Fragen über Fragen – Milena Wojhan

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“Jeder einzelne hat sich
mir auf seine Art geöffnet“ – sagt Fotografin Milena Wojhan, eine der 20 Mitwirkenden unserer “10 im Quadrat”-Ausstellung im Farbenladen. Wir haben ihr ein paar Fragen gestellt.

Worum geht es bei deinem Konzept? / Wie bist du darauf gekommen?
Ich habe mir lange überlegt, wo der rote Faden zwischen all den
Künstlern liegen könnte, bzw. was mich am meisten an allen gleich interessiert.
Ich wollte weg von den Oberflächlichkeiten und mehr über Selbstreflektion wissen.
Die Kämpfe mit sich selbst, die Selbstliebe, der Selbsthass. Was passiert, wenn
das Äußere zur unwichtigen Hülle wird und sich das pure Innere offenbart. Daraufhin
habe ich einen 1x2m großen Raum gebaut, mit einem quadratischen Spionspiegel an
einer Seite und einem Hocker darin. Als die Person im Raum saß, konnte sie nur
sich selber sehen, mich mit meiner Kamera auf der anderen Seite allerdings
nicht. Ich habe relativ lange und intensive Gespräche mit ihnen geführt,
bevor sie sich für fast eine Stunde in den Raum begeben haben. Sie hatten die
Aufgabe, sich völlig ehrlich gegenüber zu treten, ohne Erwartungen, Schauspielerei
und ohne mit ihren Gedanken abzuschweifen, sich wirklich zu konzentrieren (in
diesem kleinen hellen Raum nur mit sich selber zu sitzen für eine so lange Zeit
ist sowohl physisch als auch psychisch extrem anstrengend…). Ich durfte festhalten, was sich alles in ihnen
bewegt, und die Momente die entstanden sind, waren ziemlich intim. Ich hatte alles – von bitteren Tränen bis
hin zu schallendem Gelächter und gelassener Zufriedenheit. Die Interviews danach waren noch viel spannender
als davor und es waren wirklich wunderschöne Begegnungen. Ich habe alle 10 sehr
ins Herz geschlossen und treffe sie seit dem immer wieder zufällig auf der
Straße…

Wie war es, so viele unterschiedliche Leute für eine Bild-Serie zu
fotografieren?

Es war definitiv etwas Neues für mich, da es eher eine
Peromance, ein Experiment war. Es war eine Herausforderung (und ein Geschenk),
so viele unterschiedliche Gesichter und Persönlichkeiten so kurz hintereinander
portraitieren zu dürfen. Die Bildauswahl zu treffen war extrem hart für mich,
da ein Bild alleine dem ganzen Prozess des Geschehenen in dem Raum nicht
wirklich gerecht wird.

Welche Begegnung hat dich am meisten beschäftigt?
Ich kann hier eigentlich nicht von einer bestimmten
Begegnung sprechen. Das Große ganze hat mich berührt. Jeder einzelne hat sich
mir auf seine Art geöffnet und deshalb hat mich jeder auf eine andere Art und
Weise beschäftigt.

War es schwieriger, z.B. einen Schauspieler/Musiker zu
fotografieren (also selbst “Künstler”), als professionelle Models?
Und wenn ja, inwiefern?

Man hat gespürt, dass alle aufgeschlossen für dieses
Projekt sind und wirklich bereit waren, viel von sich zu geben. Für diese Art
von Fotos war es ja auch zweitrangig ob sie „gute Models“ sind. Es ging nur um
den Menschen und darum, ob sie sich öffnen können, und das konnten alle. Bei
den Schauspielern hat man gemerkt, dass sie es gewöhnt sind, beobachtet zu
werden, daher war da zunächst vielleicht etwas mehr Fassade, aber die ist nach
einer gewissen Zeit zum größten Teil immer gefallen.

Bist du auch mal an deine Grenzen gestoßen? / Musstest du deine
Vorstellung/ dein Konzept über den Haufen werfen, weil es schlichtweg nicht
ausführbar war?

Ich habe mein Konzept eigentlich ziemlich gut durchziehen
können. Nur habe ich von Shooting zu Shooting erst richtig die Größe dieses
Projekts begriffen und es etwas in Bezug auf die Gespräche, die ich vor und
nach dem Fotografieren im Raum hatte, etwas ausgeweitet.

Nimmst du die Szene dieser Stadt nach dem Projekt anders war?
Braucht es mehr Vernetzung?

Ja, es hat mir schon gezeigt das da „mehr“ ist und mich
wieder etwas neugieriger auf die Stadt gemacht. Wenn wir jetzt über die Kunstszene
sprechen würde ich sagen, München ist relativ übersichtlich und gut vernetzt.
Es fehlt mir nur ein bisschen an coolen Events und langlebigen, erschwinglichen
Künstlerkollektiven.

Foto: Milena Wojhan