Band der Woche: Orion and the First Day of Aries

Nicht vielen Bands gelingt dieser schnörkellose Übergang von einem zum anderen Stil. Orion and the First Day of Aries schon: schließlich ist ihr Genre am besten mit Akustik-Hardcore zu beschreiben.

Der größte Reiz elektronisch verstärkter Instrumente liegt in der Möglichkeit, den Klang zu verfremden. Eine Geige klingt wie sie klingt, da spielt vielleicht noch die Art, wie der Bogen geführt wird, eine gewisse Rolle. Doch die grundlegende Klangästhetik bleibt gleich. In der Popmusik scharten Musiker seit den späten Sechzigerjahren jedoch regelrechte Armadas von kleinen bunten Boxen vor ihren Füßen: Effektgeräte, die zwischen Verstärker und Instrument geschlossen werden und den Klang in mittlerweile fast jede erdenkliche Richtung hin verändern können: Verzerrer sind die bekanntesten, es gibt aber auch alle möglichen Arten von Hall- und Delay-Geräten oder Octaver, die die Tonhöhe verschieben und Flanger, die die Stimmung des Instruments minimal modulieren. Bevor das hier nun in all zu großen Tech-Talk ausartet, muss klar gemacht werden, wie stilprägend diese Effektgeräte für die jeweilige Epoche der Popmusik sind, schlicht, weil jede Epoche eigene und neue Effektgeräte hervorbrachte. Also, wenn man heute ein Delay-Gerät aus den Achtzigerjahren benutzt, dann färbt das ganz subtil und gleichzeitig sehr grundlegend den Klang der Band. 

Anders ist das bei Akustik-Projekten. Denn: akustische Instrumente werden nicht verstärkt und wenn doch, dann sollen sie immer noch möglichst akustisch klingen – Effektgeräte sind hier nicht erwünscht. Anders ist das bei Orion Schweitl. Der hat gerade eine kleine Sammlung von seinen auf der Akustik-Gitarre komponierten und meist solo aufgeführten Songs unter dem Namen Orion And The First Day of Aries  (Foto: Maximilian Schieder) veröffentlicht. Und was den Sänger und Gitarristen von den vielen Songwritern abhebt, die alle hübsch-melancholische Melodien zu Gitarrenpickings singen, ist, dass Orion Effektgeräte benutzt. Etwa, um eine zweite Gitarrenstimme zu verhallen, die im Song „Collecting Colors“ über den Grundakkorden schwebt und die Musik in eine im besten Sinne eigenartige Stimmung taucht. Oder ein Delay, das in stehenden Akkorden für einen leicht zitternden Nachhall und unerwartete Fülle sorgt. Orion rückt seinen Akustik-Pop so durch allerhand technische Spielereien im Laufe der EP sowieso weit weg von den üblichen Songwriter-Mühlen. 

Die Voraussetzung für diese Verschiebungen liegt jedoch nicht nur in den Effektgeräten. Denn Orion kommt eigentlich aus der Hardcore- und Punk-Szene. Mit seiner jüngsten Band Sandlotkids hat er diesen Einfluss ganz großartig mit seinem melodischen Talent verbunden. Nun sind bei seinem Solo-Projekt die Melodien an der Oberfläche gelandet. Dabei genieße er es, selbst und alleine über die Ästhetik seiner Musik entscheiden zu können, live vermisse er jedoch das Bandgefüge und gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Orion ist auf eine gewisse Weise gleichzeitig hingebungsvoll und voller Slacker-Haltung. So will er einerseits sein Leben mit Musik gestalten, andererseits gibt er zu, dass die Songs auf seiner EP nie erschienen wären, wenn ihn nicht ein Freund überredet hätte, die Lieder aufzunehmen. Seine Musik gewinnt aus diesem Gegensatz von Mitteilungsbedürfnis und Teilnahmslosigkeit ihren besonderen Reiz. Da ist einerseits die unaufgeregte Dominanz von Gitarre und Gesang. Da fahren aber andererseits fast in jedem Song durchaus überraschende Elemente dazwischen: Etwa eine Bläserlinie. Oder ein synkopiert-zitternder Schlagzeug-Beat. Dass diese Musik, die doch so viele Grenzziehungen verweigert auf Hardcore-Festivals, wo Orion bereits auftrat, ebenso funktioniert, wie auf einer Wohnzimmer-Konzerte-Tour, die er plant, bestätigt das.  

Stil: Akustik / Hardcore
Besetzung: Orion Schweitl (Gesang, Gitarre, Produktion)
Seit: 2010
Aus: München
Internet: www.orionandthefirstdayofaries.bandcamp.com

Text: Rita Argauer

Foto: Maximilian Schieder

Ein Abend mit: Martin Piehlmeier

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Der Akustikgitarrist Martin Piehlmeier tummelt sich wie die meisten Münchner wenn’s warm genug ist an der Isar und im Englischen Garten. Ob er dann auch immer seine Gitarre dabei hat, bleibt offen…

Name: Martin
Piehlmeier

Alter: 26

Beruf: Student

Internetseite:
www.martinpiehlmeier.com

 

Hier beginnt mein Abend:

Isar/Englischer Garten. Im Winter beim
Kumpel.

Danach geht’s ins/zu:

Am besten zu einem Konzert, aufs Tollwood oder
nach Schwabing.

Mit dabei ist immer:

Mein Hausschlüssel, hoffentlich.

An der Bar bestelle ich am liebsten:

Ein Weißbier.

Mein Lieblingsgesprächsthema:

Schlechte Witze in guter Gesellschaft.

Der Song darf auf keinen Fall fehlen:

Taro (Alt-J) / Bongo Bong (Manu Chao)

Mein Tanzstil in drei Worten:

Nicht so gut.

Meine dümmste Tat im Suff war:

… bestimmt witzig!

Das beste Frühstück nach einer durchfeierten
Nacht gibt’s im:

Bett.

Diesem Club/dieser Bar trauere ich nach:

Bis jetzt keinem/keiner, es gibt in München
genug schöne Ecken!

Foto: Privat

Band der Woche: Martin Piehlmeier

Bei dem Münchner

Akustik/Instrumental-Musiker

Martin Piehlmeier treffen Postrock-Strukturen auf kluge rhythmische Arbeit. Seine erste EP 

„Bergblick“ hat er, passend zum Titel, ganz abgeschottet in der österreichischen Berglandschaft aufgenommen.  

Manche Menschen ziert von Geburt an ein großartiger Name. Dafür braucht es das Glück, in eine Familie hineingeboren zu werden, die über einen spektakulären Nachnamen verfügt. Beispiele hierfür ist etwa das Adelsgeschlecht „von Streit“. Bei diesen Voraussetzungen braucht es dann nicht mehr viel Fantasie. Selbst wenn man einen recht normalen deutschen Vornamen davor setzt, hat der potenzielle Namensträger den besten Künstlernamen, den sich etwa der Gitarrist einer Punkband für sich ausdenken könnte. Das Pop-Biz liebt alles, was schillert. Etwa, wenn Kate Esther Calvert auf einem Plattencover stehen würde, würde man am ehesten noch eine bodenständige Songwriterin erwarten, nicht aber die spitzfindigen, wütenden und gleichsam poetischen Zustandsbeschreibungen der jüngeren britischen Gesellschaft, die besagte Mrs. Calvert unter dem Namen Kate Tempest veröffentlicht.

Künstlernamen sind, wenn es um den ersten Eindruck geht, nicht unerheblich. Wenn sich jemand also dafür entscheidet, unter seinem eigenen, süddeutsch gefärbten Namen aufzutreten und seine erste EP auch noch „Bergblick“ nennt, assoziiert der geneigte Musikentdecker damit wohl erst einmal eine Art von Mundart-Gitarrenfolk, wie ihn auch Claudia Koreck veröffentlicht. Doch beim Münchner Musiker Martin Piehlmeier und seiner ersten EP liegt man mit dieser Annahme ziemlich daneben. Denn dessen in vielerlei Hinsicht unprätentiöses Auftreten dient keinem bestimmten Image. Vielmehr wirkt es tatsächlich so, als sei ihm all der Firlefanz um Imagebildung und Namensfindung herzlich egal. Der Neurowissenschaftler macht mit seinen 25 Jahren Musik, die wie eine auf Akustik-Instrumente heruntergebrochene instrumentale Version von The Notwist klingt. Postrock-Strukturen ohne die obligate Verstärker-Verzerrer-Kombination dieses Genres treffen auf kluge rhythmische Arbeit, zusammengeklopft auf dem Gitarrenkorpus. Die Gitarre ist für ihn nicht nur harmonisches Instrument, sondern auch getrommelter Rhythmusgeber. Es klingt, als wären da weit mehr Menschen am Werk, de facto spielt er das jedoch alleine. 

Auf all diese an sich schon ziemlich beeindruckenden Voraussetzungen wirft Martin jedoch einen trocken-unterkühlten, ja, naturwissenschaftlichen Blick. Die Musik dient nicht der Selbstdarstellung, kein bisschen Glamour umweht diesen Musiker. Hier macht jemand, der auch noch auf einem anderen Gebiet recht begabt ist, Musik zum Ausgleich: „Obwohl ich während meines Studiums sehr viel zu tun hatte, habe ich so viel Musik gemacht wie noch nie und gemerkt, dass das Eine ohne das Andere einfach nicht funktionieren kann“, sagt er. Dennoch beeinflusse seine wissenschaftliche Seite die Musik, er habe an den molekularen Zusammenhängen in der Entstehung von Alzheimer geforscht und suche „instinktiv den Kontrast zwischen der strengen Naturwissenschaft und der weichen Musik“. Ähnlich pragmatisch erklärt er auch den heimatseligen Titel seiner ersten Veröffentlichung: Um sich vom Großstadtlärm zu distanzieren und die Natur zu genießen, habe er diese EP in abgeschiedenen Hütten in den Bergen aufgenommen. Außerdem sei ihm in den acht Jahren Auslandsstudium der Begriff der „Heimat“ vielfältig bewusst geworden. Für den Sommer habe er nur ein paar Konzerte in seiner ehemaligen Heimat London geplant, im Herbst will er verstärkt in München auftreten.

Stil: Akustik/Instrumental
Besetzung: Martin Piehlmeier (Gitarre, Songwriting)
Aus: München
Seit: 2006
Internet: martinpiehlmeier.com

Text: Rita Argauer

Foto:

privat

Wir aus Ton

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Es ist ein ungewöhnlicher Mix: Sarah Raabe kommt aus dem R’n’B-Bereich, Nicolai Herrmann singt zur Akustik-Gitarre. Zusammen bilden sie das Duo Wir aus Ton. Am Samstag stellen sie ihr erstes gemeinsames Programm vor.

Musik allein reicht nun schon lange nicht mehr aus. Dabeihat Sarah Raabes (Foto: Jessy Schmitt) und Nicolai Herrmanns musikalischerZusammenschluss eigentlich ganz unkompliziert begonnen. Wir aus Ton nennen sie sich als Musiker-Duo – eine einfache Doppeldeutigkeitfür ein Projekt der gegenseitigen Unterstützung: Sarah hat eine wunderbareSoul-Stimme und entstammt dem R’n’B, Nicolai kommt eher aus dem erdigen
Songwriter-Bereich und singt zur Akustik-Gitarre. Kennengelernt haben sie sich
2013 in einem Gospelchor; ganz abseits der üblichen Pop-Szene Münchens. „Wir
haben festgestellt, dass wir beide deutschsprachige Songs schreiben“, erzählt
Sarah, doch dass sie mit ihrer jeweiligen Musik nie recht an die Öffentlichkeit
gelangten. Nicolai wollte ein Album mit seinen bisherigen Songs aufnehmen,
Sarah wollte ihre Lieder in einem Konzert live präsentieren. Gegenseitig halfen
sie sich, die Songs zu arrangieren: Sarah am Klavier und Nicolai an der
Gitarre.

Doch so einfach blieb es dann doch nicht. Aus der Idee der
gegenseitigen Unterstützung entstanden neue Stücke. Und die Instrumentierung
als Duo reichte auch bald nicht mehr aus, um die musikalischen Ideen der beiden
umzusetzen. Der Anschluss an die Musiker-Szene der Stadt folgte. 2014 probten
sie viel, taten sich etwa mit Martin Meyer – der bei der Britrock-Indie-Band Jadeapes spielt – zusammen und
arbeiteten am ersten gemeinsamen Programm, das nun am Samstag, 21. März, erstmals gezeigt werden soll. Doch
es waren nicht nur Musiker, die sich dem Duo anschlossen. Und so ist nun für
das Release-Konzert am selbigen Tag im neuen Import-Export im Münchner
Kreativ-Quartier an der Dachauer Straße eine multimediale
Live-Klang-Performance geplant. Unter dem Titel „Licht//Schatten//Spiel“ werden
neun verschiedene Künstler zur Live-Darstellung der gesammelten Songs von
Nicolai und Sarah beitragen: Neben Musikern wie Thomas Grünig am Schlagzeug
oder Liv Weigmann am Cello tritt die Berliner Performance-Künstlerin Edda zur
Musik auf, während Stephanie Müller alias Rag Treasure für Geräusche und
Kostüme sorgt, und Bernd Hegewisch sich um die Visuals kümmert.

Was all dieses Drumherum in Kombination mit der Musik der
beiden bewirkt, verspricht spannend zu werden. An sich berufen sich Sarah und
Nicolai musikalisch zwar auf bekannte Muster wie eine kratzige Herrenstimme,
Klavierakkorde, Orgelklänge und Akustikgitarren. Eine Mischung, die durch
Sarahs geschulte Stimme düster zu leuchten beginnt. Die wirkliche Besonderheit
ergibt sich jedoch aus der Zusammensetzung der einzelnen stilistischen
Komponenten; wenn das nun live durch weitere Instrumente und andere
Kunstsparten ergänzt wird, ist das auch eine logische Konsequenz aus dem
Projekt, das eigentlich so unscheinbar begann; und das Songwriter-Musik nun in
einen fast theatralen Kontext bringt. Rita Argauer

Stil: Pop / Indie / Akustik / Songwriter

Besetzung: Sarah Raabe (Gesang, Klavier), Nicolai Herrmann
(Gesang, Gitarre)

Aus: München

Seit: 2013

Internet: www.facebook.com/wirauston

Neuland

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Über zwei Jahre mussten die Fans warten, jetzt haben El Rancho ihre neue EP für das Frühjahr 2015 angekündigt. Zu hören ist darauf auch der neue Schlagzeuger der Band, Stefan Winklhofer, 24.

Mehr als zwei Jahre haben Luca Wollenberg, 24, und Patrick Roche, 25, von El Rancho ihre Fans warten lassen: Studium, Arbeit, das Leben – nach dem zweiten Album 2012 blieb nur wenig Zeit für die Musik. Jetzt gibt es aber für die Anhänger der beiden einen Grund zur (Vor-)freude, denn kurz nach Abschluss der Aufnahmen kündigen die Jungs aus dem Würmtal ihre neue EP für das Frühjahr 2015 an.

Es ist die erste Platte, auf der auch Stefan Winklhofer zu hören sein wird, der 24-Jährige spielt seit einigen Monaten Schlagzeug im Namen der Akustik-Rock-Band. „Wir haben noch keinen genauen Release-Termin, aber man kann uns auch schon vorab anhören“, sagt Patrick Roche. Einen Vorgeschmack gibt es zum Beispiel am 8. November im Münchner Backstage. Lisi Wasmer

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Moon Atlas (Akustik-Progressive)

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Jahr: 2014, Woche: 42

Psychedelischer Einfluss ist in der Musik von Moon Atlas ebenso hörbar wie die Songwriter-Vergangenheit von Adrian Lesch. Im November sind Moon Atlas dann bei Sound of Munich Now zu hören.

Verhallte Gitarren und in die Länge gezogene Melodiebögen. Die Konturen von psychedelischer Musik sind unscharf und etwas verwaschen. Um diesen Klang zu erzeugen, braucht es eigentlich allerhand Effektgeräte. Hall, Reverb, Delays – alles kleine elektronische Helfer, die den akustischen Input verfremden und entkonkretisieren. Wenn also ein akustischer Folkmusiker sich dazu entschließt, seine Musik von nun an psychedelischer und progressiver zu gestalten, erscheint das erst einmal reichlich absurd. Doch für Adrian Lesch alias Al Oakmill war dieser Weg nicht weit. Mittlerweile heißt seine Band Moon Atlas (Foto: Philipp Pander), ein Trio, dem man Adrians folkige Singer-Songwriter-Vergangenheit anhört; das aber die musikalischen Strukturen und einen schüchternen Hang zum Pathos in Einflüssen wie Pink Floyd oder Porcupine Tree findet.

Bereits 2010 begann Adrian, der zuvor schon als Gitarrist der Münchner Band Soki Green in Erscheinung getreten war, an seinem Solo-Projekt zu arbeiten. Und auch auf seinem Debüt-Album „Draft“ blickte er musikalisch schon weit über den eng gesteckten Begriff der Folk-Songwriter hinaus, indem er zum Teil fast jazzige Akkorde mit eben jenen Effekten anreicherte, die das Klangbild so verfremden und verschwimmen lassen.

Doch: „Irgendwann habe ich allerdings gemerkt, dass ich meinen Sound unbedingt noch mit Mitmusikern vervollständigen möchte“, sagt er. Also holte er sich Unterstützung vom Schlagzeuger Matthew Mous und dem Bassisten Enrico Ercolani, und aus Al Oakmill wurde Moon Atlas. Aber eine klassische Progressive-Rock-Band ist das dennoch nicht. Denn so wie bei Adrians Solo-Projekt der Einfluss eben solcher Bands hörbar war, macht sich nun bei Moon Atlas Adrians Songwriter-Vergangenheit bemerkbar. Und das klingt dann ausgesprochen ungewöhnlich, wenn die übermäßig langen Songs, die weit entfernt von einer erwartbaren Strophe-Refrain-Struktur sind, mit dem Lo-Fi-Charme einer akustischen Instrumentierung aufwarten.

Gerade arbeitet das Trio an seinem ersten Album, bis dann im November einige Konzerte anstehen, unter anderem beim „Sound of Munich Now“-Festival der SZ. Doch am Wichtigsten sei es Adrian, „interessante Musik“ zu machen. Und so allgemein diese Aussage klingt, mit dieser Herangehensweise und dem Willen, nicht in bekannte musikalische Schemen zu verfallen, dürfte dieses Ziel für das Trio durchaus erreichbar sein. Rita Argauer

Stil: Akustik-Progressive
Besetzung: Adrian Lesch (Gitarre, Gesang, Songwriting), Enrico Ercolani (Bass), Matthew Mous (Schlagzeug)
Seit: 2013
Aus: München
Internet: www.facebook.com/pages/Moon-Atlas/110643972335780

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Lisa Lovegood (Akustik-Songwriter)

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Jahr: 2013, Woche: 46

Lisa Heine nennt sich als Sängerin und als Bloggerin Lisa Lovegood. Ihr Vorbild ist die Sängerin Kate Nash. Diese hat ihr sogar schon einmal ein Geburtstagsständchen gesungen.

Sehr liebenswert klingt das, wenn sich Lisa Heine (Foto: Madi Photographie) im Internet Lisa Lovegood nennt – eine Kunstfigur, die sie für das Bloggen und nun auch für das Musizieren geschaffen hat. Ein paar Songs hat sie bisher auf Soundcloud veröffentlicht. Und vor gut einem Monat stand sie vor Kate Nash auf der Bühne im Münchner Ampere. Kate Nash, die einstige britische Pop-Prinzessin, die seit Kurzem auf Krawall gebürstet für Frauen und Mädchen Rockcamps veranstaltet und selbst nun ein wenig mehr kreischt und die Riot-Grrrl-Bewegung zum Vorbild erklärt. Das macht sie bei den Massen etwas unpopulärer, als Idol jedoch umso reizvoller.

Lisa traf Kate Nash 2012 das erste Mal. Kate Nashs Konzert in München fiel auf Lisas Geburtstag – und sie war schon nachmittags vor Ort. Eine Geste, die wiederum Kate Nash sehr rührte, weshalb sie Lisa ein Geburtstagsständchen sang. Und – das Internet macht es möglich – Lisa blieb mit Kate Nash in Kontakt.

Ihr Musik- und Modeblog indie-vidualists.blogspot.de, den sie gemeinsam mit einer Freundin aus Wien betreibt, ist derzeit noch viel präsenter als ihre Musik. Auf ihren Tracks singt sie ein wenig schüchtern zu ihrer Akustik-Gitarre. Ihr Ziel ist jedoch, irgendwann eine Band zu haben. Unter ihren Soundcloud-Veröffentlichungen hat sie – neben dem obligatorischen Kate-Nash-Cover – auch ihre eigene Version eines Songs von The Tuts, einer englischen Girl-Punk-Band, die Kate Nash bei ihrem diesjährigen Konzert im Münchner Ampere supporteten. Und die Lisa mal schnell als Gastsängerin für einen Song auf die Bühne baten. Rita Argauer

Stil: Akustik-Songwriter
Besetzung: Lisa Heine
Aus: München
Seit: 2012
Internet: https://soundcloud.com/lisa-heine-1

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Like Time Flies (Akustik-Folk)

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Jahr: 2013, Woche: 38

Ein selbstprogrammiertes Computerspiel, gehäkeltes Merchandise und selbstgebaute Instrumente und Effektgeräte – bei Like Time Flies (Foto: Sophie Kiener) wird der Do-It-Yourself-Gedanke noch groß geschrieben. Dieser puristische Ansatz passt perfekt zu ihrem Akustik-Folk, den sie auch gerne mal spontan in der Öffentlichkeit aufführen.

Um den Highscore von knapp 60 000 Punkten zu erreichen, muss man sich intensiv mit der Musik von Like Time Flies beschäftigen. Ein kluger Schachzug ist dieses selbstprogrammierte Computerspiel, das die Münchner Band auf ihrer Homepage anbietet. Nach dem Prinzip gängiger Playstation-Spiele à la „Guitar Hero“ muss man im richtigen Rhythmus verschiedene Tasten drücken. Die Musik wird dadurch aufgeschlüsselt und nachvollziehbar.

Und so einfach, wie der zugängliche Akustik-Folk erscheint, überrascht das Arrangement durch Komplexität.

Mit Gitarren, Mundharmonika, Mandoline und Kontrabass ist das Trio seit 2011 unterwegs. Die beiden Sänger und Gitarristen Christoph Huebner und Gabriel McCaslin lernten sich einst beim Münchner Kammerchor kennen. Als Irish-Folk und Bluegrass Projekt begannen sie gemeinsam Musik zu machen. Schnell wurden aber auch einige eigene Songs geschrieben, die im Englischen Garten und in der Fußgängerzone zur Aufführung kamen. Mit Stephanie Spelthann am Kontrabass produzieren sie nun Songs, die immer noch die Gelassenheit einer Straßenmusikband in sich tragen, bei denen aber durchaus der harmonieverliebte Pop der Beatles durchblitzt. Beim Sprungbrett-Wettbewerb des Feierwerks standen sie dann in diesem Jahr auch das erste Mal auf richtigen Bühne und seien froh, dass der Schritt vom Park in den geschlossenen Raum funktioniert habe, wie Christoph erklärt. Besagter Wettbewerb hat ihnen nun die Produktion einer EP ermöglicht – darauf wollen sie ihre Instrumentierung weiter ausbauen. Einziges Kriterium sind dabei akustische Instrumente. Es ist Priorität, dass die Musik weiterhin spontan an öffentlichen Plätzen ohne Strom aufgeführt werden kann. Und dieser puristische Ansatz findet sich in ihrer Organisation. Sie machen alles selbst: löten ihr Equipment, bauen Effektgeräte, häkeln ihren Merchandise und programmieren Computerspiele. Rita Argauer

Stil: Akustik-Folk
Besetzung: Christoph Hueber: Gitarre, Mundharmonika, Gesang; Gabriel McCaslin: Gitarre, Mandoline, Gesang; Stephanie Spelthann: Kontrabass, Gesang
Aus: München
Seit: 2011
Internet: Computerspiel: www.liketimeflies.com/game.html, www.facebook.com/liketimeflies

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Rita Argauer ist die Musik-Expertin der Junge-Leute-Seite. Sie ist nicht nur ständig auf der Suche nach neuen Münchner Bands und deswegen in den Clubs dieser Stadt unterwegs. Sie kennt die Szene auch von der anderen Seite: Sie singt und spielt Keyboard in der Band Candelilla.

Soki Green (Akustik, Folk)

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Vielschichtiger, mehrstimmiger, düsterer – die neue EP von der Münchner Band Soki Green schwebt zwischen finster-klirrender Kälte und einer einnehmend melancholischen Wärme.

Ob Dämonen denn sprechen können? Als vorsichtige Frage formulierte die Münchner Band Soki Green um Songwriterin, Sängerin und Pianistin Cornelia Breinbauer (Foto: Susanne Steinmaßl) das noch auf ihrem Debüt-Album „Do Demons Talk“. Dass die Dämonen in der Zwischenzeit ganz schön viel Düsteres und Abseitiges eingeflüstert haben, ist der neuen EP von Soki Green deutlich anzuhören.

Auf ihren ersten Konzerten klang die Band noch wie eine Begleiterscheinung zu Songwriterin Cornelia. Sparsam instrumentiert, behielten die Songs ihren akustischen Charakter. Auf der EP „Lights Off, I’m Off“ zeigt sich schon im Opener, dass die Gruppe nun zur Band zusammengewachsen ist: Düstere Synthesizer eröffnen die Platte, hie und da blitzt ein elektronischer Beat durch; ungewohnt, da das Münchner Quartett sich immer ein wenig an der Klassik orientiert hatte: mit Klavier und Cello. Doch die Songs sind nun vielschichtiger arrangiert, jedes Instrument bekommt seinen Platz, sie ergänzen sich gegenseitig. Und auch der mehrstimmige Gesang aus Cornelias dunklem, besonderem Timbre und den Stimmen ihrer drei männlichen Kollegen wirkt ausgewogener: Ein Bandurlaub an den Fjorden Dänemarks Anfang dieses Jahres schweißte sie zusammen. Dort entstanden auch eben jene Songs; die ersten, die die Band gemeinsam komponiert hatte. In denen sich ein spannungsreiches Schwingen zwischen der düster-klirrenden Kälte des nordischen Januars und einer einnehmend melancholischen Wärme findet.

Und so viel Experimentierfreude zahlt sich aus: Eine Booking-Agentur aus Hamburg nahm sie auf, es folgte eine ausgiebige Tour durch Deutschland. Die EP, die auf Tour exklusiv für die Besucher zu kaufen war, gibt es vom 3. Dezember an auch offiziell.

Musikstil: Akustik / Folk
Besetzung: Cornelia Breinbauer: Klavier, Gesang; Peter Pazmandi: Gitarre, Klarinette, Saxophon, Gesang, Produktion; Richard Colmsee: Cello; Adrian: Gitarre, Gesang.
Aus: München.
Seit: 2010.

Von Rita Argauer