Neuland: Protest & Isolation
Fotos: Jana Perusich / Moriz Oberberger

Neuland: Protest & Isolation

Protest

Foto: Bureau Populaire

 

 

 

 

Das erste Produkt des kürzlich gegründeten Kollektivs Bureau Populaire, ein Unisex-T-Shirt, zeigt rücklings eine rote Stickerei, die eine Hommage an Luigi Nonos „Al gran sole carico d’amore“ darstellt, eine Oper von 1975 über den Kampf des Volkes gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Faschismus. Die der Stickerei zugrunde liegende Zeichnung stammt von einem französischen Mönch aus dem 18. Jahrhundert – Timotheus Überall, 27, und Marc Henry, 23, beide bildende Künstler und wohnhaft in München und in Wien, haben sie für das Shirt entsprechend abgeändert. Das Shirt steht im Zusammenhang zu einer aktuellen Videoarbeit, in der sich die beiden mit europäischen Protestbewegungen und deren medialen Repräsentation beschäftigen. „Wir sehen Bureau Populaire sozusagen als paneuropäischen Think Tank“, sagt Timotheus. Amelie Völker

Isolation

Philipp Polder, 28, ist Gestalter, von ihm stammt unter anderem das Konzept der Hunde-Motive auf den Bierdeckeln der Bar „Schwarzer Dackel“ im Münchner Westend. Zusammen mit dem Illustrator Moriz Oberberger will Philipp jetzt mit bunten Animationen gegen die momentane Isolation ankämpfen. Deswegen haben sie gemeinsam das Projekt „People@Home“ gestartet. Auf peopleathome.com schwurbeln die Illustrationen seines Kumpels Moriz herum. Bunte, handgezeichnete und animierte Charaktere, die auf absurde und humorvolle Art verschiedene Bewältigungsstrategien, wie Sport, Essen und Selbstumarmungen zeigen. „Der Grundgedanke war, eine Art spontane Community zu schaffen und nach Möglichkeit ein bisschen näher zusammenzurücken“, sagen die beiden. Jeder der Lust hat, kann sich durch eine Spende ein animiertes Kerlchen erstellen lassen. Die Spenden gehen an die WHO, in knapp 14 Tagen sind demnach schon fast 2000 Euro für den COVID-19 Solidarity Response Fund zusammengekommen. Lena Bammert

Neuland

Neuland

Es gibt sie, die schönen Geschichten in Corona-Zeiten, und manchmal kommen sie verkleidet als Facebook-Post in einer Gruppe für Wohnungssuchende daher: „Vollmöbelierte Wohnung für Corona-Helden“. Das Angebot: eine Zwei-Zimmer Wohnung in Schwabing für 300 Euro warm im Tausch für „einen schönen Grund und bestenfalls einer Arbeitsbestätigung“. Lena Haslberger, 21, Sängerin von Sweet Lemon, studiert eigentlich in München, wohnt aufgrund der momentanen Situation jedoch bei ihren Eltern auf dem Land. Zumindest für diese Zeit will sie Krankenschwestern, Ärzten, Supermarktangestellten das Leben etwas einfacher machen – Menschen, die aufgrund ihres Jobs momentan alleine wohnen müssen oder sollten: „Ich denke mir auch wirklich, dass das eine Kleinigkeit ist und normal sein sollte.“ Gemeldet haben sich ziemlich viele Leute, darunter auch einige Nicht-Corona-Helden, die nur unzufrieden mit ihrer Wohnungssituation sind. Gerade ist Lena daher noch mit dem Auswählen beschäftigt. Sie will ihre Wohnung an jemanden geben, der sie wirklich dringend braucht. Lena Bammert

Neuland: Aufklären & Aufspielen
Martin Ryll / Foto: privat

Neuland: Aufklären & Aufspielen

Aufklären

Im Internet kursiert zurzeit einiges an Gerüchten und Falschmeldungen rund um das Coronavirus und die dadurch ausgelöste Krise. Doch es gibt natürlich auch viele Experten, die tatsächlich über die Krankheit aufklären und den Menschen Informationen und Tipps zum Umgang mit der gegenwärtigen Situation bieten wollen. Einer von ihnen ist Martin Ryll, 21, der schon seit ungefähr zwei Jahren unter dem Pseudonym Der Medizinstudent Videos auf YouTube hochlädt. Dort gibt er Interessierten einen Einblick in den Alltag des Medizinstudiums, behandelt aber auch allgemeinmedizinische Themen. Vor kurzem hat er jedoch noch einen Zweitkanal namens Einfach Medizin gegründet, auf dem er gerade regelmäßig über neue Entwicklungen im Verlauf der Corona-Krise berichtet und diese aus medizinischer Sicht einordnet. Darüber hinaus zeigt er in seinen Videos beispielsweise auch die Symptome einer Erkrankung an Covid-19 auf oder spricht darüber, ob Atemschutzmasken wirksam gegen eine Ansteckung schützen können. Wenn das Thema Corona-Virus irgendwann nicht mehr ganz so drängend ist, will Martin auf dem Kanal dann auch wieder über andere Krankheiten aufklären. Moritz Richter

Aufspielen

Die Corona-Krise macht erfinderisch, besonders in der Münchner Musikszene. So haben vor dem Hintergrund der aktuellen Situation Manuel Palacio (Fancy Footwork), Marco Tarara (Booker) und Marcel Chylla (Producer) den Wastl Stream ins Leben gerufen. Zu Beginn bestand die Idee darin, jeden Abend Livestreams mit Bands aus der Münchner Musikszene aus dem Studio auszustrahlen. Da sich die Lage aber weiterhin zugespitzt hatte, hat sich das Konzept von Wastl Stream etwas verändert: „Um die Community zu Hause trotzdem bei Laune zu halten und um den Musikern und Menschen, die im Hintergrund in der Musikszene tätig sind, weiterhin eine Plattform zu bieten, werden wir nun, bis es zu einer Auflockerung der Ausgangsbeschränkungen kommt, Interviews via Skype, Talkrunden und entspannte DJ-Sessions aus unseren jeweiligen Wohnzimmern streamen“, sagt Marcel. In den vergangenen Tagen sind bereits junge Musiker wie Liann aufgetreten, ein Interview mit Victoryaz gab es auch schon. Die Streams laufen auf YouTube, Twitch und Facebook. Die Künstler kann man darüber hinaus mit einer Spende über die Internetseite von Wastl Stream unterstützen. Ornella Cosenza

Neuland: Auf gute Machbarschaft & Zusammen allein
Machbarschaft-Teammeeting / Foto: privat

Neuland: Auf gute Machbarschaft & Zusammen allein

Auf gute Machbarschaft

Marc Sommer, 20, Wirtschaftsinformatikstudent an der TUM, wollte in dieser Ausnahmesituation etwas Gutes schaffen. Deswegen programmierte er vor zwei Wochen beim #WirVersusVirus Hackathon der Bundesregierung mit. Zusammen mit seinen 20 Teammitgliedern entwickelte er Machbarschaft, eine Plattform für Solidaritätsangebote, die durch die Verbindung von Telefonservice, einem Bot und einer App Menschen ohne Internetzugang etwa bei Einkäufen helfen soll: „Ältere Menschen ohne Internet brauchen uns in Zeiten von Corona mehr denn je.“ Die kostenlose und automatisierte Telefon-Hotline kann jederzeit unter 040/299960980 erreicht werden, ein Bot zeichnet die Anfragen auf, diese werden verarbeitet und als Aufträge an die App und dort verifizierte Helfende gesendet. Hotline und Webseite machbarschaft.jetzt existieren bereits, die App ist in Arbeit. Mittlerweile hat die Bundesregierung bekanntgegeben, welche Projekte weiterhin unterstützt und gefördert werden sollen, von 1500 Projekten wurden demnach 20 ausgewählt. Machbarschaft ist eines davon. Lena Bammert

Zusammen allein

Junge Münchner Musiker haben es derzeit schwer, wie alle anderen Künstler auch. Viele Bands aus München mussten ihre Live-Auftritte absagen. Doch die Münchner Musikszene trifft sich weiterhin mit ihrem Publikum: In Sozialen Netzwerken, etwa Instagram. Dort finden Konzerte im Livestream statt, wie kürzlich von Musikerin Elena Rud, den Kytes, Henny Herz, The Whiskey Foundation und anderen. Das Publikum kann die Konzerte vom Sofa aus verfolgen, es wird jedoch auch selbst aktiv. Lisa Seebauer, 27, leitet einmal im Monat die offene Singgruppe Singbar in der Goethestraße, momentan findet das Singen virtuell statt: „Jetzt ist es wichtig, dass alle positiver gestimmt sind. Singen macht nicht nur glücklich, sondern stärkt das Immunsystem und das Gemeinschaftsgefühl.“ Am Ende fühlen sich zusammen dann alle etwas weniger allein. Ornella Cosenza

 

Neuland: Ausgezeichnet & Aufgezeichnet
Foto: Julian Mittelstädt

Neuland: Ausgezeichnet & Aufgezeichnet

Ausgezeichnet

Der Münchner Fotograf Julian Mittelstädt, 29, wurde zusammen mit dem Autor Marvin Xin Ku für ihre Reportage „BDSM mit Behinderung“ mit dem Hansel-Mieth-Preis 2020 ausgezeichnet. Für die Geschichte fotografierte Julian Mittelstädt Christian Kiermeier, einen jungen Blogger aus München, der sich mit dem Thema Behinderung und BDSM-Sexualität beschäftigt. Die Reportage von Marvin und Julian soll darauf aufmerksam machen, dass Menschen mit Behinderung sexuelle Bedürfnisse haben – und auch die anderer erfüllen können. Entstanden sind starke und intime Aufnahmen. „Ich bin dankbar für das Vertrauen von Christian und seinen Begleitern. In öffentlichen Medien sollten mehr Menschen mit Behinderung gezeigt werden“, sagt er. Die Reportage erschien im vergangenen Sommer bei Vice.  Ornella Cosenza

Aufgezeichnet

Aktuelle Probe für das Stück

Online und allein statt miteinander vor Publikum: für ihr Abschlussstück „Wir sind noch einmal davon gekommen“ stehen die Studierenden des 4. Jahrgangs der Theaterakademie August Everding nicht auf der Bühne, sondern streamen von zuhause aus. Jeder vor seiner eigenen Webcam. Ein Probenprozess mit vielen Herausforderungen, wie Schauspielstudentin Sandra Julia Reils, 25, erzählt, „Was können wir aus unseren Wohnungen machen? Wie kann das vor der Kamera aussehen? Wir probieren uns noch aus und wissen nicht genau wo da unsere Grenzen liegen, aber wir wollen uns das Abschlussstück auf keinen Fall kaputt machen lassen.“ Das Stück stammt aus dem Jahre 1942, handelt von einer katastrophengeplagten Welt und passt gespenstisch gut in die gegenwärtige Situation. Die ist für Peter Sampel, den 22-Jährigen Dramaturg des Stücks eine echte Chance, Theater neu zu denken: „Wir müssen total reduzieren. Neun Bilder auf einem Bildschirm, neun Mal Ton, da kann man nichts gleichzeitig zeigen. Das entschleunigt, lässt Zeit für den Zufall.“ Auf ihrem Instagram Account @wirsindnocheinmaldavongekommen zeigen die Künstlerinnen und Künstler diesen Weg, dort wird auch der Aufführungstermin bekannt gegeben werden. Laura Wiedemann

Neuland: Schauen & Bauen
Mitglieder von Astronomy on Tap München / Foto: AoT München

Neuland: Schauen & Bauen

Schauen

Erst tief ins Glas schauen und danach in die Weiten des Universums eintauchen. Das ist das Konzept von Astronomy on Tap (AoT). Lokale Wissenschaftler reden in verständlicher Weise über Galaxien und schwarze Löcher, dabei wird in einer Bar getrunken und gespielt. Erfunden wurde es in New York City, seit Februar gibt es auch einen Ableger in München. Dafür danken kann man Agne Semenaite, 24. Agne ist Astrophysik-Doktorandin und damals in Edinburgh auf AoT aufmerksam geworden. Daraufhin hat sie sich in München mit neun Kollegen zusammengetan, und jetzt findet AoT einmal im Monat in der Kooks Bar statt. Dabei ist die Bar laut Roland Szakacs, 26, ebenso wichtig wie die vortragenden Wissenschaftler selbst: „Da wir den Leuten auch zeigen wollen, dass Wissenschaft Spaß machen kann, ist eine entspannte Bar, wo es auch reichlich Bier gibt, der perfekte Ort dafür.“

Bauen

Foto: Erik Mahler
Foto: Erik Mahler

Erik Mahler, 23, schaut sich gerne Münchner Grünflächen von oben an. Per Google Earth. Denn wenn das Gras einer Grundstücksgrünfläche heller ist als das der Nachbarn, dann steht dieses Haus vermutlich leer und wird bald für etwas Neues abgerissen. Erik sagt dazu nicht abreißen, sondern „wandeln“. Diesen Wandel möchte er für alle sichtbar machen. Deswegen zeichnet, photoshopt und recherchiert er so lange, bis er genügend Skizzen und Fotos zusammen hat, um das Vorher und Nachher von Gebäuden zu zeigen. Die werden dann auf seinem Instagram-Account @baugenehmigung veröffentlicht. Erik macht das, damit mehr über Neubauten nachgedacht wird: „Wir als Münchner müssen uns bewusst werden, dass sich eine Stadt immer verändern wird und dürfen nicht per se gegen diese Veränderung sein.“ Lena Bammert

Neuland: Stand-up & Start-up
Sebastian Ulrich / Foto: Michi Mauder

Neuland: Stand-up & Start-up

Stand-up
In München gibt es mittlerweile weit mehr Comedy-Bühnen als überhaupt Wochentage, und diesen Mittwoch startet auch schon die nächste: Die 26-jährigen Hauke van Göns und Sebastian Ulrich laden zum Spin-off von Sebastians „Ja und Weiter“ Bühne: „Wuff und Weiter“ findet im Schwarzen Dackel im Westend statt. Es wird die 17. regelmäßige Stand-up-Bühne in München sein: „Viele Comedians befinden sich gerade in einer Übergangsphase, zwischen Spaß mit Freunden und langsamer Professionalisierung. Eine extra Bühne bringt mehr Stagetime und langfristig ein höheres Niveau“, sagt Sebastian. Auch hier gilt: Ob Anfänger oder Routinier, jeder darf nach einer simplen Anmeldung in der jeweiligen Facebook-Veranstaltung für sieben Minuten auftreten. Aylin Dogan

Start-up
Ein Schlagloch. Ein plötzlich endender Fahrradweg. Das alles kann Münchner Radfahrer einiges an Nerven kosten und das will das Start-up Upride ändern. Die vier Studenten Kilian Schulte, 22, Steffen Linßen, 22, Benedict Mähn, 22, und Daniel Kühbacher, 24, haben einen Tracker entwickelt, der bei Freiwilligen ans Fahrrad montiert wird und anonymisierte Daten, wie sie erklären, sammelt. Dadurch können sie Gefahrensituationen, Unebenheiten oder stark frequentierte Routen ermitteln. „Die Daten sind flächendeckender und detaillierter als jene der Stadt München“, sagt Benedict. Die Stadt würde mit diesen Daten dann die Informationen erhalten, damit sie die Radinfrastruktur verbessern kann.
2019 gewannen die vier Studenten den Innovationspreis 2019 in der Kategorie „Crowdsourcing nutzen“ sowie die Smart-City-Challenge 2019 der Stadtwerke München. Damals hieß das Start-up noch bike|solutions. Der Name wurde kürzlich geändert. Momentan befinden sich die Gründer in einem Pilotprojekt mit dem IT-Referat der Stadt München. Annika Essmann

Neuland: Nadel & Tinte
Eileen Aolani & Sandra Bejarano

Neuland: Nadel & Tinte

Nadel
Der Körper von Eileen Aolani, 23, Fotografin und Künstlerin aus München, ist von oben bis unten geschmückt mit Tattoos. Einige davon hat sie selbst entworfen, sich aber von anderen stechen lassen. Jetzt nimmt sie die Nadel selbst in die Hand und tauscht Papier gegen fremde Haut. Daniel Schray, Tätowierer aus München und mit Eileen befreundet, hat sie auf die Idee gebracht, ihre eigenen Zeichnungen, die oftmals abstrakte und verzerrte Linienzeichnungen sind, anderen Menschen zu tätowieren. Bei Daniel lernt Eileen aktuell die Kunst des Tätowierens. Bisher hat sie vier Tattoos gestochen.„Ich sehe das als Weiterführung meiner Kunst. Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Angst, auf die Haut von anderen Menschen etwas so Permanentes zu zeichnen. Auf dem Skizzenblock ist das ja schon etwas anderes. Es haben sich aber schon viele Leute gemeldet, als sie gesehen haben, dass ich jetzt Tätowieren lerne“, sagt sie. In erster Linie sehe sie sich aber weiterhin als Künstlerin, nicht als Tätowiererin.

Tinte
Auch Performance-Künstlerin Sandra Bejarano, 28, greift immer öfter zu Nadel und Tinte. In ihrer Kunst arbeitet sie normalerweise mit Körperflüssigkeiten und einer speziellen molekularen Technik, um das Aussehen oder die Textur der Flüssigkeiten zu verändern. Dadurch erforscht sie den Körper, seine Tabus und organische Materialien. „Die Haut ist ja auch eine organische Materie. Für mich besteht da eine konzeptuelle Verbindung zwischen meiner Kunst und der Tattoowelt, dem Verhalten der Haut, wenn sie mit Pigmenten tätowiert wird“, sagt sie. Das Tätowieren hat sie sogar als Bestandteil in einigen ihrer Live-Performances integriert, wie zuletzt bei der Performance „Bitchfight“. Sie tätowiert aber auch professionell in einem Münchner Tattoo-Studio. Ornella Cosenza

Fotos: Eileen Aolani / Anna-Elena Knerich

Neuland: Gemeinsam & Stark
Julia Walk / Foto: Ava Ella Kalff

Neuland: Gemeinsam & Stark

Gemeinsam

Das Ziel, das sich das Münchner Instagram-Projekt @artistscurrent gesetzt hat, ist ein großes: Indem junge Kunstschaffende sowie ihre Projekte vorgestellt werden, sollen Einblicke auch in die Ecken der Kunstwelt gewährt werden, die außerhalb des eigenen Umfelds liegen. Wie das funktionieren soll? Über eine Art Schneeballsystem: Die Vorgestellten nominieren jeweils drei weitere Künstler, die dann auch auf dem Instagram-Kanal präsentiert werden. Diese schlagen dann drei weitere Künstler vor, und immer so weiter. Dadurch soll eine Vielzahl an Künstlern erreicht werden. Der erste Post ging vergangene Woche online, zu sehen sind die Julia Walk, Studentin an der Kunstakademie, und mehrere ihrer Werke. Was gefällt ihr an dem Projekt? “Anstatt Konkurrenz und Missgunst, wird hier eine Vernetzung untereinander gestärkt“, sagt die 27-Jährige.  Max Fluder

Stark

Ach, wie hat sich dieses Musik-München gewandelt. Einst hieß München unter Musikern gerne „Hobbyband-Stadt“. Zum einen, weil die Musiker so viele Nebenjobs hatten, um sich einen Proberaum und das Leben an der Isar überhaupt leisten zu können – die eigene Musik lief wegen des Zeitmangels nur noch nebenbei. Zum anderen, weil sich nur ganz wenige Bands einen Bekanntheitsgrad außerhalb der Stadt erspielten. Und wenn es ihnen gelang, bekamen die Musiker oft Neid von anderen Bands zu spüren. So war das damals. Heute kennt man Bands aus Bayern auch in Berlin – und statt Missgunst gibt es Kooperation. Ein paar Beispiele: Anfang Januar präsentierte King Of Cons ihr Album im Ampere. Im Laufe des Konzerts kam Samt-Frontmann Jakob Arnu und unterstützte das Duo mit seinem Saxofon. Fiva nimmt Klara Rebers und Leoni Klinger, also Umme Block regelmäßig mit auf Tour. Für das Projekt Songs from her haben sich fünf Musikerinnen zusammengeschlossen. Und Endlich Rudern geht gemeinsam mit Die Sauna auf Tour. Schön, was heute alles geht.  Michael Bremmer