250 Zeichen Wut: Sommer Adieu!

Ja, wir alle haben es begriffen: Der Herbst feiert seinen Einzug. Unsere Autorin hat die Schnauze voll von all’ dem Gejammer und freut sich auf die nächste Jahreszeit.

Die Temperaturen sinken, Sommerkleider müssen Wollschals
weichen und wir alle jammern im Chor: „Was soll der Mist? Wir hatten doch grade
noch 28°C!“Ja, ja, der Herbst ist da und noch viel schlimmer: O’zapft werd a
boid! Was viele bibbernd und frierend leider nicht vertstehen: Herbst ist gar
nicht so beschissen, Wiesn hin oder her. Denn Herbst bedeutet auch: Keine
nervigen Flamingo-Pool-Foto-Sessions auf Instagram, keine schlecht
gestylten, unvorteilhaften Sommeroutfits in den Fußgängerzonen, keine
Grillabende, der Schrecken aller Vegetarier, kein Urlaubsneid via Social-Media.
Tja, ihr Herbst-Hater! Darauf trink‘ ich erst Mal ‘nen
Kamille-Tee!

Text: Anastasia Trenkler

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Max

Von wegen Sommerloch! Unser Autor macht sich auf die Suche nach spannenden Freizeitangeboten in München. Und siehe da: Er wird fündig! Auf ihn wartet eine Ausstellung im Farbenladen, das Isarinselfest und eine Menge Musik von Hip-Hop bis Metal.

Mit dem kalendarischen Sommer einher neigt sich auch der Festivalsommer
langsam dem Ende zu. Ein letztes Aufbäumen gibt es dieses Wochenende – und das
muss ich natürlich voll ausnutzen.

Los geht es am Freitag mit dem Sonnendeck
Festival
in Augsburg. Ja, richtig gehört, in Augsburg. Denn für
so ein Line-Up aus hervorragenden Münchner Künstlern, unter Anderem Henny Herz,
Xavier Darcy und DJ Fancy Footwork, verlasse ich gerne mal die geliebte
Heimatstadt.

Das war‘s aber auch schon wieder mit der Reiselust. Denn am Samstag
kann die Landeshauptstadt und ihr Umland mit einer Flut an Festivals
auftrumpfen. Durch meine Recherche für
einen Artikel
auf den Geschmack gekommen ist meine erste Station am
Nachmittag das Traditional Heavy Metal-Festival “Trveheim”, das sogar
schon gestern begonnen hat. Nachmittags spielen dort aufstrebende junge Bands
der Szene, während am Abend echte Oldschool-Legenden zu hören sind. Letztere
werde ich aber leider auslassen müssen, denn abends wartet die Innenstadt mit
einer Vielzahl an Konkurrenzangeboten auf. Da wären das Isarrauschen auf der
Praterinsel, und die Sommerfeste von Minna Thiel, Lucky Who und Kiosk 1917. Wo ich
letztendlich hingehe? Das entscheide ich wohl spontan.

Egal wo, gefeiert hab‘ ich gestern auf jeden Fall. Deswegen verbringe ich
den Sonntag vorwiegend im Bett – und das trotz traumhaftem Spätsommerwetter.
Shame on me! Naja, ich sollte mich ja auskurieren. Am Abend muss ich wieder
singen können, denn in der Milla steigt das Mitmach-Chor-Event GO SING CHOIR. Gesungen wird
genau ein Song, mitmachen darf jeder, der Lust hat.

Das war doch ein wirkliches Festivalwochenende! Am Montag ist
deswegen wieder etwas runter kommen angesagt. Was eignet sich da besser als die
Ausstellung “Samin” des
Fotografen Filippo Steven Ferrara? Im Farbenladen des Feierwerks dokumentiert
er das harte Leben der aus Teheran nach Italien emigrierten Bildhauerin Samin.
In Aussicht der herannahenden Bundestagswahl besuche ich am Abend noch das
Theater Heppel & Ettlich. Dort liest der
ehemalige Oberbürgermeister Christian Ude
aus seinem Buch
“Die Alternative oder: Macht endlich Politik!”. Das Buch, dessen
Titel unlängst von einem
AfD-Politiker für eine dubiose Wahlwerbung vereinnahmt wurde
.

Am Dienstag geht es kulturell weiter, denn ich begebe mich zunächst
auf einen Streifzug durch die Sommergalerie am Praterstrand.
Die zeigt momentan Werke von Simon James. Danach aber gleich weiter ins
Fußballstadion des FC Teutonia München. Denn dort tritt die SpVgg Unterhaching
in einem Benefizspiel gegen eine
All-Star-Auswahl der Münchner Amateur-Vereine an. Die Einnahmen aus dem Event
werden zur Restaurierung des Vereinsheims des FC Teutonia verwendet, das
letztes Jahr einem Großbrand zum Opfer fiel.

Der Mittwoch wird wieder musikalisch: Die Minna Thiel veranstaltet
im Kampf gegen das Sommerloch weiterhin regelmäßig ihre Schienenbuskonzerte. Dieses Mal mit
Stephan Worbs und Ziggy McNeill. Nach zwei entspannten Singer-Songwriter-Konzerten
habe ich aber noch Lust, ein bisschen zu tanzen. Da bietet sich heute das
Hip Hop Hooray” in der
BEARD BAR an.

Am Donnerstag beginnen drei wunderschöne Wochen für Keyboarder wie
mich. Bis 17. September nämlich werden in der ganzen Innenstadt verteilt wieder
die “Play me, I’m
Yours
”-Pianos stehen. Endlich wieder Straßenmusik mit
Klavier! Abends geht der etwas alternative Musik-Tag weiter, denn im Lucky Who
sprechen die Deutschrap-Podcaster Schacht &
Wasabi
über die neuesten Gerüchte rund um Farid Bang, Fler,
Sido und Konsorten. Und weil ich danach immer noch nicht genug habe, gibt’s bis
spät in die Nacht wieder Musik zum Mitmachen auf der Westendjam.

Das war eine anstrengende Woche! Deshalb lasse ich sie am Freitag
ganz entspannt auf dem Isarinselfest ausklingen. Auch
wenn das Fest noch bis Sonntag gehen wird, nach dieser Woche brauche ich wohl
erstmal eine Pause. Und da sag noch einer, München habe
im Sommerloch nichts zu bieten

Text: Maximilian Mumme


Foto: Serafina Ferizaj

Wo kann man … sich ungestört sonnen?

Auch, wenn der Wetterbericht uns momentan enttäuschen mag – es ist noch Sommer. Wenn im August sich doch noch einige letzte Sonnenstrahlen blicken lassen, dann hat unsere Autorin die Tipps für euch, wo ihr ungestört Sonnenbaden könnt.

1) Nordteil des
Englischen Gartens
Im Nordteil des Englischen Gartens kann man alles besser machen, was im
Südteil auch geht: Keine nervigen Touris, die mit ihren Selfiesticks eine
Gefahr darstellen und keine wilden Radfahrer, die einen überfahren, wenn man
eine Sekunde nicht aufpasst. Es gibt hier viele versteckte und unberührte
Ecken, bei denen man sich ungestört hinlegen und braun werden kann.

2) Theresienwiese
Auf der Theresienwiese gibt es nichts, was man nicht tun kann.
Lustigerweise suchen sich hier deutlich weniger Leute einen Platz zum Brutzeln
aus. Hier hat man also auf jeden Fall seine Ruhe. Die Goethestraße ist auch
nicht weit entfernt, um sich bei einem Getränk zu erfrischen oder Sonnencreme
zu kaufen, falls man zu lange in der Sonne gelegen hat.

3) Vor der LMU
Der Platz vor der LMU eignet sich hervorragend für ein Sonnenbad: Wem es in
der Sonne irgendwann zu heiß wird, kann sich in die angenehm kühlen Wände der
LMU zurückziehen oder sich im Brunnen abkühlen und der verrückte Eismacher ist
genau um die Ecke. Wenn man darüber hinaus die vielen Studierenden sieht, die
auf dem Weg zur Bib oder Klausur sind, genießt man das Sonnenbad umso mehr.
Wenn man allerdings zur Prokrastinations-Fraktion gehört, sollte sich lieber
einen anderen Ort zum Sonnen suchen, um den Gedanken an den nächsten
Abgabetermin zu verdrängen.

4) Westpark
Ideal für Leute, die Fernweh haben, denen aber das nötige Kleingeld für
eine weite Reise fehlt. Die Gärten im japanischen oder thailändischen Stil laden
zum Träumen nach Fernost ein.

5) Pforte des
Maximilianeum
Bei der Pforte des Maximilianeums kann man sich im Schneidersitz mit Blick
zur Stadt auf die Mauer hocken und die tolle Skyline Münchens genießen. In der
Regel sind auch nur eine Handvoll Leute dort unterwegs, die einen stören
könnten.

6) Schloss Nymphenburg
Gerade in dem prächtigen Park kann man sich entspannt
einen Platz im hohen Gras aussuchen, um sich königlich zu sonnen und sich eine
entweder fürstliche Sommerbräune oder einen exquisiten Sonnenbrand zu holen.

Text: Serafina Ferizaj

Foto: Alessandra Schellnegger

Fremdgänger: Heiß, sehr heiß

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Über das Wetter reden ist eine der bekanntesten Smaltalkstrategien überhaupt. Darin sind wir Deutschen gut. In England scheint das eine Methode der Verarbeitung zu sein.

Schweiß bildet sich auf meiner Stirn. Ein wenig verzweifelt überlege ich mir, was ich noch ausziehen könnte, ohne völlig nackt am Schreibtisch zu sitzen. Aber so besonders viel ist da nicht mehr übrig, denn da sich die Temperaturen in Oxford seit mehr als einer Woche im 30-Grad-Bereich aufhalten, trage ich mittlerweile ausschließlich die leichtest möglichen Sommerkleider und berufe mich regelmäßig auf mein Hitze-Mantra: „Englisches Wetter rockt.“ Das wirkt nach wie vor erstaunlich gut. Denn auch wenn ich persönlich keinesfalls der enthusiastischste Hitze-Fan bin, erweist es sich als erfrischende Genugtuung, meinen Freunden in München Fotos zu schicken, von Bootsfahrten durch englische Parklandschaften im Bikini.

Während meines Bachelorstudiums in München verbrachte ich den Großteil meiner Sommer über Seminararbeiten schwitzend in gut klimatisierten Bibliotheken in der Innenstadt. Deshalb handelt es sich bei den helleren Streifen, die sich mittlerweile auf meinen Schultern zwischen leicht gebräunter Haut abzeichnen, schon um eine kleine Sensation. Vor ein paar Wochen habe ich mein Studium offiziell abgeschlossen und somit zum ersten Mal seit Jahren Zeit, mit einem Roman im Park zu sitzen, Fahrradtouren zu romantischen Palästen zu unternehmen oder mich in einer weiteren Oxford-Tradition, dem Punten (Stocherkahnfahren), zu üben.

Vor einem Jahr, bevor ich zu meinem England-Studium aufbrach, war der zweithäufigste Kommentar, gleich nach: „Oh je, das englische Essen …“, den ich mir anhören musste, ein Verweis auf das angeblich grauselige britische Wetter. Sicherlich, Stimmen munkeln, 2016/17 sei ein besonders mildes Jahr im Vereinten Königreich gewesen. Von daher könnte ich einfach nur Glück gehabt haben. Allerdings halte ich Wetterfragen im Allgemeinen für relativ und die universale Verunglimpfung des englischen Wetters für mehr als übertrieben und deshalb unangebracht. Ich verstehe meine Freunde aus Kalifornien oder Singapur, für die der Winter hier mit Sicherheit eine schockierende Umstellung dargestellt haben muss. Jedoch muss ich ausgehend von meiner deutschen Perspektive zu Bedenken geben, dass es in Oxford weder tagelange Regenfälle gibt, die Keller unter Wasser setzen, noch Schneestürme, die den öffentlichen Nahverkehr lahmlegen, wie ich es von zu Hause nur allzu gut kenne.

Interessanterweise scheinen es jedoch insbesondere Engländer selbst zu sein, die mir gegenüber ihre Frustration angesichts des Wetters aussprechen. Des Öfteren unterhalte ich mich mit meinem Mitbewohner Barney über unvorhergesehenen Sprühregen und dichte Nebelbänke. „I wish there would be more sun in England“, sagt er immer und immer wieder. Besonders für ihn freue ich mich deshalb über diesen strahlenden Sommer. Doch an einem dieser Tage finde ich Barney erschöpft auf unserer Küchen-Couch sitzen. Verzweifelt fragt er mich: „Why is it so hot?“ Zuerst bin ich aufrichtig verwirrt, aber dann fällt mir ein anderes unserer Gespräche ein, während dem er mir erklärte, dass die englische Taktik, mit dem Wetter umzugehen, genau darin bestehe, darüber zu sprechen. Vielleicht ist demnach das Sich-über-das-Wetter-Beschweren schon so etwas wie kulturelle Umgangsform und gar nicht unbedingt an die tatsächliche Grausamkeit eben jenes geknüpft. Darauf möchte ich Barney in diesem beschwerlichen Moment jedoch nicht aufmerksam machen, denn für den einzig passend erscheinenden Kommentar fällt mir keine dem englischen Höflichkeitsethos entsprechende Übersetzung ein: „Euch kann man es wohl auch nicht recht machen.“

Text: Theresa Parstorfer

Foto: Privat

250 Zeichen Wut: Sommergrippe

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Schnupfen im Sommer, das nervt. Blöde Radiosongs aber auch. Über die Vor- und Nachteile einer Sommergrippe:

Draußen scheint die Sonne. Zumindest an diesem Montag. Der
Wetterbericht verkündet Badewetter, vielleicht. Davon bekomme ich aber gar nichts mit. Mein
Husten übertönt die Stimme des Moderators vollkommen. Sommergrippen sind
lästig, sind doof und einfach nur unnötig. Wenigstens muss ich mir dank meiner
Niesanfälle den „Never-Ending-Summersong-Despacito“ heute ausnahmsweise mal nicht
an tun.

Text: Anastasia Trenkler

Wo kann man… eine schöne Bootsfahrt unternehmen?

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Welch großes Glück wir haben, dass auf der Isar keine Tanker und Touristenboote umhertuckern – Schlauchbootfahrer sind in München die wahren Könige des Wassers. Wie man sich hier sonst noch so zu Wasser bewegen kann, erfahrt ihr hier.

Was gibt es im Sommer Schöneres, als völlig frei von Terminen faul in der Sonne
herumzuliegen und die Füße im Wasser baumeln zu lassen? Und das
alles auch noch auf einem Boot! Auf dem Wasser fühlt man sich leichter,
schöner, schneller und auf jeden Fall eleganter als an Land. Das trifft zwar in
den seltensten Fällen zu, doch aufregender ist es auf einem Boot allemal. Und auch
wenn es mit der Weltumsegelung von München aus schwierig werden könnte, gibt es
einige schöne Dinge, die man um die Isarmetropole zu Wasser unternehmen kann.

1. Mit dem Schlauchboot die Isar runter schippern
Der Klassiker unter den Bootstouren. Gehört zu München schon
fast genauso sehr wie das Surfen am Eisbach. Am besten mit der S7 raus in
Richtung Wolfratshausen fahren, fast jeder Bahnhof liegt in Isarnähe. Für die Strecke
von Wolfratshausen braucht man 6 bis 8 Stunden in die Stadt. Sonnenbrille auf,
bisschen paddeln und mit laminierten Karten schafkopfen. Hartgesottene fahren
mit der BOB bis nach Bad Tölz raus. Mit einem 10-Euro-Boot von Aldi kommt man
auf der wilden Isar allerdings nicht sehr weit.

2. Segeln auf dem Starnberger See
Leichtes Kontrastprogramm für alle, die wirklich elegant
aussehen wollen auf dem Wasser. Der Starnberger See eignet sich nahezu ideal
als Freifläche für segelnde Skipper und all jene, die es werden wollen. Der Föhn
von den Alpen, die an sonnigen Tagen über dem Horizont thronen, macht das
großartige Klima hier aus und füllt die Segel mit einer teils schroffen Brise.
In Starnberg oder Tutzing gibt es zahlreiche Segelschulen, in denen man diesen
schönen und teuren Sport erlernen kann.

3. Tretbootfahren auf
dem Kleinhesseloher See

Nicht nur was für hoffnungslose Romantiker oder ewig
Kindgebliebene. Sich zu zweit über den Kleinhesseloher im englischen Garten zu
treten macht herrlich viel Spaß und ermöglicht einem, diese wunderschöne Stadt aus völlig ungewohnter Perspektive zu beobachten. Am Nordostufer beim Bootshaus
gibt’s die Tretboote zum Ausleihen. Jeder, der schon immer München als nördlichste
Stadt Italiens angesehen hat, wird mit den Ruderbooten Vorlieb nehmen. In der
legeren Atmosphäre des Englischen Gartens fühlt man sich schnell wie ein echter
Gondoliere.

4. Floßhopping
Wem 8 Stunden in einem Plastikboot zu lange sind, dem wird
das zunehmend beliebte Floßhopping gefallen. Wenn im Sommer Tag für Tag
unzählige professionelle Flößer von Wolfratshausen aus den Isarkanal
herunterrutschen, sind sie nicht nur mit unsäglichen Schlagerklassikern,
sondern auch mit reichlich Essen und natürlich Bierfässern beladen. Wer übers
Wasser auf die Flößer zuschwimmt und nett frägt, kann eine Runde mitfahren und
dabei ein kleines Mittagessen oder sogar das eine oder andere Bier abstauben.

5. Kajakfahren an der Floßlände
Eher was für Vollblutsportler, die starke Stömung an der
Floßlände verlangt ordentlich Armarbeit. Dafür ist die Gegend mit einer Surf-
und Kajakwelle sowie zahlreichen Toren zum Üben bestens ausgestattet. Und die
Beine hochlegen kann man mit frisch gezapftem Bio-Bier am besten im Thalkirchner
Bootshaus des Vereins der Naturfreunde München.

6. Modellboote kreisen lassen am Hinterbrühler See
Den isarnahen See in Thalkirchen bevölkern im Winter
tausende kufentragende Münchner zum Schlittschuhlaufen und
Eishockeyspielen. Im Sommer geht es hier deutlich ruhiger zu. Ideal für die
Fans der Modellschifffahrt! Der See ist groß genug, damit die Boote richtig
Fahrt aufnehmen können und der kräftige Wind sorgt dafür, dass dies auch
geschieht. Auch für elektronisch ferngesteuerte Böötchen eignet sich der See.

7. Sich einfach mal treiben lassen
Wem das mit den Bootfahrten zu wild wird und sich einfach
mal treiben lassen will, dem sei Folgendes ans Herz gelegt: Mehrmals im Jahr
veranstalten verschiedenste Vereine ein sogenanntes Isarschwimmen. Ob gemütliches
Treiben unter der Reichenbachbrücke oder sportliche fünfeinhalb Kilometer von
Pullach bis an die Floßlände (letzteres wird organisiert vom DLRG Ortsverband
München-Mitte e.V.), das sei jedem selbst überlassen. Es spricht sich herum: Neoprenanzüge sind zu empfehlen.

Text: Louis Seibert

Foto: Lukas Barth

Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Laura-Marie

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Mehr Sommer wird nicht! Deshalb entscheidet sich unsere Autorin für ganz viel Draußensein: ob beim Straßenfest in der Türkenstraße, einem Mädelsflohmarkt im Feierwerk oder dem dreitägigen Sommerfest im Container Collective.

Ich
träume vom Sommer meines Lebens. Von Tagen und Nächten, die nie zu Ende gehen
wollen. Von Sonnenuntergängen auf Münchens Dächern. Von Straßenfesten, die bis
zum nächsten Morgen dauern. Vom Gefühl, den schönsten Sommer des Lebens zu
feiern. Mit guter Musik und den besten Freunden. Und was bringt mich meinen
Tagträumen näher, als ein vielfältiges Wochenprogramm…

Als
erstes geht es für mich am Freitag zum Future Jam in die Milla. Die Münchner
Rapper Boshi San & Lux plus Waseem (Monaco Freshprinz) laden an
diesem Abend zu einem Benefiz-Jam ein. Dabei teilen sich die Künstler Diaspora, Einshoch6, Physical Graffiti (USA),
DSDNG, Maloon the Boom (CH) und YoungstaCPT (ZA) die Bühne mit
einer brandneuen Rap-Crew: einer Crew, die aus jungen Geflüchteten besteht, die
die Berufsintegrationsschule „Future Campus“ in Oberschleißheim besuchen und
als die Special Guest des Abends gelten! Nach der Liveshow folgt die Party mit
vielen geladenen DJs. Der gesamte Erlös dieses
Abends (Eintritt ab 8 Euro) fließt in einen Sozialfond, der die Schüler in
akuten Notlagen unterstützen soll. Ein cooler Abend für einen guten Zweck!
Später geht es dann auch für mich noch auf das legendäre Uni-Sommerfest. Statt
mit Büchern im Gepäck zur nächsten Vorlesung zu hetzen, werde ich dort durch den
Lichthof der LMU von Hörsaal zu Hörsaal tanzen!

Mein Samstagsprogramm starte ich beim
Mädelsflohmarkt im Feierwerk. Ganz gemäß dem Motto „Von Mädels für Mädels“
lässt es sich hier mit den besten Freundinnen von 17 Uhr an durch die verschiedensten,
ausgefallensten und einzigartigsten Stände stöbern. Danach zieht es uns aufs Türkenstraßenfest. Bereits von 14 Uhr an kann man sich
dort von der Menge treiben lassen und sich von vielen verschiedenen
Essensmöglichkeiten inspirieren lassen. Das Line-up des Abends: BUSON
(Munichopenminded), THE PRETTY BOY (Crux) und DJ
HOTSAUCE (Beastin), die für die offizielle Aftershowparty einstimmen! Auf der
knallt’s dann so richtig – und auch noch doppelt: von 22 Uhr an findet im Lucky Who und Bob Beaman die erste Block Party Supreme mit den
DJs Ales (100BlackDolphins) und Der$han (edmoses) statt.

Am Sonntag heißt es dann „Oper für alle!“: Richard
Wagners Tannhäuser wird live aus dem Nationaltheater auf den Max-Joseph-Platz
übertragen. Moderieren wird dieses einzigartige Fest Thomas Gottschalk. Wetten,
das wird großartig…?

Zu den besten Nächten des Jahres zählen für mich
die, die man unter freiem Himmel verbringt. Am Dienstag geht es für mich
deshalb zum Kino, Mond & Sterne an der Seebühne im Westpark. Gezeigt wird der Film
„Moonlight“, der bei der Oscarverleihung 2017 zum besten Film des Jahres
ausgezeichnet wurde und den man unbedingt gesehen haben sollte.

Am Mittwoch und Donnerstag findet ein großer
Büchermarkt, organisiert von Buchwissenschaftsstudiengängen der LMU, in der
Schellingstraße statt. Zwischen 10 und 18 Uhr kann man hier gemütlich
stöbern, die ein oder andere Strandlektüre für die anstehenden
Sommersemesterferien finden und sich bei Crêpes und anderen Leckereien über die
besten Ferienlektüren austauschen. Der Erlös geht an die Studenten, die sich
damit eine Fahrt zur Frankfurter Buchmesse finanzieren.

Mittwochabend wird dann weitergerappt:
Infidelix, der Street-Rapper aus Texas und wohl erste Rap-Backpacker Europas, gibt sein Debutalbum „Busk Life“ im
Cord Club
zum Besten.

Den Donnerstagabend habe ich mir für eine Premiere
in den Münchner Kammerspielen
reserviert: „Glückliche Tage“ von Samuel Becket.
Es geht um ein altes Paar, Winnie und Willie, die sich einander eingegraben
haben – in Routinen, Erinnerungen und Gegenständen. Thematisiert wird mit
dieser Inszenierung die Einsamkeit im Alter und damit einhergehend, wie sich
Denken und Sprechen voneinander unterscheiden. Dabei handelt es sich um ein Drittjahresprojekt des Regiestudiengangs der Otto-Falckenberg-Schule, unterstützt durch die Richard-Stury-Stiftung.

Am kommenden Freitag startet ein dreitägiges
Sommerfest im Container Collective am Ostbahnhof. Nähere Infos zum Programm
gibt es leider nicht, man darf sich aber auf jede Menge Kreativität und
Interaktivität freuen. Darunter Tombolas, Workshops und jede Menge gute Musik
und leckeres Essen! Ich freue mich, meine Woche zwischen knallbunten
Containern, die von Sonnenstrahlen in warmes Licht getaucht werden, inmitten vieler kreativer
Menschen mit spannenden Projekten bei guten Gesprächen ausklingen zu lassen und
festzustellen: Tagträumen geht immer und überall und am schönsten ist es doch,
wenn manche Träume sich mit der Realität vermischen und unvergessliche
Erinnerungen schaffen. Drum Sommer, bleib doch noch ein bisschen, wir haben noch
so viel vor!

Text: Laura-Marie Schurer

Foto: Privat

Nackt im Schlossgarten

Dass wir Münchner uns ziemlich glücklich schätzen können, was Abkühlungsgelegenheiten in den heißen Sommermonaten angeht, merkt unsere Autorin erst jetzt in Paris so richtig – es kann eben nur eine Isar geben.

In Paris ist über Nacht Sommer geworden. Die schönste Stadt der Welt erwacht zu ganz neuem Leben. Den ganzen April hindurch hatte es noch geregnet, Wintermantel und Erkältung inklusive. Und dann, eines Morgens Ende Mai, gehe ich gewappnet mit Wollpulli und Jacke vor die Haustür. Und kehre zurück, um mich direkt wieder umzuziehen, so heiß ist es. Ich komme in Sommerkleid mit Sandalen zurück. Jetzt scheint bis spät abends noch die Sonne und taucht die Stadt in ein fröhliches Licht. Alle Pariser Parks sind voll mit Picknickgesellschaften und Sonnenbadenden. Die Seine und der Kanal Saint Martin sind bevölkert von Jugendlichen und Liebespärchen mit Wein.

Wenn in München Sommer wird, ist die Vorgehensweise klar. Sommerkleid, Bikini drunter, ab Richtung Badesee, oder Freibad, völlig egal, Hauptsache abkühlen. Es gibt nur noch einen Modus: Der Hitze muss mit Baden entgegengewirkt werden. Deswegen ist auch hier meine erste psychische und physische Reaktion: „Ich möchte schwimmen.“ Doch als ich mich bei meinen Gasteltern nach dem nächstgelegenen Badesee oder Freibad erkundige, schauen sie mich nur völlig irritiert an. Ich bin total erschlagen von den Temperaturen hier! Es hat durchgehend 30 Grad, ich will einfach nur ins Wasser springen, aber Badeseen gibt es in Paris leider nicht und Freibäder auch nicht in der Form, wie wir es kennen mit Liegewiesen.

Mein Semester in Paris neigt sich dem Ende zu. Zehn Monate war ich jetzt hier. Kein einziges Mal in diesem Zeitraum habe ich München so sehr vermisst wie jetzt. Oder Paris als so lebensunwert empfunden. In München gibt es eine echte Kultur für Sommer, die hier in Paris niemand kennt. Wenn im Juli in der Klausurenphase traditionellerweise die drei Wochen mit dreißig Grad Temperatur eintreten, dann ist das zwar ätzend, aber: Die Bibliotheken sind klimatisiert. Und: Welcher gute LMU-Student hat nicht als Back-up während eines langen Lernmarathon-Tages im Schließfach Badekleidung und Handtuch eingeschlossen, um sich nach getaner Lernarbeit in der Isar abkühlen gehen zu können? Hier schwitze ich tagsüber in der unklimatisierten Bibliothek. Wenn ich an die spontanen Badeausflüge denke, will ich einfach nur zurück nach München.

30 Grad Anfang Juni sind für eine Münchnerin schon gewöhnungsbedürftig. Da beginnt die Phase der Übergangskleidung, wenn man sich langsam aus dem Pulli-Knödel, der man den Winter über ist, herausschält und sich bei mittleren Temperaturen langsam daran gewöhnt, sich wieder draußen bewegen zu können, bevor man kurz darauf dazu übergeht, mit kurzer Hose und Bier die Abende im Englischen Garten zu verbringen. Hier ist es jetzt schon so heiß, dass ich mit offenem Fenster und nur einem Bettlaken schlafen muss, um nicht zu zerfließen. Meine Gastmutter sagt: „Ach, das ist doch noch erträglich, jetzt kühlt es nachts wenigstens noch ein bisschen ab.“ Also kühle Nächte sehen für mich anders aus. Auch meine Erasmus-Kommilitoninnen aus Portugal, Italien und Brasilien lachen mich aus. Und die Pariser tragen weiter stur lange Hosen und langärmlige Hemden. Hallo? Bin ich hier die einzige, die merkt, dass Sommer geworden ist? Ein Glück bin ich von Juli an wieder in München.

Eine französische Freundin hat mir als Geheimtipp empfohlen, in Versailles – verbotenerweise – einfach nackt in den Kanal zu springen, das würde sie immer machen. Ob ich mich das noch mal traue?

Text: Anne Gerstenberg

Foto: Privat

Zeichen der Freundschaft: Unser Sommer

Unter besonderen Bedingungen entstehen oft auch besondere Freundschaften, meint unsere Autorin. Und wenn das, was einen früher zusammengehalten hat, nicht mehr ist, dann wird es Zeit für einen Neuanfang. Zeit für Band zwei.

Es ist 2 Uhr morgens und wir sitzen zusammen im Bus. Heimweg. Draußen schneit es und ich bin
müde, ein wenig neben mir stehend. Die Party ist noch lange nicht vorbei, doch wir sind fertig für
heute. Noch schweigen wir, sind beide in unsere eigenen Gedanken vertieft. Nach einigen Minuten
beendet mein heiseres Flüstern die Stille: „Irgendwie vermisse ich das, weißt du? Die Sommerzeit,
die vielen müden Sonntage, die Augenringe, diese Alles-Egal-Haltung, manchmal sogar den
ätzenden Liebeskummer, die Gefühle und Gedanken.“ – ein kurzes Schweigen folgt bevor Lara
antwortet: „Ich irgendwie auch.“
Ohne meiner Freundin in die Augen zu schauen, weiß ich ganz genau an was sie gerade denkt.
Wir erinnern uns, jede für sich. An die vielen Nächte, die sich bis in den nächsten Morgen zogen,
an unsere Mitternachtsgespräche oder an Katersonntage mit Kaffee, Obstsalat und Sonnenschein.
An unseren Sommer. 

Lara und ich kennen uns noch nicht all zu lange, dafür aber schon sehr, sehr gut. Irgendwie war da
mal die Rede von Mathenachhilfe und einige Monate später saßen wir um ein Uhr morgens
zusammen auf der kleinen Terrasse, tranken Weißwein und sprachen über das Leben, die Liebe
und den Sommer. Das war Zufall. Glück im Unglück. Zwei Mädchen, eine Menge Liebeskummer
und etwas zu ernst genommenes Drama. Das Ende der Klausurenphase und der Wunsch, einfach
Mal loszulassen. Jung zu sein. Unzählige Nächte haben wir durchgefeiert, solange getanzt bis die
Füße weh taten. Am nächsten Morgen dann Geschichten erzählt. Wochenende für Wochenende.
Wie unter Strom. Erinnerungen in Bildern fest gehalten. Selfie, Smile, Klick! Alles ist gut! Wir sind
jung, wir sind frei und lebendig! 

Doch irgendwie war vieles davon nur Ablenkung, Show. Denn wenn es ein Uhr, zwei Uhr, drei Uhr
morgens wurde und wir zusammen auf der kleinen Terrasse saßen, da war es nach langer Zeit Mal
wieder still um uns herum. Ein letzter Atemzug, Zigarettenqualm und ich sah meiner besten
Freundin in die Augen. Wurde ehrlich und lies die Maske fallen. Wir saßen oft so da und schütteten
Herz und Kopf aus. Weil wir einander verstanden, nachempfinden konnten, was die andere gerade
durch machen musste. Das waren die ehrlichen Momente zwischen den lauten Abenden und dem
Lachen, das oftmals aufgesetzt war. Zusammen lernten wir Stärke zu beweisen. Fassaden zu
bauen. Reichten einander das nötige Werkzeug dafür. Doch mit dem Herbst kamen
Veränderungen und wir schlossen gemeinsam unser Sommerbuch, zogen Schlussstriche, trafen
letzte Entscheidungen, um mit einem neuen Band zu beginnen. 

Band zwei sozusagen. Denn uns steht das letzte Schuljahr bevor. Man kann ganz oft das Wort
„Abitur“ lesen und viele Fragezeichen schmücken die noch leeren Seiten. Das werden andere
Geschichten, vielleicht ein Stück weit erwachsener und weniger traurig. Ohne Show und ohne
Fassaden. Ohne so viele Tränen. Hoffentlich. Doch auch wenn wir den Sommer oft vermissen und
es nun 2 Uhr morgens ist und draußen weiße Flocken auf den Boden fallen, so wissen wir, dass es
wichtig war etwas zu beenden, um einen Neubeginn zu wagen. Also machen wir weiter, mit Band
zwei und vielen neuen Protagonisten in unserem Buch. Mit neuen Hürden und einem neuen
Sommer. Und es wird wieder Augenringe geben, Nächte die im Morgengrauen enden und Lara
und mich mit jeder Menge Fotos und Geschichten.

Text: Anastasia Trenkler

Foto: Yunus Hutterer