Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Jana

image

Unsere Autorin Jana ist am liebsten im Theater: Entweder sie steht selbst auf der Bühne oder schaut sich ein anderes Theaterstück an – wie “Die Stühle”. Zwischendurch trifft sie sich mit Freunden bei der Feuerzangenbowle, besucht das Filmfestival KINO ASYL oder rockt zur Musik von “LVNG” ab.

Endlich Freitag! Ein Ausruf, den man als Studentin mitten im Semester nicht zu laut von sich geben sollte. Zumindest komme ich mir etwas seltsam dabei vor, denn im Moment scheint die ganze Woche über Wochenende zu sein.
Den Freitagabend läute ich im Hoch X ein. Die Stühle wurde von Amrei Scheer mit Philipp Schulze und Fiona Grün inszeniert. Alle drei sind gerade mal 20 Jahre alt und ich frage mich, was wohl dabei herauskommt, wenn sich drei junge Menschen in die Lage eines alten, seit Jahrzehnten in einem Turm eingesperrten Paares versetzen und über das Leben und dessen Sinn nachdenken. Trotz des schweren Stoffs – oder gerade deswegen – ist mir nach der Vorstellung nach etwas Fröhlichkeit zumute und ich mache mich auf den Weg ins Import Export, wo sie heute das KINO ASYL begießen. Ein Filmfestival, das die vergangene Woche Filme von und mit Menschen mit Fluchterfahrung zeigte. Die Abschlussparty geht bis in die frühen Morgenstunden und ich schlafe bis weit in den Samstagmittag hinein.

Als ich am Samstag aufwache, erwarten mich ein Dutzend verpasster Anrufe meiner Freunde, die schon am Isartor auf mich warten. Ein Glück haben sie noch nicht den ganzen Kessel Feuerzangenbowle ausgetrunken, als ich endlich ankomme, und ich darf mich mit einer heißen Tasse Hochprozentigem auf unseren gemeinsamen Abend einstimmen. Der führt uns heute ins Munich
Center of Community Arts – das MUCCA und wir sehen uns dort das Theaterstück Reine Kopfsache an. Die beiden Schauspieler machen sich darin auf die Suche nach sich selbst, dem Anderen, dem Du, dem Ich, dem Wir und fragen sich, was in den Köpfen der Menschen wohl so passiert. So viel Tiefgründigkeit lässt uns in geradezu melancholische Stimmung verfallen und wir enden in einer philosophischen Diskussion über das Leben und das Sein.

Dieser Abend motiviert mich, am Sonntag einmal selbst auf der Bühne zu stehen – und meinem eigenen Glück auf die Spur zu kommen. Im Kösk gibt es ab heute jeden Sonntagnachmittag von 17-19 Uhr für alle Interessierten den Theaterworkshop GLÜCK. Die Teilnehmenden erforschen mit theatralen Mitteln das Glück und stellen Glücksvorstellungen auf den Kopf. Genau das Richtige, um einer anstehenden, sogenannten Winterdepression auszuweichen, denke ich mir.

Beflügelt von so viel Glücklichsein lässt sich der vorlesungslastige Montag doch gleich viel angenehmer einleiten und ich freue mich zur Abwechslung mal nur darauf, am Abend daheim Ingwertee zu kochen und ganz viel Serie zu schauen. Hach, ist der Winter schön.

Was, wenn der Student bereits am Dienstag in den Club gehen will? Tarne dich gut und nenne es „einen Konzertbesuch“. So mache ich es heute und verbringe meinen Abend in der Milla. Bevor sich Neufundland aus Köln die Ehre geben, spielen AberHallo, fünf Jungs aus Regensburg.

Mittwoch zählt ja auch für Normalos, sprich Verdienende, fast schon als Wochenende, oder? Oder vielleicht auch nicht, jedenfalls finde ich es höchste Zeit, die erste Bar in dieser Woche aufzusuchen und damit offiziell mein Wochenende zu beginnen. Wegen des Hauch schlechten Gewissens, das
mich seicht streift, möchte ich meinen exzessiven Bierkonsum an diesem Abend wenigstens mit etwas Kultur kombinieren und entscheide mich für die Kiste an der Münchner Freiheit, wo es an diesem Abend eine Lesung der Komparatistik Schreibwerkstatt gibt. Fleißige Studierende lesen ihre Texte vor und ich darf lauschen? Wunderbar. Das Bier schmeckt auch vorzüglich, ich bin glücklich. Vielleicht sollte ich das am kommenden Sonntag im Theaterworkshop mal erwähnen, es scheint ja doch recht einfach zu sein, die Sache mit dem Glücklichsein.

„Heute Abend LVNG?“ zischt mein Kommilitone mir am Donnerstagvormittag im Seminar zu. Kurz habe ich den Impuls, ihm auf den Rücken zu hauen, denn er muss sich verschluckt haben. Dann fällt es mir ein: LVNG, ausgesprochen aber Living, weise ich meinen Nebensitzer in die Namensgebung der altbekannten und nun irgendwie doch neu gewordenen Band LVNG aus
München ein. Anscheinend gibt es außer einem neuen Namen auch neue Musik, die diesmal ganz anders klingt. Wir machen uns nach der Uni also auf den Weg ins Muffatwerk, wo LVNG als Vorband von I’m Not A Band im Ampere ihre neuen Songs vorstellen. B mn hn Vkl mtsngn knn?

Und dann ist ja eh schon wieder Wochenende. Ich habe eigentlich gar keine Lust, am Freitag vor die Türe zu gehen, der Alkohol der letzten Woche reicht mindestens bis Silvester, und außerdem habe ich viel zu wenig geschlafen in den letzten Tagen. Deshalb muss es heute Abend unbedingt gemütlich werden. Und wo schafft man das besser als in der Glockenbachwerkstatt? Wenn Menschen aus überall Musik von überall spielen und GEMEINSAM in Großbuchstaben geschrieben wird. Gemeinsam macht eben doch alles viel mehr Spaß und deshalb wird der Freitagabend natürlich kein einsamer in den eigenen vier Wänden, sondern so funky wie der Titel der Veranstaltung: Beige Funky / die 2.

Text: Jana Haberkern

Foto: Privat

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Jackie

Unsere Autorin mag ja eigentlich den Herbst und freut sich, ihre Winter­depression noch um ein paar Tage vertrösten zu können. Tagsüber plant sie einen Ausflug zur Kirchweihdult oder ins Lost Weekend, abends geht’s ins Müller’sche Volksbad oder in die Milla.

Hoch die Hände, Wochenende! Am
Freitagabend scheint zwar leider nicht mehr die Sonne, aber ich mache trotzdem
einen kleinen Ausflug auf die andere Seite der Isar um mir die neue
Fotoausstellung von Julian Mittelstädt anzuschauen. Unter dem Motto “Streetz”
stellt der Fotograf dort Bilder aus, die reale Menschen auf der Straße zeigen –
ohne gestellte Posen und gekünsteltes Lachen. Drinks gibt’s im Container
nebenan in der BAR of BEL AIR. Läuft.

Auch der Samstag steht im Zeichen
der Kunst – zumindest abends. Nach einem ausgiebigen Frühstück radle ich aber
erst einmal erneut auf die andere Seite der Isar: Diesmal nach Giesing. Von
heute an bis einschließlich 22.Oktober findet auf dem Mariahilfplatz die
wunderbare Kirchweihdult statt. Allerlei Leckereien schnabulieren und mal mehr
mal weniger sinnlosen Kram bestaunen – was könnte schöner sein an so einem
Samstag im Herbst? Abends gehört die alljährliche Lange Nacht der Museen
natürlich zum Pflichtprogramm. In diesem Jahr nehmen auch verschiedene Bäder an
der langen Nacht der Museen teil. Ich entscheide mich für eine Führung durch
das wunderbare Müller’sche Volksbad
. Ab 21Uhr finden diese alle 30 Minuten
statt und dauern ca. 20 Minuten. Da bekommt man fast Lust, sich einfach nackig
zu machen und selbst in den Pool zu springen oder sich in der Sauna
aufzuwärmen. Beim nächsten Mal dann!

Sonntag ist eigentlich Katertag,
doch dafür habe ich heute keine Zeit. Stattdessen steht heute Fair Fashion auf
dem Programm. Genauer: Der Fair Fashion Showroom meets Klimaherbst Dult. Hier
stellen nachhaltige Labels ihre Konzepte und Designs vor. Mit dabei Phasenreich
und Iki M., aber auch das Flüchtlingsprojekt Nähstube. Am Ende gibt es dann
auch noch eine Fashion Show bei der die Labels ihre akutellen Kollektionen
vorstellen. Einige schöne Teile dabei, aber ganz billig ist fair halt leider nicht.
Sowieso bin ich immer wieder in dem Dilemma zwischen bewusst einkaufen und
insgesamt einfach mal weniger kaufen. Immerhin ist es ja nicht so, als wäre
mein Kleiderschrank leer – auch wenn sich das zuweilen so anfühlen mag.

Viel wurde schon im Voraus
berichtet, seit der Eröffnung quillt meine Timeline zumindest gefühlt über mit
Veranstaltungen in der Location und ich bewege mich irgendwo  zwischen Abneigung und Neugierde. Zu viel
Hype macht mich zwar immer etwas skeptisch, aber anschauen will ich sie mir
schon, diese neue In-Location: The Lovelace. Was eignet sich da besser als eine
Filmvorführung? Am Montagabend wird der Film „Das Wunder von Mals” gezeigt.
Thema der Doku: Ein Dorf in Südtirol entscheidet sich gegen Pestizide und für
eine ökologische Landwirtschaft. Klingt spannend und lässt sich wunderbar
kombinieren mit Bier und Popcorn. Off-topic: Ist euch eigentlich schon aufgefallen,
dass es in immer weniger Kinos Popcorn gibt, sprich auch nicht mehr nach
Popcorn riecht? Traurig macht mich das!

Mehr Kunst für mich und alle
anderen Besucher des Lost Weekend an diesem etwas tristen Dienstag. Hier
findet heute die Vernissage der Ausstellung „Energiewende in Kambodscha“ statt.
Bewaffnet mit einem Bier schländere ich durch die Reihen und sehe mir die
Fotografien von Claire Jul und Viga F. Widjanarko an. Spannend zu sehen, dass
es für eine Energiewende nicht immer neuster Technologien bedarf, sondern das
manchmal auch ein paar Ziegel und eine Ladung Mist Wunder bewirken können. Zu
sehen ist die Ausstellung noch bis einschließlich 27.Oktober. Statt mit einem
Bier kann man sich die Ausstellung wahlweise auch wunderbar mit einem leckeren
Café tagsüber anschauen.

Ab ins Milla. Ein Satz den ich
viel seltener sage, als ich sollte, denke ich mir, als ich an diesem
Mittwoch die Treppe hinuntersteige. Das Milla ist einfach ein Wohlfühlort.
Und vor allem ein Ort, an dem gute Musik gelebt wird. Natürlich weiß ich nicht,
was mich beim Milla Song Slam an diesem Abend erwartet, aber wie schlimm kann
es schon werden mit dem wunderbaren Bumillo als Gastgeber und einem Gin Tonic
in der Hand? Zumal ja spätestens ab 23Uhr die Boys und Girls von Fancy Footwork
an den Turntables stehen. Kostenpunkt: 8€ im Vorverkauf, 10 € an der
Abendkasse.

Kann man schon mal machen.

Wärmstens zu empfehlen: Die
Infoveranstaltung von afk M94.5 und afk tv am Donnerstag! Alle die Mal Radio oder Fernsehen
machen wollen, sollten sich dieses Event auf keinen Fall entgehen lassen – ich
selbst mit eingeschlossen. Davor oder danach will ich auf jeden Fall noch auf
der ArtMuc vorbeischauen, wo auch in diesem Jahr vom 19. bis 22.Oktober wieder
90 Künstler und Galerien aus ganz Europa ausstellen. Mehr Kunst also. Aber
Kunst und Bier, das rat ich dir sowieso. Natürlich geht auch das Eine ohne das
Andere, aber warum denn halbe Sachen machen?

Lange steht die
Veranstaltungsreihe schon auf meiner To-Do-Liste, endlich schaffe ich es am Freitag

hinzugehen. Ich geh tanzen! Leider ist die Veranstaltung vom Import Export ins
Ampere umgezogen, aber an der guten Mischung aus Hip Hop, Funk und Electro hat
sich glücklicherweise nichts geändert und so schwinge ich das Tanzbein bis tief
in die Nacht. Ich muss gestehen, die langen, durchzechten Nächte werden
seltener, aber genießen tue ich sie umso mehr – auch wenn der  Kater am nächsten Morgen mich wohl noch bis
Sonntag begleiten wird. Aber man ist ja bekanntlich nur einmal jung und dumm.

Wo kann man … Deutsch-Rap hören? 5 Konzert-Tipps

image

München ist zu brav, zu spießig, nicht dreckig genug für
Rap? Als ob! München kann Hip-Hop und erst recht Deutsch-Rap. Wir
stellen euch fünf Veranstaltungen vor, die das beweisen. Unter den Interpreten sind einige Münchner Musiker, aber auch gern gesehener Besuch.

1) Ali As im Ampere

Der Rapper Ali As gehört schon seit einiger
Zeit zu den bekannten Gesichtern des Genres. Nachdem der Musiker 2015 als Vorband von Motrip mit auf Tour war, hat er es in den vergangenen Jahren bis an die Deutsch-Rap-Spitze geschafft. Was viele nicht wissen: Ali As ist ursprünglich Münchner. Spätestens seit seinem
Song „Von den fernen Bergen“, der von SXTN gefeatured wurde, ahnt man was er von “Grünwalder It-Girls” und der Münchner Schickeria hält. Am 20.
Oktober
kommt er im Rahmen seiner “Insomnia Tour” zurück nach
Hause und wird im Ampere auftreten.

2) Sound Of Munich Now im Feierwerk

Wo sonst wird der Klang der Stadt München besser präsentiert, als bei Sound Of Munich Now? Am 11. November wird klar,
dass Rap, genauso wie Singer-Songwriting und Indie, zu München gehört. Bei dem
Festival des Feierwerks und der Süddeutschen Zeitung vertreten gleich zwei
Interpreten ihr Genre. Grasime und O zeigen, dass Battle-Rap nicht zwingend mit
Deine-Mutter-Punchlines und babbohafter Attitüde funktionieren muss. Die Songs
von LUX’ neuem Album “24/7 Powernap”, das gemeinsam mit Cap Kendricks und Tom Doolie produziert wurde, wirken
entschleunigend und gehören mit Sicherheit zur Kategorie „chilliger
Deutschrap“.

3) Johnny Rakete in der Milla

Wenn wir gerade schon von chilligem
Deutsch-Rap sprechen: Johnny Rakete gehört mit Sicherheit zu den entspannteren
Dudes seines Genres. Der langhaarige Rapper mit Hipster-Brille kommt
ursprünglich aus Fürth, hat sich aber in den vergangenen Monaten dennoch regelmäßig in
der bayrischen Landeshauptstadt blicken lassen. Nach seinem letzten Auftritt
beim Theatron-Musiksommer am Olympiasee, wird er nun am 16. Dezember wieder zurück kommen. An diesem Samstag wird in der Milla gerappt.

4) Bavarian Squad im Clap Club

Sechs Rapper und vier DJs performen am 18.
November im Clap Club
. Mit dabei sind auch Roger Rekless und Monaco F.
Versprochen sind einige Songs aller Künstler und eine gemeinsame Performance am
Ende. Die Veranstalter bekennen sich zur einzig wahren Aussage: „Weil Mundart einfach besser ist!“.
Dieses Event sollte man also auf keinen Fall verpassen.

5)
SXTN in der Muffathalle

Ja, ja schon klar: Nura und Juju kommen ehrlich gesagt aus dem hippen Berlin und besuchen uns ledeglich. Egal! Allein schon die Tatsache, dass man die beiden
Mädls zu uns nach Bayern holt, zeigt, dass man hier begriffen
hat was guter Deutsch-Rap ist. Nachdem die beiden Rapperinen einige Monate
zuvor das benachbarte Übersee beim Chiemsee Summer Festival unsicher gemacht
haben, kommen sie nun am 21. Oktober zu uns in die Muffathalle.


Text: Anastasia Trenkler

Foto: Daniel HD Schröder

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Marina

image

Trotz Semesterbeginn und Aprilwetter ist unsere Autorin noch erstaunlich motiviert. Nicht nur was die Uni angeht, sondern auch bei ihrem wöchentlichen Kulturprogramm und beim Feiern: Im Ampere wird ausgiebig getanzt und im Milla gebührend auf die neue EP von Matthew und Matilda angestoßen. 

Freitag beginnt für
mich mit Musik. Es geht direkt los zu einer alt-bekannten Münchner Band, die
nach einer Pause ihr neues Album veröffentlicht. Die Rede ist von Password Monkey natürlich! Der nicht zu verkennende Classic Rock Einschlag
macht mir richtig Laune und bereitet mich auf den weiteren Abend vor. Als
nächstes fällt die Wahl schwer: Lieber tanzen gehen oder selber Musik machen?
Letzteres kann man heute Abend in der Kongress Bar bei der regelmäßig
stattfindenden Jam Session. Da war ich noch nie, also muss jetzt das erste Mal
sein. Und wie ich es von anderen

schon

gehört habe, entsteht hier ein echter
kreativer Austausch. Aber auch das Tanzen darf nicht zu kurz kommen, deswegen folge
ich der Aufforderung „Geh Tanzen!“ ins Ampere. Diese „Revolution freier Musik“
mischt alle tanzbaren Genres zu einem groovigen Abend und ist damit schon eine
echte Institution in München.

Samstag erhole ich mich
erstmal von Freitagabend. Nach ausgiebigem Brunchen und
vor-dem-schlechten-Wetter-im-Bett-Verstecken bin ich Abends fit genug, um 20:30
im Cord zu sein. Nach dem wilden Genre-Mix von Freitag beschränkt sich der
heutige Abend auf Jazz – ein Paradoxon an sich, wenn man bedenkt, wie abgefahren Jazz
sein kann. Beschränkungen gibt es da nicht, dafür bekannte Gesichter aus
München, die schon in ihrem jungen Alter Profis neidisch machen können. Was
danach noch geht? Im Cord ist immer noch was los, und wenn nicht, tut mir ein
bisschen Schlaf nach Freitag bestimmt auch mal wieder ganz gut.

Am Sonntag verpasse ich
mir eine Ladung Kultur im Farbenladen. Die Ausstellung „Nichts Desto Trotz“ von
Metromadrid läuft seit dem 8. April und es wird Zeit für mich da auch endlich
hinzugehen. Galgenhumor und gegenseitige Sichtweisen werden versprochen,
eingefangen in 70 Fotografien, die meinen Hunger nach Denkanstößen mehr als
zufriedenstellen. So intellektuell abgefüttert gehe ich Sonntag früh ins Bett –
denn ab Montag geht die Uni wieder los.

Das klingt vielleicht so,
als ob sofort viel Stress ansteht, aber zum Glück kann ich auch am Montag
entspannt ausschlafen und muss erst um zehn in der ersten Vorlesung sein.
Motiviert, wie meistens zum Semesterbeginn, will ich mich auch Montagabend
weiterbilden und gehe dazu ins Lost Weekend. Philosophie und Text stehen im
Mittelpunkt der Diskussion mit dem Autor
Arven Avanessian
, auch in Bezug auf Hausarbeiten im Uni-Alltag und Diskurse in
Seminaren. Zum Glück habe ich hier gut aufgepasst und mir ein paar spannende
Gedanken für die nächste Hausarbeit mitgenommen.

Am Dienstag wird ebenfalls
tagsüber studiert und abends erlebt. In der Galerie der Künste bekommen mit dem
Ausstellungskonzept „Die ersten Jahre der Professionalität“ aktuell sieben
junge Künstler und Künstlerinnen aus München die Gelegenheit, ihre Werke zu
präsentieren und auf sich aufmerksam zu machen. Die ein oder andere spannende
Entdeckung beschäftigt mich bis nach Hause. Zur Mitte der Woche gibt es dann
eine Portion Spaß und Entertainment. Natürlich muss ich als junge Münchnerin
auch das Wannda Festival besuchen! Besonders lustig ist das beim Stand-up
Comedy-Abend
, der mit drei Performern und freiem Eintritt extremen
Lach-Schluckauf verspricht. Da gibt’s gerne eine kleine Spende in die
Künstlerkasse.

Donnerstag werden zwei
sehr ähnlich konzeptionierte und glücklicherweise nicht weit voneinander
entfernte Veranstaltungen geboten: Im Milla präsentiert Mais Sundermann seine
Kunst, und die Elektro-Pop Band Aggressive Swans, in München keine Unbekannte
mehr, gibt ein Konzert. Ziemlich cool wie ich finde, und deswegen lausche ich
hier bei Betrachtung der Ausstellung um mich herum ausgiebig dem Konzert, bevor
ich ins awi weiterziehe. Da werden Graphic Designs von Simon Marchner und
Fotografien von Julian Mittelstädt gezeigt, im Anschluss daran gibt es feinste
Sounds die ganze Nacht lang. Wie gut, dass Freitags keine Vorlesung ist.

Auf den Freitag freue ich
mich schon ganz besonders: Matthew Matilda veröffentlichen endlich ihre erste
EP
! Wer Blues und Soul liebt, ist hier genau richtig, denn die beiden haben es
raus, ihre Stimmen harmonisch zu verbinden und diesen Sound mit Cello und
Akustik-Gitarre atmosphärisch zu hinterlegen. Das klingt fast wie der
Soundtrack zu einer großartigen Nacht, die auch nach dem Konzert im Milla
weitergeht, bei

Spring Again! – der perfekte Abschluss. Denn mit diesem
tanzbaren Mix endet meine Woche genau so, wie sie begonnen hat. Schlechtes
Wetter im April? Mir doch egal!

Text: Marina Sprenger

Foto: Privat

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Max

Statt nach Ostereiern sucht unser Autor

nächste Woche lieber nach bunten Events. Dazu wird er zum Beispiel im Lost Weekend, in der Unterfahrt oder im Kyeso fündig.   

Es
ist Ostern. Doch statt nach Eiern und Osternestern suche ich nächste Woche nach
Events. Und stelle mit Freude fest: Auch am Osterwochenende geht in München
richtig viel.

Sogar
am Karfreitag. Gleich morgens nutze ich den stillen Feiertag, um mir die
Ausstellung “Wildlife
Photographer of the Year
” anzusehen. Die Wanderausstellung
des prestigeträchtigen Wettbewerbs ist noch bis zum 28. Mai im Museum Mensch
und Natur zu Gast. Abends hab ich’s dann schon ein bisschen schwerer. Wenn
wegen des Tanzverbotes sogar der Night Club im Bayerischen Hof “Geschlossen” hat, dann hat man auf
der Suche nach wilder Feierei ein echtes Problem. Also gibt’s diesen Freitag
eben Kultur. Wie gut, dass gleich zwei Münchner Chöre Werke von Johann
Sebastian Bach aufführen. Der Münchner Motettenchor singt die Johannes-Passion, der Münchener Bach-Chor
die Matthäus-Passion.

Auf
den Samstagabend freu ich mich schon. Denn endlich gibt es eine
Plattform für Leute wie mich. Leute, die nicht aufhören können, ihre Umwelt mit
ausgelatschten Flachwitzen und mehr oder weniger tiefsinnigen Wortspielen zu
beglücken. “Awkward
Silences – Open Mic Comedy
” im Lost Weekend – für mich ein
Pflichttermin. Und weil ich danach natürlich bis aufs Höchste belustigt sein
werde, geht’s noch weiter zum Feiern. Als Fan von Partys abseits der
elektronischen Musik bietet sich für mich die “Freak Out!
Alternative Party”
im Backstage an.

Ausschlafen
ist am Sonntag leider nicht drin. Ich muss schleunigst heim zur Familie,
sonst verpass ich den Osterbraten. Und abends muss ich ja schon wieder in
München sein, denn das IsarFlux-Festival steht an. Im Gasteig geben
sich unter Anderem Ni Sala und die Monday Tramps die Ehre. Nebenbei gibt’s auch
noch Ausstellungen verschiedener Künstler. Und das Ganze für umsonst! Auch
wenn’s wehtut, dafür lass ich doch glatt die Jamsession in
der Unterfahrt
mal ausfallen.

Nicht
so schlimm, denn in die Unterfahrt komm ich am Montag noch. Heute spielt
dort die Earforce
Bigband
.
Eigentlich im Funk- und Fusion-Bereich angesiedelt, präsentieren sie am
Ostermontag zum ersten Mal ein lateinamerikanisch angehauchtes Programm. Mehr
Jazz, um genau zu sein Swing, aus den 20er und 30er Jahren, gibt es gleichzeitig
auch noch in der NachtKantine, wo die US-amerikanische Jazz-Combo Good Co zu Gast ist.

Die
Osterfeiertage sind vorbei, doch dass München auch an Werktagen was zu bieten
hat, ist ja eh klar. Eine Attraktion am Dienstag ist Carlo Drechsel.
Unter dem Motto “Chase Your
Dream

spricht der Abenteurer im Bahnwärter Thiel über seine achtzehnmonatige
Afrika-Expedition. Dass er mit seinem Programm in anderen Städten schon Hallen
mit hunderten Leuten gefüllt hat, lässt großes erwarten.

In
der Containerburg des Bahnwärters könnte ich gleich übernachten, denn am
Mittwoch
verschlägt es mich schon wieder dorthin. In der Serie “Schienen-Bus-Konzert” gibt es heute Blues
und Rock mit The Curl, Shilo Gold und dem Veranstalter der Konzertreihe selbst,
Martin Lidl.

Am Donnerstag
zieht es mich zunächst ins Kino. Das Event “Kino der Kunst” ist eine Mischung aus
Filmfestival und Kunstausstellung und untersucht das Verhältnis von bildender
Kunst zu Film. Würde es mir heute nicht gerade gut passen, hätte ich sogar noch
bis Sonntag die Chance, Filme aus einem der zahlreichen
Programmpunkte
zu sehen. Am Abend muss ich mich dann entscheiden –
zwischen zwei Münchner Bands. Im KYESO ist die aufstrebende Indie-Truppe Peak To Peak am Start, während
gleichzeitig Flonoton und
Ama Pola

das Mellow bespielen. Immer diese Zwickmühlen…

Gerade
die eine Entscheidung getroffen, da steht auch schon die nächste an. Am Freitag
beschließe ich, das Versäumnis vom stillen Feiertag letzte Woche nachzuholen
und mal wieder richtig die Sau rauszulassen. Aber wo? Im Gegensatz zum letzten
Freitag sind die Angebote zahlreich. Drum’n’Bass mit Sustain! im Corleone, Hip Hop mit Solemafia im Crux, Keith Carnals Techno im MMA, oder doch
die alternative Party “Geh tanzen” im Ampere?

Als
ich am Samstag aufwache, bin ich mir sicher: Ich hab die richtige Entscheidung
getroffen. Und auch mit meiner Woche bin ich zufrieden. Denn obwohl man im
Gegensatz zur österlichen Eiersuche niemals all die versteckten Veranstaltungen
finden kann, hab ich mir doch wieder eine gute Sammlung zusammengestellt.

Text: Maximilian Mumme

Foto: Serafina  Ferizaj

Band der Woche: Nikolaus Wolf

image

Der Singer-Songwriter Nikolaus Wolf veröffentlicht seine erste EP ‘Roekki Zimt’. Mit Geigen, Xylophonen, Klavieren und alten Synthies verhält er sich dort wie ein Chamäleon der Popmusik.

Das popmusikalische Profil der Stadt München ist bekanntlich etwas verzwickt. Während die eine Seite der Diskutierenden aus München gerne eine Music-City zaubern möchte, sieht die andere Seite tiefschwarz und will die Stadt wegen Image-Schädigung verklagen. Und die, die nach dem stadttypischen Musikstil suchen, tun sich ebenfalls schwer. Sind das nun die mainstreamigen Indie-Pop- und Hochglanz-Pop-Bands, die den Klang dieser Stadt prägen, oder sind es eher die Hip-Hopper? Ganz abgesehen davon, dass so etwas sowieso nie eindeutig festzulegen ist, gibt es dennoch eine Gruppe, auf die sich die Pop-City-München-Sucher einigen können: Wenn München schon nicht so viele Clubs hat und auch mit keinem spezifischen Stil mehr seit Moroders Discosound aufwarten kann, eines hat München jedoch: eine vitale Songwriter-Szene.

Fies formuliert passt das ja auch gut in diese reiche und teure Stadt. Denn als Songwriter Musik zu machen, ist die effizienteste Art zu musizieren: Man braucht nicht viele Instrumente, kann meist ohne Auto zu seinen Konzerten anreisen und seine Proben im heimischen Schlafzimmer anstatt in einem teuer angemieteten Keller abhalten. Das musikalische Profil der vielen Akustik-Gitarren-Songwriter ist dementsprechend meist leider ein bisschen eingeschränkt. Wenn man keine außergewöhnliche Stimme hat, klingt das eben schnell alles recht ähnlich nach Lagerfeuer-Schullandheim-Gitarrenfreude. 

Der Musiker Michi Rieder umgeht das allerdings geschickt. Er poliert seine Songwriter-Musik, die er unter dem Namen Nikolaus Wolf veröffentlicht, zwar nicht durch eine aufregende Stimme auf. Er verkleidet jedoch seine Songs, stülpt ihnen einfach spezifische Stile über, so dass sie mal nach Americana, dann nach dem psychedelischen Gefrickel der Sechzigerjahre klingen, während ein nächster Track als seelenverwandt des Sounds von Oasis in den Neunzigerjahren auftritt. „Im Zentrum steht bei mir immer der Klang“, erklärt Michi, den Inhalt und den Text suche er erst ganz am Ende, wenn der Song in seiner Melodie und vor allem in seinen „akustischen Bildern“ fest stehe. Und mit diesen akustischen Bildern spielt er auf seiner ersten EP Roekki Zimt, die am Freitag, 24. März, erscheinen wird, und die er mit Nico Sierig am Münchner Roecklplatz produziert hat, wie ein Chamäleon der Popmusik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Mit Geigen, Xylophonen, Klavieren und alten Synthies wurde da so tief in die musikalische Verkleidungskiste gegriffen, dass die Gefahr besteht, der Fluss und die Einheitlichkeit der Platte würden verloren gehen. Doch hier kommt nun Michis Stimme ins Spiel, die eben nicht sonderlich außergewöhnlich klingt, aber doch markant genug ist, das stilistische Patchwork zusammen zu halten. 

Nun steht Anfang April eine Tour für Nikolaus Wolf an. Doch das stellt den Songwriter Michi nun vor ein ganz anderes Problem. Denn dieses wunderbar produzierte musikalische Chamäleon ist eben alleine, als einsamer Akustik-Gitarren-Songwriter kaum live umzusetzen. „Ich habe versucht, alles so zu arrangieren, dass eine Solo-Show genau so funktioniert wie mit Band“, erklärt er. Im vergangenen Dezember habe er dann das erste Mal mit anderen Musikern geprobt, es sei „überwältigend“ gewesen. Die Flexibilität, die er stilistisch von sich fordert, hat er so auch ganz strukturell in der Live-Umsetzung, etwa, wenn er am Donnerstag, 13. April, im Münchner „Ampere“ spielen wird.  

Stil: Songwriter
Besetzung: Michi Rieder (Gesang, Gitarre, Komposition), Live Band: Domi Schauer (Bass, Gitarre, Gesang), Christian Schuhbeck (Keyboard, Gesang), Felix Kunz (Schlagzeug)
Aus: Chiemgau/München
Seit: 2015

Text: Rita Argauer

Foto: Andreas Rieder

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Hubert

image

An ausgefallenen Musik-Acts scheint unser Autor gefallen gefunden zu haben. Er sieht und hört sich Ströme, Panda Dub und Bam Bam live an.

Heute wird mir der Spiegel vorgehalten. Überspiele ich ihn
doch sonst recht gekonnt, zeigt sich der Chaot in mir heute in vollem Glanz.
Seit Wochen – Ach was – Monaten freue ich mich, dass „The XX“ am heutigen Freitag nach München
kommen
, aber ein Ticket kaufen? Immer wenn ich gerade dazu bereit bin, kommt
etwas gewaltig Wichtigeres dazwischen: Oh schau mal  – ein Video von einem Esel, der auf zwei Beinen
laufen kann…

Wenigstens wird mir unfreiwillig die Entscheidung
abgenommen, wo ich meinen Abend verbringe. Finden an einem Tag parallel zwei
Events statt, auf die ich mich im Vorfeld gefreut habe, plagt mich der Gedanke daran,
mich für die falsche Veranstaltung entschieden zu haben den ganzen Abend. An
The XX werde ich heute gar nicht mehr denken müssen. Exakt zentriert stehe ich
heute im Ampere auf der Tanzfläche, um die beste Soundqualität abzubekommen. Vielleicht wippe ich etwas hin und her,
aber zum Tanzen bin ich zu konzentriert. Es legt kein durchschnittlicher DJ mit
zwei CD-Playern auf, sondern „Ströme“ liefern ein analoges Live-Set. Man stelle
sich zwei Geeks vor einer Ikea-Billy-Regal-großen Gerätschaft vor. Sie drücken
und drehen wild an Knöpfen, stecken Kabel um und behalten zwischen den hunderten
bunten Kabeln und Lichtern den Überblick. Hinten kommen komplexe
Techno-Arrangements raus.

Im Halbdunkeln trete ich am Samstag mit aller Kraft in die
Pedale meines Fahrrads. Verschwitzt und verzweifelt versuche ich die nächste
S-Bahn zu erwischen, doch ich versage. Die Stammstrecke ist auch noch gesperrt: Meine
Freunde müssen ohne mich vorglühen. Etwas pampig treffe ich im Awi auf die
angetrunkene Meute. Für die “groooovy classics” von VELI und VIWO hat sich die
Anreise gelohnt.

Mit Rest-Tinnitus wache ich irgendwann im Laufe des Sonntags
auf. Hoffentlich kann ich bis zum Abend wieder hören. In dem Dokumentarfilm “Drei von Sinnen”,
den ich mir heute Im Neuen Maxim ansehen will, geht es um drei Jungs, die auf ihrer
Reise vom Bodensee zum Atlantik in einem Experiment abwechselnd auf das Hören, Sehen
und Sprechen verzichten.

Warum gibt der Montag so selten was her?

Die wöchentliche Dosis Bahnwärter Thiel hole ich mir am
Dienstag
bei der Dublab Session, präsentiert von PULS. Das Webradio Dublab macht es sich wöchentlich
zur Mission, „spannende Nischen, Labels, Produzenten und Genres auf[zu]spüren
und diese den interessierten Hörern weltweit näher[zu]bringen“. Ich bin
gespannt.

Es macht mich etwas stutzig, dass ich einer der zwei
einzigen bin, die bislang zu dem Konzert am Mittwoch zugesagt haben. Das Trio um James
Brandon Lewis
liegt musikalisch irgendwo zwischen experimenteller Improvisation
und akademischem Jazzmainstream. Der andere, unbekannte Zuhörer und ich werden
uns angesichts unserer guten Musikgeschmäcker wertschätzend zunicken. Eine Hand nachdenklich am Kinn, das rechte
Bein wippt im Takt – Die Jazzpose passt, um dem Geschehen auf der Bühne zu
lauschen.

In der Roten Sonne kann man am Donnerstag einem eher ungewöhnlichen
Live-Act in der DJ-Kanzel sein Gehör schenken: Bam Bam –The Mechanical Sequencer.
Ein Konstrukt, das einer Mischung aus Rasenmäher und Xylophon gleicht, aus dem
am Ende ansprechende Musik kommen soll… Ich bin skeptisch, lasse mich aber gern
eines Besseren belehren.

Es gab eine Zeit, zwischen CD und Spotify, in der besonders
innovative Künstler, ihre kompletten Alben auf Youtube hochgeladen haben. Mutig,
dachte man sich damals noch. In Erinnerung geblieben ist mir aus dieser Zeit
Panda Dub. Der Franzose hat mich mit seinen sphärischen Dub- und Reggae-Sounds früher
Nacht für Nacht in den Schlaf gewogen. Von Zeit zu Zeit wirkt seine Musik in
schlaflosen Nächten immernoch narkotisierend. Ich hoffe, ich werde das Ampere am
Freitag
zu seinem Konzert nicht früher verlassen müssen.

Text: Hubert Spangler

Bild: David Fragomeni

Band der Woche: Ella Josaline

image

Ella Josaline ist vielleicht die größte Pophoffnung,
die München derzeit zu bieten hat. Sie ist gerade einmal 16 Jahre alt und große
Plattenfirmen haben schon ersten Kontakt mit ihr aufgenommen. Ihre erste
Platte zeigt, welch Talent in ihr steckt – und welche Gefahren lauern

Wenn Popmusik funktioniert, veranstaltet sie ziemlich schnell ein Kino im Kopf des Hörers. Da gehen Assoziationen auf, die einen etwa entweder in eine kitschige Jazz-Bar (Norah Jones), auf eine Südstaaten-Veranda (Jolie Holland) oder in einen etwas verdrehten Stadion-Pop-Drogenrausch (Miley Cyrus) versetzen. Das Lebensgefühl, das so an Popmusik gekoppelt wird, ist im gewissen Sinne zwar sehr fiktiv, aber passt gleichzeitig ganz gut zur heutigen Art des Konsums von Populärkultur. Wer sich exzesshaft in die tiefen Fiktionswelten von TV-Serien begibt, baut sich mit Musik auf dem Weg zur Uni oder Arbeit genau diese Fiktion weiter. Je stärker die Musik die eigene Welt in cinemascopegroße Fiktion verwandelt, umso besser. 

Die Münchner Musikerin Ella Josaline Kern verkleidet sich gern. Nicht, dass sie mal als Prinzessin oder als Meerjungfrau auftritt, die erst 16-jährige Musikerin verkleidet ihre Songs und ihre musikalische Persönlichkeit. Und sie hat ein ausgesprochen gutes Gespür dafür, welche Details die Verkleidungen zu der Rolle machen, die sie darstellen will. Und da sie zu diesem Talent noch ziemlich musikalisch ist, eine besondere Stimme hat, die sie vor allem besonders einzusetzen weiß, hat nun eine Musiker-Karriere für sie angefangen – auch, weil sie mit diesen Verkleidungen in der Lage ist, Lebensgefühle bei ihren Zuhörern auszulösen.

Sie ist überschwänglich, wenn sie über ihre Musik redet. Das erklärt, warum es ihr so leicht fällt, den Songs ein überzeugendes und ja, eben erzählendes Gewand zu geben. „Ich habe immer schon Musik gemacht, immer gesungen, als Kind schon Songs geschrieben, Musik ist mein Leben“, sagt sie. Da klingt etwas Absolutes mit, das auch ihre Musik hat. Gerade besucht sie eine Waldorfschule, die sie im kommenden Jahr mit der Mittleren Reife abzuschließen plant. Danach soll dann die Musik zum wirklichen Lebensmittelpunkt werden. Wie das viele junge Musiker derzeit machen, hatte auch Ella Josaline vor einem Jahr damit angefangen, Videos von sich auf Youtube zu stellen; etwa wie sie Damien Rices „Cannonball“ covert. Gerald Huber vom Münchner Label Redwinetunes erkannte ihr Talent und begann, sich der Musikerin anzunehmen. Er stellte sie den wichtigen Menschen in der Szene vor, besorgte ihr Konzerte und organisierte die Aufnahme ihrer ersten Platte. „Ihm habe ich alles zu verdanken“, sagt Ella Josaline, in der für sie eben typischen Hingabe.

Denn von diesem Moment an lief es ziemlich gut für sie. Sie spielte eine Menge Support-Gigs und begann mit den Produzenten Bonifaz Prexl und Nicolas Sierig zu arbeiten. Nun hat sie ihre erste Aufnahme fertig gestellt, die EP „FreEp“, die sie am Samstag, 21. November, im Münchner Ampere bei „Munich Rocks“ vorstellen wird. Und darauf zeigt sie sich in all ihren Verkleidungen fast kaleidoskopartig. Im Opener „Change the World“ präsentiert sie sich als durchaus authentischer moderner Hippie, dessen Stimme über Blues-Harmonien zwischen Entrüstung und Änderungswillen schwankt. Darauf folgt „Free“, immer noch im Hippie-Gewand klingt sie darauf wie eine etwas naive Joni Mitchell, bevor sie in der reduzierten Instrumentierung des deutschsprachigen „Ich will nur“ immer wieder knapp an der Silbermond-Deutschpop-Falle vorbeirauscht. Richtig stark ist sie dann als weiblicher Conor Oberst in „On the Road“ und im folkigen Country-Song „Wondrous Soul“ zur Kontrabassbegleitung. Wenn sie nun im kommenden Jahr beginnt, an ihrem ersten Album zu arbeiten, wird es spannend, welches Kostüm sie darauf für ihre Musik wählt. Denn wenn sie dieses noch ein wenig eindeutiger wird, hat sie vermutlich wirklich gute Chancen, mit der Musik ihr Leben zu bestreiten.  

Stil: Songwriter-Pop

Besetzung: Ella Josaline Kern

Aus: München

Seit: 2014

Internet: www.ellajosaline.com

Rita Argauer
Foto: Fabian Winkler

Von Freitag bis Freitag München – Unterwegs mit Katharina

image

Studentenleben, vor allem am Anfang des Semesters, ist kein Sahneschlecken: Katharina kämpft schon in der ersten Woche des Wintersemesters mit Übermüdungserscheinungen. Kürzer treten wird sie in ihrer Freizeitgestaltung deswegen aber keineswegs: Ob das Spielart Festival, der Supersonic Thursday im Cord oder die Charity Veranstaltung der Asian Charity Organization – Katharina ist am Start und denkt auch noch fast nicht an Winterschuhe und Weihnachten. Also fast.

Zwei Wochen Wintersemester habe ich jetzt hinter mir und ich bin vollkommen geschafft und durchgefroren. Hatten wir nicht gerade noch 30 Grad? Jetzt laufen alle auf einmal mit Winterschuhen, dicken Schals und Daunenjacken rum, trinken Tee aus der Thermoskanne und freuen sich auf Weihnachten. Das geht mir irgendwie ein bisschen zu schnell. OK – das Wintersemester heißt nun mal Wintersemester, weil der größte Teil des Semesters im Winter stattfindet. Aber der gute Winter muss es ja auch nicht gleich übertreiben. Wo ist der Herbst geblieben? Wie soll mein Körper einen derartigen Temperatursturz überhaupt überstehen? Aber das Gejammer hilft ja auch nichts. Ich muss mich langsam an den Gedanken gewöhnen, dass ich eine Jacke brauche, wenn ich vor die Tür gehe – meine Chucks werden aber noch nicht durch Winterschuhe ersetzt. Irgendwie muss man dem Ganzen ja trotzen. Immer schön langsam, lieber Winter, eins nach dem anderen.

Um die Sommerstimmung noch ein bisschen in Erinnerung zu halten, entschließe ich mich am Freitag zu einem Festivalbesuch. Heute ist der erste Tag des Spielart Festivals in München. An verschiedenen Orten in der ganzen Stadt präsentieren internationale Künstler ihre Werke. Von Ausstellungen, über Performances und Parties bis zu Installationen ist in den nächsten 16 Tagen alles dabei. Beim Lesen des Programms springt mir sofort die Ankündigung der Videokunstinstallation „Perhaps All The Dragons“ ins Auge und ich mache mich auf den Weg in die Falckenbergstraße zur Kammer 2 der Münchner Kammerspiele. Hier verfolge ich auf dreißig Bildschirmen den unglaublichen Geschichten von dreißig verschiedenen Menschen aus der ganzen Welt. Echt kurios und beeindruckend!

Ich muss zugeben: Es sind nicht nur die Temperaturen, die meinem Körper und Geist zu schaffen machen, sondern auch die Tatsache, dass die Ferien vorbei sind und ich mich langsam wieder ans Semester gewöhnen muss. Das hat meine innere Uhr, die irgendwie immer noch im Ferienmodus tickt, noch nicht so ganz verstanden. Zum Glück ist heute Samstag – mein Lieblingstag der Woche. Morgens ausschlafen und abends ohne schlechtes Gewissen spät ins Bett gehen, egal ob Ferien sind oder nicht. Der heutige Tag gestaltet sich außerdem auch noch unglaublich produktiv. Wir, also meine Band THE LIVING und ich, spielen auf der ACO-Benefiz Veranstaltung im Willi-Graf-Gymnasium. Die Asia Charity Organization (ACO) sammelt für verschiedene Hilfsprojekte in Vietnam und wir dürfen heute auch unseren kleinen Beitrag dazu leisten. Abends genießen wir das leckere asiatische Essen und machen danach noch einen kleinen Abstecher zum Freiheiz. Wir schaffen es zum Glück noch rechtzeitig zum Auftritt von der Lischkapelle und Swallow Tailed, die hier heute im  Rahmen der Neuhauser Musiknacht auf der Bühne stehen. 

Ich glaube das Schicksal hat mein Gejammer gehört. Denn als ich am Sonntag erwache und auf die Uhr schaue, fällt mir ein, dass uns ja heute eine Stunde geschenkt wird. Die kann ich in meinem Projekt „Gewöhn dich ans frühe Aufstehen – die Semesterferien sind vorbei“ gut gebrauchen. Nach einem schönen entspannten Sonntagsbrunch ist mal wieder Zeit für ein bisschen Kunst. Auf der Kunstmesse Stroke in der Säulenhalle an der Hackerbrücke bewundere ich in einer riesigen Schar aus Hipstern die Kleidung junger Münchner Designer und beobachte fasziniert die Präzision und Detailverliebtheit der Tatookünstler.

Es ist Montag und ich kann ausschlafen. Halt! Da stimmt irgendwas nicht. Hab ich mich im Wochentag geirrt? Ich überprüfe meine Stundenplan und tatsächlich: Mein erster Unitag der Woche beginnt erst um vier Uhr nachmittags. Das ist ja gar nicht mal so schlimm. Was beklage ich mich eigentlich die ganze Zeit? Da höre ich lieber mal ein paar jungen Leuten zu, denen wirklich etwas auf der Seele brennt. Beim Isar Slam im Ampere sind heute preisgekrönte Poetry Slammer aus ganz Deutschland und der Schweiz zu Gast. Die Wortwellen der Sprechkünstler schwappen mir entgegen und nehmen mich so in ihren Sog auf, dass ich ganz verblüfft bin, als ich mich am Ende des Abends in einer jubelnden Menge wiederfinde.

Am Dienstag hat sich der ganze Schlafüberschuss vom Wochenende – wenn man überhaupt von etwas derartigem reden kann – schon  wieder relativiert. Nur mit viel Kaffee kommt mein Kopf einigermaßen in Gang. So kann ich wenigstens die ersten paar Stunden des Tages einigermaßen konzentriert überstehen. Doch schon mittags ist die Konzentration wieder hinüber. Ich schaue aus dem Fenster in den wolkenverhangenen Himmel und träume vom weißen Strand, warmer Sonne und Sommerluft. Bis mich auf einmal meine Freundin in die Seite stupst und fragt: „Sag mal, hast du verstanden, was der Professor genau damit meint?“-  Professor? Was? Ich schrecke aus meinen Tagträumen hoch und befinde mich in einem vollen Vorlesungssaal. OK – so kann das echt nicht weitergehen. Ich bekomme ja gar nichts mehr mit. Irgendwas muss ich an meinem Schlafverhalten ändern. Vielleicht sollte ich einfach mal früher ins Bett gehen. Aber heute klappt das sicher nicht. Ich muss unbedingt zur Aufführung des Performance-Stücks Amarillo in die Muffathalle. Es erzählt die Reise eines Mexikaners durch die Wüste nach Texas. Seine Sinneseindrücke und Erlebnisse stellen die Künstler aus Mexiko mit Hilfe verschiedener Mittel – von Choreographien bis Filmprojektionen – dar. Vollkommen fasziniert vom Geschehen, merke ich gar nicht wie müde ich eigentlich war.

Erst als ich mich am Mittwoch verschlafen aus dem Bett quäle, fällt mir mein doch eigentlich so vernünftiger Plan wieder ein. Naja, vielleicht lege ich einfach später nach der Uni noch ein kleines Nachmittagsschläfchen ein, bevor ich mich dann abends mal wieder in Richtung Ampere aufmache. Langsam kennen meine Füße den Weg dorthin von ganz allein. Sales aus Florida bringen mit ihrer Musik sofort wieder warme Sommerstimmung auf und lassen auch meine kalten Füße schnell wieder auftauen. Vielleicht sollte ich doch langsam mal überlegen, meine Winterschuhe aus den tiefen Winkeln meines Schranks zu befreien.

Der Donnerstag startet mal wieder viel zu früh. Ich glaube mein Plan des Früh-ins-Bett-Gehens war dann doch ein bisschen zu optimistisch – oder sollte ich sagen realitätsfern? Eine Planänderung muss her. Neues Motto: Wenn nichts mehr geht, dann geht noch was. Das klingt doch auch sehr optimistisch. Ich trink mir über den Tag hinweg einen Cola-Rausch an und steuere abends zum Supersonic Thursday in den Cord Club. Ich tanze so lange, bis ich Seitenstechen bekomme und meine Füße weh tun. Auf dem Nachhauseweg lässt dann auch langsam mein Koffeinpegel nach. Zu Hause falle ich mit Klamotten ins Bett und bin sofort weg.

Der Wecker ist echt eine unnötige Erfindung, vor allem wenn er nach weniger als sechs Stunden Schlaf klingelt. Aber an einem Freitag kann ich selbst über diese Tatsache hinweg sehen. Ich bin in Hochstimmung. Nur ein ganz kurzes, kleines Seminar in der Uni und dann steht das Wochenende vor der Tür. Zwei Tage Zeit, um ausreichend Schlaf für die nächste Woche zu sammeln. Nach dem gestrigen Abend gehe ich das ganze ein bisschen langsamer an. Was passt da besser als ein Besuch auf dem eat&style-Festival im Zenith? Ich schlemme mich durch verschiedene kulinarische Köstlichkeiten und hole mir Anregungen für unser Weihnachtsessen. Ups, eigentlich wollte ich da ja noch nicht daran denken, aber jetzt, wo ich schon mal hier bin…

Katharina Würzberg

Foto: Lorraine Hellwig