Von Freitag bis Freitag München: Unterwegs mit Aylin

Von Freitag bis Freitag München: Unterwegs mit Aylin

Ein verlängertes Wochenende, ein Brückentag, ein Fenstertag… Wie man es auch nennen mag, am Ende bedeuten die verschiedenen Ausdrücke auch nur das Gleiche: Endlich wieder eine dankbare Woche! Die besonders Schlauen haben dieses Geschenk des Himmels bereits seit Wochen im Visier und sich den Freitag freigenommen. So lässt es sich gleich noch entspannter in die nächsten 7 Tage voller Veranstaltungen starten.

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Augen auf

An der Kunstakademie hat sich eine „Polizeiklasse“ gebildet. Ihr Ziel ist, mit provokanten Aktionen eine Diskussion anzustoßen – und das neue Polizeiaufgabengesetz zu verhindern. 

Plötzlich sind da Kameras. Dort, wo in München Freiheit traditionell groß geschrieben wird: am Schwabinger Bach in Sichtweite des Monopteros, an dem Ort also, wo sich Freunde der Freikörperkultur auch gerne mal nackt präsentieren. Eine Metallstange ragt aus dem Bach, an ihr sind die Kameras befestigt und es sieht so aus, als würden sie die Leute beobachten. Es handelt sich um täuschend echte Attrappen, die nach ihrem Einsatz bei einem Werbedreh aus dem Müll gerettet wurden. Einige Spaziergänger bleiben stehen und starren irritiert auf den Eindringling. Was haben die Kameras hier zu suchen? Im vermeintlichen Kampf um seine Persönlichkeitsrechte wird einer der Nackten wenig später in das eiskalte Wasser waten und versuchen, die Stange umzuwerfen. „Damit haben wir genau das erreicht, was wir beabsichtigt hatten“, sagt ein Student, der an der Aktion beteiligt war.

Der 22-Jährige studiert Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und ist Mitglied der „Polizeiklasse“, die sich dort vor wenigen Wochen gegründet hat. Die Polizeiklasse ist ein Künstlerkollektiv. Es geht nicht um den einzelnen, sondern um die Sache – deswegen möchte auch keiner namentlich in den Vordergrund treten. An die 50 junge Menschen haben sich hierfür zusammengeschlossen: Studierende an der Akademie der Bildenden Künste München, freie Künstler, junge Menschen, die in München an der Hochschule für Philosophie studieren oder an der LMU: Politik, Soziologie, Ethnologie. Eine Definition, wer oder was die Polizeiklasse ist, ist weder möglich noch gewünscht. „Das würde uns einschränken. Wir betrachten die Klasse als Laboratorium“, sagt eine Studierende über das Projekt. Nur das Ziel ist klar: mit kreativen, provokanten und auch witzigen Aktionen einen öffentlichen Diskurs anstoßen.

Ist man einmal auf die Aktionen der Gruppe aufmerksam geworden, entdeckt man ihr Wirken an vielen Ecken der Stadt. Ihr Markenzeichen, ein weißes „Nein“ auf schwarzem Grund, klebt auf unzähligen Laternenpfählen und Club-Toiletten, schmückt Schuhe, T-Shirts und Plakate. Es ist die Antwort der Polizeiklasse auf ein Gesetz, das am 15. Mai im Bayerischen Landtag verabschiedet werden soll. Das Polizeiaufgabengesetz (PAG), das die Befugnisse der Polizei ausweiten würde und von den Mitgliedern der Polizeiklasse als akute Bedrohung der gesellschaftlichen Freiheit wahrgenommen wird. „Das ‚Nein‘ drückt aber mehr aus als unsere Ablehnung gegenüber dem PAG. Es ist auch ein Versuch, sich einen Freiraum zum Denken zu verschaffen“, sagt ein junger Mann, der an der Hochschule für Philosophie studiert.

Der Ursprung der Polizeiklasse geht auf einen Vorfall Anfang April zurück. Damals versuchten ein paar Studierende der Akademie der Bildenden Künste ein Banner mit dem Schriftzug „Nein zum PAG – Damit die Polizei dein Freund bleibt“ im Akademiegarten in Richtung Leopoldstraße aufzuhängen. Eine spontane Aktion: „Wir wollten einfach mal schauen, wie die Reaktion ausfällt“, sagt ein Student, der damals vor Ort war. Die kam schneller und heftiger, als es sich die Beteiligten ausgemalt hatten. Noch bevor das Banner hing, war bereits die Polizei vor Ort. Im Laufe des Abends wurden zwei Studenten vorläufig festgenommen, durchsucht und befragt. Die Hochschulleitung, die auf ihr Gebot zur Neutralität verweist, ließ das Banner entfernen.

Unter den Studierenden entbrannte eine heftige Diskussion. Zum nächsten studentischen Konvent, der üblicherweise spärlich besucht ist, kamen mehr als 50 Leute. Der Diskussionsbedarf war so groß, dass man es nicht bei einem Treffen belassen wollte. Sie fragten bei der Hochschulleitung an und gaben an, eine „freie Klasse“ gründen zu wollen – der Vorstoß wurde genehmigt unter der Voraussetzung, dass eine Vereinnahmung der Akademie vermieden wird. So erzählen es zumindest einige aus der Polizeiklasse.

Ein Freitagabend Anfang Mai. Die Polizeiklasse hat zum „Open Orbit“ in die Akademie eingeladen. Die Teilnehmer treffen nach und nach ein, viele kommen direkt von einer Demonstration, die zuvor am Siegestor stattgefunden hat. Als vorübergehendes Klassenzimmer hat die Gruppe den Koloss-Saal zur Verfügung gestellt bekommen. Der Raum befindet sich in einem der Altbauflügel der Akademie und ist mit gut 15 Metern Höhe gigantisch. Die Wände sind mit Ankündigungen, Mindmaps und Bannern versehen. Auf einem Heizungskörper türmen sich T-Shirts, auf die noch die Aufschrift „Nein“ gedruckt werden muss. In einer provisorischen Küche, bestehend aus einer mobilen Kochplatte und einem kleinen Kühlschrank, wird gemeinsam gekocht.

Der „Open Orbit“ basiert auf der „Open Space Technology“, eine in den Achtzigerjahren entwickelte Diskussionsmethode. Das Prinzip ist einfach: Zunächst treffen sich alle in einem großen Kreis und besprechen den aktuellen Stand der Dinge. Dann werden Themenvorschläge gemacht, zu denen jeweils kleine Untergruppen gebildet werden können. In diesen kleineren Gruppen werden die konkreten Projekte umgesetzt. Welchen Untergruppen man sich anschließen möchte, steht den Teilnehmern absolut frei.

Zweimal in der Woche trifft sich die Polizeiklasse zum Open Orbit. An diesem Freitagabend sind ungefähr 60 Leute erschienen, durch die Demonstration sind viele Neuankömmlinge dabei. Auf ihrer Website beschreibt sich die Polizeiklasse als „interdisziplinäres und gesellschaftsübergreifendes Projekt“, sie öffnet sich also auch Menschen, die nicht an der Akademie studieren. Einer, der neu dazugekommen ist, hat gleich einen Vorschlag: zusätzlich zum Aufstellen der Kamera-Attrappen könnte man existierende Überwachungsanlagen zerstören. „Das würde tatsächlich was bringen und wäre nicht nur so ne Kunstaktion“, sagt er. Was folgt, ist eine hitzige Debatte über Ziele und Methoden der Polizeiklasse. Nach einigen Argumenten verlässt der Initiator der Diskussion frustriert den Raum. „Wir wissen einfach, wie schnell man mit solchen Aktionen in eine bestimmte Schublade gesteckt wird. Wir wollen unsere Möglichkeiten erweitern. Mit Gewalt erreicht man das genaue Gegenteil“, sagt eine Studentin, die seit den Anfängen dabei ist. Der Wunsch nach maximaler Offenheit und die gleichzeitige Notwendigkeit, gemeinsame Ziele zu formulieren, ist ein Konflikt, der im Open Orbit immer wieder neu ausgetragen werden muss. 

Das klappt erstaunlich gut. Die meiste Zeit verläuft die Diskussion fokussiert und freundlich. „Vielleicht klingt das zynisch, aber irgendwie bin ich fast dankbar für das PAG“, sagt eine junge Künstlerin. „Dieses absurde Gesetz ist wie eine Plattform, von der aus wir gemeinsam starten konnten.“ Und tatsächlich spürt man die Energie, mit der sich die Mitglieder der Klasse in die Projekte stürzen. „Endlich passiert etwas und endlich kann ich mich einbringen“, sagt einer der Studenten. Und nach der Abstimmung im Landtag? Wie geht es weiter mit der Polizeiklasse? „Es war von Anfang an unsere Absicht, uns nicht nur auf das PAG zu beschränken.“ Die Polizeiklasse legt gerade erst los.

Text: Wolfgang Westermeier

Fotos: www.polizeiklasse.org

Von Freitag bis Freitag München: Unterwegs mit Anastasia

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Egal ob Regen oder Sonnenschein, unsere Autorin hat für jede Wetterlage etwas geplant. Eine Diskussion zum PAG im Lovelace, die Artmuc-Kunstmesse oder der Substanz Poetry-Slam – die Auswahl an tollen Events ist auch in dieser Woche wieder so groß, dass die Entscheidung schwer fällt.

Ach, München! Ich bin sehr verliebt in dich und heute ganz besonders. Nachdem gestern einige Tausend Menschen auf die Straße gingen, um mit Plakaten, Musik und ganz viel bunter Farbe zu zeigen, was die Münchner von dem neuen PAG halten, bin ich so stolz wie noch nie, ein Teil dieser Stadt zu sein. 

Top motiviert starte ich also an diesem Freitag in mein München-Wochenende. Heute geht’s zur Artmuc. Gezeigt werden Bilder von mehr als 150 Künstlern und aus 25 Galerien aus ganz Europa. Das Ganze findet im Isarforum und auf der Praterinsel statt. Ich hoffe auf ein wenig Sonnenschein. Die vielen Wolken wirken doch recht düster und drücken die Stimmung. Dennoch weiß ich mir zu helfen: “Mit Vergnügen” lädt erneut zum Tanzvergnügen ein. Der Name ist Programm. Im Strom wird zu Beats von VELI x VIWO und André Dancekowski getanzt. Das taugt!

Auch der Samstag wird musikalisch. Heute steht allerdings Hip-Hop auf dem Programm. Im Container Collective freue ich mich auf Künstler wie Jason Saint, Madox oder Malcolm R. Unter dem Veranstaltungstitel Poetry & Hip-Hop werden Spoken Word Artists und Hip-Hop Artists, wie Mc’s, Beatboxer und Djs zusammengebracht, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

Ich bin auf den Geschmack gekommen. Dabei sind Poesie und Reim eigentlich nicht meine Stärken. Nachdem ich also zuerst Rappern neidisch lauschen durfte, sitze ich am Sonntag im Publikum des Substanz Poetry-Slams. Künstler aus ganz Deutschland sind dabei. Nicht zu vergessen der amtierende Stadtmeister Yannik Sellmann.

Zum Wochenstart kommt noch einmal die ganze PAG-Sache auf. Im Lovelace wird zum Thema „Sicherheit vs. Freiheit? Was steckt hinter dem PAG?“ diskutiert. Für mich gilt: Nach der Demo ist vor der Demo. Es muss weiter gesprochen werden. Ich höre mir also an, was Markus Löffelmann vom Landgericht München, Bijan Moini von der Gesellschaft für Freiheitsrechte und Carmen Wegge von den Jusos dazu zu sagen haben.

Dienstag ist Unitag. Vorlesungen von acht bis acht, da bleibt nicht viel Zeit für ein großes Programm. Mittags verbringe ich die Freistunden dafür verrmutlich am Eisbach oder im Englischen Garten. Im Grünen ist das viele Texte-Lesen gar nicht mal so schlimm. 

Dafür geht’s am Mittwoch wieder mehr zur Sache. Im Feierwerk treten junge Musiker beim „Sprungbrett“ gegeneinander an. Hierbei handelt es sich um ein Förderprogramm für junge Bands der Stadt. Bei einer der beiden Hauptrunden unterhalten heute Embrace The Emperor, LORIIA und Endlich Rudern das Publikum mit Musik aus unterschiedlichen Genres. Selbstverständlich drücke ich meinen Favoriten die Daumen.

Donnerstag ist bekanntlich der kleine Freitag – und das bekomme ich heute sowas von zu spüren. Ich habe die Qual der Wahl zwischen gleich drei Events. Plan A: Im Amper ist heute Munich Rocks. Es spielen Amanda Marie, Muddy What? und BETA. Dazu noch Musikkaberett von Alex Döring. Plan B: Zeitgleich findet in der Kunsthalle das Event »Re-Act!«- Harry Klein goes Kunsthalle statt. Kunst und Electronica, klingt auch gut! Plan C: Ich nehme die Fahrt nach Garching auf mich und checke die Konkurrenz aus. Die TU lädt zur Unity ein!

Freitag, na endlich! Abends bleibe ich an der Uni. Oder zumindest so ähnlich. Im Kulturreferat StuVe LMU München findet erneut eine Kreative Hausparty statt. Glitzer, Musik, Farbe und Bier – die beste Kombination für einen gelungenen Start ins Wochenende!

Text: Anastasia Trenkler

Foto: privat

Band der Woche: DEMO

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Eduard Demaceks Soloprojekt nennt er selbstbewusst DEMO. Dahinter steckt detailreiche Präzisionsarbeit. Zusammen mit Gastmusikern wie Stefan Zinsbacher am Piano und der Sängerin Kathleen Arnal nun elf Songs für seine erstes Album “This is for you” aufgenommen – zu hören ist sie bislang nur online.

In prä-digitalen Zeiten haftete dem Demo im musikalischen Kontext etwas Mystisches an. Denn Demos waren die geheimen Aufnahmen von Bands, die vor den eigentlichen Album-Aufnahmen entstanden sind und in denen – oft in mieser Qualität – die vermeintliche Essenz eines Songs, die dieser in überproduzierter Form auf dem Album verloren hatte, spürbar war. Es gab regelrechte Serien von sogenannten Bootleg-CDs, auf denen diese Demos auf unergründlichen Wegen zusammengeklaubt worden waren. In Schatzsucher-Manier konnte man die dann in seltsamen Eigenpressungen auf Flohmärkten entdecken. Ob sie dann hörbar waren, war eine andere Frage. Doch der mystische Rahmen der Demos reizte auch die Künstler selbst. So gab es auch immer wieder offizielle Veröffentlichungen von Demo-Versionen. Als B-Seite zur Single des Songs. Oder auf großartigen Alben als Demo-Sammlungen, die in abgewracktem, dumpfem und wunderbar nahbarem Klang als künstlerische Rebellion gegen die Industrie daher kamen. Mit der Veröffentlichung von Musik im Internet sowie den deutlich besseren Home-Recording-Möglichkeiten verloren Demos ihre Mystik und ein wenig auch ihren Sinn.

Der Wahlmünchner Eduard Demacek begibt sich also in einen popkulturelles Sagenfeld des rebellierenden Understatements, wenn er sein Solo-Projekt Demo nennt. Doch so unfertig und skizzenhaft, wie der Name vermuten lässt, ist diese Musik überhaupt nicht. Vielmehr hat der gebürtige US-Amerikaner, der die Münchner Szene zuvor etwa ein Jahr lang mit seinem Kumpanen Alex Strazdins als Cisnes leuchten ließ, ein reifes Album geschrieben. Unter dem Namen „This is for you“ hat er es bisher ausschließlich im Internet veröffentlicht. Doch die Musik geht auf überraschende Weise weit über die Attitüde hinaus, mal kurz seine Skizzen im Internet hochzuladen und so zu tun, als sei die hingeworfene Produktionsweise etwas, auf das die Welt gewartet habe.

Eduards Musik ist völlig anders: Denn es steckt detailreiche Präzisionsarbeit darin. Hektische Beats, die an Animal Collective erinnern, treffen auf Eduards Gesang und Gitarrenspiel. Elf Songs sind es geworden, bei denen Gäste wie der Münchner Stefan Zinsbacher am Piano oder die US-amerikanische Sängerin Kathleen Arnal auftauchen. Da passt auch Eduards Erklärung für seinen ungewöhnlichen Bandnamen: Das sei sein Spitzname zu Highschool-Zeiten gewesen – und zwar, weil er beim Skateboard-Fahren die Tricks eben so ausgesprochen gut demonstriert hätte.

In München arbeitet Eduard mittlerweile als Zahntechniker. Und dass seine Musik so durchdacht und gereift klingt, könnte auch mit seinen Erfahrungen in den vergangenen Jahren zusammen hängen. Mit Alex Strazdins gründete er 2011 das Lo-Fi-Duo Fjords, das die beiden später in Cisnes umbenannten und mit dem sie mit Ukulele und Tropen-Beats seltsam verschrobenen und etwas dumpfen Dream-Pop schufen. Weil das ziemlich angesagt war zu der Zeit, machte Eduard dann mit dem Ende seiner Ausbildung erst einmal nur Musik, es schien ganz gut zu laufen. Doch als sein Bandkollege Alex schließlich nach Berlin zog, wurde es Eduard zu unstet. Er begann in seinem Job zu arbeiten und schrieb nebenbei an seinem Album. Über ein Jahr hinweg nahm er verschiedenen Spuren auf. Schließlich entstand Musik, die popmusikalische Trends kennt, aber verbindlicher und etwas ernster klingt als das, was er mit Cisnes gemacht hat. Die haben sich im übrigen auch nicht aufgelöst. „Cisnes ruhen nur gerade“, erklärt er. Und so lange kümmere er sich um Demo.  

Stil: Indie-Pop
Besetzung: Eduard Demacek (Produktion, Songwriting)
Aus: München
Seit: 2015
Internet: eddemo.bandcamp.com

Foto: Max Walker

Von: Rita Argauer

Von Freitag bis Freitag mit: Anna-Sophie

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Irgendwo zwischen Fernweh, Wut auf Typen, die glauben Vergewaltigung sei ein Kavaliersdelikt und dem Wunsch ab und zu mal offline zu gehen, bewegt sich Anna-Sophie diese Woche. Dazwischen ist aber noch viel Platz für ein paar Ausstellungen, das lang ersehnte Konzert der Band Daughter, basteln am eigenen Blog und ja, sogar noch für das Buch “Nirvana Baby” von Juri Steinburg.  Begleitet Anna-Sophie durch ihre Woche!

Dumme NPD-Propaganda, die steigende Zahl rechter AfD-Hetzer und die Ankündigung des Frauenaufreißer-Treffens von Pick-Up-Artist Roosh mit seiner Rate Culture haben bei mir in dieser Woche für ein vorherrschendes Gefühl gesorgt: Wut.

In den Freitag starte ich aber mit guter Laune. Am Abend steht die Vernissage „Solo para mi“ auf meinem Plan, die Vorfreude auf dieses Highlight versüßt mir die doch recht zähen Stunden vor dem rettenden Wochenende. Im Studio Lohmeyer zeigt der Fotograf Ersin Cilesiz Eindrücke von seinen Reisen durch Lateinamerika. Die Bilder von Ecuador, Kolumbien und den Galapagos Inseln zeigen ferne Kulturen in ihrer Vielschichtigkeit und gestatten Einblicke in sehr persönliche Begegnungen des Künstlers. „Solo para mi“ gibt mir Stoff zum Träumen nach fernen Ländern und mir (noch) unbekannten Menschen. Meine Wut, die in letzter Zeit mein stetiger Begleiter war, hat sich kurzzeitig verzogen.

Bei der Demo gegen Roosh V mache ich meinem Ärger am Samstag Luft. Inmitten der Menge Gleichgesinnter fühle ich mich zumindest nicht ganz so hilflos. Demonstrationen können kein Gedankengut ändern, aber sie setzen ein sichtbares Zeichen. Um mich abzureagieren und den Tag mit etwas Schönem zu beenden, geht es anschließend in die Kulturjurte. Hier gibt es ein gemütliches Lagerfeuer, abwechslungsreiche Musik und die zur Veranstaltung gleichnamige Ausstellung „2 Jahre urbane Freiräume leben.“ Touch the beat, Freunde!

Der Sonntag ist mein Ruhetag. Heute verkrieche ich mit Juri Steinburgs Buch „Das Nirvana Baby“ im Bett. Ich kränkle ein wenig und brauche eine Auszeit. Die ungehobelte, rebellische Novelle des Berliner Autors passt hervorragend zu meiner ungebrochenen Krawall-Stimmung. Das tiefgründige Buch bringt mich aber auch zum Nachdenken über Unangepasstheit, Konsum und Individualität.

Monday, Funday.  Einer meiner Lieblingstage. Voller Elan verfasse ich zwei Posts für meinen Blog, der bald online gehen soll. Die Worte fließen, macht Freude, wirklich. Währenddessen höre ich „Youth“ von Daughter in Dauerschleife. Eines meiner Herzenslieder. Abends wird dann ein kleiner Traum wahr: Daughter live im Münchner Technikum.

Reggae-Musik ist friedlich und facettenreich. Genau das richtige zum Dienstag im DIE.BASS.KAFÉ. Beim Marley Special wird der Film „Bob Marley -Rebel Music“ gezeigt. Die herzzerreißende  Geschichte des Reggae-Superstars berührt mich. Marley wurde durch seine kraftvolle aber stets friedliche Musik zum Sprachrohr der Bürger Jamaicas. In einer Zeit der internationalen Konflikte und Spannungen wählte er die Musik, um damit seine universelle Botschaft von Liebe und Frieden zu transportieren.

Am Mittwoch verschlägt es mich ins Kafe Kult. Zwei deutsche Bands treten auf: The Vagoos, eine Garage Surf Punk-Band und Mary Goes Wild aus München mit Garage Pop. Die lässigen Vibes sind genau das richtige, um die Gedanken treiben zu lassen, das Handy auszuschalten und im Jetzt, in der Offline-Welt zu leben.

Donnerstags lasse ich es ruhig angehen. Nach einem leckeren Vanille-Smoothie wird gebrainstormt für neue journalistische Projekte. Worte und Wissen sind schließlich meine Waffe gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Abends schaue ich bei Anna McCarthys  Ausstellungs-Opening „Drink cold, piss warm“ vorbei. Zeichnungen, Videos und Skulpturen werden hier gezeigt. Unter anderem von der Flüchtlingskrise während dem Oktoberfest, womit wir wieder bei den „Wutbürgern“ und „Gutmenschen“ wären.

„Say my Name“ – unter diesem Motto zeigt der Farbenladen bis zum 28. Februar Werke von Patrick Hartl. Der Künstler sprayte bereits mit 15 Jahren Grafitti, im Studium entdeckte er dann seine Liebe zur Kalligraphie. Zwei kontrastreiche Kunstformen, die viel gemeinsam haben und trotzdem nicht unterschiedlicher sein könnten. Geordnete Kalligraphie-Schrift versus Wild Style. Hartls Werke verbinden die alte Handwerkskunst mit dem erfrischend jungen Style der Straßen. Am Freitag sehe ich mir die gelungenen Symbiosen aus Kalligrafie und Grafittikunst selbst an und bin begeistert.

Von: Anna-Sophie Barbutev

Foto: Lisa Baumgartner