Band der Woche: C-Ras

Christopher Israel Smiths Art zu rappen ist mal witzig und selbstironisch, mal düster und bedeutungsschwanger. Dabei entstehen mitunter kryptisch anmutende Songs

Von Wolfgang Westermeier

Wer mit seiner Musik Geschichten erzählen möchte, ist im Hip-Hop eigentlich gut aufgehoben: Mithilfe des schnellen, für das Genre typischen Sprechgesangs, dem Rap, können die Musiker eine schier endlose Zahl an Worten über ihre Zuhörer ausschütten und die großen und kleinen Dramen des Lebens thematisieren. Manchmal klappt das, etwa wenn das Berliner Duo Zugezogen Maskulin in „Plattenbau O.S.T.“ über ostdeutsche Trostlosigkeit rappt. Oft scheitert es aber auch, was wiederum an den Eigenheiten des Genres liegt: Wer besonders schnell rappt, tut dies meist auf Kosten der Verständlichkeit: Der Song „Panda“ des US-Rappers Desiigner, der 2016 auf Platz eins der „Billboad-100-Charts“ landete, ist so unverständlich, dass der Musiker ihn in einem eigenen Video für die Songtext-Datenbank Genius Wort für Wort erklären musste. Aber selbst wenn man klar und deutlich rappt, hat man als Musiker nur begrenzten Einfluss auf die Interpretation des eigenen Werks. Beispielsweise ist „Biergarten Eden“ von K.I.Z nicht das patriotische Manifest, für das es – zur großen Irritation der Rapper – manchmal gehalten wird. Nun kann man es machen wie Desiigner und in nachträglichen Erklärvideos das eigene Genuschel übersetzen. Oder aber man arbeitet von Anfang an mit der Prämisse, dass ein Song nicht unbedingt verständlich sein muss, um etwas zu bedeuten.

Der 27-jährige Christopher Israel Smith alias C-Ras  ist davon überzeugt. „Ich setze mich nicht hin und sage: ‚Ich schreibe jetzt einen Song über ein bestimmtes Thema‘“, erklärt er. Vielmehr ist er auf der Suche nach abgekapselten Wortspielen und flüchtigen Gedankenfetzen. Diese Fragmente können mal witzig und selbstironisch sein, mal düster und bedeutungsschwanger. Am wichtigsten ist aber: der Klang der Worte. „Ich starte meistens mit einem Wort, das mir gefällt, und hangle mich von dort aus weiter“, sagt Chris. So entstehen dann auch kryptisch anmutende Songs wie „IAK KMO“, den er zusammen mit seinem Rap-Kollegen D-Ras aufgenommen hat.

Die Inspiration für den Titel war das Akronym des Isar-Amper-Klinikums München-Ost, das im Song selbst aber nicht weiter behandelt wird. Die Texte von C-Ras allein auf Zufälle zu reduzieren, wäre allerdings zu kurz gegriffen: Inhaltlich taucht immer wieder das Leben in München auf, auch die eigene Hautfarbe und Racial Profiling durch Polizeibeamte spielen eine Rolle. Oder er nimmt sich selbst aufs Korn, wie etwa in „Haust du mich“. In dem Song stellt er fest: „Mein Selbstbewusstsein ist im Arsch so wie ein Tanga.“

Getragen werden die Reime von schleppenden Beats, die sich gegenseitig immer wieder in den Rhythmus fallen, nur um ein paar Takte später wieder zur eigentlichen Hook zurückzufinden. Die drückenden Kicks im Hintergrund lassen die Musik oft ein bisschen schalkhaft und gemein klingen. Meistens sind die Songs kurz und komplex, was auch mit der Arbeitsweise von C-Ras zu tun hat: Zwar produziert er digital. Um Inspiration zu finden, ist er aber regelmäßig in Plattenläden unterwegs. Dort kauft er dann einen Stapel Schallplatten – vor allem die Sechziger- und Siebzigerjahre haben es ihm angetan – und sucht zu Hause nach geeigneten Samples für seine Tracks. Dabei bedient er sich munter aus den unterschiedlichsten Genres: Krautrock, Brazil-Jazz, Reggae und Klassik – es gibt kaum eine Musikrichtung, mit der C-Ras noch nicht herumexperimentiert hat.

Entsprechend abwechslungsreich fallen seine Tracks aus. Aktuell beendet er die Arbeit an einem Instrumental-Album, innerhalb des nächsten halben Jahres soll außerdem ein neues Album mit seiner Rap-Crew Greenery Force erscheinen. Auch live kann man C-Ras erleben. Am Samstag, 9. November, wird er beim „Sound of Munich Now“ im Feierwerk auftreten.

C-Ras

Stil: Hip-Hop
Besetzung: Christopher Israel Smith
Aus: München
Seit: Seit 2014
Internet: www.facebook.com/crasthebeatsmith

Foto: Niels Jäger