Band der Woche: Mola

Pop-Musik zum Abstürzen: So schön wie Isabella Streifeneder alias Mola hat schon lange niemand mehr über nächtliche Sauftouren gesungen.

Foto: Christin Büttner

Von Rita Argauer

Drogen haben bei Künstlern eine lange Tradition. Es ist keine Erfindung von Janis Joplin, Amy Winehouse oder Kurt Cobain, die Welt in ihrer realen Härte nicht auszuhalten und dem Hirn für die Flucht daraus ein paar Substanzen zu verabreichen. Solche Mechanismen reichen auch in der Musik weiter zurück. Hector Berlioz etwa mochte die Wirkung von Opium, genauso wie Frédéric Chopin, während Beethoven eher auf den klassischen Alkoholrausch gesetzt haben soll. Mit jedem jung verstorbenen oder stark berauschten Popstar mehr nährt sich jedoch das Klischee von einem Künstler, der zu sensibel für die Welt ist. Dann schafft er oder sie durch die Kunst zwar eine ziemlich ansprechende Weltfluchtmöglichkeit, aber ist Drogenmissbrauch eine Lösung?

Die Münchner Sängerin Isabella Streifeneder, die sich als Musikerin Molanennt, ist da auf ihrer neuen EP jedoch vielmehr lakonisch als romantisch: „Ich trink klar an der Bar“, singt sie in dem deutlich betitelten Song „Feier mich kaputt“. Und auch sonst geht es auf „Blaue Brille“, so der Titel, um genau das: Blau sein, abstürzen, feiern und sich die Welt schön trinken, um zu einem „Happy-End auf drei Promille“ zu gelangen. So drastisch, so klar und, ja, so nüchtern hat das lange keiner mehr beschrieben. Der Drogenkonsum wird ja in der Musik eigentlich gerne verklausuliert besungen oder romantisiert; auch wenn er einen politisch-aktivistischen Zweck bekommt, wie etwa im Reggae von Marley bis Söllner.

Bei Mola hat das überhaupt keinen Zweck. Und das macht ihre besungenen Rauscherfahrungen so besonders. Mola besingt einfach nur den Hedonismus nächtlicher Sauftouren in einem Leben, in dem die Musik eine sehr große Rolle spielt, in der der Glamour des Berufsmusiker-Daseins für junge Popmusiker doch rein finanziell in sehr weite Ferne gerückt ist. Mola arbeitet in der Gastronomie fürs Geld und an ihrer Musik für sich. Dass diese Musik schon immer so gut produziert und wohl geformt klang, wie sie vor 15 Jahren nur in einem professionellen Tonstudio hätte entstehen können, ändert nichts an der Ausgangslage.

Große Plattenfirmen gehen derzeit nur noch auf Nummer sicher und vermarkten lieber das, was es sowieso schon gibt, in der Hoffnung, dass das gekauft wird, weil das Publikum ein Gewohnheitshörer ist. Dafür ist Mola, vor allem auf ihrer neuen EP nun doch irgendwo viel zu hart. Nicht musikalisch, die verschleppten Beats, die kühl-elektronische Klangwelt und die raue Stimme entsprechen ziemlich dem, was gerade angesagt ist. Doch die Abgeklärtheit, mit der sie singt, der Nihilismus, der in den drastischen Texten liegt, und ihre Haltung, an der sämtliche Affektionen abperlen, die dürfte die Musikbusiness-Menschen eher verschrecken.

„Vor dieser EP waren die Tracks oft viel lieblicher und gefälliger als ich selbst“, erzählt sie, nun hatte sie sich aber vorgenommen, ihr Leben „musikalisch und auch textlich authentisch zu illustrieren“. Mit all den Abgründen und Dämonen, die sie so hat, und ihre Versuche, damit im Hier und Jetzt klarzukommen. „Für mich geht es aber nicht darum, wie geil Partymachen ist, sondern die EP beschreibt den Absturz eher als Ventil und Flucht.“ Als musikalischen Partner hat sie sich dafür Markus Harbauer ausgesucht, seinerseits Bassist von
Exclusive, aber noch viel stärker gerade in der Rolle als Produzent der Münchner Popszene. Sie habe keinem „funktionierendem Blue Print“ hinterherlaufen wollen. Mit Markus habe das wunderbar geklappt, die Zusammenarbeit sei erfüllend gewesen. Anfang Juli wird die EP veröffentlicht, dann wird Mola im Muffatcafé die Songs, die allesamt im Studio entstanden sind, mit ihrer Band zum ersten Mal live präsentieren.