Von Freitag bis Freitag München: Unterwegs mit Alina

Für unsere Autorin Alina steht die letzte Woche ihres Studiums vor der Tür. Ihre Pläne dafür drehen sich viel um Sommerfeste und den Ausbau ihres Taktgefühls. 

Von Alina Venzl

August ist Urlaubszeit. Viele Leute sind weg, viele Touristen sind in der Stadt. Und ich bin da. Was auch schön ist. Ich liebe München im Sommer. Und die kommende Woche ist eine besondere Woche für mich. Ich werde mein Studium beenden. Aber bevor es soweit ist, gehe ich erstmal für eine bessere Welt demonstrieren. Nicht zu Fridays for Future, was ihr jetzt wahrscheinlich denkt, sondern an diesem Freitag geht es zu einer Spontandemonstration von Extinction Rebellion vor dem Brasilianischen Konsulat, weil der Amazonas seit Tagen brennt. Die Politik und auch jeder einzelne von uns muss jetzt handeln.

Am Abend möchte ich dann etwas Neues wagen. Ich gehöre ehrlich gesagt eher zu denjenigen, die auf der Tanzfläche wegen ihres nicht vorhandenen Taktgefühls auffallen. Aber ich habe gehört, dass man Taktgefühl lernen kann, zum Beispiel bei einem DJ-Beginner-Kurs im Import Export, wo ich mein Glück versuche. Dort lernt man nicht nur mixen, sondern auch das eigene Hörvermögen zu schärfen, sich auf verschiedene Dinge gleichzeitig zu konzentrieren – und man trainiert sein Taktgefühl. Vielleicht kann ich zu selbstgemixten Beats einfach taktvoller tanzen.

Den Samstag lass ich vermutlich etwas ruhiger angehen. Am Nachmittag schaffe ich es endlich, bei der „Plush Bay“-Ausstellung im Farbenladen vorbeizuschauen, bevor sie am Sonntag vorbei ist. Abends geht’s dann mit den Mädels auf das Sommerfest von Minna Thiel, der alte Schienenbus vor der HFF.

Da meine Mädels und ich nicht erst seit gestern befreundet sind, weiß ich, dass es mit Sicherheit eine feucht-fröhliche Nacht werden wird und ich erst früh morgens ins Bett fallen werden. Deswegen nehme ich mir für Sonntag erstmal nicht viel vor. Vor allem stelle ich mir keinen Wecker. Sollte ich nicht den ganzen Tag verschlafen, gehe ich zum Auskatern zum Sommerfest der Alten Utting.

Nach einem anstrengenden Wochenende kann ich am Montag den ganzen Tag sitzen, denn ich muss arbeiten. Nach acht Stunden ist das dann aber auch genug und ich freue mich, dass an diesen Montag wieder die Blade Night stattfindet. Sie startet perfekt zum Feierabend. Wenn das Wetter hält.

Sollte ich mich mit meinen Inlineskates nicht verletzt haben, kann ich am Dienstagabend zum Tangoworkshop im Bahnwärter Thiel gehen. Ihr seht, ich möchte unbedingt einen besseren und vor allem taktvolleren Tanzstil bekommen. Wer sich jetzt denkt, dass Standardtanz was für alte Leute ist, irrt.

Am Mittwoch habe ich Namenstag. Die meisten von euch denken sich jetzt bestimmt, „Na und!?!”, aber bei mir in der Familie wird dies gefeiert. Meine Oma kommt aus Russland und dort war es früher üblich, neben den Geburtstag auch den Namenstag zu feiern. Im heutigen Russland ist das zwar auch nicht mehr so, aber für meine Oma ist es eine Tradition. Und auch ich freue mich immer ein bisschen auf den Tag. Familienfeste, egal in welcher Größenordnung, sind bei uns immer mit viel Essen verbunden. Deswegen plane ich als Ausgleich abends zum Yoga in den Wannda Circus zu gehen.

Es ist Donnerstag. Endlich der Tag, an dem ich mein Studium beenden werde. Ich habe es die ganze Woche verdrängt, aber heute wird es soweit sein. Um 16 Uhr ist die Disputation. Wie ich mich kenne, werde ich daheim auf und ab laufen und alles nochmal genau durchgehen. Wobei ich es einfach bescheuert finde. Man weiß doch, was man in einer Arbeit geschrieben hat und warum. Na ja, da muss man durch. Da ich oft mit meinen Unifreunden Donnerstag bei Sustain! Drum&Bass im Unter Deck war, freut es mich sehr, dass es auch an diesem Donnerstag stattfindet. Nur leider mit weniger Leuten. Immer diese Urlaubszeit.

Ich kenne mich. Am Abend zuvor werde ich glücklich sein, dass ich mit der Uni fertig sein werde, aber am Freitag geht es dann auch mit der Zukunftsangst los. Um dazu umgehen, habe ich mir Dinge überlegt, die ich schon immer machen wollte, es aber bis jetzt noch nicht geschafft habe. Dazu gehört es, dass ich noch nie im Gans am Wasser im Westpark war. Deswegen beginne ich den ersten Abend nach der Uni genau dort.

Foto: Serafina Funk