Meanders

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Es ist nicht lange her, da war Meanders (Foto: Jörg Bachmayr) noch zu Schüchtern zum Singen. Im Dezember vergangenen Jahres hat die irisch-brasilianische Songwriterin dann aber ihr erstes Album veröffentlicht. Gerade plant sie eine Europatournee. 

Solche Musik ist recht selten geworden. Und das liegt weder an Amanda Naughtons Stimme noch an ihrem Gitarrenspiel. Es ist der Gestus, mit dem die irisch-brasilianische Songwriterin, die seit knapp vier Jahren in München lebt, überrascht. Der Gestus erinnert an die großen Alternativ-Sängerinnen der Neunzigerjahre: Dolores O’Riordan von den Cranberries oder Sinéad O’Connor. Das ist ein Timbre, das in den Höhen immer wieder ins Hauchen und ins Atemlose kippt; eine Stimme, die so klingt, als würde sie von der eigenen Emotion erschlagen – etwas, was in der abgeklärten Ironie zeitgenössischer Popmusik nur noch selten stattfindet.

So lange ist Amandas Stimme aber noch gar nicht zu hören. Denn die Sängerin, die unter dem Namen Meanders auftritt (Foto: privat), ist eigentlich Schlagzeugerin. Sie wurde in Irland geboren, doch aufgewachsen ist sie in der brasilianischen Kleinstadt Itu. Nach der Schule zog sie in die Zehn-Millionen-Metropole São Paulo. Mit 14 Jahren begann sie Schlagzeug zu spielen, in Brasilien spielte sie zuletzt in einer Postrock-Band. Ihre Schwester war kurz zuvor nach München gezogen (ihre Großmutter ist Deutsche), um die Sprache zu lernen – und Amanda folgte ihr. Mit ihrer Schwester bewegte sie sich auch zum ersten Mal weg von der klassischen Rockbandbesetzung. Als The Naughton Sisters treten die beiden mit akustischen Coversongs auf – etwas, was mittlerweile ihren Lebensunterhalt finanziert.

Obwohl sie noch vor gar nicht langer Zeit zu schüchtern zum Singen war, hat sie im vergangenen Dezember als Meanders ihr erstes Album veröffentlicht: „Streets of Minga“ ist namentlich eine Hommage an ihre neue Heimat, aber musikalisch huldigt es ebenjenen irischen Sängerinnen der Neunzigerjahre. Schon mit einem kurzen Ausflug ins Metal-Fach (in München spielte sie eine Zeit lang Schlagzeug in einer Band aus drei Metalheads) wollte Amanda eigentlich den Alternative Rock wieder aufleben lassen. Alleine gelingt ihr das nun besser. Sie vermag es trotz der schmalen Besetzung aus ihrer Akustikgitarre, einer Mundharmonika und ihrer Stimme, den Songs den Aufbau ebenjenes Post-Grunge-Sounds zu verpassen. Reduzierte Strophen-Parts, in denen die Gitarre meist nur einen Schlag pro Takt hat, treffen auf füllige Refrains: Durchgeschlagene Akkorde, eine emotional höchst involvierte Stimme und durch Schläge auf den Gitarrenkorpus erzeugte Rhythmik. Im Mai plant sie auf Europa-Tour zu gehen, davor tritt sie am heutigen Montag, 23. März, im Münchner Theater „Heppel & Ettlich“ auf.  Rita Argauer

Stil: Alternative / Songwriter
Besetzung: Amanda Naughton (Gitarre, Gesang, Mundharmonika, Rhythmik)
Aus: München
Seit: 2013
Internet: meanders.bandcamp.com