminkt. Auf einem ihrer aktuellen Bilder hat sie ein Äffchen auf der Schulter sitzen – sie besucht gerade ihren Freund in Indonesien, der gerade auf Weltreise ist. Das alles klingt so gar nicht nach Model-Klischee: Äffchen, ungeschminkte Natürlichkeit. Gerade deswegen ist es spannend, Jana in einem ganz anderen Kontext zu erleben.

Die 24-Jährige steht in ihrer Freizeit hin und wieder als Model vor der Kamera. „Ich habe bisher für einige befreundete Maskenbildner und Fotografen gemodelt. Es macht mir Spaß, ab und zu vollkommen anders auszusehen“, sagt sie. Das Modeln sei für Jana eine Nebenbeschäftigung, für einen beruflichen Werdegang fehle ihr der Elan. „Ich helfe gerne Freunden aus. Die Idee der Foto-Serie „But A Mermaid Has No Tears“ der Fotografin Nadja Ellinger hat mir damals gut gefallen und deshalb habe ich da gerne mitgemacht.

Auf Dauer ist das Modeln dennoch anstrengend. Da bin ich doch lieber hinter der Kamera“, erklärt Jana. An der Hochschule für Film und Fernsehen beschäftigt sie sich mit Filmproduktion und arbeitet hinter den Kulissen. Dennoch sei sie für zukünftige Projekte offen und lasse sich gerne zur Umsetzung toller Ideen begeistern. 

Text: Anastasia Trenkler


Foto: Florian Peljak

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Anastasia

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Unsere Autorin spürt den Herbstblues anklopfen und leitet entsprechend Gegenmaßnahmen ein: “eine gute Mischung aus Entpannung und Aktion”, die ihren Höhepunkt beim Sound Of Munich Now findet.

Irgendwie bin ich müde. Ausgelaugt. Langsam, aber sicher setzt
der Herbstblues ein. Bäh. Meine Woche plane ich also folgendermaßen: Eine gute
Mischung aus Entspannung und Aktion, aus Kopf frei kriegen und spannenden
Eindrücken und vor allem ganz viel Musik.

Gleich am Freitag wird’s aber nichts mit Kuscheldecke und
Entspannung. Auf dem Programm für heute steht Kopf frei kriegen, bzw. frei
tanzen. Ich bin auf einem Geburtstag eingeladen, also Schluss mit Mimimi. Die
Milla ruft und da ist Jammerei einfach fehl am Platz. Der Münchner Live-Club
feiert 5-Jähriges und das Party-Programm klingt vielversprechend. Geboten wird
eine Ausstellung, DJs, Konzerte. Der Milla wird heute Ehre gebührt.

Müde laufe ich am Samstag durchs Glockenbach und zum
Marienplatz. Was ist denn hier los? Bis Weihnachten ist doch noch ein Weilchen.
Ich werde von Eindrücken überflutet. Infostände, viele Reden, Weihnachtsgebäck.
Die Veranstaltung „Weihnachten vegan 2017“ findet hier statt. Das erklärt also
den Spekulatius-Geruch. Die Vorbereitungen fürs Fest sind voll im Gange, nur
dieses mal in einer etwas alternativeren Version. Ich bin nicht der Meinung,
dass uns allen leckeres Vollmilch-Schokoladengebäck und die Weihnachtsgans
verboten gehören, dennoch kann man die Tatsache nicht leugnen, dass unsere
Feiertage ein Todesurteil für sehr, sehr viele Tiere sind. Wieso also nicht ein
bisschen umdenken, oder sich zumindest informieren? Das schadet ja nicht, das ist sogar notwendig. Im Rahmen dieser Veranstaltung will man ein Zeichen setzen.
Ein Zeichen gegen konservatives Festhalten an traditionellen
Weihnachtsgerichten, wie verschiedene Braten, Fisch, Geflügel, Wild, Pasteten
und anderen „Spezialitäten“. Kein Muss, aber ein Angebot. Okay, genug mit kontroversen Gesprächen. Ich verwöhne mich heute
ein wenig. Das macht gute Laune und Shopping hilft bekanntlich gegen
Herbstblues. Spontan entscheide ich mich zwischen dem Midnightbazar und der
Veranstaltung „Vintage Kilo Sale“. Mein Second-Hand-Herz schlägt höher und mit
meiner Ausbeute in der Tasche geht’s heute Abend für mich nun endlich ins Bett
zu Netflix und einer neuen Folge „Riverdale“. Abends wird entspannt.

Sonntagmorgen. Während die ganze Welt verkatert durch dien Tag
strahlt, bin ich super-fit und bestens gelaunt. Positive Energie gehört
genutzt. Nachmittags geht’s zum Pop-Up-Yoga. Tja, da habe ich also meine
Möglichkeit um endlich runter zu kommen. Um 17.30 trifft man sich im Museum
Fünf Kontinente, Yoga-Matte im Gepäck. Mit einem entspannten Om beende ich mein
Wochenende.

Montagmorgen: Routinierte Lektüre der SZ-Junge-Leute-Seite und
vorbildlicher Stundenten-Kram. Abends belohne ich mich selbst mit einem
Event-Highlight: Maeckes spielt im Feierwerk. Die Zusatzshow von „Die Stunde
zwischen Tilt und Gitarre
“ soll den Übergang des Künstlers zwischen seinem
alten und neuen Stil aufzeichnen. Ich freue mich auf einen langen Abend im
Feierwerk, gute Musik und noch bessere Gesellschaft.

Puh, am Dienstag steht ganz viel Uni an. Es wundert mich also
selbst, dass ich abends dennoch genügend Energie habe, und es mich ins Lost
Wekkend lockt. Dort wird weiter gesprochen, weiter informiert und diskutiert.
Das Thema lautet: „Soziale Medien – Schrill, laut und wahlentscheidend?“ Inwieweit sind wir in medialen Filterblasen gefangen oder machen alle mal wieder nur
viel Lärm um nichts? Ich will mir selbst eine Meinung bilden. Um 19.30 Uhr
geht`s los!

Das gehypte Lovelace startet an diesem Mittwoch die neue Reihe „Philosophy of Love, Art and
Technology
“. Ist Musik eine Liebe deines Lebens? In meinem Fall wird die
Frage selbstverständlich mit JA beantwortet. Zu Gast sind die Musiker Claas
Krause und Chris Verworner. Es soll ein Abend voll Philosophie in Form eines
Live-Dialogs und Musik entstehen. Klingt spannend und doch weiß ich nicht so
ganz, was ich mir unter all dem vorstellen soll. Also ausprobieren! Eintritt
ist übrigens frei.

Wer mich etwas besser kennt, weiß folgende zwei Dinge über mich:
Ich bin ein riesen Tollpatsch und hab nur geringfügiges Talent dafür, meine
Fettnäpfchen-Treter zu kaschieren. Das funktioniert mal mehr und eigentlich
sehr oft weniger gut. Scheint so, als wäre ich wie gemacht für die „Epic Fail
Night
“. Im Provisorium wird Donnerstagabend darüber gesprochen, wie es ist auf
die Schnauze zu fallen. Tja, Story of my life.

Neuer Tag, neues Glück, neues Wochenende! Nach dem Fail-Abend
von gestern, der im Grunde alles andere als ein Fail war, wache ich heute mit
einem breiten Grinsen auf. Freitag, wunderschöne sieben Buchstaben. Bevor es
feierlich wird, statte ich dem Museum Fünf Kontinente einen Besuch ab. Immer
wieder faszinieren mich Menschen, die mit einem unglaublichen Sprachentalent
beschenkt wurden. Und auch wenn ich während meiner Schulzeit und im Studium
einige Sprachen kennenlernen durfte, bleibe ich nach wie vor neugierig. Für
einen Crash-Kurs in Tok Pisin konnten das Museum Fünf Kontinente und das
Institut für Ethnologie den amerikanisch-britischen Linguisten Craig Volker
gewinnen. Ich freue mich darauf etwas neues aus zu probieren und neben Sprache
auch kulturelle Einflüsse kennen zu lernen.

Am Abend ist die Luft eindeutig raus. Kopf frei tanzen! Die
Frage nach dem „Wohin?“ muss heute schon mal nicht geklärt werden. Ganz klar,
dass ich mich schnellstmöglich ins Feierwerk begebe. Dort findet in den
nächsten zwei Tagen eines der Top-Festivals im Münchner Raum statt. Den Auftakt
des Sound Of Munich Now will, kann und darf ich mir selbstverständlich nicht
entgehen lassen. Die Line-Up klingt viel versprechend. Gäste aus dem Bereich
Electronica heizen das Feierwerk ein. Noch dazu gibt`s Klänge aus Hong Kong und
eine After-Show-Party. Ganz klar, dass der morgige Tag ein klein wenig müde
wird, dennoch lohnt es sich für diese Veranstaltung zwei Tage einzuplanen, denn
am Samstag geht es weiter mit Musikern aus Erlangen, Traunstein und den
angesagtesten Künstlern unserer Stadt.

Text: Anastasia Trenkler

München Models: Maximilian Bungarten

In München leben viele schöne Menschen. Unter ihnen gibt es auch
einige Models. Ob hauptberuflich, als Nebenjob oder Hobby: Wir
porträtieren jede Woche ein Münchner Model und erzählen von dem Menschen
hinter dem hübschen Gesicht.

Paris gilt als die Stadt der Liebe, der Mode und der Eleganz. Alle wollen dorthin, Modemacher und Models. Maximilian Bungarten, 23, hat es auf die
Pariser Laufstege geschafft. Dort lief er auf der Fashion-Week für die Modemarke Lanvin. In seiner Branche zählt er zu den erfolgreichen Neueinsteigern. Aufnahmen mit der Fotografin Elizaveta Porodina und Bilder-Strecken in Magazinen wie iGNANT und i-D zeigen ihn als jungen Mann mit androgyner Figur und markanten Wangenknochen.

Aber: Maximilians Traum scheint nicht in Paris, sondern in Hamburg und Florenz in Erfüllung gegangen zu sein. Dort wurde in diesem Jahr sein Dokumentarfilm „Couz“ auf Filmfestivals gezeigt. „Das war einfach verrückt. Ich bin ständig zwischen Paris und Marseille hin und her gependelt. Als Model lief ich auf der Fashion-Week, zur selben Zeit arbeitete ich als Student gemeinsam mit meinen Kommilitonen an diesem Film in Marseille“, erzählt Maximilian.

Im kommenden Jahr wird er sein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in München beenden. Wie es mit dem Modeln für ihn weitergehen soll, weiß er nicht, das liege ja nicht in seiner Hand. Als Künstler möchte Maximilian aber weiterhin im visuellen Bereich arbeiten. „Die Energie, die während der Dreharbeiten in unserem Team entstand war einfach großartig. Und wenn Leute dann den eigenen Film zum ersten Mal sehen und Feedback geben, ist es jedes Mal etwas ganz Besonderes“, sagt der junge Münchner.

Text: Anastasia Trenkler


Foto: Florian Peljak

München Models: Elisa Teschner

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In München leben viele schöne Menschen. Unter ihnen gibt es auch einigeModels. Wir porträtieren jede Woche ein Münchner Model und erzählen von dem Menschen hinter dem hübschen Gesicht. Heute mit Elisa Teschner.

Blonde Haare fallen über nackte Haut. Ein scheuer Blick zur Seite. Nur mit Bikini-Hose und Jäckchen bekleidet posiert Elisa Teschner für den Fotografen Martin Holzner am Walchensee. Auf Instagram postet das Model diese Aufnahme mit einer Bildunterschrift, die zum Lachen bringt: “Just the truth: This is me posing topeless between plants, while thinking where the hell I can take a piss soon.” Elisa nimmt sich selbst nicht zu ernst, was wohl auch der Grund für die erfrischend sympathische und selbstbewusste Wirkung der 25-Jährigen zu sein scheint.

“Früher war das anders. Ich war noch sehr schüchtern und hatte Schwierigkeiten mit der Oberflächlichkeit der Model-Welt. Nun bin ich älter und pack das viel mehr. Wenn ich mein Seelenwohl brauche, dann finde ich das auch wo anders. Nun kommt das aus der Musik”, sagt sie. Als Frontsängerin der Band Eliza scheint sie wie geboren für das Leben im Rampenlicht. “Wenn ich mich vorstelle, dann sage ich nicht, dass ich Elisa, das Model, sondern Elisa, die Sängerin, bin. In dem Moment, wenn ich vor der Kamera stehe, lege ich meine ganze Persönlichkeit ab und mache einen Job”, erklärt Elisa. “Wenn ich aber mit meiner Band Musik mache, dann kommt das aus der Seele. Denn ich als Mensch, ich als Elisa, bin nicht jemand, der Produkte vor einer Kamera vermarktet, ich bin Musikerin.”

Text: Anastasia Trenkler

Foto: Alessandra Schellnegger