Neuland

Und auf einmal ist die Welt eine andere. Dass Zeit ein rares Gut in unserer Gesellschaft ist, musste Florian Strandl, 23, erkennen, als er von einer großen Wanderung zurückkehrte. Mit seinem besten Freund hatte er sich aufgemacht, die Alpen zu Fuß zu überqueren. Doch als er zurückkam, überkam ihn der reverse culture shock. Das ist der Begriff für das Gefühl, das einen einholt, wenn man aus der Einsamkeit plötzlich wieder mitten im Leben steht. Als Kameramann und HFF-Student hat er diesen Gefühlen in den vergangenen eineinhalb Jahren einen bildhaften Ausdruck verliehen. Seine Ausstellung „Aquarium“ ist vom 29. November an in der Cinematographer’s Gallery zu sehen.

Amelie Geiger

Foto: Florian Strandl

Neuland

Casting-Show verloren und doch gewonnen. Die Münchner Band Wait of the world hat das Finale bei der Casting-Show „X-Factor“ verloren und somit auch nicht den damit verbundenen Hauptpreis – einen Plattenvertrag – gewonnen. Nun ist die Band um Sänger Ben Hutchion-Bird, 22, doch bei Sony Music Germany gelandet. Gerüchte gab es schon seit ein paar Tagen, da die Plattenfirma die Band zum Videodreh begleitete und darüber bei Instagram berichtete. Nun hat Sony der SZ bestätigt, „dass wir die Zusammenarbeit mit der Band weiterführen werden, unabhängig von einem X-Factor Deal“.

Laura Bergler

 

Foto: Henri Schwalm

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Julian Wittmann, 25, und sein jüngerer Bruder Thomas Wittmann, 22, sind am Ziel ihrer außergewöhnlichen Reise angekommen.  Auf ihren beiden alten Zündapps haben sie den berühmten „Las Vegas Strip“ erreicht. Ihr Reiseprojekt unter dem Namen „Ausgrissn“ führte sie von einem Kaff im Landkreis Erding in die Weltmetropole Las Vegas. Nach elf Wochen und circa 11 000 Kilometern in Lederhosen auf dem Mopedsattel, unerwarteter Kälte, verschiedensten Reparaturen, einem Hurricane namens Michael und katastrophalen Straßenverhältnissen sind die Brüder nun doch erleichtert über ihre Ankunft: „Natürlich war für uns auch die ganze Zeit mehr der Weg das Ziel. Und da haben wir unglaublich tolle Erlebnisse zu verzeichnen. Trotzdem war es eine Erleichterung und ein emotionaler Moment, als wir dann endlich an diesem Las-Vegas-Schild gestanden sind“, sagt Julian. Zum Ausruhen bleibt den beiden nun allerdings nicht viel Zeit: Die beiden Mopeds müssen samt Besitzer zurück nach Deutschland verschifft werden. Aus dem Filmmaterial der Reise soll ein Kinofilm entstehen, der voraussichtlich im Herbst 2019 erscheinen wird. Amelie Völker

Foto: privat

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Das Gärtnerplatzviertel bestätigt erneut seinen Ruf als Szenequartier – allerdings geht es hier nicht um Bars und Partys, sondern um Kunst und Comedy.  Vergangenem Montag, 12. November, startete die Comedyshow Comedy für Freunde in der Bar „Für Freunde“. Gastgeber der wöchentlichen Show werden die Comedians Hani Who und Nick Schmid sein, beide Anfang 20. Sie waren bisher selbst auf zahlreichen offenen Bühnen als Künstler anzutreffen. Angefixt von dem guten Gefühl, auf einer Bühne vor Publikum an eigenen Witzen zu feilen und direktes Feedback zu bekommen, wollen sie nun selbst jungen Komikern eine Bühne anbieten, ihnen eine Chance geben. „Wir wollen die Münchner Comedyszene weiter ausbauen“, sagt Hani Who, für den Comedy viel mehr ist als nur ein schneller Gag. „Lachen verbindet unheimlich und erlaubt es einem, sogar etwas schwierigere Themen anzusprechen.“ Jeden Montag kann nun abends von 20 Uhr an in der Reichenbachstraße 33 gelacht werden. Pro Veranstaltung dürfen acht Künstler jeweils sieben Minuten auftreten. Wer dabei sein will, muss einfach nur in die passende Facebook-Veranstaltung „Spot“ schreiben. Aylin Dogan

Foto: Sonja Geiger

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„Auf Instagram ist die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne des Nutzers gerade mal sieben Sekunden lang. Da kommt es darauf an, diese sieben Sekunden bestmöglich zu nutzen“, sagt Max Osswald, 26. Max ist Dichter. Seine Texte veröffentlicht er auf Instagram optisch aufgemotzt: handschriftlich verfasste Gedichte, in Szene gesetzt durch einen passenden Filter oder schmückende Zeichnungen – doch das Internetpublikum reicht ihm nicht mehr. Nachdem er zuletzt das Buch Quarterlife Crisis veröffentlichte, zieht es ihn nun auf die Bühne. In diesem Buch geht es um die Irrungen und Wirrungen im Leben junger Großstadtmenschen auf der Suche nach sich selbst – und nach Lebensabschnittspartner inklusive ausgiebiger Schilderungen emotionsgeladener Liebesabenteuer. Klar, so etwas zieht nicht nur im Internet, dafür erntet man auch Applaus bei Poetry Slams. Seit Oktober tritt er bei mehreren Poetry Slams in München auf. Auch auf einer Comedy-Bühne war er jüngst zu sehen. Philipp Potthast

Neuland: Two Blacks & a Jew

Azeret Koua hat im Sommer an der Studiobühne der LMU das Stück #Dearharvey inszeniert und damit die Themen rund um #metoo auf die Bühne gebracht. Sie wollte die Stille brechen.  In einem neuen Projekt tut die 24-Jährige Studentin nun dasselbe – zu einem anderen Thema. Seit Mitte Oktober betreibt sie gemeinsam mit Vincent Kadiri und Nathan Bechhofer den Podcast „Two Black & a Jew“. Kennengelernt haben sich die drei an der LMU in der English Drama Group der Anglistik.  Die Idee zu dem Podcast ist über das vergangene Jahr entstanden. In dem wiederkehrenden Format sollen Aspekte wie Intersektionalität, Postkolonialismus und ähnliche Themenbereiche abgedeckt werden. Erreichen möchten sie damit alle Personen, die mehr über Minderheitserfahrungen wissen oder die über ihre eigenen Erfahrungen als ethnische oder religiöse Minderheit diskutieren möchten. „Erfahrungen von Minderheiten sind ein Thema, das in Deutschland nicht genügend und nicht öffentlich diskutiert wird. Das Ausbleiben dieser Diskussion führt an vielen Stellen dazu, dass Minderheiten ausgegrenzt, verurteilt, verfolgt, oder ihre Probleme nicht ernst genommen werden“, sagt Azeret.

Text: Ornella Cosenza 

Foto: Privat

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Die Verbindung zwischen dem Studium der Psychologie und dem Schreiben von Musicals muss nicht jedem auf dem ersten Blick logisch vorkommen. Simon Moll hat durchaus Verbindungen gefunden. Er hat festgestellt, dass sowohl Schauspieler als auch Psychologen den Zusammenhang zwischen der unsichtbarer Psyche und dem sichtbarem Verhalten analysieren. Ein Psychologe sieht ein Verhalten und versucht daraus auf die psychischen Prozesse zu schließen. Der Schauspieler hingegen bekommt eine Rolle vorgelegt und versucht dann, deren psychische Prozesse durch sein Spiel sichtbar zu machen. Die beiden Berufe unterscheiden sich seiner Meinung nach also nur durch die Richtung der Aufgabenstellung. Nach dieser Erkenntnis hat sich Simon kurzerhand dazu entschloss, ein Musical zu konzipieren, komponieren und zu schreiben: „Norbert – Das Computerspiel-Musical“. Es wird am 27. und am 28. Oktober in der Kultur-Etage Messestadt aufgeführt. Viktor Schacherl

 

Foto: Moritz Moll

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Palästina ist nicht Pakistan. Dass das nicht immer ganz klar ist, erfährt man in der ersten Folge des neuen Podcasts „Kanackische Welle“. Dort erzählt Marcel Nadeem Aburakia, Halb-Palästinenser, Halb-Deutscher, dass zu Schulzeiten seine Mitschüler oft Palästina mit Pakistan verwechselt hätten, als er ihnen erzählte, dass sein Vater aus Palästina stammt. „Und, wie ist das so, in der Nähe von Indien?“, haben sie ihn dann gefragt. Kanackische Welle ist ein Podcast der beiden Münchner Journalisten Malcolm Ohanwe, 25, und Marcel Nadeem Aburakia, 23. Beide eint, dass sie unter anderem palästinensische Wurzeln haben. Kennengelernt haben sie sich beim Bayerischen Rundfunk. In ihrem Podcast, der auf allen gängigen Streaming-Diensten verfügbar ist, sprechen sie über Popkultur, Rassismus, Sport und Musik, aber eben auch über Identität und das Aufwachsen als Halb-Palästinenser in Deutschland. „Natürlich geht es um Sichtbarkeit und darum, eine Plattform für uns und andere Menschen mit Migrationshintergrund zu schaffen. Wir beide haben Diskussionsbedarf. Diesen können wir mit dem Podcast frei und unabhängig ausleben“, sagt Malcolm. Ansprechen wollen sie mit dem Podcast Hörer mit Einwanderungsgeschichte, „aber natürlich sollen uns auch Deutsche ohne Migrationshintergrund hören“, sagt Malcolm. Ornella Cosenza

Foto: Sümeyye Ugur

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Ludwig und Kunst, die offene Bühne der LMU, hat eine neue Heimat: Am 19. Oktober läuft die erste Show in der neu eröffneten Studiobühne der Theaterwissenschaft der LMU, zu finden in der Neuturmstraße 5. Emma Greve, 24, freut sich über die neue Heimat: „Alle Leute, die etwas bei der Studiobühne machen, sind wieder unter einem Dach. Jetzt kann wieder viel mehr Austausch entstehen.“Zum Auftakt kann man sich laut Emma auf eine bunte Mischung freuen: Neben Stand-up-Comedy, Rap und einem Singer-Songwriter gibt es auch eine chilenische Band sowie einen Science-Slam zu bewundern. Amelie Völker
Foto: Jean-Marc Turmes

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Das Aufwachen am Morgen nach einem One-Night-Stand, der fremde Mensch neben sich im Bett, der Kater nach der vergangenen Nacht – alldem wohnt durch die Unbehaglichkeit der Situation auch eine gewisse Komik inne. Diese wollen Anna Cvetkov, Bella Kilian, Ida Marie Sassenberg, Leila Keita und Lilly Müller, alle zwischen 21 und 29 Jahre alt, unter dem Namen „Feminist Mumblecore Comedy Project“ in einem Kurzfilm einfangen. Das Feministische des Projekts rührt daher, dass es eine Frau ist, die sich verschiedene Einmal-Partner mit nach Hause nimmt, ohne dabei als leichtes Mädchen dazustehen – und nicht, wie sonst in Filmen üblich, Männer. Die Protagonistin wird von Initiatorin Ida gespielt, ihre männlichen Partner sind Laienschauspieler. Vorgegebene Rollen und Texte gibt es nicht, die Szenen werden improvisiert. Vier der fünf Frauen haben bisher kaum Film-Erfahrung. „Durch unsere unterschiedlichen Erfahrungen erhoffen wir uns einen lustigen Film, der nicht super perfekt sein wird, aber hoffentlich für alle Zuseher Spaß macht“, sagt Leila. Bis Mitte 2019 soll die Produktion beendet sein, dann soll der Kurzfilm auf Festivals präsentiert werden. Maximilian Mumme