Band der Woche: Linda Antonia
Linda Antonia und Leon Roithmaier; Foto: Jonas Roithmaier

Band der Woche: Linda Antonia

Mit 17 hatte Linda Antonia Heue schon ihren ersten Plattenvertrag. Heute – sieben Jahre später – ist sie als Independent-Künstlerin unterwegs und um einige Erfahrungen reicher. „Die Plattenfirmen wollten mich und meine Musik unter einem Image verkaufen, in dem ich mich selbst nicht sehe. In Richtung Schlager und Püppchen“, reflektiert die 23-Jährige, die mal in der vierten Staffel des Castingformates „Voice of Germany“ zu sehen war, heute.

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Neuland
Dani DeLion

Neuland

Fleur en Fleur – bis Sonntag war das der Name, unter dem die Schwestern Amelie und Isabelle Geiss, 25 und 21 Jahre alt, ihre Musik veröffentlichten. Isabelle ist mittlerweile allerdings öfter in Köln als in München, weil sie dort als Schauspielerin der Daily-Soap „Unter Uns“ vor der Kamera steht. Deswegen wird Fleur en Fleur zu Dani DeLion. Ein Soloprojekt mit Band von Amelie. Isabelle ist aber weiterhin beteiligt. Zu sehen in den kommenden Videos und zu hören in den neuen Songs. So auch in „drip“, der am 6. März erscheinen wird. Ende März gibt es dann auch die erste EP von Dani DeLion. Trotz Namenswechsel bleibt also einiges gleich. So auch das Genre. Amelies Soloprojekt wartet ebenfalls mit viel R ’n’ B und musikalischen 90er-Referenzen auf. Johanna Schmidt

Foto: Dani DeLion

Band der Woche: Stella Sezon

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R ’n’ B verlangt Können und das hat Stella Sezon. Sie mischt Elemente unterschiedlicher Musikrichtungen und erschafft somit eine eigene Klangästhetik.

Die aktuelle EP der jungen Wahlmünchnerin nennt sich “Now or Never”.

Dass R ’n’ B wieder zu einer der spannendsten Popsparten werden würde, war nicht abzusehen. In den Neunzigerjahren war diese Musik hauptsächlich für den Mainstream produziert und dementsprechend einfach gestrickt. Gesungen wurde über gefundene, zelebrierte oder verlorene Liebe, die Geschlechterollen waren klar aufgeteilt – Frauen, die säuseln, und Macker-Männer – in den musikalisch immer gleichen Strukturen: bluesige Harmonien, Beats und Melismen-trunkener Gesang. Ausgesprochen kunstfertig war diese Musik jedoch auch damals schon. Man braucht eine richtig famose Stimme, um so etwas singen zu können. Und in D’Angelos „Untitled (How does it feel)“, mit den ins Endlose zelebrierten Silbendehnungen, in denen die Aussage nicht im Text, sondern vielmehr in der Art des Singens liegt, haben unter gewisser Betrachtung doch etwas Avantgardistisches. Doch die reizende Selbstbehauptung einer Solange oder die feministischen Polit-Aussagen, die deren Schwester Beyoncé heute auf „Lemonade“ heraufbeschwört, stehen in keinem Verhältnis etwa zu den Anfängen Beyoncés bei der heute etwas schal wirkenden Girlgroup Destiny’s Child. Der ästhetische und inhaltliche Rahmen des R ’n’ B in den Neunzigerjahren war eng gesteckt – diesen Stil heute mit anderen Inhalten anzureichern, hat Potenzial.

Das schätzt auch die Wahlmünchnerin Stella Sezon. Die gebürtige Ukrainerin erfüllt mit ihrer professionell ausgebildeten Stimme zuerst einmal die Voraussetzung, um sich der lokalen Weiterentwicklung des R ’n’ B zu widmen: Denn R ’n’ B ist in der Popmusik wohl der Stil, der am meisten technisches Können verlangt. Stella hat das. Doch anstatt sich wie etwa Beyoncé in „Formation“ in avantgardistische Reduktion zu begeben, schaut Stella in ihrem bislang bekanntesten Song eher in die Vergangenheit. In „Now or Never“ führt sie ihren R ’n’ B-geschulten Gesang zurück zu den Ursprüngen des Genres im Jazz und Blues. Im Internet veröffentlichte sie dazu eine Live-Session samt Flügel, Kontrabass und der tänzerischen Leichtigkeit des Swing. „Now or Never“ ist auch der Titel ihrer aktuellen EP. Textlich und im Artwork bewegt sie sich da leider noch ganz in den Phrasen, die auch im R ’n’ B der Neunzigerjahre den Inhalt flach hielten. Musikalisch aber reißt sie darauf schon in diverse Richtungen aus. Denn Stella holt bei weitem nicht nur den Swing mit in ihre Musik: In „Your Choice“ wird die Strophe von funkigen Bläser-Sätzen getragen, der Refrain badet anschließend in ausladenenden Streicher-Klängen. „Savouring the Moment“ hingegen baut auf südeuropäischen Gitarrenklängen auf.

„Blackmusic hat sich mit modernen elektronischen Sounds weiterentwickelt und vermischt sich mit anderer Stilistik“, erklärt sie, so etwa der Funk bei Bruno Mars, Rihannas Reggae-Einflüsse oder Soul bei Alicia Keys, schon alleine deshalb bleibe dieses Genre innovativ. Etwas, das natürlich auch auf ihre eigene musikalische Arbeit abfärbe: „Mit dieser Einstellung möchte ich auch meine Lieder weiter einzigartig schreiben“, sagt sie, also achte sie auf die „Klangästhetik“ und mische Elemente unterschiedlicher Musikrichtungen. So gibt es sie auch live in verschiedenen Versionen – entweder mit akustischer Jazzband oder ihr neuestes Konzept: „One Voice, Two Keys and Beats”, für das sie ihre Lieder ins Elektronische übersetzt hat und über Break-Beats und Blues-Harmonien wieder eine Interpretation des R ’n’ B vorlegt. Die Münchner Szene der Underground-Musiker, die sich dem R ’n’ B widmen, ist überschauschaubar, doch die Leute seien interessiert, erzählt Stella. Immerhin so sehr, dass sie mit ihrer Musik bis ins Finale des diesjährigen Sprungbrett-Wettbewerbs gekommen ist. 

Stil:
R ’n’ B/ Jazz/ Pop
Besetzung: Stella Sezon (Gesang, Songwriting), mit wechselnden Live-Musikern
Aus: München
Seit: 2015
Internet: https://www.facebook.com/StellaSezonBand/

Text: Rita Argauer

Foto:
Maksym Gorchakov

Band der Woche: Lilié

Soul und Jazz-Pop im Retro-Look! Trotz ihres Musikstudiums produziert Sang Ganyonga das erste Album ihres Solo-Projekts Lilié im Independent-Stil und nimmt es mit ihrer Band in nur drei Tagen auf. Die Erfahrung, die Sang in früheren Produktionen sammeln konnte, hört man natürlich trotzdem.

Es ist ein Qualitätsmerkmal mit gleichzeitiger Abwertung. Denn von Backgroundsängern wird einerseits eine außerordentliche Musikalität verlangt, sollen die Stars und deren spezifische Stimmen doch durch den zusätzlichen Gesang bereichert werden. Der Backgroundsänger selbst aber muss dazu eine unspektakuläre Vorstellung vom eigenen Künstlerego haben. In der Oscar-prämierten Doku „20 feet from Stardom“ kamen diese oft mit atemberaubenden Stimmen ausgestatteten, aber seltsam namenlosen Backgroundsängerinnen der großen US-Stars zu Wort: ein Blick auf Künstler, die die Blicke eben gerade nicht auf sich ziehen sollen. Ähnliches geschieht nun in München – wenn auch nicht in filmischer Form. Die gebürtige Kamerunerin Sang Ganyonga, die bisher hauptsächlich Backgroundsängerin war, geht nun die filmtitelgebenden 20 Fuß vom hinteren Bühnenrand nach vorne an die Bühnenrampe und veröffentlicht ihr erstes Album. 

Sang nennt sich als Musikerin Lilié. Mit Mitte 20 hat sie ihr Studium an der Musikhochschule Nürnberg beendet und ist vor etwa einem Jahr nach München gezogen. Hier hat sie sich Musiker gesucht und nun ihr erstes Album selbst produziert. Und darauf findet sich die seltene Mischung aus einem Indie-Geist, der sich auf eine etwas vergangene Art des Mainstream-Pops bezieht, diesen aber mit charmantem Understatement umdeutet. Andersherum passiert so etwas ja viel häufiger: Dass sich große Produktionen Indie-Phänomene und deren Ästhetik krallen, ist ein normaler Weg. Doch angesichts Sangs bisheriger künstlerischer Erfahrung ist es auch nur konsequent, dass sie diesen Weg spiegelverkehrt geht. 

Denn große Popproduktionen kennt Sang bereits. DJs brauchen Singstimmen, um ihre Musik menschlicher und damit zugänglicher werden zu lassen. Und 2015 hat Sang für das DJ-Produzenten-Duo Tryst gesungen, veröffentlicht wurde diese Zusammenarbeit auf einem der Business-Riesen. Doch nach vielen Produktionen ist es für Sang nun Zeit geworden, ihre eigene Musik zu machen: „Vor einem Jahr habe ich mir meine Band-Jungs zusammengesucht und bin direkt mit ihnen ins Studio gestapft“, erzählt sie. „Wir haben das Album innerhalb von drei Tagen eingespielt.“ Schnell, rotzig und spontan – wie man das eigentlich aus dem Punk kennt. Doch Sang, die Jazz-Gesang akademisch gelernt hat, legt auf diesem Album strukturell eine Indie-Produktion hin, die Soul, R ’n’ B und Jazz-Pop für den unabhängigen Popmarkt neu definiert. Ihre Stimme klingt so professionell, wie es sein muss mit ihrer Ausbildung und Erfahrung. Ihre Songs sind mit Orgel, Schlagzeug, Gitarren, sanften Rhythmen, weichen Bässen und jazzig-souligen Gesangslinien einerseits die perfekte Lounge-Musik. Aber andererseits lebt diese Musik, die Lilié nun unter dem Albumtitel „Close Enough“ veröffentlichen wird, viel eigenwilliger als die Retorten-Produktionen des Mainstreams.

Das zeigt sich auch an ihren Fotos: Eine Ästhetik, die an Soul- und R ’n’ B-Produktionen der Neunzigerjahre erinnert. Das ist auch ihr erster musikalischer Einfluss: „Ich bin in Kamerun geboren und aufgewachsen“, erzählt sie, „dort hatte ich ein tolles Kindermädchen, das mit mir alle Michael-Jackson-Songs schmetterte, während sie mir die Haare machte.“ Mit sieben Jahren hat Sang dann einen Kindergesangswettbewerb gewonnen, von da an habe sie nur noch Sängerin werden wollen. Und nun baut Sang aus der Pop-Erfahrung ihrer Jugend ihre eigene Version von Soul-Pop. Selbst, in Do-it-Yourself-Manier und über Crowdfunding finanziert, aber mit Mainstream-geschulten musikalischen Fähigkeiten. Das Album stellt sie am Freitag, 15. Juli, im Milla vor.  

Stil: Soul/Jazz-Pop
Besetzung: Sang Ganyonga (Gesang, Songwriting), unterstützt von verschiedenen Musikern
Aus: München
Seit: 2016
Internet: www.liliemusik.com

Von: Rita Argauer

Foto: Silvia Wawarta