10 im Quadrat Volume 3: Elena Rudolph

Zehn junge Fotografinnen und Fotografen treffen auf zehn junge Menschen mit Bühnenerfahrung.
Das Ergebnis: „10 im Quadrat Volume 3“ – eine Ausstellung der Junge-Leute-Seite im Farbenladen des Feierwerks. Hier im Porträt: Musikerin Elena Rud

Elena Rudolph – oder Elena Rud, wie sie sich als Sängerin nennt – ragt auf der Bühne über die Zuschauer hinaus. Im Bahnwärter Thiel singt sie ihren Song „I’m right here“. Dort steht sie in sich versunken, die Augen geschlossen und konzentriert sich auf die Musik. Ihr Sound ist eine Mischung aus Grunge, Indie und Schnulzen-Singer-Songwriter. Wobei sie sich nicht von irgendwelchen Genres einschränken lassen wolle, sagt Elena. Ihre Stimme ist kratzig, die melancholischen Texte erinnern an eine verlorene Liebe von einst.

Für die Ausstellung im Farbenladen hat Elena ihr gewohntes Umfeld verlassen. „In der Musik achte ich nicht darauf, wie ich aussehe.“ Als Model, bei den Shootings aber auf jeden Fall. Nicht nur das war ein Unterschied. Da ist kein Publikum mehr vor ihr versammelt, sondern nur noch eine Person – der Fotograf. Ein Erlebnis, das wie ihre Stimme unter die Haut geht: „Ich habe mich ein bisschen gefühlt wie bei einem Date, das gerade so richtig gut läuft. Weil es so intensiv war – auf unglaublich positive Weise.“ Neben dem Kennenlernen von neuen Menschen, Konzepten und dem Modeln war für die 23-Jährige aber ein ganz anderer Aspekt am überraschendsten. Denn vor allem in den langen Gesprächen vor und während des Shootings gebe der Fotograf so viel von sich selbst preis, erzählt Elena.

So ist es in diesem Prozess wie auch auf der Bühne: ein Geben und Nehmen. Manchmal gab sie selbst aktiv vor wie bei Özgun Turgut: „Der hat mich einfach machen lassen und dann reagiert“, sagt Elena. Manchmal gab sie aber auch mehr Persönliches preis. So mit Quirin Siegert, in einer alten Wohnung, sie völlig ungeschminkt.

Diese intensive Zeit mit dem Fotografen vergleicht Elena mit der Zeit, die sie mit dem Publikum auf der Bühne hat – eine intensive Erfahrung. Und sie weiß, wovon sie spricht. Sie ist eigentlich schon immer am Singen. Seit ihrem 13. Lebensjahr war sie in verschiedenen Bands – und seit zwei Jahren steht sie als Solokünstlerin auf der Bühne. Wirklich intensiv verfolgt sie ihre Gesangskarriere, seit sie ihr Studium der Germanistik und Philosophie abgeschlossen hat. Gerade laufen die Vorbereitungen für ihre erste Single, die voraussichtlich im Sommer erscheinen wird. Die Produktion dauert aber etwas. Sie sei einfach eine kleine Perfektionistin, sagt Elena.

Die Genauigkeit ist ein Überbleibsel aus Studientagen. Oft wird es ihr aber im Song-writing-Prozess zum Verhängnis. So schreibe sie an einem Song schon mal zwei Monate, bis dieser perfekt sei, erzählt sie. Bei einem ihrer aktuellen Songs, „I am right here“, ist dann das Gegenteil passiert. Innerhalb von drei Tagen lud sie die Rohfassung im Internet hoch. Das sei sehr wichtig gewesen, denn sonst hätte sie das ganze Feeling verloren, sagt Elena. Das Feeling, von dem sie redet, spürt man stärker als einem lieb ist. Betrachtet man die Sängerin in dem ebenfalls selbst produzierten Musikvideo in der Badewanne, wenn sie singt „Aren’t you scared of silence; since I’m gone“ und sich die von schwarzer Schminke verwischten Augen reibt, fühlt man sich der Sängerin sehr nah. Es wirkt wie ein Einblick in die tiefste Intimsphäre, wobei man den Impuls verspürt, ihr zu Hilfe zu eilen und gleichzeitig wegzuschauen.

Text: Larissa Kahr

Foto: Kaj Lehner

Alle Informationen zur Ausstellung gibt es hier