Vielfalt feiern
Kannheiser / Foto: Catherina Hess

Vielfalt feiern

Kannheiser wird zur SZ-Band des Jahres gekürt

Von Max Fluder

Die letzten Töne verklingen, im Bahnwärter Thiel ist es dunkel und dann auch still. Zumindest für ein paar Sekunden. Nur noch die Musikerin auf der Bühne, Alexandra Cumfe von Her Tree, steht im Scheinwerferlicht. Es ist eine Ausnahme, einer der wenigen ruhigen Momente an diesem Samstagabend, der wohl viel über dieses Konzert aussagt. Denn als Alexandras Auftritt vorbei ist, nachdem sie das Publikum mit Beats aus verzerrten Waldgeräuschen zum Tanzen gebracht hat, bedankt sie sich. Nicht nur beim Publikum und der Technik, sondern auch bei den anderen Bands, die an diesem Abend beim Band-des-Jahres-Konzert der Junge-Leute-Redaktion der SZ spielen. Bei der Aroza Crew, bei Elena Rud, bei Kannheiser.

Diese drei und Her Tree selbst hatten sich im Voraus bei einer Facebook-Abstimmung durchgesetzt und die Chance bekommen, Band des Jahres zu werden. Im Bahnwärter Thiel entscheiden dann zu gleichen Teilen das Publikum und eine Fachjury, wer den Titel und die Trophäe, eine goldfarbene Schallplatte, erhält. Die Jury – das sind Katharina Renner, Jo Halbig, Amadeus Böhm sowie drei Mitglieder der Band-der Woche-Redaktion. Die Wahl fällt am Ende auf Kannheiser, ein klassischer Wettbewerb ist dieser Abend allerdings nicht, die Stimmung eine ganz andere. Was hier gefeiert wird, ist die Münchner Musikszene in all ihrer Vielfalt. Soft-Grunge trifft auf Hip-Hop, in der Natur aufgenommene Beats auf Indie-Pop, dankbare Musiker auf ein neugieriges Publikum.

Die Auftritte sind mal energieladen – Elena Rud als erster Act des Abends springt gleich von der Bühne, kniet sich hin und zieht mit ihrer rauchigen Stimme die Töne in die Länge. Mal sind sie auch einladend, fast schon liebevoll. Dann etwa, wenn Juri Kannheiser, Sänger der gleichnamigen Band, dem Publikum einheizen will und sagt: „Es ist so kalt hier drin, gebt uns ein bisschen eurer Wärme.“ Am meisten reißt wohl die Aroza Crew das Publikum mit. In den vorderen Reihen „bouncen“ sie alle, also wippen mit ihrem Arm zum Beat, oder springen mit den Hip-Hoppern im Takt der Musik. „Wir stehen für Positivity“, schreien sie ins Publikum.

Marie Fahrenhold, eine der etwa 250 Besucher, kommt eigentlich aus Berlin und ist hier zu Besuch. Es scheint ihr zu gefallen, sie sagt: „So eine lockere schöne Veranstaltung, das ist einzigartig für München!“ Auch Musiker anderer Bands sind als Zuschauer da: Laura Glauber beispielsweise, Backgroundsängerin bei Matija und Loriia, die nun ihre eigene Band startet. Oder Victoria Zapf, Sängerin bei Victoryaz, die vergangenes Jahr hier auftrat. Auch ihr hat der Abend gefallen: „Das war schon ein anderes Level“, sagt sie etwa zum Auftritt von Kannheiser.

Es war knapp am Ende: Zwei Stimmen Unterschied sind zwischen Kannheiser und der Aroza Crew. Elena Rud und Her Tree kommen beide auf den dritten Platz. Was das heißt? Dass das Publikum nicht homogen, dass Musik aus München spannend und vielfältig ist. Vor allem aber, dass man in dieser Stadt begeistern kann, wenn Raum dafür da ist. Nach dem Abbau, als die Party im Bahnwärter Thiel noch weitergeht, sagt Juri Kannheiser über den Abend: „Es ist wichtig, dass es so etwas gibt.“

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