Hin und weg

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Robert Darius, 25, und Moritz Berthold, 25, haben mit Breakout
den ersten Spenden-Reise-Wettbewerb Deutschlands gegründet. Jetzt, wo er richtig groß zu werden scheint, wollen sie aufhören.
 

Vor zwei Jahren haben Robert Darius, 25, und Moritz Berthold, 25, mit Breakout den ersten Spenden-Reise-Wettbewerb Deutschlands gestartet, bei dem die Teilnehmer innerhalb von 36 Stunden München so weit wie möglich hinter sich lassen müssen, ohne für die Reise Geld auszugeben. Pro zurückgelegtem Kilometer zahlen die jeweiligen Team-Sponsoren einen vorher festgelegten Betrag an die UN-Flüchtlingshilfe für das DAFI-Projekt. Breakout ist ein nicht-kommerzielles Event mit Start-up-Charakter, der die beiden Physikstudenten mehr Zeit gekostet hat, als sie sich damals ausgemalt hatten. Im ersten Jahr, 2014, nahmen 24 Zweier-Teams teil. Vergangenes waren es 79. Dieses Jahr sollen mehr als 150 Teams starten, aus München und auch aus Berlin. Gerade, als Breakout richtig groß zu werden scheint, wollen sie aufhören.

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SZ: Wieso hört ihr auf, wenn es gerade richtig losgeht? Bedeutet dies das Ende von Breakout?

Robert Darius: Wenn wir uns jetzt langsam zurückziehen und wir das Projekt in die Hände der jüngeren Generation legen, dann wird sich zeigen, ob das funktioniert. Es ist das erklärte Ziel von allen, das Projekt größer zu machen. Aber erst einmal soll es natürlich erhalten werden. Die Idee dahinter ist eine Art Generationenprojekt. Wir holen uns immer wieder junge Studenten. Sie fangen dann irgendwo an – Presse, Marketing, Sponsoring, Event– dann merken sie, ob es für sie etwas ist oder nicht.

Tut es denn nicht weh, das eigene Projekt weiterzugeben?

Moritz Berthold: Ja, das tut mega weh! Nicht, weil wir etwas kontrollieren wollen, sondern weil wir die Organisation so toll finden. Die Leute, die da mitmachen, sind super. Und mit den meisten sind wir eng befreundet.
Robert Darius: Es ist richtig traurig, jetzt das Zepter abzugeben, aber es wird auch mal Zeit für etwas Neues.

Warum gebt ihr es dann ab?

Moritz Berthold: Ich habe mich schon seit längerem zurückgezogen. Eigentlich schon nach dem zweiten Jahr. Mir macht das Projekt immer noch wahnsinnig Spaß. Aber ich schau jetzt einfach mal weiter, was es noch gibt.
Robert Darius: Wenn wir ein Generationenprojekt daraus machen wollen, müssen wir jetzt damit anfangen, sonst ist es zu sehr von den Gründern abhängig. Zudem bin ich kommendes Jahr im Ausland. Von dort aus macht es wenig Sinn, das Team in München zu leiten.

Wie hat eigentlich alles angefangen?

Robert Darius: Mit Chaos.
(Robert und Moritz lachen.)
Moritz Berthold: Wir haben zu zweit begonnen, den ersten Event haben wir zu viert gestemmt. Und wir haben uns da so reingehängt, dass wir beide das Semester mehr oder weniger wiederholen mussten.

Und jetzt?

Robert Darius: Wir sind jetzt 55 Leute, die sich bei Breakout engagieren. Das lässt sich nur noch mit einer gewissen Hierarchie organisieren. Es gibt sieben Teamleiter für verschiedene Ressorts. Allerdings treffen wir grundsätzliche Entscheidungen alle gemeinsam.

Wie seid ihr auf die Idee von Breakout gekommen?

Robert Darius: Ich habe in Paris während meines Erasmus-Semesters Leute aus Cambridge getroffen, die mir von dem coolen Event „Charity Jailbreak“ erzählt haben. Als ich nach Deutschland zurückkam, habe ich Charity Jailbreak gegoogelt und festgestellt, dass es das hier nicht gab. Und dann habe ich mir überlegt, dass es toll wäre, das zu organisieren.
Moritz Berthold: Aber dann ist erst einmal viel zu lange nichts passiert. Wirklich angefangen zu arbeiten haben wir erst zum Semesterstart im April. Dann hatten wir noch zwei Monate Zeit bis zum Start. Und da haben wir gemerkt: Hoppla, das ist viel mehr Arbeit, als wir dachten.

Habt ihr die Idee einfach übernommen?

Robert Darius: Die Idee vielleicht. Aber der Unterschied zu England ist, dass es bei uns strikt verboten ist, Geld für die Reise in die Hand zu nehmen und etwa Flugtickets aus Spendengeldern zu kaufen.

So konntet ihr 2014 knapp 10 000 Euro und 2015 knapp 70 000 Euro spenden.

Moritz Berthold: Ja, und wir gehen davon aus, dass es dieses Jahr noch mehr wird. Wir haben uns bei unserer jährlichen Abstimmung zum dritten Mal für das DAFI-Programm entschieden. Studenten sammeln für Studenten, um ihnen Stipendien zu finanzieren – das ist einfach das stärkste Projekt.

Was hat sich seit 2014 verändert?

Moritz Berthold: Die App, unsere größte Neuerung, erlaubt dieses Jahr (hoffentlich) auch die Kommunikation der Teams untereinander und beinhaltet eine Live-Karte der Standorte aller Teams. 2015 befanden sich mehrere Teams nach der 36-Stunden-Reise in Barcelona, konnten sich aber untereinander nicht zusammenschreiben.
Robert Darius: Außerdem können zusätzlich zu den Fotos auch Videos hochgeladen werden. Im ersten Jahr haben wir unsere Flyer auf das billigste Altpapier gedruckt. Wir hatten ja keine Ahnung, wie viele wirklich teilnehmen würden. Dieses Jahr organisieren wir den Event viel professioneller und aus zwei Städten – in München und zeitgleich auch in Berlin.

Habt ihr selbst schon mal teilgenommen?

Moritz Berthold: Ja, beim ersten Mal bin ich bis Kroatien gekommen. Wir freundeten uns schnell mit dem Fahrer an, wechselten uns am Steuer ab und schliefen irgendwann alle am Strand ein.
Robert Darius: Während Moritz im ersten Jahr seinen Spaß hatte, musste ich im Krisen-Interventions-Team helfen – das heißt: Aufpassen, dass sich alle Teams regelmäßig melden, Notfallnummern parat halten, Kontrolle behalten. Im zweiten Jahr bin ich dann auch losgetrampt. Das war super schön!

Interview: Friederike Krüger und Stefanie Witterauf

Fotos: Lorraine Hellwig, Breakout