Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Sandra

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Kulinarik, Lesung, Musik – schön vielseitig geht unsere Autorin die kommende Woche an. So besucht sie das Münchner Kebab Festival, sieht mit High-Tech-Brillen bis in die Schweiz und freut sich auf das zweite Wochenende der “10 im Quadrat”-Ausstellung im Farbenladen.

„Das Private ist das
Politische“ – das Motto der Lesereihe im Einstein Kultur trifft momentan fast
jeden. Worüber sich dagegen kaum jemand Gedanken macht, ist das Finale des
Eurovision Songcontests, das am Samstag in Kiew stattfindet. Eine
innereuropäische Angelegenheit ist das aber trotzdem, weshalb an diesem Freitag
die ukrainische Schriftstellerin Tania Maljarchuk aus ihrem Werk »Von Hasen und
anderen Europäern« liest und anschließend mit Mara-Daria Cojocaru aus München
über ihre Erzählungen diskutiert, die sich stets zwischen Zuneigung zu Europa
und Zwangsliebe zu Russland befinden.

Welcher Tag eignet sich besser zum Shoppen als der Samstag?
Doch wer sich durch die Massen zwischen Stachus und Marienplatz drängt, braucht
danach wohl ein Retreat – und das nicht nur für den Geldbeutel. Sehr viel
gemütlicher und interessanter ist da doch der Munich Brand Market im
Filmcasino. Mit gutem Essen und Musik kann man sich den Tag schon von 10 Uhr an versüßen,
besondere Schnäppchen sind von Adidas bis Yves Saint Laurent zu ergattern.

Am Abend geht es dann in den Farbenladen, wo man nicht nur
die Junge-Leute-Ausstellung Zehn im Quadrat besuchen kann, sondern auch das
Konzert mit den Singer-Songwritern Nikolaus Wolf und Paul Kowol. Und selbst
danach ist noch nicht Schluss! Lauschen darf man außerdem den Münchner
Nachwuchsdichtern Rahmatullah Hayat, Alisha Gamisch und Johannes Lenz.

Am Sonntag stehen wir dann vor der üblichen Frage: Was tun,
wenn der Kühlschrank leer ist? Wie gut, dass gerade heute das Kebab Festival im
089 stattfindet. Alternativen zum gewöhnlichen Kebab findet man hier genügend
zwischen türkischen, iranischen und arabischen Ständen.

Über Alternativen zur Münchner Hochkultur wird an diesem
Abend ebenfalls im Farbenladen diskutiert. Die SZ-Junge-Leute-Seite macht eine
Bestandsaufnahme mit  Bloggern von Blog
in Orange, Mit Vergnügen München, MunichMag, Untypisch München, T u n e a r t
und TunefulBlog.

Nach diesem verregneten Wochenende empfangen wir am Montag die neue
Woche dann mit offenen Armen, der erste coole Act steht auch schon bereit: die
Jamsession im Technikum. Die Hip-Hopper von EINSHOCH6 stehen gemeinsam mit den
Münchner Symphonikern auf der Bühne und präsentieren sowohl Lieder aus dem
Album „Die Stadt springt“ als auch neue Werke.

„Keine Woche ohne das Lost Weekend“, würde der Hipster jetzt
sagen, deshalb schaue auch ich am Dienstag dort vorbei. Zur siebten Folge der „Lagebesprechung“
sind die Professoren Dominik Finkelde SJ von der Hochschule für Philosophie und
Clemens Pornschlegel von der LMU eingeladen, die darüber diskutieren, ob
Kolonialismus ein Ende finden kann. Berichte werden zuvor von Hans Christoph
Buch aus seinem Werk „Kolonialismus und kein Ende" gelesen.

Mitte der Woche brauche ich dann ein wenig Bewegung. Mit
einem guten Zweck verbinden kann ich das beim Ride of Silence, der getöteten
Fahrradfahrern im Straßenverkehr gedenkt. Damit soll mehr Sicherheit für Radfahrer
gefordert werden. Start ist im Petuelpark, die Teilnehmer sollen möglichst in
weiß gekleidet und schweigend radeln.

Im Café Blá findet am Donnerstag eine Lesung mit der
Münchnerin Nina Sahm statt. In ihrem Roman „Das ganze Leben da draußen“ erzählt
sie von zwei jungen Frauen in Island, die als Außenseiterinnen der Realität
entfliehen und eine Reise beginnen.

Für eine Reise sollte man gut ausgerüstet sein. Was ist also
besser als am Freitag bei Globetrotter vorbeizuschauen, um VR-Brillen zu
testen, mit denen man die Schweiz mit allen Sinnen erleben kann? Passenderweise
geht es abends dann auch direkt zum Flughafen, wo ein Jubiläumskonzert unter
anderem mit Xavier Darcy und den Kytes stattfinden wird.

Text: Sandra Will

Foto: Privat

Band der Woche: Xavier Darcy

Xavier Darcy, der Frontmann der Retro-Hardrockband “The Charles” Startet nun mit seinem Soloprojekt durch. In seinem Debüt-Album geht es ums Erwachsenwerden, angelehnt an den Jugendlichen Spirit der Achziger. 

Den Torso vergrößerte man mit Schulterpolstern, den Kopf mit einer Dauerwelle und die Brust mit Push-up-BHs. Es ist interessant, dass es diese Insignien eines originalen Achtzigerjahre-Looks noch nicht wieder in die Mode zurück geschafft haben. Und dass, wo doch die Achtziger schon seit geraumer Zeit wieder schwer angesagt sind. Doch ein genauerer Blick auf diesen derzeitigen ästhetischen Rückgriff zeigt, dass es dieses Jahrzehnt eigentlich nur in homöopathischen Dosen in die Gegenwart geschafft hat. Da es in der damaligen Pop-Ästhetik aber sowieso übergroß zuging, sind selbst die kleinen Zitate, die so viele der heutigen Neuerscheinungen prägen, eindeutig. So reichen etwa musikalisch ein verträumter Synthesizer und ein Drumcomputer aus, vor allem, wenn die dazugehörigen Musiker Leggins und vielleicht noch aufgeknöpfte Hemden samt Brusthaaren tragen, um eine Band als adäquate Retro-Band wahrzunehmen. 

Doch die Großspurigkeit dieses Jahrzehnts kommt gegen die heute dominante Ironie, das Credo des guten Geschmacks und gegen das Understatement nicht an. Außer bei Xavier Darcy. Der britische Wahlmünchner ist in der Szene kein Unbekannter. Seit ein paar Jahren geisterte er als Darcy mit seiner Akustik-Gitarre herum und sang Lieder, die viel zu viel Energie hatten, um alleine von einer Akustik-Gitarre getragen zu werden. Neben einem Ausflug als Frontsänger der Retro-Hardrockband The Charles präsentiert er nun sein erstes Solo-Album in voller Länge. Und das energetische Pensum seines überbordenden Mitteilungsbedürfnisses findet hier sein Pendent in üppigen Arrangements. Eine solche Art der Ausinstrumentierung, der Vollendungen eines jeden musikalischen Gedankens und dem Übereinanderstülpen so vieler verschiedener Stimmen hört man sonst nur in Originalen. Während des Kompositionsprozesses hat Xavier jedoch viele Platten aus den Achtzigerjahren gehört, solche Dinge wie Michael Jackson, David Bowie oder die Talking Heads. „Damals haben sich die Künstler bei ihren Arrangements nicht zurückgehalten“, erklärt er, für sein Album habe er nun genau dasselbe gemacht, es sei ihm darum gegangen „keine Angst vor großem hymnischen Stadion-Pop“ zu haben.

Im Prinzip hat Xavier also seinem Songwriter-Ich die Schulterpolster übergeworfen und hüpft nun im Video zur ersten Single „Big City Dreams“ über die Bühne wie ein Star aus einem 30 Jahre alten Highschool-Film. Doch Xavier, der sich als Songwriter schlicht Darcy nannte, nun aber unter seinem vollen eleganten französischen Namen Xavier Darcy auftritt, weil es so viele Künstler mit dem Namen Darcy bereits gab, hat mit diesem Album, das am Freitag, 24. Februar, erschienen ist, vieles richtig gemacht: Es ist ein Album, dass dem Hörer eine schlüssige, überzeugende und spannende Welt eröffnet. Eine Welt, die zwar etwas seltsam wirkt, weil solch stilistische Mittel wie Fade-Outs, die Mischung von Funk-Gitarren und Hard-Rock-Soli, Reggae-Rhythmen und Synthesizern oder das permanente melodische Stoffgeben heutzutage in Kombination so übergroß aufdringlich wirkt wie eine Dauerwelle samt einer ganzen Dose Haarspray. 

Thematisch bleibt Xavier jedoch konsequent seinem 21-jährigen Selbst treu und erzählt davon, was die Jugend interessiert und umtreibt; in den Achtzigerjahren genauso wie heute: Das erste Aufbrechen in die Welt der Erwachsenen, der erste Schritt ins Leben nach dem Schulabschluss, den man für gewöhnlich ohne elterliche Obhut bestreitet. Oder um es mit Xaviers Songtexten zu sagen: „We grow up and then what?“, fragt er in dem Song, der so euphorisch klingt wie The Cure auf „The Head in the Door“ und mit dem Titel „Burn the Suburbs down“ als kämpferisches Generationsporträt gelesen werden kann. Die Antwort auf diese „Was folgt“-Frage setzt er dann übrigens genauso keck wie schmissig dazu: „You lost your mind and your virginity“, man verliert also das Hirn und die Unschuld. Live ist er am Dienstag, 28. Februar, beim Spiel des FC Bayern Basketball im Audi-Dome, und am Samstag, 25. März, zum Release-Konzert im Münchner Ampere zu hören. 

Stil: Pop
Besetzung: Xavier Darcy (Songrwriting, Gesang, Gitarre), Gastmusiker
Aus: München
Seit: 2011
Internet: facebook.com/xavierdarcy


Text: Rita Argauer

Foto: Lisa Lankes

„Giesing – Oida“

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Standortfaktor Pop: Ist München jetzt wirklich so uncool, dass man als Band keine Chance hat? Läuft alles prima? Oder muss die Stadt weit mehr fördern als bisher? Wir haben bei Musikern nachgefragt.

Von Sandra Will

Die Kytes werden gerade nach dem Release ihres Debüt-Albums bei ihrer Tour in ganz Deutschland gefeiert. Dass die jungen Musiker eigentlich in Giesing proben, wissen wohl die wenigsten Menschen im Berliner oder Hamburger Publikum – und es interessiert auch keinen. Die Kytes sind nicht die einzigen Münchner Musiker, die derzeit in der ganzen Republik gelobt werden. Trotzdem verstummen die Stimmen nicht, die über das Imageproblem Münchens klagen. Klar ist: Die Landeshauptstadt sieht sich als Kulturstadt, dazu gehört das Oktoberfest genauso zum Repertoire wie die Staatsoper. Doch welchen Platz nehmen junge Musiker ein, die den Sound von München ausmachen? Und wie sehen die Bands selbst ihre Musikstadt? Was macht ihnen Sorgen?

„Wir mieten nun ein Studio eine Autostunde außerhalb von München. Wir
kennen auch viele andere Musiker, die mit dem gleichen Problem zu
kämpfen haben“ – Claire
(Hier zum Fragebogen)

Probleme gibt es vor allem abseits des Scheinwerferlichts. Die Band Claire berichtet über ihre lange Suche nach einem geeigneten Proberaum, es sei wahnsinnig schwierig, etwas Bezahlbares in München zu finden. „Wir mieten nun ein Studio eine Autostunde außerhalb von München. Wir kennen auch viele andere Musiker, die mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben“, sagen die Musiker der Band Claire. Auch Dionys Rieder von der Band Die Sauna ist der Meinung, es könne schon möglich sein, dass dieser Mangel der Grund für eine Nichtgründung sei. „Das macht es schwierig, den Ansprüchen einer Band gerecht zu werden und sie aufrechtzuerhalten“, sagt auch Singer-Songwriterin Clea Charlotte. (Hier zum Fragebogen)

„Schließlich will ein guter Musiker auch seinen Sound. Und dazu braucht
er im Normalfall auch sein Equipment, das man nur ungern in geteilten
Proberäumen rumstehen lässt. Dafür dann 400 Euro zu zahlen ist schon
fast unverschämt.“

– Black Submarines (Hier zum Fragebogen)

Richy Strobl von Black Submarines sieht das ähnlich, die Möglichkeit, sich einen Raum zu teilen und damit die Miete zu verringern, ist jedoch nicht immer ein Kompromiss: „Schließlich will ein guter Musiker auch seinen Sound. Und dazu braucht er im Normalfall auch sein Equipment, das man nur ungern in geteilten Proberäumen rumstehen lässt. Dafür dann 400 Euro zu zahlen ist schon fast unverschämt.“ Ralph Würschinger von Naked Feen (Hier zum Fragebogen) sagt dazu nur: „Die meisten Deals sind scheiße.“ Wenn auch nicht die Masse an Gleichgesinnten wie in Berlin zu finden ist – wer eine Band gründen will, der schafft das auch in München. Und findet dort leicht in die Szene – das Vernetzen mit anderen Bands klappt gut.

„Der Markt ist noch nicht so übersättigt wie etwa in Berlin, wo für kleinere Künstler kaum Gagen zu erzielen sind“

– Stray Colors (Hier zum Fragebogen)

Sharyhan Osman von der Synthie-Pop-Band Kleyo glaubt, man wisse sehr schnell, wer sich sonst noch in der Szene bewegt. Dadurch greifen sich die Musiker gegenseitig mehr unter die Arme. Das Bild, dass Münchens Szene sehr familiär sei, stimmt also. Doch auch das hat einen Pluspunkt: „Der Markt ist noch nicht so übersättigt wie etwa in Berlin, wo für kleinere Künstler kaum Gagen zu erzielen sind“, sagt Rüdiger Sinn von der Band Stray Colors. Und auch Clea Charlotte sieht darin eine noch größere Chance aufzufallen. Auf der anderen Seite: „Die Münchner Musikszene ist teilweise zu eigenbrötlerisch“, sagt Isabella Mola von der nach ihr benannten Band Mola. „Da macht jeder so sein Ding. Mehr Miteinander würde ich feiern.“
(Hier zum Fragebogen)

Sharyhan Osman erwidert jedoch: „Konkurrenz ist auch ein Antrieb, besser zu werden und sich weiterzuentwickeln.“

„Niemand findet München aus nationaler oder sogar internationaler Sicht cool“

– Fatoni (Hier zum Fragebogen)

Es gibt zwar nicht genügend Auftrittsmöglichkeiten, um Münchens Musiker wirklich zufriedenzustellen, doch bei einer Sache sind sie sich einig: Die Musikszene lebt! Und diese ist im Gegensatz zur Stadt München weniger vorurteilsbehaftet, so die Erfahrungen der einheimischen Bands.

„Konkurrenz ist auch ein Antrieb, besser zu werden und sich weiterzuentwickeln.“

– Kleyo (Hier zum Fragebogen)

Natürlich: „Niemand findet München aus nationaler oder sogar internationaler Sicht cool“, sagt Anton Schneider alias Fatoni. „Aber als Band, die im weitesten Sinne Popkultur macht, braucht man dieses coole Image nun mal.“ Auch Sebastian Schnitzenbaumer von Schamoni Musik hat darüber geklagt, dass er seine Künstler wegen des schlechten Images der Stadt nicht vermarkten kann – und hat damit eine Pop-Debatte in München entfacht. Aber liegt das an München? Oder an der Zielgruppe?

“Es sind engstirnige Menschen, die auf das Laptop- und Lederhosen-Klischee hereinfallen” – Dobré (Hier zum Fragebogen)

„Oft ist das Problem ja nicht München, sondern es sind engstirnige Menschen, die auf das Laptop- und Lederhosen-Klischee hereinfallen. Leider gibt es in der Musikbranche wohl zu viele davon“, sagt Johannes Dobroschke von Dobré. Auch die Musiker von Claire kennen die Vorurteile. „Die Vorurteile, die gegen München vorgebracht werden, sind vielleicht am wenigsten mit dem Musiker- und kreativem Dasein zu vereinbaren. Deshalb freuen wir uns umso mehr zu zeigen, dass es nicht die Stadt ist, welche die Künstler prägt, sondern dass es die Künstler sind, die eine Stadt prägen.“

“Wie sollen sich denn Clubs und Konzertlocations
etablieren, wenn die ganze Stadt stillgelegt wird?” – LUX
(Hier zum Fragebogen)

Abhängig vom Genre kann es da durchaus mal ungemütlich für Musiker werden, wie auch Fatoni schon erfuhr: „Der Klassiker: Hip-Hop aus München? Das gibt es da überhaupt?“ Vorurteile gegenüber der Herkunft sind für Fabian Hertrich alias Young Fast Running Man aber nicht nur münchenbedingt: „Es gibt auch hier Vorurteile gegenüber anderen Städten. Für mich zählt die Qualität der Musik – nicht die Herkunft.“
(Hier zum Fragebogen)

Das sagt auch Singer-Songwriterin Julia Kautz: „Wenn man es mit seiner Musik in die große weite Welt schaffen will, dann spielt es überhaupt keine Rolle, woher man kommt.“ Negative Erfahrungen hat sie noch nicht gemacht, trotzdem fühlt sie sich als Münchnerin bei Songwriter-Sessions in Berlin als Exotin. „Aber ich hatte nie das Gefühl, dass meine Herkunft einen negativen Einfluss darauf hat, wie ich als Künstlerin wahrgenommen werde.“
(Hier zum Fragebogen)

„Das Radio wird überflutet von Klassik-Kanälen und Sendern, die rund um
die Uhr die gleichen Synthie-Pop- und Deutsch-Pop-Nummern spielen“

– Ni Sala (Hier zum Fragebogen)

Auf die Frage, wo man sich denn noch mehr Unterstützung erhofft, werden vor allem die Radiosender in die Verantwortung genommen. „Das Radio wird überflutet von Klassik-Kanälen und Sendern, die rund um die Uhr die gleichen Synthie-Pop- und Deutsch-Pop-Nummern spielen“, sagt Robert Salagean von Ni Sala. Die Stadt unterstütze klassische Musiker, alternative Musikrichtungen blieben da oftmals auf der Strecke. Am wichtigsten empfinden viele jedoch mehr bezahlbaren Proberaum und Beratung wie von der Fachstelle Pop.

Fatoni hingegen klagt: „Es gibt kaum Orte, an denen kreative Prozesse ermöglicht werden, vor allem nicht, wenn diese erst einmal keine kommerziellen Ziele haben.“ Xavier D’Arcy alias Darcy hat hierzu eine andere Meinung: „Die Stadt unterstützt Musiker und Bands durch die Fachstelle Pop mit Workshops, Förderungen und Auftrittsmöglichkeiten.“
(Hier zum Fragebogen)

Durch die bayernweiten Förderprogramme gibt es für ihn genügend Unterstützung.

„Es ist definitiv nicht leicht, über den Münchenrand hinwegzukommen“

– Die Sauna (Hier zum Fragebogen)

„Es ist definitiv nicht leicht, über den Münchenrand hinwegzukommen“, sagt Dionys Rieder von der Band Die Sauna. Aufmerksamkeit zieht man vor allem mit nationalen Festivals auf sich, als bestes Beispiel dient dazu das Reeperbahn-Festival in Hamburg – vielleicht kann ja die „Manic Street Parade“ dieses Interesse dauerhaft nach München bringen. Gerade solche Veranstaltungsreihen würden die Lücke schließen zwischen den kleinen Open Stages und den großen Hallen wie im Muffatwerk. „Es fehlt etwas, um die Lücke zwischen Schülerbands und Top-Acts zu schließen. Etwas für Leute, die mehr als nur Hobby-Musiker sein wollen, aber nicht über die finanziellen Mittel und die sozialen Kontakte verfügen, um gleich weiter oben anzufangen“, sagt Richie Strobl von Black Submarines. Doch es gebe auch gute Institutionen wie die Glockenbachwerkstatt, wo man talentierte Bands finde, sagt Aron Foltin von der Band Lyndenstraße.

“Es gibt gute Institutionen in München wie die
Glockenbachwerkstatt” – Lyndenstraße
(Hier zum Fragebogen)

Die meisten Musiker fühlen sich ihrer Heimatstadt sehr nahe und würden es nicht leugnen, aus dieser Stadt zu kommen. Trotzdem zeigt sich, dass es manchmal eben besser sei, den Standort erst einmal unerwähnt zu lassen, sagt Rüdiger Sinn von Stray Colors. Auch Ralph Würschinger von Naked Feen würde bei einem neuen musikalischen Projekt München nicht als Heimatstadt angeben. Doch es geht auch selbstbewusster: Genauso wie die Mitglieder der Kytes schwören auch die Musiker von Black Submarines auf ihre Homebase: „Giesing – Oida!“

Foto: Käthe deKoe

Geträumt und Getanzt

Am Dienstag haben wir die Release-Party von Darcys neuer EP angekündigt. Wir waren für euch dort und haben Stimmungen eingefangen: träumender, tanzender, total begeisterter Carl-Orff-Saal ist das Resümee.

Darcy ist, wenn nach zwei Liedern alle nachdenken. Wenn nach drei Liedern alle träumen. Und nach vier Liedern alle nur noch tanzen. So auch am Freitagabend bei dem Release-Konzert für Darcys neue EP „Extended Play II“. Begleitet von seiner Band spielte er – mit der ihm eigenen Intensität – einen gelungenen Mix aus älteren und brandneuen Songs
Es passiert nicht oft, dass ein 20-jähriger Musiker Zuhörer aller Altersklassen für sich einnehmen kann. Und doch bestand das Publikum im Carl-Orff-Saal im Gasteig bei weitem nicht nur aus tanzenden Teenagern. Da das Konzert im Programm des DigitalAnalog-Festivals lief, waren auch Zuhörer anwesend, die wohl auch den jungen Bob Dylan schon live erlebt hatten, als dieser bestenfalls in Darcys Alter war. Am Ende des gefühlt zu kurzen Auftritts hatte der junge Singer/Songwriter nicht nur einen auf den ersten Blick recht spießigen Konzertsaal zum Tanzen gebracht, sondern auch den ein oder anderen neuen Fan gewonnen. Denn Darcy ist auch, wenn man noch stundenlang zuhören könnte.

Text: Katharina Hartinger, Mitarbeit: Philipp Kreiter

Fotos: Katharina Hartinger

Neuland

Passend zum Digital-Analog-Festival an diesem Wochenende ein weiterer Begriff aus einer fast vergangenen Zeit: Plattenladen. Um den analogen Musikbetrieb zu stärken, gibt es eine Plattenladenwoche. Darcy macht mit.

Darcy, so nennt sich Xavier D’Arcy, der auch bei der Münchner Band The Charles singt, wenn er alleine auf der Bühne steht. Das tut er nun schon seit einiger Zeit, und seit diesem Jahr ist seine erste Solo-EP erhältlich. Darcy ist halb Brite, halb Franzose, seit acht Jahren lebt er in München – und für die Musik hat er sogar sein Studium in England aufgegeben. Nun steht bald die nächste Veröffentlichung an: Seine neue EP – schlicht „Extended Play II“ betitelt – wird der junge Singer-Songwriter exklusiv während der sogenannten Plattenladenwoche veröffentlichen. Dabei handelt es sich um eine Aktion, die sich zum Ziel gesetzt hat, den analogen Musikvertrieb zu stärken. Der Fokus liegt hierbei auf exklusiven Veröffentlichungen namhafter Musiker und vielversprechender Newcomer. Musikalisch entwickelt Darcy auf seiner zweiten CD konsequent seinen bisherigen Stil weiter, der vor allem von seiner charakteristischen Stimme lebt, wovon man sich bereit auf seiner neuen Single „Orleans“ überzeugen konnte. Die Liste der teilnehmenden Läden in ganz Deutschland lässt sich auf der Homepage der Plattenladenwoche einsehen.  Philipp Kreiter

Ein Abend mit: Darcy

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Darcy, so nennt sich

Xavier D’Arcy, der auch bei der Münchner Band The Charles singt, wenn er alleine singt. Das tut er nun schon seit einiger Zeit und seit diesem Jahr ist seine erstes Solo-EP erhältlich. Darcy ist halb Brite, halb Franzose, seit 8 Jahren lebt er in München und für die Musik hat er sogar sein Studium in England aufgegeben.

Der beste Ort zum
Vorglühen: 
Am liebsten gehe ich in die
Niederlassung im Glockenbachviertel, wenn ich es rechtzeitig zur Happy Hour
schaffe.

Danach geht’s ins/zu: In die Milla, wenn es eine
gute Club Nacht (oder gerne auch einen Jazz Jam) gibt, und am Samstag öfters
ins Cord.

Mit dabei sind immer… die Jungs von meiner Band
The Charles!

An der Bar bestelle ich am
liebsten: 
In der Niederlassung
natürlich G&T alias Gin Tonic, aber nur mit Gordons, alles andere ist mir
viel zu teuer. In der Milla Apfelstrudel, was höchstwahrscheinlich der
leckerste Cocktail aller Zeiten ist (Danke Marie!). Und Im Cord Mate mit einem
Schuss Wodka.

Betrunken philosophiere ich
über: 
Alles Mögliche. Fußball,
Liebe, Musik…

Der Song darf auf keinen
Fall fehlen: 
„Just Like A Woman“ von Bob
Dylan, auf meinem iPod auf dem Heimweg.

Mein Tanzstil in drei
Worten: 
Pretend nobody’s watching!

Der Anmachspruch zieht
immer: 
…I bet that you look good
on the dancefloor…

Meine dümmste Tat im Suff
war: 
Mich in Amsterdam um 4 Uhr
morgens zu verlaufen, in einem ziemlich schlechten Zustand. Gottseidank haben
meine Freunde mich gefunden.

Das beste Katerfrühstück
gibt`s bei… 
mir zuhause. Am liebsten
ein klassisches britisches „Fry-up“ mit Baked Beans, Scrambled Eggs, Sausages,
Hash Browns & Fried Tomatoes.

Diesem Club/dieser Bar
trauere ich nach: 
Die Rubybar in der Fraunhoferstraße.

Philipp Kreiter

Foto:

Nikolas Fabian Kammerer

Dichter und Querdenker

Marie Bruns. Foto: Anne Puhlmann

Vom Bierradl-Unternehmen bis zum Uni-Chor, vom Freestyle-Fußballer bis zum Party-Girl, vom Aktivisten bis zum Verleger-Duo: Diese jungen Menschen sorgen 2015 dafür, dass München bunt, spannend und lebenswert bleibt.

Luise Aschenbrenner
Schauspielerin

Sie ist zierlich, aber mit ihren langen roten Locken kaum zu übersehen: Schauspielerin Luise Aschenbrenner hat mit ihren gerade einmal 19 Jahren schon einige tolle Filme gemacht – so war sie 2014 zum Beispiel an der Seite von Birte Hanusrichter, Frontfrau der Young Chinese Dogs, in der ZDF-Produktion „Seitensprung“ zu sehen und hat in diversen Kurzfilmen mitgespielt. Seit April studiert Luise, die ursprünglich aus Altomünster bei Dachau stammt, Schauspiel an der Universität der Künste in Berlin. Nebenher dreht sie weiterhin Filme, so auch einen Thriller für die ARD.

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Luise Aschenbrenner. Foto: Stefan Klüter
 
Tristan Marquardt
Dichter

Lyriker Tristan Marquardt, 27, stellt im neuen Jahr wieder einmal unter Beweis, wie vielfältig die Münchner Literaturszene sein kann: Der Initiator der Lesereihe „meine drei lyrischen ichs“ geht 2015 als Mitorganisator des „großen Tags der jungen Münchner Literatur“ noch einen Schritt weiter – junge Münchner Autoren aller Sparten haben einen Abend lang Zeit, sich zu präsentieren. Bei diesem literarischen Marathon lesen unter anderem Juno Meinecke, Fabian Bross, Elias Wagner und Anya Steigerwald. Nebenher arbeitet Tristan an einem neuen Lyrikband.

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Tristan Marquardt. Foto: Katja Zimmermann

Abaco-Orchester
Uni-Musiker

Es war bloß so eine Idee, die jemand nach einem Auftritt aussprach. „Doch wir waren so begeistert, dass wir uns sofort an die Planung gemacht haben“, sagt Anna Leibinger. Nach mehr als zwei Jahren Vorbereitung wird das Abaco-Orchester am 28. Februar 2015 die 2. Symphonie von Gustav Mahler aufführen. Die Philharmonie ist der einzige Ort, an dem in München für dieses Stück Platz ist. Doch allein die Raummiete beträgt 13 000 Euro. Per Crowdfunding auf startnext (mahler2.de) sammelt das Universitätsorchester nun Geld. 9000 Euro sind bereits zusammengekommen. Bis zum 15. Januar freuen sich die 400 Musiker über jede Spende.

 
Elizaveta Porodina
Fotografin

„Ein gutes Foto – das geht auch ohne Sternenstaub“, beschreibt Elizaveta Porodina, 27, ihre fotografische Entwicklung. Zauberhaftes und Verspieltes musste ihren Bildern in den vergangenen zwei Jahren zunehmend weichen. Mittlerweile sieht sich die Fotografin, die zwar für große Magazine engagiert wird, immer mehr im Bereich der Kunst: mit Kanten und Schwarz-Weiß-Bildern. Die Münchnerin ist erwachsen geworden – und mit ihr die Fotografie. Für 2015 plant sie ihre erste große Ausstellung. Dafür reist sie zu Beginn des Jahres einige Wochen durch die Welt.

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Elizaveta Porodina. Foto: Elizaveta Porodina
 
Konrad Bauer und Korbi Schmaus
Unternehmer

Wen in Berlin, Köln oder Hamburg zu später Stunde der Bierdurst packt, der verlässt die Wohnung und deckt sich im Späti um die Ecke ein. Weil in München fast jeder Kiosk um 20 Uhr schließt, fahren Lieferdienste das Bier direkt zum Kunden. Mit dem Auto durch die Stadt? Das wollen Konrad Bauer, 23, und Korbi Schmaus, 26, vermeiden. Sie eröffnen 2015 ein Bierradl-Unternehmen. Das Bier kommt dann direkt aus der Stadt, ohne Umwege, ohne CO₂-Ausstoß. Bis zu acht Kästen können auf dem selbstgebauten Rad transportiert werden. Die erste Party an der Isar wurde im vergangenen Sommer schon auf diese Weise beliefert – das Konzept geht auf. Im Frühjahr soll Rad Nummer zwei folgen.
 
Alice M. Huynh
Modedesignerin

Designerin und Bloggerin Alice M. Huynh, 24, startet mit dem Abschluss an der Modeschule AMD ins neue Jahr. Im Februar wird sie ihre Bachelor-Kollektion „Fresh off the Boat“, eine Interpretation der Flüchtlingsgeschichte ihrer vietnamesischen Mama und ihres chinesischen Papas, präsentieren und im Internet zum Kauf anbieten. Um Ideen für kommende Werke zu sammeln, treibt es die 24-Jährige zunächst selbst nach Asien. „Inspiration findet man nicht auf dem Laufsteg, sondern auf der Straße“, sagt Alice. Von ihren (modischen) Erlebnissen wird sie auf ihrem Blog und einem frisch gestarteten Youtube-Kanal „Bun Bao“ berichten.

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Alice M. Huynh. Foto: The Alpha Kiks

Sven Fielitz
Freestyle-Fußballer

Seit Sven Fielitz in München studiert, sind die U-Bahn-Stationen zu seinem Trainingsplatz geworden: „Es ist warm, trocken und hell. Vor allem im Winter ist das ein perfekter Platz zum Trainieren“, sagt er. Freestyle ist eine Form des Fußballs, die Kreativität, Style und Performance verbindet. Wie ein Tänzer kreiert der Sportler eine Kombination aus verschiedenen Tricks. Bei Wettbewerben misst sich Sven mit Freestylern aus aller Welt. Mit Gleichgesinnten hat Sven die Filmgruppe „TekNeek“ gegründet. Sie begleiten Events mit der Kamera und erstellen Recap-Filme. „Ein persönliches Ziel von mir ist es, in Zukunft eine große Doku über den Sport zu drehen, über die Entstehung und Entwicklung der Szene in den vergangenen Jahren“, sagt Sven. 2015 will er auch bei internationalen Wettbewerben starten: „Nach dem Ende meines Studiums werde ich mehr Zeit für Freestyle haben und bei den nächsten Meisterschaften meine Ziele wieder erreichen.“
 
Marie Bruns
Model

Vergangenes Jahr im November wurde Marie Bruns, 23, bei ihrem Nebenjob bei einer schwedischen Klamottenfirma von einer Agentur angesprochen. Von da an wurde Marie immer wieder zu Test-Shoots eingeladen, bei denen Fotodesignstudenten das Shooting organisieren. Auch privat kennt Marie Fotografen und stand schon ab und zu vor der Linse. Doch seit 2014 wird Marie immer häufiger für professionelle Shootings gebucht. Ihr Gesicht taucht regelmäßig auf – auch im aktuellen Lookbook der Münchner Designerin Ayzit Bostan. „Ich studiere im fünften Semester Jura. Das ist interessant, aber nervenaufreibend. Die Uni soll mein Hauptthema bleiben, jedoch braucht man auch Abwechslung von dem Juragedöns“, sagt Marie. Für nächstes Jahr hat sie in den Semesterferien einen längeren Auslandsaufenthalt geplant, um zu modeln.
 
Maxime Weber
Blogger und Aktivist

Der Luxemburger Maxime Weber, 21, ist ein Multitalent, auf seinem Blog schreibt er über Musik, Kultur und besonders gesellschaftliche Themen. Der an der LMU immatrikulierte Philosophiestudent erregt besonders durch sein Engagement gegen die rechte Szene in Luxemburg Aufsehen, die er durch eine kritische Analyse ihrer Texte und Pamphlete regelmäßig bloßstellt. Momentan arbeitet er an einem weiteren Artikel, um einen Überblick über die – größtenteils in sozialen Netzwerken stattfindenden – rechten Aktivitäten in seiner Heimat zu geben. 2015 will Maxime auch in München gegen die Neonazis aktiv werden und „deren hanebüchenen Argumente wie immer mit Rationalität und Humor demontieren“.
 
Nadia Khan
Tänzerin

Aus einer klassischen Tänzerfamilie kommt Nadia Khan, 23, nicht. Weder Mutter noch Vater sind Ballett-Tänzer. Doch auch ihre drei Geschwister Maria Sascha, Julian und Nicholas haben eine Ballettkarriere eingeschlagen. Getanzt haben sie schon in der Kindheit. „Meine Mutter musste mich mal vom Kindergarten abholen, weil ich während der Ruhezeit eine komplette Cinderella-Choreografie aufgeführt habe“, sagt Nadia. Ihr erster Job als Ballerina war im Bayerischen Staatsballett in München im Herbst vor vier Jahren. Auch ihre ältere Schwester wurde in München engagiert – und so konnten die Schwestern Zeit miteinander verbringen. Ihre Brüder trainieren auf der Bolschoi-Ballett-Akademie in Russland, um in die Fußstapfen der erfolgreichen Schwestern zu treten. Mittlerweile tanzt Nadia im Compañía Nacional de Danza in Madrid, Maria Sascha blieb in München. Vor einem Monat hat das amerikanische Tanzmagazin Dance Informa Nadia als „Ballerina Sensation“ gekürt. In der Ballett-Welt werden Nadia und die außergewöhnliche Geschichte ihrer tanzenden Familie immer bekannter.

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Nadia Khan. Foto: Annett Poppe

Xenia Richter
Party-Girl

Ob man in München auf der richtigen Party ist, weiß man erst, wenn man auf Xenia Richter, 22, trifft. Vor zwei Jahren zog es die Augsburgerin nach München, wo sie zunächst Praktika in der Modebranche machte, dann aber in eine Veranstaltungsagentur wechselte. „Die Veranstaltungsbranche ist um einiges ehrlicher als die Modebranche“, sagt sie. Die angehende Veranstaltungskauffrau schlägt sich wacker in dem von Männern dominierten Beruf. „Als einziges Mädchen in der Agentur überlassen mir die Jungs trotzdem sehr viel Verantwortung“, sagt sie. „Was eine Party ausmacht? Man muss eine besondere Stimmung hinzubekommen, die im Gedächtnis bleibt“, sagt Xenia. Sie treibt sich nicht nur auf den angesagtesten Partys herum, sondern kümmert sich um Pressearbeit und um die Event-Organisation. Zusätzlich arbeitet sie am Wochenende im Club Kong an der Bar.

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Xenia Richter.  Foto: Privat

 
Stefanie Hammann und Maria von Mier
Verlegerinnen

Künstlerinnen gibt es viele, aber als Duo mit eigenem Verlag sind Stefanie Hammann und Maria von Mier quasi ein Unikat. Die beiden geben Künstlerbücher heraus, die selbst Kunstwerke sind. Auf einer Buchmesse in New York hatte der Verlag „Hammann & von Mier“ 2014 bereits einen Stand. Eine ihrer Spezialitäten: Overnight-Highspeed-Bücher, die in einer Nacht entstehen und den künstlerischen Status quo des Duos widerspiegeln – ihre Kunst bezeichnen sie im Spaß als „Hochleistungskunst“. Noch studieren die beiden an der Akademie in München in der Klasse Metzel, im Januar 2015 werden sie ihr Diplom machen. Es wird ein Jahr des Umbruchs für sie: neues Atelier, neue Wohnung, neue Projekte – zum Beispiel ein Künstlerbuch mit Angela Stiegler, das schon in Arbeit ist. Warum sie sich zusammengetan haben? „Zu zweit sind wir viermal so schnell. So können wir viel mehr ausprobieren“, sagen sie.
 
Xavier D’Arcy
Singer-Songwriter

Es gibt verschiedene Erklärungen für das, was passiert, wenn Xavier D’Arcy, 19, eine Bühne betritt: Charisma, Präsenz, oder vielleicht auch einfach nur Talent. Doch nur eine schöne Stimme und ein gutes Händchen fürs Songwriting reichen nicht aus, um die Atmosphäre in einem Club derartig zu verändern. Der Münchner mit französisch-britischer Abstammung, der sich als Musiker schlicht Darcy nennt, bannt mit seinen Songs das Publikum in andächtige Ruhe. Die Energie, die Hingabe und die Unbedingtheit, mit der er sich in seine Musik wirft, heben dabei die einfache Machart seiner Musik – Akustikgitarre und Stimme – auf eine andere Ebene. Seit seinen ersten Konzerten ist viel passiert: Musikmanager Rainer Tarara wurde auf den jungen Künstler aufmerksam. Und der brach daraufhin sein Studium, das er in England begonnen hatte, im vergangenen Sommer ab, um sich in München ganz auf seine Musik zu konzentrieren. Es folgte eine Support-Tour für MarieMarie. Gerade arbeitet Darcy an seiner ersten EP, die den trotzig-schlichten Titel „Extended Play“ tragen soll. Die Veröffentlichung ist für das Frühjahr geplant – weitere Touren und ein großes Veröffentlichungskonzert inklusive. Darcy könnte sich als ein weiterer Münchner Musiker etablieren, der für die großen Plattenfirmen interessant ist. Mit Exclusive und Jesper Munk, deren Major-Debüts beide im Frühjahr 2015 erscheinen werden, wäre er da in guter Gesellschaft.

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Xavier D’Arcy. Foto: Robert Schuster

 
Autoren: Rita Argauer, Katharina Hartinger, Carolina Heberling, Matthias Kirsch, Philipp Kreiter, Friederike Krüger, Natalie Mayroth,
 Bettina Pfau, Stefanie Witterauf

„Es gibt genug Unterstützung!”

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Standortfaktor Pop: Ist München jetzt wirklich so uncool, dass man
als Band keine Chance hat? Läuft alles prima? Oder muss die Stadt weit
mehr fördern als bisher? Wir haben bei Darcy nachgefragt.

Ist
es leicht, eine Band in München zu gründen bzw. aufrecht zu erhalten?

Bandgründungen
sind in München nicht einfach. Es gibt wenige gute Junge Musiker die Zeit haben
einen neuen Projekt auf die Beine zu stellen. Als Solo-Künstler ist es mir
allerdings bisher gut gelungen professionelle Studiomusiker für meine Backing
Band zu finden. Eine Band aufrecht zu erhalten ist immer schwer, egal in
welcher Stadt. Aber es hilft natürlich nicht dass die Mieten in München im
Vergleich zu z.B. Berlin oder Leipzig relativ hoch sind, und Proberäume schwer
zu finden und teuer sind.

Was
haltet ihr von der Münchner Musikszene? Gibt es Schwierigkeiten oder auch
Vorteile?

Die
Münchener Musikszene halte ich für gut. Die Schwierigkeiten sind, wie gesagt,
dass das leben in München teuer ist für Vollzeitmusiker, und die
Proberaumsituation alles andere als ideal ist.

Würdet
ihr euch von der Stadt mehr Unterstützung für die Szene wünschen? Welche Art
von Unterstützung? Was tut sie bislang zu wenig?

Die
Stadt unterstützt Musiker und Bands durch die Fachstelle Pop mit Workshops,
Förderungen und Auftrittsmöglichkeiten und veranstaltet viele Festivals (z.B.
Oben Ohne). Die Landkreise rund um München (Ebersberg, Fürstenfeldbruck,
Freising…) finanzieren auch Jährliche Festivals wo viele Lokale Bands auftreten
können. Der Bundesland Bayern bietet Unterstützung durch ihren BY-ON Programm,
und dann gibt es auch noch Bundesweite Förderprogramme wie z.B. die Initiative
Musik. Also eigentlich gibt es genug Unterstützung für junge Musiker und Bands
aus München und Umgebung.

Haben
es Bands aus München schwieriger national Fuß zu fassen?

Nein.

Habt
ihr persönlich schon Erfahrung mit Vorurteilen gegenüber Münchner Künstlern
gemacht?

Natürlich
gibt es Vorurteile gegen München als Stadt. Und wenn man in Deutschland und
Österreich unterwegs ist wird man manchmal gefragt warum man als Musiker in
diese Stadt wohnt. Viele sagen München ist zu reich, zu konservativ, zu
altmodisch… Aber sowas bezieht sich auf München die Stadt (und auf Bayern),
nicht besonders auf Münchener Künstler. Ich glaube dass es keinerlei Einfluss
auf den Image eines Künstlers hat. Und sowas hat Blumentopf, Aloa Input, The
Notwist, Slut, Fatoni, Sportfreunde Stiller, Jesper Munk, Kytes, Claire & co
nicht davon abgehalten bundesweit und international erfolgreich zu sein. Ich
habe schon viel schlimmeres erlebt im Ausland wenn ich erzähle dass ich seit 11
Jahren in Deutschland wohne. Ich finde die Vorurteile gegen Deutschland als
Land viel krasser als die Vorurteile gegen München.

Was
zeigt, dass auch München eine tolle, alternative Musikszene zu bieten hat?

Projekte
wie Hauskonzerte, Bahnwärter Thiel, Manic Street Parade, DigitalAnalog,
Superpaper… Es gibt eine kleine Gruppe von sehr motivierten Menschen in München
die sich Mühe geben, alternative Kultur stattfinden zu lassen. Die Szene lässt
sich von der Größe her nicht mit anderen deutschen Städten wie Hamburg, Berlin,
Leipzig oder Köln messen. Aber München hat trotzdem eine tolle Szene, auch wenn
sie klein ist.

Habt
ihr schon mal geleugnet, aus München zu sein? Wenn ja, warum – wenn nein,
würdet ihr es tun?

Ich
komme nicht aus München, ich wohne nur seit längere Zeit hier. Ich würde es
aber nie leugnen, dass ich hier wohne, und mich hier wohlfühle.

Foto: Nikolas Fabian Kammerer