Neuland
Dani DeLion

Neuland

Fleur en Fleur – bis Sonntag war das der Name, unter dem die Schwestern Amelie und Isabelle Geiss, 25 und 21 Jahre alt, ihre Musik veröffentlichten. Isabelle ist mittlerweile allerdings öfter in Köln als in München, weil sie dort als Schauspielerin der Daily-Soap „Unter Uns“ vor der Kamera steht. Deswegen wird Fleur en Fleur zu Dani DeLion. Ein Soloprojekt mit Band von Amelie. Isabelle ist aber weiterhin beteiligt. Zu sehen in den kommenden Videos und zu hören in den neuen Songs. So auch in „drip“, der am 6. März erscheinen wird. Ende März gibt es dann auch die erste EP von Dani DeLion. Trotz Namenswechsel bleibt also einiges gleich. So auch das Genre. Amelies Soloprojekt wartet ebenfalls mit viel R ’n’ B und musikalischen 90er-Referenzen auf. Johanna Schmidt

Foto: Dani DeLion

Band der Woche: Stella Sezon

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R ’n’ B verlangt Können und das hat Stella Sezon. Sie mischt Elemente unterschiedlicher Musikrichtungen und erschafft somit eine eigene Klangästhetik.

Die aktuelle EP der jungen Wahlmünchnerin nennt sich “Now or Never”.

Dass R ’n’ B wieder zu einer der spannendsten Popsparten werden würde, war nicht abzusehen. In den Neunzigerjahren war diese Musik hauptsächlich für den Mainstream produziert und dementsprechend einfach gestrickt. Gesungen wurde über gefundene, zelebrierte oder verlorene Liebe, die Geschlechterollen waren klar aufgeteilt – Frauen, die säuseln, und Macker-Männer – in den musikalisch immer gleichen Strukturen: bluesige Harmonien, Beats und Melismen-trunkener Gesang. Ausgesprochen kunstfertig war diese Musik jedoch auch damals schon. Man braucht eine richtig famose Stimme, um so etwas singen zu können. Und in D’Angelos „Untitled (How does it feel)“, mit den ins Endlose zelebrierten Silbendehnungen, in denen die Aussage nicht im Text, sondern vielmehr in der Art des Singens liegt, haben unter gewisser Betrachtung doch etwas Avantgardistisches. Doch die reizende Selbstbehauptung einer Solange oder die feministischen Polit-Aussagen, die deren Schwester Beyoncé heute auf „Lemonade“ heraufbeschwört, stehen in keinem Verhältnis etwa zu den Anfängen Beyoncés bei der heute etwas schal wirkenden Girlgroup Destiny’s Child. Der ästhetische und inhaltliche Rahmen des R ’n’ B in den Neunzigerjahren war eng gesteckt – diesen Stil heute mit anderen Inhalten anzureichern, hat Potenzial.

Das schätzt auch die Wahlmünchnerin Stella Sezon. Die gebürtige Ukrainerin erfüllt mit ihrer professionell ausgebildeten Stimme zuerst einmal die Voraussetzung, um sich der lokalen Weiterentwicklung des R ’n’ B zu widmen: Denn R ’n’ B ist in der Popmusik wohl der Stil, der am meisten technisches Können verlangt. Stella hat das. Doch anstatt sich wie etwa Beyoncé in „Formation“ in avantgardistische Reduktion zu begeben, schaut Stella in ihrem bislang bekanntesten Song eher in die Vergangenheit. In „Now or Never“ führt sie ihren R ’n’ B-geschulten Gesang zurück zu den Ursprüngen des Genres im Jazz und Blues. Im Internet veröffentlichte sie dazu eine Live-Session samt Flügel, Kontrabass und der tänzerischen Leichtigkeit des Swing. „Now or Never“ ist auch der Titel ihrer aktuellen EP. Textlich und im Artwork bewegt sie sich da leider noch ganz in den Phrasen, die auch im R ’n’ B der Neunzigerjahre den Inhalt flach hielten. Musikalisch aber reißt sie darauf schon in diverse Richtungen aus. Denn Stella holt bei weitem nicht nur den Swing mit in ihre Musik: In „Your Choice“ wird die Strophe von funkigen Bläser-Sätzen getragen, der Refrain badet anschließend in ausladenenden Streicher-Klängen. „Savouring the Moment“ hingegen baut auf südeuropäischen Gitarrenklängen auf.

„Blackmusic hat sich mit modernen elektronischen Sounds weiterentwickelt und vermischt sich mit anderer Stilistik“, erklärt sie, so etwa der Funk bei Bruno Mars, Rihannas Reggae-Einflüsse oder Soul bei Alicia Keys, schon alleine deshalb bleibe dieses Genre innovativ. Etwas, das natürlich auch auf ihre eigene musikalische Arbeit abfärbe: „Mit dieser Einstellung möchte ich auch meine Lieder weiter einzigartig schreiben“, sagt sie, also achte sie auf die „Klangästhetik“ und mische Elemente unterschiedlicher Musikrichtungen. So gibt es sie auch live in verschiedenen Versionen – entweder mit akustischer Jazzband oder ihr neuestes Konzept: „One Voice, Two Keys and Beats”, für das sie ihre Lieder ins Elektronische übersetzt hat und über Break-Beats und Blues-Harmonien wieder eine Interpretation des R ’n’ B vorlegt. Die Münchner Szene der Underground-Musiker, die sich dem R ’n’ B widmen, ist überschauschaubar, doch die Leute seien interessiert, erzählt Stella. Immerhin so sehr, dass sie mit ihrer Musik bis ins Finale des diesjährigen Sprungbrett-Wettbewerbs gekommen ist. 

Stil:
R ’n’ B/ Jazz/ Pop
Besetzung: Stella Sezon (Gesang, Songwriting), mit wechselnden Live-Musikern
Aus: München
Seit: 2015
Internet: https://www.facebook.com/StellaSezonBand/

Text: Rita Argauer

Foto:
Maksym Gorchakov

Band der Woche: Lilié

Soul und Jazz-Pop im Retro-Look! Trotz ihres Musikstudiums produziert Sang Ganyonga das erste Album ihres Solo-Projekts Lilié im Independent-Stil und nimmt es mit ihrer Band in nur drei Tagen auf. Die Erfahrung, die Sang in früheren Produktionen sammeln konnte, hört man natürlich trotzdem.

Es ist ein Qualitätsmerkmal mit gleichzeitiger Abwertung. Denn von Backgroundsängern wird einerseits eine außerordentliche Musikalität verlangt, sollen die Stars und deren spezifische Stimmen doch durch den zusätzlichen Gesang bereichert werden. Der Backgroundsänger selbst aber muss dazu eine unspektakuläre Vorstellung vom eigenen Künstlerego haben. In der Oscar-prämierten Doku „20 feet from Stardom“ kamen diese oft mit atemberaubenden Stimmen ausgestatteten, aber seltsam namenlosen Backgroundsängerinnen der großen US-Stars zu Wort: ein Blick auf Künstler, die die Blicke eben gerade nicht auf sich ziehen sollen. Ähnliches geschieht nun in München – wenn auch nicht in filmischer Form. Die gebürtige Kamerunerin Sang Ganyonga, die bisher hauptsächlich Backgroundsängerin war, geht nun die filmtitelgebenden 20 Fuß vom hinteren Bühnenrand nach vorne an die Bühnenrampe und veröffentlicht ihr erstes Album. 

Sang nennt sich als Musikerin Lilié. Mit Mitte 20 hat sie ihr Studium an der Musikhochschule Nürnberg beendet und ist vor etwa einem Jahr nach München gezogen. Hier hat sie sich Musiker gesucht und nun ihr erstes Album selbst produziert. Und darauf findet sich die seltene Mischung aus einem Indie-Geist, der sich auf eine etwas vergangene Art des Mainstream-Pops bezieht, diesen aber mit charmantem Understatement umdeutet. Andersherum passiert so etwas ja viel häufiger: Dass sich große Produktionen Indie-Phänomene und deren Ästhetik krallen, ist ein normaler Weg. Doch angesichts Sangs bisheriger künstlerischer Erfahrung ist es auch nur konsequent, dass sie diesen Weg spiegelverkehrt geht. 

Denn große Popproduktionen kennt Sang bereits. DJs brauchen Singstimmen, um ihre Musik menschlicher und damit zugänglicher werden zu lassen. Und 2015 hat Sang für das DJ-Produzenten-Duo Tryst gesungen, veröffentlicht wurde diese Zusammenarbeit auf einem der Business-Riesen. Doch nach vielen Produktionen ist es für Sang nun Zeit geworden, ihre eigene Musik zu machen: „Vor einem Jahr habe ich mir meine Band-Jungs zusammengesucht und bin direkt mit ihnen ins Studio gestapft“, erzählt sie. „Wir haben das Album innerhalb von drei Tagen eingespielt.“ Schnell, rotzig und spontan – wie man das eigentlich aus dem Punk kennt. Doch Sang, die Jazz-Gesang akademisch gelernt hat, legt auf diesem Album strukturell eine Indie-Produktion hin, die Soul, R ’n’ B und Jazz-Pop für den unabhängigen Popmarkt neu definiert. Ihre Stimme klingt so professionell, wie es sein muss mit ihrer Ausbildung und Erfahrung. Ihre Songs sind mit Orgel, Schlagzeug, Gitarren, sanften Rhythmen, weichen Bässen und jazzig-souligen Gesangslinien einerseits die perfekte Lounge-Musik. Aber andererseits lebt diese Musik, die Lilié nun unter dem Albumtitel „Close Enough“ veröffentlichen wird, viel eigenwilliger als die Retorten-Produktionen des Mainstreams.

Das zeigt sich auch an ihren Fotos: Eine Ästhetik, die an Soul- und R ’n’ B-Produktionen der Neunzigerjahre erinnert. Das ist auch ihr erster musikalischer Einfluss: „Ich bin in Kamerun geboren und aufgewachsen“, erzählt sie, „dort hatte ich ein tolles Kindermädchen, das mit mir alle Michael-Jackson-Songs schmetterte, während sie mir die Haare machte.“ Mit sieben Jahren hat Sang dann einen Kindergesangswettbewerb gewonnen, von da an habe sie nur noch Sängerin werden wollen. Und nun baut Sang aus der Pop-Erfahrung ihrer Jugend ihre eigene Version von Soul-Pop. Selbst, in Do-it-Yourself-Manier und über Crowdfunding finanziert, aber mit Mainstream-geschulten musikalischen Fähigkeiten. Das Album stellt sie am Freitag, 15. Juli, im Milla vor.  

Stil: Soul/Jazz-Pop
Besetzung: Sang Ganyonga (Gesang, Songwriting), unterstützt von verschiedenen Musikern
Aus: München
Seit: 2016
Internet: www.liliemusik.com

Von: Rita Argauer

Foto: Silvia Wawarta

Wir aus Ton

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Es ist ein ungewöhnlicher Mix: Sarah Raabe kommt aus dem R’n’B-Bereich, Nicolai Herrmann singt zur Akustik-Gitarre. Zusammen bilden sie das Duo Wir aus Ton. Am Samstag stellen sie ihr erstes gemeinsames Programm vor.

Musik allein reicht nun schon lange nicht mehr aus. Dabeihat Sarah Raabes (Foto: Jessy Schmitt) und Nicolai Herrmanns musikalischerZusammenschluss eigentlich ganz unkompliziert begonnen. Wir aus Ton nennen sie sich als Musiker-Duo – eine einfache Doppeldeutigkeitfür ein Projekt der gegenseitigen Unterstützung: Sarah hat eine wunderbareSoul-Stimme und entstammt dem R’n’B, Nicolai kommt eher aus dem erdigen
Songwriter-Bereich und singt zur Akustik-Gitarre. Kennengelernt haben sie sich
2013 in einem Gospelchor; ganz abseits der üblichen Pop-Szene Münchens. „Wir
haben festgestellt, dass wir beide deutschsprachige Songs schreiben“, erzählt
Sarah, doch dass sie mit ihrer jeweiligen Musik nie recht an die Öffentlichkeit
gelangten. Nicolai wollte ein Album mit seinen bisherigen Songs aufnehmen,
Sarah wollte ihre Lieder in einem Konzert live präsentieren. Gegenseitig halfen
sie sich, die Songs zu arrangieren: Sarah am Klavier und Nicolai an der
Gitarre.

Doch so einfach blieb es dann doch nicht. Aus der Idee der
gegenseitigen Unterstützung entstanden neue Stücke. Und die Instrumentierung
als Duo reichte auch bald nicht mehr aus, um die musikalischen Ideen der beiden
umzusetzen. Der Anschluss an die Musiker-Szene der Stadt folgte. 2014 probten
sie viel, taten sich etwa mit Martin Meyer – der bei der Britrock-Indie-Band Jadeapes spielt – zusammen und
arbeiteten am ersten gemeinsamen Programm, das nun am Samstag, 21. März, erstmals gezeigt werden soll. Doch
es waren nicht nur Musiker, die sich dem Duo anschlossen. Und so ist nun für
das Release-Konzert am selbigen Tag im neuen Import-Export im Münchner
Kreativ-Quartier an der Dachauer Straße eine multimediale
Live-Klang-Performance geplant. Unter dem Titel „Licht//Schatten//Spiel“ werden
neun verschiedene Künstler zur Live-Darstellung der gesammelten Songs von
Nicolai und Sarah beitragen: Neben Musikern wie Thomas Grünig am Schlagzeug
oder Liv Weigmann am Cello tritt die Berliner Performance-Künstlerin Edda zur
Musik auf, während Stephanie Müller alias Rag Treasure für Geräusche und
Kostüme sorgt, und Bernd Hegewisch sich um die Visuals kümmert.

Was all dieses Drumherum in Kombination mit der Musik der
beiden bewirkt, verspricht spannend zu werden. An sich berufen sich Sarah und
Nicolai musikalisch zwar auf bekannte Muster wie eine kratzige Herrenstimme,
Klavierakkorde, Orgelklänge und Akustikgitarren. Eine Mischung, die durch
Sarahs geschulte Stimme düster zu leuchten beginnt. Die wirkliche Besonderheit
ergibt sich jedoch aus der Zusammensetzung der einzelnen stilistischen
Komponenten; wenn das nun live durch weitere Instrumente und andere
Kunstsparten ergänzt wird, ist das auch eine logische Konsequenz aus dem
Projekt, das eigentlich so unscheinbar begann; und das Songwriter-Musik nun in
einen fast theatralen Kontext bringt. Rita Argauer

Stil: Pop / Indie / Akustik / Songwriter

Besetzung: Sarah Raabe (Gesang, Klavier), Nicolai Herrmann
(Gesang, Gitarre)

Aus: München

Seit: 2013

Internet: www.facebook.com/wirauston