Neuland

Am 17. Januar geben die Mädels vom Blogazin amazed den Workshop „BlogClass“ für Blogger. Amelie Kahl, 22, Milena Heißerer, 24, und Antonia Wille, 28 (Foto: Lena Scherer), laden in das gemeinschaftlich genutzte Büro The Stu junge Blogger ein. Der erste Termin eignet sich für Anfänger, ein zweiter Workshop im Februar soll für Erfahrene sein. Mitzubringen sind Laptop, Smartphone und Kamera. Tipps, Tricks und persönliche Erfahrungen gibt es von den drei jungen Münchnerinnen, die, bevor sie sich zu amazed zusammengeschlossen haben, jede selbst ihren eigenen Blog hatte. Im Gegensatz zu anderen Blogger-Veranstaltungen gibt es hier „Kaffee und Kuchen, Pizza und Spezi. Ohne Goodie Bag, ohne Glitzer, ohne Cupcakes“, sagt Amelie. Anmeldung unter: www.amazedmag.de

Stefanie Witterauf

Ein Lattenrost als Gitarrenhals

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Upcycling: Dominik Sedlmayr bastelt aus Dosen und anderen Gegenständen Musikinstrumente

Das WG-Zimmer von Dominik Sedlmayr, 24 (Foto: Kerstin Rothkopf), lässt keinen Zweifel offen: Hier lebt ein begeisterter Musiker. An den Wänden kleben Plakate der Münchner Band The Dope, neben dem Bett steht auf dem Nachttisch ein altes Grammofon, über dem Schreibtisch liegen die dazugehörigen Schellackplatten. Auf der anderen Seite des Raumes hängen zwei Banjos an der Wand – und in der Ecke des Zimmers stehen ein wuchtiger Bass und davor Instrumente, die sich von den gewöhnlichen Holzkonstruktionen unterscheiden. Ein silberner Bass, eine gelbe Gitarre und eine rote Ukulele – allesamt mit Blechkorpus. Marke: Eigenbau.

Dominik stieß vor fünf Jahren auf einen Zeitungsartikel, der von „armen Menschen, die aus allem möglichen Dingen Instrumente bauen“ handelte. Beeindruckt von dem Gedanken, aus Alltagsgegenständen seine eigenen Musikinstrumente herzustellen, machte sich Dominik ans Werk. Seitdem er 16 Jahre alt ist, hilft er seinem Vater regelmäßig bei der Arbeit in der Zimmerei. Er verfügt über handwerkliches Geschick, doch der erste Versuch, einen Bass zu bauen, scheiterte. „Es war doch schwieriger, als ich gedacht habe“, sagt Dominik. Der dritte Versuch klappte: Er baute einen Bass aus einer Dose, auf dem er bis heute bei den Auftritten mit seiner Band Good Cpt. Jak spielt. 

Gerade bastelt Dominik seine erste Ukulele – eine Auftragsarbeit. „Am Anfang habe ich einfach einen Blechkanister, ein Stück Holz genommen und Saiten drauf gespannt. Das hat erst mal nicht so gut geklungen“, sagt Dominik. Er hat sich auch ein Buch über Gitarrenbau gekauft, doch darin konnte er nicht so viel lernen, denn für seine Art von Instrumenten gibt es keine Anleitung. „Besonders gefällt mir der Gedanke des Upcyclings – also Gegenstände, die schon anders genutzt worden sind, in meine Instrumente einzubauen und ihnen so einen anderen Zweck zu geben“, sagt er. So wird aus einem Stück Lattenrost ein Gitarrenhals, für die Saitenbefestigung werden Gabeln verbogen und mit Abflusssieben die Schalllöcher verschlossen. Nicht alle Ideen stammen von dem fertig studierten Anglistik- und Kulturwissenschaftsstudenten, Inspiration findet sich in der Bluesszene. Dort sei es üblich, sagt er, Gitarren aus Zigarrenboxen zu bauen.

Anfangs ist er über Flohmärkte gelaufen und hat in Supermärkten nach Dosen gesucht. Mit dem Knöcheln klopfte er gegen das Blech und hat geprüft, ob der Sound stimmt. Heute weiß er, wie was klingt und bestellt gezielt im Internet. Seine Banjos baut er aus Catbury-Schokoladen-Dosen. Gitarren, Ukulelen und Bässe stellt er aus alten Ölkanistern her.

Mit dem Gedanken, hauptberuflich Instrumentenbauer zu werden, hat Dominik gespielt, als er für ein Erasmus-Semester nach Irland gezogen ist. In Dublin lernte er viele Instrumentenbauer kennen – und verwarf die Idee. „Ein Großteil der Leute kann davon nicht leben. Sie reparieren Instrumente von anderen. Außerdem gehst du in Vorkasse – die Materialen legst du aus, und wenn du fertig bist, ist die Gitarre auch noch nicht verkauft“, sagt Dominik. Deswegen bleibt es für ihn ein Hobby. Momentan arbeitet er als Kulturmanager in einer Agentur in München, die Livekonzerte mit jungen Bands veranstaltet.

Nicht nur Dominik und sein Gitarrist haben auf seinen selbst gebauten Instrumenten gespielt. Auch der Australier John Bulter spielte schon auf so einer Gitarre. Bei seinem Konzertaufenthalt in München im vergangenen Frühjahr interviewte Dominik den international erfolgreichen Musiker für den Radiosender M94.5 und drückte ihm seine Gitarre in die Hand. Beeindruckt schlug er die Saiten an und lobte den jungen Musiker für so viel Geschick und Kreativität. 

Stefanie Witterauf

Dichter und Querdenker

Marie Bruns. Foto: Anne Puhlmann

Vom Bierradl-Unternehmen bis zum Uni-Chor, vom Freestyle-Fußballer bis zum Party-Girl, vom Aktivisten bis zum Verleger-Duo: Diese jungen Menschen sorgen 2015 dafür, dass München bunt, spannend und lebenswert bleibt.

Luise Aschenbrenner
Schauspielerin

Sie ist zierlich, aber mit ihren langen roten Locken kaum zu übersehen: Schauspielerin Luise Aschenbrenner hat mit ihren gerade einmal 19 Jahren schon einige tolle Filme gemacht – so war sie 2014 zum Beispiel an der Seite von Birte Hanusrichter, Frontfrau der Young Chinese Dogs, in der ZDF-Produktion „Seitensprung“ zu sehen und hat in diversen Kurzfilmen mitgespielt. Seit April studiert Luise, die ursprünglich aus Altomünster bei Dachau stammt, Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin. Nebenher dreht sie weiterhin Filme, so auch einen Thriller für die ARD.

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Luise Aschenbrenner. Foto: Stefan Klüter
 
Tristan Marquardt
Dichter

Lyriker Tristan Marquardt, 27, stellt im neuen Jahr wieder einmal unter Beweis, wie vielfältig die Münchner Literaturszene sein kann: Der Initiator der Lesereihe „meine drei lyrischen ichs“ geht 2015 als Mitorganisator des „großen Tags der jungen Münchner Literatur“ noch einen Schritt weiter – junge Münchner Autoren aller Sparten haben einen Abend lang Zeit, sich zu präsentieren. Bei diesem literarischen Marathon lesen unter anderem Juno Meinecke, Fabian Bross, Elias Wagner und Anya Steigerwald. Nebenher arbeitet Tristan an einem neuen Lyrikband.

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Tristan Marquardt. Foto: Katja Zimmermann

Abaco-Orchester
Uni-Musiker

Es war bloß so eine Idee, die jemand nach einem Auftritt aussprach. „Doch wir waren so begeistert, dass wir uns sofort an die Planung gemacht haben“, sagt Anna Leibinger. Nach mehr als zwei Jahren Vorbereitung wird das Abaco-Orchester am 28. Februar 2015 die 2. Symphonie von Gustav Mahler aufführen. Die Philharmonie ist der einzige Ort, an dem in München für dieses Stück Platz ist. Doch allein die Raummiete beträgt 13 000 Euro. Per Crowdfunding auf startnext (mahler2.de) sammelt das Universitätsorchester nun Geld. 9000 Euro sind bereits zusammengekommen. Bis zum 15. Januar freuen sich die 400 Musiker über jede Spende.

 
Elizaveta Porodina
Fotografin

„Ein gutes Foto – das geht auch ohne Sternenstaub“, beschreibt Elizaveta Porodina, 27, ihre fotografische Entwicklung. Zauberhaftes und Verspieltes musste ihren Bildern in den vergangenen zwei Jahren zunehmend weichen. Mittlerweile sieht sich die Fotografin, die zwar für große Magazine engagiert wird, immer mehr im Bereich der Kunst: mit Kanten und Schwarz-Weiß-Bildern. Die Münchnerin ist erwachsen geworden – und mit ihr die Fotografie. Für 2015 plant sie ihre erste große Ausstellung. Dafür reist sie zu Beginn des Jahres einige Wochen durch die Welt.

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Elizaveta Porodina. Foto: Elizaveta Porodina
 
Konrad Bauer und Korbi Schmaus
Unternehmer

Wen in Berlin, Köln oder Hamburg zu später Stunde der Bierdurst packt, der verlässt die Wohnung und deckt sich im Späti um die Ecke ein. Weil in München fast jeder Kiosk um 20 Uhr schließt, fahren Lieferdienste das Bier direkt zum Kunden. Mit dem Auto durch die Stadt? Das wollen Konrad Bauer, 23, und Korbi Schmaus, 26, vermeiden. Sie eröffnen 2015 ein Bierradl-Unternehmen. Das Bier kommt dann direkt aus der Stadt, ohne Umwege, ohne CO₂-Ausstoß. Bis zu acht Kästen können auf dem selbstgebauten Rad transportiert werden. Die erste Party an der Isar wurde im vergangenen Sommer schon auf diese Weise beliefert – das Konzept geht auf. Im Frühjahr soll Rad Nummer zwei folgen.
 
Alice M. Huynh
Modedesignerin

Designerin und Bloggerin Alice M. Huynh, 24, startet mit dem Abschluss an der Modeschule AMD ins neue Jahr. Im Februar wird sie ihre Bachelor-Kollektion „Fresh off the Boat“, eine Interpretation der Flüchtlingsgeschichte ihrer vietnamesischen Mama und ihres chinesischen Papas, präsentieren und im Internet zum Kauf anbieten. Um Ideen für kommende Werke zu sammeln, treibt es die 24-Jährige zunächst selbst nach Asien. „Inspiration findet man nicht auf dem Laufsteg, sondern auf der Straße“, sagt Alice. Von ihren (modischen) Erlebnissen wird sie auf ihrem Blog und einem frisch gestarteten Youtube-Kanal „Bun Bao“ berichten.

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Alice M. Huynh. Foto: The Alpha Kiks

Sven Fielitz
Freestyle-Fußballer

Seit Sven Fielitz in München studiert, sind die U-Bahn-Stationen zu seinem Trainingsplatz geworden: „Es ist warm, trocken und hell. Vor allem im Winter ist das ein perfekter Platz zum Trainieren“, sagt er. Freestyle ist eine Form des Fußballs, die Kreativität, Style und Performance verbindet. Wie ein Tänzer kreiert der Sportler eine Kombination aus verschiedenen Tricks. Bei Wettbewerben misst sich Sven mit Freestylern aus aller Welt. Mit Gleichgesinnten hat Sven die Filmgruppe „TekNeek“ gegründet. Sie begleiten Events mit der Kamera und erstellen Recap-Filme. „Ein persönliches Ziel von mir ist es, in Zukunft eine große Doku über den Sport zu drehen, über die Entstehung und Entwicklung der Szene in den vergangenen Jahren“, sagt Sven. 2015 will er auch bei internationalen Wettbewerben starten: „Nach dem Ende meines Studiums werde ich mehr Zeit für Freestyle haben und bei den nächsten Meisterschaften meine Ziele wieder erreichen.“
 
Marie Bruns
Model

Vergangenes Jahr im November wurde Marie Bruns, 23, bei ihrem Nebenjob bei einer schwedischen Klamottenfirma von einer Agentur angesprochen. Von da an wurde Marie immer wieder zu Test-Shoots eingeladen, bei denen Fotodesignstudenten das Shooting organisieren. Auch privat kennt Marie Fotografen und stand schon ab und zu vor der Linse. Doch seit 2014 wird Marie immer häufiger für professionelle Shootings gebucht. Ihr Gesicht taucht regelmäßig auf – auch im aktuellen Lookbook der Münchner Designerin Ayzit Bostan. „Ich studiere im fünften Semester Jura. Das ist interessant, aber nervenaufreibend. Die Uni soll mein Hauptthema bleiben, jedoch braucht man auch Abwechslung von dem Juragedöns“, sagt Marie. Für nächstes Jahr hat sie in den Semesterferien einen längeren Auslandsaufenthalt geplant, um zu modeln.
 
Maxime Weber
Blogger und Aktivist

Der Luxemburger Maxime Weber, 21, ist ein Multitalent, auf seinem Blog schreibt er über Musik, Kultur und besonders gesellschaftliche Themen. Der an der LMU immatrikulierte Philosophiestudent erregt besonders durch sein Engagement gegen die rechte Szene in Luxemburg Aufsehen, die er durch eine kritische Analyse ihrer Texte und Pamphlete regelmäßig bloßstellt. Momentan arbeitet er an einem weiteren Artikel, um einen Überblick über die – größtenteils in sozialen Netzwerken stattfindenden – rechten Aktivitäten in seiner Heimat zu geben. 2015 will Maxime auch in München gegen die Neonazis aktiv werden und „deren hanebüchenen Argumente wie immer mit Rationalität und Humor demontieren“.
 
Nadia Khan
Tänzerin

Aus einer klassischen Tänzerfamilie kommt Nadia Khan, 23, nicht. Weder Mutter noch Vater sind Ballett-Tänzer. Doch auch ihre drei Geschwister Maria Sascha, Julian und Nicholas haben eine Ballettkarriere eingeschlagen. Getanzt haben sie schon in der Kindheit. „Meine Mutter musste mich mal vom Kindergarten abholen, weil ich während der Ruhezeit eine komplette Cinderella-Choreografie aufgeführt habe“, sagt Nadia. Ihr erster Job als Ballerina war im Bayerischen Staatsballett in München im Herbst vor vier Jahren. Auch ihre ältere Schwester wurde in München engagiert – und so konnten die Schwestern Zeit miteinander verbringen. Ihre Brüder trainieren auf der Bolschoi-Ballett-Akademie in Russland, um in die Fußstapfen der erfolgreichen Schwestern zu treten. Mittlerweile tanzt Nadia im Compañía Nacional de Danza in Madrid, Maria Sascha blieb in München. Vor einem Monat hat das amerikanische Tanzmagazin Dance Informa Nadia als „Ballerina Sensation“ gekürt. In der Ballett-Welt werden Nadia und die außergewöhnliche Geschichte ihrer tanzenden Familie immer bekannter.

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Nadia Khan. Foto: Annett Poppe

Xenia Richter
Party-Girl

Ob man in München auf der richtigen Party ist, weiß man erst, wenn man auf Xenia Richter, 22, trifft. Vor zwei Jahren zog es die Augsburgerin nach München, wo sie zunächst Praktika in der Modebranche machte, dann aber in eine Veranstaltungsagentur wechselte. „Die Veranstaltungsbranche ist um einiges ehrlicher als die Modebranche“, sagt sie. Die angehende Veranstaltungskauffrau schlägt sich wacker in dem von Männern dominierten Beruf. „Als einziges Mädchen in der Agentur überlassen mir die Jungs trotzdem sehr viel Verantwortung“, sagt sie. „Was eine Party ausmacht? Man muss eine besondere Stimmung hinzubekommen, die im Gedächtnis bleibt“, sagt Xenia. Sie treibt sich nicht nur auf den angesagtesten Partys herum, sondern kümmert sich um Pressearbeit und um die Event-Organisation. Zusätzlich arbeitet sie am Wochenende im Club Kong an der Bar.

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Xenia Richter.  Foto: Privat

 
Stefanie Hammann und Maria von Mier
Verlegerinnen

Künstlerinnen gibt es viele, aber als Duo mit eigenem Verlag sind Stefanie Hammann und Maria von Mier quasi ein Unikat. Die beiden geben Künstlerbücher heraus, die selbst Kunstwerke sind. Auf einer Buchmesse in New York hatte der Verlag „Hammann & von Mier“ 2014 bereits einen Stand. Eine ihrer Spezialitäten: Overnight-Highspeed-Bücher, die in einer Nacht entstehen und den künstlerischen Status quo des Duos widerspiegeln – ihre Kunst bezeichnen sie im Spaß als „Hochleistungskunst“. Noch studieren die beiden an der Akademie in München in der Klasse Metzel, im Januar 2015 werden sie ihr Diplom machen. Es wird ein Jahr des Umbruchs für sie: neues Atelier, neue Wohnung, neue Projekte – zum Beispiel ein Künstlerbuch mit Angela Stiegler, das schon in Arbeit ist. Warum sie sich zusammengetan haben? „Zu zweit sind wir viermal so schnell. So können wir viel mehr ausprobieren“, sagen sie.
 
Xavier D’Arcy
Singer-Songwriter

Es gibt verschiedene Erklärungen für das, was passiert, wenn Xavier D’Arcy, 19, eine Bühne betritt: Charisma, Präsenz, oder vielleicht auch einfach nur Talent. Doch nur eine schöne Stimme und ein gutes Händchen fürs Songwriting reichen nicht aus, um die Atmosphäre in einem Club derartig zu verändern. Der Münchner mit französisch-britischer Abstammung, der sich als Musiker schlicht Darcy nennt, bannt mit seinen Songs das Publikum in andächtige Ruhe. Die Energie, die Hingabe und die Unbedingtheit, mit der er sich in seine Musik wirft, heben dabei die einfache Machart seiner Musik – Akustikgitarre und Stimme – auf eine andere Ebene. Seit seinen ersten Konzerten ist viel passiert: Musikmanager Rainer Tarara wurde auf den jungen Künstler aufmerksam. Und der brach daraufhin sein Studium, das er in England begonnen hatte, im vergangenen Sommer ab, um sich in München ganz auf seine Musik zu konzentrieren. Es folgte eine Support-Tour für MarieMarie. Gerade arbeitet Darcy an seiner ersten EP, die den trotzig-schlichten Titel „Extended Play“ tragen soll. Die Veröffentlichung ist für das Frühjahr geplant – weitere Touren und ein großes Veröffentlichungskonzert inklusive. Darcy könnte sich als ein weiterer Münchner Musiker etablieren, der für die großen Plattenfirmen interessant ist. Mit Exclusive und Jesper Munk, deren Major-Debüts beide im Frühjahr 2015 erscheinen werden, wäre er da in guter Gesellschaft.

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Xavier D’Arcy. Foto: Robert Schuster

 
Autoren: Rita Argauer, Katharina Hartinger, Carolina Heberling, Matthias Kirsch, Philipp Kreiter, Friederike Krüger, Natalie Mayroth,
 Bettina Pfau, Stefanie Witterauf

Neuland

Kurimelo startet durch: Mit Occupanther ist er schon aufgetreten, im Frühjahr wird sein Debütalbum erscheinen.

Es läuft bei ihm. Im Sommer spielte Kurimelo beim Stadt-Land–Rock-Festival, im September veröffentlichte er seinen ersten Track „Dandelion“ auf Soundcloud, ein Auftritt mit dem Kammerorchester vergangen Monat in Augsburg folgte, ein weiterer mit der Münchner Techno-Neuentdeckung Occupanther auf dem Puls-Festival. Julian Klaas (Foto: Oliver Mohr) alias Kurimelo schafft den Spagat zwischen Klassik und Elektro. Julian ist Mitglied in mehreren Orchestern, spielt, seitdem er vier Jahre alt ist, Geige und hat Klassische Musik in Spanien studiert. Nun bastelt er seine Musik am Computer – bisher ohne Streichinstrumente. Auch sein Debütalbum steht schon, nur noch Feinheiten sollen ausgearbeitet werden. Die Veröffentlichung ist für das Frühjahr geplant. „Aber zu viel verraten will ich noch nicht“, sagt Julian. Stefanie Witterauf

Anne Puhlmann – Englischer Garten

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Anne Puhlmann nimmt ihre Kamera auch auf lange Spaziergänge im Englischen Garten mit – schließlich ist Fotografieren ihre größte Leidenschaft.

Vor fünf Jahren zog Anne Puhlmann, Mitte 20, von einem kleinen Ort in der Nähe von Berlin nach München. Um dem Trubel der Großstadt zu entkommen, nimmt die Fotodesignstudentin ihre Kamera auf stundenlange Spaziergänge in den Englischen Garten mit, ein Lieblingsort der Wahlmünchnerin.

Fotografiert hat Anne schon immer gerne. Mittlerweile ist es ihre größte Leidenschaft, und sie kann sich nicht vorstellen, etwas anderes beruflich zu machen. Wohin ihre Fotografie genau geht, weiß sie noch nicht. „Es sollte auf jeden Fall mit Menschen zu tun haben“, sagt Anne. Sie achtet darauf, dass die Motive nie gestellt aussehen. Wenn ihre Models einen Moment mit ihren Gedanken woanders sind und nicht in die Kamera schauen, drückt Anne ab. Stefanie Witterauf

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Neuland

Kaffeebohnensäcke – da denken die meisten wohl an Kaffee. Sabine Weidemann denkt an Handtaschen und näht sie aus dem ungewöhnlichen Stoff.

Die besten Ideen kommen meistens durch einen Zufall zustande. So auch bei Sabine Weidemann (Foto: Lulu Graetz). Als die 23-Jährige mit einer Freundin Kaffee trinken war, konnte man die Kaffeebohnensäcke in dem Café kaufen. Noch ohne eine konkrete Verwendungsidee nahm die junge Münchnerin einige Säcke mit nach Hause. Dort lagen sie erst mal in der Ecke, bis sie begann, eine Tasche aus dem Material zu nähen. Ihren Freundinnen gefiel die außergewöhnliche Tasche, deswegen besorgte Sabine mehr Säcke und nähte sie als Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke.

Ihre Taschen, denen sie den Namen „bohnikat“ gegeben hat, sind Unikate. Jede wird mit einer Nummer beschriftet, die zeigt, wie viele Taschen Sabine bisher genäht hat. Stefanie Witterauf

Neuland

Handtaschen können die meisten Frauen gar nicht genug haben. Gut, dass es in München jetzt Nachschub gibt: Svenja Weimann und Veronika Wagner haben ihr eigenes Label „Vanook“ gegründet. Die ersten 30 Modelle präsentieren sie am Freitag um 20 Uhr in der Munique Art Gallery.

Schon länger brodelt die Idee einer eigenen Taschenkollektion in den Köpfen der Jung-Designer Svenja Weimann und Veronika Wagner (Foto: Henning Ryll). Nachdem sie ihren Abschluss an der Münchner Meisterschule für Mode und Design absolviert haben, gründeten die beiden im Sommer ihr erstes gemeinsames Label „Vanook“. Die Kollektion besteht aus dreißig Teilen – jeweils sechs Variationen von fünf Accessoires: Rucksack, Handtasche, Weekender, Reisetasche und Laptoptasche.

Nun eröffnen sie ihren eigenen Laden samt Werkstatt in der Schleißheimerstraße 11, die Opening Party findet am Freitag, 28. November, allerdings in der Munique Art Gallery (Schleißheimerstraße 26) statt. Beginn: 20 Uhr. Stefanie Witterauf

Kerstin Rothkopf – Willi’s Playhouse

Sie fotografiert gerne beiläufig, aber ihre Motive sind nicht belanglos. So werden dann zum Beispiel ihre kaffeeholenden Kommilitonen Teil eines kuriosen Bilds.

Kerstin Rothkopf, 25, studiert an der Deutschen Meisterschule für Mode. In der Pause holen ihre Kollegen Susanne Schneider und Sebastian Goepen Kaffee unweit ihrer Schule – im Willi’s Playhouse. Spontan fotografiert sie das kuriose Motiv: eine Spielhalle, die tagsüber als Koffeinquelle für müde Mode- und Designschüler dient, abends zum Zocken an veralteten Spielautomaten einlädt. „Grundsätzlich mag ich Fotos, die scheinbar beiläufig geschossen werden und so einen ungewollt spontanen, lässigen Charakter erhalten. Für mich strahlt Fotografie, die auf diese Art entstanden ist, etwas Unberechenbares aus. Das finde ich spannend“, sagt sie.

Vor zehn Jahren begann Kerstin mit ihrer ersten eigenen Kamera den Versuch, das „wahre Leben“ auf ihren Bildern einzufangen. Damit ihre Leidenschaft, die Fotografie, professioneller wird, ließ sich Kerstin zur Mediengestalterin ausbilden. Doch das ist ihr nicht genug. Sie will sich künstlerisch austoben, experimentieren und so sich selbst finden. 2013 zog sie von Deggendorf nach München, um Kommunikationsdesign zu studieren. Ihre Werke stellt sie unter ihrem Künstlernamen Kerstins Kopf aus, zuletzt im Elektro-Club „Harry Klein“. Stefanie Witterauf

Neuland

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Blind haben die Musiker der LischKapelle ihre Instrumente am vergangenen Wochenende gespielt. Im Rahmen des Musikprojekts „Concert in the Dark“ ist die Bavaro-Indie-Pop Band in absoluter Dunkelheit aufgetreten.

Wenn die LischKapelle (Foto: Kathi Tasser) die Bühne betritt, geht das Licht aus. Zumindest bei dem Musikprojekt „Concert in the Dark“. Dieses Wochenende ist die Bavaro-Indie-Pop Band in absoluter Dunkelheit aufgetreten. Das Publikum hatte so die Möglichkeit, frei von visuellen Eindrücken die Musik zu erleben. Nicht nur die Besucher sehen an diesen Abenden nichts, auch die Band muss ihre Instrumente blind beherrschen. Und das ist gar nicht so einfach. Die Schwestern Susanne, 22, und Karin Lischka, 25, wechseln sich zwischen Cajón und Hauptgesang ab. „Da muss man sich feste Wege überlegen, damit man sich nicht über die Füße stolpert“, sagt Susanne. Stefanie Witterauf

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Valentin Winhart – Holiday Inn

Den Abriss des Holiday Inns in Schwabing hat Valentin Winhart fotografisch dokumentiert. Vom Hotel ist nichts mehr übrig geblieben – nur Valentins Bilder. Auch die Baustelle für das neue Gebäude hat er mit seiner Kamera begleitet.

„Meine eigenen Bilder beschreibe ich ungern. Bilder besitzen schon eine eigene Sprache“, sagt Valentin Winhart. Die Interpretation überlässt er den Betrachtern seiner Werke. Vor einem Jahr begann der 25-Jährige, eine Foto-Serie zu knipsen und zu filmen, wie das Holiday Inn in Schwabing abgerissen worden ist. Bagger, die das Gebäude auseinandernahmen, bis nichts mehr von dem Hotel übrig geblieben ist – nur die Fotos von Valentin. Ein Jahr später fotografiert der Hochschul-Student wieder die Baustelle. Erneut sind Bagger in der Leopoldstraße das Motiv. Jedoch arbeiten sie diesmal bei der Umsetzung eines millionenschweren Bauprojekts. „Es ist ein Bauen, Abreißen, Bauen und Abreißen – eigentlich etwas ganz Gewöhnliches“, sagt Valentin. Auf seinem Youtube-Kanal hat er einen Clip hochgeladen, der den Abriss des Hotels in bewegtem Bild dokumentiert. Stefanie Witterauf