Von Freitag bis Freitag München: Unterwegs mit Ornella

Unsere Autorin verbringt die Woche mal durch die Nächte tanzend, mal mit Yoga und Kunst. Aber auch Poetry Slam und Comedy kommen nicht zu kurz. Das Jahr hat gerade erst angefangen, man könnte meinen die Stadt sei noch im Winterweihnachtsschlaf: Wer das denkt täuscht sich und außerdem bestätigte die New York Times neulich erst, was sich viele vielleicht schon gedacht haben: München wird cool. Langsam. Aber es wird

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Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Elly

Nachdem sich die Temperaturen endlich wieder auf ein erträgliches Maß eingependelt haben, ist unsere Autorin unternehmunslustiger denn je. Sogar Tanzen in der Milla zu Monaco’s Finest / / Funk Soul HipHop ist da wieder möglich. Aber auch entspanntere Aktivitäten, wie selbstgeschriebener Poesie bei der offenen Poesiegruppe Tisch der Träume im Café Gans am Wasser im Westpark zu lauschen.

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Zwischen Beats und Liebeskummer

Der letzte Samstag im Farbenladen bei unserer Ausstellung “10 im Quadrat – Reloaded” war abwechslungsreich. Für die Besucher gab es an diesem Tag eine Beatbox-Session, Poetry Slam, eine Lesung und Musik von Paul Kowol.

Bevor es am letzten und Farbenladensamstag mit dem
Programm losgeht, bereiten die Schauspielschüler und Beatboxer Blaise Amada und
Conrad Ahrens ihr Set vor, machen Soundcheck und fangen an, einige Takte zu
beatboxen und zu rappen, während sich der Farbenladen nach und nach mit
neugierigen Besuchern füllt. Als es nach dem frühlingshaften Tag anfängt zu
dämmern, geht es mit dem Programm los. Maximilian Weigl, Gewinner der PULS-Lesereihe,
platziert sich auf den Bierkästen und lässt das Publikum entscheiden, welchen
Text er vorlesen soll. Zur Auswahl stehen der Gewinnertext der Lesereihe, der
Ausschnitt eines Romanentwurfs, sowie der Text, den er für die Lesereihe nicht
eingesendet hat. Für den Gewinnertext stimmt keiner, stattdessen möchte das
Publikum wissen, welchen nachdenklichen und düsteren Text Maximilian nicht
einreichen wollte. Er trinkt einen Schluck von seinem Bier und beginnt, mit
langsamer, monotoner, aber fester Stimme seine Geschichte vorzulesen, in der er
es um einen Attentäter geht. Als er fertig vorgelesen hat, möchte er die
Stimmung mit einem Gedicht über eine Taube auflockern, bei der er das Publikum
mit einbezieht, indem dieses am Ende Gurrgeräusche machen und die Arme in die
Luft heben soll. Nach zwei weiteren Gedichten über „Liebeskummer in Zeiten der
Globalisierung“, sowie darüber, wie man bereits mit Mitte 20 von Migräne oder
Rückenschmerzen geplagt wird, lässt er das Publikum wieder entscheiden, welchen
Text er vorlesen soll. Die Besucher entscheiden sich für einen Auszug aus einem
Romanentwurf, bei dem es um einen jungen melancholischen BWL-Studenten geht,
der sich bei seinem nächtlichen Streifzug über den Stiglmaierplatz in eine Frau
verliebt und sich mit ihr eine Zigarette teilt.

Nach dem großen Applaus beginnt Conrad Ahren mit dem
Beatboxen und fordert das Publikum dazu auf, aufzustehen und näher zu kommen.
Nach einer Einlage steigt Blaise mit dem Rap ein. Das Publikum hebt die Arme
hoch und von draußen schauen vorbeilaufende Passanten neugierig in den
Farbenladen rein und tummeln sich am Eingang. Am Ende ruft das Publikum nach
einer Zugabe und die beiden fangen an zu improvisieren. Conrad und Blaise sind Studierende
des ersten Jahrgangs der Otto-Falckenberg-Schauspielschule und haben sich dort
kennengelernt und bereits in einem Theaterstück performt. Für beide war es eine
neue Erfahrung, vor einem kleineren Publikum aufzutreten, sagt Blaise: „Es ist
schwieriger, ein kleines Publikum zu erreichen, doch es hat richtig Spaß
gemacht, die Stimmung war richtig gut.“

Nach einer kurzen Pause, bei der die Besucher
draußen noch die letzten Sonnenstrahlen genießen, geht es mit dem Programm
weiter: ein kurzes Interview mit der Schauspielstudentin Anouk Elias, die als
Model für die Ausstellung vor der Kamera stand. Sie erklärt, welchen
Unterschied es macht, auf der Bühne oder vor der Kamera zu stehen: „Auf der
Bühne herrscht eine ganz andere und energetische Spannung. Vor der Kamera ist
alles eher modelliert, erfordert aber eine unglaubliche Präzision. Auf der
Bühne sieht man ein Augenzwinkern beispielsweise nicht.“ Doch die Shootings
haben ihr alle großen Spaß gemacht: „Ich kann nicht sagen, welches das schönste
Shooting war. Alle waren superspannend.“

Der nächste Act ist Poetryslammer Philipp Potthast,
der drei nachdenkliche und teils gesellschaftskritische Texte mitgebracht hat,
mit denen er das Publikum zum Lachen bringt. Dazu gehört ein Text, den er in
seiner Zeit in Holland geschrieben hat, als ihn die Sehnsucht nach den bunten
U-Bahnhöfen oder den „besoffenen Australiern“ gepackt hat und so viele
Weißwürste zutzeln wolte, bis er weiß-blau anläuft. Denn das wäre Heimatliebe.
In einem weiteren Text geht es um seine Missgunst gegenüber Witzen, die schon
sehr alt sind wie der vom bekannten BWL-Studenten namens Justus Aurelius,
Merkels Mundwinkeln oder „i bims“. Seiner Meinung nach sollte Humor auch dazu
da sein, kritische Themen anzusprechen und auch „den Finger in die Wunde zu
legen“, ohne dabei frauenfeindlich oder rassistisch zu sein. Der Rat, den er
dem Publikum bezüglich Witzen gibt, die die Halbwertszeit überschritten haben,
lautet: „Bitte lacht darüber nicht“ und bringt damit das Publikum zum Lachen.

Bevor der letzte Farbenladensamstag endet, spielt
Paul Kowol mit seiner Gitarre und singt über die Liebe, bevor er schnellere
Lieder spielt: „nicht dass ihr denkt, ich mach nur Schmuselieder“. Das Publikum
klatscht und die Stimmung ist ausgelassen, als er das dazu auffordert, die
Hände hochzunehmen.

Text: Serafina Ferizaj

Fotos: Serafina Ferizaj

Indie, Rock und andere Naturgewalten

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„Ni Sala“ ist Band des Jahres. Der große Gewinner ist aber München – weil es so eine spannende Musikszene gibt.

Die Haare kleben nass an der Stirn und das Gesicht ist schweißbedeckt. Die Augen sind geschlossen, das Gesicht ist verzerrt. Robert Salagean, Sänger von Ni Sala, ist ganz in der Musik versunken. Das Publikum im Bahnwärter Thiel tanzt, springt und bewegt sich zu den rockigen Klängen von Ni Sala, die gerade den Titel „Band des Jahres“ der Junge-Leute-Seite der SZ gewonnen haben. „Wir haben gar nicht damit gerechnet“, sagt Robert, „aber wir sind sehr stolz auf uns, weil Band des Jahres ein echt cooles Ding ist!“

Die Discokugeln, die von der Containerdecke hängen, drehen sich im Scheinwerferlicht und werfen kleine, weiße Punkte an die Wand. Es sieht aus wie in einer Galaxie. Im roten Kleid schwebt Martina Haider, Sängerin von Chaem, barfüßig auf die Bühne. Passend zu den Sternen an der Wand ertönen sphärische Klänge. Zu elektronischen Beats bewegt sich Martina wie in Trance hin und her. Nach ein paar ruhigen, melancholischen Nummern, stimmt Chaem den dynamischen Song „Carousel“ an und auch das Publikum erwacht.

Und mit Schwung geht es weiter. Wie Moderatorin Kathi Hartinger ankündigt, kommt „eine Naturgewalt“ auf die Bühne: Swango. Skill-Gott Heron begleitet den Gesang mit einer Stepptanzperformance auf dem Parkett, dazwischen klatscht er in die Hände. Sobald Moco Mariachi mit seiner Akustikgitarre und Manekin Peace mit dem Rap einsetzen, werden die ersten Handys gezückt, um den außergewöhnlichen Hip-Hop-Style festzuhalten. „Habt ihr ein Wort für uns?“, ruft Manekin in die Menge. „Wir machen einen Beat draus!“ Die Fans rufen: „Bahnwärter Thiel“ und „Waschmaschine“. „Es ist washmachine triangle geworden!“, ruft der Rapper, während Skill-Gott Heron einen Waschmaschinenbeat steppt. Nach dem Auftritt sind die Zugabe-Rufe so laut, dass Swango sich locker einen „Freestyle-Shit“ aus dem Ärmel schüttelt.

Währenddessen muss der U-Bahn-Waggon hinter dem Container erst noch warmlaufen. Den Auftakt macht Liedermacher Alex Döring, der mit seinem „Tiefkühltruhen-Lied“ im noch etwas kühlen Bahnwärter-Waggon eine sehr gute Stimmung vorlegt. Wie es sich für eine Münchner U-Bahn gehört, sind alle Sitzplätze belegt, Zuschauer stehen im Gang – wie zur Rushhour. Spätestens beim vorletzten Act sind auch die Fenster des Bahnwärter-Waggons beschlagen, und innen herrscht eine wohlige Wärme. Zu guter Letzt zelebriert der Kabarettist Julian Wittmann in seiner Bier-Hymne alle möglichen Biermarken in einem Song.

Zurück im Bahnwärter: Auf der kleinen Bühne schlingt Elisa Giulia Teschner gerade Lichterketten um das Mikrofon und Schlagzeug. Es entsteht eine romantische, heimelige Stimmung, die zu den sphärischen Feenklängen von Eliza passt. Besonders als Elisa zusammen mit ihrem Gitarristen Wolfgang Stefani von der Bühne direkt ins Publikum steigt. Ein „Pscht“ macht im Container die Runde. Man hört nur noch den Regen draußen und klirrende Geräusche von der Bar. Dann setzt leise die Stimme von Elisa ein, dazu Gitarrenklang – ohne Mikrofon und Verstärker. Gebannt lauschen die Zuschauer.

Unter den Zuschauern ist auch Maria Lang, 21, die die Veranstaltung auf Facebook entdeckt hat. „Ich besuche gerne Konzerte“, sagt sie. „Hier sind viele Bands auf einem Haufen. Da kann ich neue Eindrücke holen.“ So auch bei der nächsten Band, Beta. Es ist vernebelt, nur das glimmende Ende der Zigarette von Bassist Markus Sebastian Harbauer ist zu sehen. Kaum setzen die Instrumente und der Rap ein, kann keiner im Raum mehr still stehen. Körper bewegen sich hin und her, in der ersten Reihe singen Fans den Text mit. „Alle Hände mal HipHop-mäßig nach oben“, ruft Sebastian Grünwald und für die Fans gibt es kein Halten mehr. Die HipHop und Rap-Vibes sind im Container angekommen.

Auch wenn einige Fans traurig sind, dass Beta keine Zugabe spielt, freuen sich drei Mädchen in der ersten Reihe auf den nächsten Auftritt. Seit 2015 sind Daniela Wiegand, Vivian Donner und Isabel Staudenmaier Matija-Fans – leicht erkennbar an ihren weißen Matija-T-Shirts. „Die haben einen guten Style“, sagt Daniela, und Vivian ergänzt: „Wir mögen sie, weil sie nicht Mainstream sind, sondern ihr eigenes Ding machen.“ „Und sie sind live unglaublich gut“, erklärt Isabel. Das zeigt Matija auch. Sänger Matt Kovac singt eine einfache Melodie vor, die von Mal zu Mal komplizierter wird, und die Zuschauer machen es ihm nach. Das Lachen und Tanzen von Matt ist ansteckend – er reißt das Publikum mit. Die Feier steht im Mittelpunkt. Und die Münchner Musikszene.

Wie jede Band beim Verkünden ihres Votings erklärt, ist das Bewerten von Musik „echt bescheuert, weil man Musik nicht bewerten kann“. Das sagt Matt Kovac, Sänger von Matija. Und Martina Haider von Chaem findet, dass „in jeder Kategorie der gewinnen soll, der nominiert ist“. Am Ende heißt der Sieger Ni Sala – dem Sänger ist der Titel dann aber doch nicht zu wichtig. Er habe vor allem Lust gehabt, an diesem Abend auf der Bühne zu stehen. Mit seiner Band und den anderen Bands des Jahres.

Text: Lena Schnelle

Fotos: Robert Haas

Neuland: Wer wird Band des Jahres?

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Wer wissen will, wer sich mit dem Titel “Band des Jahres” schmücken darf, muss sich den 15. Februar rot im Kalender anstreichen. Neben den nominierten Bands treten auch Comedians und Kabarettisten auf.

Hip-Hop trifft auf Bluesrock. Indie-Pop auf Art- und Alternative-Pop. Das Line-Up der Veranstaltung „Wer wird Band des Jahres?“ ist vielfältig: Chaem, Eliza, Matija, Ni Sala, Swango und Beta. Diese Bands und vier weitere standen zur Wahl für die Band des Jahres der Junge-Leute-Seite der SZ. In einer ersten Runde konnten Facebook-User für ihre Lieblingsband abstimmen. In einer zweiten Runde haben die Bands ein Ranking erstellt, wobei sie nicht für sich stimmen durften. Diese beiden Votings wurden zu einem Gesamtvoting verrechnet. Am Ende des Abends wird die Band des Jahres gekürt. Für ein buntes Rahmenprogramm sorgen die Comedians Julian Beysel, Sebastian Ulrich und Michael Mauder, die Kabarettisten und Musiker Julian Wittmann und Peter Fischer, Poetry-Slammer Philipp Potthast und Liedermacher Alex Döring. Bis spät in die Nacht kann zu House- und Funk-Klängen von DJ Alex Blum getanzt werden.

Wer wird Band des Jahres? Donnerstag, 15. Februar, Bahnwärter Thiel, Tumblinger Straße 29, Beginn 19.30 Uhr, Eintritt fünf Euro.

Text: Lena Schnelle

Foto: Fabian Christ