Band der Woche: Monza

In dem neuen Album „Der Tag an dem Berge aus dem Himmel wuchsen“, von der Band Monza, geht es um eine Zukunftsdystopie – einer Zeitreise, die dem Hörer auf subtile und unbehagliche Weise die Zustände des eigenen Lebensraums vor Augen führt

Von Marietta Jestl

Ein Konzeptalbum zu schreiben, erfordert Fantasie und Kreativität. Nicht nur von der Band selbst, sondern auch vom Hörer. Während manche Künstler Musik machen, die mal eben im Hintergrund vor sich hin plätschert, machen es sich andere zur Aufgabe, das Publikum aktiv anzusprechen. Einen roten Faden durch ihr Album zu ziehen, den nur der aufmerksame Zuhörer bemerkt. Den Leuten Texte um die Ohren zu werfen, die nachdenklich machen und deren Message mit jedem Song weiter vertieft wird. Die Kunst dabei ist, die Ideen nur zwischen den Zeilen zu überliefern und viel Interpretationsspielraum zu lassen.

Thorsten Kerl, Sänger und Bassist der Band Monza, hat für deren neues Album ein ganzes Fantasie-Universum erschaffen. Eine Welt, in der das Licht abwechselnd auf die Protagonisten geworfen wird, deren Geschichten sich in parallel verlaufenden oder chronologischen Handlungssträngen verweben. Das Konzept findet seinesgleichen eher in der Fantasy-Literatur oder in Science-Fiction-Filmen: Hier werden fiktive Welten als Schauplätze genutzt, um teilweise komplett aktuelles Gesellschaftsgeschehen darzustellen.

Auch Monzas Album mit dem so sperrigen wie genialen Titel „Der Tag an dem Berge aus dem Himmel wuchsen“ ist eine Art Zukunftsdystopie – eine Zeitreise, die dem Hörer auf subtile und unbehagliche Weise die Zustände des eigenen Lebensraums vor Augen führt.
So handelt etwa der Song „Forscher“ von einem Satelliten, der von seiner Zivilisation geschickt wurde, um für sie nach einem neuen Lebensraum zu suchen. Auf seiner Reise sammelt er sehr viel Information und sendet sie in seine Heimat, erhält jedoch keine Antwort – die Zivilisation hat einen anderen Weg gefunden, die Welt zu verlassen: indem sie in eine neue, immaterielle Existenzform übergeht. „Der Satellit stellt fest, ’ich habe alles Wissen der Welt, und keiner hört mich‘ – und darüber dreht er durch“, erklärt Thorsten.

„Im Song Daedalus hingegen versucht jemand, eine neue Welt zu formen. Und als sie fertig ist, merkt er, dass sie zu schön geworden ist und er sie lieber für sich alleine haben will – und darüber dreht auch er durch.“ Der Satellit aber kehrt zurück zu seiner Heimat, um sich zu rächen, findet jedoch nur die zurückgelassenen intelligenten Maschinen vor, die er nun unterjocht. „Und sie heißen diesen Herrscher willkommen – im Song Maschinengott“, ergänzt Thorsten. „Denn sie wussten nicht mehr, was sie mit sich anfangen sollten, als sie allein waren. Das behandelt der erste Song des Albums, Terraformer: Die Maschinen sind verzweifelt und wollen sterben, was sie aber nicht können. Für sie wäre die größte Erlösung der Tod.“
Das Album ist ein Werk voller existenzieller Fragen, nach Mensch und Maschine. Eine Suche nach Sinn in einer Welt, die sowieso schon am Abgrund steht. Die Stimmung des Albums erscheint düster, jeder Song klingt wie die wohl früher oder später bevorstehende Apokalypse. Der Sound eckt an, ist laut und chaotisch, es fiept und quietscht. Dennoch ist er stilistisch ausgefeilt. Thorstens Stimme ist durchdringend, die Texte sind von einer charakteristischen bildhaften Sprache geprägt, Worte werden wie ein Mantra wiederholt und meißeln sich durch hämmernde Rhythmen in den Kopf. Es bleibt ein interessantes, aber auch mulmiges Gefühl der Ungewissheit. Trotzdem findet sich zwischen der Ernsthaftigkeit auch immer wieder eine Portion Witz und Ironie.

„Wir wollen ja nicht nur schwarzmalen – unser Weltbild ist bunt! Daher auch das spacige Artwork“, sagt Schlagzeuger Hannes Drensler. „Genau wie ein Science-Fiction-Film zur Unterhaltung da ist, spielen wir ja auch nichts anderes als eine Show.“ Am 31. Januar spielen Monza in der Glockenbachwerkstatt das Release-Konzert ihres Albums.

Fotocredit: Privat