10 im Quadrat Volume 3: Kaj Lehner

Zehn junge Fotografinnen und Fotografen treffen auf zehn junge Menschen mit Bühnenerfahrung.
Das Ergebnis: „10 im Quadrat Volume 3“ – eine Ausstellung der Junge-Leute-Seite im Farbenladen des Feierwerks. Hier im Porträt: Fotografin Kaj Lehner

Während einer Busfahrt von Berlin zurück in ihre Heimat München ist der Fotografin Kaj Lehner, 20, die Idee gekommen. Sie erinnert sich an frühere Reisen im Bus. Die Möglichkeiten, sich zu beschäftigen, sind begrenzt: Lesen, Musik hören, Fernsehen oder einfach Schlafen. Da erkannte sie, dass es für sie keinen vergleichbaren Ort gibt, an dem sie so gut den Kopf frei bekommen kann. „Der Bus ist mein Rückzugsort“, sagt sie. Eine Erkenntnis, auf der ihr Konzept für „10 im Quadrat“ aufbauen sollte. Sie stellte sich und ihren Models die Frage: Was machen andere Künstler, wenn sie Energie tanken oder einfach mal nur für sich sein wollen?

Neben den persönlichen Lieblingsorten der Models geht es Kaj auch besonders darum, in den Bildern eine Atmosphäre oder ein Gefühl einzufangen. Denn in den Fashion-Editorials, die sonst ihre Leidenschaft sind, ist das seltener der Fall. Dabei geht es um die Mode und nicht den Menschen. Das Model tritt komplett in den Hintergrund. Da richten sich Ort, Licht und Styling nach der Mode.

Über einen Blog entdeckte die damals 14-Jährige ihre Leidenschaft für die visuelle Kunst. Da wurde das Stylen des Outfits und Schreiben von Texten und Modeln immer mehr zur Nebensache. Und dann hat sich „dieses Hobby so gefestigt, dass dann schnell klar war: Das will ich beruflich weitermachen“, sagt Kaj. Die Zusage an der Hochschule München für Fotodesign kam dann aber doch überraschend. Direkt nach dem Abitur hatte sich die damals 18-Jährige beworben – wie 200 andere. Eine große Konkurrenz, trotzdem wurde sie ausgewählt. Heute kann die Modefotografin bereits auf Veröffentlichungen in verschiedenen Magazinen zurückblicken.

Für das freie Konzept des „Lieblingsortes“ hat sich die Studentin bewusst entschieden. Die Vorgabe biete viel Platz für die eigene Interpretation, die Models sollen sich, anders als bei Fashion-Shootings, selbst einbringen, sagt sie. So wenig vorgeben wie möglich, ist ihre Devise. Und so entscheiden die Models über fast alles: den Ort, das Outfit und sogar das Licht. Auf Kajs Fotos sticht dann auch besonders die Nutzung der Lichtquellen ins Auge. Seien es die Leuchtstoffröhren hinter der Bar im Club „Strom“, die das Dunkel um Elena Rud aufbrechen, oder die Sonnenstrahlen bei einem Frühlingsspaziergang von Pasing zum Schloss Blutenburg mit Manekin Peace. Dass eine Aktivität, wie ein Spaziergang oder die Arbeit in einer Bar als Rückzugsort von den Models genannt wurde, war dabei etwas überraschend für Kaj. „Es ist interessant, wie die Vorgabe ausgelegt wurde“, sagt Kaj. Sie selbst hätte eher einen ruhigen Ort erwartet, an dem man mit den Gedanken alleine ist.

Umso interessanter ist es, dass die Bilder trotz des Trubels, der aufgeheizten Stimmung in einer Bar, für einige Models eine Ruhe ausstrahlen.

Text: Larissa Kahr

Foto: Kaj Lehner

Alle Informationen zur Ausstellung gibt es hier