Foto: privat

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Alina

München darf zwar raus, doch normal ist das Leben noch lange nicht. Da aber zum Glück kein Hausarrest herrscht, führen wir unsere Rubrik “Von Freitag bis Freitag” weiter. ❤ Trotz einer sich einschleichenden Verunsicherung versucht unsere Autorin Alina,  die Vorzüge Münchens weiterhin zu genießen. Ihre Woche steht ganz unter dem Motto: Flohmärkte, Musik und ganz viel Kunst und Kultur. 

Es ist Freitag. Im November 2021 – und plötzlich werde ich von dem Ich aus dem November 2020 eingeholt. Ich mache mir wieder Gedanken, wo und mit wem ich hingehe. Ob ich überhaupt wohin hingehen soll. Ich checke regelmäßig meine Corona-Warn-App und hoffe, dass sie nicht rot ist. Das stresst. Macht mich traurig. 2020 war es meine Hoffnung, dass es 2021 anders sein wird. Das ist aber nur bis jetzt so gewesen. Das Gefühl von 2020 liegt wieder in der Luft. Deswegen bleibe ich Freitagabend zu Hause. Schalte um 20 Uhr das Sound of Munich Now ein und mache mir eine kleine Party daheim.

Am Samstag schmiede ich mir einen Plan, wie ich meine Wohnung verlassen und mein Ich von 2020 zu Hause lassen kann. Ich entscheide mich, zu dem Midnightbazar im Backstage München zu gehen.Dort hoffe ich, Dinge zu finden, die mich an die gute alte Zeit vor Corona erinnern. Weil sich mein jetziges Ich aber auch nach neuen Sachen sehnt, gehe ich am Sonntag auf den nächsten Flohmarkt. Diesmal zum Krims&Krams im Bahnwärter Thiel.

Die neu gekauften Schnäppchen platziere ich am Montag in meiner Wohnung und merke, wie ich mein Ich aus 2020 immer mehr verdränge und mich voll und ganz auf das hier und jetzt konzentriere. Dazu höre ich das Sound of Munich Now Festival. Am Montag spielt Fallwander. Die Musik ist genauso abstrakt wie der Name des Duos.

Mit voller Zuversicht und Vertrauen gehe ich am Dienstagabend zu einem Zero-Waste-Stammtisch in der Diba Café-Bar und plane, wie das Leben meines Zukunfts-Ichs mit weniger Müll aussehen kann.

Am Mittwoch brauche ich mehr, als das Sound of Munich now daheim und gehe danach noch zu der Singer & Songwriter Openstage im Import Export.Das tut gut. Mein Ich aus 2020 klopft wieder an. Was macht du hier? Wie fühlst du dich? Ich denke nach und merke, dass das Ich sich anders fühlt. Anders wie 2020, aber auch nicht so, wie ich es mir für 2021 gewünscht habe.

Um weiter über mein Ich philosophieren zu können, nehme ich am Donnerstagabend an der Onlineveranstaltung Lange Nacht der Philosophie: Ich und mein Schatten teil. Dort wird versprochen, eigene Schwächen und Stärken zu reflektieren. Und man erhält praktische Tipps für die persönliche Charakterarbeit. Das klingt vielversprechend für mich und meine zukünftigen und vergangenen Ichs. Mit einem neue geformten Ich starte ich in den Freitag und lasse mich überraschen, was mein Neues Ich dann machen will.

Alina Venzl