Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Lea
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Von Freitag bis Freitag: Unterwegs mit Lea

So langsam kehrt München zu einer Normalität zurück. Unsere Rubrik “München hat Hausarrest” heißt deshalb wieder “Von Freitag bis Freitag”. ❤ Unsere Autorin Lea genießt die wiedergewonnenen Freiheiten in München. Ihre Woche steht ganz unter dem Motto: Freunde, Yoga und ganz viel Kunst und Kultur. 

Obwohl der Herbst, wie wir wissen, einlädt, nostalgisch zu werden, scheine ich die Einladung in diesem Jahr nicht bekommen zu haben. Zurzeit habe ich vielmehr das Gefühl, dass alles wieder leichter wird: Das Husten am Nachbarstisch alarmiert nicht mehr. Der Smalltalk gelingt wieder. Die Gänge in der Universität füllen sich. Endlich kann man wieder verstohlene Blicke in der Bibliothek austauschen und darüber vergessen, weshalb man eigentlich gekommen ist. Wenn ich mich in der Pause dann auch noch durch Menschenmengen eines überfüllten Cafés schieben kann, dann habe ich wenigstens für einen kurzen Moment das Gefühl, dass alles wieder normal ist. Die vergangenen eineinhalb Jahre haben gezeigt, wie wichtige diese Orte der Begegnungen sind. Umso glücklicher bin ich, dass es mir München zurzeit so leicht macht, ganz viele solcher Orte zu finden.

Am Freitag gehe ich nachmittags mit einer Freundin zur Multimedia-Ausstellung Van Gogh Alive im Utopia. Hier taucht man im wahrsten Sinne des Wortes in die Kunst Van Goghs ein. Umgeben von Videoleinwänden bewegen sich in circa 30 Minuten an die 3000 Bilder um einen herum. Durch Videoanimationen erwacht dabei das ein oder andere Kunstwerk zum Leben. Zusätzlich wird die Ausstellung von klassischer Musik begleitet, in deren Takt sich die Bilder mitunter bewegen. Das will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen – zumal die Ausstellung nur noch bis zum 1. November läuft. Danach gehen wir noch in die James T. Hunt Bar in der Maxvorstadt und lassen den Abend mit dem ein oder anderen Drink ausklingen.

Am Samstagmorgen steht erst mal eine Runde Yoga im Yoga am Engel an. Das viele Rumgesitze der vergangenen Monate hat den Satz „Wer rastet, der rostet“ für mich persönlich definitiv bestätigt. Meine Fußzehen wirkten noch nie so weit weg. Danach fahre ich mit dem Radel zum Café Morso in der Nordendstraße. Da gibt es ganz guten Kaffee, aber vor allem die besten Cornetti und Tramezzini der Stadt. Nachdem ich ein bisschen geschrieben habe, will ich mich abends mit Freunden im Junge Römer im Glockenbachviertel treffen. Aber Achtung: Die Öffnungszeiten sind nichts für Nachteulen. Um 21 Uhr schließen die Römer wieder ihre Tore. Da soll es für uns dann in die Robinson Bar am Gärtnerplatz gehen.

Was am Sonntag ansteht? Nicht viel. Weil Regen angesagt ist, will ich es mir mit einem Buch gemütlich machen. Zurzeit lese ich „Der Mensch in der Revolte“ von Albert Camus. Nach ihm sei es das Nein-Sagen, das einen Menschen zu einem in der Revolte mache. Und am Sonntag, da sage ich ganz laut nein zur Fear of missing out jeglicher Art – und damit auch zu Halloween.

Der Montag wird bei mir vor allem unter einem Zeichen stehen: Vorfreude. Um 20 Uhr beginnt das Sound of Munich Now Festival auf soundofmunichnow.de. Ich lade ein paar Freunde ein, wir kochen zusammen und schauen uns um 20 Uhr das erste Konzert in meiner Küche an. Live wäre das natürlich noch viel schöner gewesen, aber mei – Corona ist nun mal noch nicht vorbei, und die Künstler und Künstlerinnen in München müssen unterstützt werden!

Nachdem ich am Dienstag den ganzen Tag im Philologicum sitzen werde, will ich abends mit zwei Freundinnen im La Nonna in der Schellingstraße essen gehen. Gefühlt erzählt das ganze Univiertel von der frisch gemachten Pasta, dem Aperol Spritz und dem wohl sehr herzlichen Personal – da schlägt die Fear of missing out dann doch wieder zu.

Von März bis September diesen Jahres konnte man sich in der Pinakothek der Moderne den ersten Teil der Ausstellung Medienkunst im Fokus ansehen. Sie fokussierte sich vor allem auf die „manipulative Kraft“ bewegter Bilder und versuchte, den „Wahrheitsgehalt medialer Darstellungen zu hinterfragen.“ Da mich der erste Teil dieser Ausstellung sehr beeindruckt hat, will ich mir am Mittwochnachmittag unbedingt auch den zweiten ansehen. Er fokussiert sich „auf Aspekte der Zeitlichkeit“ und versucht der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft, einen Gegenentwurf zu liefern.

Meinen eigenen Gegenentwurf zu der Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft liefere ich dann am Donnerstag. Neben einem Interview und der Junge-Leute-Konferenz am Abend habe ich bisher nichts geplant. Dafür gehe ich am Freitagabend mit einer Freundin ins Kunstlabor 2. Hier durften sich 50 Künstler und Künstlerinnen in jeweils 50 Räumen kreativ entfalten. Da ich für ein Interview schon vor ein paar Wochen dort war, als die Räume noch nicht fertig waren, will ich mir unbedingt die fertig gestellten Projekte ansehen. Ob wir uns danach noch durch einen überfüllten Club schieben, wissen wir noch nicht. Aber allein die Tatsache, dass das wieder möglich ist, macht mich sehr glücklich.