10 im Quadrat Volume 3: Mara Fischer

Zehn junge Fotografinnen und Fotografen treffen auf zehn junge Menschen mit Bühnenerfahrung.
Das Ergebnis: „10 im Quadrat Volume 3“ – eine Ausstellung der Junge-Leute-Seite im Farbenladen des Feierwerks. Hier im Porträt: Fotografin Mara Fischer

Im Shooting mit Mara Fischer ist es selten, dass sie die Welt nicht durch das Objektiv ihrer Kamera sieht. Für gewöhnlich betrachtet die junge Fotografin ihr Model Xavier Darcy, der vor einem kleinen Café am Elisabethmarkt sitzt, durch die Linse. Gleichzeitig verlegt sie ihr Gleichgewicht von einem Bein auf das andere, geht dann in die Knie, um die beste Perspektive zu finden. Als Xavier eine kurze Verschnaufpause braucht, verschwindet Mara in den Gassen neben dem Café. Die Kamera die ganze Zeit vor den Augen, geht sie die potenziellen nächsten Locations ab und macht Probeaufnahmen, um zu sehen, wie die Orte auf der Aufnahme wirken könnten.

Es macht Maras Arbeitsweise aus, dass sie während der Shootings ausprobiert und erkundet. Denn sie arbeitet „von innen nach außen – die Form ergibt sich dann“, sagt die 26-Jährige. Das Innen, also ihr Konzept, das entwickelt sie gemeinsam mit den Künstlern in einem separaten Treffen. Aber ganz frei ist auch hier nicht alles. Denn etwas gibt Mara dennoch vor: Das Gesicht oder mindestens große Teile davon, stehen nicht im Vordergrund. Ein Porträt ohne das entscheidende und meinungsbildende Merkmal also. Mara will so das oft unterbewusste Denken in Schubladen vermeiden – „was ja jeder irgendwo macht“, sagt sie. Die Location und die Art, wie die Künstler dann ihr Gesicht verdecken, darüber entscheiden die Fotografin und der Künstler gemeinsam. So verdeckt Xaviers Gesicht, der britische Wurzeln hat, eine Zeitung, die den Brexit thematisiert. Hani Who, der eine Vorliebe für deutsche Sprichwörter wie „Friede, Freude, Eierkuchen“ besitzt, entschied sich für einen durch die Luft fliegenden Eierkuchen.

Einen etwas anderen Ansatz mit dem gewissen Twist – ein Porträt, dass irgendwie kein Porträt ist. Denn Mara spielt gerne mit Vorgaben, wählt nicht den naheliegenden Ansatz und hat Spaß am Nachdenken. Das sei gewiss ein Überbleibsel aus ihrer Zeit als Germanistik- und Philosophie-Studentin, sagt sie. Im vierten Semester brach sie ihr Studium ab. Nach einer einjährigen Fotoassistenz bei Boris Breuer in Köln begann sie dann ihr Studium an der Hochschule München im Fach Fotodesign. Heute, im achten Semester, ist es aber nicht die Fotografie, die ihr Herz schneller schlagen lässt. Es sind die Kreativität und Ideen an sich. Ganz der Devise „von innen nach außen“ und „die Form kommt dann schon“, sieht sie sich in den verschiedensten Bereichen zu Hause. Denn vor einiger Zeit hat die junge Künstlerin für sich beschlossen, lockerer mit den Medien umzugehen. Wenn sie also eine Idee hat, die aber nichts mit der Fotografie zu tun hat, verfolgt sie diese trotzdem weiter. So gründet sie gerade ein Start-up – um was es dabei geht, ist aber noch geheim. Mara verrät nur, dass es mit der Fotobranche zu tun hat – also doch nicht so weit entfernt von der Fotografie.

Und wenn Mara beim Shooting die Kamera vom Gesicht nimmt, auf ihr Display schaut und laut ruft: „Es ist super geil, man versteht es halt nicht, aber das ist super geil!“ In diesem Moment spürt man, dass die Fotografie vielleicht nicht der einzige Teil in ihrem Leben ist, aber auf jeden Fall ein wichtiger Teil von ihr.

Text: Larissa Kahr

Foto: Leonid Levi Zimmermann

Alle Informationen zur Ausstellung gibt es hier