Band der Woche: Black Voodoo Train

Die Band Black Voodoo Train schafft eine moderne Interpretation des Psychedelic-Rock, der in den Sechzigerjahren in die Wege geleitet wurde.

Von Viktor Schacherl

Menschen mit freien Oberkörpern und langen Mähnen tanzen in Trance – genießen ihre Freiheit. Freie Liebe, freier Konsum von bewusstseinserweiternden Substanzen. Der Geist der Hippie-Bewegung dürfte jedem bekannt sein. Doch eines ist klar: Ohne Musik kein Tanz. Der Soundtrack, der das Leben Ende der Sechzigerjahre, Anfang der Siebzigerjahre dominiert, ist heutzutage kaum mehr vorstellbar: Sehr gitarrenlastig, ellenlange Intros und noch längere Soli. Nur gelegentlich blitzt eine Stimme auf und trägt ominöse Lyrik vor. Musik aus einer scheinbar weit entfernten Zeit.

Komplett unmöglich ist diese Musik aktuell allerdings keinesfalls. Die Band Black Voodoo Train  lässt die markanten Grundzüge des damaligen Sounds hochleben. Auch bei ihr stehen instrumentale Parts im Vordergrund, auch der improvisierte Charakter ist bei ihren Songs nicht wegzudenken. Der Klang des Quintetts ist aber keineswegs eine blinde Kopie des Vergangenen, sondern eine moderne Interpretation des Psychedelic-Rock, der in den Sechzigerjahren in die Wege geleitet wurde.

Kaum ein Lied der Band ist unter zehn Minuten lang. An Spannung verlieren diese dadurch nicht. Cleane, nachdenkliche Passagen werden von Black-Sabbath-Gedächtnis-Riffs aufgeweckt. Bluesige, melancholische Teile werden zu Soli umgeleitet, die von Delay- und Wah-Wah-Pedals unterstützt werden. Die Songs treiben den Hörer immer weiter. Sprich, der schwarze Voodoo-Zug rollt unaufhaltsam durch die Landschaften – stets auf der Suche nach dem ultimativen Groove.

Beim ersten Hören nicht unbedingt erkenntlich, aber Sängerin Louisa Simon und Schlagzeuger Christian Illing kommen ursprünglich aus dem Hip-Hop- beziehungsweise Trip-Hop-Bereich. „Hip-Hop war mir irgendwann nicht mehr spannend genug“, sagt Luisa. Sie hat sich nach komplexeren Songwriting gesehnt und ihre Bestimmung in der psychedelischen Richtung gesehen, weswegen sie 2016 letztendlich bei Black Voodoo Train eingestiegen ist, die bis dato zu viert rein instrumental musiziert hatten.

Bei jeder Probe der Band wird gejammt, das Aufnahmegerät läuft ständig mit. Anschließend werden die Aufnahmen begutachtet, um potenzielle Songs herauszufiltern. Wer die Band auf ihr Improvisieren reduzieren will, tut den Musikern allerdings unrecht. „Wir sind keine reine Jam-Band“, stellt Christian klar. Dennoch verleugnen sie diesen Aspekt ihres Sounds keineswegs. Und die frei gestalteten Segmente werden clever in das Bühnenprogramm eingebunden.
Ihre Musik ist größtenteils instrumental. Klar geraten Louisas Stimme und die Texte, die sie singt, ein wenig in den Hintergrund. Ihr hypnotisierender Gesang, der mal verhallt, mal verzerrt dazwischenfunkt, fungiert als ein weiteres Instrument. „Wenn man mich oder die Geschichten dahinter nicht kennt, kann man die Texte ohnehin nicht nachvollziehen. Ich spiele sehr viel mit Metaphern“, sagt Louisa. Es geht mehr darum, dass Stimme und Text sich klanglich gut einfügen und zum Stimmungsbild passen.
Natürlich hören die Bandmitglieder viel Musik aus der Hippie-Zeit. Eine reine Hommage an deren Musik ist es allerdings keineswegs. Experimentierfreude und die Lust an freier Gestaltung ist in den Künstlern fest verankert und der kleine Hauch von Nostalgie ist schlicht ein Nebeneffekt.

Nachdem ihr Debütalbum „Comic Sessions“ 2015 noch instrumental war, haben Black Voodoo Train im vergangenen Jahr ihr erstes Album „We Are Not In California“ veröffentlicht, mit Louise am Mikrofon. Aktuell wollen sich die Musiker wieder vermehrt auf ihr Songwriting fokussieren und bald ein weiteres Werk nachlegen. Damit wollen sie dann weiterhin den Klang einer vergangenen Zeit mit einer unterschwelligen Prise Hip-Hop in die heutige Welt transportieren.

Foto: Christian Illing