Band der Woche: Umme Block

Von Viktor Schacherl

Das Experimentieren mit analogen Synthesizern gehört in Deutschland schon fast zur Tradition. Allen voran war es der avantgardistische Komponist Karlheinz Stockhausen. Er war es, der der Welt die Tore zur elektronischen Musik öffnete. Was bei Stockhausen noch nicht allzu zugänglich für die breite Masse war, wurde anschließend von den Bands in der elektronischen Sparte des Krautrocks, vor allem Kraftwerk, im Mainstream etabliert. Seitdem sind diese Instrumente nicht mehr aus der Popmusik wegzudenken. Allerdings rücken sie aktuell bei Live-Auftritten immer mehr in den Hintergrund und werden zumeist nur noch im Studio verwendet. Die produzierten Klänge werden bei den Konzerten anschließend lieber über einen Laptop abgespielt, als die Synthesizer selbst live einzusetzen. Aus analog wird immer mehr digital.

Ein Münchner Duo, das sich dem aktuellen Trend entgegensetzen will und lieber im Geiste von Kraftwerk musiziert, ist Umme Block. „Bei vielen Bands hast du selbst als Musiker keine Ahnung mehr, was da gerade live oder Playback ist“, stellt die 24-jährige Klara Rebers fest, die gerade eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau absolviert. Zusammen mit Leoni Klinger will sie solche Unklarheiten bei ihren Konzerten vermeiden. Alles wird bei ihnen live eingespielt, aus digital wird wieder analog.

Das Ergebnis: Eine Unmenge an einzelnen Synthesizern und Beatmaschinen umzingelt die beiden Musikerinnen bei ihren Konzerten. Letztendlich müssen sie jeden Song Element für Element aufbauen oder sich in akrobatischen Multitasking-Übungen beweisen. Es entsteht eine eher Rave-artige Atmosphäre, bei der der Einfluss von Pink Floyd genauso präsent ist wie der von Trip-Hop und Techno – noch rumpelt und scheppert es ein wenig, aber das Potenzial ist beachtlich. Durch ihre Songstrukturen öffnen Umme Block Klangräume, bis Leoni mit ihrem Gesang die Songs auflöst und vereinzelt Klaras verhallte E-Gitarre aufblitzt.

Ihre Herangehensweise kann als Gegenbewegung zum heutigen – vor allem durch Spotify geprägten – Songwriting gesehen werden. Lieder müssen nicht immer auf drei Minuten 30 gekürzt und ein Intro nicht zwangsweise bei unter 20 Sekunden gehalten werden.

Die Band war dieser Art des Komponierens und diesem elektronischen Sound nicht von Anfang an vertraut. Noch vor ein paar Jahren machten sie unter dem Namen NouNours Musik. Damals war alles eher simpel gehalten: zwei Stimmen, eine Akustikgitarre. Als Sängerin Leoni für ihren Bachelor in Medienwissenschaften nach Weimar zog, kam das damalige Projekt mehr oder weniger zu seinem Ende. In Weimar machte die heute 25-Jährige keine Musik, sondern spielte Theater. Nach ihrer Rückkehr nach München sollte ihr neuer Sinn für Dramaturgie auch in die Musik ihrer Band fließen.

Kurzerhand wurde das Konzept des Vorgängerprojekts komplett umgekrempelt. Beatmaschinen wurden gekauft und alte Synthesizer der Eltern aus dem Schrank geholt. Nach monatelangen Experimentieren war dann letztendlich auch ein neuer Bandname angebracht. Die Neuerfindung und die damit entstandene, sphärische Musik hat sich schnell ausgezahlt und man konnte schon den Milla-Song-Slam für sich entscheiden. Zuletzt war das Duo regelmäßig auf den Münchner Bühnen zu Gast.

Bis dato gibt es noch keine professionellen Aufnahmen des Duos zu hören. Allerdings haben Umme Block mittlerweile ein Studio aufgesucht und wollen nun nach und nach Singles veröffentlichen. Den Anfang wird der Song „Yellow Lights“ machen und inklusive Video am 7. Dezember veröffentlicht werden.

Foto: Ferhat Deliktas

Umme Block

Stil: Electronica, Trip-Hop
Besetzung: Leoni Klinger
(Gesang, Synthesizer, Beats), Klara Rebers (Synthesizer, Beats, Gitarre, Gesang)
Aus: München
Seit: 2018
Internet: https://soundcloud.com/ummeblock