Levantino (World / Jazz / Indie)

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Jahr: 2014, Woche: 15

Die Band Levantino aus der oberbayerischen Provinz vermischt in ihrem Debütalbum “Chapter One” verschiedene kulturelle Einflüsse. Die Texte sind auf Jiddisch, Spanisch und Französisch.

Diese Abgründe sind gefährlich. Wenn ein junger Erwachsener, aufgewachsen in der oberbayerischen Provinz, auf Jiddisch, Spanisch und Französisch singt, wirkt das schnell aufgesetzt. Die Gefahren der Weltmusik sind sowieso nicht ohne, gerade wenn man sich ein Image verpasst, das mit dem eigenen Kulturkreis herzlich wenig zu tun hat. Wenn dann die verschiedenen kulturellen Einflüsse auch noch so wild durchmischt werden wie auf „Chapter One“, dem Debütalbum des Trios Levantino (Foto: Karl Heinz Wilker), produziert das erst einmal mehr Fragezeichen als Antwort.

Auf dem Album finden sich instrumentale Jazz-Stücke, ein Cover des Chansonniers Jacques Brel und swingende Klezmer-Songs – doch Levantino schweben da leichtfüßig darüber und wischen sämtliche Schrecksekunden und Zweifel durch eine Selbstverständlichkeit hinweg. Vielleicht kommt die von der so grundverschiedenen Herangehensweise des Trios: Sie begannen nicht als Indie-Rock-Band, die sich irgendwann einen medienwirksameren Stil verpasst, sondern als Schulband, die auf Hochzeitsfeiern und in Hotelbars auftrat. Und in diesem Genre ist Musik, die unterhalten soll, noch nicht so negativ behaftet. Ihr Ruf hat sich schnell vom heimatlichen Bad Aibling nach München getragen. Maßgeblich durch den Volkstheater-Intendanten Christian Stückl, der sie als Band für seine Geburtstagsfeier ebenso engagierte wie als Musiker für das Stück „Ghetto“. Es folgte ein Plattenvertrag beim Weltmusik-Jazz-Label GLM und der Umzug der Jungs in die Landeshauptstadt.

Hier haben sie nun einen Probenkeller und treten eigentlich nicht mehr auf Hochzeiten auf, erzählt Sänger Michl Bloching. Und hier würden sie nun gerade auch mehr als Band zusammen wachsen. Als Band, die eigene Stücke schreibt und die mittlerweile einen ganz ungewöhnlichen Stil gefunden hat. Rita Argauer

Stil: World, Jazz, Indie
Besetzung: Michl Bloching: Gesang, Klarinette, Saxofon; Max Bloching: Kontrabass; Tom Wörndl: Gitarre
Aus: Bad Aibling / München
Seit: 2010
Internet: http://levantino.de/
www.facebook.com/levantino.official

Kurimelo (Indie-Elektronik)

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Jahr: 2014, Woche: 13

Julian Klaas alias Kurimelo kreiert in seinem Zimmer Musik, die an Radiohead erinnert. Als Einfluss gibt er jedoch klassische Musik an. In seinen Stücken hat das klassische Streichinstrument Geige aber noch keinen Platz gefunden.

Ganz kleinteilig arbeitet der Münchner Musiker Julian Klaas. Als Kurimelo (Foto: Laura Kansy) bastelt er in seinem Zimmer mit Computer und Stimme seine Musik. Elektronische Klangschnipsel verbindet er dabei zu Tracks, die in ihrer Kompliziertheit an die Solo-Alben von Radioheads Thom Yorke erinnern und zwischen Hintergrund-Ambient-Sounds und emotionaler Unmittelbarkeit schwanken. Eigentlich kommt Julian aus einer ganz anderen Ecke der Musik. Mit vier Jahren begann er Geige zu spielen, Bach und Brahms gibt er als seine Einflüsse an. Musik also, die entstand, bevor Computer, Synthesizer und verstärkte Gitarren Einzug hielten in die Komposition. Und mit der Klassik hat er seine Jugend verbracht: Als Jungstudent an der Münchner Musikhochschule. Später studierte er dann Geige in Spanien und lernte nebenbei Klavier.

Umso erstaunlicher ist es, dass in seiner Musik, die er als Kurimelo nun am Computer macht, das Streichinstrument bisher noch keinen Platz gefunden hat. Einzig ein Klavier taucht manchmal sample-artig in den zerstückelten Songs auf. Über dieses unruhige Soundbild, die zitternden Beats und die sich zerstreuenden Klangflächen setzt er jedoch einen Gesangsstil, der das alles zusammenhält: Er singt fast ausschließlich in leicht-hauchender Kopfstimme, legt aber mehrere Gesangsspuren übereinander. Das jedoch nicht, um Mehrstimmigkeit zu erzeugen, sondern um durch minimale Verschiebungen in Klangfarbe und Timbre die Stimme plastisch und ebenfalls fast elektronisch erscheinen zu lassen.

Im vergangen Jahr spielte er sein erstes Konzert auf der Schaustelle der Pinakothek der Moderne und veröffentlichte seine erste EP im Internet. Und nun soll 2014 ein Album folgen. Rita Argauer

Stil: Indie-Elektronik
Besetzung: Julian Klaas
Aus: München
Seit: 2013
Internet: www.facebook.com/Kurimelo; kurimelo.bandcamp.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Occupanther (Indie / Techno)

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Für Martin Brugger alias Occupanther existiert, wie für so viele andere seiner Generation, der Unterschied zwischen DJ-Pult und Live-Auftritt nicht mehr. Der Musik auf seiner EP muss man Zeit geben, sich zu entwickeln: Spürbar werden sowohl seine Indie-Erfahrung, als auch sein akademisches Wissen.

Eine richtige Band ist das nicht. Doch Martin Brugger – der ehemalige Bassist von This is the Arrival – gehört einer Generation von Musikern an, bei denen sich DJ-Kanzel und Live-Bühne vollends vermischt haben. Der Unterschied existiert nicht mehr, auch nicht mehr bei seinem neuen Solo-Projekt Occupanther (Foto: Christian Brecheis), das gerade einen kleinen Internet-Hype auslöst.

This is the Arrival gehörten lange zu den großen Pophoffnungen Münchens, nach zwei Alben entschieden sich die Musiker jedoch dazu, eigene Wege zu gehen. Für Martin, der an der Münchner Musikhochschule Jazz-Bass studiert, war das der Auslöser, sich dem elektronischen Produzieren zu widmen, so entstanden schon bald Werbe-Scores am Computer. Für Werbung würde sich die erste Occupanther-EP trotzdem nicht eignen. Die Musik auf „Talea“ ist weit entfernt vom schnellen Effekt, man muss sich Zeit nehmen, den Songs in ihrer Entwicklung zu folgen. Dennoch sind das euphorische Tracks, mit stolpernden, aber treibenden Beats, in denen sowohl die Indie-Band-Erfahrung des Musikers, als auch das akademische Wissen um Harmonien spürbar ist.

Und so findet in Martins Musik auch eine Umdeutung von Techno statt: Anstelle der Reduktion von Minimal und House sind Martins Tracks überreich an harmonischen Synthie-Klängen, Akkordwänden und Melodien. Derzeit arbeitet Martin an einem ersten Album und an der Live-Umsetzung. Bis dahin kann man seine EP als kostenlosen Stream unter soundcloud.com/yesoccupanther anhören.

Stil: Elektro.
Besetzung: Martin Brugger.
Aus: München.
Seit: 2014.
Internet: soundcloud.com/yesoccupanther, www.facebook.com/yesoccupanther.

Von Rita Argauer

Lischkapelle (Indie / Volksmusik)

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Jahr: 2014, Woche: 11

Um die Ecke gedacht: von der instrumentalen Besetzung her der Volksmusik zugeneigt, im Klang dann Indie. Die Originalität der Band Lischkapelle besteht darin, nicht das zu tun, was man erwartet hätte und ihr Instrumentarium für neue Zwecke zu nutzen.

Die Zugehörigkeit durch die Telefonvorwahl ist ganz schön aus der Mode gekommen. In Zeiten, in denen die Handyvorwahl höchstens noch Netzanbieter kennzeichnet, nennt eine Band ihr erstes Album „08621“. Da braucht der geneigte Fan etwas, bevor sich dieser Zahlenhaufen als Ortsvorwahl von Trostberg erschließt, doch eigentlich passt dieses Um-die-Ecke-Denken ganz gut zur Lischkapelle (Foto: Kathi Tasser) und deren Musik.

Über Cover-Songs hat die Band zu ihrem jetzigen Sound gefunden: Eingängig-melodiöse Songs sind das, die aber zeitgleich völlig schräg klingen. Das mag zu einem großen Teil an der Besetzung liegen, die sich mit Klavier, steirischer Harmonika, Gitarren, Cajon und ab und an ein paar Bläsern im Weltmusikbereich, besser in der Volksmusik findet. Doch statt eine weitere Variante dieser Neo-Folk-Bands zwischen Umpta und Bayern-Beat zu werden, spielt die Lischkapelle zuckersüßen Indie, der in guten Zeiten an Sufjan Stevens erinnert. Klar, da blitzt auch manchmal dieser Folk-Einschlag durch, etwa wenn das Stück „P1“ mit einem vierstimmigen A-cappella-Teil beginnt, der erstaunlich lang braucht, bis er in einer einnehmenden Harmonika-Melodie landet. Doch am interessantesten wird die Musik, wenn die Band eben gerade nicht das Offensichtliche tut und ihr so eindeutiges Instrumentarium für andere Zwecke nutzt.

Noch zu Schulzeiten haben sich die Schwestern Karin und Susanne Lischka mit ihren Mitmusikern zusammen getan. Mittlerweile leben sie zwar nicht mehr in dem, im Albumtitel gewürdigten Trostberg, sondern in München, doch die Abgeschiedenheit der Kleinstadt hat ihnen vielleicht diese außergewöhnliche Herangehensweise beschert. Rita Argauer

Stil: Folk, Indie, Pop.
Besetzung: Karin Lischka: Gesang, Cajon; Susanne Lischka: Gesang, Cajon; Andreas Torwesten: Gesang, Gitarre; Matthias Pürner: Steirische Harmonika, Klavier; Gastmusiker:
Gurdan Thomas: Tuba; Markus Urbauer: Posaune.
Aus: Trostberg/München.
Seit: 2009.
Internet: www.facebook.com/LischKapelle, www.lischkapelle.de

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Pardon Ms. Arden ( Indie / Britpop)

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Irgendwie ist das auch wieder Punkrock. Pardon Ms. Arden hat sich von sämtlichen Musik-Business-Strukturen getrennt. Jetzt machen sie alles wieder selbst. Und bringen am Freitag ihre erste Single aus dem neuen Album heraus.

Der faule Rockstar zwischen Glamour und Gosse macht so etwas nicht. Die Organisation der Band, die Anfragen und die Fanpost obliegen dem Management, dem Label und der Booking-Agentur. Der Star selbst solle nur Musizieren, ein wenig flirten und eine möglichst coole Figur bei allem machen. Doch dieses Bild wird sich drehen müssen, immer mehr Musiker verstehen, dass das Geschäft so nicht mehr funktioniert. Dass das Ziel der Band nicht sein kann, möglichst früh alle Aufgaben neben der Musik nach außen zu lagern. Selbst ist der Musiker heutzutage. Das macht mehr Arbeit, hat weniger Glitzer-Faktor, aber gibt den Künstlern eine wichtige Selbstbestimmung zurück.

Letzteres sei der Hauptgrund für die Münchner Brit-Rock-Heroen „Pardon Ms. Arden“ gewesen, sich von sämtlichen Musik-Business-Strukturen zu trennen, die sie bis vor zwei Jahren um sich herum hatten: „Wir hatten keinen Einfluss mehr darauf, wann unsere Alben erscheinen“, erklärt Sänger Nick Sauter, und da sie trotz einer Download-Chart-Platzierung und diversen Touren mit Gigs auf großen europäischen Festivals wie dem Frequency in Österreich oder dem Budapester Sziget Festival weit davon entfernt seien, von der Musik leben zu können, sei die Selbstbestimmung und Autonomie die logische Konsequenz gewesen.

Nun erscheint am Freitag, 8. November, „Wake you“, die erste Single aus dem neuen Album – das erste Album, das sie selbst verlegen werden. Denn anders als der übliche Weg junger Musiker, die ein paar EPs im Eigenverlag veröffentlichen und dann – mit Glück – irgendwann ein Label finden, stieg das Münchner Quartett auf hohem Niveau ein. Das erste Album erschien 2007 auf „I hate Music Records“, später waren sie eines der Zugpferde von Flowerstreet Records. Und weil sie auch anderen Musikern die Lust am professionell Selbstverwalteten mitgeben wollen, nahmen sie als „TBS Booking“ auch gleich weitere Künstler in ihr Roster auf: Etwa die Songwriterin Carmina Reyes.

Stil: Indie / Britpop

Besetzung: Nick Sauter: Gitarre, Gesang; Tom Reicherzer: Bass; Alex Föllmer: Schlagzeug, Franz: Keyboards.

Aus: München.

Seit: 2006.

Internet: www.pardonmsarden.com, www.myspace.com/pardonmsarden.

Von Rita Argauer

Angela Aux (Folk / Indie / Elektronica)

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Jahr: 2013, Woche: 41

Mit seinem Stil “New Weird Bavaria” hat Florian Kreier eine musikalische Plattform für Schräges und Versponnenes geschaffen. Am 27. September erschien sein neues Album “Sleep Well Folk” und ab dem 22. November sind auch endlich die CDs gepresst.

Ob er sich damit einen Gefallen getan hat, das wird sich noch zeigen müssen. Doch in einem Geschäft, das so sehr in Schubladen und Genres denkt wie das Pop-Business, ist es von Vorteil, einen eigenen Begriff zu schaffen. „New weird Bavaria“ labelte Florian Kreier alias Angela Aux (Foto: Susanne Steinmaßl) einst die junge Szene, die um den Chiemsee herum entstand und nach München drängte. Allen voran die noch sehr elektro-funkige Kombo L’egojazz, mit der Florian das erste Mal in der bayerischen Landeshauptstadt von sich reden machte. Nachdem L’egojazz in eine Pause ging, brachte er sich immer wieder mit seinem Solo-Projekt, eben Angela Aux, ins Gespräch. Gerade hat er das zweite Album mit dem etwas fatalistischen, aber dennoch passenden Titel „Sleep well Folk“ veröffentlicht.

Viel Platz für Schräges und Versponnenes hat er darauf geschaffen. Doch eine gewisse Zugänglichkeit ist nicht zu leugnen. Ähnlich der Armada von schrägen Hipster-Bands, die in den vergangenen Jahren vornehmlich aus Brooklyn auf den Markt drängten und auf deren Begriff „New weird America“ Florian Bezug nimmt, vermischt er als Angela Aux verschiedene denkbare Einflüsse und Rhythmen mit einfachen wie wiedererkennbaren Melodie. Songwriter-Gitarren-Akkorde treffen dabei auf wildes elektronisches Geblubber und Glockenspiel. Und wo bei den US-amerikanischen Vorbildern der Einfluss von Afro-Rhythmik nicht zu überhören war, dominiert bei Angela Aux der Hang zum Krautrock.

Das Experiment mit diesem Stil, den in den Siebzigerjahren Bands wie Can prägten, glückt. Die ellenlangen Improvisationen dieser Musik bremst Florian gekonnt aus: Lange psychedelische Soundcollagen bleiben eine Andeutung, Krautrock bleibt ein Zitat. Die Lust am Experiment zeigt sich auch in seinen Live-Shows: So rezitiert er zwischen den Songs auch gerne seine eigenen Gedichte und Kurzgeschichten. Die Musik ist so mal Soundtrack zu seinen Worten, mal untermalen die Geschichten assoziativ seine Musik. Der Musiker, der gerade auch durch die erste Veröffentlichung seiner Band „Aloa Input“ in der überregionalen Musikpresse auftaucht, hat sich – zusammen mit Künstlern wie Joasihno – seine eigene kleine, aber sehr agile Szene geschaffen.

Foto: Susanne Steinmaßl

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Young Chinese Dogs (Indie, Folk)

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Zwischen poppigen Indie-Songs und rauem Folk haben die Young Chinese Dogs (Foto: Florian Huber) ihre musikalische Heimat gefunden. Am 11. Oktober erscheint ihr Album ‘Farewell to Fate’, auf dem sie diese Kombination perfektioniert haben.

Einen passenderen Titel hätte man kaum finden können. „Farewell to Fate“ haben die Young Chinese Dogs (Foto: Florian Huber) ihr Debütalbum genannt. Und von einer schicksalsergebenen Haltung haben sie sich auf dem Weg zu diesem Album tatsächlich verabschiedet. Eigentlich gibt es die Münchner Band schon seit 2011. Ursprünglich ein Projekt von Gitarrist und Sänger Nick Reitmaier – der seine Musikerfahrung unter anderem in der Backing Band von Uwe Ochsenknechts Sohn Wilson Gonzales sammelte. Doch dem Schicksal trotzend stieg er dort aus und begann die Musik zu machen, die er mochte: Akustischer Indie-Folk, der aber den Geist von rauem Rock’n’Roll atmet.

Auch Birte Hanusrichter wollte sich mit der trägen Lethargie des Abwartens nicht abfinden. Die Schauspielerin, die ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen kommt und beruflich in München lebt, sehnte sich nach einer Band. So ergoogelte sie eine Anzeige der Young Chinese Dogs, die auf der Suche nach einer Sängerin waren. Und seit Birtes Einstieg geht es voran. Unaufhörlich spielten sie Konzerte, schrieben Songs und bekamen schließlich einen Vertrag bei dem Berliner Label Motor Music. Das Album, das am Freitag, 11. Oktober, offiziell erscheint und am Tag zuvor im Münchner Atomic Café vorgestellt wird, spiegelt diese Absage an die Vorbestimmtheit. Der Folk des Trios bleibt rein akustisch – Credo der Band ist, dass nur Instrumente zum Einsatz kommen, die sie selbst tragen können – und trotzdem ist die Aufbruchstimmung der Musiker spürbar. Songs wie „Don’t talk about“ drängen euphorisch, getragen von Birtes ab und an ganz schön kratziger Alt-Stimme und Nicks Tom-Waits-Timbre.

Mit ihrer Musik haben sie sich auch einem Genre verschrieben, das derzeit eine Renaissance erlebt, nicht zuletzt durch den Erfolg von Mumford and Sons. Hinter denen folgten sie auf Platz Zwei der Charts von Balcony.tv in Dublin. Und von Sonntag, 29. September, an sind sie erst einmal auf ausführlicher Deutschland-Tournee.

Stil: Indie, Folk, Pop.
Besetzung: Nick Reitmeier: Gesang, Gitarre; Oliver Anders Hendriksson: Gitarre; Birte Hanusrichter: Gesang, Keys, Percussion.
Aus: München.
Seit: 2011.
Internet: www.youngchinesedogs.com,www.facebook.com/youngchinesedogs.

Von Rita Argauer

Michael Tanner (Indie Folk)

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Man mische den New Yorker Weirdo-Look mit verschrobenen Hippie-Anleihen – heraus kommt Michael Tanner. Der Sänger tritt mit seiner Band in in diesem Jahr bei diversen Festivals auf und veröffentlicht seine erste EP “Three Sisters”.

So ganz zusammenpassen mag das alles nicht: der typische New Yorker Weirdo-Look mit verschrobenen Hippie-Anleihen. Dazu ein Allerweltsname und Musik, die zunächst ganz unscheinbar wirkt. Michael Tanner (Foto: Paula Weinthaler) ist ein Münchner Songwriter. Doch die ganze Zeit spricht er von seiner Band, deren Arbeit er trotz seines Namens, der darüber steht, als eine kollektive begreifen möchte. Die aktuelle Besetzung, mit der der 26-Jährige seine Folksongs instrumentiert, gibt es seit einem Jahr. Mal hört man da ein Glockenspiel, Streicher und einen Schellenkranz, aber manchmal blitzen auch mutig-aufdringliche Bläser durch.

Über die spärlichen Indie-Folksongs setzt er eine sachte, fast gehauchte Stimme. Trotzdem entwickelt die Musik eine Intensität, der man den Einfluss der gerade so gefeierten amerikanischen Folk-Stars wie zum Beispiel Bon Iver anhört. Vor allem in seinem Faible, mit nicht zu vorhersehbaren Songstrukturen zu arbeiten. So artet etwa das Lied „Nightingale“ von ruhiger Gitarren- und Lagerfeuerromantik zu einem psychedelischen Experiment aus. Obwohl er erst spät, mit 18 Jahren, angefangen hat, Musik zu machen, ist er jetzt gut vernetzt in der Münchner Szene. Die Songwriterin Yvonne Ebner spielt in seiner Band und Franko van Lankeren von den Talking Pets unterstützt ihn manchmal live.

Gerade hat Tanner seine erste EP „Three Sisters“ fertig gestellt, die er Anfang Juli veröffentlichen wird. Davor tritt er noch beim Stadt-Land-Rock-Festival der Junge-Leute-Seite der SZ auf dem Tollwood-Festival auf.

Stil: Indie Folk
Besetzung: Michael Tanner (Gesang, Gitarre, Bass, Klavier, Synth, Percussion), Julian Maisch (Gitarre), Yvonne Ebner (Gesang), Matthias Zimmermann (Bass), Magadalena Knödler (Violine, Gesang), Eva Rölke (Schlagzeug)
Aus: München
Seit: 2012
Internet: www.facebook.com/MichaelTannerMusic

Von Rita Argauer

Adulescens (Postrock / Indie)

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Jahr: 2013, Woche: 13

In eine “Sphäre zwischen Melancholie und Heiterkeit” möchten die Jungs von Adulescens ihre Zuhörer eintauchen lassen. Mit einer Musik, die düster und experimentell zugleich ist, kreiert das Quartett eingängige Melodien, die das Publikum dennoch fordern.

Schön sind sie, die fünf Jungs, die zusammen die Band Adulescens sind. Mit ihrem hippen Urban-Outfitters-Look aus Röhrenjeans und Ringelpullis. Und dazu betörend poppigen Melodien, die sie auf ihren Indie-Synth-Pop singen. Doch sie auf diese Zugänglichkeit zu reduzieren, tut dem Quintett unrecht: Da kommt immer wieder eine Lust am Düsteren und am Experiment durch. Da werden gezielt ein paar Pop-Regeln über den Haufen geworfen und es wird aus den bekannten Mustern ausgebrochen. Womit sie ihrer Musik eine spannende und dringliche Note geben.

Seit 2009 machen sie zusammen Musik. Sie sind gerade mal 20 Jahre alt. Im Januar ist „Sweet Blood“ erschienen, darin verbinden sie gekonnt Strukturen und Harmonien von Postrock mit großartigen Indie-Momenten. Die elektronischen Synthie-Flächen und die Hipster-Attitüde geben die nötige Coolness dazu. Aber es bleibt immer auch der Raum zum Experiment: Obwohl die Melodien ins Ohr gehen, ist der Songaufbau kompliziert, womit sie ihr Publikum zum Mitdenken auffordern und Aufmerksamkeit verlangen. In diesem Ansatz erinnern sie manchmal an die sphärischen Sigur Rós – durch die Synthies und Elektro-Beats klingen Adulescens aber doch moderner.

Ungewöhnlich sind sie nicht nur in ihrer musikalischen Herangehensweise. Auf der Bühne stehen sie in einem Halbkreis. Denn: Schlagzeuger Maximilian Wörle ist für den Hauptgesang zuständig und da kann er natürlich nicht klassisch am hinteren Bühnenrand sitzen. Live spielen ist auch ihr Plan für 2013 – möglichst viele Konzerte sollen es werden, und sie wollen „eventuell doch ein Label für ein Album finden“, erklärt Maximilian Wallner, der Bassist der Band.

Stil: Postrock / Indie
Besetzung: Maximilian Wallner: Bass, Gesang; Maximilian Wörle: Schlagzeug, Gesang; Johannes Wallner: Synthesizer; Florian Strandl: Synthesizer; Michael Schlickenrieder: Gitarre.
Aus: Aichach.
Seit: 2009.
Internet: http://www.adulescensmusic.com

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Thing Kong (Indie)

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Edles Understatement. Auch Thing Kong hat diesen Zug kultiviert. Und bietet feine Elektronik, sparsame Gitarren und allerhand Loops. Bescheiden, aber sehr schön.

Der edle Zug des Understatements ist heimisch geworden in der Münchner Musikszene: mal die betont naive Aussage, die Instrumente gar nicht spielen zu können; dann die Versicherung, wenn die eigene Musik Gefallen finde, sei das schon mehr, als man erwartet habe. Die Neu-Münchner Band Thing Kong springt ein klein wenig auf diesen Zug auf. Schon der Name macht aus einem Monster der Filmgeschichte ein zurückhaltendes Statement. Ebenso zurückhaltend erklären Alex Meier und Paul Klumpner, dass sie mit Instrumenten herumspielen, die sie eigentlich nicht wirklich beherrschen. Die Musik ihres Duos klingt dann aber weder dilettantisch-charmant, noch rotzig-selbstbewusst, sondern professionell, ausgewogen und sehr durchdacht.

Die beiden Musiker stammen aus der Stadt Traunstein, während des Studiums trennten sich ihre Wege – den einen verschlug es nach Innsbruck, den anderen nach München. Jetzt sind sie zusammen in der Stadt an der Isar und auf dem Weg, vom Geheimtipp zu einer Band zu werden, welche die Aufmerksamkeit der örtlichen Szene genießt. „Wir haben einfach angefangen, Musik zu machen, ohne Plan“, erzählt Paul: Sie könnten sich wahrscheinlich ewig im Studio einsperren, nur für sich selbst spielen. Doch inzwischen stehen sie doch ab und zu auf der Bühne – trotz der Arbeit an einer EP. „Consult The Horse“ soll das Minialbum heißen. Gefüllt mit ihren Songs, die nach verspieltem Indie klingen, aber ohne die mittlerweile so abgedroschenen Gitarrenriffs, sondern aus feiner Elektronik, sparsamen Gitarren, allerhand Loops aus nicht mehr zu identifizierenden Geräuschen.

Von Rita Argauer